Bedürftig. Wirklich bedürftig.

Bedürftig – 4. Kandidat: Herr Michael S.

 

Bernd Bieglmaier brauchte dieses Mal noch weniger weit zu gehen. Er sah den Kadidaten im Fernsehen. Er sah ihn in der Zeitung und in Magazinen. Er sah ihn auf Plakaten. Er hörte ihn im Radio. Er entdeckte ihn im WWW – den Herrn S.

Herr Michael S. hat derzeit das Amt des Vizekanzlers und gleichzeitig das Amt des Außenministers inne. Diese Doppelbelastung wird ihm durch ein äußerst üppiges und durch Steuergelder finanziertes Gehalt versüßt.
Zu recht, wie wir meinen, denn wir wissen, wie hart es ist, zweimal die selbe Scheiße unter das Volk zu bringen.

Das macht diesen Mann natürlich noch nicht bedürftig, denn es scheint seinem Beruf geschuldet zu sein. Oder seiner Auffassung. Den Anspruch auf Bedürftigkeit, welchem wir ihm nicht verwehren wollen, erwirbt er sich auf letztere Weise.

 

In seiner Rolle als österreichischer Vizekanzler musste Herr Michael S., Jahrgang 1959, immerhin recht alt werden, um urplötzlich zu erkennen, wie ein Defizit entsteht. Indem man mehr ausgibt als einnimmt. Das ist nicht neu, das ist jedes Jahr so, das Defizit, nicht die Erkenntnis des Herrn S.

So kann es keine Überraschung sein, dass es nicht seine eigene Erkenntnis gewesen ist, nicht gewesen sein kann, denn wer bis zum 10. Lebensjahr noch nicht darauf gekommen ist, wird normalerweise in spezielle Lerneinrichtungen transferiert, um dort möglichst schonend auf eine zukünftige gesellschaftlche Integration vorbereitet zu werden.

Aber nicht so der Herr S., der konnte mit seinen offensichtlichen Mängeln Außenminister und Vizekanzler werden. Weil es immer wieder nette Menschen gibt, die ihm diese und jene Informationen zukommen lassen. Er muss sie nicht verstehen, er muss sie sich nur merken und nachplappern, besser noch: ablesen. Diese netten Menschen kommen häufig aus Übersee, wo Herr S. so viele Freunde hat. Sie sind so nett, dass sie sogar ungebeten Informationen zukommen lassen. „Raten“ nennen sie das. Das Land von Herrn S. „raten“ und Herrn S. etwas raten. Natürlich vollkommen uneigennützig, ist doch klar.

Herr Michael S. nahm diesen Ball nur zu gerne auf, um öffentlich auf eine zusätzliche Zinsbelastung von etwa 3 Milliarden Euro hinzuweisen, sollte „sein“ Land eine Bonitätsherabstufung durch seine US-amerikanischen „Freunde“ erfahren. Leider vergaß er zu berichten, wer dieses erneute Vermögen erhalten würde – und nun auch erhält.

Herr S. konnte in seiner Funktion als Vizekanzler sogleich Vorschläge einbringen, um dieser weiteren Belastung aufgrund des vermeintlichen Rechen- und Verständnisfehlers zu entgehen. Zum Beispiel mit einer so genannten „Schuldenbremse“, einer Absichtserklärung im Verfassungsrang. Kostet nämlich nichts, was schon sehr positiv daherkommt, bewirkt dummerweise aber auch nichts. Stattdessen sah es sogar maximal dumm aus, denn auch andere waren auf eine ähnliche Idee gekommen – vor ihm.

Nun, die Schulden sollen ohnehin nicht „gebremst“ werden, weil alle Länder mit ihrer beabsichtigten Schulden- und Zinspolitik das Großkapital bedienen und auch weiterhin bedienen sollen. Es soll nur noch schneller gehen, diese nicht deklarierte Umverteilung von unten nach oben. Aus irgendeinem Grund ist aber dieser Umstand nie bei Herrn S. angekommen. Stattdessen kam er freundlicherweise den Bedürfnissen einiger weniger vermeintlicher Freunde nach, deren Forderungen er gerne an die Massenmedien weiterleitete: Kürzungen von Leistungen des Staates, natürlich auch die Privatisierung von lukrativen Unternehmen, damit Freunde auch weiterhin Freunde bleiben würden, weiterer Abbau der Demokratie und gleich noch die Abgabe von Souveränitätsrechten nach Brüssel, um nicht nur deren gierigen Vermögenszugriff auf das Volkseigentum zu verbessern.

Aber man würde ja was dafür bekommen, hatte Herr S. in einem Interview gesagt. Aber wer ist das: „man“? Er, der Herr Michael S.? Seine Freunde? Irgendwen muss er ja damit gemeint haben. Alle anderen bekommen nämlich nichts. Was soll außerdem „was“ sein, was man angeblich bekäme? Das wusste er offenbar selbst nicht, er sagte es nicht.
Stattdessen warnt der Herr S. so gerne medial. Nein, nicht etwa vor seiner eigenen Person, sondern vor den anderen, den anderen wenigen Ländern, die unter sich ausmachen würden, was in der EU geschehe. Nur ist ausgerechnet Michael S. genau der, in dessen Verantwortungsbereich dieses Faktum fällt und genau die Person in Österreich, die alles dafür tut, damit es auch so bleibt. Noch dazu ist die EU alles andere als eine demokratische Einrichtung. Bizarrerweise hat Herr S. bereits davon gehört, denn auf die Frage, wie man das Demokratie-Defizit auf EU-Ebene beheben könne, hatte er sofort eine gescheite Antwort parat: durch ganz starke Signale!
Na, dann signalisieren Sie mal ganz stark, Herr S.!

Uns blieb in der Redaktion jedenfalls die Spucke weg. Da wir nun wirklich nicht annehmen wollen, dass Herr S. als Vizekanzler in korrupter- und verräterischerweise den Interessen des Auslands und der internationalen Finanzkonzerne dient, müssen wir ihm bei den unüberbrückbaren Widerspüchen seiner hohlen Worthülsen und seines Handelns bzw. Nichthandelns den Status eines besonders dummen, inkompetenten, verantwortungslosen, schizophrenen, asozialen Bedürftigen zweifellos anerkennen.

 

Mittwoch
29
Februar 2012
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