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Die Oslo-Bombe

 

Vor rund einem Jahr hatte sich die „Installation des Versagens“ mit dem Breivik-Fall beschäftigt.

Der norwegische Fernseh-Sender NRK hat nun eine Dokumentation zum Breivik-Fall produziert oder zumindest angekündigt und vorab ein Video veröffentlicht, in welchem einige Sequenzen aus Oslo vom Anschlagstag gezeigt werden. In Deutschland berichtet der FOCUS darüber.

Hier der Link zum FOCUS:

http://www.focus.de/politik/videos/ueberwachungsbilder-aus-oslo-neue-videos-zeigen-breivik-bei-seinem-anschlag_vid_34498.html

Nichtssagend.

Diese Videomaterialien stammen von der Polizei, weswegen es nicht überrascht, dass das Gezeigte nichtssagend ist. Die Person, welche sich von dem Lieferwagen entfernt, wird zwar als Breivik bezeichnet, zu identifizieren ist der Mann aber nicht im geringsten. Es kann jeder gewesen sein.

In jener Situation, wo der Mann den Lieferwagen verlassen haben könnte, wird plötzlich wie unmotiviert ein nichtssagendes Standbild aus dem Inneren eines Gebäude gezeigt. Der Verfasser dieses Videos hat mit diesem Einschub den konkreten Zusammenhang zwischen Fahrzeug und Person verborgen, sich aber dafür Mühe gegeben, den statischen Aufnahmen der Kameras mit Zoomfunktion und kleinen Schwenks eine dramaturgische Note zu verpassen – freilich ohne jeglichen Inhalt und Grund.

Ähnlich verhält es sich mit der netten Darstellung einer Explosionswirkung aus mehreren Blickwinkeln. Die Explosion selbst, die Ursache, wird allerdings nicht gezeigt und somit auch nicht der vermeintliche Zusammenhang zwischen Lieferwagen und Bombe. Theoretisch könnten die Bilder vom Lieferwagen auch an einem anderen Tag aufgezeichnet worden sein – wir wissen es nicht.

Vielsagend.

Oft genug ist es weitaus aufschlußreicher zu erkennen, was n i c h t gezeigt wird. Dazu gehört zweifellos jener Screenshot einer Überwachungskamera (publiziert von der Zeitung Verdens Gang, Quelle: norwegische Polizeibehörde), auf welcher dieser uniformierte Mann einen Polizeihelm trägt, der seine Identifizierung nicht ermöglicht, aber Breivik darstellen soll. Noch dazu mit einer Pistole in der Hand.

Also extrem unauffällig im überwachten Regierungsviertel eines NATO-Landes. Die perfekte Tarnung. Zumindest für die norwegischen Behörden.

Sagen sie. Also die, denen am Anschlagstag nicht nur einige grobe „Pannen“unterlaufen sein sollen, sondern die es sogar geschafft haben, keine einzige auszulassen, um dem Massaker auf der Insel Utöya einen zeitlichen Rahmen zuzubilligen. Ungewollt natürlich. Es gilt ja die Unschuldsvermutung.

Wer sich die Mühe macht, diese kleine Videozusammenstellung der norwegischen Polizei ein zweites Mal anzuschauen, dem wird auffallen, dass eine Überwachungskamera-Sequenz aus der Reihe fällt. Weil es sich hierbei um keine Überwachungskamera handelt.

Es ist jene Sequenz, die zuerst auf soetwas wie ein Vordach zeigte und dann manuell (!), von einem Stativ aus, nach einem großen Schwenk auf das Heck des Lieferwagens ausgerichtet wurde.

Es ist eine entlarvende Sequenz, weil der Filmer logischerweise ein Vorwissen besessen haben muss. Quelle, da Besitzer des Bandes: die Polizei. Breivik kann es nicht gewesen sein, weil dieser sich gerade unkenntlich entfernt haben soll. Quelle: auch die Polizei.

Breivik, der Einzeltäter, so die Polizei, mag sich möglicherweise heute noch freuen, dass es ihm gelungen ist, die Polizei derartig zu verwirren, dass deren sofort eingeleitete Nichtfahndung und Nichtreaktion ihm den Weg zur Insel erst ermöglicht hatte.

Wir können nur hoffen, dass auch der Einzeltäter Breivik keine Vorahnung über diese Umstände besessen hatte. Zumindest hat er es überlebt, und im Fernsehen war er auch. Dem Filmer, der seine kleine Kamera aus dem Regierungsgebäude heraus auf den Lieferwagen gerichtet hatte, dürfte es wegen der Nähe zur Bombe möglicherweise trotz seiner Vorahnung schlechter ergangen sein.

Obwohl mir persönlich der Vorahnung beschleicht, dass dieser sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht oder doch den Vortag zum Filmen vorgezogen haben könnte. Eben wegen dieser Vorahnung.

 

Ergänzung:

So schnell kann es manchmal gehen: gestern war noch „alles“ da gewesen, heute sind bereits zwei Sequenzen gekürzt. Die Zoomeinstellungen wurden entfernt.

 


Mittwoch
28
November 2012
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