Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt, der von Klenk im FALTER nicht angeführt wird, bezieht sich auf eine wichtige Feststellung und weitere ausgelesene Daten der Smartwatch. Diese außen vor gelassenen Informationen verändern das von Klenk dargestellte Bild bedeutend. Zwecks Sichtbarkeit sollen hier jene Informationen nochmals und kursiv-blau angeführt werden, auf welche er sich im FALTER beschränkt hatte.
1) Die Auswertung der Smartwatch-Daten, welche nur als „frisierte“ Sicherungskopie vorliegt, ist nicht abgeschlossen. So sind nach Stand der Dinge die verschlüsselten Gesundheitsdaten noch nicht ablesbar. Gleiches gilt für die Chat-Nachrichten.
2) Die Smartwatch versuchte (vermutlich) sich via Bluetooth mit seinem im Haus zurückgelassenen Smartphone zu verknüpfen. Dies war um 1.07/1.09 Uhr nicht mehr möglich gewesen. Das heißt, Pilnacek dürfte sich zu diesem Zeitpunkt außer Empfangsreichweite befunden haben.
a) Die Uhr wäre um 1.26 Uhr ins Wasser gekommen.
b) Die Uhr sei um 1.35 Uhr in den „Schwimm-Modus“ gewechselt.
3) 1:22 Uhr soll die Uhr offenbar ins Wasser gekommen sein, wobei die Daten einen „Cluster von Handbewegungs- und Interaktionsereignissen“ bis 1:47 Uhr aufzeigen würden.
c) Die Uhr habe danach „Ruhe“ dokumentiert.
4) Feststellung offenbar einer Bluetooth-Kommunikation von 1.23 Uhr bis 3.55 Uhr. Das heißt: es befanden sich möglicherweise Geräte mit Bluetooth-Funktionen im Umkreis der Smartwatch.
d) Es wäre der Eindruck entstanden, als wäre die Uhr um 3 Uhr aus dem Wasser gekommen – oder an die Oberfläche.
5) Die Smartwatch hatte zwischen 3.21 und 3.55 Uhr rund 3 Minuten Daten empfangen können – von dem mit ihr verbundenen Smartphone oder von fremden Geräten?.
e) 3.30 Uhr hätten die „heart rate events“ geendet.
6) Der Batterieverbrauch der Smartwatch war zwischen 1.23 Uhr und 4.03 Uhr hoch bzw. weitaus höher als zuvor, was auf eine verstärkte Aktivität der Funktionen und Sensoren schließen lässt. Um 4.03 Uhr letzter Versuch der Uhr, sich mit dem Smartphone zu verbinden, dann endete der Batterieverbrauch und es folgten keine weiteren Einträge. Erst um 10.10 Uhr am folgenden Vormittag kam es plötzlich zu einem ersten, neuen Eintrag. Die Batterie soll beim Auffinden von Pilnacek noch eine Kapazität von 27% besessen haben.
Hier lässt sich erst einmal anmerken, dass eine um 1:26 Uhr (andere Quellen nennen auch 1:22 Uhr) ins Wasser gekommene Smartwatch nicht beweist, dass auch Pilnacek ins Wasser gekommen war. Es sagt auch nichts darüber aus, um welches Wasser es sich gehandelt haben könnte. Für Klenk schien es offenbar verlockend, sich hier einen Ablauf auszudenken, nach welchem Pilnacek mehr oder minder zielstrebig zum Seitenarm der Donau spaziert und dort „verunfallend“ – irgendwie – ins Wasser gefallen sein soll. Zumal die Smartwatch um 1:35 Uhr einen „Schwimm-Modus“ registriert habe.
Allerdings hatte der Datenforensiker einen bis 1:47 Uhr andauernden „Cluster von Handbewegungs- und Interaktionsereignisse“ auslesen können. Hatte sich Pilnacek nächtlich ins Wasser begeben, um einige Längen zu schwimmen? So unwahrscheinlich dies sein mag, die von Klenk aufgestellte Unfall-These ist nicht wahrscheinlicher. Die von ihm nicht erwähnten Bewegungen würden suggerieren, dass Pilnacek nach einer vermeintlichen „Verunfallung“ sich aus unbekannten Gründen ausgerechnet ins Wasser geschleppt und dort noch eine lange Zeit gegen die dort herrschenden, nassen Bedingungen gekämpft haben soll, um anschließend im Flachwasser zu ertrinken.
Klenk ignoriert bei aller Unsicherheit der bisherigen Daten-Befundungen den bemerkenswerten Umstand, dass die Angabe, die Smartwatch sei um 1:26 Uhr (oder 1:22 Uhr?) ins Wasser gekommen, weitgehend zeitlich mit einem anderen festgestellten Ereignis korreliert: die Versuche der Uhr, ab 1:23 Uhr, mit in der Nähe befindlichen elektronischen Geräten via Bluetooth-Technik zu kommunizieren bzw. in Kontakt zu treten.
In der Nähe befindliche und mit Bluetooth ausgestattete Geräte deuten natürlich auf konkrete Personen, und dies in einer Gegend, wo sich innerhalb einer maximalen Empfangsfähigkeit unter günstigsten Bedingungen (angeblich bis zu 100m) nichts befindet. Hinzu kommt, dass sich bei einer im Wasser befindlichen Smartwatch die ein- und ausgehenden Signale drastisch reduziert hätten.
Mit anderen Worten: nach diesen Daten sollte mindestens eine unbekannte Person den Pilnacek dabei beobachtet haben, wie dieser sich innerhalb der Unfallthese aus Versehen selbst ertränkte.
Klenk beschränkt sich somit nur auf Angaben, die in seine Unfall-These zu passen schienen, für welche es freilich keinen Beweis gibt. Die Smartwatch von Pilnacek soll laut dem Befund des Daten-Forensikers noch bis 3:55 Uhr versucht haben, mit der Bluetooth-Funktion zu kommunizieren. Dann soll die Uhr, wie auch Klenk angibt, anscheinend aus dem Wasser aufgetaucht sein, und zwar gegen 3 Uhr. Dann ist auch der Datenempfang in der Smartwatch interessant, was hier nur grob auf 3:21 und 3:55 Uhr zeitlich eingegrenzt wurde. Das Gerät war sehr aktiv gewesen, worauf auch der Stromverbrauch hinweist, zumindest bis 4.03 Uhr, dem Ende der Aufzeichnungen.
Es geschah in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2023 offensichtlich etwas ganz anderes. Der FALTER geht in seinem Artikel weder auf die deutlich sichtbaren Widersprüche noch auf die Nichtermittlung seitens der Polizei und der Staatsanwaltschaft Krems ein. Es wird eine höchst unwahrscheinliche Theorie präsentiert, während andere, auf bessere Indizien fußende Theorien als „Verschwörungstheorien“ abgekanzelt werden. Die Behauptung, dass im Fall Pilnacek eine „polizeiliche Schlamperei“ vorliegen würde, ist grotesk lächerlich. Die Polizei selbst weiß davon freilich nichts.
Unserer Ansicht nach handelt es sich bei dem hier besprochenen Artikel im FALTER um einen Gefälligkeitsaufsatz mit dem Ziel, die öffentliche Meinung von dem Verdacht eines Tötungsdeliktes abzulenken. Nicht mehr und nicht weniger.
