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Film mit Ton. Nächstes Jahr auch in Wiener Neustadt.

 

Seit geraumer Zeit ist bekannt, dass der ehrenamtliche Teil des ehemaligen FRONTALE-Teams ein eigenes Festival auf die Beine gestellt hat, welches bald im SUB über die Leinwand gehen wird. „FilTa“, so der Name der Veranstaltung, entstand unabhängig von der Stadt, was – soviel ist gewiss – neben dem Charme auch für Qualität bürgen wird. Aber dazu demnächst mehr.

Vor kurzer Zeit hat wiederum die Stadt, nachdem diese die FRONTALE in geballter Inkompetenz gegen die Wand gefahren hatte, ein neues – städtisches – Filmfestival angekündigt. Mit lächelnden Gesichtern wurde per Presseaussendung die nun stärkere Abhängigkeit einer Veranstaltung präsentiert, kalt und glatt, gänzlich ohne Charme, aber dafür mit eine Lawine von Marketing-Phrasen. Allein der konstruierte Veranstaltungsname „Netzhaut Ton Film Festival Wiener Neustadt“ erzeugt eine Wohlfühlkälte wie „Augapfel Audio Visuell Festival“. Warum nicht gleich „Schneeberg-Kino“?

 

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Quelle: Screenshot Presseaussendung der Stadt Wiener Neustadt.

https://www.wiener-neustadt.at/de/stadt/aktuelles-detail/neues-filmfestival-in-buergermeistergarten-und-stadttheater

 

Das Bedürfnis, irgendwie kulturelle Löcher zu stopfen und gleichzeitig das eigene Unverständnis für Kultur mit politischer Agenda zu verknüpfen, ist einmal mehr offensichtlich. Kreative Hochleister sind als Querköpfe ausgeschlossen, somit auch Innovation und Leidenschaft. Zum wiederholtem Male setzen die Verantwortlichen auf von außerhalb zugekauftes Personal, bei dem auch noch versucht wird, eine Verbindung zu Wiener Neustadt zu konstruieren: mit einigen Drehs vor Ort für die schlechte Landesausstellung – wie peinlich.

Das Geschwafel der Werbetexter über Optimierungen, über Potenziale, die – sind wir doch ehrlich – nie genutzt wurden, Bewusstsein, Attraktivität und Positionierungen, das Gerede von Schnittstellen, vermeintlichen speziellen Massen-Bedürfnissen, von angeblicher Komplexität farbenfroh für dumpfe Gemüter zubereitet, alles hübsch eingerahmt in von anderen übernommenen, gekaperten und geklauten Hüllen von vorherigen, abgewürgten Film-Reihen (Rahmenprogramm wie BANALE, Podiumsdiskussionen wie FRONTALE), dafür aber garniert mit „Sundowner“-Cocktails für eine „Lehn‘ Dich nicht auf, lehn‘ Dich zurück“ – Ambiente … alleine die Presseaussendung löste bei uns einen Brechreiz aus.

Zitieren wir hier zum Schluss den Bürgermeister Schneeberger mit seinem Verständnis für die Dinge:

Die Tradition Wiener Neustadts als Film-Metropole wird mit NETZHAUT eindrucksvoll fortgesetzt.“

Nur ein Satz, in dem absolut kein Bestandteil einer Realität entspricht. Leeres, verlogenes Marketing-Gerede.

Daher, liebe Leute, werden wir zu den „Fil-Ta“ ins SUB gehen, das ist gut, das ist echt, das ist ehrlich, das ist leidenschaftlich – und von richtigen Menschen.

 

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Freitag
15
November 2019
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Unwillkommen!

 

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Wir hatten gerade den neuen Kalender von René Triebl vorgestellt und mussten nun etwas verspätet erfahren, dass ein Sgraffito des sehr bekannten Wiener Neustädter Künstlers Florian Jakowitsch aus dem Jahr 1960 einer Fassadenrenovierung zum Opfer gefallen ist. Auch der Denkmalschutzverein war darüber wenig erfreut gewesen.

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So viele Jahre hat gerade dieses Sgraffito allen aus dem Norden in die Stadt Einfahrenden Freude bereitet, hat es doch stets mit einem weithin sichtbaren „Willkommen“ die Gäste der Stadt begrüßt. Hierbei handelt es sich um das Gebäude in der Fischauergasse/Kreuzung Zehnergürtel, welches aktuell eine Wärmedämmung erhalten hat.

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Das Sgraffito von Jakowitsch zeigte in ganz naher Vergangenheit in fein reduzierter Art zwei Wahrzeichen der Stadt, Burg und Dom, zwei absolute kulturelle Höhepunkte, die man heute wohl als „Marken“ der Stadt bezeichnen würde, und die daher auch zurecht im Ausstellungsdesign der LA 2019 in verschiedener Form, bis hin zu den Eintrittskarten prominent in Szene gesetzt sind.

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Ausstellung Vergangenheit, Sgraffito Vergangenheit. Böse Zungen behaupten, dass hier ein Kulturdenkmal vor weiterer Zerstörungswut in dieser Stadt geschützt wurde, es wäre ja nicht vernichtet worden. Also ähnlich wie eine archäologische Stätte. Man kann es auch anders sehen, zum Beispiel als eine skandalöse Kulturschändung in einer im Gentrifizierungswahn befindlichen Stadt, welche seit Jahrzehnten sukzessiv die Reste eine Stadtbildes zu zerstören gedenkt.

Was das Sgraffito von Jakowitsch anbelangt, so können wir ein Kulturdenkmal mehr allein in Literatur betrachten, sollte uns ein „Damals“ interessieren. Der Kalender von René Triebl mit dem Motiv von Jakowitsch war bereits für das Jahr 2019 erschienen, und das hält bekanntlich nicht mehr lange an. Dafür hat es freilich den Erinnerungsfaktor gesteigert.

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Nachtrag:

René Triebl mit seinem Kalender 2019 vor der besprochenen Fassade. 

 

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Montag
11
November 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 6.

 

Zu diesem Zeitpunkt bereits ermüdet und abgeschreckt gingen wir ins Museum, wo zweifellos der bessere Teil der Landesausstellung zu finden ist. Übrigens wird dies in Zukunft auch ohne Landesausstellung so sein.

Der Bereich Mittelalter-Renaissance-Barock bedient im Kontext Wiener Neustadt allgemeine Infos zusammen mit Objekten recht gut, obwohl trotz gewisser massentauglicher Oberflächlichkeit der Raum zu klein, zu gedrängt ist. Ist eine Reisegruppe unterwegs, gelangt man kaum noch vorbei oder vor die gesuchte Vitrine.

 

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„Leben in der Stadt“ beinhaltet hier Kanonenkugeln und Hellebardenspieß.

 

Bei unserem Besuch wurden die den Texten beigefügten eher jugendlich gehaltenen Zeichnungen kontrovers diskutiert. Es ist eine Frage der Zielgruppe.

 

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Hier eines der interessantesten Stücke in der Ausstellung: eine alte Hakenbüchse.

 

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Neben anderem ebenfalls interessant: die Vitrine zum Thema Münzprägung.

 

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Der historisch betrachtet wichtigste Abschnitt der Stadt wird mit einem Text wie aus einem Kinderbuch eingeleitet.

 

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Dem folgt gleich eine zweite Seite wie aus einem Kinderbuch, dessen Autor das damalige Herrschaftsgefüge nicht ganz verstanden zu haben scheint.

 

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Richtig ist, dass jeder Herrscher in seinen Fürstentümern regieren konnte, wie er wollte und dies nicht dem Römischen König oder Kaiser oblag. Falsch ist, eine beabsichtigte Überforderung zu unterstellen, da es Anliegen gab, die alle Fürsten betrafen. Richtig ist, dass der Habsburger Friedrich gewählt wurde, weil er eine relativ geringe Hausmacht besessen hatte, um den Machtinteressen anderer nicht zu sehr ins Gehege zu kommen.

Kaum zu glauben, es folgt noch eine dritte Seite, in welchem es dem Autor offensichtlich wichtig gewesen war, das Ego der Stadtregierung zu befriedigen.

 

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Wiener Neustadt war für Friedrich bereits zuvor seine Wohnresidenz gewesen, als Herzog von Innerösterreich. Richtig ist, dass sich in Neustadt neben der landesfürstlichen ab 1440 auch die königliche (und später kaiserliche) Kanzlei befunden hatte, die dementsprechend aufgesucht worden war. Hier befand sich der Hof, der natürlich auch Händler, Handwerker, Spielleute etc. angezogen hatte. Hieraus aber das Zentrum des Römischen Reiches Deutscher zu Nation zu konstruieren, ist doch reichlich gewagt. Neustadt befand sich schon damals in der Provinz – und blieb es auch. Wirtschaftliche und kulturelle Zentren befanden sich woanders, zum Beispiel in Nürnberg oder in Köln.

Eine andere Texttafel bestach mit inhaltlicher Inkompetenz.

 

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Matthias Corvinus hatte 1462, während in Niederösterreich der Bürgerkrieg zwischen Kaiser Friedrich und seinem Bruder, Herzog Albrecht VI., geherrscht hatte, weder Friedrich III. noch Österreich angegriffen. Von dieser falschen Angabe abgesehen, geht aus dem Text nirgends die wichtige Information hervor, warum es später zu der langjährigen kriegerischen Auseinandersetzung gekommen war.

Natürlich durfte auch Andreas Baumkircher und seine Tat während der Belagerung Neustadts 1452 durch das österreichische Stände-Heer nicht fehlen.

 

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Die Quellen sind allerdings etwas widersprüchlich in ihren Angaben, ob es sich um das innere oder das äußere Tor gehandelt haben könnte. Ungeschützt war es jedenfalls nicht gewesen. Baumkircher, einer der sogenannten „Hofleute“ (militärisches Personal am Hof), gleichzeitig landesfürstlicher Pfleger und Pfandinhaber der Burg Schlaining, hatte laut dem Chronisten Piccolomini das Eindringen feindlicher Kräfte verhindert, als die eigenen Mannschaften wiederum durch das Tor geflohen waren. Die weitere Geschichte des „Helden“ wird übrigens weniger ins Rampenlicht gerückt.

Verlassen wir an dieser Stelle die historische Abteilung und kommen in den neuzeitlichen Bereich, welcher sich wohltuend von dem unterschied, was in den Kasematten zu beobachten gewesen war.

 

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Exemplarisch die Kapitel „Welthandel“ oder „Transport“.

 

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Hier hatte jedes einzelne Kapitel mehr Information als die gesamte den Kasematten angestellte Halle.

 

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Diese Darstellung von der Landesausstellung 2019 in Wiener Neustadt soll hier genügen. Zweifellos kann die von der Landes- und Stadtregierung bereits im Vorfeld geschürte übertriebene Erwartungshaltung keinerlei Bestätigung finden. Die gerne kommunizierte „Trägerrakete“ ist keine und dürfte sich ohnehin nur auf eine erhoffte Wirtschaftlichkeit beziehen, ganz sicher aber nicht auf ein Bemühen, der Bevölkerung Kultur und Bildung näher zu bringen. Vom Museum abgesehen, kann diese Landesausstellung von unserer Seite her nur als katastrophal schlecht bezeichnet werden.

 

Montag
28
Oktober 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 5.

 

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Die zweite Hälfte der Landesausstellung befindet sich im Stadtmuseum und im Kirchenbau St. Peter an der Sperr, weswegen es nun offiziell Museum St. Peter an der Sperr heißt. In Wirklichkeit handelt es sich nach wie vor um zwei Bereiche. Das umgebaute Museum war und ist ein Museum mit den entsprechenden Inhalten, und St. Peter an der Sperr, die alte Ausstellungs-Kirche, ist derzeit kein Museum.

Der Raum in St. Peter an der Sperr dient bis zum 10. November als – vorsichtig ausgedrückt – Fläche für die aktuelle Landesausstellung.

Die Tafel gleich neben dem Eingang in das Kirchenschiff, die doch etwas unfertig wirkt, leitet diesen Teil wie jene anderen zuvor mit zusammenhanglosen, leeren Schlagwörtern ein. Als Teil eines zur Schau gestellten Stumpfsinns passt es allerdings wieder.

 

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Der Kirchenraum war interessanterweise nirgendwo auch nur ein Stück renoviert worden, dafür hatte man ihn mit einem eingesetzten Holzbau umgestaltet, vielleicht auch entfremdet. War das originell? Über Stege in Form eines Parcours kann man nun hinauf in die Apsis gelangen. Geschmackssache. Unser Geschmack ist es nicht.

 

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Gerade bedrückend wenn nicht erschütternd ist aber das, was hier als Landesausstellung verkauft werden soll. Über den genannten Parcours wird abermals keine Geschichte oder eine Erzählung entdeckt, der Besucher wird mit einer Aneinanderreihung von Firmen-Reklame konfrontiert.

 

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In Neustadt ansässige Firmen erzählen selbst von Innovation und Entwicklung, was von den Veranstaltern ohne eigenes Zutun offensichtlich richtig als eine Art „Bewegung“ erkannt wurde. Mit dem Verkauf von Drohnen und Minensuchgeräten auch ins Ausland, also in die „Welt“ hinaus, ließe sich somit die „Welt in Bewegung“ erschließen.

 

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Da Wiener Neustädter Firmen-Innovationen nicht ausreichen, um einen Raum zu füllen, finden sich auch Kuriositäten bei den Selbstdarstellungen wie der Fisch, der sich gesund ernähren muss, die Umwelt nicht belastet, aber dennoch voller Lebensfreude sei und somit als geplante Nahrung echte Vielfältigkeit verkörpert.

 

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An einer Stelle wird Neustadt als Lebensraum gepriesen, herrlich naiv und oberflächlich von der Schülerin „Constanze“, von der kein Foto existiert.

 

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Dann müssen sich die Veranstalter anscheinend überlegt haben, noch irgendetwas mit „innovativer Kultur“ einbauen zu müssen. Hatte nicht jemand behauptet, dass Wiener Neustadt angeblich eine „Film-Stadt“ sei? Nachdem zuvor politisch alles unternommen worden war, heimische und durchaus erfolgreiche Initiativen zu verunmöglichen und zu vertreiben, scheint nur noch ein weitgehend unbekannter „Filmclub Katzelsdorf“ auffindbar gewesen zu sein. Deren „Innovation“, mit Spaß abseits von Realitäten zu agieren, wird plakativ als Text zur Schau gestellt.

 

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Im Kontrast zu all dem eine Tafel mit einem Zitat von Alexander Mitscherlich als einziges Detail, die auch diese Landesausstellung in Frage stellt. 

 

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Bezüglich der Metaebene dieser in St. Peter an der Sperr präsentierten Dreistigkeiten soll hier auf einen nachfolgenden Text von „Arcimbaldo“ verwiesen werden.

 

Fortsetzung folgt.

 

Freitag
25
Oktober 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 4.

 

Nach dem Verlassen der Halle ging es zurück in den Bereich der alten Kasematten, wo einem zuerst das Thema „Traditionelle Mobilität“ erwartete. Mobilität nach altem Herkommen, wenn man so will. In der Ausstellung wird dies auch mit „Unterwegs mit Muskelkraft“ umschrieben. Auch hier leere Schlagwörter, welche einem ein erfreuliches Lebensgefühl fühlen lassen sollen. Reisen und rasten, es wird geschwitzt, aber nicht gearbeitet.

 

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Die Beine und Füße als die auch historisch am häufigsten verwendeten Fortbewegungsmittel sind erstaunlicherweise kein Thema, eher das Pferd und vor allem der Wagen. Diese teilen sich einerseits in Lastfahrzeuge, andererseits in Kutschen zur Personenbeförderung auf.

 

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Es ist eine nette Sammlung von Artefakten, bei welcher unterschiedliche Pferdewagen und einige Einzelteile vorgestellt werden, alles ohne den Pferden als Zugmittel. Zwar wird an Texttafeln dieses und jenes erklärt, aber eine Geschichte und historische Kontexte suchten wir vergebens.

 

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Es wird nirgendwo der Frage nachgegangen, wer damals, innerhalb eines riesigen Zeitraumes, „mobil“ gewesen war und wer nicht. Welche Berufsgruppen waren auf Mobilität angewiesen, worin bestand diesbezüglich der Unterschied zwischen Land- und Stadtbevölkerung über die Epochen, wie hoch waren die Kosten für ein Pferd und dessen Unterhalt. Und warum fehlte eine Gattung der wichtigsten Transportmittel: Boote und Schiffe?

Wir gingen reichlich unbefriedigt in den folgenden Bereich, welchen die Veranstalter als „Motorisierte Mobilität“ tituliert haben. Auch hier eine Eröffnung mit leeren Schlagwörtern und kindlichen Fragmenten als Teil des Ausstellungskonzeptes.

 

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Motoren und Turbinen, Bestandteile, einige wenige Informationen und keine Geschichte. Die historische Rolle der Eisenbahn vor 1900 und ihre Bedeutung einschließlich der Konsequenzen wird nicht herausgearbeitet und dargelegt.

 

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Der Raum ist offensichtlich zu klein, um ein großes Thema abzudecken. Aber ein Auto und ein Motorrad gehören natürlich dazu.

 

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An einer Stelle entdeckten wir einen Aspekt, welcher die umfängliche Motorisierung erst in ungeahnte Bahnen geleitet hatte: die Kriegswirtschaft. Diese beschränkt sich auf der Ausstellung nur auf ein Detail mit Wiener-Neustadt-Bezug. Bis 1945 hatte sich hier ein riesiges Werk für die Produktion des Jagdflugzeuges Messerschmidt Bf 109 für die Wehrmacht Nazi-Deutschlands befunden.

 

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Zu sehen ist eine originale Luftschraube, eine alte Werkzeugkiste und auch ein Modell der Me Bf 109. Nebenan befindet sich eine Texttafel, die wir uns auch durchgelesen haben. Die Veranstalter haben den Text mit „Das Brüllen des Luftkrieges“ dramatisch eingeleitet.

 

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Und was bekamen wir zu lesen?

„Nach 1934 diente die Bf 109 der Deutschen Luftwaffe vor allem zum Schutz des Luftraumes vor gegnerischen Flugzeugen und alliierten Bombern.“

Offenbar sollen es damals bei den Angriffskriegen gegen Polen, Frankreich, Russland etc. ganz andere Jagdflugzeuge gewesen sein. Die Bf 109 dagegen, auch aus Wiener Neustadt, hätten „vor allem“ nur „geschützt“.

Keine Frage, das ist richtig peinlich!

Der dritte und letzte Bereich widmet sich einer ganz speziellen Mobilität. „Cloud Mobil“ nennt sich das, wobei der Akteur sich in der Regel selbst nicht mehr bewegen muss.

 

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Innerhalb des leeren Schlagwort-Gebildes wird dementsprechend behauptet: „wer sitzt kommt weiter“. Dies wird dann als „meine Mobilität“ verkauft. Der angepriesenen Schein-Mobilität, denn mehr ist es nicht, folgt eine Drohung, dass es sich dabei um „unsere Zukunft“ handeln würde.

Wir hatten uns gefragt, ob die Gestalter dieses Bereiches mit Ironie gearbeitet haben oder ob sie selbst der um sich grassierenden Geistlosigkeit verfallen waren. Die prophezeite Zukunft scheint in ihrer Vision jedenfalls wenig erhellend zu sein, worauf die Kulisse hinweist.

 

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Die „Cloud Mobil“ ist im privaten Bereich nichts weiter als die Deponierung von Daten bei privaten Dienstleistern. Die können sicher sein, müssen es aber nicht. Es ist eine Frage der Interessen dritter, auf die ein Cloud-Nutzer keinen Einfluss hat.

Nein, das ist nicht mehr Science-Fiction.

 

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Übrigens waren die für Interaktion gedachten Bildschirme am Tag des Besuches ohne Funktion gewesen…

 

Donnerstag
17
Oktober 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 3.

 

Der folgende Teil zum Thema „Mobilität“ nennt sich „Wiener Neustadt & Regionen“ und ist in dem hässlichen Anbau außerhalb der Kasematten untergebracht. Dieser der alten Architektur vorgesetzte Bau, welcher die südliche Schauseite zerstört, hat von den Veranstaltern oder von der Marketing-Abteilung den Namen „neue Bastei“ erhalten. So unter anderem nachzulesen in dem Werbe-Text „Bewegende Momente“.

 

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Nun hat dieser Anbau aber auch wirklich nichts mit einer Bastei zu tun, weil sie nicht danach ausschaut, weil sie sich nicht an dem Platz einer Bastei befindet und weil sie absolut nichts mit deren ehemaligen Funktionen zu tun hat. Es ist einfach nur ein sinnentleerter Name für irgendetwas, als würde man aus dem Wasserturm einen Bergfried oder aus der Grazer Straße eine Flaniermeile zu konstruieren versuchen. Lächerlich.

Bereits beim Eintreten in die Halle ist man zweifellos überwältigt von der kostspieligen Pracht, die sich vor einem entfaltet. Und vom Kitsch, aber das ist bekanntlich Geschmackssache. Originell schien es durchaus zu sein, Buch-Attrappen als Kulissen zu verwenden, wenn auch die kindische, deplatzierte Auslegware einen unangenehmen Kontrast vermittelte.

 

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„Bücher“ erzeugen grundsätzlich auch heute noch das Gefühl von Bildung. Doch Buch ist nicht gleich Buch. Bei einem Buch handelt es sich erst einmal um eine formale Einheit, in welchem alles stehen kann. Seitens einer visuellen Betrachtung geht es zuerst um eine Wahrnehmung und einem Gefühl dazu.

 

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Eine Schauwand beschäftigt sich ein wenig mit dem früheren Postwesen. Es gibt dazu Video, einen Audio-Beitrag und man kann eine Schublade aufziehen und den Inhalt entdecken.

 

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Ein anderes „Buch“ befasst sich ein wenig mit dem Wiener Neustädter Kanal und den damaligen Lasttransporten. Bilder, Artefakte und ein kleines Modell geben zusammen mit einigen Schlagwörtern in 12 Sekunden umfänglich Kenntnis.

 

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Das Sujet „Missionare entdecken die Welt“ gibt dagegen Rätsel auf. Offenbar soll hier fröhliches Entdeckertum – hach, und so mobil! – verkauft werden, wohinter sich allerdings Machtansprüche sowie die Unterwerfung und Ausbeutung anderer Völker verstecken. Gruselig.

 

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Beängstigend schlecht auch das Schlagwort-Sujet „Grenzen überwinden“, bei denen es nur um jene räumlichen geht. Da ist man unterwegs auf „altertümlichen Handelspfaden“, da wird Wein getrunken, es werden nach Ungarn Freundschaften gepflegt und die Puszta besucht. Das ist lieb, das ist voll mobil – und nichtssagend.

 

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Nur ein klitzekleiner Bereich – aber immerhin – deutet an, dass beim Nachbarn in Ungarn nicht alle mit den lustig-umtriebigen Österreichern einverstanden gewesen waren. Dem werden aber sofort „die edlen Tropfen der Wiener Neustädter“ entgegengehalten. Alkohol schafft offenbar Glückseligkeit.

 

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Auffallend ist die Konzentration von historischer „Mobilität“ im Freizeitbereich einer ganz kleinen Bevölkerungsgruppe. Wer es sich damals leisten konnte, konnte außerhalb der eigenen vier Wände an einer „Abend-Unterhaltung“ teilnehmen.

 

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Die Zeit von Biedermeier und der neuen deutschen Romantik werden in einem weiteren Sujet verkörpert. Es herrscht die pure Wanderslust.

 

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Zur ehemaligen „Sommerfrische“ gehören Schauplätze wie der Semmering, die Rax und der Schneeberg, das alles in selbst definierter „feiner Gesellschaft“. Die anderen bleiben außen vor.

 

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Lässig sind jene, die mit dem Auto statt der Bahn anreisen konnten. Freizeit und Luxus, das ist eine schöne Kombination.

 

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Alternativ dazu ein wenig internationales Flair während der Monarchie, als Österreich noch „groß“ gewesen war. Trieste, welches zum „Tor der Welt“ verklärt wird, ebenfalls als Ort für gut Betuchte. Sehen und gesehen werden. Abseits des großen Marine-Stützpunktes.

 

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Es gibt noch einige kleinere Sujets zu sehen, die, wie ein Modell der Wehrkirche von Krumbach, wie die ehemalige Klinik in Feichtenbach oder wie ein herrschaftlicher Stuhl in Reichenau, nichts mit Mobilität zu tun haben.

Für uns war dieser zweite Ausstellungsbereich ebenfalls eine Enttäuschung. Der Eindruck, dass die Veranstalter untere Schulklassen als Zielgruppe anvisiert haben müssen, konnte nicht widerlegt werden. Die Geschichte von Mobilität im Kontext „Wiener Neustadt & Regionen“ wird nicht erzählt. Es ist nur regional, nur oberflächlich und zudem auf einen Zeitraum von rund 120 Jahren beschränkt. Es fehlt etwas, was gerne als „roter Faden“ bezeichnet wird.

Auffallend die sprachliche Dürftigkeit, die bebilderten Schlagwörter in eher kindlicher Dekoration. Ebenso auffallend die Fokussierung auf „Lifestyle“, auf eine bestimmte Gesellschaftsschicht, ohne – zum Beispiel – einen Zusammenhang zwischen Mobilität und Einkommen auch nur zu erwähnen. Was wir in der Halle vorgefunden haben, war weder Geschichte noch Erzählung, es waren Fragmente einer einseitigen Sicht. „Bücher“ als Kulisse verkamen hier als Symbole zu einer reinen Staffage, zu einer bloßen Dekoration, welcher die Inhalte fehlten.

 

Mittwoch
09
Oktober 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 2.

 

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Eintrittskarte mit Ermäßigung für Mitglieder des ÖAMTC (Symbolfoto).

 

Wir begannen mit den Kasematten, die das Thema „Mobilität“ beinhalten.

Der erste Bereich, „Mauergeschichten Kasematten“, war überschaubar. Hier Mauerwerk der Kasematte, dort hoch- und spät mittelalterliches Mauerwerk im Inneren des Südwest-Eckturmes. Eine Stimme erzählte dazu jeweils eine Geschichte, die via Projektion mit superteuren Hochleistungs-Beamern doch nur im Comic-Stil bebildert wrd, um der Entwicklungsstufe unterer Schulklassen zu entsprechen. Zumindest entstand dieser Eindruck.

 

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Ein Stück weiter geben in einem Seitengang vier Schautafeln über die Entwicklung der Stadtmauer an der Südwest-Ecke Auskunft.

 

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Aus irgendeinem Grund gibt es aber leider keine Draufsicht für das Jahr 1487/88, einem für die Neustädter Stadtmauer bedeutendem Datum. Statt einem Bauzustand zur Zeit der Belagerung, dem Beschuss und den Angriffen der Soldtruppen aus dem Heer von König Matthias von Ungarn, muss man sich mit einer Darstellung zufriedengeben, die auf das ereignislose Jahr 1530 datiert worden war. Diese war allerdings fast identisch mit der Situation 1487/88, nur der Umfang des Vorwerkes hatte sich etwas vergrößert. (Ganz abgesehen von den Gräben, Wällen und Vorfeld-Hindernissen). 

 

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Ein Laie erfährt hier nichts Grundsätzliches. Weder über städtisches Befestigungswesen allgemein und in ihren Epochen noch über die Anlage und Funktionen von Vorwerken im besonderen, um sich ein geordnetes Bild machen zu können. Die 1487/88 bestehende Stadtbefestigung war damals auf der Höhe ihrer Zeit gewesen. Um der gängigen Belagerungsartillerie etwas entgegensetzen zu können, waren der Stadt an den Ecken und vor den Toranlagen massive und mit Kanonen bestückte Vorwerke und Bollwerke vorgesetzt worden, geschützt durch zusätzliche Gräben. In den umliegenden Städten wie Wien, Sopron und Bratislava lassen sich diese ab etwa 1440 nachweisen. Für Wiener Neustadt fehlen aufgrund der nicht erhalten gebliebenen Kammer-Rechnungen die Quellen, von zwei, drei Erwähnungen nach 1460 an anderer Stelle abgesehen. Aber es wird in Wiener Neustadt nicht anders gewesen sein

Der Interessierte erfährt nichts genaues über den Verlauf der damaligen Belagerung und nichts über die Gründe für das Scheitern der Angriffe, weil die Befestigungsanlage mit ihren einzelnen Bestandteilen selbst nur ungenügend dargestellt wird. Es wird nicht erzählt, dass fast die gesamte Süd- und Westseite systematisch beschossen worden war, und es wird nicht erzählt, dass die Truppen von Matthias Corvinus weder über den doppelten Graben noch an den Vorwerken vorbei gekommen waren. Für die damalige Zerstörung des Vorwerkes, wie fälschlicherweise auf der Texttafel behauptet wird, gibt es nicht den geringsten Beleg. Das Gegenteil ist der Fall. Nach dem Chronisten Bonfini hatte der Bau zwei Wehrebenen besessen, dazu ausreichend Besatzung sowie Kanonen. Die untere Hälfte war nicht viel mehr als eine gemauerte Hülle gewesen, die mit Erde aufgefüllt worden war – und somit weitgehend sicher vor Kanonenbeschuss. 

Das Vorwerk war 1487/88 für damalige Verhältnisse offensichtlich schon sehr groß gewesen. Von Archäologen im Boden nur angeschnittene Mauerstrukturen ließen eine spätere Vergrößerung des Vorwerkes erkennen. Leider konnte der Bereich nicht genauer untersucht werden, weil der Forschungsauftrag gefehlt hatte. Unserer Ansicht nach wurde hier an der falschen Stelle gespart, denn es fehlt somit die genaue Befundung eines entscheidenden Wehrbaues.

Wir empfanden es als sehr ungenügend und schade, dass hier trotz neuer Erkenntnisse ein wichtiger Aspekt zur Stadtgeschichte beim Thema „Mauergeschichten“ derartig kurz und oberflächlich abgehandelt wird.

Wir verließen den Bereich und entdeckten in dem weiteren Gang eine Tafel an der Wand, welche unsere Aufmerksamkeit erregte.

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Diese beinhaltete fragmentierte Phrasen, als hätten verschiedene Leute an einem Tisch irgendetwas für eine Skizze beitragen wollen. Einzelne allgemeine Bestandteile, wie der angebliche „Austausch von Ideen“ oder die Koppelung von Begriffen wie „Bewegung“ und „Austausch“ mit „Beschleunigung“ sowie dem „Entdecken neuer Welten“, was eine „Beschleunigung“ doch eher ausschließt, wären in ihrer Oberflächlichkeit sicherlich diskussionswürdig. Aber darum geht es nicht, weil keinerlei Inhalt vermittelt wird und die Texttafel nichts weiter ist als Staffage.

Beängstigend empfanden wir die Form der angezeigten Sprache, eine Aneinanderreihung von losen Versatzstücken, zusammenhanglos, hohl und semantisch unsinnig. Und doch handelt es sich hierbei um die immer häufiger eingesetzte „Sprache“ der Neuzeit, die keine mehr ist, sondern nur noch ein Gebilde, welches ohne Inhalte nur noch auf symbolhafte Zeichen setzt. 

 

Fortsetzung folgt.

Mittwoch
02
Oktober 2019
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Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 1.

 

„Welt in Bewegung“ ist der Titel der aktuellen niederösterreichischen Landesausstellung in Wiener Neustadt, welche noch bis zum 10. November 2019 geöffnet sein wird.

 

Niederösterreichische Landesausstellung 2019_Welt in Bewegung

 

 

Dieser Titel verspricht viel. Das ist nicht die Provinz, nicht das Land, ja nicht einmal der Planet Erde in geographischer Hinsicht. Es ist die „Welt“, das heißt die Erfassung des kompletten Lebensraumes, die allumfängliche Wahrnehmung, die noch nicht einmal auf die eigene beschränkt ist. Die „Welt“ zieht in ihrer allgemein gehaltenen Begrifflichkeit einen großen Rahmen, innerhalb dessen es zu einer Bewegung kommen würde.

Interessanterweise wurde noch auf dem Cover ein Widerspruch zum Titel postuliert. „Stadt.Geschichte.Mobilität.“ Die großspurig angekündigte „Welt“ bezog sich demnach nur auf einen winzigen Bruchteil derselben: auf die kleine Provinzstadt Wiener Neustadt und deren Umgebung im niederösterreichischen Industrieviertel. Auch der Begriff „Bewegung“ wurde stark auf nur einen einzigen Aspekt reduziert: Mobilität. So viel sei vorausgeschickt: geistige Mobilität war kein Thema.

Der Folder zur Landesausstellung ist zumindest für Kinder hübsch aufbereitet, übersichtlich und belastet nicht mit einem Zuviel an Inhalt. Das Zuwenig an Inhalten und die graphische Gestaltung auf dem Niveau von Erstklässlern soll womöglich die Verwendung des Folders auf 60 Sekunden reduzieren. Fastfood. 

Auf Seite 2 darf die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erzählen, dass das Land Niederösterreich 25 Mio. Euro in die Landesausstellung investiert habe und dass es sich bei dieser angeblich um ein „einzigartiges kulturelles Ereignis“, einer „faszinierenden Zeitreise“ handeln würde. Sie verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Ausstellung darüber hinaus auch als „Trägerrakete“ für die regionale Weiterentwicklung dienen solle. Auch der aktuelle Bürgermeister Klaus Schneeberger hatte in der Vergangenheit das reichlich kindische „Wording“ von der „Trägerrakete“ rezitiert.

Immerhin stellt die Landeshauptfrau in ihrem kleinen Eingangstext richtig, dass sich „Welt in Bewegung“ auf die Mobilität in Wiener Neustadt sowie deren Beziehung zur „Welt“ beschränkt. Es folgen drei kleine Marketing-Textfelder, die in aller feinen Grobschlächtigkeit etwas anzupreisen versuchen, und schließlich auf Seite 5 ein weiteres, besonders lächerliches Marketing-Geschwurbel, eine Aneinanderreihung von Versatzstücken, in welchem Wiener Neustadt als „Urbanes Zentrum der Wiener Alpen“ gepriesen wird. Studenten des Studiengangs Kommunikationsdesign haben so etwas im 4. Semester drauf.

Im Zentrum unserer kleiner Stadt wollen die Hersteller ein historisch wertvolles Gebäude neben dem anderen entdeckt haben, ohne diese freilich konkret zu benennen. Die Habsburger Friedrich III. und Maximilian I., so wird behauptet, sollen hier angeblich allgegenwärtig sein, obwohl deren bauliche Lebenswelt in der Realität bereits zerstört und abgetragen wurde. Nach der leeren Phrase, dass das „urbane“ Provinzstädtchen angeblich „Geschichte atmen“ würde, wäre es auch noch „bunt und modern“, aber nicht nur einfach, sondern gar „durch und durch“.

So funktioniert Marketing: graue Ostblock-Romantik, auf welche ehemals mit dem Finger über die Grenze gezeigt wurde, wird im eigenen Laden verbal umgefärbt. Aber natürlich bezog sich der Marketing-Unsinn (auch) auf die aktuelle Stadtregierung, die zwar so gut wie nichts bei der Landesausstellung beigetragen hat, aber einfach da und angeblich gut sein soll. Ein guter Zusammenschluss von reaktionären Rechtsparteien und einzelnen Blindgängern (= „bunt“), deren Kulturverständnis kaum mehr als bäuerlichem Schabernack mit Blaskapelle beinhaltet (= „modern“). Dass die Marketing-Leute womöglich nie die Stadt besucht haben, könnte ihre falsche Behauptung belegen, dass hier angeblich „innovative Kulturinitiativen“, bestechend dazu, zu finden wären, also das, was bislang nie zugelassen oder vernichtet wurde.

Beim Marketing wird Hohles mit netten leeren Worten verkauft. Zweifellos richtet sich der einfältige Folder an jene potentielle Besucher, welche diese kleine Stadt nicht kennen. 25 Mio. Euro hat das Land investiert, das ist kein Geheimnis, weniger wird die Absicht kolportiert, diese Mittel auch wieder einzubringen. Deswegen soll es hier an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden.

Der Eintrittspreis für die Kasematten sowie dem Stadtmuseum plus St. Peter an der Sperr beträgt immerhin 11,- Euro pro Nase. Als behinderter Bürger ist man nicht viel besser dran: 10,- Euro. Der Besuch in der Militärakademie kostet extra: 8,- Euro. Das Neukloster übrigens auch: 8,- Euro. Das läppert sich. Eine so genannte „Führungskarte“ für 3,50 Euro je Standort (Kasematten & Museum) kann auch aufgrund kaum vorhandener Kompetenzen des angelernten Führungspersonals getrost eingespart werden. Sie lohnt sich nur, um eigene Kompetenz mit Boshaftigkeiten öffentlich zur Schau zustellen.

Trotz der Preise, der Umstände, der Missstände, der negativen Meinungen und einem lächerlichen Folder, der keinerlei Interesse zu generieren vermag, haben wir uns auf den Weg begeben und die beiden Haupt-Standorte der Landesausstellung besucht.

 

Fortsetzung folgt.

 

Sonntag
22
September 2019
Kommentare deaktiviert für Landesausstellung NÖ 2019: „Welt in Bewegung.“ Teil 1.

Einladung zur „Feierstunde anlässlich des Ehrenamts- und Freiwilligentages der Kultur.Region.Niederösterreich“.

 

An die KULTUR.REGION.NIEDERÖSTERREICH GmbH

Neue Herrengasse 10

A-3100 St. Pölten

office@kulturregionnoe.at

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Vorweg vielen Dank für die persönliche Einladung zur „Feierstunde anlässlich des Ehrenamts- und Freiwilligentages der Kultur.Region.Niederösterreich“ am 7. September 2019 in den Sparkassensaal in Wiener Neustadt.

Bedauerlicherweise muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mich nach der vielen ehrenamtlichen Kultur-, Bildungs- und Forschungsarbeit am besagten Samstag, dem 7. September, dem schnöden Broterwerb widmen muss, um äußerst beschwerlich über die Runden zu kommen.

Folglich kann ich weder an Ihrer Feierstunde teilnehmen noch Ihre zu aller Wertschätzung zugesandten und grotesk auf den 7. September beschränkten und nur sehr reduziert nutzbaren Freikarten für die aktuelle Landesausstellung in Anspruch nehmen.

Es bleibt hier der unangenehme Geschmack im kultivierten Gaumen bestehen, dass dies beabsichtigt worden sein könnte, um kurzfristig für das am selbigen Tag platzierte TV ein wenig Masse zu generieren. Verzeihen Sie mir, sollte ich einer nicht korrekten Wahrnehmung erlegen sein.

Das Wecken von Begeisterung lässt sich meiner Meinung nach auf diese Weise kaum herstellen; nicht mit einer peinlich niveaulosen Ausstellung, auch nicht mit süßen, leeren Worten oder einem letztlich selbst bezahltem Imbiss. Echte Begeisterung, die innere Überzeugung und die Sinnhaftigkeit am eigenen Tun ist unabhängig von massenpsychologischen wie oberflächlichen Veranstaltungen, in welchen „Dank“ mit anderen Anliegen verquickt werden.

Und bei denen auch unserer Erfahrung nach am Ende nur das sinnlose Verbrennen wichtiger ehrenamtlicher Energie und Zeit gestanden hatte. Diese fehlte und fehlt unter Umständen bei der Finanzierung der sicherlich selbst gewählten Ehrenamtlichkeit, wobei weder „Ehrenamtlichkeit“ noch „Dank“ eine Rolle spielen. Hierbei geht es um etwas anderes.

 

Mit den besten Grüßen,

Rüdiger Rohde

Obmann Kulturverein BOLLWERK, Wiener Neustadt.

 

https://www.kulturregionnoe.at/no_cache/news-detail/artikel/ehrenamts-und-freiwilligentag.html

 

Samstag
10
August 2019

Festival La Gacilly-Baden Photo.

 

Das aus der französischen Bretagne nach Baden importierte Foto-Festival „La Gacilly-Baden“ ist zweifellos eine sehr kostenintensive Kulturveranstaltung, aber sie ist definitiv eine Reise wert. Oder zwei, denn die auf einer Strecke von 7 Kilometern etwa 2.000 präsentierten Fotos waren an einem Tag nicht zu bewältigen gewesen.

 

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Dass diese Arbeiten von den 38 weltbesten Fotografen stammen sollen, dient freilich der Eigenwerbung und sollte nicht zu ernst genommen werden. Die Qualität schwankte dann auch zwischen einem fotografischen Spitzenfeld, einem dokumentarischen Bereich und eher mittelmäßigen Bestandteilen mit Sujets, die man woanders besser und auch weitaus früher gesehen hat.

 

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Das Foto-Festival steht unter dem Motto „Hymne an die Erde“ und umfasst thematisch den Mikrokosmos wie auch den Blick aus dem Orbit.

 

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Als besonders erfreulich empfanden wir, dass sich ein dokumentarischer Bereich mit der Zerstörung des Lebensraumes für Mensch und Tier befasste. In dieser wurden französische Landwirte dokumentiert, welche sich dem widersetzen.

 

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Leider nahm unserer Meinung nach dieses Thema einen zu kleinen Raum in der Ausstellung ein. Ebenso wie soziale Aspekte, von denen zum Beispiel die junge Fotografin Laetitia Vancon bildlich zu berichten wusste.

 

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Schönheit und Vielfältigkeit der Natur wechselte sich ab mit der Schönheit des Menschen in Form von Gemälden.

 

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Weniger schön erwies sich allerdings der mit Fotos vollgestopfte Raum auf der Rückseite der ehemaligen Kaiserresidenz im Stadtzentrum.

 

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Nur noch ärgerlich war die Entdeckung einer deplatzierten Fotostrecke des Fotografen Christian Werner vom Kriegsschauplatz Syrien.

 

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Werner belieferte unter anderem den SPIEGEL mit Fotos, welche innerhalb einer anti-syrischen Kriegspropaganda verarbeitet wurden. In der zu seiner Fotostrecke gehörenden Text-Tafel fand sich die Propaganda seiner Auftraggeber wieder: das diffamierende „Assad-Regime“ oder die groteske Behauptung, in Syrien hätte sich ein „Freiheitskampf“ ereignet.

 

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Es wurde von den Veranstaltern der Umstand ignoriert, dass es das Wort ist, welches bestimmten Bildern eine bestimmte Bedeutung beimisst. Bei diesem Tiefpunkt des Foto-Festivals fehlten allerdings die angeblichen „Faßbomben“ der syrischen Armee, obwohl es dem Fotografen Werner gelungen war, einige von diesen zu dokumentieren. Diese stammen allerdings von den Al-Kaida-„Freiheitskämpfern“.

 

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Abgesehen von dieser kulturlosen Entgleisung können wir einen Besuch des Foto-Festivals gerne empfehlen.

 

Mittwoch
19
Juni 2019

World-Press-Photo des Jahres 2019 mit Al Kaida.

 

Die Wahl in der Veranstaltungsreihe „World-Press-Photo“ für das vermeintlich beste Pressefoto des Jahres findet am heutigen 11. April 2019 statt. In die Auswahl der letzten sechs Bilder wurde auch ein Motiv von einem gewissen Mohammed Badra nominiert.

Giftgas, Grenzkontrolle: sechs Kandidaten für World Press Photo. STANDARD, 20. Februar 2019.

https://derstandard.at/2000098321022/Giftgas-Grenzkontrolle-KriegJury-nominiert-sechs-Fotografen-fuer-W

 

Seit dem Ausbruch des Krieges in Syrien im Jahre 2011, welcher von Anfang an von ausländischen Mächten betrieben wurde und wird, sind Fotomotive von diesem Schauplatz bei internationalen Foto-Wettbewerben sehr beliebt.

Der genannte Mohammed Badra ist kein Unbekannter. Er belieferte jahrelang die internationalen Bildagenturen massenhaft mit Fotos aus dem syrischen Ost-Ghouta.

Seinen eigenen Angaben nach soll er daselbst, in der Stadt Douma, geboren sein und gelebt haben. Angeblich habe er in Damaskus Architektur studiert, zumindest drei Jahre lang, dann aber wegen dem Krieg unterbrochen bzw. abgebrochen.

Badras weiteren Angaben nach habe er sich bei der Hilfsorganisation „Syrischer Halbmond“ engagiert. Er soll erste Hilfe geleistet und sich um die psychologische Betreuung von Opfern gekümmert haben.

https://www.worldpressphoto.org/person/37505/Mohammed%20%20Badra

 

Eine diesbezügliche Ausbildung wird nirgends erwähnt, aber zweifellos klingt es gut für einen Mann wie Badra, sich sozial zu engagieren und zu „helfen“. Wenn auch nur für eine kurze Zeit, schließlich wurde der Mann anschließend lieber Fotoreporter und zog mit Leuten durch die Gegend, die niemand von uns als Nachbarn begrüßen möchte.

Badras machte dennoch als Fotoamateur überraschend schnell eine berufliche Karriere und versorgte die US-Nachrichten-Agentur REUTERS ab 2013 mit Fotografien, die zufällig gerade benötigt wurden und fortan antisyrische Kampagnen bebilderten. Ab dem Jahr 2015 belieferte er auch die französische Nachrichtenagentur AFP, als Frankreich auch in Syrien zu bomben gedachte, und arbeitete für den Agentur-Zusammenschluss EPA.

Neben einer Dokumentation von den Zerstörungen in Ost-Ghouta hat sich Badra unter anderem auf Fotos mit Kindern spezialisiert.

 

Mohammed Badra 2

Screenshot, Google.

 

Eines dieser Kinder-Motive hatte auch die Kinder-Hilfsorganisation UNICEF so gut gefallen, dass es bei einem ausgeschriebenen Fotowettbewerb den 3. Platz erreichte.

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/wettbewerb-2016/-/mohammed-badra/130718

 

Nur sind leider Kinder als unfreiwillige Protagonisten gleichzeitig einem besonders widerwärtigen Missbrauch durch Kriegspropaganda ausgesetzt, wie in den vergangenen Jahren vor allem in Syrien zu beobachten gewesen war.

Badra selbst befand sich als Einwohner von Douma mitten im Krieg. Die Website von „World-Press-Photo“ nennt ihn als jemanden, der dort unter Belagerung gelebt habe. Offenbar wurde beim durchschnittlichen Fotofreund vorausgesetzt, dass er dank dem massenmedialen Trommelfeuer genau wusste, wer dort wen belagert haben mochte. Die Bösen in Gestalt von „Assads Schergen“ belagern, die Guten in Gestalt von „Rebellen“ verteidigen sich innerhalb dieser Belagerung heldenhaft.

Nur hatte im Großraum Ost-Ghouta zuvor eine große vom Ausland gestützte Armee von islamistischen Söldnern und Terroristen eine Offensive gegen Damaskus zwecks Zerschlagung des syrischen Staates geführt, welche allerdings gescheitert war. In Folge waren diese Kampftruppen von der syrischen Armee umzingelt worden.

Zu den Eingeschlossenen Verbänden gehörte in erster Linie die saudisch gestützte sog. „Islam-Armee“, dazu Truppen der „Jabhat al-Nusra“ und auch „Ahrar al-Sham“, die allesamt Al-Kaida und Terroristen zuzuordnen sind.

Dies war in Douma auch die Umgebung eines Mohammed Badra. Allein durch seine eigenen veröffentlichten Fotos lässt sich eine – seine – gewisse Nähe zu Terroristen nachweisen. Diese Leute durfte er durchaus ablichten und deren Abbildungen international verbreiten.

Natürlich, Badra ist ein einfacher Fotograf, der nur Bilder schießt – und verkauft. Er liefert, aber andere würden diese verarbeiten und auch propagandistisch ausschlachten, um den Zusammenbruch Syriens und das Massenmorden zu befeuern. Und er dürfte auch kaum Einfluss darauf haben, in welchen Artikeln sein Name als Fotoautor eingebettet sein dürfte. In Texten, wo von einer syrischen „Revolution“ phantasiert, die syrische Regierung zu einem „Regime diffamiert oder der Al-Kaida-Terrorist zu einem „moderaten Rebellen“ umgewandelt wird. Ist ja nicht Badra seine Sache, möchte man meinen.

In einem inhaltlich äußerst dümmlichen Artikel von „bjp-online“ verhehlte Badra allerdings nicht, wen er als seine Gegner ansah. Es waren nicht die Al-Kaida-Söldner um ihn herum.

https://www.bjp-online.com/2019/04/world-press-nominee-mohammed-badra/

 

Auch lieferte Badra seine Fotos direkt an eine Islamisten-Homepage, die sich „ghouta.com“ oder „Ghouta-Campaign“ nennt. Diese ist auch ohne Impressum professionell gestaltet und mit Artikeln gefüllt, welche die Hersteller bei den Kriegstreibern im Westen vermuten lassen.

https://ghouta.com/

 

Das Foto von Mohammed Badra, um das es hier geht, wurde angeblich am 25. Februar 2018 in Ost-Ghouta aufgenommen. Es soll die Behandlung einiger Personen „in einem Krankenhaus in Syrien“ dokumentieren, wie beispielsweise der STANDARD dazu angibt. In den meisten Medien wird aber deutlich genannt, dass es sich bei den abgebildeten Personen um angebliche Opfer eines angeblichen Gasangriffes durch die syrische Armee handeln soll.

 

Mohammed Badra

Quelle: Twitter, Screenshot.

https://twitter.com/badramamet?lang=de

Die Facebook-Seite, gekleidet in Pathos und Theatralik:

https://www.facebook.com/Mohbadra90

 

Das Foto zeigt drei Männer und ein Kind in einer eher improvisiert wirkenden Räumlichkeit. Es vermittelt den Eindruck, als wurden die Personen ein wenig zusammengepfercht, um für das Bild erfasst zu werden. Der Mann auf der Bahre, grotesk verkehrt herum liegend, und das Kind tragen mutmaßliche Sauerstoffmasken vor dem Gesicht.

Es ist ein Bild, dass zweifellos Emotionen schüren soll, und auch ein bei Badra äußerst beliebtes Sujet, welches bereits tausendfach durch die massenmediale Landschaft gereicht worden war und daher alles andere als eine Besonderheit darstellt. Geplagt wirkende bärtige Männer, Kinder – und keine Frauen.

Und ja, es handelt sich um ein Motiv, welches üblicherweise von Al-Kaida nahe stehenden Quellen seit Jahren verbreitet wurde und wird, um vermeintliche Gräueltaten der syrischen Regierung anzuprangern. Das unternehmen hier im Westen freilich die politischen/wirtschaftlichen/militärischen Hintermänner und deren verkommenen Lohnschreiberlinge in den Massenmedien.

Das Foto selbst genügt unserer Ansicht nach formal und gestalterisch keinen höheren Ansprüchen, so dass der Verdacht im Raume steht, es handelte sich bei der Nominierung für das „World-Press-Photo“ um eine politische Entscheidung.

Von den Sujets mit Kindern musste es folglich nur ein kleiner Schritt zu Motiven mit den sog. „Weißhelmen“ sein, einer von NATO-Staaten und der EU unterstützten und finanzierten Al-Kaida-Propaganda-Truppe. Die benötigen entsprechende Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit, und Badra gehört zu jenen Fotografen, die Helden-Fotos liefern.

 

Quelle: YouTube. 

 

Informationen über das Gerede und Geschreibe von Badra, Informationen über sein Umfeld, seine Kooperation, seine Finanziers sowie seine eigenen Handlungen und Dienste gegenüber und für bestimmten Interessengruppen zeichnen diesen Mann als einen Al Kaida zumindest nahe stehenden Propagandafotografen, welcher die Nachrichtenagenturen der USA, Frankreich und auch EU, allesamt aus in den Krieg involvierte und mit den Söldner-Terroristen verbandelte Staaten, mit Motiven für den medialen Krieg an der Heimatfront versorgte.

Das für das World-Press-Photo nominierte Motiv entlarvt Badra auch als Mittäter der schlecht inszenierten und falschen Giftgas-Kampagne Ost-Ghouta im Februar 2018.

https://www.rubikon.news/artikel/die-kriegslugen-2

https://publikumskonferenz.de/blog/2019/02/24/die-tagesschau-hat-immer-recht/

 

Quelle: YouTube.

 

„Kinder seien „die größten Verlierer in diesem Krieg“, sagt er, und viele sind im Kreuzfeuer gefangen“, so zitierte ihn „bjp-online“ in einem Artikel. Badra hat seinen Anteil daran, indem er hinter seiner Heuchelei diese Kinder für den Missbrauch durch Kriegspropaganda und desweiteren für noch mehr Krieg und Tod zur Verfügung stellt.

So überrascht nicht, dass es Mohammed Badra nach der Kapitulation der islamistischen Söldner in Ost-Ghouta vorgezogen hatte, das Angebot der syrischen Regierung anzunehmen, sich in die Provinz Idlib evakuieren zu lassen. Wie wir alle wissen, herrscht dort noch immer Al-Kaida.

 

Donnerstag
11
April 2019

Nicht gesund.

 

Das neue Hotel zwischen Bahngasse und Stadtpark in Wr. Neustadt wurde mittlerweile eröffnet. Das dort gespendete Gratisfressen wurde von den Bezirksblättern wenig verwöhnt als „Event der Woche“ bezeichnet. Bürgermeister Schneeberger meinte in seiner dort gehaltenen Rede, dass der hässliche und vollkommen deplatzierte Bau mit Geld aus Russland entstanden sei sowie Knowhow aus Niederösterreich, was in Anbetracht der Erscheinung kaum als Empfehlung taugen mag.

Immerhin sollen einige Arbeitslose in dem „Hilton“ untergebracht worden sein – wir können uns schon denken wo. Der russische Investor mit dem interessanten Namen Evgeny Bidilo bedankte sich bei seinen Gästen artig bei allen, die „mitgeholfen“ haben. Von denen waren allerdings die wenigstens zum großen Fressen eingeladen worden. Menschen mit „hohen Wangenknochen“ sollen bei der Dankesrede geklatscht haben, so die Bezirksblätter. Es blieb ihr Geheimnis, was hiermit hatte ausgedrückt werden sollen. Hatten sich alle anderen nicht gefreut? Besitzt der typische Russe hohe Wangenknochen? Bidilo, der Investor und Russe, besitzt sie jedenfalls nicht. Er besaß auch kein Lächeln, obwohl der schreckliche Bau vom Bürgermeister als touristische Zukunft gepriesen wurde.

Das Projekt für ein Hotel am Stadtpark war allerdings bereits von der SPÖ-Regierung vorangetrieben worden. Diese und andere Baulichkeiten haben die Stadt nicht nur weiter verhässlicht, sondern auch massiv verdichtet. Die Ecke Eyersperg-Ring/Grazer-Straße ist ein besonders übles Beispiel dafür. FH und Parkdeck hatten hier nicht gereicht, das alte Haus an der Ecke wird derzeit von zwei Seiten zugebaut, neben dem Wirtshaus gegenüber werden derzeit auch Eigentums-Wohnungen aufgezogen – direkt an der völlig verlärmten und verdreckten Straße. Wer, bitte, möchte dort noch wohnen?

Nachdem fast alles verbaut wurde, präsentierte die Stadt unlängst einen Baustopp, für das ganze Stadtgebiet, wie es heißt, und gab vor, an einem ansprechenden Stadtbild interessiert zu sein. Zumindest für zwei Jahre soll dieser Baustopp gelten und dies auch nur für Bauten mit mehr als 10 Wohneinheiten, was recht relativ ist. Allerdings kann es auch zu Ausnahmen kommen, sollte ein „Fachbeirat“ zu einem anderen Entschluss gelangen. Wir wissen, wie das läuft. Bürgermeister Schneeberger behauptete jedenfalls, dass man somit „Verbauungstendenzen“ entgegenwirken wolle. Jetzt schon. Baustadtrat Dinhobl versicherte, dass keine Schritte unternommen würden, welche eine „professionelle Stadtentwicklung“ verhindern würde. Doch wie lässt sich etwas verhindern, was es ersichtlich nicht gab?

Das fortschreitende Sterben der Innenstadt sah Bürgermeister Schneeberger als eine langfristig entwickelte Krankheit an. Langfristig ja, Krankheit nein. Doch diente der Begriff Krankheit nur als hilfloses Vehikel, damit er von der nicht Nichtexistenz eines „Allheilmittels“ reden konnte. Es wurde allerdings kein einziges Mittel vorgelegt, nicht einmal ein Plan oder Konzept. Und das nach drei Jahren des „Knopfdruckes“. Zu schnell für Schneeberger. „Bin noch nicht fertig“, wie die NÖN richtig titelte.

Krankheit, keine Mittel, dann tot. Wir empfehlen Alkohol, das ist legal, als „Medizin“ gar international anerkannt, tröstet über fehlende Allheilmittel auf Knopfdruck hinweg, kann auch hervorragend als Ausrede dienlich gemacht werden und dämpft nebenbei die Schmerzen.

 

Mittwoch
27
Februar 2019

Ein trüber Blick.

 

Im österreichischen Boulevardblatt KURIER hatte Brandstätter in der Sonntagsausgabe vom 3. Feber 2019 mal wieder einen Blick getätigt, das heißt, eine Meinung geäußert. Die persönliche Meinungsäußerung ist durch die Bezeichnung „Brandstätters Blick“ ausreichend gekennzeichnet. Dies kann durchaus positiv hervorgehoben werden, auch wenn sie nicht darüber Auskunft gibt, ob er es sich um seine echte persönliche Meinung oder doch nur um die Meinung anderer handelt.

Denn das unter dem zitierten Buchtitel „Faschismus – mehr als eine Warnung“ platzierte ein Sujet ließ erhebliche Zweifel an einer Eigenständigkeit aufkommen. Hier wurde ein Foto von einer venezuelanischen Hauswand präsentiert, welcher das aufgemalte Konterfei des 2013 verstorbenen Präsidenten Chávez zeigte.

Einen Zusammenhang gibt es hier nicht, denn Chávez war das Gegenteil eines Faschisten gewesen. Hier ging es nur um eine primitive wie negative Stimmungsmache. Und weil der KURIER offenbar um den Zustand der intellektuellen Fähigkeiten ihrer eigenen Leserschaft Kenntnis besitzt, wurde dem Foto noch eine Unterzeile beigefügt:

„Hugo Chávez (1954–2013): Offizier, Putschist, Verführer, Präsident, Diktator“

Von der Warte eines neoliberalen Kapitalisten her mochte es sich um Chávez tatsächlich um einen Verführer gehandelt haben, nicht allerdings aus dem Blickwinkel der von diesen Leuten ausgebeuteten, verarmten Mehrheit. Dass es sich bei dem gewählten Präsidenten Chávez um einen Diktator gehandelt haben soll, ist indessen nirgends belegt. Es ist eine Erfindung, die in den westlichen Massenmedien gerne dann erfunden wurde, wenn bestimmte Staatsführer von den USA sprichwörtlich zum Abschuss freigegeben worden waren.

Nach dieser versuchten Manipulation und Verunglimpfung war endlich der Blick frei auf das, was Brandstätter seinen Lesern verkaufen wollte. Er warb für das Buch „Faschismus – mehr als eine Warnung“ von Madeleine Albright.

https://kurier.at/politik/inland/brandstaetters-blick-faschismus-mehr-als-eine-warnung/400396205

 

Das ist grotesk, geradezu lächerlich, weil es sich bei Albright um ein Bestandteil von dem handelt, vor dem sie zu warnen vorgibt. Als ehemalige US-Außenministerin ist sie mitverantwortlich für den Krieg gegen Serbien und dem harten Sanktionsregime gegenüber den Irak, welcher hunderttausende Menschen das Leben gekostet hatte. Noch heute ist diese Verbrecherin und Massenmörderin als Vorsitzende des „National Demokratic Institue for International Affairs“ (NDI) eine Akteurin bei der Einmischung der USA in fremde Länder zuständig.

 

Quelle: YouTube.

 

Brandstätters Blick lässt folglich auf Brandstätter selbst blicken. Das Buch einer Faschistin, die vor Faschismus warnt, schien ihn anzusprechen, zumal: „… es geht auch um Hugo Chávez“, wie er raunte. Albright fühle sich bei Chávez an Mussolini erinnert, während Albright uns an eine Mischung aus Hillary Clinton und Irma Grese erinnert. Das sagt aber nicht aus.

Brandstätter jedenfalls ist sich für nichts zu Schade, wenn es nur der offensichtlichen Agenda des KURIERS dient. Dazu gehört auch das tägliche Trump-Bashing, welches wie auf Anweisung nur heruntergefahren wird, wenn er mit Krieg und Putschen die „demokratischen“ Eliten der US-Oligarchie zu begeistern weiß. Denn auf diesen aktuellen US-Präsidenten, einen politischen Gegner für Albright, bezieht sich ihr Zitat:

Ein Faschist ist jemand, der für das gesamte Volk sprechen will, sich nicht um die Rechte anderer kümmert und bereit ist, Gewalt oder andere Mittel zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen.“

Selbstreflektion scheint nicht die Stärke von Albright zu sein, auch wenn sie die Begrifflichkeit des Faschismus, der verbrecherischen Symbiose zwischen exzessivem Kapitalismus, Finanzwirtschaft und Militarismus, nur verkümmert darstellt. Am Ende steht nur noch das zwanghafte Räubertum, um dieses System zu erhalten. Eliminierung aller Widerstände inklusive.

 

Dienstag
05
Februar 2019

Straßburg 2018. Teil 5.

 

Der Tod des als Verdächtigen deklarierten Mannes kam auch medial dem Abschluss eines Falles gleich, nachdem seine Täterschaft bereits zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung festgestanden hatte. Das hatte durchaus etwas Praktisches an sich, da hier der Tod eine gerichtliche Beweisführung entbehrlich machte.

Der Rest war Geplänkel. Eine Reihe von Verhaftungen wurden noch getätigt, darunter die Familie des Chérif Chekatt, und als Polizeiarbeit medial dargestellt. Danach wurden die Verhafteten wieder entlassen, weil es keine Hinweise für eine Komplizenschaft zu entdecken gab.

Eine Wikipediaseite wurde wie in früheren Fällen zügig hergestellt, welche mit Fehlinformationen und Auslassungen eine Aufklärung des Falles suggerieren sollte, zu der es aber nicht gekommen war. Das gemeine Volk sollte sich wie gewohnt schnell und falsch „informieren“ können – zumeist anhand von Medienmeldungen, was allein nicht von Seriösität zeugt.

An der Fragwürdigkeit dieses Falles ändert sich freilich nichts. Weder waren Hintergründe ermittelt noch der Beweis erbracht, dass es sich bei den drei Personen – in der Altstadt, im Taxi (nur unter der Voraussetzung, der Taxifahrer existiert als echter Taxifahrer real) sowie als Leiche in Neudorf um ein und dieselbe Identität handelte. Wo sich der erschossene Chekatt in den vorherigen 48 Stunden aufgehalten hatte, wurde bislang nicht ermittelt. Ungeklärt auch die Frage, warum sich dieser Mann in „seinem“ Viertel“ bewegt und sich dort auch noch auf die Straße begeben haben soll, wo dort Massen an Polizei nach ihm suchten. Von der Befundung einer Spurensicherung lag ebenfalls nichts vor.

Auf diese Fragen gab es keine Antwort, was nicht wirklich überraschte. Überraschend war dagegen etwas, was wir als eine andere Antwort empfanden. Es wurde nämlich am 22. Dezember ein angebliches „Beweisstück“ nachgereicht, welches an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, dafür aber etwas über die Not der frz. Polizei/des Geheimdienstes vermittelte. Dieser „Fund“ wurde über „Justizkreise“ ganz inoffiziell gestreut, aber begierig von dem Medien aufgegriffen. Daraus wurde dann eine Realität geformt.

Da ein Handy/PC/Notebook bei den Ermittlungen keine Rolle gespielt hatte, was auf einen Nichtbefund hindeutete, wollen die frz. Sicherheitsbehörden nun einen USB-Stick gefunden haben. Für diesen Fund hatten sie zweifellos Zeit genug gehabt, um ihn „jetzt schon“, nach 9 Tagen, zu „finden“. Angeblich in der leeren Wohnung von Chekatt.

Auf diesem Ding, dessen Eigentümer oder Hersteller jedermann sein konnte, wollen die Beamten eine Botschaft von Chekatt gefunden haben, in welcher sich dieser in einem Video als Anhänger des „IS“ samt „Treueschwur“ geoutet haben soll.

Neu sind diese „Funde“ von Selbstbezichtigungen nicht, jedenfalls nicht in Frankreich. Aber selbst wenn dem so wäre, beweist es nichts über Handlungen der Person und auch nichts über ein Geschehen. Juristisch gesehen kann dies als Beweis für eine Tat nicht herangezogen werden. (Allenfalls als ein Indiz im Kontext weiterer Indizien-/Beweislage). Dafür ließ sich öffentlich eine Meinung untermauern, was ganz offensichtlich auch das Ziel war. Sollte Chekatt Kenntnis von dem Video (wann, von wem, wo und womit hergestellt?) besessen haben, scheint es ihm peinlich gewesen zu sein, denn er hatte damit offenkundig nichts anfangen können.

Letztendlich ist aber auch dies nicht wichtig, weil die wesentliche Lüge eine andere war: der „IS“ als eine Terroristenfraktion, welche gegen den vermeintlichen „Wertewesten“ kämpft. Was zwar real nicht wirklich zu bemerken ist, denn am Boden schlagen sich diese mit Arabern und Kurden herum, sich aber in „Terroranschlägen“ im Westen äußern soll.

Das ist falsch. Bei dem „IS“ handelt es sich um eine durch die USA, Türkei und Saudi-Arabien gestützte Al-Kaida-Fraktion, deren Söldner die Ziele der Hegemonialmächte gegen jene gewaltsam durchsetzen sollen, die sich eben diesen Mächten zu widersetzen versuchen. Zu diesen Mächten gehört nicht zufällig Frankreich, welche mehr oder weniger offen Al-Kaida-Fraktionen wie die ehemalige Nusra-Front in West-Syrien unterstützten oder jene Al-Kaida-Fraktion im Osten, „IS“, aus der Luft bewachen oder bestenfalls mit Bomben drumherum medialen Lärm verursachen.

Ein Bekenntnis dem „IS“ gegenüber als frz. Staatsbürger bedeutet nichts anderes als eine Selbstdeklaration als Mitarbeiter des französischen Auslands- oder Militärgeheimdienstes.

Somit haben wir es hier mit einem echten Geständnis zu tun, allerdings seitens der frz. Dienste, bei denen es sich angeblich um Sicherheitsdienste handeln soll.

 

Donnerstag
03
Januar 2019

Straßburg 2018. Teil 4.

 

Am 13. Dezember 2018 wurde in Frankreich eifrig mit einem Großaufgebot an Polizei nach einer Person mit dem Namen Chérif Shekatt gefahndet. In Straßburg konzentrierte sich diese aus bereits genannten Gründen auf das Viertel Neudorf südlich der Altstadt.

In Deutschland versuchte derweil der notorische Berufslügner Christoph Sydow vom SPIEGEL die Legende vom „Islamischen Staat“ aufrechtzuerhalten, als würde es sich bei ihm um deren Medienvertreter handeln. Die BILD-Zeitung redete etwas davon, dass während der gescheiterten Festnahme am 11. Dezember Chekatt mit seinen Komplizen doch in seiner Wohnung gewesen sei, im Gegensatz zu seinen Komplizen aber habe entkommen können. Eine Bestätigung erfolgte aus einer zweiten Quelle nicht, was allerdings auch nichts zu bedeuten hatte.

Schließlich eine Neuigkeit. Chérif Chekatt sei unmittelbar vor dem Anschlag von Deutschland aus angerufen worden, habe das Gespräch aber nicht angenommen, so BILD und RBB mit Hinweis auf „Sicherheitskreise“. Die Presse stellte laut die falschen Fragen: wer könnte das gewesen sein und warum? Diese Fragen wären gegenüber den Sicherheitsbehörden zu stellen gewesen, denn diese müssen es wissen.

Die Überwachung des Telefones von Chekatt scheint als einer der wenigen Bestandteile einer Geschichte glaubwürdig zu sein. Vorausgesetzt, Chekatt war dumm genug, immer den gleichen Anschluß zu verwenden.

Schließlich stand der Mann auf der Liste der „Gefährder“ und wurde zumindest zeitweise auch offiziell überwacht. Die richtigen Fragen wurden nicht gestellt: erfolgten Versuche einer Telefonortung, wie dicht war die Überwachung seiner Person durch Polizei und Geheimdienst, wer war dafür verantwortlich und letztlich, inwieweit existierte eine Verquickung der Dienste mit Chekatt? Eine Quelle aus dem Innenministerium (Staatssekretär) habe jedenfalls gesagt, dass Chekatt aktiv überwacht worden sei. Das allein gab kein gutes Bild ab.

Das Drama wurde nicht lange hinausgezögert und bekam noch am Abend des 13. Dezembers ein kleines standesgemäßes Finale ohne irgendeine Überraschung. Der von den Behörden als wenig mutmaßlich genannte Verdächtige wurde von Polizeikugeln als total „neutralisiert“ gemeldet. Total tot.

In der Rue du Lazaret“ im Stadtteil Neudorf soll dies zwischen 21.00 und 21.30 Uhr geschehen sein. Drei Beamte der Sondereinheit BST, die zuerst mit einem Fahrzeug an dem wie ziellos herumschlenderten Verdächtigen vorbeigefahren sein sollen, hätten Chekatt für eine Kontrolle angesprochen, woraufin dieser versucht haben soll, in das Gebäude mit der Hausnummer 74 zu flüchten. Als ihm dies nicht gelungen sei, habe er auf die Polizisten geschossen, welche daraufhin zurückgeschossen hätten.

Nach einer anderen späteren Version sei Chekatt den Beamten aufgefallen, weil dieser versucht hätte, hektisch in ein (offensichtlich versperrtes) Haus zu gelangen, woraufhin sie den Mann angesprochen hätten. Der Mann habe sich umgedreht und sofort geschossen.

Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte in der Rue du Lazaret tatsächlich zugetragen hat. Wir wissen auch nicht, was Chérif Shekatt dort (noch) zu tun gehabt haben und wo er sich vorher befunden haben soll. Erstaunlicherweise ist diese Feststellung bislang nicht gemeldet worden, obwohl sie von zentraler Bedeutung ist.

Die Beamten der Sondereinheit hatten jedenfalls ganze Arbeit geleistet. Laut ihrer Darstellung in legetimer Notwehr hätten sie laut französischen und schweizerischen Medienberichten ganze 14 Mal auf Chekatt geschossen. Das wirkt ein wenig panisch, aber verständlich bei Todesangst, doch kann es auch anders interpretiert werden.

 

Chekatt tot im Hauseingang 1

Das Bildmaterial von dem Ergebnis des Schießens lässt eine Notwehrsituation seitens der Polizei nicht wirklich erkennen. Die Füße von Chekatt befinden sich ganz dicht an der Tür im Hauseingang und markieren seinen letzten sprichwörtlichen Standort. Die Lage der Leiche, im obigen Screenshot hübsch angeleuchtet, erweckt eher den Eindruck, als hätten die Polizisten dem Mann in den Rücken geschossen, woraufhin dieser nach hinten umgefallen war.

Allerdings ist in diesem Fall die Lage des linken Armes mit der Hand auf der Brust kaum vorstellbar, so dass es wahrscheinlich ist, dass der Körper zuvor wenigstens zur Hälfte gewendet worden war, und zwar über die linke Körperachse. Spuren von einem Versuch, hier noch erste Hilfe zu leisten, fehlen.

 

Chekatt - Haustür 1

Die Beschuss-Schäden am Hauseingang lassen einige Rückschlüsse zu. Es fällt auf, dass die Seitenwände keinerlei Spuren einer Schusswirkung aufweisen, weder links noch rechts.

 Chekatt - Hauseingang 2

Chekatt - Hauseingang 3

Das bedeutet, dass die BST-Beamten, welche geschossen hatten, sich direkt vor dem Hauseingang befunden haben müssen. (Hinter einem Fahrzeug oder nicht, das sei dahingestellt).

An der Haustür haben wir elf Defekte durch Geschosse feststellen können, einen weiteren Defekt sehen wir als unklar an.

Hierbei fällt auf, dass diese durch Schusswirkung verursachten Beschädigungen einen Bereich zwischen ungefährer Schulterhöhe und den Füßen umfassen. Drei dieser befinden sich in Höhe der Füße. (Wo sich auch der unklare Defekt befindet).

 

Chekatt - Haustür 4

Drei Schussdefekte finden sich im Bereich der Beine/Oberschenkel und weitere drei in Höhe von Hüfte/Bauch.

 

Chekatt - Haustür 5

Zwei Geschosse hatten die Tür in etwa Brüsthöhe getroffen, wovon eines den Metallrahmen glatt durchschlagen hatte.

 

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In Kopfhöhe ist keine Beschädigung an der Tür zu bemerken. Dafür ist mit bloßem Auge festzustellen, dass die Schützen zwei unterschiedliche Waffen verwendet hatten.

 

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Auf dem Screenshot links das Einschussloch eines kleineren Projektils, welches auf die Verwendung des NATO-Kalibers hinweist und möglicherweise aus einer MP stammt, rechts das größere Einschussloch, welches sich auf 9mm-Pistolenmunition deuten ließe. (Was hier mangels Möglichkeit der genauen Messung nur auf den optischen Eindruck geschlossen werden kann).

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Zusammenfassend kann vorläufig bemerkt werden, dass sich die als Chérif Chekatt bezeichnete Person ganz dicht an der Tür und beim Türknauf befunden haben muss, als er von den Polizeikugeln getroffen worden war. Mindestens zwei Schützen hatten mit unterschiedlichen Waffen auf den Mann gefeuert, wovon einer unter Umständen nur die Beine anvisiert hatte. Der Pistolenschütze dagegen hatte auf den Rumpf des Mannes gezielt.

Ein schnell in den Umlauf gebrachtes Foto von der Leiche zeigte diese mit verpixeltem Gesicht. Die Spurensicherung hatte offensichtlich ihre Arbeit noch nicht aufgenommen. Oberhalb des Kopfes liegt ein alter Revolver auf dem Pflaster, welcher bereits als ein Ordonanzrevolver aus dem 19. Jahrhundert identifiziert wurde. Diese Waffe ist übrigens nicht für ein schnelles Abfeuern geeignet und besitzt eine lange Ladezeit, wenn der Besitzer ungeübt ist und über keine Ladetrommel verfügt.

 

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Blutspuren sind auf dem Bild minderer Qualität nicht zu sehen, was aber nichts bedeutet, da die Winterkleidung vorerst über das Volumen verfügt, die Flüssigkeit aufzunehmen. Die Kapuze der Winterjacke ist immer noch über den Kopf gezogen. Diese ist im vorderen Bereich stark mit Fell ausgefüttert, was eine Ahnung von der Schwierigkeit geben sollte, aus einer gewissen Distanz eine Identifizierung vornehmen zu können.

Das selbe Foto mit einem unverpixelten Gesicht zeigt nach den vorherigen Eindrücken eine Situation, die verstört.

 

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Obwohl an der Haustür nichts darauf hinweist, dass diesem Mann in den Kopf geschossen worden war (d.h. auf Spuren eines „Fehlschusses“, Durchschusses), weist die Leiche eindeutig Kopfverletzungen auf. Einmal auf der linken Schläfe, die aufgrund der Größe eine Austrittswunde vermuten lässt, und einmal auf der rechten oberen Stirn, wo das Blut entgegen der auf dem Bild ersichtlichen Lage und auch der mutmaßlichen vorherigen Lage von oben nach unten in Richtung Nasenbein abgeflossen war.

Unserer Wahrnehmung nach wurde diesem Mann von der Seite in den Kopf geschossen, ob dies quasi vorsätzlich und aus nächster Nähe geschehen sein könnte, kann nur durch die Ballistiker geklärt werden. Das die auf dem Bild abgebildete Person an der Tür nicht sofort umgefallen, sondern noch während der auf ihn gerichteten Schüsse zusammengesackt war, kann nicht ausgeschlossen werden. Eindeutig ist, dass für zumindest einem der Polizeischützen der Gedanke, den Verdächtigen lebend zu „neutralisieren“, nicht im Vordergrund gestanden haben kann.

Letztlich kann nur eine neutrale Befundung der Spurensicherung vor Ort genauere Aufschlüsse erlauben.

Donnerstag
27
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 3.

 

Fassen wir kurz zusammen, um es uns besser zu vergegenwärtigen:

11. Dezember 2018. Altstadt Straßburg. Weihnachtsstimmung wird überall verkauft, während gleichzeitig der Ausnahmezustand herrscht. Hohe Dichte an Polizei und zum Antiterror-Dienst abgeordnete Soldaten auch und besonders in der Altstadt.

Irgendein Unbekannter schießt plötzlich ab 19.50 Uhr in Seitenstraßen mit einer Faustfeuerwaffe auf irgendwelche Menschen, und weil dies nicht reicht, hat er auch ein Messer in der Hand.

Polizei und Militär sind erst einmal auf Draht, sie stellen den unbekannten Täter, liefern sich Schußwechsel, einmal, zweimal, vielleicht auch dreimal. Eine ganze Meute ist bewaffnet auf Trab, der Funkverkehr glüht. Und dann ist der Täter plötzlich verschwunden. Trotz der hetzenden Meute in Sichtkontakt, trotz der Situation, dass die Altstadt nur über Brücken verlassen werden kann, deren Kontrolle notwendig wie einfach zu bestelligen gewesen wäre.

Nicht einmal drei Stunden später werden am späten Abend über inoffizielle Kanäle das Foto eines Mannes mit dem Namen „Chérif Chekatt“ in die Öffentlichkeit lanciert, von dem es heißt, dass es sich bei dieser Person um den mutmaßlichen Attentäter handeln würde. Die Quelle kann natürlich nur aus einer Polizeibehörde stammen.

Diese beginnt ihre offizielle Fahndung allerdings erst am folgenden Tag, wobei weder ihre Verspätung erklärt wird noch die aktuelle Beschreibungen des Gesuchten wie Kleidung oder bildhafte Belege geliefert werden. Die Fahndung reduziert sich allein auf einen Namen und Polizeifotos eines Mannes. Ohne Bart. Vielleicht aber auch mit Bart. Wo optisch Unsicherheit herrscht, so wird jede Unklarheit über die genannte Person sofort ausgeräumt, denn Teile der Kriminalakte dieser Person, einem notorischen Einbrecher und Räuber, werden ebenfalls öffentlich gemacht.

Der Täter bleibt vorerst verschwunden, während öffentlich über mögliche Motive spekuliert oder die Frage nach einem islamistischen Hintergrund gestellt wird. Die Behörden zieren sich zuerst, tendieren dann aber wie erwartet zum „islamistischen Terror“. Neben dem Polizeiapparat kommt auch die politische Show ins Rollen. Beileid, Solidarität, Kampf gegen Terror, das Zusammenrücken untereinander – an Stelle von Demonstrationen gegen die Regierung.

Am Nachmittag des 12. Dezember wird der Fahndungserfolg veröffentlicht, welcher bereits am 11. Dezember vor 23 Uhr geglückt sein soll. Ein Taxifahrer soll der Polizei erzählt haben, dass er vor deren Nase den Gesuchten als Fahrgast transportiert und diesen auch noch in dessen Wohnviertel gefahren habe. Fahrzeit 10 Minuten, gleich nach nebenan von der heißen Polizeizone. In diesen zehn Minuten habe der Verdächtige seine Tat dem Taxifahrer freundlicherweise gestanden, so dass dieser, verschont vom mordunlustigen Fahrgast, sich habe sofort an die Polizei wenden können.

Der Geständige, ein schlauer Hund, habe aber seinen Namen nicht genannt, weswegen erst die Spitzendedektive der französischen Polizei einen Zusammenhang zu einem angeblich mißglückten Festnahmeversuch herstellen mussten, welcher trotz peinlichem Imageschadens umsichtigerweise zuvor permanent medial platziert worden war. Auch die penetrante Erwähnung der „Messer“ als durchwegs banale Fundstücke in der durchsuchten Wohnung bekam nun einen Sinn. Hatte der Attentäter nicht auch mit einem Messer herumgefuchtelt?

Es mag jeder für sich selbst beurteilen, ob diese Geschichte der französischen Behörden glaubwürdig erscheint oder nicht.

Nach unseren Erfahrungen mit den Fällen „Charlie Hebdo“, „Bataclan“, „Brüssel“, „Berlin“ oder auch der dubiose angebliche „Amoklauf von Winnenden“ vertrauen wir den offiziellen Angabe nicht eine Fingerbreite. Die bisherige und nachgewiesene Verlogenheit der Behörden, der innen- und außenpolitische Kontext, sämtliche kriminelle Strukturen innerhalb der Systeme, die wiederkehrenden Muster lassen in unseren Augen nicht die geringste Glaubwürdigkeit zu.

Es ist zudem auffallend, wie bei derartigen Anschlägen die Attentäter verschwinden können, um dann an anderer Stelle auftzutauchen und erschossen zu werden, ohne dass die Übereinstimmung der Identitäten bewiesen werden konnte. Auf das Leben des „Chérif Chakett“ hatte von uns am 12./13. Dezember niemand wetten wollen, zu vorhersehbar schien diese Geschichte dramaturgisch gestaltet. Vielleicht war der Mann selbst überrascht gewesen, als plötzlich überall sein Polizeifoto gezeigt worden war.

Weitere Brocken wurden an diesem Tag von den Behörden in die Runde geworfen. So wurde erzählt, dass die mutmaßlichen drei Komplizen des Raubüberfalls von Chakett, wegen dem letzterer hatte ursprünglich festgenommen werden sollen, verhaftet worden wären. Der Zeitpunkt wurde aber nicht erwähnt, was nicht unwesentlich ist, da eine Verhaftung nur als paralleles Ereignis hätte erfolgreich durchgeführt werden können.

Wie auch immer, es wurde somit dargestellt, dass die Polizei neben der einen Panne immerhin dreimal professionell gearbeitet habe. Warum aber das angebliche Versagen ausgerechnet bei Chekett zu vermelden, der dadurch erst in das Zentrum eines tragischen Ereignisses gerückt werden konnte, es blieb nach wie vor wie ein schwarzer Fleck kleben.

Unterdessen wurde daran gebastelt, die Person Chérif Chekatt, den notorischen Kriminellen, mit einem islamistischen Hintergrund zu versehen. Neben dem Gerede, dass sich dieser Mann in der islamistischen Szene herumgetrieben haben soll, also irgendwann zwischen seinen Einbruchstouren und Knastaufenthalten, und dem weiteren Gerede, dass im Gefängnis irgendetwas und zuvor nicht bemerktes „religiöses“ mit ihm geschehen sein soll, sollte dies mangels Beweise seitens der Polizei mit einer Akten-Datei bewiesen werden.

Diese Sicherheitsakte „Fiche S“ wurde medial als bedeutsam herumgereicht. Chérif Chekatt soll hier als möglicher und „radikalisierter“ Gefährder der nationalen Sicherheit geführt worden sein. Den Inhalt dieser Akte bekam allerdings niemand zu Gesicht, und so war es eben nur eine Geschichte, deren Beweiskraft unsichtbar blieb, aber fleißig nachgequatscht wurde. Die mehrfach kolportierte Angabe, dass sich Chekatt ab 2016 auf dieser „Fiche S“ befunden haben soll, musste jedenfalls barer Unsinn sein. Chekatt hatte sich ab Frühjahr 2016 für ein Jahr in deutschen Gefängnissen befunden, bevor er im Frühjahr 2017 nach Frankreich abgeschoben worden war. Und in Deutschland war den dortigen Beamten kein religiöses Getue aufgefallen.

Mit Blick auf die Opfer fällt sofort auf, dass es sich bei zwei der Todesopfer, denen offenbar aus nächster Nähe in den Kopf geschossen worden war, sichtlich um Nicht-Franzosen handelte. Sie stammen aus Thailand und Afghanistan und schauten auch danach aus. (Die drei weiteren Todesopfer waren frz., ital. und poln. Nationalität).

Wie die französische Justiz zu ihrer Erkenntnis gekommen sein will, dass es sich bei Chérif Shekatt um einen angeblich radikalen „Islamisten“ handeln würde, blieb im Verborgenen. Die lustige Erzählung, dass in Chekatts französischer Gefängniszelle bei seinem ersten Einsitzen als 19jähriger im Jahre 2008 ein Poster von Osama Bin Laden gehangen sein soll, kann als Beleg nicht die Spur ernst genommen werden. Osama Bin Laden war ein Mann des US-Auslandsgeheimdienstes CIA gewesen, ein Mitarbeiter für verdeckte Operationen, die mit islamistischen Söldnern durchgeführt wurden.

Ein Fingerzeig?

 

Montag
24
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 2.

 

Am Vormittag des darauffolgenden Tages, dem 12. Dezember 2018, wurde der angebliche Verdächtige in Gestalt eines Chekatt Chérif nun auch in offiziellen Quellen nicht nur als dringend Tatverdächtiger öffentlich präsentiert und zur Fahndung ausgeschrieben, sondern gleich seine komplette kriminelle Vita von den frz. Polizeibehörden mitgeliefert.

Chekatt Fahndung

Auch dieser Vorgang einer Polizei, medial eine Vorverurteilung des hingestellten Verdächtigen zu bestellen, ohne gleichzeitig einen Beweis für eine Behauptung vorzulegen, hatte Parallelen zu reichlich dubiosen Attentaten wie „Charlie Hebdo“, „Bataclan“, Brüssel oder Berlin. Der Konsument der durch die Massenmedien verbreiteten Mitteilungen durfte sich somit die Meinung der Behörden zu eigen machen, dass es sich um Chérif um einen „schlimmen Finger“ handelte, dazu um einen Araber algerischer Abstammung. Und somit um einen vermeintlich plausiblen Täter.

Der Vorgang zur angeblichen Identifizierung, dass es sich bei Chérif um den Attentäter gehandelt haben soll, wurde immer noch nicht erzählt. Stattdessen erhielt die Geschichte über den gescheiterten Festnahmeversuch in seiner Wohnung einen Baustein hinzu. Angeblich will die Polizei darin eine geladene Faustfeuerwaffe, einige „Messer“ und „Granaten“ gefunden haben, aus denen dann eine Granate, Munition und vier Messer wurden, zu denen sich wahlweise ein „Gewehr“ gesellte.

Obwohl auch medial über das Motiv des Attentäters keine Antwort herbeispekuliert werden konnte, wurden bereits Brocken gestreut, welche einen islamistischen Hintergrund zumindest in Erwägung zogen. So gab es Gerüchte über Zeugen, die ein angebliches „Allahu Akbar“ des Attentäters gehört haben wollen. Da wurde davon geredet, dass Chérif Chekatt (und auch sein Bruder) als angeblich islamistisch radikalisiert „gegolten“ hätten, wenn auch nur bei den französischen Behörden.

Diese vermeintliche Radikalisierung sei angeblich im Gefängnis geschehen, worüber eine eigene Akte angelegt worden sein soll („Fiche S“, Gefährder für Nationale Sicherheit). Also dort, wo unter Aufsicht der Justiz auch vorherige Attentäter ihren wahren Willen erkannt haben wollen. Die Behörden wollten sich in ihren Mitteilungen noch nicht auf einen islamistisch motivierten Anschlag festlegen, tendierten aber bald doch dazu, ohne dass eine Grundlage dafür existierte. Letztlich war es auch egal, was die Tat selbst anbelangte, denn es fehlte neben dem Täter auch das Motiv. Alles andere konnte nur Gerede sein.

Die Süddeutsche Zeitung hatte dann online etwas zur Identifizierung des Attentäters zu melden. Der Mann wurde anhand von Aufnahmen von Sicherheitskameras identifiziert“, hieß es dort. Diese Behauptung wurde allerdings nirgends verifiziert und ist aufgrund der Gegebenheiten wie dem Zeitfaktor, Dunkelheit, Winterkleidung, Dutzendgesichter innerhalb zweier Stunden schlichtweg auszuschließen. Der Raum des Verschwindens und gegebenfalls die Art und Weise hätten dagegen in den folgenden Stunden ausgeforscht werden können, allein das war offenbar kein Thema, hätte aber eines sein müssen.

Bilder von Überwachungskameras gab es für die Öffentlichkeit kein einziges, obwohl das Erscheinungsbild und die genaue Kleidung des mutmaßlichen Täters eine Fahndung zweifellos unterstützt hätte. Handelte es sich hierbei um ein unprofessionelles Versäumnis oder um eine Fluchtbegünstigung für den Täter?

SPIEGEL-online jedenfalls zitierte den Fahndungsaufruf der Polizei. Unter anderem mit den Worten: „Er trage die Haare kurz und habe eventuell einen Bart.“ Nun gut, zumindest trug der Mann auf dem Polizeifoto seine Haare kurz, aber mit dem Bart war sich die Behörde offenbar unsicher. Das bedeutete nichts anderes, als dass kein aktuelles Bild von Chekatt Chérif existierte, auch nicht von einer Überwachungskamera.

Bevor der durchschnittliche Franzose in der Lage war, den bisherigen Sachverhalt und auch das Versagen der Sicherheitskräfte zu erfassen, durfte er sich mit einer neuen von den Behörden ausgeplauderten Information befassen. Dir Polizei wollte herausgefunden haben, dass der mutmaßliche Täter mit einem Taxi entkommen sein soll.

Die Medien transportierten diese Mitteilung mit den Worten, dass Chérif Chekatt in einem Taxi geflüchtet sei. Es hieß auch, er habe ein Taxi gestohlen, woanders wiederum „gekapert“.

Am Nachmittag waren die Medien von den Sicherheitsbehörden mit einer neuen Person gefüttert worden, mit einem Taxifahrer – d e m Taxifahrer.

Die Vorstellung, dass der Täter sich einfach in ein Taxi gesetzt und davongefahren sein soll, mutet kurios an. Eben noch eine angebliche Schießerei mit Soldaten und auf seinen Fersen befindlicher Polizei, also im direkten Sichtkontakt innerhalb einer überschaubaren Distanz, dann die Dreistigkeit, einfach in ein herumstehendes Taxi zu steigen und zu verschwinden. Vollkommen unbemerkt in der von Verkehrshindernissen geplasterten Altstadt, welche den Fahrzeugverkehr regulieren. Über eine der Brücken, wo offenbar freie Fahrt gewesen sein soll.

Was soll das gewesen sein? Doppeltes Glück für den vermeintlichen Täter? Für die frz. Polizei schien es sich um keine „Panne“ gehandelt zu haben, sondern um eine Erklärung des Verschwindens.

Französische Medien reichten die Verlautbarungen der Behörden weiter, nachdem dieser Taxifahrer in seinem Funk-Fahrzeug eine Verwundung seines Fahrgastes am linken Arm festgestellt haben will. Angeblich soll es sich in das Viertel Neudorf, gleich südlich der Altstadt, fahren lassen. Demnach in das ihm bekannte Heimatviertel, quasi nach Hause, „nicht weit von einem Polizeiposten“. Nebenbei soll der dem Taxifahrer unbekannte Fahrgast aus einer uns unbekannten Laune heraus erzählt haben, dass es sich bei ihm um den Killer handeln würde. Der Mann soll demnach ein Geständnis abgelegt haben.

Der Taxifahrer habe sich natürlich daraufhin an die Polizei gewendet, was nachvollziehbar erscheint, und ihnen von dem angeblich Erlebten erzählt. Die Aussagen des Taxifahrers hätten es der Polizei ermöglicht, den mutmaßlichen Attentäter mit der Razzia am Morgen in Straßburg in Verbindung zu bringen und zu identifizieren“, hieß es dann unter anderem bei „ZEIT-online.

Wie dieser Rückschluß erfolgt sein soll, wurde nicht genannt. Doch nun wurde deutlich, dass zwischen der herausposaunten angeblichen Polizeipanne um die mißlungene Verhaftung am Vortag, die wegen schlechter Reputation für die Polizei auch hätte unterdrückt werden können, und dem Taxifahrer ein Zusammenhang bestand: es war das Konstrukt einer Identifizierung innerhalb zweier Stunden. Die vorab platzierte „Polizeipanne“ sollte so offensichtlich den Logikschluß ermöglichen, denn ohne diese Platzierung wäre Erklärungsnot angesagt gewesen.

Da hätte der unbekannte Fahrgast neben seinem Geständnis auch seinen Namen oder besser noch: seinen Ausweis hinterlegen müssen. Wie wir wissen, haben diese Formen der „Identifizierung“ mittlerweile massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Das ist auch gewissen „Sicherheitsstrukturen“ in Frankreich bekannt.

Freitag
21
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 1.

 

Die Proteste der so genannten „Gelbwesten“ hatten die französische Regierung um den Ziehsohn des Großkapitals, dem Präsidenten Macron, gehörig unter Druck gesetzt. Unter dem Eindruck der Bilder, dass die frz. Staatsgewalt brutal „gegen das eigene Volk“ vorging, es bereits 5 Todesopfer gegeben hatte, waren seitens der Regierung notgedrungen erste Signale für Zugeständnisse ausgestreut worden.

(Also bevor Macron medial als „Diktator“ hingestellt werden könnte, welcher aus seinem Amt gebombt werden muss, um anschließend ein „moderates“ Marionetten-Regime mit saudischem Personal unter US-Oberhoheit zu installieren…).

Ein Mordanschlag in der Straßburger Innenstadt am 11. Dezember kam dann für die frz. Regierung nicht wirklich ungelegen, zumal dieser mit bekannten Schlagwörtern wie Terrorismus, Islamismus und Weihnachtsmarkt verknüpft wurde. Das weckte Assoziationen an vorherige Dramen wie jene von „Charlie Hebdo“ 2015 , Brüssel und dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016.

Möglicherweise war das auch beabsichtigt

Statt Demonstrationen und Forderungen der Gelbwesten-Bewegung war nun wieder Terror in den Schlagzeilen. Noch mehr Polizei und Militär, weitere Einschränkungen der Bürgerrechte, die Aufforderung der Regierung an das gemeine Volk, doch bitte jetzt besser zu Hause zu bleiben. Zusammenrücken unter dem Terror statt Demonstrieren gegen soziale Ungerechtigkeiten. Rückkehr zur Ruhe und Ordnung, wie Macron zuvor auf dem EU-Gipfel noch gefordert hatte. Denn das hatte er gerade nötig.

Offensichtlich ist auch unter der französischen Bevölkerung das Mißtrauen gegenüber dem Innenministerium und ihrer Regierung gewachsen. In der öffentlichen Meinung wurde in zahlreichen Kommentaren und auch bei den „Geldwesten“ das Attentat wie ein bestelltes empfunden. In Erinnerung an die Ungereimtheiten der Attentate von Paris 2015 sowie Brüssel und Berlin 2016, deren Aufklärungarbeiten sich eigenartig ins Nirwana begeben hatten, schienen Verdächtigungen in Richtung staatliche Strukturen langsam plausibel zu werden.

Wie in vorhergegangenen Fällen ist es wieder einmal die Polizei selbst, welche die gegen sie gerichteten Verdächtigungen unterfütterte. Sie lieferte eine Geschichte, deren Wahrheitsgehalt bis dato nicht zu überprüfen war, gleichzeitig aber empfindliche Löcher aufwies, die nach altbekanntem Muster kaschiert oder konstruiert werden sollten.

Der Fall selbst gestaltete sich am 11. Dezember 2018 in der Altstadt von Straßburg wie die Tat eines durchgeknallten Verrückten. Eine unbekannte Person soll in der Nähe des auf dem Place Kléber befindlichen Weihnachtsmarktes ab etwa 20 Uhr in Seitenstraßen wie unmotiviert Passanten mit einer Faustfeuerwaffe und einem Messer angegriffen, letztlich mehrere Menschen getötet und noch mehr teilweise schwer verletzt haben.

In der Altstadt von Straßburg ist wie überall in Frankreich die Polizei und das Militär mehr als überdurchschnittlich präsent, sie sind mit absolut allen Vollmachten wie die eines Polizeistaates ausgestattet, dennoch konnte der Täter entkommen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass dieser Mann am äußeren Rand der besagten Altstadt wenig später von Soldaten angeschossen worden sein soll. Zumindestens behaupten dies die Behörden, die von zweimaligen Schusswechseln erzählen, aber es nicht erklären können, wie ein gesichteter und angeschossener Verdächtiger sich habe der Festnahme entziehen können. Zumal die Altstadt von Straßburg nur über die Brücken verlassen werden kann, also dort, wo nach einem derartigen Vorfall jeder halbintelligente Polizist samt Militär den Weg sofort versperren müsste. Da die Innenstadt von Straßburg wiederum mit Überwachungskameras üppig ausgestattet ist, wäre einer zielgerichteten Fahndung nichts mehr im Wege gestanden.

Leider hatte es nicht funktioniert. Woran es auch immer gelegen haben mag: zu wenig Kompetenz, trotz vieler Polizisten und Soldaten letztlich zu wenig oder Polizeikräfte an den Brücken, die nur ihre eigenen Leute durchgewunken haben könnten – wir wissen es nicht. Wir kennen nur die Angabe aus dem frz. Polizeipräsidium, dass sich die Spur des unbekannten Mörders verloren haben soll. Irgendwo in der Altstadt, welche dem mittelalterlichen Sicherheitsbedürfnissen zu Folge auch heute noch von Wasser umgeben ist.

Außerdem gab es nirgendwo eine Meldung, ja, nicht einmal ein Gerücht, dass der Verdächtige die Altstadt durchquert haben könnte, um eine südliche oder westliche Brücke für seine Flucht zu erreichen.

Offenkundig war es in Straßburg trotz Terroralarm zu einer „Polizeipanne“ gekommen. Dies wurde von niemanden herausgestellt, denn bevor man sich hatte in Erinnerung rufen können, wie die Altstadt sich bei eigenen Besuchen dargestellt hatte, hatte die Polizei nur drei Stunden später einen überraschenden Fahndungserfolg förmlich aus dem Hut zaubern können.

Gegen 23 Uhr, also etwa drei Stunden nach den Morden, soll der angebliche Täter bereits identifiziert worden sein. Diese Verlautbarung aus Paris fand eine Stunde später auch Eingang in österreichische Massenmedien wie den „STANDARD“. Zur selben Zeit wurde über Kanäle wie Twitter ein Foto des Verdächtigen samt vollständigen Namen – Chekatt, Chérif – unters Volk gebracht. Das es sich hierbei um Daten von der Polizei handelt, welche dieselbigen lanciert hat, sollte logisch sein.

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Es ist nicht das erste mal, einen angeblich Verdächtigen auf derartigem Wege bloßzustellen und gewissermaßen eine Vorverurteilung vorzubereiten. Wie es nur drei Stunden nach der Tat und dem Verschwinden des Täters zu der angeblichen Identifizierung des angeblichen Täters gekommen sein soll, darüber schwieg sich die Polizei aus. Das heißt, dass die Polizei eine Behauptung tätigte, welche sie vorerst nicht beweisen wollte oder konnte.

Zumindest schien dieses Mal sein Paß nirgendwo am Tatort hinterlegt („verloren“) worden zu sein, wie das bei anderen Anschlägen gerne der Fall gewesen sein soll.

Stattdessen wurde noch in selbiger Nacht eine andere Geschichte kolportiert, welche französische „Polizeiquellen“ dem Sender „France Info“ gesteckt haben sollen. Nach dieser Erzählung habe Chérif Chekatt am Morgen des 11. Dezembers wegen Mordversuchs bei einem Raubüberfall verhaftet werden soll. Doch was für eine Frechheit, der Mann sei nicht zu Hause gewesen.

Warum diese Geschichte von „Polizeiquellen“ an die Medien weitergereicht worden war, erschloß sich ohne Hintergrundinformationen nicht. Handelte es sich um eine bloße Gehässigkeit, um bestimmte Beamte in den eigenen Reihen bloßzustellen? Normalerweise beschmutzt niemand das eigene Nest. Die Motivation, eine Polizeipanne in die Öffentlichkeit zu tragen, welche zudem reichlich stümperhaft anmutete, war oberflächlich betrachtet nicht zu entdecken.

Von den Handlungen zwischen dem „Morgen“ und dem Abend wurde dagegen nichts erzählt. Offenbar schien diese Information im Gegensatz zu einer angeblich zuvor stümperhaft durchgeführten Verhaftung entbehrlich.

Mittwoch
19
Dezember 2018

Passt auch nicht.

 

Man möchte meinen, Bauten aus weit vergangenen Zeiten – Mittelalter, Renaissance, Barock – hätten es als sichtbare Teile eines kulturellen Erbes verdient, entsprechend präsentiert zu werden. Zum Beispiel mit der Erschaffung einer „Schauseite“. 

Wr. Neustadt hat eine andere Lösung gefunden, wie ein Besuch an der südlichen Schauseite vermittelte. 

 

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Links das Gebäude des Tennisplatzes, rechts das neue chice Hotel im 70er-Retro-Look – und in der Mitte die Beton-Baustelle vor dem Kulturerbe.

Damit sich jeder Besucher selbst ein Bild von dem Charakter der Stadt und ihrer Entscheidungsträger machen kann. Und das kann auch nicht verkehrt sein. 

 

Montag
19
November 2018

Die Grünen und der UN-Migrationspakt.

 

Der Sprecher der „Grünen“, Werner Kogler, hatte offensichtlich das Bedürfnis gehabt, den ehemaligen Grün-Wählern aufzuzeigen, dass seine bei der letzten Bundeswahl hart abgestrafte Partei tatsächlich nicht wählbar ist.

„Grüne wollen gegen Nationalismus „alle Kräfte mobilisieren“.

https://derstandard.at/2000090901678/Gruene-wollen-gegen-Nationalismus-alle-Kraefte-mobilisieren

 

Im Standard und auf anderen Plattformen heißt es zumeist gleichlautend:

„Bregenz – Grünenbundessprecher Werner Kogler sieht das Nein zum UN-Migrationspakt Österreichs als „fatales Signal“. Das Land kopple sich damit vom pro-europäischen Kurs ab, öffne die Tür für eine antieuropäische Stimmung und stelle sich damit während der EU-Ratspräsidentschaft an den rechten Rand Europas und der Welt, sagte Kogler am Donnerstag in Bregenz bei der Vorstellung der Ziele bei der EU-Wahl.“

Bereits mit diesem einen Absatz zeigte Kogler auf, dass er nichts zu sagen hatte. Seine Meinung oder vielmehr das durch ihn artikulierte Anliegen bestand aus einer bloßen Aneinanderreihung von nichtssagenden Phrasen.

Kogler deklarierte sich als eifriger und unreflektierter Anhänger des Gebildes „EU“, welches er in den Mittelpunkt zu rücken trachtete, obwohl der erwähnte Migrationspakt ein Projekt der UN ist. Die „EU“ kommt darin nicht vor, gleichwohl tat Kogler so, als würde Brüssel das Maß aller Dinge sein, und der große, wenn auch etwas undemokratische Entscheider.

Ohne über auch nur ein einziges Argument zu verfügen, entblödete sich Kogler nicht in hohler Stimmungsmache. Er konstruierte künstlich aus einer UN-Angelegenheit einen „pro-europäischen“ Kurs. Allerdings existiert kein „pro-europäischer“ Kurs, denn was soll das sein, wer definiert derartiges? „Pro-Europäisch“ ist ein Propagandaschlagwort, hinter welchem sich die Meinung von Brüssel verbirgt, einem Ort, wo sich gerne auch die Grünen als Meinungsmacher und Gestalter im Dienste übergeordneter und transatlantischer Interessen profilieren möchten.

Eine eigenständige Beurteilung, wie sie von der aktuellen österreichischen Bundesregierung verlautbart worden war, sah Kogler somit als negativ an, weil diese nicht dem „Kurs“ anderer Entscheider entsprach. Er verurteilte die Entscheidung auch noch als Vorlage für eine „antieuropäische Stimmung“, was nicht mehr war als eine substanzlose, zusammenhanglose Verunglimpfung. Vielmehr zeigte Kogler, dass er die inhaltsleere Sprache der „EU“ verinnerlicht hatte, eine Sprache, in welcher die „EU“ fälschlicherweise mit Europa gleichgesetzt und Widerspruch zu Brüssel als „antieuropäisch“ gebrandmarkt wurde.

Zur Sachlichkeit trug der Grüne nichts bei, nichts über den Inhalt des Migrationspaktes, nichts über kritikwürdige Passagen, nichts über die Gründe der Ablehnung durch die Bundesregierung. Dies soll an dieser Stelle nachgeholt werden, so dass sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden kann.

https://juergenfritz.com/2018/10/24/un-migrationspakt/

 

Die Ablehnung war natürlich die richtige Entscheidung, alles andere hätte katastrophale Folgen. Die USA hielten sich als einer der Hauptverursacher von Migrationsbewegungen von Anfang an heraus – logisch.

Um im Duktus eines Kogler zu bleiben, ist dieser Pakt grundsätzlich antieuropäisch. Und Kogler ein von fremden Interessen gesteuerter „Anti-Europäer“, welche andere als „antieuropäisch“ zu verteufeln versucht, welche ihrer eigenen Zerstörung nicht zustimmen wollen. Da wird dann gerne von „Menschenrechten“, „Rechtsstaatlichkeit“ und „Sicherheit“ geschwafelt, von an den Haaren herbeigezogener „nationaler Kleinkrämerei“ durch die Bundesregierung, eine Brücke für Rechtsextreme… blah-blah-blah. Und ja, er würde die Zerstörung des Projektes „EU“ befürchten, als wäre er deren Sprachrohr.

Kogler meinte, dass „Europa“ starke Fürsprecher gegen Klimakrise, Kriege und humanitären Katastrophen bräuchte. Damit kann er allerdings weder sich selbst und seine Partei gemeint haben, denn erst Recht auf EU-Ebene sind bei den Grünen mittlerweile die eifrigsten Kriegstreiber zu finden.

Manchmal mögen bei aller Inhaltsleere die Umstände banaler sein und das Gebaren zumindest nachvollziehbar. Kogler erhofft sich einen durch Steuergelder überbezahlten Sitzplatz in der EU. Dort kann er dann unter dem Geschwätz, er wäre ein „Europäer“, die fremden, antieuropäischen Interessen womöglich besser bedienen. Im Austausch des russophoben Reimon.

https://derstandard.at/2000090336949/Werner-Kogler-bewirbt-sich-fuer-gruene-Spitzenkandidatur-bei-EU-Wahl

 

Samstag
10
November 2018
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