Author Archives: Ruediger

Der Gesang der US-Marschflugkörper 23.

 

Zur weiteren Dokumentation nun wieder die PRESSE, hier mit der Druckausgabe vom 8. April 2017. Das in Österreich hergestellte Blatt bot zu dem Thema vier Artikel sowie einen an Widerwärtigkeit kaum zu überbietenden „Leitartikel“ auf.

Der erste Artikel stammte von Oliver Grimm und nannte sich „Trumps syrische Warnung“. Grimm erzählte hier von der angeblichen Wirkung des US-Raketenangriffs auf der syrischen Luftwaffenbasis Al-Shayrat und von dem, was die US-Regierung dazu zu sagen hatte. Er fügte dem nichts neues hinzu, sondern konzentrierte sich allein auf die Meinung der USA. Eine andere Seite, um wenigstens so etwas wie eine Ausgewogenheit zu simulieren, fand genau so wenig statt wie die juristische Betrachtung eines vorliegenden Verbrechens.

Innerhalb von Mord und Totschlag war es Grimm dagegen wichtig zu fragen, ob der Täter, US-Präsident Trump, eine Sichtweise geändert haben könnte. Dies führte in weiterer Folge zur erneuten Verletzung jeglicher journalistischer Grundstandards:

„Trump bezog sich in seiner kurzen Stellungnahme in der Nacht zum Freitag ausschließlich auf den Chemiewaffeneinsatz durch die Streitkräfte von Präsident Bashar al-Assad.“

Grimm hatte hier das Wörtchen „mutmaßlich“ vergessen, um sich von der unbewiesenen Behauptung des Aggressors USA abzugrenzen. Nun, Grimm hat ohnehin mit Jounalismus nichts zu tun, und für eine Hofberichterstattung existieren nur die Anordnungen des Dienstgebers. Und dies hieß: verkaufe deren Meinung als Tatsache.

https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5197746/Trumps-syrische-Warnung

 

In seiner moralischen Erbärmlichkeit freute sich Grimm über ein Bild, welches er wie ein ahnungsloser Idiot herbei phantasierte:

„Außenpolitisch machte Trump klar, dass er die Verletzung sicherheitspolitischer roter Linien mit Gewalt zu ahnden bereit ist – anders als sein Vorgänger Obama.“

Bevor wir es vergessen: hier ging es um einen mit Vorwand durchgeführten Kriegsakt der USA und um die Verschärfung einer Eskalationsspirale, in welcher unter anderem der Atomwaffenstaat Russland gegenüber saß. Grimm huldigte seinen kriegsgeilen Law-and-Oder-Herren in Übersee mit Übereifer:

„Die Regime in Pjöngjang und Teheran – Trumps erklärte Erzfeinde – dürften nun einiges zu bedenken haben.“

Grimm in heller Freude bei dem Anflug von Gewaltphantasien, die seine Mentoren in Übersee durchaus auszuleben pflegten – ungestraft. Da durfte auch die Erwähnung der US-Botschafterin Haley nicht fehlen, die weitere Luftschläge angedroht hatte, als wäre das irgendwie gesellschaftsfähig und nicht kriminell.

Der „Korrespondent“ blieb am Ende seiner Parteinahme den Hinweis nicht schuldig, dass es sich bei seiner Person um nichts weiter als einen durch und durch verkommenen Kriegspropagandisten handelte.

„An der Fähigkeit des Assad-Regimes, Chemiewaffen gegen die eigenen Bürger einzusetzen, hat der Angriff auf Shayrat nichts geändert.“

Es beinhaltete einerseits die Lüge, dass Syrien Giftgas eingesetzt habe, und andererseits das ständig wiederholte verlogene Narrativ, dass die syrische Regierung angeblich ihre eigenen Bürger bekriegen und ermorden würde. Dies dient bekanntlich als Begründung für den gegen Syrien geführten Krieg mit Terroristen. 

 

 

Nach Grimm durfte Martin Gehlen den nächsten kriegstreiberischen Artikel in der PRESSE platzieren, der bereits in der Überschrift scheinheilig fragte: „Woher hat Assad das Giftgas?“ (Gemäß der Druckausgabe; online hieß der Artikel noch „Woher hat Syriens Regime seine Giftgas-Bestände?“).

So funktioniert verbrecherische Kriegspropaganda: zuerst der Versuch, die syrische Regierung mit der Bezeichnung „Regime“ zu delegitimieren, dann die Unterstellung, dass diese mit Giftgas-Vorfall in Khan-Sheikhoun etwas zu tun hatte. Die Fragestellung suggerierte hier eine Tatsache, die niemals festgestellt worden war.

Gehlen betrieb sein schmutziges Handwerk mit Nachdruck, indem er seine potentielle Leserschaft mit einer entsprechenden Unterzeile und dem gleichen Muster weiter einzustimmen versuchte.

„Eigentlich hätte Diktator Assad seine Chemiewaffendepots leeren sollen – doch immer mehr deutet darauf hin, dass das Regime seine Bestände zurückgehalten hat.“

Zuerst der „Diktator“, um die syrische Seite mit negativen, unrechtmäßig wirkenden Attributen zu versehen, dann eine Behauptung als Andeutung. Es gab keine Andeutung, von einem Beweis ganz zu schweigen.

https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5197494/Woher-hat-Syriens-Regime-seine-GiftgasBestaende

 

In der Druckausgabe hatte es eine andere, aber ähnlich gelagerte Unterzeile gegeben:

„Laut Experten handelt es sich um Sarin-Restbestände, die Damaskus versteckt hielt.“

Diese Behauptung konnte und kann nicht belegt werden, sie diente aber einer Schuldzuweisung. Wer waren diese „Experten“?

 

Weißhelm-Al-Kaida-Gehlen

Screenshot: PRESSE. Ein gestelltes Bildexemplar aus dem „Mediencenter Idlib“ von Al-Kaida, welches bereits am 4. April eiligst über die westlichen Nachrichtenagenturen verteilt worden war.

 

Bildsprache 3

Foto: wie angegeben. Der Fotograf Ammar Abdullah hatte zuvor für hübsche Al-Kaida-Fotos aus Aleppo gesorgt. Angeblich seriöse Medien wie die PRESSE haben kein Problem damit, Propaganda von Terroristen zu verbreiten. 

 

 

 

Online wurde von der PRESSE ein Foto beigestellt, dessen Herkunft mit „Reuters“ angegeben wurde, die offenbar das Bildrecht erworben hatte. Es zeigt einem Man der unter anderem durch England finanzierten Al-Kaida-Organsisation „Weißhelme“ mit einer Sauerstoffmaske. Dieser Mann soll angeblich mit Giftgas in Kontakt gekommen sein, mit Sarin, wie behauptet wurde, mit der sich mit der lächerlichen Staubmaske geschützt haben will. Das versuchte zumindest Al-Kaida-Fotograf Ammar Abdullah darzustellen. 

Gehlen schrieb, dass sich die westlichen Aggressoren („US-Regierung und ihre westlichen Verbündeten“) in der Schuldfrage „sicher“ sein würden. Er begleitete dies mit der Meinung von den „meisten Chemiewaffenexperten“, welche die russische Behauptung, es wurde ein „Kampfstoffdepot der Rebellen“ getroffen, widersprochen hätten.

Aus gutem Grund wurden die durch die Kriegsmächte ausgehaltenen Al-Kaida-Söldner zu „Rebellen“ umgelogen, da Terroristen und Giftgas der Leserschaft schlüssiger erscheinen musste. Die Meinung der angeblichen „Experten“ wurde auch nicht begründet, sie wurde einfach nur hingeschrieben. Immerhin bot Gehlen wenigstens eine einzige zitierte Meinung auf, vorgetragen von einem britischen Exmilitär, Hamish de Bretton-Gordon. Es war eine Meinung ganz im Sinne der britischen Regierung, die am Krieg gegen Syrien beteiligt ist. Es war eine Meinung, die nichts weiter als eine lächerlich stumpfsinnige Gegenbehauptung beinhaltete.

Dieses Nichts war für Gehlen als Vorlage ausreichend genug, um eine rhetorische Frage zu stellen, die auch bei oberflächlicher Betrachtung entweder die eines Idioten oder die eines Medienverbrechers sein musste:

„Woher aber kommt dieses Giftgas, das doch angeblich 2013 und 2014 unter der Aufsicht der „Organisation für das Verbot von Chemiewaffen“ (OPCW) komplett außer Landes geschafft und vernichtet wurde?“

Die Möglichkeit, dass auch andere Kriegsparteien oder gar Terroristen mit Giftgas hantieren könnte, wurde kurzerhand ausgeschlossen – wider besseren Wissens. Gehlen schickte stattdessen den aggressiven Apartheitsstaat Israel vor, welcher ebenfalls in dem Krieg gegen Syrien involviert ist und von dem übrigen Kriegstreiber-Staaten natürlich nie dafür verurteilt wurde. Anonyme israelische Sicherheitskreise sollen da von irgendetwas ausgehen. Ebenso substanzlos waren die angeblichen Hinweise auf nicht gemeldete Giftgasbestände durch die syrische Regierung.

Gehlen versuchte hier, ein Nichts auf das andere Nichts zu stapeln, um für die USA eine Rechtfertigung für deren Kriegsakt zu konstruieren. Dazu gehörte eine uns unbekannte Äußerung („intern“) des OPCW-Chefs Ahmet Üzümcü über „irreführende Informationen“, was nur leider auch nichts besagte. Derselbe Üzümcü hatte allerdings Anfang 2016 die vollständige Vernichtung der syrischen Giftgasbestände vermeldet gehabt.

https://www.freenet.de/nachrichten/topnews/von-syrien-deklarierte-chemiewaffen-vollstaendig-zerstoert_5161362_4702792.html

 

Derselbe Üzümcü wollte auch noch herausgefunden haben, dass die Al-Kaida-Filiale IS möglicherweise selbst Senfgas hergestellt haben soll. Also das, was der Al-Kaida-Filiale in der Provinz Idlib laut den westlichen Kriegstreiber nie und nimmer in den Sinn kommen würde.

https://www.freenet.de/nachrichten/topnews/opcw-is-stellte-womoeglich-selbst-senfgas-fuer-angriffe-im-irak-und-in-syrien-her_5822822_4702792.html

 

In der Hoffnung, dass beim Publikum irgendetwas hängen bleiben würde, schob Gehlen in seiner betrügerischen Art den deutschen Toxokologen Ralf Trapp mit einer verstümmelten Aussage hinterher.

„Man habe daher versucht, „den Syrern unter die Arme zu greifen und ihnen zu helfen, ihre Meldung zu vervollständigen. Das hat aber nie zu Ergebnissen geführt“, bestätigte der Gründer von OPCW, der Chemiewaffen-Experte und Toxikologe Ralf Trapp, gegenüber dem Deutschlandfunk.“

Lassen wir die Sprecher der Kriegstreiber außen vor und hören uns Ralf Trapp zu, welcher am 10. April 2017 im ARD-Nachtmagazin zu Wort kam. Hier versuchte die Moderatoren bezüglich der Schuldfrage ihn zu einer der ARD geneigten Antwort zu drängen. Trapp vermochte diese aber nicht zu artikulieren, weil es bislang an einer Untersuchung vor Ort mangelte.

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-277799.html

 

Abseits dieser Stellungnahme von Trapp, versuchte Gehlen ein weiteres Nichts aufzusetzen, um einen Verdacht in Richtung der syrischen Regierung zu lenken.

„Zudem ist nach seinen Worten unklar, „ob nicht inzwischen versucht worden ist, neue Kampfstoffe oder zumindest neue Vorstufen für Kampfstoffe zu bevorraten“.“

Vollkommen unklar. Kann sein, kann nicht sein. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Doch Gehlen glaubt, was man ihm von interessierter Seite zugeraunt haben will: eine Ansicht.

„Es ist eine Ansicht, die auch die israelische Experten teilen, die Syrien besonders auf dem Radar haben.“

Natürlich hat das israelische Militär Syrien auf dem Radar, denn sie bomben dort, wann es ihnen beliebt, und unterstützen Al-Kaida-Banden am Boden.

 

 

Donnerstag
18
Januar 2018

NATO-Weihnachtsmärchen 2017.

 

U-Boote und Datenkabel

Screenshot: PRESSE, 23. Dezember 2017.

 

Weihnachten 2017 ist vorüber, Silvester und Neujahr stehen unmittelbar bevor. Bevor alles wieder von vorne beginnen kann, musste offenbar das so gut wie vergangene Jahr wie immer beendet werden. Rechtzeitig vor den Weihnachtsfeiertagen, welche von vielen Menschen als ein Fest des Friedens empfunden werden, sollte die Bevölkerung noch einmal mit einem verleumderischen Bedrohungsszenario und Kriegshetze überzogen werden.

Das aggressive Kriegsbündnis NATO, deren Feind nach alter Tradition immer noch im Osten saß, hatte einmal mehr die Gefahr vor den gemeinen „Russen“ beschworen. Der politische Chef dieser Militärorganisation, Jens Stoltenberg, hatte in einer dieser zahlreichen Agitationen festgestellt, dass die russische Marine die Anzahl ihrer U-Boote aufgestockt haben. Dieser Umstand sowie die Frechheit, dass diese im Atlantik – überall sogar – herumschwimmen würden, wurde als Bedrohung formuliert. Denn die NATO-U-Boote, zahlenmäßig hoffnungslos überlegen, dienen schließlich auf allen Weltmeeren – überall – nur der Verteidigung. Mit Bedrohung hat deren gewaltiges Waffenarsenal überhaupt nichts zu tun.

https://www.focus.de/politik/videos/elf-weitere-sollen-folgen-platz-fuer-72-tomahawks-usa-praesentieren-neues-super-u-boot_id_7717277.html

 

Die russischen U-Boote dagegen würden sich angeblich immer häufiger in der Nähe wichtiger Datenkabel im Nordatlantik“ aufhalten, so Stoltenberg. Aus dieser substanzlosen Behauptung wurde das Märchen in die Welt gesetzt, dass, sollten die Russen diese Kabel kappen, ein enormer Schaden entstehen würde. Womöglich kriegsentscheidend. Vielleicht aber, so eine weitere Überlegung, würde der „Russe“ sich mit einem U-Boot in die Kabel auch nur einhacken, um wichtige Date abzusaugen.

In Anbetracht der Tatsache, dass es die USA selbst sind, welche diese Daten (allerdings an den Datenknotenpunkten) absaugen, diente dieser spekulative Schwachsinn nur der weiteren Dämonisierung des „Ostmenschen“ aus dem „Reich des Bösen“ (Zitat: Reagen). Dem wurde noch eine richtig wichtige Erkenntnis beigefügt, als würde es um einen Beleg handeln:

„“Russland zeigt klar ein Interesse an der Unterwasser-Infrastruktur der Nato und Nato-Länder“, zitierte die „Washington Post“ US-Admiral Andrew Lennon, den Kommandant der U-Boot-Streitmacht des westlichen Bündnisses.“

Das Interesse der US-Amerikaner an russische Unterwasser-Infrastrukturen fiel irgendwie unter den Tisch, obwohl gleichzeitig offensichtlich. Außer Hetze und Verleumdung hatte NATO-Stoltenberg nichts zu bieten, sollte aber reichen, um angeblich Nervosität im Hauptquatier zu verursachen. Offizielle 611 Milliarden Dollar an US-Militärausgaben standen 2016 gerade mal 69,2 Milliarden Dollar Russlands gegenüber. Frankreich, England und Deutschland alleine hatten allerdings auch schon 145,1 Milliarden Dollar verprasst bzw. in die „Sicherheit“ investiert.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/

 

 

Aber was soll’s? Stoltenberg seine Hetze hatte einen realpolitischen Hintergrund, wie in den Artikeln nicht verhehlt wurde: weitere Aufrüstung. Und die musste darin begründet werden, dass der böse Russe weiterhin existierte – bis zum Endsieg.

In Österreich ist diese Kriegshetze in der PRESSE und im STANDARD nachzulesen; die Artikel wurden kaum bearbeitet von der „APA“ und der „dpa“ übernommen.

https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5343555/Nato-besorgt-ueber-Operationen-russischer-UBoote-im-Atlantik

https://derstandard.at/2000070955816/Russische-U-Boote-immer-haeufiger-in-der-Naehe-wichtiger-Datenkabel

Oder auch im Staatsmedium „ORF“:

http://orf.at/stories/2420030/2420032/

 

Der alles andere als friedliche Dreck wurde natürlich flächendeckend an sämtliche Massenmedien verteilt; als Beispiel:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/nato-generalsekretaer-besorgt-ueber-russische-u-boote-15356381.html

https://www.welt.de/politik/ausland/article171879831/Wegen-Datenkabeln-Nato-ist-besorgt-ueber-russische-U-Boote-im-Atlantik.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/atlantik-nato-besorgt-russische-u-boote-datenkabel

 

Die widerliche Hetze erschien ursprünglich in der Propagandaschleuder „Washington-Post“:

https://www.washingtonpost.com/world/europe/russian-submarines-are-prowling-around-vital-undersea-cables-its-making-nato-nervous/2017/12/22/d4c1f3da-e5d0-11e7-927a-e72eac1e73b6_story.html?utm_term=.f8888f77654f

 

Auch 2018 wird es Regierungen und Lobby-Verbände geben, die an ein friedliches Zusammenleben kein Interesse haben. Da passte eine eigenwillige Interpretation eines Weihnachtsliedes ganz gut, auch wenn es sich hierbei um einen – groben – Spaß handelt:

 

Quelle: YouTube. 

 

Sonntag
31
Dezember 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 22.

 

Alexandra Föderl-Schmid hatte am 7. April 2017 einen zweiten Artikel im STANDARD veröffentlicht, welcher online um 18.20 Uhr erschien sowie in der Printausgabe am folgenden Tag. Es handelte sich hierbei um einen Kommentar, welcher die Überschrift „Trump agiert nach Bauchgefühl“ trug.

http://derstandard.at/2000055585350/Trump-agiert-nach-Bauchgefuehl

 

Ihre Meinung begründete Föderl-Schmid mit ihrer persönlichen Eigenart, die US-Politshow tatsächlich ernst zu nehmen, und mit der groben Fehleinschätzung, dass in der US-Regierung irgendetwas spontan und unüberlegt geschehen könnte. Ihre – bestenfalls – Inkompetenz hatte sie bereits eingangs belegt, in dem sie unter anderem die rhetorische Frage gestellt hatte:

„Lassen sich die USA in den Krieg in Syrien weiter hineinziehen?“

Diese Frage war verlogen. Lag dem keine Absicht zugrunde, muss es sich um Unkenntnis und vor allem um eine extreme Dummheit gehandelt haben. Denn niemand wird in einen Krieg „hineingezogen“, wenn hierbei von dem eindeutigen Aggressor die Rede ist. Der Raketenüberfall war eine Aggression wie die USA seit Anfang an als die treibende Kraft hinter der Aggression gegen den Staat Syrien steht. Davon abgesehen, war bereits vor 2011 aus dem Vorhaben kein Geheimnis gemacht worden, unter anderem im Plan „Greater Middle East“ dargelegt. Für die linientreuen Massenmedien war dies natürlich kein Thema.

Der Kommentar von Föderl-Schmid gestaltete sich somit auf eine Weise, als würde sich ihre Leserschaft aus einer hirnlosen Masse formen. So behauptete sie:

„Trump demonstriert mit diesem Militärschlag in Syrien Entschlossenheit und sendet damit ein Signal an Assad, aber auch an die Russen und Iraner aus.“

Das einzige Signal, welches hier allerdings ausgesendet wurde, war die Selbst-Deklaration seitens der USA als verbrecherische Kriegstreiber. Das war eine schlichte Feststellung, zu der sich Föderl-Schmid nicht in der Lage sah bzw. nicht in der Lage sein durfte. Das war kein Versehen, denn sie log anschließend:

„Sechs Jahre lang hat Trumps Vorgänger Barack Obama dem Abschlachten von Syrien zugesehen und auch dann nicht eingegriffen, als die von ihm definierte rote Linie durch einen Giftgasangriff 2013 in Syrien überschritten worden war.“

Natürlich hatte der ehemalige US-Präsident Obama nicht „zugesehen“, denn unter seiner Regierung war der Krieg gegen Syrien mit mehr oder weniger offensichtlichen Proxy-Truppen erst durchgeführt worden. Der Giftgasangriff aus dem Jahre 2013 wurde bei dieser Gelegenheit einmal mehr indirekt der syrischen Regierung angelastet, obwohl es dafür keinen Beweis gab. Es war ein Ereignis, welches durchaus Parallelen zu jenem von Khan Sheikhoun aufwies – einschließlich aller Reaktionen der Kriegstreiber aus dem Westen und den Golf-Dikaturen samt ihrer Medienmeute.

„Mit seinem Befehl setzt sich der Republikaner Trump vom Demokraten Obama ab und stellt sich in eine Tradition von Ronald Reagen und George W. Bush.“

Föderl-Schmid versuchte hier, einen Zusammenhang zwischen einen angeblich „guten“, aber etwas „weichen“ US-Präsidenten Obama und der US-Partei „Demokraten“ herbeizuschreiben, dem sie als Kontrast vermeintlich (noch) kriegerische Präsidenten der Partei „Republikaner“ gegenüberstellte. Sie versuchte, einen Unterschied zwischen den beiden US-Parteien herauszustreichen, den es schlichtweg nicht gab und nicht gibt. (Es handelt sich hier nur um oligarchische Interessengruppen in beiden Parteien). Die Regierung Obama hatte in mehreren Ländern Krieg geführt, Obama selbst ist zudem maßgeblich und persönlich für das Massenmorden per Drohne verantwortlich. Das wissen die Schreibtischtäter natürlich selbst, denn zuvor hatten sie einen George W. Bush bei seinen Kriegen nicht weniger unterstützt.

Für die medialen Dienstleister der kriegerischen Interessengruppen schien es dagegen ein Problem zu sein, dass ausgerechnet mit Trump ein Vertreter einer konkurrierenden Interessengruppe, welche täglich von den ersteren bekämpft wurde, scheinbar eine Eskalation in Gang gesetzt hatte, die von den zuvor etablierten US-Interessengruppen erwünscht gewesen war.

So kam Föderl-Schmid doch nicht um die Feststellung herum, dass es sich bei dem US-Raketenangriff um einen Völkerrechtsbruch handelte. Und dass dieser von der EU und europäischen Regierungen auch noch positiv bewertet wurde. Das gab einen Blick auf Personen in europäischen Entscheidungs-Positionen frei, die mit den von ihnen propagierten Werten plötzlich absolut nichts mehr zu tun hatten. Es wurde ein Verbrechen beklatscht.

Die auch von Föderl-Schmid erwähnte Reaktion Russlands war dagegen für den angeblichen „Werte-Westen“ eher peinlich. Es wurde ein Abkommen ausgesetzt, gleichzeitig aber sämtliche Kanäle offen gelassen, um deeskalierend wirken zu können. Die Russen, bei jeder Gelegenheit als böse und aggressiv hingestellt, schienen tatsächlich noch einer Hoffnung auf eine gute Beziehung mit den USA nachzugehen, wie auch von Föderl-Schmid angemerkt wurde.

Es war im Gegensatz zur Regierung Obama die Regierung Trump gewesen, die bezüglich Syrien von US-amerikanischer Seite einen ersten Schritt zu einer Deeskalation markiert hatte. Das Fallenlassen des Ziels, in Syrien einen Regierungswechsel zu erreichen, soll ja angeblich ausgerechnet von der syrischen Regierung sabotiert worden sein, sollte man den im Krieg gegen Syrien involvierten Politikern und den Massenmedien Glauben schenken.

Die Irritation einer Föderl-Schmid war jedenfalls offensichtlich. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer über das, was sich in Syrien ereignet hatte. Sie schrieb dann von ihrem Glauben, dass „Assad“ – als würde es um „Assad“ gehen – aus US-amerikanischer Sicht nicht mehr das „geduldete kleinere Übel“ im Vergleich zur „IS“ sein dürfte. Das war Glaube und möglicherweise auch Hoffnung zugleich.

Frank Herrmann berichtete aus Washington (online am 7., gedruckt am 8. April) davon, wie sich die US-Regierung nach dem befohlenen Raketenangriff präsentierte: „Donald Trumps Wandel zum Kriegsführer.“ Das soll uns hier aber weiter nicht interessieren.

http://derstandard.at/2000055584968/Donald-Trumps-Wandel-zum-Kriegsfuehrer

 

Bei der letzten Autorin des Tages im STANDARD handelte es sich um Gudrun Harrer, deren Beitrag „Trump steigt ins syrische Spiel ein“ am folgenden Tag ebenfalls abgedruckt werden sollte. Obwohl erst um 20.56 Uhr online gestellt, schient Harrer nicht mehr aktuell gewesen zu sein. Sie redete davon, dass die durch den US-Raketenangriff angerichteten Schäden auf der syrischen Luftwaffenbasis beträchtlich gewesen sein dürften, und mutmaßte aufgrund zu weniger – angeblicher – Opfer, dass es offenbar eine Verständigung zwischen den USA und Russland/Syrien gegeben haben könnte.

Frau Harrer waren anscheinend sämtliche Presseerklärungen aller Seiten mindestens 12 Stunden zuvor abhanden gekommen, doch wusste sie von der US-Erklärung aus genau diesen Quellen, dass eine (offizielle) „Militärintervention“ nicht geplant gewesen sein soll. Harrer nutzte jedenfalls die Gelegenheit, um in diesem Zusammenhang ein verlogenes Narrativ der Kriegstreiber anzubringen:

„Ein amerikanisches militärisches Engagement in Syrien gibt es ja bereits, auch mit Bodentruppen, aber gegen den „Islamischen Staat“.

Den gegen den syrischen Staat und dessen Bevölkerung geführten Krieg durch die USA und seinen Verbündeten verleugnend, fügte Harrer eine Behauptung der Kriegstreiber und seiner Bodentruppen vor Ort an, als könnte an dieser Geschichte etwas dran sein:

„Die Operation gegen den Ort, von dem die mutmaßlichen Giftgasbomber am Dienstag gegen die Stadt Khan Sheikhun in Bewegung gesetzt wurden, hatte demnach vor allem symbolischen Charakter.“

Symbolisch war es auch, anlässlich eines unbewiesenen Ereignisses über eine gleichfalls unbelegte Behauptung bezüglich einer vermeintlich urheberschaftlichen Örtlichkeit zu schwadronieren, als würde irgendwo ein gesicherter Parameter zur Verfügung stehen. Hier wurde nur über den oberflächlichen Charakter des Aggressors spekuliert, welcher gleichzeitig – welch „journalistische“ Offenbarung – als einzige Quelle benutzt wurde. Mit anderen Worten: was Harrer hier ablieferte, war wie so oft nichts weiter als dummes Gerede.

http://derstandard.at/2000055578714/Trump-steigt-ins-syrische-Spiel-ein

 

Den US-Kriegsakt wollte auch Harrer als „Bestrafung“ verstanden wissen. Der rechtliche Aspekt wurde von ihr nicht tangiert. Stattdessen befand sie:

„Die einzelne Militäraktion macht längerfristig jedoch nur Sinn, wenn sie politisch begleitet wird.“

Verbrechen machen demnach Sinn, wenn sie politisch begleitet werden. Von Frau Harrer offenbar nicht bemerkt, wurden bereits sämtliche Verbrechen politisch begleitet. Und ja, würde es „politisch“ nicht so laufen wie gewünscht, würde ja noch das Mittel Verbrechen… ähm… „Militäraktion“ zur Verfügung stehen, als „Strafe“. Das könnte dann auch politisch begleitet werden – und Sinn machen.

Das weitere Gerede zeigte auf, dass Harrer anscheinend Proleme damit hatte, den Sinn von Handlungen zu erfassen. Weder erwähnte sie, dass die Friedensgespräche in Astana zwischen Russland, der Türkei und dem Iran erste Früchte getragen hatten, noch stellte sie fest, dass diese möglich geworden waren, weil diese unter Ausschluß der Kriegstreiber wie die USA und ihre Verbündeten erfolgten (Ausnahme: Türkei). Spekulativ war der Gedanke, dass Russland nun bezüglich den USA eine Vorstellung revidieren müsse.

Harrer berichtete von der russischen Feststellung, dass es über den Giftgasvorfall in Khan Sheikhoun keine gesicherten Erkenntnisse über die Urheberschaft geben würde, dies aber für die USA „irrelevant“ sei. Das war freilich nichts neues, das war ein Phänomen seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Und Harrer weiter mit einem gewissen Vorausblick:

„…ebenso, dass die Aktion von den meisten Völkerrechtlern als illegal bezeichnet werden wird.“

Hier wurde etwas auf die Meinung von Völkerrechtlern reduziert, obwohl es an der auch in der UN-Charta beschriebenen Definition keinen Zweifel gibt. Harrer hatte offensichtlich ein Problem damit, ein Verbrechen als das zu bezeichnen, was es war. Sie hantierte mit „Signalen“ an die US-Verbündeten in der Golf-Region, registrierte eine Enttäuschung bei der Diktatur Saudi-Arabien, weil keine Aggression („Eindämmung“) gegen den Iran im Raume stand und anderes. Auch phantasierte sie „Signale“ an Russland herbei.

„Denn das politische Signal an Russland ist, dass es im innersyrischen Konflikt eben keine freie Hand hat: auch – und vor allem – nicht, was die iranische Rolle oder jene der schiitischen Milizen, allen voran der libanesischen Hisbollah, in einer zukünftigen syrischen Ordnung betrifft.“

Davon abgesehen, dass Harrer die von ihr wahrgenommenen „Signale“ rein spekulativ waren, sollte hier zum wiederholten Male festgestellt werden, dass sich russische und iranische Militärs legal in Syrien aufhielten, aber nicht jene der USA und ihrer Verbündeten. Die Vorstellung der USA von der „Neuordnung“ in diesem Raum war, wie erwähnt, bereits vor dem Krieg publiziert worden. Was Harrer zum besten gab, war belangloses Gequatsche über eine eindeutige Situation. An dieser wurde aber fleißig manipuliert:

„Hier ist auch Israel betroffen.“

Nur ist Israel nicht „betroffen“, sondern einer der aggressven Akteure in dem Krieg gegen Syrien, sei es mit Luftangriffen, sei es mit Unterstützung der Al-Kaida-Söldner im Südwesten des Landes. Groteskerweise hatte der auch von Israel geführte Krieg erst die iranischen und libanesischen Hilfstruppen nach Syrien rufen lassen. Die Aggressoren hatten anfangs nicht geahnt, dass sich der syrische Staat tatsächlich so lange halten würde, und natürlich hatte Israel den US-Kriegsakt begrüßt, also das, was von ihnen selbst immer wieder praktiziert wurde – ohne vom angeblichen „Wertewesten“ dafür angeklagt zu werden.

Harrer rätselte weiter, wer was denken und empfinden oder was geschehen könnte. Das Bestreben der syrischen Regierung („Assad“), das eigene Staatsgebiet von den jihadistischen Söldnern und Terroristen zu befreien, wurde von ihr als „großspurig“ lächerlich gemacht.

Ihr Standpunkt blieb der gleiche: hier das „Regime“, dort die „Opposition“. Wie zum Beispiel in der Provinz Idlib, wo sich „Rebellen“ verschanzt hätten. Al-Kaida gibt es nicht. Sagt schließlich auch Al-Kaida nach ihrer Umbenennung.

 

 

Freitag
29
Dezember 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 21.

 

Zur weiteren Dokumentation:

Der österreichische STANDARD hatte gegenüber den KURIER wie gewöhnlich am 7. April 2017 nach dem US-Raketenangriff quantitativ mehr anzubieten. Der erste Artikel wurde online am frühen Morgen auf der Grundlage der US-Nachrichtenagentur Reuters erstellt.

„Nach Giftgasangriff: US-Luftschlag gegen syrische Militärbasis.“

http://derstandard.at/2000055531713/USA-greifen-erstmals-Ziele-des-Assad-Regimes-an

 

Hier wurden eingangs die Mitteilungen der US-Regierung angeführt, dass Ergebnis des Raketenangriffs dagegen lustigerweise der vollkommen unseriösen „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ überlassen, als gäbe es keine anderen und realen Quellen vor Ort. Die angeblichen fünf Toten konnten nur vom syrischen Militär genannt worden sein.

Es wurden anschließend in dem Artikel die Meinungen verschiedener Regierungen wiedergegeben, bei denen es sich allesamt um Konfliktparteien handelte. Russland und der Iran verurteilten den US-Raketenangriff mit Hinweis auf die unstrittige Rechtslage, welche wie so oft durch den Text-Baustein „Rußland steht im Syrien-Konflikt an der Seite des syrischen Staatschefs Bashar Al-Assad“ entschärft werden sollte. Der üblichen Nicht-Nennung der US-Verbündeten, bei denen es sich allesamt um die Aggressoren handelte, stand ausnahmsweise der Begriff „Präsident“ für Assad (statt „Diktator“) gegenüber.

Wenig überraschend erntete der US-Kriegsakt bei den weiteren Aggressoren – genannt wurden Israel, Saudi-Arabien und England – große Zustimmung. Diese Zustimmung wurde geteilt von den Aggressoren vor Ort, im Artikel in Gestalt einer Marionette des türkischen Militärgeheimdienstes: der „Syrischen Nationalen Koalition“. Der wiederholten Behauptung der syrischen Regierung, für den angeblichen Giftgasangriff in Khan Sheikhoun nicht verantwortlich zu sein, wurde – schwach genug – mit einer Vermutung der US-Geheimdienste gekontert.

Die Ungereimtheiten des US-Raketenangriffs, keine weitere Militäraktionen der offiziellen US-Streitkräfte sowie die Informierung der russischen Regierung über den Angriff, wurden nicht hinterfragt.

Dieser STANDARD-Artikel war überraschenderweise weitgehend neutral gehalten. Mehrere Meinungen der Konfliktparteien kamen zu Wort und es wurde keine Behauptung aufgestellt, dass es so und nicht anders gewesen sein soll. Die eindeutige Rechtslage, dass es sich bei dem US-Angriff um ein Verbrechen und um eine weitere Eskalation gehandelt hatte, wurde als Thema freilich ausgeklammert.

Der zweite Artikel am Morgen des 7. April 2017 wurde von Alexandra Föderl-Schmid als Kommentar verfasst und beinhaltete nun wieder Propaganda-Elemente. Er trug die zynische Überschrift „Trump fackelt nicht lange.“

https://derstandard.at/2000055535529/Trump-fackelt-nicht-lange

 

Föderl-Schmid schilderte zuerst ein wenig die Trump-Show, um dann allerdings festzustellen, dass bislang überhaupt kein Beweis vorgelegt worden war, welcher das syrische Militär als Täter von Khan Sheikhoun identifizierte. Für die STANDARD-Redakteurin war die schwerstkriminelle Handlung der US-Regierung allerdings kein Anliegen, sie sah stattdessen eine angebliche „Brüskierung“ Russlands, als wäre ein Raketenüberfall mit (angeblichen 59) Marschflugkörpern auf den Verbündeten Russlands keine Kriegserklärung mit allen möglichen Konsequenzen, sondern ein Schuljungen-Streich.

Dass Föderl-Schmid in einer eigenen unrealen Welt zu leben schien, unterstrich sie wie eine Schwachsinnige: „Trump wollte eine Warnung abgeben, keinen Krieg anfangen.“ Das war in etwa so, nicht das Haus eines Kontrahenten abzufackeln, sondern nur die Anwesenden einer Wohnung in demselben zu erschießen. Wegen der Warnung. Hat mit Mord nichts zu tun. Wo das Morden nur zu einer Warnung reduziert wurde, konnte es auch als „außenpolitisches Zeichen“ verstanden werden, so jedenfalls bei Föderl-Schmid.

Nach der Verharmlosung von Krieg, Mord und Zerstörung hatte die Redakteurin die Propaganda-Elemente eingefügt wie den Begriff „Assad-Regime“ und den üblichen Textbaustein „Russland an der Seite des Assad-Regimes“ auf der einen Seite und die zu „Rebellen“ verharmlosten Al-Kaida-Terroristen auf der anderen Seite. Ein Pflichtprogramm, welches noch mit der unhaltbaren Spekulation angereichert wurde, dass auch Russland keine Chemiewaffen-Angriffe billigen würde, als könnte bei der Schuldzuweisung in Richtung syrischer Regierung der Aggressoren doch etwas dran sein. Auf dem Schulhof nannte man solche Leute wie Föderl-Schmid früher „hinterfotzig“.

Ein Klacks, bei dieser Gelegenheit auch die US-Angriffskriege in Afghanistan und gegen den Irak zu „US-Militärinterventionen“ umzulügen.

Am späten Nachmittag dieses Tages (7. April 2017) wurden beim STANDARD drei Artikel gleichzeitig online gestellt, welche am folgenden Tag, am 8. April, auch in der Print-Ausgabe erschienen. „Türkei wieder zurück zum Hardliner-Kurs in Syrien“ stammte von Markus Bernath. Er gab dem Aggressor Türkei eine kleine Bühne, deren Kriegsbeteiligung gegen Syrien hier auf „Forderungen“ minimalisiert wurde.

http://derstandard.at/2000055581814/Tuerkei-wieder-zurueck-zum-Hardliner-Kurs-in-Syrien

 

Bernath kam zwar nicht umhin, bei der Türkei eine Toleranz gegenüber der Terrororganisation „IS“ zu entdecken, und zwar (nur) in Syrien, deckte aber den Mantel über die Tatsache, dass die Türkei ein Teil dieser IS-Struktur ist. Sie ist die logistische Drehscheibe für die Terror-Söldner, welche bei ihrem Angriff auf die Kurden-Gebiete damals aus dem türkischen Staatsgebiet heraus operiert hatten. Somit war auch die Behauptung, der „IS“ habe in der Türkei später Anschläge durchgeführt, höchst zweifelhaft. Eine türkische Intervention, wie von Bernath weiters behauptet, hatte sich nie ereignet.

Der Artikel „Viel Rückendeckung aus der EU“ besagte alles mit seiner Überschrift. Heuchlerisches Verbrecherpack mit „Verständnis“ für US-amerikanischen Terror in einem Land, in welchem sie selbst destruktiv involviert waren und noch sind.

Ein Lothar Deeg steuerte aus St. Petersburg den Artikel „Moskau empört über US-Angriff in Syrien“ bei. Er berichtete über die russische Sicht auf das Ereignis, welches nüchtern, eindeutig und richtig war. Ein erstaunlicher Text in einem Blatt wie den „STANDARD“.

http://derstandard.at/2000055575266/Moskau-empoert-ueber-US-Angriff-in-Syrien

 

Astrid Frevel aus Kairo war die nächste, welche einen Artikel servierte. „Rebellen hoffen auf mehr“, lautete die Überschrift. Das bezog sich auf die nicht erwähnte Terrorformation Al-Kaida, welche natürlich die Hoffnung auf mehr Unterstützung durch ihre Unterstützer hegte.

http://derstandard.at/2000055577683/Rebellen-hoffen-auf-mehr

 

Frevel, die den US-Kriegsakt als „Strafaktion“ verharmloste, leitete einige Informationen weiter, die sie woanders aufgeschnappt hatte. So von einer „Pro-Regime-Website“, was immer das sein sollte. Aus diesem Propaganda-Sprech wurde ein Stück weiter eine nicht näher bezeichnete syrische Nachrichten-Agentur, die in Syrien gewöhnlich staatlich sind. Somit kann sich ihre Quelle nur auf eine staatliche Nachrichtenagentur bezogen haben, was natürlich anders und wertfrei klingen würde.

Die STANDARD-Redakteurin zeigte auch weiterhin, dass sie ihren Auftraggebern verpflichtet war. Die syrische Regierung wurde von ihr als „Regime“ bezeichnet, die von Damaskus genannten Terroristen von Frevel mit Anführungszeichen versehen, als wäre deren Existenz auch im Raum der Ereignisse irgendwie fraglich.

Man konnte es der Frau Frevel nicht absprechen, auch Meinungen von eher unpopulären Personen zu verbreiten. So jene von Mohammed Alloush, dem Anführer der Jeish al-Islam, welche hier zu einer „bewaffneten Opposition“ verkleidet wurde, weil Al-Kaida bei den Lesern wenig Verständnis hervorgerufen hätte. Frevel bemühte sich gar, die Seriosität dieser Terroristen-Fraktion herauszustellen, indem sie hinzufügte, dass Alloush auch zur Verhandlungsdelegation in Genf gehören würde. Das war richtig, das war allerdings ein Skandal erster Güte für den vermeintlichen „Werte-Westen“, dass ein von Saudi-Arabien finanzierter Terrorist für denselben Terror-Sponsor verhandelte. Wenn auch nicht wirklich.

 

 

Frevel berichtete auch, dass von der ägyptischen Regierung keine Schuldzuweisung ausgesprochen wurde. Irgendetwas schien sie dann aber dazu veranlasst zu haben, den Schwachsinn von saudisch finanzierten Medien wiederzukauen. Vielleicht war das die Hoffnung gewesen, dass irgendetwas davon bei schwachsinnigen Lesern hängen bleiben würde.

 

Dienstag
12
Dezember 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 20.

 

Für den Artikel in der Printausgabe des KURIER vom nunmehr 8. April 2017 zeichnete sich Ulrike Botzenhart verantwortlich. Dieser enthielt einige Elemente aus den Online-Artikeln, auf die wir hier nicht eingehen müssen, und einige neue Absätze.

„Trumps Warnschuss an Assad“:

https://kurier.at/politik/ausland/trumps-warnschuss-an-assad/256.996.971

 

Dazu gehörte eine Zitat aus dem russischen Verteidigungsministerium, dass nur 23 der abgeschossenen Marschflugkörper ihr Ziel erreicht hätten und angeblich nach den restlichen Raketen gesucht werden würde.

Zweifellos schien an dieser Geschichte etwas nicht der Richtigkeit zu entsprechen, da diese Fehlschuss-Quote schlichtweg auszuschließen war. Entweder waren niemals 59 Marschflugkörper abgeschossen worden oder der russische Sprecher log, um US-Waffentechnik als minderwertig darzustellen.

Zu diesem Aspekt zitierte der KURIER den Brigadier Walter Feichtinger von der österreichischen Akademie für Landesverteidigung:

„… Hingegen schließt er aus, dass 36 Marschflugkörper ihr Ziel verfehlt haben könnten. „Das US-Militär hat längst alle Ziele in Syrien genau vermessen. Und als Präsident Obama 2013 Syriens Machthaber Assad vor dem Überschreiten der ,Roten Linie‘ gewarnt hat, ist sicher die Angriffsplanung längst gemacht worden“, sagt er. Durch ständige Aufklärung seien die USA auf dem Laufenden. Nach der Befehlserteilung durch Präsident Trump wurden an Bord der zwei US-Kriegsschiffe im Mittelmeer die „Tomahawk“ mit den Zieldaten programmiert und abgefeuert.

Die Raketen mit etwa 500 Kilogramm Sprengstoff zischen mit einer Geschwindigkeit von Mach 1 in geringer Höhe auf ihr Ziel zu, schlagen Haken, um schwerer abgewehrt zu werden, und erreichen ihr Ziel „mit fünf Metern Treffgenauigkeit“, erklärt Feichtinger. „Syriens Luftabwehr kann die Cruise Missiles nicht abwehren. Ob die russischen Systeme dazu in der Lage sind, prüfen wir noch.““

Ein Rätsel. Der KURIER präsentierte ein weiteres Rätsel, auch wenn dieses als solches nicht so dargestellt wurde:

„Die Russen wurden rechtzeitig von den USA vorgewarnt, bestätigte der Kreml. Andernfalls hätte es bei 500 bis 1000 Menschen auf so einer Basis viel mehr Opfer gegeben. Laut Syriens Armee gab es sechs Tote und einige Verletzte. Das Regime meldete mehrere Tote in benachbarten Dörfern, darunter Kinder.“

Hier konnte der Leser entnehmen, dass dieser Kriegsakt in Form eines nächtlichen Raketenüberfalls von den USA gegenüber Russland angekündigt worden war. Letztere dürften danach natürlich die syrische Armee informiert haben. Ulrike Botzenhart fragte nicht nach den Sinn dieses Manövers, welcher die Effektivität eines Angriffs stark einschränken musste. Die Behauptung der syrischen Regierung, dass sie von Russland nicht informiert worden sei, kann kaum ernst genommen werden.

Unserer Ansicht nach gab es somit Anzeichen, dass es sich zumindest bei dieser US-Aggression nicht viel mehr als um eine Show gehandelt haben könnte. Die Bilder von der syrischen Luftwaffenbasis mögen eine Reihe von Zerstörungen zeigen, ob dort aber Menschen ums Leben gekommen waren, bleibt fraglich und ohne Nachweis. Eine erste Quelle hatte dies sogar bestritten:

https://twitter.com/leithfadel/status/850169932084121600

 

Die selbe Quelle hatte dann eine Opferzahl von 4 Personen angegeben, die natürlich wiederum aus einer Quelle des syrischen Militärs stammte:

https://twitter.com/leithfadel/status/850194858094579712

 

Die Angaben der US-Regierung, es bei diesem Angriff zu belassen, gehörte ebenso zu der Überlegung, dass der Kriegsakt einen anderen Hintergrund gehabt haben dürfte, als öffentlich dargestellt.

Der US-Raketenangriff hatte allerdings eine Reaktion seitens Russlands gezeitigt, wie auch der KURIER vermeldete:

„Russlands Außenminister Lawrow fühlte sich an den US-Angriff auf den Irak erinnert, und der Kreml setzte das Abkommen mit den USA für den Luftraum in Syrien aus.“

 

Flugsicherheitsabkommen ausgesetzt

 

Was bedeutete dies? Ulrike Botzenhart meinte dazu:

„Das heißt, die Russen werden die Amerikaner nicht mehr über ihre Flüge im syrischen Luftraum informieren.“

Hier lässt sich einmal mehr feststellen, dass sich russisches Militär legal in Syien aufhält, die USA dagegen nicht. Die USA gehören zu den Aggressoren. Russland muss niemanden informieren, versuchte und versucht aber eine Deeskalation. Die Aufhebung dieser genannten Vereinbarung durch Russland kam der Sperrung für bestimmte syrische Lufträume für US-Jets gleich.

Brigadier Feichtinger kommentierte:

„Das ist gefährlich“, sagt Feichtinger, „weil es zu Zusammenstößen kommen könnte.“ Fliegt doch die US-geführte Anti-Terror-Allianz immer wieder Angriffe auf den IS. “

Die Gefahr von Zusammenstößen mochte sich erhöht haben, die Behauptung, dass es sich bei den ausländischen Militärs um eine „Anti-Terror-Allianz“ handeln würde, war aber definitiv falsch. Ähnlich falsch wie die angeblichen Angriffe auf den „IS“. Feichtinger wird allerdings kaum dem offiziellen und propagierten Narritiv widersprechen können, möchte er seinen Beruf behalten. Dazu gehört auch seine Anhängerschaft zu der US-Verschwörungstheorie von Osama Bind Laden und den 19 Teppichmessern.

http://www.bundesheer.at/pdf_pool/publikationen/09_vu1_02_apk.pdf

 

Dennoch kam Feichtinger im KURIER zu einer bemerkenswerten Feststellung, welche in der Redaktion sicher anders eingestuft worden war, als wir es tun:

Feichtinger: „Im Anlassfall, etwa bei einem Giftgasangriff oder Massaker, müssen die Syrer erneut mit einem US-Angriff rechnen.“

Das hieß nichts anderes, als dass jeder der zahlreichen Akteure in Syrien irgendwelche Giftgasangriffe oder Massaker veranstalten konnte, das Opfer von US-Angriffen würde bereits feststehen: die Syrer.

Bei dem Brigadier Feichtinger handelt es sich um einen für die Medien gefragten Spezialisten. In einem Interview mit OÖN demonstrierte er, dass sein Spezialisten-Dasein freilich nur sehr eingeschränkt wirken konnte, musste er die verlogene Legende am Leben erhalten:

OÖN:

„Werden die USA in nächster Zeit zumindest ihre Unterstützung für die Assad-Gegner forcieren?“

Die Fragestellung war mit dem Begriff „Assad-Gegner“ bereits manipulativ. Feichtinger antwortete laut OÖN:

„Die Unterstützung gibt es bereits für die Kurden und die Syrian Democratic Forces – auch mit Waffen. Die Rebellen im Gebiet Idlib sind aber als Islamisten eingestuft. Für diese wird es sicher keine Unterstützung durch die USA geben.“

Man hat den Eindruck, es hier mit einem Erstklässler zu tun zu haben. Und von Al-Kaida, die sich in Idlib befindet, scheint er auch noch nie etwas gehört zu haben. Das ist eine Rolle für die Öffentlichkeit.

Die Redaktion der OÖN schien in ihrer geistigen Fähigkeit derartig beschränkt, dass sie selbst für billigste Propaganda mehr als empfänglich schien:

OÖN:

„Zurück zum eigentlichen Anlass für den Luftschlag. Wer war denn verantwortlich für den Giftgasangriff: Assad, oder gibt es zumindest eine Mitschuld der Rebellen, wie diesen unterstellt wird?“

Das war eine Selbstdeklarierung der OÖN in seiner Eigenschaft als Kriegspropagandist. Personifizierung und Verschleierung des Kriegszieles. Keine Terroristen, sondern „Rebellen“. Der Versuch, eine Frage vorzutäuschen, deren Antwort bereits mitgeliefert wurde. Der Verdacht auf Unterstellung nur gültig für die Al-Kaida-Rebellen, nicht aber gegenüber der syrischen Regierung.

http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/aussenpolitik/Das-ist-eine-neue-Qualitaet-des-US-Engagements;art391,2531955

 

Feichtinger gab dem Schreibtischtäter dann allerdings eine überraschende Antwort, welche auch abgedruckt wurde.

„Das sind alles Unterstellungen, ich bin da sehr vorsichtig. Im Krieg und insbesondere in diesem ist alles möglich. Auch, dass die eine Seite der anderen etwas unterschieben will, um sich selber Vorteile zu verschaffen. Beweise gibt es jedenfalls in diesem Fall in keine Richtung.“

Andere waren dagegen weniger vorsichtig. Auch der KURIER sollte in einem kleinen Beitrag unter „Reaktionen“ vermelden:

„In der gesamten westlichen Welt wurde die US-Militäraktion positiv aufgenommen.“

Einige Namen der europäischen Anhänger von der Aufhebung jeglicher Rechtsnorm, von Krieg und Terror, wurden gleich mitgeliefert: Merkel, Hollande, NATO-Stoltenberg und EU-Tusk.

 

Samstag
02
Dezember 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 19.

 

Die US-Aggression gegen den Staat Syrien in Form eines nächtlichen Raketenüberfalls auf eine Luftwaffenbasis in der Nacht auf den 7. April 2017 hatte eine westliche Medienmeute in Euphorie versetzt. Völkerrechtsbruch, Kriegsakt, hinterhältiger Mord, Eskalation schien das, was förmlich in den Schreibstuben herbeigesehnt worden war, denn das Verbrechen wurde nicht verurteilt.

Anders HINTRGRUND, eines der wenigen echten und unabhängigen Nachrichten-Magazine, welches spottete, dass US-Präsident Trump nun vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag landen würde, würde es sich bei ihm um einen Schwarzafrikaner handeln.

https://www.hintergrund.de/politik/welt/nur-100-tage-im-amt-und-schon-ein-fall-fuer-den-haag-waere-er-afrikaner/

 

Doch war das Gegenteil der Fall. Trump, der ansonsten von den Massenmedien der Neocons hart bekämpft wurde, bekam einmal von ihnen ein positives Feedback. Hatte er doch die seit Jahren von diesen Massenmedien gewünschte Eskalation endlich angeordnet.

 

US-Marschflugkörper

Start eines Marschflugkörpers von einer US-Fregatte. Screenshot/YouTube. 

 

 

„Vergeltungsschlag: USA greifen syrische Luftwaffenbasis an“, hieß es im KURIER, online erschienen am 7. April 2017.

Vergeltung!

Vergeltung oder Rache ist allerdings nicht das, was innerhalb einer neuzeitlichen Rechtsordnung zu finden ist. Außerdem „Vergeltung“ für was? Waren die USA angegriffen oder in anderer Weise von Syrien geschädigt worden? Nein!

Der KURIER hinterfragte nicht, sondern setzte diese Begrifflichkeit für eine primitive, verbrecherische Handlung, um dieser einen martialischen, durchsetzungsfähigen Anstrich zu geben. Das änderte freilich nichts daran, dass jene, die angeblich „Vergeltung“ übten, nichts zu vergelten hatten, sondern vorgaben, für andere zu vergelten. Das war eine Ignoranz jeglicher Rechtsordnung gegenüber, das war Faust“recht“, Mord und Totschlag, was von den Aggressoren groteskerweise natürlich keiner anderen Partei zugebilligt wurde. Das Monopol des Mordens sollte beim übermächtigen Mörder bleiben, wobei Gegenwehr und Widerstand durchaus erwünscht sein konnte, um weitere „Vergeltung“ zu verkaufen.

Der KURIER belastete sich nicht mit derartigen Dingen und zitierte den US-Präsidenten Trump, welchen den Kriegsakt mit einer Unterstellung begründete, und einen Vertreter der Kriegspartei Türkei, der gleichfalls alles der syrischen Regierung unterstellte. Es wurde auch der US-Außenminister mit der reichlich schwachsinnigen Meinung zitiert, dass Russland bei der Aufsicht der Vernichtungsaktion von syrischen C-Waffen versagt hätte, was gleichfalls eine Unterstellung beinhaltete und nebenbei unterschlug, dass vor allem westliche Staaten daran beteiligt gewesen waren. Abgerundet wurde dies durch eine Vermutung der US-Geheimdienste.

Den Äußerungen der Aggressoren, die zwangsläufig sein mussten, wurden immerhin die Stellungnahmen der syrischen und der syrischen Regierung gegenübergestellt, welche richtig auf den Bruch des Völkerrechts hinwiesen. Der Textbaustein, dass diese beiden Staaten in Syrien zueinander stehen, durfte aber auch hier nicht fehlen.

https://kurier.at/politik/ausland/usa-greifen-syrische-luftwaffenbasis-an/256.876.653

 

Bei diesem Artikel handelt es sich um die überarbeitete Vision, wobei die angeblich „verständnisvolle Reaktion“ des österreichischen Außenministers auf den US-Terrorangriff gestrichen wurde. Interessanterweise wurde auch die Passage, in welcher die als „Opposition“ verkaufte geheimdienstlich aufgestellte Marionetten-Organisation „Syrische Nationale Koalition“ (SNC) ihrer Freude über den Terrorangriff Ausdruck verliehen hatte. Dafür wurden seinerzeit einige aktualisierte Passagen eingebaut. Zum Beispiel folgende:

„Die NATO war über den US-amerikanischen Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt informiert. „Wir können bestätigen, dass der Generalsekretär im Vorfeld vom Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten informiert wurde“, teilte eine Bündnissprecherin am Freitag mit.“

Unter Freunden informiert man sich natürlich. Von einer Kritik aus dem Militärbündnis NATO ist nichts bekannt. Der KURIER tat ebenfalls so, als wäre nichts von Belang geschehen. Aus einem neuen Verbrechen wurde eine „neue Entwicklung“ und die Frage nach einer Beschäftigung mit derselben.

Ob sich NATO-Gremien mit der neuen Entwicklung im Syrien-Konflikt beschäftigen werden, blieb zunächst unklar. Man werde sich später zu dieser Frage äußern, sagte die Sprecherin.“

Eile war demnach nicht geboten gewesen, man wurde schließlich in der NATO-Spitze informiert, und dort haben die US-Militärs das Kommando. Wie praktisch.

Nach ihrem ersten und später veränderten Artikel am 7. April 2017 hatte der KURIER am Vormittag online einen kleinen Artikel wegen einer aktuellen Meldung nachgeworfen.

https://kurier.at/politik/ausland/syrien-weiterer-angriff-auf-khan-sheikhoun/256.927.742

 

Allerdings war bereits die Überschrift falsch, denn es gab keinen Beweis, dass es zuvor zu einem Angriff in Khan Sheikhoun gekommen war. Der Luftangriff gegen Mittagszeit wurde später von syrischen und russischen Militärs bestätigt, fußte hier aber noch einzig auf eine Al-Kaida-Quelle („ein Augenzeuge“) in der Provinz Idlib sowie dem mit denen befreundeten Unternehmen SOHR.

Danach schien man sich in der KURIER-Redaktion gesammelt und auf das letzte Ereignis eingestellt zu haben. Das heißt, in dem am Nachmittag online gestellten Artikel wurde massive Kriegspropaganda betrieben.

„Ein Luftangriff und dann? Assad sitzt in Syrien fest im Sattel“, lautete die Überschrift. Keine Anzeichen, dass dem weitere Bombardements, Raketenangriffe oder sonstwas folgen sollten. Der KURIER schien enttäuscht, dass noch immer kein totaler Krieg ausgerufen worden war. Angeblich wegen „Assad“.

„Der US-Luftangriff gegen die syrischen Regierungskräfte ändert die Lage im Bürgerkrieg. Bashar al-Assad muss wieder mit einer scharfen Reaktion des Westens rechnen.“

Der KURIER zeigte sich nun ein wenig versöhnt, denn immerhin schien der Krieg in und gegen Syrien wenigstens eine Eskalationsstufe hinaufgeklettert zu sein. Das Verbrechen, ein anderes Land mit Raketen anzugreifen, zu töten und zu zerstören, wurde gleichzeitig als freudige „scharfe Reaktion“ heruntergespielt. Dennoch schwang auch Enttäuschendes mit:

„Doch sein Sturz bleibt unwahrscheinlich.“

Was können wir dem KURIER empfehlen, damit dieser Sturz der syrischen Regierung endlich gelingt und den Weg frei macht für die Neuordnung des Nahen Ostens? Eine US-Invasion? Krieg gegen Russland? Grössere Massen an Al-Kaida-Söldner anwerben?

https://www.globalresearch.ca/dem-projekt-eines-neuen-nahen-ostens-kreative-zerst-rung-als-revolution-re-kraft/23196

 

Die selbsternannte „Qualitätszeitung“, deren Herausgeber gerne um eine höhere Presseförderung aus dem Fond der Steuergelder sudert, benötigt sicherlich keine Zuwendung für Stimmungsmache wie folgende:

„Die Stimme des syrischen Generals dröhnt, als er im Staatsfernsehen die Erklärung der Armeeführung verliest. Den Rücken hält er aufrecht wie ein Brett, seine Arme stützt er fest auf das Rednerpult. Auch mit seiner Körperhaltung will der Mann in Uniform deutlich machen: Die Führung in Damaskus ist nach dem US-Angriff auf einen syrischen Militärflugplatz fest entschlossen, dem Gegner die Stirn zu bieten. „Diese Aggression bestätigt, dass die Amerikaner ihre falsche Strategie fortsetzen und die Bekämpfung des Terrorismus vonseiten der syrischen Armee untergraben“, donnert der General.“

 

Sprecher SSA

Wirkt tatsächlich etwas steif. Quelle: YouTube (Screenshot). 

 

Dröhnen. Aufrecht wie ein Brett. Donnern. Für den KURIER-Autor muss sich das gut angefühlt haben. Inhaltlich hatte der syrische Militär natürlich recht, aber dazu schien dem dümmlichen Lohnschreiber nichts eingefallen zu sein.

„Die fast 60 „Tomahawk“-Marschflugkörper, die die USA am frühen Freitagmorgen abschossen, haben die Lage im syrischen Bürgerkrieg mit einem Schlag geändert.“

Hierbei handelte es sich um Wunschdenken in der KURIER-Redaktion. Geändert hatte sich nichts bzw. etwas, was im April 2017 für die Propagandisten noch nicht greifbar gewesen war. Doch dazu später am Ende dieser Reihe.

„Seit Monaten gab vor allem Russland als wichtigster Unterstützer der Regierung von Präsident Bashar al-Assad den Ton in dem Konflikt an. Den USA – und Europa – blieb nur noch die Rolle als Zaungast, politisch und militärisch mit wenig Einfluss.“

Da war wieder der Textbaustein: Russland als Bündnispartner Syriens, und das verlogene Narritiv, dass die Westmächte angeblich nur „Zaungäste“ wären.

„Russland und Syriens Regierungskräfte, die auch vom schiitischen Iran massiv unterstützt werden, konnten nicht zuletzt deswegen frei schalten und walten, weil sie mit keinerlei militärischer Reaktion der USA rechnen mussten.“

Die Kriegspropaganda des KURIER konnte nicht dumm genug sein: syrische „Regierungskräfte“ im eigenen Land, und das auch noch mit „schalten und walten“. Ungeheuerlich! Und wo waren die ausländischen Spezialkräfte, Militärs und die Armeen von Al-Kaida geblieben, welche Syrien zu zerstören trachteten?

Die gab es für den KURIER gar nicht. Dort hatte man nur „Zivilisten“ entdeckt:

„Seit langem schon greift die syrische Luftwaffe Zivilisten mit international geächteten Fassbomben an. UN-Ermittler bestätigten, dass in Rebellengebieten gezielt Kliniken bombardiert wurden und die Regierung mehrfach Chlorgas einsetzte.“

Fassbomben waren seit Jahren ein Lieblingsthema von durch das US-Außenministerium finanzierte Organisationen. Angebliche Bombardierungen auf versteckte Al-Kaida-Kliniken und Chlorgas, deren Fabrik allerdings die Nusra-Front vor Jahren erobert hatte. Die Bemühungen des KURIER, medial den Krieg zu schüren, hatte aber nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt. Das wurde ganz offen gesagt:

„Doch der Westen beschränkte sich bisher auf scharfe Kritik.“

Das war natürlich falsch, denn westliche Staaten waren und sind aktiv am Krieg gegen Syrien beteiligt, nur nicht erfolgreich trotz großer Leichenberge und Trümmerwüsten vor Ort. Aber da war sie wieder, die Hoffnung nach einer enttäuschenden Feststellung:

„Seit dem Angriff am Freitagmorgen ist diese Vorhersehbarkeit der US-Reaktion nicht mehr gegeben, weder für Syriens autokratische Führung noch für Russland. Von jetzt an muss die Regierung in Damaskus mit Angriffen der Amerikaner rechnen, sollte sie nach US-Lesart weitere massive Verstöße begehen.“

Die Aussicht auf einen direkten Krieg mit Russland schien in der gemütlichen Redaktionsstube vernachlässigbar. In deren Propaganda-Welt schien nur noch ein weiterer Anlass zu fehlen, neue Al-Kaida-Materialien, um noch einmal zuschlagen zu können. Allerdings schien man dort zu dumm zu sein, um zu begreifen, dass der US-Raketenüberfall genau das Gegenteil bewirken sollte. Auch dazu später.

Der KURIER suhlte sich in seiner Illusion und freute sich, einen den widerlichsten US-Kriegstreiber zitieren zu dürfen:

„Die Botschaft laute, dass „die Vereinigten Staaten nicht weiter untätig zusehen werden, während Assad, mit tatkräftiger Unterstützung von Putins Russland, mit chemischen Waffen und Fassbomben unschuldige Syrer abschlachtet“, jubelt der US-Republikaner John McCain. Das allerdings setzt voraus, dass US-Präsident Donald Trump auch künftig Vergeltung anordnet, etwa wenn gezielt eine Klinik bombardiert wird.“

Das Lager um Trump stand allerdings in scharfer Gegnerschaft zu den Verbrechern der Kriegs- und Finanzlobby um McCain-Clinton-Bush und anderen. Dieser Machtkampf in den USA wurde in den Massenmedien außen vor gelassen, denn es würde zum Verständnis für innen- und außenpolitische Handlungsweisen der Akteure führen.

„So könnte sogar die Blockade der Genfer Friedensgespräche wieder gelöst werden, bei denen sich die Vertreter der syrischen Regierung bisher wenig geneigt zeigten, ernsthaft zu verhandeln.“

Auch das war eine fette Lüge. Die Genfer-Gespräche waren seitens der Aggressoren (USA, England, Frankreich, Deutschland, Israel, Golf-Staaten sowie die von ihnen unterstützten Al-Kaida-Formationen) immer mit für Syrien nicht annehmbaren Vorbedingungen gekoppelt worden. Dazu ereigneten sich in Syrien immer zu dieser Zeit publikumswirksame Massaker, welche der syrischen Regierung in die Schuhe geschoben wurden. Die Aggressoren hatten nie einen Willen für einen Frieden gezeigt, was auch die Friedensgespräche von Astana bewiesen haben – unter Ausschluss der obgenannten Aggressoren.Hier sei auf den ausgezeichneten Artikel von Peter Frey verwiesen:

https://peds-ansichten.de/2017/05/luegen-vom-auswaertigen-amt-martin-schaefer/

 

Die Idee, mit Terrorangriffen gegebenfalls einen Verhandlungsweg zu finden, hatte aber schon etwas für sich. Zumindest beim KURIER.

„Schließlich sitzt Assad aufgrund russischer und iranischer Unterstützung und seit wichtigen militärischen Erfolgen derzeit wieder fest im Sattel. Im besten Fall könnte der Militärschlag der Diplomatie den Weg öffnen.“

Wir können froh darüber sein, dass nicht die Al-Kaida-Söldner und deren ausländische Drahtzieher im syrischen Sattel sitzen. Dann schreckte der KURIER plötzlich bei dem Gedanken zurück, dass es zu einer direkten Eskalation mit Russland kommen könnte.

„Doch es zeichnen sich auch gegenteilige Szenarien ab, schließlich spielt Trump mit dem Feuer. Die Militärintervention verschärft die Konfrontation mit Russland, das in Syrien selbst Truppen im Einsatz hat. Hier kann eine Dynamik entstehen, die nicht mehr zu kontrollieren ist. Ein Zusammenstoß mit Moskaus Kräften eingeschlossen.“

Köstlich. Kriegspropaganda auf allen Ebenen, aber sollte es schief gehen, dann würde Trump schuld sein.

Der KURIER stellte noch diverse Überlegungen eines Szenarios an, ohne auch nur den Hauch einer kritischen Betrachtung zu erkennen geben, faselte etwas von angeblich „moderaten Kräften“, die niemand zeigen konnte, und dass nun „radikale Milizen“ das Kommando übernommen hätten. Der KURIER vermied es auch hier, Al-Kaida und Terroristen beim Namen zu nennen, mit denen man angeblich nichts zu tun haben will. Deswegen endete das Gedankenspiel mit folgendem Satz:

„Bliebe eine breite amerikanische Militärintervention am Boden wie 2003 im Irak.“

Genau, ein toller Angriffskrieg unter verlogenem Vorwand mit einer Million Toten am Ende und einer fetten Beute. War aber nur eine Überlegung, und überlegen kann man ja, wenn selbst für das reale Massenmorden die Täter bis zum heutigen Tage nicht vor Gericht gestellt worden sind. Doch so einfach ist es nicht mehr, weil unter anderem Russland dieses Morden zu verhindern versucht. Das weiß man auch beim KURIER:

„Doch die Folgen wären unkalkulierbar.“

Und so bleibt die Sorge:

„Sollten Trumps Drohungen und dem Luftangriff keine weiteren Schritte folgen, laufen die USA sogar Gefahr, wieder als machtlos entlarvt zu werden.“

Und dann schwante dem Autoren offenbar, dass die Geschichte anders verlaufen könnte:

„Russland dürfte sich nach dem Bombardement noch enger an Assad binden, will sich Moskau in dem Konflikt von Washington nicht düpieren lassen und seinen starken Einfluss bewahren. Am Ende könnte Assad sogar profitieren.“

https://kurier.at/politik/ausland/ein-luftangriff-und-dann-assad-sitzt-in-syrien-fest-im-sattel/256.964.872

 

Mittwoch
22
November 2017

JFK und die hiesigen „Qualitätsmedien“ – Teil 4.

 

Secret

 

Der zweite Artikel der PRESSE zum Thema Kennedy-Akten stammt von Thomas Selbert. „Kennedy-Mord: Neue Dokumente, aber kaum neue Antworten“ nahm hier etwas voreilig ein Ergebnis vorweg, welches noch nicht vorlag.

„Bisher unter Verschluss gehaltene Akten zum Mord an John F. Kennedy bringen kaum neue Erkenntnisse.“

Was grundsätzlich nicht überraschen sollte, liegt es doch nahe, dass sich die interessanteren Akten, sofern noch nicht vernichtet, nach wie vor unter Verschluss befinden sollten. Daher stellte auch Selbert fest:

„Das Rätselraten geht indessen weiter.“

Das Erkennen von Rätseln kann als Fortschritt in einem PRESSE-Artikel gewertet werden. Manches schien demnach nicht so klar, wie bislang dargestellt. Leider bezogen sich diese Rätsel anscheinend nur auf Fragmente der wenigen „neuen“ Materialien, deren Relevanz außerhalb eines Kontextes unkenntlich bleiben mussten. Das Narrativ der Einzeltätertheorie wurde hierbei nicht angekratzt, was auch Selbert mit seine Benennung Oswalds als angeblichen Kennedy-Mörder klar stellte.

http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5310597/KennedyMord_Neue-Dokumente-aber-kaum-neue-Antworten

 

Rätsel werden natürlich für Selbert weiterhin Rätsel bleiben, wenn nicht einmal ein Versuch erfolgt, diese zu lösen bzw. aufzuklären. Zum Beispiel das Rätsel um das Loch in der Windschutzscheibe der Präsidenten-Limousine. Erwähnt wird dies unter anderem im folgenden „neuen“ Dokument (von einem recht zwielichten Potito), was zwar – isoliert vermerkt – nicht als Beweis taugt, doch weitere Nachforschung veranlassen sollte. (Was übrigens andere bereits getan haben).

https://www.archives.gov/files/research/jfk/releases/docid-32144493.pdf

 

Selbert zog es aber vor, weiterhin an der Oberfläche der Einzeltäter-Theorie zu schwimmen.

„Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Kennedys Tod am 22. November 1963 sorgt der Mord für neue Fragen und neue Verschwörungstheorien“, meinte Selbert weiter, ohne zu erklären, wo er „neue Verschwörungstheorien“ beobachtet haben will. Und warum.

Einem Gesetz aus dem Jahr 1992 folgend hat Präsident Donald Trump fast 3000 bisher geheimgehaltene Dokumente über den Kennedy-Mord auf der Internetseite des Nationalarchivs (www.archives.gov) veröffentlichen lassen.“

Der Punkt war allerdings, dass dieses Gesetz, welches die Veröffentlichung sämtlicher Materialien bestimmt hatte, nicht eingehalten worden war. Es wurde nur ein Bruchteil vor kurzem veröffentlicht, von denen wiederum die Masse bekannt gewesen und nur neu editiert worden war. Tatsächlich neu sollen nur 52 Dokumente gewesen sein.

https://whowhatwhy.org/2017/10/28/happened-thursday-jfk-records/

http://readersupportednews.org/opinion2/277-75/46528-focus-trump-promised-the-jfk-files-but-the-big-dogs-ate-his-homework

 

Diese 52 bislang unbekannten Datensätze sind hier zu finden:

https://www.maryferrell.org/php/showlist.php?docset=1966

 

Anschließend langweilte Selbert seine Leser mit unwichtigen Meinungen zweier der US-Regierung sehr nahe stehenden Zeitungen und dem angeblichen Tagesgespräch in den USA. Danach zitierte er den US-Präsidenten Trump und dem Gerede von „nationaler Sicherheit“. Und er war auch noch so nett, ein verständnisvolles Motiv für die weitere Zurückhaltung der Akten zu servieren.

„Die Dokumente sollen in den kommenden sechs Monaten neu überprüft werden. Bei den Bedenken geht es darum, dass die betroffenen Akten, von denen einige erst 20 Jahre alt sind, Rückschlüsse auf Geheimdienstmitarbeiter zulassen könnten.“

Als freundlicher Dienstleister der Einzeltäter-Theorie holte Selbert anschließend aus, um einen Autoren mit einer gegenteiligen Ansicht zu diffamieren:

„Verschwörungstheoretiker wie Robert Stone wittern jedoch ein neues Komplott.“

Robert Stone heißt in Wirklichkeit Roger Stone und wird in der „Washington Post“ als „Political Consultant“ bezeichnet. Ein Verschwörungsfreund plus ein Kumpel von Trump, welcher gleichfalls bei jeder Gelegenheit diffamiert wurde und wird, musste natürlich Argwohn erregen, auch wenn es mit dem Kennedy-Fall selbst absolut nichts zu tun hatte.

„Stone ist ein Freund von Trump und vertritt in einem Buch die These, Kennedy sei auf Geheiß seines Vizepräsidenten und Nachfolgers, Lyndon B. Johnson, ermordet worden.“

Richtig, Stone vertritt eine These, die er nicht beweisen kann, aber es war weitaus mehr als das tendenziöse Geschwafel von Selbert. Dieser hätte als „Korrespondent“ vielleicht noch etwas hinzufügen können, zum Beispiel auf ein von Roger Stone behandeltes Indiz, auf welchem unter anderem seine These beruhte. Hierbei ging es um einen Fingerabdruck, welcher 1963 auf einem Karton Schulbuchlager im Bereich des „Snipers Nest“ festgestellt, aber damals nicht zugeordnet werden konnte.

Dies gelang erst 1998 durch den Fingerabdruck-Spezialisten Nathan Darby. Die Person, die den Print hinterlassen hatte, wurde als Malcom Wallace identifiziert, einen verurteilten Mörder mit einem Umfeld aus politischen Strukturen (u. a. in Richtung des Kennedy nachfolgenden Präsidenten und Kriegstreibers Johnson) und dem FBI. Wallace kam Dank mächtiger Strippenzieher im Hintergrund für seinen Mord aus dem Jahre 1951 nie ins Gefängnis.

https://en.wikipedia.org/wiki/Malcolm_Wallace

 

Finger of Wallace

 

 

Wir wollen uns hier nicht näher auf dieses eine Indiz eingehen. Es sind online zahlreiche Materialien und auch Diskurse nur zu diesem einen Aspekt verfügbar, einschließlich der Möglichkeiten, dass dieses Indiz ebenfalls nur gepflanzt worden sein könnte. Wir stellen nur fest, dass Selbert seine PRESSE-Leser mit dererlei Informationen offensichtlich nicht weiter hatte belasten wollen. Fragen, die er nicht stellte, konnten anhand seiner Texte auch nicht von anderen gestellt werden. Da bleibt wie gewohnt nur die Informationsbeschaffung außerhalb der PRESSE.

„Laut der regierungsamtlichen Version der Ereignisse war Oswald, ein 24-jähriger ehemaliger Scharfschütze der Marineinfanterie, ein Einzeltäter ohne Organisation im Rücken. Oswald selbst bestritt in ersten Verhören eine Verwicklung in den Mord, konnte aber weiter nichts zur Aufklärung beitragen, weil er zwei Tage nach dem Mord an Kennedy von dem Nachtklubbesitzer Jack Ruby erschossen wurde.“

Oswald hatte sich nachweislich in einem Spinnennetz aus Militär, CIA und FBI befunden, aber wie Selbert richtig feststellte, handelte es sich bei der gegenteiligen Behauptung um eine „regierungsamtliche Version“. Die Ermordung des vermeintlichen Einzeltäters Oswald durch Jack Ruby trotz Polizeischutz scheint doch eher einer Zwangsläufigkeit geschuldet zu sein.

„In etlichen Theorien taucht auch Ruby als Teilnehmer eines Komplotts auf.“

Wie nahe liegend. Doch mit irgendwelchen unangenehmen Einzelheiten hielt sich Selbert nicht weiter auf. Er versuchte das Thema mit einer Aufzählung gröbster Komplott-Versionen zuzumüllen, um schließlich den Punkt anzubringen, um den sich auch die mediale Konkurrez befleißigt hatte:

„Die Frage nach einer Verwicklung der Sowjets dürfte nun zu den Aspekten gehören, die neu aufs Tapet kommen.“

Möglicherweise sind diese sogar für die US-amerikanischen Vertuschungen und Manipulationen einschließlich der Propaganda im Kennedy-Fall verantwortlich. Nicht auszudenken, wenn CIA, FBI, US-Regierung und deren Massenmedien seit 1963 von Sowjets und Russen infiltriert sind und diese zur Tarnung gegen die Russen arbeiten. Wer weiß, inwieweit diese Lohnschreiber mit ihrer eigenen Propaganda infiltriert worden sind.

 

Samstag
04
November 2017

JFK und die hiesigen „Qualitätsmedien“ – Teil 3.

 

Lee Harvey Oswald

 

Auch das österreichische Medium PRESSE zeigte in ihrem Beitrag zum Thema, „Trump lässt Kennedy-Geheimakten – nur teilweise – veröffentlichen“, dass ein ausgeprägtes Faible für die Begriffe „Verschwörungstheorie“ und „Verschwörungstheoretiker“ bestand. Bereits die Unterzeile kündigte diese Thematik an, die der PRESSE wichtiger schien als der Rest:

„Es ist Stoff für neue Verschwörungstheorien: Der US-Präsident beugt sich in letzter Minute Warnungen der Geheimdienste, die Akten um die Ermordung John F. Kennedys nicht vollständig zu veröffentlichen.“

http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5310014/Trump-laesst-KennedyGeheimakten-nur-teilweise-veroeffentlichen

 

Natürlich hätte auch die PRESSE-Redaktion, die ja gerne etwas mit Journalismus zu tun haben möchte, nach den möglichen Hintergründen einer weiteren Sperrung der Akten wenigstens fragen können. Nur einmal fragen. Bitte!

„Die Papiere rund um das Attentat auf Kennedy, um das sich bis heute Verschwörungstheorien ranken, enthalten unter anderem teils jahrzehntealte handschriftliche Aufzeichnungen über die Ermordung des charismatischen Präsidenten, der am 22. November 1963 in Dallas bei einer Fahrt im offenen Wagen von Schüssen tödlich getroffen wurde.“

Nein, es wurde in der warmen PRESSE-Stube nicht gefragt. Da wurde nur auf „Verschwörungstheorien“ hingewiesen, die wie bei Ränkespiele angeblich „ranken“ würden, wobei es sich natürlich um die „Verschwörungstheorien“ anderer handeln würden und nicht um jene der PRESSE. Warum diese anderen Theorien bzw. Überlegungen überhaupt existierten, wurde nicht genannt.

Nach der nicht relevanten Information bezüglich dem damaligen berüchtigten FBI-Chef Hoover und einer Morddrohung gegenüber Oswald, sah sich auch die PRESSE genötigt, abseits des eigenen Gedankengutes und einer Recherche den Grund für die von ihr vertretene Einzeltäter-Theorie zu erwähnen.

„Eine offizielle Untersuchung war nach Kennedys Tod zu dem Ergebnis gekommen, dass er von dem Einzeltäter Oswald erschossen wurde, der wiederum zwei Tage später von dem Nachtklub-Besitzer Jack Ruby getötet wurde.“

Eine offizielle Untersuchung soll es gewesen sein. Die PRESSE bezog sich wie ihre Komplizen von der Konkurrenz natürlich auf die Warren-Kommission. Das „Offizielle“ sollte hier eine Seriösität vorgaukeln, die es nie gegeben hatte. Die PRESSE selbst war ebenfalls unseriös genug, um nachfolgende Untersuchungen (Staatsanwalt Garrison 1967 war die erste derer gewesen) mit gegenteiligen Befunden zu unterschlagen. Offiziell waren diese übrigens ebenfalls gewesen.

Die PRESSE legte anschließend freundlicherweise ein Selbstzeugnis ab, in welchem sie sich als CIA-Postille deklarierte, welche nach wie vor dem CIA-Memo „Conspiraty Theory“ Folge leistete.

„Die Version wurde vor allen von Verschwörungstheoretikern immer wieder angezweifelt.“

Zu recht wird diese Version der CIA-FBI-PRESSE-Geschichte nach wie vor angezweifelt. Und sie wird auch weiterhin angezweifelt werden, bis die Manipulationen beendet werden und das Gegenteil bewiesen worden ist. Nur nicht bei dem Fachpersonal der PRESSE, die zwar ihre Theorie nicht beweisen kann, ihr höriges Glaubensbekenntnis aber über den selbständigen Verstand anderer zu stellen versucht. So werden die Ungläubigen und Zweifler mit dem mittlerweile reichlich dümmlichen „Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt. Denn nur die würden zweifeln. Bei dem Rest könnte es sich demnach um Idioten handeln, was nicht als unbedingt falsch erscheinen mag. Dies wurde aber nicht so genannt, denn schließlich möchte die PRESSE weiterhin ihr CIA-Abo kostenpflichtig unters Volk bringen.

Die PRESSE wäre nicht die gewohnte PRESSE, um irgendwie die „Sowjets“ noch einzubauen und diese Ex-Russen wenigstens als „Verschwörungstheoretiker“ hinzustellen“.

„So wie viele Amerikaner waren allerdings auch die Sowjets von einer Verschwörung überzeugt, zeigt eine Notiz Hoovers, die die Reaktion der UdSSR auf das Attentat Kennedys beschreibt: Die Ermordung sei ein Plan antikommunistischer Kräfte gewesen, um die Verhandlungen der USA mit der UdSSR zu stoppen und einen Krieg zu starten.“

Als Quelle wurde der damalige FBI-Chef Hoover genannt, ein egozentrischer, erpresserischer, rassistischer Kommunismus- und Kennedy-Hasser und somit in etwa ähnlich glaubwürdig wie die PRESSE.

Das Blatt hatte zu dem Fall nichts beizutragen und wollte es auch nicht. Da musste ein Griff in die ausgewählte „Experten“-Kiste herhalten, um das Vakuum zu befüllen.

„Diejenigen, die von den Dokumenten „eine Auflösung des Falls, auf die sich jeder einigen kann“ erhofften, würden enttäuscht werden, sagte der Buchautor Gerald Posner der Nachrichtenagentur AFP.“

Hier die Auflösung eines hochkomplexen Falles zu erhoffen, hat eher etwas mit einer sagenhaften Naivität zu tun. Posner redet gerne, das muss nicht von Belang sein, doch gab er hier wahrscheinlich ungewollt seine Gedankenwelt preis. Außerhalb von seiner selbst geht es nämlich nicht um eine bestimmte Masse, auf welche man sich einigen könnte. Anderen Menschen geht es um Aufklärung, um nichts weiter, und auch nicht um eine Vorhersage über Inhalte, die Posner noch nicht einmal gelesen haben kann.

Doch handelt es sich um Gerald Posner als Autor um einen Anhänger der Einzeltäter-Theorie, was ihn für die PRESSE zum „Experten“ qualifiziert hatte, dem vorsichtshalber auch kein zweiter beigestellt worden war. Dass der Mann mit einem Expertentum nichts zu tun hat, bewies er dankenswerterweise auch mit einem Fehltritt in die Psychologie:

„“Niemand lässt von seinem Glauben an eine Verschwörung ab, weil die veröffentlichten Akten sie nicht beweisen“, sagte er.“

Für die PRESSE ist nichts schwachsinnig genug, um ihrem Manipulationsauftrag gegenüber dem debilen Teil ihrer Leserschaft auch nur irgendwie nachzukommen.

 

Mittwoch
01
November 2017

JFK und die hiesigen „Qualitätsmedien“ – Teil 2.

 

Der österreichische STANDARD hatte am 27. Oktober 2017 einen Artikel online abgesetzt, welcher – von der Überschrift und dem ersten Absatz abgesehen – dem ersten Artikel des KURIERS wortwörtlich gleicht. Quelle war in beiden Fällen die Nachrichtenagentur APA.

http://derstandard.at/2000066741233/Trump-laesst-Kennedy-Geheimakten-nur-teilweise-veroeffentlichen

 

Für den zweiten STANDARD-Artikel zeigte sich Frank Herrmann aus Washington verantwortlich, welcher mit dem sog. Zapruder-Film einleitete. Dieses mittlerweile sehr bekante Zeitdokument zeigt die Ermordung des damaligen US-Präsidenten Kennedy.

„Was Abraham Zapruder am 22. November 1963 in Dallas filmte, ist so oft unter allen nur möglichen Blickwinkeln betrachtet worden, dass es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen gäbe. Der Besitzer eines Kleiderladens stand auf einem grasbewachsenen Hügel am Rande der Dealey Plaza, eines kleinen Parks im Zentrum der Stadt. Mit seiner Kamera wollte er dokumentieren, wie John F. Kennedy in einer offenen, blank polierten Staatslimousine durch ein Spalier jubelnder Passanten fuhr. Daraus wurde ein Dokument für die Geschichtsbücher. Auf Zapruders Film ist zu sehen, wie Kennedy von Kugeln getroffen wird, abgefeuert von Lee Harvey Oswald, der sich im sechsten Stock des Schulbuchlagers von Dallas verschanzt hatte.“

https://derstandard.at/2000066797726/Akten-zum-Kennedy-Mord-Es-bleiben-viele-Fragezeichen

 

Diese Aussage ist insofern problematisch, weil eben nicht zu sehen ist, wer die Schüsse auf Kennedy abgegeben hatte. Herrmann verknüpfte hier das Bildmaterial mit der propagierten Einzeltäter-These.

 

 

Mittlerweile ist diese ursprünglich 8mm-Filmsequenz digital aufbereitet und in ihren Einzelheiten weitaus deutlicher erkennbar. Dazu gehört auch die Beobachtung bzw. die Wahrnehmung, dass der tödliche Kopfschuss auf Kennedy anscheinend von vorne abgegeben worden war, relativ horizontal und entgegengesetzt dem 6. Stock des Schulbuchlagers. Dieser Eindruck verstärkte sich bei Aussagen wie jener des Motorradpolizisten Bobby Hargis, welcher seitlich hinter der Präsidenten-Limousine gefahren war: „… I was splattered with blood and brain…“

http://www.aarclibrary.org/publib/jfk/wc/wcvols/wh6/pdf/WH6_Hargis.pdf

 

JFK-Schulhaus 2

Screenshot: Blick aus dem besagten Depot für Schulbücher. 

 

Ob diese Wahrnehmungen tatsächlich der Realität entsprechen, soll hier dahin gestellt bleiben. Bobby Hargis fand jedenfalls keinen Eingang in den Warren-Report. Es gab eine Reihe von Untersuchungen und Tests bezüglich Schussrichtungen, Aufprallwinkel, Bewegung der getroffenen Masse bis hin zu Schießübungen mit dem billigen Mannlicher-Carcano-Gewehr, die mehrere auch konträre Möglichkeiten wahrscheinlich machen sollten.

Frank Herrmann berief sich wie (fast) alle anderen Redakteure aus europäischen Medienhäusern auf das Ergebnis der Warren-Kommission, ohne auf deren CIA-Regie unter dem Kennedy-Gegner Allen Dulles, ohne auf die zahlreichen „Fehler“ und Unterschlagungen sowie auf den von vorneherein gewünschten Endbefund mit einem Wort hinzuweisen. Herrmann erzählte die Warren-Geschichte nach, stellte Oswald als vermeintlichen Täter in den Mittelpunkt, um dann auf den Zapruder-Film zurückzukommen.

„Nur hatten Augenzeugen damals den Eindruck, als sei zumindest die letzte, die tödliche Kugel nicht von hinten gekommen, sondern schräg von vorn – also von einem zweiten Schützen.“

Von Augenzeugen kann allerdings keine Rede sein, da der tödliche Schuss in den Kopf nie synchron mit einer Geschoss-Richtung beobachtet worden war. Diese Wahrnehmung entstand erst im Nachhinein, allerdings nicht bei irgendwelchen Leuten vor Bildschirmen, sondern bereits am 22. November 1963 bei dem medizinischen Personal der ersten Autopsie in Dallas, sprich: bei Spezialisten.

Das allein macht deutlich, dass Herrmann dummes Zeug redete. Statt konkret zu werden, unterschlug er sämtliche gegensätzliche Aspekte zu seiner dargebotenen Einzeltäter-Theorie und führte lieber die Meinung eines Autoren an, um angeblich nicht vorhandene Akzeptanzen in den Raum zu stellen. Er lenkte ab.

„Es liegt nicht zuletzt an diesen Schilderungen, dass die Verschwörungstheorien bis heute blühen. Zumal es, so sagt es der Kennedy-Biograf Robert Dallek, schwer zu akzeptieren ist, dass ein so unbedeutender Mensch einen derart mächtigen Mann töten konnte, ohne Komplizen zu haben – Komplizen beim Militär, bei der CIA, der Mafia.“

Persönlich mag Frank Herrmann an seinem Thema nicht interessiert zu sein. Er muß es auch nicht, er schreibt ja nur – für jene, die ihn dafür bezahlen.

„Handelte Oswald wirklich allein?“ fragte Herrmann in die Runde der STANDARD-Konsumenten. Das war nur Rhetorik, denn er selbst gab sich nicht die geringste Mühe, auch nur einen Aspekt unter die Lupe zu nehmen, um sich einer möglichen Antwort anzunähern.

So hätte er den damaligen Bürgermeister von Dallas, Earle Cabell, in den Diskurs einbringen können. Seit dem vergangenen Sommer ist nach Veröffentlichung einiger Akten bekannt, dass dieser Bürgermeister auf der Soldliste der CIA gestanden hatte und überhaupt stark (u. a. familiär) mit den geheimdienstlichen Strukturen verquickt gewesen war. Das wäre nicht weiter von Belang gewesen, doch war es Cabell gewesen, auf dessen Veranlassung die Route des Präsidenten-Konvois kurzfristig geändert wurde:  über die ungesicherte Dealey Plaza. 

Oswald hatte seine neue Arbeit im dort befindlichen Schulbuchlager am 15. Oktober 1963 begonnen, was keine Bedeutung gehabt hätte, wäre nicht knapp einen Monat später Kennedy genau in seine Richtung von Cabell geleitet worden. Da sollen spontane Menschen am Werken gewesen. Der eine mit der spontanen Idee, den US-Präsidenten aus dem Hinterhalt zu ermorden, und der andere, spontan den Präsidenten-Konvoi in den ungesicherten Bereich zum ersten Spontanen umzuleiten. Passt!

https://whowhatwhy.org/2017/08/02/dallas-mayor-jfk-assassination-cia-asset/

https://www.heise.de/tp/news/Erste-der-letzten-Kennedy-Akten-freigegeben-3792960.html

 

Für Herrmann war es aber wichtiger, Glauben und Zweifel von US-Amerikanern zu erwähnen.

„Laut einer Gallup-Umfrage haben 61 Prozent der Amerikaner ihre Zweifel – weshalb es umso dringlicher geboten schien, auch das Letzte unter dem Teppich hervorzukehren.“

Allerdings nicht mit Herrmann, bei dem alles schön unter dem Teppich zu bleiben hatte. So wiederholten er letztlich nur noch „Meldungen“, die von US-Nachrichtenagenturen in den Umlauf gebracht worden waren: Notizen, Meinungen, Protokollreste – alles ohne einen Beleg, doch immerhin mit ganz viel CIA und FBI drumherum. Und mittendrin, in dichtester Umgebung, ein kleiner einsamer Wolf mit dem Namen Lee Harvey Oswald.

 

Montag
30
Oktober 2017

JFK und die hiesigen „Qualitätsmedien“ – Teil 1.

 

Zapruder 161

Screenshot aus dem Zapruder-Film, 1963. 

 

Der Mord an dem damaligen US-Präsidenten J. F. Kennedy 1963 liegt zwar bereits 54 Jahre zurück, dennoch hatte auch die heimische Presselandschaft synchron in den vergangenen zehn Jahren nichts unversucht gelassen, um eine Einzeltäter-These als eine bewiesene Feststellung, als eine angebliche Wahrheit in den Köpfen ihrer Konsumenten zu deponieren. Jeder, der sich dieser Meinung – um mehr handelt es sich hierbei nicht – nicht anzuschließen vermochte und Fragen hinsichtlich der Widersprüche gestellt hatte, wurde dann gerne als „Verschwörungstheoretiker“ diskreditiert.

Der Fall selbst soll uns hier nicht weiter beschäftigen. Wer sich mit diesem eingehend beschäftigen möchte, kann mittlerweile auf umfangreiche Materialien zurückgreifen, die in ihrer Gesamtheit Ängste schüren und Brechreize auslösen könnten, wenn nicht sollten. Ein Fazit muss nach einem Studium grundsätzlich festgestellt werden: die Einzeltäter-These ist definitiv die unwahrscheinlichste von allen. Vor einem ordentlichen Gericht hätte Oswald nie wegen Mordes mangels Beweisen verurteilt werden können. Maximal könnte ihm eine Komplizenschaft nachgewiesen werden, doch wäre dann Oswalds Aussage vor einem Gericht von elementarer Bedeutung gewesen. Dies wurde damals kurz darauf verhindert.

Für uns ist hier interessant, wie sklavisch sich ganz offensichtlich auch die österreichischen Blätter noch im Jahre 2017 an das CIA-Memo aus dem Jahre 1467 orientieren, in welchem US-Medien bzw. deren Leitfiguren, aber auch ausländische Presse angewiesen wurden, mit der Einführung des Begriffes „Conspiraty Theory“ einschließlich eines Benutzungsleitfadens unangenehme Diskussionen und Fragen zu dem Attentat abzuwürgen.

http://assassinationofjfk.net/wp-content/uploads/2014/01/CIA-Memo-Warren-Commission.pdf

https://wikispooks.com/wiki/Document:Countering_Criticism_of_the_Warren_Report

http://22november1963.org.uk/cia-warren-report-critics

 

Markus Kompa hatte den Inhalt des CIA-Memos im vergangenen April in einem Artikel auf den Punkt gebracht.

https://www.heise.de/tp/news/50-Jahre-Verschwoerungstheoretiker-3674427.html

 

Ein Blick auf die hiesigen Printmedien und deren vor allem im außenpolitischen Sektor beobachteten „Leistungen“ liefert allerdings den Beweis, dass jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr flächendeckend eine synchrone wie verlogene Meinungsmache verbreitet wird, die nichts mit Information oder gar Journalismus zu tun hat, sondern im Sinne einer Interessensgruppe einen Nachrichtenfluss zu steuern und zu konstruieren versucht. Dies war in den letzten Jahren besonders deutlich geworden bei Themen wie Trump, Syrien, Terror, Ukraine etc., als die Propaganda einerseits immer dreister, dümmer und auch hilfloser geworden, andererseits ernsthaft am Meinungsmonopol der verkommenen Leitmedien gekratzt worden war.

Anlass für eine neue Welle der Meinungsbildung war die geplante Veröffentlichung der bislang gesperrten Untersuchungsakten zum Attentat, von denen nun doch nur ein Teil freigegeben wurde. Eine Tatsache, die nicht wirklich überrascht. Diese Veranlassung durch die CIA und das FBI konterkariert natürlich die Behauptung, dass es nichts zu verheimlichen – oder schnell noch zu schreddern – gebe. 

Das Boulevard-Blatt KURIER, welches seine Leser regelmäßig eine Qualität seines Produktes einzureden versucht, brachte in einem eher kleinen Artikel „Trump lässt nicht alle „JFK-Files“ veröffentlichen“ immer dreimal den Begriff „Verschwörungstheorie“ unter.

https://kurier.at/politik/ausland/jfk-files-trump-laesst-die-kennedy-geheimakten-nur-teilweise-veroeffentlichen/294.559.328

 

In dem am selben Tag folgenden KURIER-Artikel „FBI wurde vor Anschlag auf Kennedy-Mörder gewarnt“ gelang dies viermal, was die Wichtigkeit dieses CIA-Begriffes für den KURIER andeutet.

https://kurier.at/chronik/weltchronik/akten-ueber-ermordung-von-jfk-fbi-wurde-vor-anschlag-auf-kennedy-moerder-gewarnt/294.614.138

 

Die beiden obigen Artikel lassen keinen Zweifel daran, dass sie Anhänger der Einzeltäter-Theorie sind, da gegenteilige Ansichten als „Verschwörungstheorie“ verunglimpft werden. In beiden Artikeln berufen sich die Verfasser auf das Ergebnis „einer Untersuchungskommission“ bzw. einer „offiziellen Untersuchung“, wobei interessanterweise der Name dieser Kommission nicht genannt wurde: die Warren-Kommission. Deren Arbeit unter den Fittichen des ehemaligen CIA-Chefs Alan Dulles ist allerdings als Beleidigung an den Verstand zu werten. (Wer sich viel Zeit nimmt, kann es selbst überprüfen).

http://de.metapedia.org/wiki/Warren-Kommission

http://de.metapedia.org/wiki/Warren-Report

https://www.history-matters.com/archive/contents/wc/contents_wr.htm

 

Die vorsätzliche Manipulation wird hier aber erst deutlich mit der Kenntnis um spätere Untersuchungen, die zu anderen Ergebnissen kamen, obwohl diese auf vielfache Weise, einschließlich einem plötzlichen Massensterben von möglichen Zeugen nicht wenig beeinträchtigt wurde. Diese Ergebnisse, die unter anderem eine Verschwörung festgestellt haben, wurden vom KURIER – und natürlich fast allen weiteren westlichen Medienhäusern – komplett unterschlagen.

Diese Unterschlagung war freilich gekoppelt mit der Ignoranz und einer vorgetäuschten, geradezu lächerlichen Einfältigkeit, das weitere Möglichkeiten um das Attentat nie und nimmer in Frage kommen könnten. Trotz zahlloser Widersprüche, trotz tausender historischer Gegenbeispiele. Wenn man es nett meint, kann hier zusätzlich eine gewisse Voreingenommenheit festgestellt werden. Den Nachweis einer Recherche bleibt das Blatt wie gewohnt schuldig, und ja, warum auch.

Um die gesteuerte Einzeltäterthese aufrecht zu halten, wurde der Begriff „Verschwörungstheorie“ mit aus dem Kontext gerissenen Schlagwörtern versehen, um einem Inhalt auszuweichen. Kein einziges Mal wurde beispielsweise im hier vorliegenden KURIER berichtet, auf welcher Grundlage sich auch nur eine einzige der zur KURIER-Meinung konträren Ansicht bewegte. Das erspart die Fragen und lässt einen Diskurs von vorneherein nicht zu.

Der KURIER setzte am selben Tag noch einen dritten Artikel ab. Dieser stammte von Susanne Bobek und titelte mit „Veröffentlichte Akten: Kennedys Mörder und der KGB“.

https://kurier.at/chronik/weltchronik/veroeffentlichte-akten-kennedys-moerder-und-der-kgb/294.671.248

 

Dies zeigte bereits die Marschrichtung auf. Ein Text, der allein von Mutmaßungen und Gerede angefüllt war und nichts handfestes bot, sollte hier eine Spur zum KGB legen, also in Richtung der „Russen“, was innerhalb der westlichen Massenmedien den allgemeinen Trend entsprach und immer noch entspricht. USA gut, außer Trump, Russen böse, und dies als Resultat vollkommen unabhängiger Reche…ähh… sonstwas. Belustigend war es zweifellos, deutete Bobek für den KURIER eine eigene „Verschwörungstheorie“ an. Und dies gar unter Umgehung jeglicher Kenntnis. Boulevard!

 

 

Samstag
28
Oktober 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 18.

 

Ein weiterer Artikel in der PRESSE-Printausgabe vom 7. April 2017 wurde von dem in Washington wohnhaft stationierten Oliver Grimm verfasst – „Trumps Wankelmut in der Syrien-Frage“. Online war dieser Artikel bereits am 6. April erschienen.

Grimm begann nicht mit dem aktuellen Ereignis, sondern stellte gleich am Anfang ein anderes Ereignis vorweg:

„In den frühen Morgenstunden des 21. August 2013 schlug rund ein Dutzend mit dem tödlichen Nervengas Sarin versehene Geschosse in mehreren von Regimegegnern beherrschten Vororten von Syriens Hauptstadt, Damaskus, ein. Wie viele Kinder, Frauen und Männer damals getötet wurden, konnte aufgrund der andauernden Kampfhandlungen und der Unzugänglichkeit für die Vertreter freier Medien und Menschenrechtsgruppen nie abschließend erhoben werden. Jedenfalls waren es mehrere hundert; die amerikanische Regierung kam auf Basis ihrer Untersuchung auf mindestens 1429 Todesopfer.“

http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5197012/Trumps-Wankelmut-in-der-SyrienFrage

 

Kein Zweifel, Grimm wollte seine potentiellen Leser mit der Erwähnung des besagten Verbrechens aus dem Jahre 2013 einstimmen. Dazu gehörte auch die Nennung einer hohen Opferzahl, die von dem Kriegsteilnehmer USA kolportiert worden war. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatte die Zahl der Opfer mit 355 Personen beziffert, immer noch schrecklich genug, aber offenbar für den Autor nicht hoch genug. Worauf wollte Grimm nun einstimmen?

„Inspektoren der Vereinten Nationen fanden später Reste der Projektile, bei denen es sich um Artilleriemunition aus sowjetischer Fertigung handelt, wie sie die syrischen Regierungstruppen verwenden.“

Und da war sie auch schon: die Lüge. Die Inspektoren der UN hatten in der ihr zur Verfügung stehenden sehr kurzen Zeit tatsächlich an zwei Stellen Projektilreste gefunden, diese aber einerseits nur als „M-14-Artillerie-Granate“ ohne Herkunftsfestlegung (Typ M-14 wurde und wird international produziert), andererseits andere Reste mit „Kaliber 330 mm“ klassifiziert. Nicht die UN, sondern Grimm selbst war es, welcher daraus eine „sowjetische Fertigung“ konstruierte. Seine Intention war klar: der Versuch, den potentiellen PRESSE-Lesern eine Schuldzuweisung in Richtung syrische Regierung/syrisches Militär unterzuschieben.

Den Untersuchungsbericht der UN-Inspektoren vom 16. September 2013 gibt es auch in deutscher Sprache, so dass eine Überprüfung der von Grimm getätigten Behauptung einfach durchgeführt und widerlegt werden kann.

http://www.un.org/Depts/german/gv-sonst/a67-997-s13-553.pdf

 

Kriegstreiber und ihre Propagandisten bauen darauf, dass der gewöhnliche Medienkonsument dubiose Umstände schnell vergisst und gleichzeitig die aufgestellten Behauptungen nicht überprüft. Stattdessen soll wie auch in diesem Fall ein Leser mit den immer gleichen Lügen in einer geradezu ewigen Wiederholungsschleife förmlich erschlagen werden. Die Behauptungen sind häufig genug noch nicht einmal logisch und auch im Ansatz bereits schlichtweg falsch.

Die in Syrien agierenden Söldnerformationen und Al-Kaida-Truppen verwenden alle Waffen, die ihnen angeboten werden. Natürlich auch jene in Russland hergestellten Typen oder aus Kroatien, Bulgarien, Libyen etc. angelieferte baugleiche Muster. Die in Ost-Ghouta operierende und vor allem durch Saudi-Arabien unterhaltene Al-Kaida-Formation „Jaish al-Islam“ verwendet natürlich ebenfalls unter anderen russische oder in Lizenz hergestellte Waffen. Mit anderen Worten: „Projektilreste“ taugen nicht als Beweis. Zudem wiesen  die UN-Inspektoren in ihrem Bericht auf Beeinträchtigungen der angeblichen Tatorte hin.

 

Panzerkampfwagen aus russischer Fertigung in den Händen von Al-Kaida.

 

Handfeuerwaffen russischer Bauart in den Händen von Al-Kaida. 

 

Mörser und Raketenwerfer russischer Bauart auch in den Händen von Al-Kaida – einschließlich den Granaten und Raketen. 

 

Oliver Grimm weiter mit seinem Propaganda-Stück:

„Die Bilder getöteter Kinder gingen damals um die Welt, so, wie sie es nun tun, nachdem am Dienstag ein neuerlicher Giftgasangriff Dutzende Menschen in der Provinz Idlib umbrachte.

Eindeutig zog Grimm den Bogen vom Vorfall des Jahres 2013, bei welcher er eine Täterschaft der syrischen Regierung suggerieren versuchte, zu dem Ereignis in Khan Sheikhoun – dem „neuerlichen Giftgasangriff“. Genauer musste es Grimm gar nicht mehr ansprechen, stand doch hier eine Schuldzuweisung ebenfalls im Raum.

Doch während Donald Trump nun als Präsident davon spricht, dass dies eine „schreckliche, schreckliche Sache“ sei, die „mehrere meiner Linien überschritten“ habe, blieb der Privatier Donald Trump nach dem wesentlich größeren Giftgasangriff im Spätsommer 2013 ziemlich ungerührt.“

Es ging Grimm nicht um den Giftgasvorfall in Khan Sheikhoun, er benutzte dieses Ereignis nur, um den US-Präsidenten Trump in ein schlechtes Licht zu stellen. Bereits die Überschrift des Artikels hatte ja bereits einen „Wankelmut“ bei Trump zeichnen wollen.

„„Der einzige Grund, warum Präsident Obama Syrien angreifen will, ist, um sein Gesicht wegen seiner sehr dummen Stellungnahme über die rote Linie zu bewahren. Greifen Sie Syrien nicht an! Reparieren Sie die USA!“, tönte Trump am 5. September 2013 auf Twitter. Tags zuvor war Obama am Rande des G20-Treffens in Stockholm danach gefragt worden, wie er auf den syrischen Einsatz chemischer Waffen zu reagieren gedenke; ein Jahr vor diesem Angriff hatte er erklärt, diesfalls wäre eine rote Linie überschritten, die ihn zu einem Militärschlag verpflichten würde.“

Das waren keine Grimm’schen Märchen, das war die Linie der Neocons und notorischen Kriegshetzer, als deren Sprachrohr Grimm fungierte. Das Gerede von Trump ist kaum relevant, weil diese sich taktischem Geplänkel unterordnet (oder: unterordnen muss), seine persönliche Situation ist nicht mit jener von 2013 vergleichbar. Um logische Überlegungen ging es hier aber nicht, sondern nur um die reichlich primitive Zurschaustellung eines Mannes, der mal so und mal anders redete.

Der Umstand, dass ein Angriffskrieg das maximale Verbrechen darstellt und die Platzierung von Kriegsanlässen („rote Linie“) die Sache nicht besser machte, schien Grimm nicht weiter zu belasten. Er deponierte bei dieser Gelegenheit den weiteren Baustein einer Rechtfertigung (Obama wurde nach Reaktionen gefragt) welche wiederum auf einer unbewiesenen Behauptung und einhergehender Schuldzuweisung (syrischer Einsatz chemischer Waffen) fußte.

Die verbrecherische Dimension offenbarte sich auch bei dem von Grimm ungerührt vorgetragenen Satz nach der angeblichen „Verpflichtung“ eines „Militärschlages“ (in einem fremden Land, in welchem die Aggressoren ihre Interessen durchzusetzen gedachten). Was lag also näher, als dass genau diese Leute auch an einer Realisierung arbeiten würden? Was lag also näher, als diese „rote Linie“ überschreiten zu lassen?

Grimm war das Thema um Trump wichtig genug, um noch einen weiteren Tweed nachzuschieben.

Trump beließ es vor drei Jahren nicht bei diesem einen Tweet. „Noch einmal, an unseren sehr dummen Führer, greifen Sie Syrien nicht an! Wenn Sie es tun, werden viele schlimme Dinge passieren & aus diesem Kampf bekommen die USA nichts!“, twitterte er ebenfalls am 5. September unter dem ausschließlichen Einsatz von Großbuchstaben. „Präsident Obama, greifen Sie Syrien nicht an. Es gibt keinen Vorteil und enorme Nachteile. Sparen Sie sich Ihr ,Pulver‘ für einen anderen (und wichtigeren) Tag!“, schob er zwei Tage später nach.“

Trump hatte sich damals nach diesen Zitaten gegen eine Kriegseskalation ausgesprochen, doch war dies für Grimm kein Thema. Für ihn schien der US-Präsident vor allem eines zu sein: ein Wirrkopf, den es auch als solchen darzustellen galt.

„Nach dem neuen Angriff vom Dienstag versuchte Trump, die Verantwortung Obama in die Schuhe zu schieben. „Als er diese Linie nicht überschritt, nachdem er die Drohung gemacht hatte, das hat uns weit zurückgesetzt“, sagte Trump und widersprach damit seiner eigenen damaligen Haltung.“

Wir können getrost davon ausgehen, dass die dargebotene Kleingeistigkeit eines Grimm nur aufgesetzt war. Würde er ausschließlich das Geschwätz von aktuellen Staatenführern auf Widersprüchlichkeiten untersuchen, der Mann würde mit dieser belanglosen Tätigkeit nicht fertig werden. Aber darum ging es ja gar nicht, es ging nur um Trump.

„Trumps UNO-Botschafterin, Nikki Haley, erklärte am Dienstag im Weltsicherheitsrat, Amerika werde nötigenfalls auch ohne Abstimmung mit den anderen Mitgliedern des Rates gegen Assad vorgehen.“

Ja, das hatte die US-Botschafterin gesagt, sie hatte verklausiliert mit einer Eskalation gedroht. Aber zu Grimm seiner kaum verhehlten Empörung und seiner eigenen einsamen Verwirrung hatte auch Haley vorher etwas anderes gesagt, etwas, was eher in die gegensätzliche Richtung gedeutet hatte.

„Doch noch vor wenigen Tagen hatten Haley und Außenminister Rex Tillerson das syrische Regime ermutigt, indem sie erklärten, eine Beendigung des Syrien-Krieges müsse nicht mehr nötigenfalls die Absetzung Assads mit sich bringen. Das war eine klare Abkehr von der bisherigen Haltung Washingtons, derzufolge Assad jegliche Legitimität als Präsident seines Landes verloren habe.“

Köstlich. Für jeden potentiellen PRESSE-Leser war ersichtlich, dass Grimm nicht etwa eine vermeintliche, weil nicht vorhandene Legalität oder Legitimität der „Haltung Washingtons“ hinterfragte. Grimm agierte hier nicht nur als Sprachrohr einer Verbrecherbande, die außerhalb jeglicher Gesetzgebung operierte, nein, er behauptete auch noch, dass durch einen ersten Schritt der Deeskalation der US-Regierung, und das hatte die genannte „Abkehr“ beinhaltet, das „syrische Regime ermutigt“ worden wäre. Zu was?

Was Grimm hier betrieb, war ebenfalls nichts anderes als Hetze. In seinem Artikel wurde gegen die syrische Regierung wie auch gegen den nicht dem Lager der Neocons zugehörigen US-Präsidenten Trump agiert. Die Schnittmenge ist offensichtlich: einerseits das Bemühen um Eskalation („Regime“ = alternativloser Täter), andererseits eine Negativdarstellung eines ersten Deeskalationsschrittes (seitens der US-Regierung).

Die PRESSE hatte noch einen weiteren Artikel auf Lager gehabt, welcher allerdings nur online für registrierte Bezahlleser verfügbar war. Dieser stammt von Wieland Schneider, der sich in der Vergangenheit durch nichts von seinen Kollegen wie Gehlen oder Grimm unterschied. Wir waren nicht dazu bereit, dafür auch noch Geld auszugeben und das Pack damit zu unterstützen.

http://diepresse.com/home/dossier/5159112/Wer-in-Syrien-Krieg-fuehrt-und-warum

 

Montag
16
Oktober 2017

Direktoren-Inflation.

 

Die FRÒNTALE wird bald ihre 7. Auflage in Wr. Neustadt erleben. Die NÖN titelte:  „Frontale: Neustart zu siebtem Geburtstag“.

 

Frontale in der NÖN

Prominenz und Filmwelt endlich in Wr. Neustadt. Ausschnitt aus der NÖN, Screenshot.

 

Von einem Neustart kann freilich keine Rede sein, weil diese Film-Veranstaltung zuvor nicht aufgehört hatte zu existieren, ja, nicht einmal unterbrochen worden war. Es war allerdings zu Änderungen der Rahmenbedingungen gekommen, welche der Frontale sicherlich zum Vorteil gereichen werden. Dazu gehört der Umzug vom SUB in das schöne Stadttheater, wo die Stadtregierung kürzlich mit der Anschaffung eines doch kostspieligen digitalen Kinoprojektors investiert hatte. Auch in unseren Augen handelt es sich dabei um eine grundsätzlich Gewinn bringende und zukunftsorientierte Investition.

Die Zukunft der FRONTALE hatte nach der Etablierung der neuen Stadtregierung für einige Momente in den Sternen gestanden, nachdem von dieser leider das bemühte und erfolgreiche Jugendreferat mit Christoph Gausch und Stefan Kumnig aufgelöst worden war. Bei ihnen hatte es sich zusammen mit Reinhard Astleithner um die Initiatoren der FRONTALE gehandelt. Die 6. Veranstaltung hatte dennoch im SUB über die Bühne gehen können, zumal sich diese zum Zeitpunkt der Übernahme der Stadt durch die sog. „bunte“ Stadtregierung bereits in der Vorbereitung befunden hatte.

Die FRONTALE wird also – mit ausreichenden Mitteln versehen – fortbestehen, und das ist gut so, hebt sie sich neben dem DEKARDE-Kino von Wini Koppensteiner wohltuend von dem niedrigen Kultur-Niveau ab, welche die derzeitige städtische Kulturpolitik anzubieten vermeint.

Für Belustigung hatte hingegen die Meldung über die Ansammlung von „Direktoren“ gesorgt. Neben den „Direktoren-Posten“ Programm und künstlerische Leitung durch die Initiatoren, die viel Arbeit und Herzblut sowie eine beachtenswerte Professionalität in das Projekt gesteckt hatten, wurde plötzlich mit Herrn Dostal ein weiterer „Direktor“ aus der Kulisse präsentiert: der „Festival-Direktor“.

Was immer das auch sein soll, aber als Außenstehende haben wir den Eindruck, dass gewisse Eitelkeiten von Unterbeschäftigten befriedigt werden sollen. Da hat man auch Zeit für die Fotos.

http://www.noen.at/wr-neustadt/wiener-neustadt-filmfestival-frontale-neustart-zu-siebtem-geburtstag/62.596.980#

 

Die Sinnhaftigkeit einer neuen und „höheren“ Direktorenstelle scheint nicht nachvollziehbar, denn die FRONTALE ist und bleibt ein Projekt von Gausch, Astleithner und ihrem Team, von denen es auch umgesetzt wird. Wer Herrn Dostal zum „Festival-Direktor“ ernannt hat, wurde nicht genannt, weswegen spekuliert werden kann. Vielleicht war es Herr Dostal selbst gewesen, wobei dessen üppig bezahlte Leistung öffentlich nicht erkennbar ist. Zumindest uns nicht – als Teil dieser Öffentlichkeit.

Herr Dostal zeigt sich auch nicht informiert, denn er behauptet, dass das Stadttheater seit 1999 nicht mehr als Kino bespielt worden sei. Hier bedarf es einer kleinen Richtigstellung. Das Stadttheater war 2011, 2012 und 2013 Schauplatz der 2. – 4. BANALE, einer Kurzfilm-Veranstaltungsreihe des Kulturvereins BOLLWERK.

Die Umstände waren allerdings andere gewesen: kein Budget, ehrenamtliche Arbeit, Eigenproduktionen, keine Kommerzialität. Die Miete für das Stadttheater hatte damals 1.100 – 1.200,- Euro betragen (bei abgezogener Vereinsförderung), die vom Verein bezahlt worden war. Anschließend hatte die Stadt die Miete auf über 1.700,- drastisch erhöht (bei abgezogener Vereinsförderung) und somit die 5. BANALE verunmöglicht, so dass diese außerhalb der Stadt veranstaltet wurde. Dennoch hatte die BANALE (und anderes) zu einem Kulturpreis geführt. Dessen Jury hatte sich glücklicherweise nicht aus dem Kreis städtischer und selbstdarstellerischer Inkompetenz zusammengesetzt.

 

 

Samstag
07
Oktober 2017

NÖ-Landesausstellung 2017: Alles was Recht ist. Eine Betrachtung.

 

Die niederösterreichische Landesausstellung 2017 mit dem Titel „Alles was Recht ist“ in dem in vielerlei Hinsicht interessanten Schloss Pöggstall untergebracht und noch bis zum 12. November 2017 geöffnet. Wir begaben uns ins Waldviertel und besuchten die Ausstellung.

http://www.alleswasrechtist.at/de/ausstellung

http://www.noe-landesausstellung.at/de/alles-was-recht-ist

 

Alles was Recht ist - screenshot 2

Screenshot.

 

Die für die Ausstellung vorbereitete Pressemappe versprach Interessantes:

In der Ausstellung „Alles was Recht ist“ blicken wir in 5 Kapiteln auf die Entwicklung der Rechtsprechung im historischen Kontext bis zu aktuellen Fragestellungen: Wo wir uns gemeinsam hinbewegen – wie wir miteinander unsere Welt gestalten, im Kleinen wie im Großen. Wie Menschen früher miteinander umgingen – und wir jetzt und hier.“

http://www.noe-landesausstellung.at/de/pressemappe-noela17

 

Kapitel 1 soll die historische Entwicklung von „Rechtsordnung“ und gar „Justizeinrichtung“ beinhalten. Nun ja, unsere Aufmerksamkeit richtete sich schnell zu dem schönen gotischen Saal, da eine Entwicklung des „Rechts“ bereits in der ersten Räumlichkeit nicht zu beobachten war.

Es ist von einem Gewohnheitsrecht als eine Art Grundstein der Rechtsordnung die Rede, dann erfolgt schon ein Sprung zu gedruckten Werken, um schlussendlich eine neuzeitliche Gerichtskulisse zu präsentieren. Von einer Entwicklung keine Spur, keine römische Rechtsordnung und auch kein Rechtssystem germanischer Völker, keine Definition des Begriffes „Recht“, kein Kontext zu gesellschaftlichen Verhältnissen (weltlich und klerikal) und Rangordnungen (Stände), königliche und kaiserliche Rechte/Kammergerichte bis hin zu den letztlich erfolgreichen Bemühungen der Landesfürsten, Gewalt und später auch die Gerichtsbarkeit zu einem staatlichen Monopol zu formen.

Zweifellos gibt es zahlreiche Entwicklungsstränge und Facetten zum Thema Recht und Rechtsordnung, für deren Bearbeitung womöglich die gesamte Fläche des Schlosses nicht ausgereicht hätte. Was dem Publikum hier allerdings geboten wird, ist nicht einmal eine oberflächliche Darstellung von Grobem, es war ein Nichts.

Kapitel 2 widmet sich dem Thema Strafe, was uns ein wenig verfrüht erschien, waren wir als Besucher zuvor über die Gerichtsbarkeiten nicht informiert worden. Bei einer Strafe handelt es sich bereits um den Vollzug eines Urteils.

Ein gewisses Gewicht wird auf die Härte von Strafen gelegt, bis hin zur Todesstrafe. Es existiert auch eine Schautafel, in welchem jene Staaten angezeigt werden, die im Jahre 2015 soundsoviele Todesurteile verstreckt haben sollen. Unserer Ansicht nach kommen hier die USA mit 28 Hinrichtungen billig davon, weil sie nicht die Unzahl außergerichtlicher Hinrichtungen in Betracht zieht. Das wäre durchaus ein eigenes Kapitel wert gewesen.

Nach dem sehr unbefriedigenden und isoliert wirkenden 2. Kapitel hätte das 3. Kapitel nach dem erbärmlich schwachen Start wieder einiges gut machen können. Hier geht es um das „Unrecht im Nationalsozialismus“. Dieses Thema hätte großartig aufbereitet werden können, um aufzuzeigen, dass Recht nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben muss. Die Herausstellung einer Entwicklung zu einer ungerechten Rechtsordnung, einem legalisierten Unrecht, und einer aktuellen gefährlichen Entwicklung wird aber ebenso vermieden wie eine richtige Aufarbeitung ab Kriegsende 1945, als ehemalige Nazitäter von den westlichen Kriegsgewinnern in deren Strukturen (Politik, Justiz, Polizei und Geheimdienste) übernommen worden sind, um – ideologisch nicht weit entfernt – deren Interessen zu dienen.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Folter bzw. mit der historischen Entwicklung derselben. Hierbei handelt es sich streng genommen nur um eine „Untersuchung“, die zur „Wahrheitsfindung“ dienen sollte. Es wurde leider nicht erörtert, inwieweit dieses angebliche „Recht“ zur Folter tatsächlich bestand und wer diese in der Vergangenheit aus welchen Motiven angewendet hatte. Dies hätte darüber hinaus zu gewissen Aufschlüssen bei den Besuchern führen können. Zum Beispiel jene, dass Folter nicht zwingend etwas mit einer „Wahrheitsfindung“ zu tun haben muss.

In diesem Zusammenhang wird das von den USA betriebene Gefangenenlager Guantanamo (illegale Inhaftierung, Folter) genannt, gleichzeitig verschwiegen, dass die USA (und andere Staaten) zahlreiche Folterlager unterhalten haben oder diese nach wie vor unterhalten, und dass es sich bei Guantanamo nicht um einen Einzelfall handelt. Besonders peinlich weil falsch ist die Darstellung auf einer Textkarte, nach welcher die USA einem Krieg in Afghanistan „beigetreten“ wären – statt den Angriffskrieg als solchen zu benennen.

Zu Kapitel 5 meint der Pressetext:

„Abschnitt fünf rollt die Geschichte der Menschen- und Grundrechte auf, die mit der Entstehung der modernen Verfassungsstaaten im ausgehenden 18. Jahrhundert eng verbunden sind. In diesem Teil der Ausstellung werden die Gäste einerseits mit den Meilensteinen dieser Entwicklung konfrontiert, andererseits mit gegenwärtigen Verletzungen der Menschen- und Grundrechte.“

Leider ist bei der Ausstellung der Raum für ein Aufrollen gar nicht vorhanden, weswegen auch die „gegenwärtigen Verletzungen“ nicht weiter berührt werden. Stattdessen wird in diesem das Kapitel „Terrorismus“ kurz thematisiert (besser: platziert) und in diesem Kontext die Fragestellung zu den Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und einhergehenden Einschränkungen der Rechte für diese deponiert –  für die angebliche Sicherheit. Das war also genau das, was staatliche Strukturen, Politiker und die Massenmedien propagieren.

Es werden keine Hintergründe und Motive für Terrorismus erörtert (z. B. Kriege westlicher Staaten in verschiedenen Ländern, Seperatismusbestrebungen, Widerstand gegen Besatzungen, Ideen einer anderen Gesellschaftsordnung, Staatsterrorismus im Inneren etc.) und somit eine Problemstellung festgestellt, die auch einen angedachten Diskurs ermöglicht hätten.

Für die Verdummung der Besucher werden auf einer Tafel eine Reihe von Terroranschlägen aufgezählt, die allesamt auf einen islamistischen Hintergrund deuten sollen, also auf einen bestimmten Terror-Typus: 9/11, Madrid 2004, London 2005, Paris 2015, Brüssel 2016, Berlin 2016. Doch sind diese genannten Terroranschläge – wenn man es gut meint – mindestens als dubios zu erkennen. Die (tatsächliche) Urheberschaft wurde nie gerichtlich erwiesen, was die Aufzählung bereits als reine (Propaganda-) Behauptung dastehen lässt, und ja, die aufgezählten Anschläge deuten eher in die umgekehrte Richtung.

Es hätte ein interessantes Thema werden können: die an anderen Stellen („Gladio“) nachgewiesene Form von selbst inszenierten Terror durch staatliche Akteure, um bestimmten Interessengruppen bestimmte Vorwände zu schaffen. Dazu gehört definitiv auch die Aushöhlung bestehender Rechtssysteme.

Diese Themenstellung hätte aber sehr wahrscheinlich die Fördergelder für die Ausstellung versiegen lassen. Alles was Recht ist – nur das nicht.

Im letzten Raum hatten die Besucher die Möglichkeit, ihre Anliegen auf Plakaten zu äußern und vielleicht letztlich ihre Manipulationfähigkeit zu überprüfen. Nur die wenigsten machten davon Gebrauch.

Wir hinterlegten dagegen die Nachricht um das Bedürfnis eines weiteren, letzten Raumes, in welchem der Abgleich mit den Realitäten erfolgen würde, zu artikulieren. Damit die Besucher tatsächlich mit einer intellektuellen Inspiration und der Möglichkeit eines entwicklungsfähigen Diskurses nach Hause gehen können.

Fazit: eine durchwegs oberflächliche, schlecht aufbereitete, zuletzt auch verlogene und daher nicht empfehlenswerte „Ausstellung“ auf einem beängstigend niedrigen Niveau, die nicht einmal eine Freikarte wert gewesen wäre. Laut Veranstalter soll das Ziel angeblich eine „diskursive Vermittlung“ sein, also genau das, was unserer Meinung nach tunlichst verhindert wurde.

Die uns bei dem Rundgang umgebenen Besucher wirkten unserem Eindruck nach kaum inspiriert. Während unseres Aufenthaltes kaufte sich auch niemand ein Buch. Als wir eines kaufen wollten, war die Dame hinter dem Tresen überrascht und für eine Weile damit überfordert, den Verkauf eines Buches mit der Kasse zu koordinieren. Als es ihr gelang, bot sie uns den Ausstellungskatalog zu einem Vorzugspreis an, was wir dankend ablehnten.

Wir beließen es bei dem Buch „Schloss Pöggstall – Adelige Residenz zwischen Region und Kaiserhof“, erschienen beim Verlag „Bibliothek der Provinz“. Dieses Buch können wir empfehlen, es ist großartig für historisch Interessierte.

http://www.bibliothekderprovinz.at/buch/7228/

 

 

Montag
02
Oktober 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 17.

 

Und hier zum 7. April 2017 ein Artikel in der PRESSE, wo man offensichtlich bemüht war, die Verkommenheit seiner medialen Mitbewerber zu überbieten. Dafür wurde einmal mehr Martin Gehlen als „Mitarbeiter“ engagiert, für dessen verlogene Vehemenz ihm auch die Titelseite mit „Warum Trump die Kriegstrommel rührt“ gebührte.

„Der Horror in Syrien schockiert die Welt“, begann Gehlen seinen Artikel pathetisch, blieb aber anschließend glücklicherweise abermals den Nachweis seiner widerlichen Heuchelei und seiner Mittäterschaft an dem genannten Horror nicht schuldig.

http://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5196925/Warum-Trump-die-Kriegstrommel-ruehrt

https://www.pressreader.com/austria/die-presse/20170407/281479276268217

 

„Nach dem Giftgasangriff auf die Stadt Khan Sheikhoun in der Provinz Idlib bilden die westlichen Staaten eine neue Front gegen Syriens Machthaber, Bashar al-Assad. Die USA, Frankreich und Großbritannien fordern im UN-Sicherheitsrat, den Giftgasangriff zu verurteilen. Russland deckt hingegen nach wie vor das Regime in Damaskus.“

Gehlen hatte hiermit seine Verlogenheit und die Unterschlagung von Informationen fortgesetzt und gleichzeitig – wie gewohnt – die negativen Begrifflichkeiten alleine auf Syrien und Russland beschränkt. Zusätzlich hatte er noch eine Schuldzuweisung eingebaut, indem er behauptete, dass Moskau angeblich Damaskus „decken“ würde. Die Voraussetzung für diese Behauptung wiederum ist eine festgestellte Schuld.

Da die Urheberschaft allerdings nicht festgestellt worden war, weder auf der einen noch der anderen Seite mittels realer Beweise, hatte der in selbiger Unkenntnis befindliche Gehlen bereits seine erste herbei gelogene Stimmungsmache platziert.

„US-Präsident Donald Trump benennt ganz klar Assad als Verantwortlichen für den Einsatz chemischer Waffen, der Dutzende Menschen das Leben gekostet hat. Und er droht mit Konsequenzen.“

Einen Widersacher als Schuldigen zu „benennen“, taugte natürlich nichts, zumal auch ein Interesse an der Benennung bestand. Und weil hier nur benannt wurde, musste dies wenigstens „ganz klar“ erfolgen. Wie eine ganz klare Vermutung oder eine ebenso klare Spekulation durch eine Interessensgruppe.

„Ein US-Militärschlag gegen das syrische Regime scheint so nahe wie zuletzt im August 2013, als nach einem Giftgasangriff in einem Vorort von Damaskus Barack Obamas berühmte „rote Linie“ überschritten worden war.“

Für Gehlen war die Platzierung eines Kriegsanlasses, die „rote Linie“, berühmt statt berüchtigt. Er hielt sich allerdings auch nicht weiter damit auf, auf dieses Ereignis weiter einzugehen, weil es um anderes ging.

„Damals machte Obama in letzter Minute einen Rückzieher. Im Gegenzug wurde eine Abrüstung die (richtig: „der“, Anm.) syrischen C-Waffenbestände versprochen.“

Es war damals nicht zuletzt der russischen Diplomatie zu verdanken gewesen, dass es nicht zu einer maximalen Eskalation und einem noch größeren Massensterben gekommen war. Die Abgabe und Vernichtung der chemischen Waffen war der Preis für die syrische Regierung gewesen.

Gehlen verwendete auch hier das Mittel der Unterschlagung, um seine potentiellen Leser an der Nase herumzuführen. Er redete von einem „Versprechen“ und unterschlug, dass natürlich eine durch die OPCW organisierte und vollzogene Vernichtung – und keine „Abrüstung“ – erfolgt war. Gehlen hatte damit nichts anderes versucht, als Zweifel zu erzeugen, für die es keinerlei Grundlage gab. Der Leser sollte glauben, vielleicht auch fühlen, dass dieses Versprechen gar nicht eingelöst worden sein könnte.

Nach diesem Manipulationsversuch fragte Gehlen nach Motiven der USA, Russlands, der Europäer und Syriens, wobei nur letztere Partei mit „Bashar al-Assad“ personifiziert wurde. Dies wiederholte er im weiteren Text bei den Überzeilen, wo die Staaten mit USA, Russland und pauschal „Europäer“ betitelt wurden, Syrien dagegen nicht als Staat bzw. „Syrien“ oder „Syrische Arabische Republik“. Hier musste das „Assad-Regime“ herhalten, gleichsam personifiziert und böse.

Gehlen begann mit den USA und schrieb am Ende des ersten Absatzes:

„Sogar ein militärisches Vorgehen der USA gegen Assad steht plötzlich im Raum“.

Sogar! Für Gehlen schienen US-amerikanische Militäraktionen etwas besonderes darzustellen und nicht etwa als alltägliches Geschäft in zahlreichen Ländern. Das in den Raum gestellte Verbrechen wurde natürlich nicht thematisiert, was logisch war, handelte es sich bei Gehlen doch um einen der Zuarbeiter. Deswegen unterschlug er bei dieser Gelegenheit, dass die USA die ganze Zeit in Syrien militärisch aktiv waren und sind, nur eben wenig verdeckt über Proxy-Truppen.

Gehlen glaubte nun, seine potentiellen Leser drei Gründe für einen „Militärschlag“ nennen zu müssen, als würde es sich dabei um eine Rauferei auf dem Schulhof handeln – und nicht um Massenmord.

„Erstens könnte Trump den Giftgasangriff in Idlib gleichsam als einen persönlichen Affront auffassen, als eine bewusste Machtdemonstration Assads.“

Und da war er, der Schulhof, und auf diesem Trump als Schüler, der sich beleidigt fühlen könnte. Könnte! Und auffassen! Für Gehlen war nichts primitiv genug, um seine potentiellen Leser weiterhin zu beleidigen. Unwissenheit und Glauben wurden von ihm erbarmungslos mit der Unterstellung „Machtdemonstration“ verknüpft. Die Machtdemonstration eines hoffnungslos unterlegenden Idioten.

„Wenn der US-Präsident den ohnmächtigen Eindruck vermeiden will, dass Assad völlig freie Hand hat, dann ist er fast gezwungen, ein martialisches Zeichen zu setzen.“

Das ist der Satz, um den es ging, und es ist der Krieg. Gehlen legte dem US-Präsidenten eine natürlich „fast“ aufgezwungene Kriegsentscheidung als Vorlage vor die Füße. Als „Zeichen“. Wegen der angeblichen „Ohnmacht“, die nicht sein dürfte. Und wegen der Unverschämtheit, dass Assad für Gehlen in Syrien „freie Hand“ zu haben schien. Dass Assad allerdings der Präsident von Syrien war und nicht ein US-Präsident oder gar ein Gehlen, schien vollkommen irrelevant.

„Zweitens dürften die USA zum Schluss gekommen sein, im Gegensatz zu Russland über ein zu geringen militärischen Fußabdruck in Syrien zu verfügen, um die Zukunft des Landes entscheidend mitbestimmen zu können.“

Gehlen kreierte hier noch eine viel größere Dimension eines ohnehin gigantischen Verbrechens: das Befinden über einen zu kleinen Krieg in Syrien, weswegen ein größerer angedacht werden könnte, um dort die bestimmende Macht zu sein, um dort „Machthaber“ zu werden. Offensichtlich ein normaler Vorgang im Kopf eines Gehlen, der freilich nur spekulierte. Er formte diese Spekulation anschließend zu einer „Lesart“ um, deren Entwurf allerdings auf ihn selbst zurückzuführen war.

„Nach dieser Lesart brächten sich die Amerikaner mit begrenzten Raketenangriffen stärker zurück ins blutige syrische Endspiel“, phantasierte der inkompetente Schreibtischtäter-Stratege. „Denn danach könnte die amerikanische Verhandlungs- und Einschüchterungsposition gestärkt sein, auch um den Preis einer vorübergehenden Verschlechterung der Beziehungen zu Moskau.“

Glücklicherweise gehen nicht alle Träume in Erfüllung. Und hoffentlich nicht jene von Irren, die es auf einen Krieg mit Russland ankommen lassen wollen.

„Und drittens dürfte Trump angesichts des spektakulären Fehlstarts seiner Regierung auch innenpolitisch einen Militärschlag ganz gut gebrauchen können.“

Von einem „spektakulären Fehlschlag“ konnte allerdings keine Rede sein. Es war die Betrachtungsweise der Gegner von Trump, welche zufällig über die mediale Oberhoheit verfügen. Der innenpolitische Vorteil bei einer Militäraktion war allerdings nicht von der Hand zu weisen, denn das war ja das, was die Gegner von Trump, die Neocons, förmlich herbeisehnten.

Es folgte anschließend ein Propagandatext bezüglich der Regierung des Staates Syrien, von Gehlen als „Assad-Regime“ verunglimpft.

„Das Regime in Damaskus zeigt sich bisher trotz aller Drohungen wenig beeindruckt. Assad fühlt sich als Sieger, sein Machterhalt scheint nicht mehr in Gefahr.“

Gehlen versäumte es hier, die Urheber und die Gründe der Drohungen zu erwähnen wie auch die Fragestellung, warum und wie die syrische Regierung auf gegen sie gerichtete Drohungen reagieren sollte. Stattdessen richtete er sich mit einem sehr kindlichen Niveau an sicherlich eher beeinträchtigte Leser mit der platten Spekulation von Sieger-Gefühlen und einem Machterhalt. Das konnte wieder nur funktionieren, in dem er sich allein auf den syrischen Präsidenten bezog und die Regierung sowie die Masse der Bevölkerung und deren Meinung im Nirwana verschwinden ließ. Anschließend stellte er mit seiner verlogenen Rhetorik abermals eine Schuldzuweisung an Damaskus in den Raum, die durch die ständige Wiederholung natürlich nicht wahrer wurde.

„Warum aber könnte er dann einen solchen provokanten Giftgaseinsatz befohlen haben, den er offiziell bestreitet?“

Auch hier wurde die Verkommenheit eines Gehlen noch einmal sehr deutlich. Zuerst die rhetorische Frage, die aufgrund nicht vorhandener Beweise spekulativ ist – „könnte“, dann die Suggerierung, dass er „inoffiziell“ etwas anderes sagen könnte, was er aber „offiziell“ bestreiten würde. Gehlen hing sichtlich wie eine Ratte an dem Knochen, den er abzuarbeiten hatte. Wie Harrer vom STANDARD wurde eine gegensätzliche Spekulation, die erst einen Diskurs ermöglichen würde, weggelassen. Eine Täterschaft von Al-Kaida wurde nicht einmal ansatzweise angedacht. Der ganze Dreck zielte schließlich darauf ab, allein die syrische Regierung zu diskreditieren und Al-Kaida als vom „Westen“ und den Golfstaaten gestützte Proxy-Truppe außen vor zu lassen.

„Wie schon bei dem Sarin-Massaker 2013 in Ghouta geht es Damaskus vor allem um eines – zu demonstrieren, dass der Bruch humanitärer Tabus ohne Folgen bleibt und sich fundamentale internationale Normen heutzutage durchlöchern lassen.“

Und wieder log Gehlen seinen potentiellen Lesern ins Gesicht, weil er den Eindruck erweckte, dass die syrische Regierung für den Terror verantwortlich gewesen wäre. Aber auch dies wurde niemals bewiesen. Nicht nur das, eine Reihe von Indizien, welche stattdessen auf NATO-gestützte Al-Kaida-Banden deuteten, wurden unterdrückt. Gehlen senkte seine Lüge wieder auf Schulhof-Niveau, in dem er gleichzeitig die syrische Regierung als einen Haufen großmäuliger Männer hinstellte, die Massaker befehlen würden, um sprichwörtliche dicke Eier zu demonstrieren. Primitiver ging es kaum noch, was Gehlen zu verkaufen versuchte.

Sogar die Behauptung, dass es zu keinen Folgen gekommen wäre, war falsch. Denn unter dem Eindruck eines offenen Angriffskrieges durch die USA und unter Vermittlung Russlands war es zu der Vernichtung der syrischen C-Waffen gekommen. Diese war zuvor in erster Linie dazu angelegt worden, um gegenüber dem aggressiven Atomstaat Israel so etwas wie ein Mittel zur Verfügung zu haben.

„Die Vereinten Nationen haben durch den syrischen Bürgerkrieg mehr Schaden genommen als durch jeden anderen Konflikt zuvor. Und auch Trumps plötzliche Drohungen könnten letzten Endes genauso folgenlos bleiben wie die Rote-Linie-Rhetorik seines Vorgängers Obama.“

Was wollte Gehlen hier zum Ausdruck bringen? Dass er sich die „Folgen“ wünschte?

„Denn sollte die US-Armee etwa syrische Fliegerhorste bombardieren, wäre eine direkte Konfrontation mit Russland nicht mehr ausgeschlossen.“

Gehlens heiße Phantasien über eine weitere Kriegseskalation wurden hier von dem Irrtum begleitet, dass es zu einer Konfrontation mit Russland kommen könnte. Diese wäre allerdings mit einem offenen Angriffskrieg bereits eingetreten.

Nachdem der Kriegspropagandist hinsichtlich Syrien außer seiner Phantasie nichts zu bieten hatte, kam er nun zu Russland. Auch hier erfüllte er die Erwartungshaltung an seine Person. Der weitere Text beinhaltete ebenfalls nur eine Mischung aus Phantasie und Lüge.

„Nicht zuletzt wegen der Gefahr einer solchen Eskalation dürfte auch im Kreml der Zorn über Assad wachsen, den Moskau dieser Tage einmal mehr gegen die globale Empörung verteidigen muss.“

Dürfte. Wieder und immer wieder versuchte Gehlen mit dem Ausmalen eines Bildes, von dem er keinerlei Kenntnis besaß, den Vorfall in Khan Sheikhoun der syrischen Regierung anzulasten. Mit der Phantasie, dass Moskau zornig sein könnte. Das war primitivste Kriegspropaganda, die er zu verstärken suchte, indem er Moskau gegen eine „globale Empörung“ verteidigen ließ. Nur war diese Empörung nicht global bzw. auf eine Urheberschaft fixiert, denn diese wurde nur von den westlichen Medien und den Kriegstreibern behauptet – für ihre Welt und ihren Insassen.

„Abrücken von seinem skrupellosen Verbündeten kann Russland nicht, weil es in Syrien eine feste strategische Machtposition etablieren möchte.“

Auch mit diesem Satz wird eine Täterschaft in Damaskus suggeriert und gleichzeitig das Bündnis – Textbaustein – zwischen Syrien und Russland hervorgehoben. Welchen Interessen Russland nachgehen würde, von der Terrorismusbekämpfung abgesehen, weiß nur Moskau selbst. Vor allem unterschlug Gehlen die Tatsache, dass Russland sich erst ab Herbst 2015 in Syrien militärisch engagiert hatte, nachdem seit 2011 das Land von NATO-Staaten und den Golf-Diktaturen mit riesigen Söldner-Aufgeboten und Terroristen förmlich überschwemmt worden war.

„Doch die Zweifel wachsen, wie viel Einfluss der Kreml auf das syrische Regime wirklich hat.“

Leider verriet Gehlen nicht, bei wem die Zweifel wachsen würden und warum.

„Denn Assads Untat in Khan Sheikhoun zerstört die frischen Hoffnungen auf eine Entspannung mit den USA unter Donald Trump. Und sie bringt die mühsame Kooperation mit der Türkei bei den Waffenstillstandsgesprächen in Astana in Gefahr.“

Während Gehlen zuvor penetrant versucht hatte, auch ohne Beweise im Interesse der Kriegstreiber eine Urheberschaft der syrischen Regierung zu suggerieren und zu unterstellen, stellte er dies nun plötzlich als eine Tatsache dar.

Nach dieser Lüge kam er zum Schluß auf die „Europäer“.

„Europa will sich offenbar militärisch weitgehend heraushalten.“

Das ist ein interessanter Satz, der aber falsch ist. Von „Europa“ kann keine Rede sein, Gehlen meinte die „EU“, was nicht das gleiche ist. Die EU als Institution ist mit einem Wirtschaftskrieg gegen Syrien Kriegspartei. Zahlreiche EU-Staaten sind wiederum im transatlantischen Militärtbündnis NATO organisiert. Eine Reihe von NATO-Staaten führen Krieg, auch in Syrien. Was kann Gehlen mit „militärisch weitgehend heraushalten“ gemeint haben? Dass durch EU-Staaten nur ein wenig Krieg in Syrien geführt wurde? Mit ein wenig Aggression und wenig Massenmord?

„Stattdessen hat man sich in Brüssel darauf verlegt, die Kriegsgegner mit Milliarden für den Wiederaufbau zur Vernunft bringen zu wollen.“

Das klang richtig rührig: „zur Vernunft bringen“. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass Brüssel selbst Kriegspartei ist und weiters auch Kriegsparteien vor Ort vollumfänglich unterstützt. Ein Blick in die Vergangenheit und in andere Länder würde zudem einen Eindruck vermittelt, wie so etwas in der Regel funktionierte: zuerst alles zerstören, dann mit Steuergeldern die eigenen Konzerne bedienen. Und am Ende würde ein neues, hoch verschuldetes Land mit einer genehmen, aber abhängigen, erpressbaren Regierung stehen.

„Die Zahlungen sollen den Anreiz dafür schaffen, ernsthaft in Genf zu verhandeln und sich auf eine Post-Assad-Machtstruktur für die Nachkriegszeit zu einigen.“

Wir können davon ausgehen, dass diese Naivität nur aufgesetzt war. Zudem ging sie davon aus, nach Kolonialherren-Art die neue Staatsregierung zu bestimmen. Doch welche Überraschung:

„Doch Assad lehnt das Milliarden-Junktim der Europäer ab.“

Assad hatte bereits in mehreren Interviews keinen Zweifel daran gelassen, dass er von Staaten, welche gegen das vor 2011 kaum verschuldete Syrien Krieg führen, keine derartigen Vereinbarungen treffen würde. Weil dies doch recht nachvollziehbar war, musste Gehlen ihm noch eine böswillige Absicht unterstellen.

„Und er kalkuliert, dass diese am Ende auch ohne Bedingungen zahlen – um den Flüchtlingsdruck zu mindern.“

Diese Erfindung hat mit Realitäten nichts zu tun. Die einzigen, welche zukünftig als „Flüchtlinge“ Syrien in Richtung Europa verlassen würden, können getrost den „Rebellen“-Fraktionen nebst Angehörigen zugerechnet werden. Also auch jede Menge Al-Kaida-Personal.

 

„Der syrische Präsident Baschar al-Assad lehnt jede Zusammenarbeit mit dem Westen ab, solange dieser nicht seine „Verbindungen zum Terrorismus“ kappe…“ 

 

 

Gehlens Auftraggeber mögen mit dem Verlauf des Krieges nicht zufrieden sein, weil die Kriegsziele nicht erreicht wurden und ihren Proxy-Truppen eine totale Niederlage droht. Mit der Person Martin Gehlen können sie dagegen zufrieden sein, er hatte wirklich alles versucht.

 

Montag
25
September 2017

Die Schwedenbombe.

 

Auf einer Expedition im Waldviertel gab es in diversen Gasthäusern neben Mohntorte auch „Mohr im Hemd“, wie diverse Speisekarten informierten. Die von der Partei „Die Grünen“ verordnete vermeintliche politische Korrektheit schien in dieser Gegend keinen Fuß gefasst zu haben.

Wozu auch, möchte man meinen, wirkte diese Korrektheit doch ein wenig aufgesetzt, da die selbe Partei – wie ihre Schwesterpartei in Deutschland – sich außenpolitisch alles andere als korrekt platzierte. Auch in Ländern, wo die „Mohren“ leben.

Die Mohren in Hemden führten uns zu den Schwedenbomben. Die selbe Süßigkeit wurde in Deutschland lange Zeit als „Negerküsse“ bezeichnet, das war jedem Kind bekannt. Zumindest so lange, bis die vermeintliche politische Korrektheit dem einen Riegel vorgeschoben hatte, weil die Begrifflichkeit „Neger“ negativ kanonisiert und als abwertend bezeichnet wurde. Aus „Negerküsse“ wurden „Schokoküsse“.

 

IMG_9992

 

Der Ursprung des Begriffes „Neger“ erscheint allerdings harmlos, denn er stammt aus dem Lateinischen: „niger“, was nichts anderes bedeutet als „schwarz“. Ein „Neger“ ist folglich ein „Schwarzer“, wenn auch als eine unzulässige Pauschalisierung.

„Neger“ ist dagegen aufgrund früherem Sprachgebrauch mit dem Kolonialzeitalter verbunden, und mit ihm der „Weiße“, der als Rassist oder einfach nur als Ausbeuter seinen miesen Geschäften nachgegangen war. Verschwindet der vorzugsweise in Ketten arbeitende „Neger“, verschwindet auch sein weißer und politisch äußerst inkorrekter Besitzer. 

Konsequenterweise wurden die ersten „Schokoküsse“ im Kolonial-Staat Frankreich mit dem Namen „tete de négre“ hergestellt. In Deutschland wurde später das selbe Produkt unter den Namen „Mohrenkuss“ oder „Negerkuss“ produziert. Nun, auch Deutschland hatte in Afrika Kolonien und Bevölkerung besessen. 

In Österreich hatte sich für die hier besprochene Süßigkeit der Namen „Schwedenbombe“ durchgesetzt. Diese Bezeichnung wurde bislang nicht beanstandet, doch war diese politisch korrekt? Immerhin schien der Name eine Diskriminierung der Schweden nahe zu legen.

Und warum „Schweden“? Warum nicht Finnen, Norweger oder Dänen, um in Skandinavien zu verbleiben. Eine Dänenbombe hätte auch nicht viel schlechter geklungen.

Die Erklärung ist ganz einfach: die Dänen waren nie im Waldviertel, die „Schweden“ dagegen schon. Schweden hatte während des 30-jährigen Krieges der protestantischen Union angehört und war im Zuge dessen mit einer Armee unter dem Kommando des schwedischen Marschalls Lennart Torstenson im Jahre 1645 in das nördliche Niederösterreich eingefallen. Historisch betrachtet mussten im Habsburgerreich die Schweden in diesem Fall als negativ betrachtet werden.

Eine Süßigkeit mit dem Namen „Schwedenbombe“ mochte demnach auf einen Hintergrund deuten, welcher bei der Namensgebung durchaus eine Rolle gespielt haben könnte. Zumal der schwedische Marschall Torstenson ein ausgesprochener Artillerie-Experte gewesen war.

Wir besitzen ein Fundstück aus dieser Zeit, welches vor wenigen Jahren von einem Anwohner an der Stadtmauer von Eggenburg entdeckt worden war. Es handelt sich dabei um ein Geschoß aus einer schwedischen Kanone.

 

IMG_9993

 

Die Ähnlichkeit mit einer „Schwedenbombe“ kann nun nicht mehr überraschen.

 

IMG_0001

 

Es scheint, dass eine nahe liegende Namenskonstruktion wie „Schwedenkuss“ nicht in Erwägung gezogen worden war, obwohl der Krieg lange vorbei ist. War es eine Ironie der Namensgeber, eine zum Verzehr geeignete „Schwedenbombe“ zu produzieren?

Die Bombe ist übrigens weiblich. Doch führte die Diskussion, welche schließlich auf einem Balkon in Hamburg gipfelte, mit „SchwedenInnenbombenInnen“ definitiv zu weit. In einem gewöhnlichen Klatschbrötchen sind sie ohnehin alle gleich. Klatsch-Matsch.

 

 

Dienstag
19
September 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 16.

 

Der STANDARD brachte am 7. April 2017 auf der Titelseite eine Vorabinfo unter dem Titel „Trump erwägt Luftschläge“. Von dieser kriminellen Überlegung einmal abgesehen, wurde in einer Unterzeile der Konsument mit „Syrien: Giftgas Sarin bei Autopsien gefunden“ gefüttert. Der gegen den Staat Syrien gerichtete Kontext war eindeutig.

Im weiteren Text wurde erzählt, dass die obige Behauptung sich auf die Angabe einer türkischen Behörde stützen würde. Es wurde nicht genannt, um welche türkische Behörde es sich handelte und wie diese zu dieser Erkenntnis gekommen sein will. Es sagte im Übrigen auch nichts über eine Urheberschaft aus.

Die Wertlosigkeit dieser „Information“ steigerte sich durch den Umstand, dass es sich bei der Türkei um einen Staat handelt, welcher in und gegen Syrien Krieg führt, dessen Regierung stürzen möchte und mehrere Al-Kaida-Fraktionen wie „Jabhat al-Nusra“, „Ahrar al-Sham“ und „ISIS“ unterstützt bzw. organisiert. Auf diese wichtige Information wurden die STANDARD-Leser, mit derer diese in der Lage sein würden, eine Meldung richtig einzuordnen, nicht hingewiesen.

Auf Seite 2 folgte der Artikel von Frank Herrmann aus Washington „Von roten Linien, Strategien und Wendungen“, welcher sich zumeist mit der für Hermann rätselhaften Person Donald Trump auseinanderzusetzen versuchte.

Aus seinem Artikel ging allerdings auch hervor, dass sich erst kurz zuvor der Kurs der US-Regierung gegenüber Syrien zumindest rhetorisch geändert hatte: Aufgabe des Zieles, in Syrien die Regierung zu stürzen, und die plötzlich an den Tag gelegte Großzügigkeit der USA, dass die Syrer ihre Regierung sogar selbst bestimmen dürften.

https://www.pressreader.com/austria/der-standard/20170407/281556585679598

https://www.pressreader.com/austria/der-standard/20170407/textview

 

Und genau in diesem Moment einer zu Schau gestellten Entspannung seitens der aggressivsten und mächtigsten Kriegsmacht des Planeten soll Damaskus etwas angezettelt haben, um die Spannung wieder hoch zu treiben und sich selbst maximal zu gefährden. Insofern war es Hermann zu verdanken, dass er zumindest indirekt diese Irrationalität in seinem Artikel aufzeigte und einem aufmerksamen STANDARD-Leser die Gelegenheit geben konnte, sich eine weitergehende Frage zu stellen: wer profitierte von solchen Giftgas-Vorfällen? Und wer konnte unter den derzeitigen Umständen ganz sicher nicht profitieren?

In diese logische Bresche ließ der STANDARD wieder Gudrun Harrer von der Leine, um dieselbige wieder zu schließen. Wie so häufig, führte Harrer einen Eiertanz auf, obwohl oder weil sie wusste, dass die Urheberschaft des Giftgas-Vorfalles in Khan Sheikhoun ungeklärt war.

„Der Vorteil einer solchen Tat für das syrische Regime ist wirklich nicht leicht nachzuvollziehen“, schrieb sie, womit sie die angeordnete Marschrichtung bereits artikuliert hatte: der – von ihr unterstellte – Vorteil für Damaskus und die implizierte Urheberschaft, nur eben schwer nachzuvollziehen anstatt leicht.

„Aber die Frage, wem was nützt, führt bekanntlich nicht zum Täter“, versuchte Harrer ihre hinterhältige Methodik zu stützen. Dieses Gerede sollte einer Spekulation den Raum eröffnen, dass die offensichtlichen Nutznießer des Giftgas-Vorfalles, nämlich Al-Kaida und die ausländischen Drahtzieher, nicht unbedingt automatisch auf deren Täterschaft schließen lassen konnte. Nur war es entlarvend, dass Harrer ihr Spekulationsgebilde ausschließlich in eine Richtung wachsen ließ, um eine von ihr erfundene Möglichkeit eines Vorteiles für die syrische Regierung zu konstruieren. Eine entgegengesetzte Überlegung, logischer und plausibel noch dazu, wurde von ihr erst gar nicht verfolgt.

http://derstandard.at/2000055514708/Trump-hat-in-Syrien-nur-wenige-Optionen

 

Harrer ließ ihre schwammigen Fetzen ohne weitere Konsequenz stehen, um mit einem weiteren Wort-Schwamm hinüber zu wischen. „Abgesehen davon, dass die Kausalkette Paradoxien aufweisen kann“, übte sie sich in weiterer Verschleierung, um schließlich zum Kern ihres Eiertanzes zu kommen:

„Auch wenn Israels Verteidigungsminister Avigor Lieberman sich als „hundert Prozent sicher“ bezeichnete, dass Bashar al-Assad den Gasangriff persönlich angeordnet hat.“

Paradox war hier natürlich gar nichts, denn Israel ist an dem Krieg gegen Syrien involviert. Dieser Umstand wurde aber auch von Harrer außen vor gelassen, denn für sie ging es nur um die folgende Spekulation:

„Aber vielleicht weiß Lieberman es ja wirklich.“

Niemand weiß, was Lieberman wusste und weiß, so auch nicht von dem möglichen Gegenteil seines Redeinhaltes, den es zu berücksichtigen galt. Diese Überlegung fand bei Harrer freilich keinen Eingang, sie versuchte das Spekulations-Nichts mit einer weiteren Spekulation plausibel zu machen:

„Wenn, dann wird er nicht deklarieren, woher.“

Doch ist das logisch? Nein? Und das war der Punkt. Auch Lieberman, zumal aktiver Täter in dem Krieg, legte für seine Behauptung keinen Beweis vor, weder am 7. April und noch später.

Das war Propaganda, Kriegspropaganda. Harrer hatte in der Vergangenheit häufig genug bewiesen, dass ihre vorgeblichen „Analysen“ so wenig mit Journalismus und Ausgewogenheit zu tun hatten wie die Donau mit einer Sandwüste. Ihr Artikel war mit der Überschrift „Trump hat in Syrien nur wenige Optionen“ versehen und beschrieb die Geisteshaltung bestens. Denn sie lief der rechtlichen Frage zuwider, warum ein „Trump“ oder wer auch immer in Syrien überhaupt „Optionen“ besitzen sollte. Sah Harrer in diesem Land eine gescheiterte US-Kolonie, welche in den Schoss Washingtons zurückzukehren hatte?

 

Trump

Hat nach Gudrun Harrer nur wenige Optionen in Syrien: Trump. 

 

Assad

Hat noch nie Optionen in den USA besessen: Assad. 

 

In ihrer Welt der Ignoranz wurde bei Harrer aus Russland plötzlich der „politische Verlierer“, ein Verbündeter des „Kriegsverbrechers“ Assad und ein hilfloses Häuflein, welches sich nur mit einem Veto im Sicherheitsrat zu helfen wüsste. Verlogener ging es nicht mehr, wie wir bereits in den vorherigen Teilen dargestellt hatten. In ihrem Dilemma, nichts in der Hand zu haben, ließ Harrer Unbekannte etwas meinen.

„Manche meinen, Assad könnte mit dem Angriff den Beginn der Offensive auf die Provinz Idlib, wo sich die Rebellen konzentrieren, eröffnet haben.“

Neben unbekannten Meinungsgebern und der Tatsache, dass es keine Offensive gab, wusste Harrer auch die in Idlib befindlichen „Rebellen“ nicht zu kennen: Al-Kaida. Harrer schien überhaupt keine Ahnung von irgendetwas zu haben, aber ihr war – wenn auch häufig nicht sonderlich kompetent – vertraut, wie Bausteine miteinander kombiniert werden konnten, um eine Stimmung zu erzeugen:

„In einem – schon vor dem Angriff geführten – Interview mit der kroatischen Zeitung „Vecernji List“ erteilte er jedenfalls einer diplomatischen Lösung de facto eine Absage und erklärte, die einzige Option sei ein Sieg.“

Wo Kramar vom KURIER auf das Gefühl militärische Entschlossenheit gesetzt hatte, hatte Harrer das Gewicht auf die angebliche Absage der Diplomatie gelegt. Der Kontext war gleich, der Pegel an Verlogenheit ebenfalls.

Harrer unterschlug mal eben, dass der syrische Staat seit Jahren permanent verhandelte, aber viele Gruppierungen – und ihre ausländischen Auftraggeber – nicht verhandeln wollten und wollen. Zudem waren nach den bisherigen Verhandlungen bei der UNO die Terrorformationen von Al-Kaida und ISIS von Kampfhandlungen ausgenommen – und anderes gibt es in Syrien kaum. In Idlib saß Al-Kaida. Der syrische Staat hatte sogar mit Terrorverbänden verhandelt, ein Umstand, der auch in der Heimat einer Gudrun Harrer undenkbar wäre.

Darum ging es natürlich nicht, es ging wie immer einzig und allein um Verzerrung, Unterschlagung und verlogene Manipulation, um mit einer Stimmungsmache den Krieg gegen Syrien in der hiesigen Bevölkerung zu einer unnachgiebigen Akzeptanz zu führen. In diesem Stil hatte sie ihre weitere bezahlte Arbeitszeit ausgefüllt.

Ist Assad der Täter, dann hat er die Wirkung der schrecklichen Bilder aus Khan Sheikhun unterschätzt.“

Auch hierbei handelte es sich um eine rein spekulative Frage, die keine Relevanz besaß. Harrers Absicht, die Kriegstrommel mit einer Schuldzuweisung in Richtung Damaskus zu rühren, verdeutlichte sich durch den Umstand, dass die gegensätzlich spekulative Frage „Ist die Nusra-Front der Täter…“ einmal mehr nicht gestellt wurde. Das würde ganz anderen Überlegungen den Raum eröffnen, die sehr, sehr unangenehm sein mussten.

Harrer spekulierte anschließend, was die USA tun könnten, als hätten diese eine Berechtigung für ein Tun außerhalb ihres eigenen Staates, sie redete von „Optionen“, „Interventionen“ und möglichen „Konfrontationen“. Hätte, wäre, könnte, nur was war und ist, kam nicht auf das Tablett.

 

Auf der Kommentar-Seite durfte schließlich mal wieder Eric Frey auftreten, um in seiner Meinung „Weltpolitik eines Maulhelden“ den aktuellen US-Präsidenten Trump aufs Korn zu nehmen. Das war das Tagesgeschäft der den US-„Demokraten“ nahe stehenden Konzernmedien.

Frey stellte das für ihn widersprüchliche Gebaren der US-Regierung dar, deren Anhänger er nun nicht mehr ist. Er entdeckte wie die Clinton-Partei daselbst Chaos, fehlende Strategie, Sprachlosigkeit, Belanglosigkeit, keine Zuständigkeiten, Verständnislosigkeit etc. Einzig in der Kriegshetzerin Nikki Haley, der US-Botschafterin bei der UN, sah er „die einzige halbwegs kohärente Stimme“, was bei Frey nicht weiter überrascht. Überraschend war dagegen, dass dieser Mann seine Lobby-Arbeit selbst nicht mehr ernst zu nehmen schien, denn zu dumm war seine Ergänzung:

„Für wen sie (Anm.: Nikki Haley) eigentlich spricht, weiß niemand.“

Nicht viel anders verhielt es sich mit dem folgenden Satz:

„Wenn das US-Militär in Syrien, im Irak und im Jemen offensiver auftritt – oft mit tödlichen Folgen – dann liegt das daran, dass Trump es gewähren lässt.“

Frey ist ein lustiges Kerlchen. US-Verbrechen – nämlich der Krieg in anderen Ländern – werden hier als „offensiv“ verharmlost, deren „tödliche Folgen“ aber Trump angelastet. Also das, was unter Obama noch in Ordnung gewesen war. Dieser hatte ja Todesurteile per Drohne noch persönlich angeordnet, aber dieser schlimme Trump, der ließ die Militärs (angeblich) gewähren!

„Im Einzelfall mag das sinnvoll sein, aber die zivile Kontrolle über die Generäle ist eine Säule des Rechtsstaates, um die sich Trump nicht schert.“

Haben Sie es verstanden? Im Einzelfall sinnvoll, das Militär abseits jeglicher Rechtsstaatlichkeit losschlagen zu lassen, aber bei Trump nicht. Wegen der – von uns nicht – entdeckten „zivilen Kontrolle“ und dieser „Säule“.

Frey schien enttäuscht. In der US-Regierung wurde mal so und dann wieder anders geredet, aber es wurde nichts getan. Was, verriet Frey allerdings nicht. Offensichtlich wegen dieser „Rechtsstaatlichkeit“, die in Zukunft auch auf seine Person angewendet werden könnte. Frey ist ein vorsichtiger Mann, und weil er es nicht direkt sagen wollte, ließ er Trump gegenüber Russland und China als einen „Maulhelden“ dastehen und sich selbst über die auch ihm entglittene „globale Ordnung“ weinen.

Welche „Ordnung“ Frey gemeint hatte, wissen wir.

http://derstandard.at/2000055516489/Weltpolitik-eines-Maulhelden

(Dieser Artikel wurde online nach dem Raketenangriff der Aktualität angepasst und massiv abgeändert. Der von ihm als „Maulheld“ bezeichnete Trump hatte Gewalt sprechen lassen, weswegen Frey nun nach anderen Defiziten gesucht hatte).

 

 

Montag
11
September 2017

Der Gesang der US-Marschflugkörper 15.

 

In der Nacht zum 7. April 2017 kam es bekanntlich zu dem US-Raketenüberfall auf die syrische Luftwaffenbasis Shayrat. Die von den Massenmedien bereits fertig gestellten Artikel wurden online daraufhin mit einer Ergänzung versehen. So auch beim KURIER, wo wir uns allerdings auf die Printausgabe vom 7. April beziehen.

„Trump müsste Krieg mit Russland riskieren“, lautete die Überschrift, welche sich auf ein Zitat des US-Experten James Davis bezog. Konrad Kramar benötigte nur zwei Sätze, um in seinem Artikel eine unbelegte Behauptung als Tatsache zu platzieren.

„Das Säbelrasseln könnte kaum lauter sein. Nach dem Giftgasangriff in der syrischen Stadt Idlib macht die US-Regierung die Armee von Machthaber Assad verantwortlich und droht mit militärischem Eingreifen.“

Es war allerdings nicht erwiesen, dass es zu überhaupt zu einem „Giftgasangriff“ gekommen war. Kramars Behauptung implizierte freilich eine Schuldzuweisung, denn wer sonst sollte angegriffen haben als das Militär des „Machthabers“?

https://kurier.at/politik/ausland/militaerisches-eingreifen-des-usa-im-syrien-krieg-provoziert-konflikt-mit-russland/256.776.206

Kramar zitierte daraufhin die Drohungen des US-Präsidenten und auch der US-Botschafterin Haley und stellte dem eine Aussage des syrischen Präsidenten gegenüber.

„Während die Putin-Regierung sich vorerst zurückhält, dreht ihr Verbündeter in Syrien ebenfalls auf Kollisionskurs mit den USA. Es gebe keinen Spielraum mehr für eine Verhandlungslösung in Syrien, erklärte Bashar al-Assad gegenüber der kroatischen Zeitung Vecernji List, die einzige Option sei der militärische Sieg: „Wenn wir den Krieg nicht gewinnen, wird Syrien von der Landkarte verschwinden“.

Davon abgesehen, dass natürlich auch Kramar bzw. der KURIER das Bündnis zwischen Russland und Syrien als gängigen Propaganda-Textbaustein hervorhob, hatte die Aussage von Assad mit dem Vorfall nichts zu tun. Sie wurde aus einem Interview der genannten kroatischen Zeitung entnommen, welches zwar am 6. April über die Nachrichtenagenturen wie REUTERS verbreitet wurde, aber bereits vor dem 4. April stattgefunden haben muss. (Ein Giftgas-Vorfall in Khan Sheikhoun wäre Thema gewesen).

http://de.reuters.com/article/syrien-assad-idDEKBN1780WZ

https://www.vecernji.hr/vijesti/bashar-al-assad-za-vecernji-o-ratu-u-siriji-trumpu-hrvatskom-oruzju-koje-je-zavrsilo-kod-terorista-1161094

 

Kramar benutzte offensichtlich diesen Satz, um so etwas wie das Abbild einer militärischen Entschlossenheit seitens Assad aufzuzeigen und gleichzeitig zu suggerieren, dass diesem Mann – alle Logik außer Acht lassend – einfach alles zuzutrauen wäre. Hier sollten die Leser auf der Gefühlsebene eingefangen und manipuliert werden. Dies wurde bereits überdeutlich mit der Behauptung, dass sich die syrische Regierung angeblich auf Kollision mit den USA „gedreht“ habe.

Kramar verkehrte die Situation somit ins Gegenteil und log die Aggression der USA von der Bildfläche – Angriffspläne gegen Syrien, Drohungen, verdeckter Krieg mit Söldnern in Syrien, Forderung nach einem Regierungswechsel, Unterstützung von Terrororganisationen etc. Nichts davon lässt sich über den syrischen Staat nachweisen, welcher einzig das eigene Land zu verteidigen versuchte – im Gegensatz zu den USA. Es gab und gibt folglich nur eine Macht, welche die erwähnte „Kollision“ herbeiführte und herbeiführt.

Konrad Kramar war hierbei sogar noch dummdreist genug, um dieses Kollisions-Konstrukt mit dem oben genannten winzigen Interview-Fragment zusammenzubasteln, obwohl dieses dazu noch nicht einmal taugte.

Der syrische Präsident hatte einzig und allein nochmals verdeutlicht, die Souveränität des Staates Syrien wieder herstellen und die in seinem Land operierenden Verbände an Söldnern und Terroristen als notwendige Voraussetzung besiegen zu wollen. Das heißt, es war über eine selbstverständliche und auch realistische Absicht gesprochen worden, welche allerdings propagandistisch für die Kriegstreiber nichts hergegeben hatte. Erst mit der Benutzung eines Fragmentes für einen konstruierten Zusammenhang („Kollision“) sollten KURIER-Leser getäuscht werden.

 

Ansonsten ließ Kramar einen James Davis als „US-Experten für Sicherheitspolitik“ sprechen, für den völkerrechtliche Regeln keine Rolle spielen und dessen Meinung hier nicht von Belang ist. Die Frage, welche Optionen Verbrecher besitzen würden und könnten, sollten von einer unabhängigen Justiz beantwortet werden.

Nur ein Satz hatte eine gewisse Bedeutung, weil er Kramars Propaganda widersprach:

„Obendrein sind die einzigen Aufständischen gegen Assad, die militärisch heute noch eine Rolle spielen, militante Islamisten.“

 

Da dem KURIER die Propaganda und Manipulation eines Konrad Kramar offenbar als zu wenig erschien, wurde ein zweiter verlogener, aber sehr direkt kriegstreiberischer Artikel beigefügt. In diesem Artikel von Norbert Jessen durfte der verbrecherische Außenminister des aggressiven Apartheitsstaates Israel, Avigdor Liebermann, über seine unbewiesene Behauptung einer persönlichen Verantwortung Assads schwadronieren. Jessen assistierte diesen Mann demütig in dessen Mastdarm, indem er als Quelle für Liebermanns Behauptung den israelischen Geheimdienst mutmaßte, welcher nirgends erwähnt wurde.

Jessen hatte sogar eine weitere „Quelle“ für Beschuldigungen anzubieten: ungenannte israelische „Experten“, die angegeben hätten, von diesem und jenem auszugehen. Bedauerlich, dass Jessen keinen Raum für die Sichtweise der Verteidiger Syriens gefunden hatte: für die Regierungen Syriens, Russlands und des Irans. Ebenso wenig wurde erwähnt, dass Israel an dem Krieg gegen Syrien beteiligt ist, sei es nun mit Überfällen durch die Luftwaffe, sei es mit logistischer Unterstützung der im Westen Syriens befindlichen Söldner-Verbände, sei es mit der nachweislichen Unterstützung der nahe dem Golan operierenden Al-Kaida-Gruppen. Günstigerweise sollte hier wenigstens von einer von Interessen gesteuerten Partei geredet werden.

 

Die Erwähnung der Kriegsbeteiligung Israels würde die von Jessen dargelegte Kriegshetze natürlich sofort entwerten. In seiner primitiven Propaganda nahmen „Rebellen“ den Platz für „Al-Kaida ein. Deren Zustrom in der Provinz Idlib wurde mit „Flucht“ erklärt und der selbst gewählte Abtransport nach Verhandlungen mit der um Befriedung bemühten syrischen Regierung verschwiegen. Jessen war sich auch nicht zu blöd, seine eigenen dämlichen Phantastereien einzubringen. Er formte mal eben die Terroristen des Al-Kaida-Labels „Jabhat al-Nusra“, die „Rebellen“, zu Freiheitskämpfern gegen das Al-Kaida-Label „IS“ um, die lustigerweise beide über die Türkei versorgt werden.

„Für die Rebellen ist Idlib wichtig, weil von hier aus die noch vom IS besetzten Gebiete im Nordosten leichter angreifbar sind.“

Wir wissen nicht, ob sich Jessen auf der Lohnliste Israels oder Al-Kaidas befindet, seine dargebotene Kriegstreiberei deckte sich auffallend mit den Interessen der Genannten. Jessen gab auch vor, die Pläne in der syrischen Regierung genau zu kennen:

„Die Gasangriffe sollen die Rebellen zwingen, zum Schutz der bedrohten Zivilisten in der Stadt Stelungen aufzubauen. Sonst könnte sich die Zivilbevölkerung gegen die Rebellen erheben, weil sie ihnen keinen Schutz gebe.“

Der Jessen wusste Bescheid. Die von Al-Kaida, das sind die Guten!

Und weil dies für den KURIER soetwas wie eine umunstößliche Tatsache zu sein schien, wurde als eine Art „Beweis“ eine kleine Liste mit dem Titel „Verbrechen des syrischen Regimes“ angefügt, wo alles zu finden war, was das Mörderherz ganz ohne Al-Kaida begehrte: von Giftgas über Fassbomben und Aushungerungen bis hin zu „Assads Folter-Schergen“.

Keine Frage, da muss ein Typ wie ein Rumsfeld her, könnte man nach der KURIER-Lektüre empfinden, um im syrischen Moloch endlich aufzuräumen, ganz nach seinem damaligen Motto gegenüber den Taliban: entweder sich den US-Bedingungen und deren Oberhoheit beugen oder die Zustellung der strafenden Bombenteppiche. In Syrien aber bitte schön um die Al-Kaida-Truppen drumherum.

Dienstag
05
September 2017
Seite 1 von 201234567891020...Letzte »