Des Kaisers neue Kleider

 

Zur aktuellen Flaggenparade „Denkbewegung“ im Rahmen der NÖ Landesausstellung 2019 in Wiener Neustadt. 

Text & Fotos: „Arcimbaldo“.

 

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Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren ist an sich stets eine wichtige und wertvolle Bereicherung jedes Stadtbildes. Wiener Neustadts Künstler, ohnehin im öffentlichen Diskurs nicht gerade prominent vertreten, hätten es sich auch wahrlich verdient, nun auch im Rahmen dieser Landesausstellung besondere Beachtung zu erfahren, wäre dies natürlich auch für sie ein entsprechender Anlass und Gelegenheit sich einer breiteren Öffentlichkeit darzustellen.

Die Landesausstellung „Welt in Bewegung“ ist ohne Zweifel eine sehr aufwendig und professionell gestaltete Schau mit großem historischem Überblick. Indes wäre es ebenso angebracht gewesen, auch die modernen und aktuellen Ansätze in dieser mit zeitgenössischer Kultur nicht eben verwöhnten Stadt entsprechend zur Ausstellung zu bringen.

Nun wird uns eine kleine Auswahl lokaler, meist graphischer Kunst, kuratiert von Prof. Gotthard Fellerer, mit einer Art „Flaggenparade“ auf Peitschenlampen, entlang der linken Seite stadtauswärts des Ferdinand Porsche-Rings montiert, präsentiert.

 

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Obwohl sicher mit Hingabe und in bester Absicht angetragen kann man sich bei deren Anblick nicht einer gewissen Verwunderung und Enttäuschung erwehren.

Schon bei einem Bummel zu Fuß sind die zarten und oft subtilen Motive, meist monochrom auf weißem, leicht transparentem Tuch einseitig aufgedruckt, als solche kaum zu erkennen, die Schrift zu klein und oft unlesbar.Von einem fahrenden Auto aus betrachtet wird an dieser Ausfallsstraße die ganze Darbietung dann jedoch endgültig zur Farce.Viele der Fahnen, meist noch von Bäumen und belaubten Ästen verstellt, erscheinen bloß weiß oder bleiben dann in der Fülle anderer Signale und Zeichen meist gänzlich unbeachtet.

 

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Das wäre ja an sich weiter nicht so schlimm, würde es sich nicht um den im Wesentlichen einzigen, von der Stadt finanzierten Beitrag zu diesem Thema handeln, womit man sich fragen muss, inwieweit die Förderung lokaler Kunst überhaupt noch ein Anliegen für die Stadtregierung ist und ob nicht solche missglückten und völlig unangemessenen Darbietungen die Bedeutung von Kunst in dieser Stadt nicht noch weiter marginalisieren und als überflüssig, beliebig und unverständlich diskreditieren.

Das Medium bestimmt auch die Botschaft, und Flaggen sind nun mal besetzt und definiert als Signalträger z.B. in der Schifffahrt, als Symbole von Nationen, der politischen Propaganda, inzwischen auch völlig usurpiert als Werbeträger in einem immer schrilleren, kommerziellen Wettbewerb. Niemals würde aber etwa die Kirche ihre Ikonen als Strassen-Dekoration darbieten. Das Medium ist die Botschaft und hier wird Kunst auf billige Art zur Propaganda missbraucht, wird die Singularität einzelner Aussagen vereinheitlicht und auf inhaltslose Effekte reduziert. Diese Ausstellung zeigt in seltener Deutlichkeit die tatsächliche Wertschätzung der Stadt und wird dadurch zum Sinnbild ihrer im Grunde ignoranten Kulturpolitik, wo immer wieder versucht wird, nach dem Vorbild der Werbeindustrie, durch bloße Inszenierung, durch mehr oder minder schönen Schein, Substanz und Aussage zu ersetzen.

 

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Those sins that scandalize the public are less grave than those it tolerates.“
Nicolás Gómez Dávila

Was soll man sich als interessierter Laie tatsächlich darunter vorstellen können, wie denn jemals ernsthaft an Kunst Interesse finden, wenn einem die Innerlichkeit und die zarten Töne von Weltentwürfen nun als blasse Fähnchen einer Strassenbehübschung entgegen flattern? Wieder einmal wird damit der Kunst ein „Bärendienst“ erwiesen, bedient diese Ausstellung doch erneut das Klischee von Kunst als „künstlich“ und dekadent, abgehoben, als Geldverschwendung und luxuriöses „Hobby“ einer kleinen, vom Alltag völlig entgrenzten Gruppe, die angestrengt und ungeniert in aller Öffentlichkeit ihrer Eitelkeit frönt.

Es ist aber tatsächlich eine Anbiederung an den Mainstream die leider in dieser „Parade“ deutlich wird, die Kunst hier insgesamt abwertet und in Verruf bringt.

Kunstwerke sind wichtige „Denkmäler“, gehen uns alle an, machen unser Mensch-Sein kenntlich, leben jedoch vom Zauber ihrer Authentizität, ihrem Ringen um Sinnsuche und Eigenständigkeit. Sie brauchen jedoch, um im heutigen Lärm und Kommerz der Welt bestehen zu können, immer auch eine ernsthafte, großzügige Zuwendung und geeignete Mittel und Raum für Darbietung, damit sie ihre Botschaft entfalten können. Wieder einmal zeigt sich jedoch das eigentliche Desinteresse an Kultur in dieser Stadt und deren Handhabung als ein notwendiges aber im Grunde verzichtbares Übel. Moderne Kunst ist ja seit jeher ein Minderheitenprogramm und wirklich gefördert wird nur das, was die Massen anspricht, was direkt politischen Nutzen verspricht und Machtansprüche festigt.

Es ist an der Zeit die Kultur in Verruf zu bringen,

damit es sich nicht mehr lohnt,

sie im Dienste der Politik oder der Industrie zu erniedrigen.“

Vulgäre Zersteuung und vulgäre Beschäftigung

sind die einzigen, für die man sich heutzutage nicht zu entschuldigen braucht.“

Nicolás Gómez Dávila

Es ist schade um eine weitere vergebene Chance, endlich auch lokale Kultur in ihrer ganzen Vielfalt öffentlich darzustellen, wirkliche Zugänge anzubieten um ihre Qualitäten zu entdecken. Vergessen wir nicht: Kultur bedeutet auch Lebensqualität, gibt Identität und unser aller Leben Reichtum und Sinn. Wiener Neustadts Künstler hätten es sich wirklich verdient, in würdigerem Rahmen in Erscheinung zu treten, als nun als unkenntlich-blasses Gehänge von Straßenlaternen.

 

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Kunst hat auch das Potential zur Befreiung und Horizonterweiterung, kennt keine Grenzen und Vorurteile.

Die Aufgabe der Kunst ist,

zur Evolution beizutragen,

den Geist zu ermutigen,

einen distanzierten Blick

auf soziale Veränderungen zu garantieren,

positive Energien herbeizubeschwören,

die Sinne zu schärfen,

Vernunft und Instinkt zu versöhnen,

Möglichkeiten zu erforschen und

Klischees und Vorurteile zu zerstören.“

Pippilotti Rist

 

Vielleicht ist das daher im Grunde ja auch so gewollt, werden wir auch darum damit „kurz“-gehalten, sollen wir besser mit bäuerlich-ländlichen Traditionen vorlieb nehmen und uns bierselig mit „Hump ta ta“ über die immer größer werdende Ungleichverteilung und Knechtschaft durch eine völlig entfesselte Konsumgüterindustrie hinwegtrösten. Vergessen wir aber trotzdem über Allem nicht: Der Kaiser ist nackt!

 

 

Sonntag
21
April 2019

World-Press-Photo des Jahres 2019 mit Al Kaida.

 

Die Wahl in der Veranstaltungsreihe „World-Press-Photo“ für das vermeintlich beste Pressefoto des Jahres findet am heutigen 11. April 2019 statt. In die Auswahl der letzten sechs Bilder wurde auch ein Motiv von einem gewissen Mohammed Badra nominiert.

Giftgas, Grenzkontrolle: sechs Kandidaten für World Press Photo. STANDARD, 20. Februar 2019.

https://derstandard.at/2000098321022/Giftgas-Grenzkontrolle-KriegJury-nominiert-sechs-Fotografen-fuer-W

 

Seit dem Ausbruch des Krieges in Syrien im Jahre 2011, welcher von Anfang an von ausländischen Mächten betrieben wurde und wird, sind Fotomotive von diesem Schauplatz bei internationalen Foto-Wettbewerben sehr beliebt.

Der genannte Mohammed Badra ist kein Unbekannter. Er belieferte jahrelang die internationalen Bildagenturen massenhaft mit Fotos aus dem syrischen Ost-Ghouta.

Seinen eigenen Angaben nach soll er daselbst, in der Stadt Douma, geboren sein und gelebt haben. Angeblich habe er in Damaskus Architektur studiert, zumindest drei Jahre lang, dann aber wegen dem Krieg unterbrochen bzw. abgebrochen.

Badras weiteren Angaben nach habe er sich bei der Hilfsorganisation „Syrischer Halbmond“ engagiert. Er soll erste Hilfe geleistet und sich um die psychologische Betreuung von Opfern gekümmert haben.

https://www.worldpressphoto.org/person/37505/Mohammed%20%20Badra

 

Eine diesbezügliche Ausbildung wird nirgends erwähnt, aber zweifellos klingt es gut für einen Mann wie Badra, sich sozial zu engagieren und zu „helfen“. Wenn auch nur für eine kurze Zeit, schließlich wurde der Mann anschließend lieber Fotoreporter und zog mit Leuten durch die Gegend, die niemand von uns als Nachbarn begrüßen möchte.

Badras machte dennoch als Fotoamateur überraschend schnell eine berufliche Karriere und versorgte die US-Nachrichten-Agentur REUTERS ab 2013 mit Fotografien, die zufällig gerade benötigt wurden und fortan antisyrische Kampagnen bebilderten. Ab dem Jahr 2015 belieferte er auch die französische Nachrichtenagentur AFP, als Frankreich auch in Syrien zu bomben gedachte, und arbeitete für den Agentur-Zusammenschluss EPA.

Neben einer Dokumentation von den Zerstörungen in Ost-Ghouta hat sich Badra unter anderem auf Fotos mit Kindern spezialisiert.

 

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Screenshot, Google.

 

Eines dieser Kinder-Motive hatte auch die Kinder-Hilfsorganisation UNICEF so gut gefallen, dass es bei einem ausgeschriebenen Fotowettbewerb den 3. Platz erreichte.

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/foto-des-jahres/wettbewerb-2016/-/mohammed-badra/130718

 

Nur sind leider Kinder als unfreiwillige Protagonisten gleichzeitig einem besonders widerwärtigen Missbrauch durch Kriegspropaganda ausgesetzt, wie in den vergangenen Jahren vor allem in Syrien zu beobachten gewesen war.

Badra selbst befand sich als Einwohner von Douma mitten im Krieg. Die Website von „World-Press-Photo“ nennt ihn als jemanden, der dort unter Belagerung gelebt habe. Offenbar wurde beim durchschnittlichen Fotofreund vorausgesetzt, dass er dank dem massenmedialen Trommelfeuer genau wusste, wer dort wen belagert haben mochte. Die Bösen in Gestalt von „Assads Schergen“ belagern, die Guten in Gestalt von „Rebellen“ verteidigen sich innerhalb dieser Belagerung heldenhaft.

Nur hatte im Großraum Ost-Ghouta zuvor eine große vom Ausland gestützte Armee von islamistischen Söldnern und Terroristen eine Offensive gegen Damaskus zwecks Zerschlagung des syrischen Staates geführt, welche allerdings gescheitert war. In Folge waren diese Kampftruppen von der syrischen Armee umzingelt worden.

Zu den Eingeschlossenen Verbänden gehörte in erster Linie die saudisch gestützte sog. „Islam-Armee“, dazu Truppen der „Jabhat al-Nusra“ und auch „Ahrar al-Sham“, die allesamt Al-Kaida und Terroristen zuzuordnen sind.

Dies war in Douma auch die Umgebung eines Mohammed Badra. Allein durch seine eigenen veröffentlichten Fotos lässt sich eine – seine – gewisse Nähe zu Terroristen nachweisen. Diese Leute durfte er durchaus ablichten und deren Abbildungen international verbreiten.

Natürlich, Badra ist ein einfacher Fotograf, der nur Bilder schießt – und verkauft. Er liefert, aber andere würden diese verarbeiten und auch propagandistisch ausschlachten, um den Zusammenbruch Syriens und das Massenmorden zu befeuern. Und er dürfte auch kaum Einfluss darauf haben, in welchen Artikeln sein Name als Fotoautor eingebettet sein dürfte. In Texten, wo von einer syrischen „Revolution“ phantasiert, die syrische Regierung zu einem „Regime diffamiert oder der Al-Kaida-Terrorist zu einem „moderaten Rebellen“ umgewandelt wird. Ist ja nicht Badra seine Sache, möchte man meinen.

In einem inhaltlich äußerst dümmlichen Artikel von „bjp-online“ verhehlte Badra allerdings nicht, wen er als seine Gegner ansah. Es waren nicht die Al-Kaida-Söldner um ihn herum.

https://www.bjp-online.com/2019/04/world-press-nominee-mohammed-badra/

 

Auch lieferte Badra seine Fotos direkt an eine Islamisten-Homepage, die sich „ghouta.com“ oder „Ghouta-Campaign“ nennt. Diese ist auch ohne Impressum professionell gestaltet und mit Artikeln gefüllt, welche die Hersteller bei den Kriegstreibern im Westen vermuten lassen.

https://ghouta.com/

 

Das Foto von Mohammed Badra, um das es hier geht, wurde angeblich am 25. Februar 2018 in Ost-Ghouta aufgenommen. Es soll die Behandlung einiger Personen „in einem Krankenhaus in Syrien“ dokumentieren, wie beispielsweise der STANDARD dazu angibt. In den meisten Medien wird aber deutlich genannt, dass es sich bei den abgebildeten Personen um angebliche Opfer eines angeblichen Gasangriffes durch die syrische Armee handeln soll.

 

Mohammed Badra

Quelle: Twitter, Screenshot.

https://twitter.com/badramamet?lang=de

Die Facebook-Seite, gekleidet in Pathos und Theatralik:

https://www.facebook.com/Mohbadra90

 

Das Foto zeigt drei Männer und ein Kind in einer eher improvisiert wirkenden Räumlichkeit. Es vermittelt den Eindruck, als wurden die Personen ein wenig zusammengepfercht, um für das Bild erfasst zu werden. Der Mann auf der Bahre, grotesk verkehrt herum liegend, und das Kind tragen mutmaßliche Sauerstoffmasken vor dem Gesicht.

Es ist ein Bild, dass zweifellos Emotionen schüren soll, und auch ein bei Badra äußerst beliebtes Sujet, welches bereits tausendfach durch die massenmediale Landschaft gereicht worden war und daher alles andere als eine Besonderheit darstellt. Geplagt wirkende bärtige Männer, Kinder – und keine Frauen.

Und ja, es handelt sich um ein Motiv, welches üblicherweise von Al-Kaida nahe stehenden Quellen seit Jahren verbreitet wurde und wird, um vermeintliche Gräueltaten der syrischen Regierung anzuprangern. Das unternehmen hier im Westen freilich die politischen/wirtschaftlichen/militärischen Hintermänner und deren verkommenen Lohnschreiberlinge in den Massenmedien.

Das Foto selbst genügt unserer Ansicht nach formal und gestalterisch keinen höheren Ansprüchen, so dass der Verdacht im Raume steht, es handelte sich bei der Nominierung für das „World-Press-Photo“ um eine politische Entscheidung.

Von den Sujets mit Kindern musste es folglich nur ein kleiner Schritt zu Motiven mit den sog. „Weißhelmen“ sein, einer von NATO-Staaten und der EU unterstützten und finanzierten Al-Kaida-Propaganda-Truppe. Die benötigen entsprechende Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit, und Badra gehört zu jenen Fotografen, die Helden-Fotos liefern.

 

Quelle: YouTube. 

 

Informationen über das Gerede und Geschreibe von Badra, Informationen über sein Umfeld, seine Kooperation, seine Finanziers sowie seine eigenen Handlungen und Dienste gegenüber und für bestimmten Interessengruppen zeichnen diesen Mann als einen Al Kaida zumindest nahe stehenden Propagandafotografen, welcher die Nachrichtenagenturen der USA, Frankreich und auch EU, allesamt aus in den Krieg involvierte und mit den Söldner-Terroristen verbandelte Staaten, mit Motiven für den medialen Krieg an der Heimatfront versorgte.

Das für das World-Press-Photo nominierte Motiv entlarvt Badra auch als Mittäter der schlecht inszenierten und falschen Giftgas-Kampagne Ost-Ghouta im Februar 2018.

https://www.rubikon.news/artikel/die-kriegslugen-2

https://publikumskonferenz.de/blog/2019/02/24/die-tagesschau-hat-immer-recht/

 

Quelle: YouTube.

 

„Kinder seien „die größten Verlierer in diesem Krieg“, sagt er, und viele sind im Kreuzfeuer gefangen“, so zitierte ihn „bjp-online“ in einem Artikel. Badra hat seinen Anteil daran, indem er hinter seiner Heuchelei diese Kinder für den Missbrauch durch Kriegspropaganda und desweiteren für noch mehr Krieg und Tod zur Verfügung stellt.

So überrascht nicht, dass es Mohammed Badra nach der Kapitulation der islamistischen Söldner in Ost-Ghouta vorgezogen hatte, das Angebot der syrischen Regierung anzunehmen, sich in die Provinz Idlib evakuieren zu lassen. Wie wir alle wissen, herrscht dort noch immer Al-Kaida.

 

Donnerstag
11
April 2019

Die Musik-Video-Ecke 62.

Passend zu den vorherigen Clips eine Nummer, die 2006 erschienen ist. Die Inspiration ist eindeutig, doch handelt es sich bei PLASTIQUE NOIR um eine Band aus Brasilien. Hier das Stück „Empty Streets“:

 

 

Freitag
05
April 2019

„Best of“ 5 Jahre FREIES KINO & Party

 

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   © Filmstill  Mariola Brillowska „Schwarze Welle“ deutscher Kurzfilmpreis 2017

 

HAPPY BIRTHDAY – FREIES KINO

„Best of“ 5 Jahre FREIES KINO & Party
Stadtkino im Künstlerhaus  9. April 2019, 20 Uhr

Seit nunmehr 5 Jahren präsentiert die Gesellschaft Bildender Künstlerinnen und Künstler, Künstlerhaus in ihrem Kino, in dem auch das Stadtkino beheimatet ist erfolgreich ungewöhnliche Laufbilder, die man sonst kaum zu sehen bekommt. Der Titel dieser Filmreihe FREIES KINO ist im doppeltem Sinn zu verstehen:

Einerseits als Kino, das losgelöst, also frei von allen Konventionen, aufregende, bizarre, schräge und provokante cineastische Arbeiten von sinnlich bis spröd, einem neugierigem Publikum vorsetzt, andererseits bei freiem Eintritt die Schwelle dazu niedrig hält, um möglichst vielen Menschen diese spannende Entdeckungsfahrt in ungewöhnliche Bilderwelten schmackhaft zu machen.

Kuratoren des FREIEN KINOS sind Hubert Sielecki und Kurt Brazda, die beide trotz ihrer langjährigen filmischen Karriere sich den freien Blick auf Ungewöhnliches und auch Irritierendes bewahrt haben.

Dabei geht es um das Ausloten und bewusstes Erweitern von Wahrnehmungspotentialen. In diesem Sinne sind Grenzüberschreitungen zur bildenden und performativen Kunst sowie in die Gefilde aller nur denkbaren künstlerischen Disziplinen aber auch innovative gesellschaftspolitische Statements wesentliche Markenzeichen des FREIEN KINOS.

Der 5. Geburtstag wird am 9. April um 20 Uhr wie immer im Stadtkino im Künstlerhaus mit einem „Best of“ Programm und einer anschließenden Party im Kinofoyer gefeiert.

Filmprogramm von Künstlerhaus-Mitgliedern
Evelyn Kreinecker, Flucht, 00:02:38
Evelin Stermitz, Hitchcock Dishing, 00:01:17
Sybille Gieselmann, Zwischen den Stühlen, 00:01:20
Robert Zahornicky, Communication Breakdown, 00:03:00
Ina Loitzl, Wiener Zeitung, 00:00:40
Sigrun Höllrigl, sonnenfieber, 00:03:00
Yuko Ichikawa, Oh Gott, 00:02:00
Kurt Brazda, Nocturnes, 00:05:18
Martin Bruch, Fenster, 00:03:00
Horst Stein, Sisyphos-4 Sequenzen, 00:02:30
Rüdiger Rohde, Held-Soldat, 00:02:00
Hubert Sielecki, Naturbeschreibung, 00:01:10

„BEST OF …“ Jubiläumsprogramm 45 Min. aus „5 Jahre FREIES KINO“
Anna Vasof, Down to Earth, 00:04:00
Nikki Schuster, Mexico Recyclers, 00:07:00
Benjamin Swiczinsky, Telefonbuch Polka, 00:05:20
Mariola Brillowska, Die schwarze Welle, 00:12:12
Hubert Sielecki, Der längste Kuss, 00:04:30
Jochen Kuhn, Der Gerichtszeichner, 00:11:30  (Österreich-Premiere)

 

Donnerstag
04
April 2019

Neue Bücher zu Wr. Neustadt

 

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Am vergangenen Mittwoch, den 6. März 2019, durfte Franz Pinczolits im Wr. Neustädter BORG vor einem bemerkenswert großem Publikum seinen soeben im KRAL-Verlag erschienen Stadtführer präsentieren. 

https://www.kral-buch.at/veranstaltungen?id=4070&idU=1

„Ein Spaziergang durch 800 Jahre Geschichte“ fand reißenden Absatz vor Ort, wo der KRAL-Verlag einen eigenen Bücherstand errichtet hatte. 

https://www.kral-buch.at/list?back=3143f0a16d2279eebfbfaaffaf021b68&xid=30084627

 

Am kommenden Donnerstag, den 14. März, wird daselbst Gerhard Geissel sein neues Buch „Wr. Neustadt – Geschichte einer bewegenden Stadt“ präsentieren. Dieses erscheint ebenfalls im KRAL-Verlag. 

https://www.kral-buch.at/veranstaltungen?id=4069&idU=2

 

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https://www.kral-buch.at/list/9783990247839

 

Zeit: Donnerstag, 14. März 2019, 19 Uhr,

Ort: Wr. Neustadt, Herzog-Leopold-Straße 32, BORG

Eintritt frei. 

 

 

Sonntag
10
März 2019

Nicht gesund.

 

Das neue Hotel zwischen Bahngasse und Stadtpark in Wr. Neustadt wurde mittlerweile eröffnet. Das dort gespendete Gratisfressen wurde von den Bezirksblättern wenig verwöhnt als „Event der Woche“ bezeichnet. Bürgermeister Schneeberger meinte in seiner dort gehaltenen Rede, dass der hässliche und vollkommen deplatzierte Bau mit Geld aus Russland entstanden sei sowie Knowhow aus Niederösterreich, was in Anbetracht der Erscheinung kaum als Empfehlung taugen mag.

Immerhin sollen einige Arbeitslose in dem „Hilton“ untergebracht worden sein – wir können uns schon denken wo. Der russische Investor mit dem interessanten Namen Evgeny Bidilo bedankte sich bei seinen Gästen artig bei allen, die „mitgeholfen“ haben. Von denen waren allerdings die wenigstens zum großen Fressen eingeladen worden. Menschen mit „hohen Wangenknochen“ sollen bei der Dankesrede geklatscht haben, so die Bezirksblätter. Es blieb ihr Geheimnis, was hiermit hatte ausgedrückt werden sollen. Hatten sich alle anderen nicht gefreut? Besitzt der typische Russe hohe Wangenknochen? Bidilo, der Investor und Russe, besitzt sie jedenfalls nicht. Er besaß auch kein Lächeln, obwohl der schreckliche Bau vom Bürgermeister als touristische Zukunft gepriesen wurde.

Das Projekt für ein Hotel am Stadtpark war allerdings bereits von der SPÖ-Regierung vorangetrieben worden. Diese und andere Baulichkeiten haben die Stadt nicht nur weiter verhässlicht, sondern auch massiv verdichtet. Die Ecke Eyersperg-Ring/Grazer-Straße ist ein besonders übles Beispiel dafür. FH und Parkdeck hatten hier nicht gereicht, das alte Haus an der Ecke wird derzeit von zwei Seiten zugebaut, neben dem Wirtshaus gegenüber werden derzeit auch Eigentums-Wohnungen aufgezogen – direkt an der völlig verlärmten und verdreckten Straße. Wer, bitte, möchte dort noch wohnen?

Nachdem fast alles verbaut wurde, präsentierte die Stadt unlängst einen Baustopp, für das ganze Stadtgebiet, wie es heißt, und gab vor, an einem ansprechenden Stadtbild interessiert zu sein. Zumindest für zwei Jahre soll dieser Baustopp gelten und dies auch nur für Bauten mit mehr als 10 Wohneinheiten, was recht relativ ist. Allerdings kann es auch zu Ausnahmen kommen, sollte ein „Fachbeirat“ zu einem anderen Entschluss gelangen. Wir wissen, wie das läuft. Bürgermeister Schneeberger behauptete jedenfalls, dass man somit „Verbauungstendenzen“ entgegenwirken wolle. Jetzt schon. Baustadtrat Dinhobl versicherte, dass keine Schritte unternommen würden, welche eine „professionelle Stadtentwicklung“ verhindern würde. Doch wie lässt sich etwas verhindern, was es ersichtlich nicht gab?

Das fortschreitende Sterben der Innenstadt sah Bürgermeister Schneeberger als eine langfristig entwickelte Krankheit an. Langfristig ja, Krankheit nein. Doch diente der Begriff Krankheit nur als hilfloses Vehikel, damit er von der nicht Nichtexistenz eines „Allheilmittels“ reden konnte. Es wurde allerdings kein einziges Mittel vorgelegt, nicht einmal ein Plan oder Konzept. Und das nach drei Jahren des „Knopfdruckes“. Zu schnell für Schneeberger. „Bin noch nicht fertig“, wie die NÖN richtig titelte.

Krankheit, keine Mittel, dann tot. Wir empfehlen Alkohol, das ist legal, als „Medizin“ gar international anerkannt, tröstet über fehlende Allheilmittel auf Knopfdruck hinweg, kann auch hervorragend als Ausrede dienlich gemacht werden und dämpft nebenbei die Schmerzen.

 

Mittwoch
27
Februar 2019

Die Musikvideo-Ecke 61.

 

SISTERS OF MERCY mit „Walk away“, 1985:

 

 

Aus der Peel-Session:

 

 

Und live in leider schlechter Qualität:

 

 

Samstag
23
Februar 2019

Ein trüber Blick.

 

Im österreichischen Boulevardblatt KURIER hatte Brandstätter in der Sonntagsausgabe vom 3. Feber 2019 mal wieder einen Blick getätigt, das heißt, eine Meinung geäußert. Die persönliche Meinungsäußerung ist durch die Bezeichnung „Brandstätters Blick“ ausreichend gekennzeichnet. Dies kann durchaus positiv hervorgehoben werden, auch wenn sie nicht darüber Auskunft gibt, ob er es sich um seine echte persönliche Meinung oder doch nur um die Meinung anderer handelt.

Denn das unter dem zitierten Buchtitel „Faschismus – mehr als eine Warnung“ platzierte ein Sujet ließ erhebliche Zweifel an einer Eigenständigkeit aufkommen. Hier wurde ein Foto von einer venezuelanischen Hauswand präsentiert, welcher das aufgemalte Konterfei des 2013 verstorbenen Präsidenten Chávez zeigte.

Einen Zusammenhang gibt es hier nicht, denn Chávez war das Gegenteil eines Faschisten gewesen. Hier ging es nur um eine primitive wie negative Stimmungsmache. Und weil der KURIER offenbar um den Zustand der intellektuellen Fähigkeiten ihrer eigenen Leserschaft Kenntnis besitzt, wurde dem Foto noch eine Unterzeile beigefügt:

„Hugo Chávez (1954–2013): Offizier, Putschist, Verführer, Präsident, Diktator“

Von der Warte eines neoliberalen Kapitalisten her mochte es sich um Chávez tatsächlich um einen Verführer gehandelt haben, nicht allerdings aus dem Blickwinkel der von diesen Leuten ausgebeuteten, verarmten Mehrheit. Dass es sich bei dem gewählten Präsidenten Chávez um einen Diktator gehandelt haben soll, ist indessen nirgends belegt. Es ist eine Erfindung, die in den westlichen Massenmedien gerne dann erfunden wurde, wenn bestimmte Staatsführer von den USA sprichwörtlich zum Abschuss freigegeben worden waren.

Nach dieser versuchten Manipulation und Verunglimpfung war endlich der Blick frei auf das, was Brandstätter seinen Lesern verkaufen wollte. Er warb für das Buch „Faschismus – mehr als eine Warnung“ von Madeleine Albright.

https://kurier.at/politik/inland/brandstaetters-blick-faschismus-mehr-als-eine-warnung/400396205

 

Das ist grotesk, geradezu lächerlich, weil es sich bei Albright um ein Bestandteil von dem handelt, vor dem sie zu warnen vorgibt. Als ehemalige US-Außenministerin ist sie mitverantwortlich für den Krieg gegen Serbien und dem harten Sanktionsregime gegenüber den Irak, welcher hunderttausende Menschen das Leben gekostet hatte. Noch heute ist diese Verbrecherin und Massenmörderin als Vorsitzende des „National Demokratic Institue for International Affairs“ (NDI) eine Akteurin bei der Einmischung der USA in fremde Länder zuständig.

 

Quelle: YouTube.

 

Brandstätters Blick lässt folglich auf Brandstätter selbst blicken. Das Buch einer Faschistin, die vor Faschismus warnt, schien ihn anzusprechen, zumal: „… es geht auch um Hugo Chávez“, wie er raunte. Albright fühle sich bei Chávez an Mussolini erinnert, während Albright uns an eine Mischung aus Hillary Clinton und Irma Grese erinnert. Das sagt aber nicht aus.

Brandstätter jedenfalls ist sich für nichts zu Schade, wenn es nur der offensichtlichen Agenda des KURIERS dient. Dazu gehört auch das tägliche Trump-Bashing, welches wie auf Anweisung nur heruntergefahren wird, wenn er mit Krieg und Putschen die „demokratischen“ Eliten der US-Oligarchie zu begeistern weiß. Denn auf diesen aktuellen US-Präsidenten, einen politischen Gegner für Albright, bezieht sich ihr Zitat:

Ein Faschist ist jemand, der für das gesamte Volk sprechen will, sich nicht um die Rechte anderer kümmert und bereit ist, Gewalt oder andere Mittel zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen.“

Selbstreflektion scheint nicht die Stärke von Albright zu sein, auch wenn sie die Begrifflichkeit des Faschismus, der verbrecherischen Symbiose zwischen exzessivem Kapitalismus, Finanzwirtschaft und Militarismus, nur verkümmert darstellt. Am Ende steht nur noch das zwanghafte Räubertum, um dieses System zu erhalten. Eliminierung aller Widerstände inklusive.

 

Dienstag
05
Februar 2019

Bürgermeister-Aussendung.

 

Oh, ein Brief vom Bürgermeister! Das Schreiben vom 10. Jänner 2019 wirkt persönlich und wurde als Massenaussendung an die Haushalte von Wr. Neustadt versendet. Wie bei Massenaussendungen üblich, wandte sich der Bürgermeister Schneeberger mit einem pauschalisierten Text an die Bürger, die eine Werbebotschaft für die Landesausstellung 2019 beinhaltete. Diese Veranstaltung ist zwar nicht unbedingt sein Verdienst, doch hat er natürlich Interesse, dass er die Landesausstellung als erfolgreich verbuchen kann. Erfolg misst sich in seinen Kreisen in Zahlen: Zahlen für Besucheraufkommen, für Umsatz und für Einnahmen.

„Mein größter Wunsch als Bürgermeister ist es, dass nicht nur zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus nah und fern nach Wiener Neustadt kommen, sondern vor allem, dass die Wiener Neustädterinnen und Wiener Neustädter ein Teil davon sind“, lässt Schneeberger in dem Schreiben verlautbaren.

Ein Teil davon wird die Neustädter Bevölkerung allerdings nie sein, denn sie ist nicht involviert. Teilhaben soll sie allerdings schon – als zahlende Besucher. Dafür wird etwas angeboten, was ansonsten nicht unbedingt beworben wird: Grundbildung. Denn die Landesausstellungen wenden sich grundsätzlich an ein Massenpublikum, weswegen der Anspruch eher etwas niedrig gestaltet wird.

„Es gibt kaum eine bessere Gelegenheit, um sich intensiv mit der eindrucksvollen Geschichte unserer Stadt auseinanderzusetzen“, glaubt Schneeberger nicht desto trotz, „und zu erkennen, welche Stärke und welchen Stolz diese Stadt immer hatte.“

Für Schneeberger steht offenbar das Ergebnis der Auseinandersetzung bereits vorher fest. Das lässt uns an eine von ihm getätigte „intensive“ Auseinandersetzung erheblich zweifeln. Das Provinzstädtchen Neustadt hatte bestenfalls im späten Mittelalter eine Rolle gespielt, vor allem als Residenzstadt Friedrich III., und im 20. Jahrhundert als Industriestadt für Flugzeuge, Fahrzeuge und vor allem für Kriegsgerät und Munition.

Der Bürgermeister konnte aber nur Entwicklungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung nennen, was sich zweifellos besser verkaufen lässt als Krieg und Vernichtung. Einen kulturellen, gar geistreichen Anspruch sucht man ohnehin vergebens. Das reicht für Schneeberger bereits, um daraus eine angebliche „Erfolgsgeschichte“ zu konstruieren. Der an mehreren anderen Enden fortgesetzte und auch sichtbare Niedergang von Wiener Neustadt wurde nicht thematisiert.

Ein Freund merkte einmal an, dass das einzige, was ist in dieser Stadt von Kontinuität sei, deren systematische Zerstörung durch die jeweiligen Stadtregierungen. Dazu habe es die Kriegsereignisse 1943-1945 gar nicht bedurft, auch wenn sie gleichwohl zu späteren Zeiten als Vorwand gedient hätten.

Er hat nicht unrecht, denn mittlerweile ist sogar der triste Ostblock-Charme verschwunden.

Die zukünftige Landesausstellung, für deren Inhalt die Stadt nicht verantwortlich ist, soll logischerweise in den Fokus gerückt werden, um ja nicht auf andere Anliegen aufmerksam zu werden. Die Veranstaltung soll laut dem Bürgermeister erstaunlicherweise als Basis dienen, was mit Blick auf Pöggstall Schlimmes erahnen lässt. Immerhin soll sie Schwung geben, so seine Hoffnung. Wofür auch immer. Seine uninspirierten PR-Berater scheinen selbst am Ende ihrer Phrasen gewesen zu sein.

„Damit das gelingt, braucht es viele Wiener Neustädterinnen und Wiener Neustädter, die sich engagieren“, meinte der Bürgermeister. Ehrenamtlich natürlich, ganz im Gegensatz zu ihm und seinem überbezahlten Klüngel. „Daher bitte ich Sie, nicht nur in Wiener Neustadt zu wohnen, sondern hier auch zu leben…“, umschrieb er sein Ansuchen, unser sauer verdientes Geld vor Ort zu verprassen, ohne benennen zu können, was es im Gegenzug zu erwerben gibt. Wir fahren mittlerweile lieber nach Baden oder importieren aus Deutschland.

„…sich mit der Stadt zu identifizieren, sich einzubringen und mitzuhelfen, unsere Stadt weiterzuentwickeln“, so der Bürgermeister weiter.

Ehrlich, wir haben uns über das Geschwätz amüsiert, steht doch die Regierung Schneeberger für Rückschritt und Reaktionäres.

„In unserer Stadt ist in diesem Jahr vieles in Bewegung, deshalb haben wir das Jahr 2019 auch zum „Jahr der Bewegung“ ausgerufen. Seien Sie ein Teil davon! Ich freue mich auf Sie!“

Auf uns freute er sich bisher allerdings nicht.

Der beigelegte Werbe-Folder „2019 – Jahr der Bewegung“ warb unter anderem mit dem super-hässlichen Hotelbau am Stadtpark, einem Phantasiebild von dem zukünftigen und vollkommen verunstalteten wie verdichteten Areal bei der Karmeliter-Kirche sowie der Revitalisierung der Kasematten, welche fälschlicherweise als „europaweit einzigartige Befestigungsanlage“ gepriesen wird, die trotz der Errichtung im 16. Jahrhundert gar ins 12. Jahrhundert zurückreichen würde.

Auf der Rückseite des Folders wird schließlich noch darum gebettelt, doch bitte in der zunehmend verödeten Innenstadt einkaufen zu gehen. Von „grenzenloser Vielfalt“ ist hier die Rede.

Wir entdecken vor allem Einfalt.

 

Donnerstag
24
Januar 2019

Die Musik-Video-Ecke 60.

Auch eine halbe Ewigkeit her: „Short term effect“ von THE CURE aus dem Jahre 1982.

 

 

Live 1982:

 

 

Und live 2002:

 

 

 

 

Montag
21
Januar 2019

Straßburg 2018. Teil 5.

 

Der Tod des als Verdächtigen deklarierten Mannes kam auch medial dem Abschluss eines Falles gleich, nachdem seine Täterschaft bereits zuvor in der öffentlichen Wahrnehmung festgestanden hatte. Das hatte durchaus etwas Praktisches an sich, da hier der Tod eine gerichtliche Beweisführung entbehrlich machte.

Der Rest war Geplänkel. Eine Reihe von Verhaftungen wurden noch getätigt, darunter die Familie des Chérif Chekatt, und als Polizeiarbeit medial dargestellt. Danach wurden die Verhafteten wieder entlassen, weil es keine Hinweise für eine Komplizenschaft zu entdecken gab.

Eine Wikipediaseite wurde wie in früheren Fällen zügig hergestellt, welche mit Fehlinformationen und Auslassungen eine Aufklärung des Falles suggerieren sollte, zu der es aber nicht gekommen war. Das gemeine Volk sollte sich wie gewohnt schnell und falsch „informieren“ können – zumeist anhand von Medienmeldungen, was allein nicht von Seriösität zeugt.

An der Fragwürdigkeit dieses Falles ändert sich freilich nichts. Weder waren Hintergründe ermittelt noch der Beweis erbracht, dass es sich bei den drei Personen – in der Altstadt, im Taxi (nur unter der Voraussetzung, der Taxifahrer existiert als echter Taxifahrer real) sowie als Leiche in Neudorf um ein und dieselbe Identität handelte. Wo sich der erschossene Chekatt in den vorherigen 48 Stunden aufgehalten hatte, wurde bislang nicht ermittelt. Ungeklärt auch die Frage, warum sich dieser Mann in „seinem“ Viertel“ bewegt und sich dort auch noch auf die Straße begeben haben soll, wo dort Massen an Polizei nach ihm suchten. Von der Befundung einer Spurensicherung lag ebenfalls nichts vor.

Auf diese Fragen gab es keine Antwort, was nicht wirklich überraschte. Überraschend war dagegen etwas, was wir als eine andere Antwort empfanden. Es wurde nämlich am 22. Dezember ein angebliches „Beweisstück“ nachgereicht, welches an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, dafür aber etwas über die Not der frz. Polizei/des Geheimdienstes vermittelte. Dieser „Fund“ wurde über „Justizkreise“ ganz inoffiziell gestreut, aber begierig von dem Medien aufgegriffen. Daraus wurde dann eine Realität geformt.

Da ein Handy/PC/Notebook bei den Ermittlungen keine Rolle gespielt hatte, was auf einen Nichtbefund hindeutete, wollen die frz. Sicherheitsbehörden nun einen USB-Stick gefunden haben. Für diesen Fund hatten sie zweifellos Zeit genug gehabt, um ihn „jetzt schon“, nach 9 Tagen, zu „finden“. Angeblich in der leeren Wohnung von Chekatt.

Auf diesem Ding, dessen Eigentümer oder Hersteller jedermann sein konnte, wollen die Beamten eine Botschaft von Chekatt gefunden haben, in welcher sich dieser in einem Video als Anhänger des „IS“ samt „Treueschwur“ geoutet haben soll.

Neu sind diese „Funde“ von Selbstbezichtigungen nicht, jedenfalls nicht in Frankreich. Aber selbst wenn dem so wäre, beweist es nichts über Handlungen der Person und auch nichts über ein Geschehen. Juristisch gesehen kann dies als Beweis für eine Tat nicht herangezogen werden. (Allenfalls als ein Indiz im Kontext weiterer Indizien-/Beweislage). Dafür ließ sich öffentlich eine Meinung untermauern, was ganz offensichtlich auch das Ziel war. Sollte Chekatt Kenntnis von dem Video (wann, von wem, wo und womit hergestellt?) besessen haben, scheint es ihm peinlich gewesen zu sein, denn er hatte damit offenkundig nichts anfangen können.

Letztendlich ist aber auch dies nicht wichtig, weil die wesentliche Lüge eine andere war: der „IS“ als eine Terroristenfraktion, welche gegen den vermeintlichen „Wertewesten“ kämpft. Was zwar real nicht wirklich zu bemerken ist, denn am Boden schlagen sich diese mit Arabern und Kurden herum, sich aber in „Terroranschlägen“ im Westen äußern soll.

Das ist falsch. Bei dem „IS“ handelt es sich um eine durch die USA, Türkei und Saudi-Arabien gestützte Al-Kaida-Fraktion, deren Söldner die Ziele der Hegemonialmächte gegen jene gewaltsam durchsetzen sollen, die sich eben diesen Mächten zu widersetzen versuchen. Zu diesen Mächten gehört nicht zufällig Frankreich, welche mehr oder weniger offen Al-Kaida-Fraktionen wie die ehemalige Nusra-Front in West-Syrien unterstützten oder jene Al-Kaida-Fraktion im Osten, „IS“, aus der Luft bewachen oder bestenfalls mit Bomben drumherum medialen Lärm verursachen.

Ein Bekenntnis dem „IS“ gegenüber als frz. Staatsbürger bedeutet nichts anderes als eine Selbstdeklaration als Mitarbeiter des französischen Auslands- oder Militärgeheimdienstes.

Somit haben wir es hier mit einem echten Geständnis zu tun, allerdings seitens der frz. Dienste, bei denen es sich angeblich um Sicherheitsdienste handeln soll.

 

Donnerstag
03
Januar 2019

Straßburg 2018. Teil 4.

 

Am 13. Dezember 2018 wurde in Frankreich eifrig mit einem Großaufgebot an Polizei nach einer Person mit dem Namen Chérif Shekatt gefahndet. In Straßburg konzentrierte sich diese aus bereits genannten Gründen auf das Viertel Neudorf südlich der Altstadt.

In Deutschland versuchte derweil der notorische Berufslügner Christoph Sydow vom SPIEGEL die Legende vom „Islamischen Staat“ aufrechtzuerhalten, als würde es sich bei ihm um deren Medienvertreter handeln. Die BILD-Zeitung redete etwas davon, dass während der gescheiterten Festnahme am 11. Dezember Chekatt mit seinen Komplizen doch in seiner Wohnung gewesen sei, im Gegensatz zu seinen Komplizen aber habe entkommen können. Eine Bestätigung erfolgte aus einer zweiten Quelle nicht, was allerdings auch nichts zu bedeuten hatte.

Schließlich eine Neuigkeit. Chérif Chekatt sei unmittelbar vor dem Anschlag von Deutschland aus angerufen worden, habe das Gespräch aber nicht angenommen, so BILD und RBB mit Hinweis auf „Sicherheitskreise“. Die Presse stellte laut die falschen Fragen: wer könnte das gewesen sein und warum? Diese Fragen wären gegenüber den Sicherheitsbehörden zu stellen gewesen, denn diese müssen es wissen.

Die Überwachung des Telefones von Chekatt scheint als einer der wenigen Bestandteile einer Geschichte glaubwürdig zu sein. Vorausgesetzt, Chekatt war dumm genug, immer den gleichen Anschluß zu verwenden.

Schließlich stand der Mann auf der Liste der „Gefährder“ und wurde zumindest zeitweise auch offiziell überwacht. Die richtigen Fragen wurden nicht gestellt: erfolgten Versuche einer Telefonortung, wie dicht war die Überwachung seiner Person durch Polizei und Geheimdienst, wer war dafür verantwortlich und letztlich, inwieweit existierte eine Verquickung der Dienste mit Chekatt? Eine Quelle aus dem Innenministerium (Staatssekretär) habe jedenfalls gesagt, dass Chekatt aktiv überwacht worden sei. Das allein gab kein gutes Bild ab.

Das Drama wurde nicht lange hinausgezögert und bekam noch am Abend des 13. Dezembers ein kleines standesgemäßes Finale ohne irgendeine Überraschung. Der von den Behörden als wenig mutmaßlich genannte Verdächtige wurde von Polizeikugeln als total „neutralisiert“ gemeldet. Total tot.

In der Rue du Lazaret“ im Stadtteil Neudorf soll dies zwischen 21.00 und 21.30 Uhr geschehen sein. Drei Beamte der Sondereinheit BST, die zuerst mit einem Fahrzeug an dem wie ziellos herumschlenderten Verdächtigen vorbeigefahren sein sollen, hätten Chekatt für eine Kontrolle angesprochen, woraufin dieser versucht haben soll, in das Gebäude mit der Hausnummer 74 zu flüchten. Als ihm dies nicht gelungen sei, habe er auf die Polizisten geschossen, welche daraufhin zurückgeschossen hätten.

Nach einer anderen späteren Version sei Chekatt den Beamten aufgefallen, weil dieser versucht hätte, hektisch in ein (offensichtlich versperrtes) Haus zu gelangen, woraufhin sie den Mann angesprochen hätten. Der Mann habe sich umgedreht und sofort geschossen.

Wir wissen nicht, wie sich die Geschichte in der Rue du Lazaret tatsächlich zugetragen hat. Wir wissen auch nicht, was Chérif Shekatt dort (noch) zu tun gehabt haben und wo er sich vorher befunden haben soll. Erstaunlicherweise ist diese Feststellung bislang nicht gemeldet worden, obwohl sie von zentraler Bedeutung ist.

Die Beamten der Sondereinheit hatten jedenfalls ganze Arbeit geleistet. Laut ihrer Darstellung in legetimer Notwehr hätten sie laut französischen und schweizerischen Medienberichten ganze 14 Mal auf Chekatt geschossen. Das wirkt ein wenig panisch, aber verständlich bei Todesangst, doch kann es auch anders interpretiert werden.

 

Chekatt tot im Hauseingang 1

Das Bildmaterial von dem Ergebnis des Schießens lässt eine Notwehrsituation seitens der Polizei nicht wirklich erkennen. Die Füße von Chekatt befinden sich ganz dicht an der Tür im Hauseingang und markieren seinen letzten sprichwörtlichen Standort. Die Lage der Leiche, im obigen Screenshot hübsch angeleuchtet, erweckt eher den Eindruck, als hätten die Polizisten dem Mann in den Rücken geschossen, woraufhin dieser nach hinten umgefallen war.

Allerdings ist in diesem Fall die Lage des linken Armes mit der Hand auf der Brust kaum vorstellbar, so dass es wahrscheinlich ist, dass der Körper zuvor wenigstens zur Hälfte gewendet worden war, und zwar über die linke Körperachse. Spuren von einem Versuch, hier noch erste Hilfe zu leisten, fehlen.

 

Chekatt - Haustür 1

Die Beschuss-Schäden am Hauseingang lassen einige Rückschlüsse zu. Es fällt auf, dass die Seitenwände keinerlei Spuren einer Schusswirkung aufweisen, weder links noch rechts.

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Chekatt - Hauseingang 3

Das bedeutet, dass die BST-Beamten, welche geschossen hatten, sich direkt vor dem Hauseingang befunden haben müssen. (Hinter einem Fahrzeug oder nicht, das sei dahingestellt).

An der Haustür haben wir elf Defekte durch Geschosse feststellen können, einen weiteren Defekt sehen wir als unklar an.

Hierbei fällt auf, dass diese durch Schusswirkung verursachten Beschädigungen einen Bereich zwischen ungefährer Schulterhöhe und den Füßen umfassen. Drei dieser befinden sich in Höhe der Füße. (Wo sich auch der unklare Defekt befindet).

 

Chekatt - Haustür 4

Drei Schussdefekte finden sich im Bereich der Beine/Oberschenkel und weitere drei in Höhe von Hüfte/Bauch.

 

Chekatt - Haustür 5

Zwei Geschosse hatten die Tür in etwa Brüsthöhe getroffen, wovon eines den Metallrahmen glatt durchschlagen hatte.

 

Chekatt - Haustür 6

Chekatt - Haustür 7

In Kopfhöhe ist keine Beschädigung an der Tür zu bemerken. Dafür ist mit bloßem Auge festzustellen, dass die Schützen zwei unterschiedliche Waffen verwendet hatten.

 

Chekatt - Haustür 8

Chekatt - Haustür 9

Auf dem Screenshot links das Einschussloch eines kleineren Projektils, welches auf die Verwendung des NATO-Kalibers hinweist und möglicherweise aus einer MP stammt, rechts das größere Einschussloch, welches sich auf 9mm-Pistolenmunition deuten ließe. (Was hier mangels Möglichkeit der genauen Messung nur auf den optischen Eindruck geschlossen werden kann).

#Chekatt - Haustür 1

Zusammenfassend kann vorläufig bemerkt werden, dass sich die als Chérif Chekatt bezeichnete Person ganz dicht an der Tür und beim Türknauf befunden haben muss, als er von den Polizeikugeln getroffen worden war. Mindestens zwei Schützen hatten mit unterschiedlichen Waffen auf den Mann gefeuert, wovon einer unter Umständen nur die Beine anvisiert hatte. Der Pistolenschütze dagegen hatte auf den Rumpf des Mannes gezielt.

Ein schnell in den Umlauf gebrachtes Foto von der Leiche zeigte diese mit verpixeltem Gesicht. Die Spurensicherung hatte offensichtlich ihre Arbeit noch nicht aufgenommen. Oberhalb des Kopfes liegt ein alter Revolver auf dem Pflaster, welcher bereits als ein Ordonanzrevolver aus dem 19. Jahrhundert identifiziert wurde. Diese Waffe ist übrigens nicht für ein schnelles Abfeuern geeignet und besitzt eine lange Ladezeit, wenn der Besitzer ungeübt ist und über keine Ladetrommel verfügt.

 

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Blutspuren sind auf dem Bild minderer Qualität nicht zu sehen, was aber nichts bedeutet, da die Winterkleidung vorerst über das Volumen verfügt, die Flüssigkeit aufzunehmen. Die Kapuze der Winterjacke ist immer noch über den Kopf gezogen. Diese ist im vorderen Bereich stark mit Fell ausgefüttert, was eine Ahnung von der Schwierigkeit geben sollte, aus einer gewissen Distanz eine Identifizierung vornehmen zu können.

Das selbe Foto mit einem unverpixelten Gesicht zeigt nach den vorherigen Eindrücken eine Situation, die verstört.

 

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Obwohl an der Haustür nichts darauf hinweist, dass diesem Mann in den Kopf geschossen worden war (d.h. auf Spuren eines „Fehlschusses“, Durchschusses), weist die Leiche eindeutig Kopfverletzungen auf. Einmal auf der linken Schläfe, die aufgrund der Größe eine Austrittswunde vermuten lässt, und einmal auf der rechten oberen Stirn, wo das Blut entgegen der auf dem Bild ersichtlichen Lage und auch der mutmaßlichen vorherigen Lage von oben nach unten in Richtung Nasenbein abgeflossen war.

Unserer Wahrnehmung nach wurde diesem Mann von der Seite in den Kopf geschossen, ob dies quasi vorsätzlich und aus nächster Nähe geschehen sein könnte, kann nur durch die Ballistiker geklärt werden. Das die auf dem Bild abgebildete Person an der Tür nicht sofort umgefallen, sondern noch während der auf ihn gerichteten Schüsse zusammengesackt war, kann nicht ausgeschlossen werden. Eindeutig ist, dass für zumindest einem der Polizeischützen der Gedanke, den Verdächtigen lebend zu „neutralisieren“, nicht im Vordergrund gestanden haben kann.

Letztlich kann nur eine neutrale Befundung der Spurensicherung vor Ort genauere Aufschlüsse erlauben.

Donnerstag
27
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 3.

 

Fassen wir kurz zusammen, um es uns besser zu vergegenwärtigen:

11. Dezember 2018. Altstadt Straßburg. Weihnachtsstimmung wird überall verkauft, während gleichzeitig der Ausnahmezustand herrscht. Hohe Dichte an Polizei und zum Antiterror-Dienst abgeordnete Soldaten auch und besonders in der Altstadt.

Irgendein Unbekannter schießt plötzlich ab 19.50 Uhr in Seitenstraßen mit einer Faustfeuerwaffe auf irgendwelche Menschen, und weil dies nicht reicht, hat er auch ein Messer in der Hand.

Polizei und Militär sind erst einmal auf Draht, sie stellen den unbekannten Täter, liefern sich Schußwechsel, einmal, zweimal, vielleicht auch dreimal. Eine ganze Meute ist bewaffnet auf Trab, der Funkverkehr glüht. Und dann ist der Täter plötzlich verschwunden. Trotz der hetzenden Meute in Sichtkontakt, trotz der Situation, dass die Altstadt nur über Brücken verlassen werden kann, deren Kontrolle notwendig wie einfach zu bestelligen gewesen wäre.

Nicht einmal drei Stunden später werden am späten Abend über inoffizielle Kanäle das Foto eines Mannes mit dem Namen „Chérif Chekatt“ in die Öffentlichkeit lanciert, von dem es heißt, dass es sich bei dieser Person um den mutmaßlichen Attentäter handeln würde. Die Quelle kann natürlich nur aus einer Polizeibehörde stammen.

Diese beginnt ihre offizielle Fahndung allerdings erst am folgenden Tag, wobei weder ihre Verspätung erklärt wird noch die aktuelle Beschreibungen des Gesuchten wie Kleidung oder bildhafte Belege geliefert werden. Die Fahndung reduziert sich allein auf einen Namen und Polizeifotos eines Mannes. Ohne Bart. Vielleicht aber auch mit Bart. Wo optisch Unsicherheit herrscht, so wird jede Unklarheit über die genannte Person sofort ausgeräumt, denn Teile der Kriminalakte dieser Person, einem notorischen Einbrecher und Räuber, werden ebenfalls öffentlich gemacht.

Der Täter bleibt vorerst verschwunden, während öffentlich über mögliche Motive spekuliert oder die Frage nach einem islamistischen Hintergrund gestellt wird. Die Behörden zieren sich zuerst, tendieren dann aber wie erwartet zum „islamistischen Terror“. Neben dem Polizeiapparat kommt auch die politische Show ins Rollen. Beileid, Solidarität, Kampf gegen Terror, das Zusammenrücken untereinander – an Stelle von Demonstrationen gegen die Regierung.

Am Nachmittag des 12. Dezember wird der Fahndungserfolg veröffentlicht, welcher bereits am 11. Dezember vor 23 Uhr geglückt sein soll. Ein Taxifahrer soll der Polizei erzählt haben, dass er vor deren Nase den Gesuchten als Fahrgast transportiert und diesen auch noch in dessen Wohnviertel gefahren habe. Fahrzeit 10 Minuten, gleich nach nebenan von der heißen Polizeizone. In diesen zehn Minuten habe der Verdächtige seine Tat dem Taxifahrer freundlicherweise gestanden, so dass dieser, verschont vom mordunlustigen Fahrgast, sich habe sofort an die Polizei wenden können.

Der Geständige, ein schlauer Hund, habe aber seinen Namen nicht genannt, weswegen erst die Spitzendedektive der französischen Polizei einen Zusammenhang zu einem angeblich mißglückten Festnahmeversuch herstellen mussten, welcher trotz peinlichem Imageschadens umsichtigerweise zuvor permanent medial platziert worden war. Auch die penetrante Erwähnung der „Messer“ als durchwegs banale Fundstücke in der durchsuchten Wohnung bekam nun einen Sinn. Hatte der Attentäter nicht auch mit einem Messer herumgefuchtelt?

Es mag jeder für sich selbst beurteilen, ob diese Geschichte der französischen Behörden glaubwürdig erscheint oder nicht.

Nach unseren Erfahrungen mit den Fällen „Charlie Hebdo“, „Bataclan“, „Brüssel“, „Berlin“ oder auch der dubiose angebliche „Amoklauf von Winnenden“ vertrauen wir den offiziellen Angabe nicht eine Fingerbreite. Die bisherige und nachgewiesene Verlogenheit der Behörden, der innen- und außenpolitische Kontext, sämtliche kriminelle Strukturen innerhalb der Systeme, die wiederkehrenden Muster lassen in unseren Augen nicht die geringste Glaubwürdigkeit zu.

Es ist zudem auffallend, wie bei derartigen Anschlägen die Attentäter verschwinden können, um dann an anderer Stelle auftzutauchen und erschossen zu werden, ohne dass die Übereinstimmung der Identitäten bewiesen werden konnte. Auf das Leben des „Chérif Chakett“ hatte von uns am 12./13. Dezember niemand wetten wollen, zu vorhersehbar schien diese Geschichte dramaturgisch gestaltet. Vielleicht war der Mann selbst überrascht gewesen, als plötzlich überall sein Polizeifoto gezeigt worden war.

Weitere Brocken wurden an diesem Tag von den Behörden in die Runde geworfen. So wurde erzählt, dass die mutmaßlichen drei Komplizen des Raubüberfalls von Chakett, wegen dem letzterer hatte ursprünglich festgenommen werden sollen, verhaftet worden wären. Der Zeitpunkt wurde aber nicht erwähnt, was nicht unwesentlich ist, da eine Verhaftung nur als paralleles Ereignis hätte erfolgreich durchgeführt werden können.

Wie auch immer, es wurde somit dargestellt, dass die Polizei neben der einen Panne immerhin dreimal professionell gearbeitet habe. Warum aber das angebliche Versagen ausgerechnet bei Chekett zu vermelden, der dadurch erst in das Zentrum eines tragischen Ereignisses gerückt werden konnte, es blieb nach wie vor wie ein schwarzer Fleck kleben.

Unterdessen wurde daran gebastelt, die Person Chérif Chekatt, den notorischen Kriminellen, mit einem islamistischen Hintergrund zu versehen. Neben dem Gerede, dass sich dieser Mann in der islamistischen Szene herumgetrieben haben soll, also irgendwann zwischen seinen Einbruchstouren und Knastaufenthalten, und dem weiteren Gerede, dass im Gefängnis irgendetwas und zuvor nicht bemerktes „religiöses“ mit ihm geschehen sein soll, sollte dies mangels Beweise seitens der Polizei mit einer Akten-Datei bewiesen werden.

Diese Sicherheitsakte „Fiche S“ wurde medial als bedeutsam herumgereicht. Chérif Chekatt soll hier als möglicher und „radikalisierter“ Gefährder der nationalen Sicherheit geführt worden sein. Den Inhalt dieser Akte bekam allerdings niemand zu Gesicht, und so war es eben nur eine Geschichte, deren Beweiskraft unsichtbar blieb, aber fleißig nachgequatscht wurde. Die mehrfach kolportierte Angabe, dass sich Chekatt ab 2016 auf dieser „Fiche S“ befunden haben soll, musste jedenfalls barer Unsinn sein. Chekatt hatte sich ab Frühjahr 2016 für ein Jahr in deutschen Gefängnissen befunden, bevor er im Frühjahr 2017 nach Frankreich abgeschoben worden war. Und in Deutschland war den dortigen Beamten kein religiöses Getue aufgefallen.

Mit Blick auf die Opfer fällt sofort auf, dass es sich bei zwei der Todesopfer, denen offenbar aus nächster Nähe in den Kopf geschossen worden war, sichtlich um Nicht-Franzosen handelte. Sie stammen aus Thailand und Afghanistan und schauten auch danach aus. (Die drei weiteren Todesopfer waren frz., ital. und poln. Nationalität).

Wie die französische Justiz zu ihrer Erkenntnis gekommen sein will, dass es sich bei Chérif Shekatt um einen angeblich radikalen „Islamisten“ handeln würde, blieb im Verborgenen. Die lustige Erzählung, dass in Chekatts französischer Gefängniszelle bei seinem ersten Einsitzen als 19jähriger im Jahre 2008 ein Poster von Osama Bin Laden gehangen sein soll, kann als Beleg nicht die Spur ernst genommen werden. Osama Bin Laden war ein Mann des US-Auslandsgeheimdienstes CIA gewesen, ein Mitarbeiter für verdeckte Operationen, die mit islamistischen Söldnern durchgeführt wurden.

Ein Fingerzeig?

 

Montag
24
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 2.

 

Am Vormittag des darauffolgenden Tages, dem 12. Dezember 2018, wurde der angebliche Verdächtige in Gestalt eines Chekatt Chérif nun auch in offiziellen Quellen nicht nur als dringend Tatverdächtiger öffentlich präsentiert und zur Fahndung ausgeschrieben, sondern gleich seine komplette kriminelle Vita von den frz. Polizeibehörden mitgeliefert.

Chekatt Fahndung

Auch dieser Vorgang einer Polizei, medial eine Vorverurteilung des hingestellten Verdächtigen zu bestellen, ohne gleichzeitig einen Beweis für eine Behauptung vorzulegen, hatte Parallelen zu reichlich dubiosen Attentaten wie „Charlie Hebdo“, „Bataclan“, Brüssel oder Berlin. Der Konsument der durch die Massenmedien verbreiteten Mitteilungen durfte sich somit die Meinung der Behörden zu eigen machen, dass es sich um Chérif um einen „schlimmen Finger“ handelte, dazu um einen Araber algerischer Abstammung. Und somit um einen vermeintlich plausiblen Täter.

Der Vorgang zur angeblichen Identifizierung, dass es sich bei Chérif um den Attentäter gehandelt haben soll, wurde immer noch nicht erzählt. Stattdessen erhielt die Geschichte über den gescheiterten Festnahmeversuch in seiner Wohnung einen Baustein hinzu. Angeblich will die Polizei darin eine geladene Faustfeuerwaffe, einige „Messer“ und „Granaten“ gefunden haben, aus denen dann eine Granate, Munition und vier Messer wurden, zu denen sich wahlweise ein „Gewehr“ gesellte.

Obwohl auch medial über das Motiv des Attentäters keine Antwort herbeispekuliert werden konnte, wurden bereits Brocken gestreut, welche einen islamistischen Hintergrund zumindest in Erwägung zogen. So gab es Gerüchte über Zeugen, die ein angebliches „Allahu Akbar“ des Attentäters gehört haben wollen. Da wurde davon geredet, dass Chérif Chekatt (und auch sein Bruder) als angeblich islamistisch radikalisiert „gegolten“ hätten, wenn auch nur bei den französischen Behörden.

Diese vermeintliche Radikalisierung sei angeblich im Gefängnis geschehen, worüber eine eigene Akte angelegt worden sein soll („Fiche S“, Gefährder für Nationale Sicherheit). Also dort, wo unter Aufsicht der Justiz auch vorherige Attentäter ihren wahren Willen erkannt haben wollen. Die Behörden wollten sich in ihren Mitteilungen noch nicht auf einen islamistisch motivierten Anschlag festlegen, tendierten aber bald doch dazu, ohne dass eine Grundlage dafür existierte. Letztlich war es auch egal, was die Tat selbst anbelangte, denn es fehlte neben dem Täter auch das Motiv. Alles andere konnte nur Gerede sein.

Die Süddeutsche Zeitung hatte dann online etwas zur Identifizierung des Attentäters zu melden. Der Mann wurde anhand von Aufnahmen von Sicherheitskameras identifiziert“, hieß es dort. Diese Behauptung wurde allerdings nirgends verifiziert und ist aufgrund der Gegebenheiten wie dem Zeitfaktor, Dunkelheit, Winterkleidung, Dutzendgesichter innerhalb zweier Stunden schlichtweg auszuschließen. Der Raum des Verschwindens und gegebenfalls die Art und Weise hätten dagegen in den folgenden Stunden ausgeforscht werden können, allein das war offenbar kein Thema, hätte aber eines sein müssen.

Bilder von Überwachungskameras gab es für die Öffentlichkeit kein einziges, obwohl das Erscheinungsbild und die genaue Kleidung des mutmaßlichen Täters eine Fahndung zweifellos unterstützt hätte. Handelte es sich hierbei um ein unprofessionelles Versäumnis oder um eine Fluchtbegünstigung für den Täter?

SPIEGEL-online jedenfalls zitierte den Fahndungsaufruf der Polizei. Unter anderem mit den Worten: „Er trage die Haare kurz und habe eventuell einen Bart.“ Nun gut, zumindest trug der Mann auf dem Polizeifoto seine Haare kurz, aber mit dem Bart war sich die Behörde offenbar unsicher. Das bedeutete nichts anderes, als dass kein aktuelles Bild von Chekatt Chérif existierte, auch nicht von einer Überwachungskamera.

Bevor der durchschnittliche Franzose in der Lage war, den bisherigen Sachverhalt und auch das Versagen der Sicherheitskräfte zu erfassen, durfte er sich mit einer neuen von den Behörden ausgeplauderten Information befassen. Dir Polizei wollte herausgefunden haben, dass der mutmaßliche Täter mit einem Taxi entkommen sein soll.

Die Medien transportierten diese Mitteilung mit den Worten, dass Chérif Chekatt in einem Taxi geflüchtet sei. Es hieß auch, er habe ein Taxi gestohlen, woanders wiederum „gekapert“.

Am Nachmittag waren die Medien von den Sicherheitsbehörden mit einer neuen Person gefüttert worden, mit einem Taxifahrer – d e m Taxifahrer.

Die Vorstellung, dass der Täter sich einfach in ein Taxi gesetzt und davongefahren sein soll, mutet kurios an. Eben noch eine angebliche Schießerei mit Soldaten und auf seinen Fersen befindlicher Polizei, also im direkten Sichtkontakt innerhalb einer überschaubaren Distanz, dann die Dreistigkeit, einfach in ein herumstehendes Taxi zu steigen und zu verschwinden. Vollkommen unbemerkt in der von Verkehrshindernissen geplasterten Altstadt, welche den Fahrzeugverkehr regulieren. Über eine der Brücken, wo offenbar freie Fahrt gewesen sein soll.

Was soll das gewesen sein? Doppeltes Glück für den vermeintlichen Täter? Für die frz. Polizei schien es sich um keine „Panne“ gehandelt zu haben, sondern um eine Erklärung des Verschwindens.

Französische Medien reichten die Verlautbarungen der Behörden weiter, nachdem dieser Taxifahrer in seinem Funk-Fahrzeug eine Verwundung seines Fahrgastes am linken Arm festgestellt haben will. Angeblich soll es sich in das Viertel Neudorf, gleich südlich der Altstadt, fahren lassen. Demnach in das ihm bekannte Heimatviertel, quasi nach Hause, „nicht weit von einem Polizeiposten“. Nebenbei soll der dem Taxifahrer unbekannte Fahrgast aus einer uns unbekannten Laune heraus erzählt haben, dass es sich bei ihm um den Killer handeln würde. Der Mann soll demnach ein Geständnis abgelegt haben.

Der Taxifahrer habe sich natürlich daraufhin an die Polizei gewendet, was nachvollziehbar erscheint, und ihnen von dem angeblich Erlebten erzählt. Die Aussagen des Taxifahrers hätten es der Polizei ermöglicht, den mutmaßlichen Attentäter mit der Razzia am Morgen in Straßburg in Verbindung zu bringen und zu identifizieren“, hieß es dann unter anderem bei „ZEIT-online.

Wie dieser Rückschluß erfolgt sein soll, wurde nicht genannt. Doch nun wurde deutlich, dass zwischen der herausposaunten angeblichen Polizeipanne um die mißlungene Verhaftung am Vortag, die wegen schlechter Reputation für die Polizei auch hätte unterdrückt werden können, und dem Taxifahrer ein Zusammenhang bestand: es war das Konstrukt einer Identifizierung innerhalb zweier Stunden. Die vorab platzierte „Polizeipanne“ sollte so offensichtlich den Logikschluß ermöglichen, denn ohne diese Platzierung wäre Erklärungsnot angesagt gewesen.

Da hätte der unbekannte Fahrgast neben seinem Geständnis auch seinen Namen oder besser noch: seinen Ausweis hinterlegen müssen. Wie wir wissen, haben diese Formen der „Identifizierung“ mittlerweile massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Das ist auch gewissen „Sicherheitsstrukturen“ in Frankreich bekannt.

Freitag
21
Dezember 2018

Straßburg 2018. Teil 1.

 

Die Proteste der so genannten „Gelbwesten“ hatten die französische Regierung um den Ziehsohn des Großkapitals, dem Präsidenten Macron, gehörig unter Druck gesetzt. Unter dem Eindruck der Bilder, dass die frz. Staatsgewalt brutal „gegen das eigene Volk“ vorging, es bereits 5 Todesopfer gegeben hatte, waren seitens der Regierung notgedrungen erste Signale für Zugeständnisse ausgestreut worden.

(Also bevor Macron medial als „Diktator“ hingestellt werden könnte, welcher aus seinem Amt gebombt werden muss, um anschließend ein „moderates“ Marionetten-Regime mit saudischem Personal unter US-Oberhoheit zu installieren…).

Ein Mordanschlag in der Straßburger Innenstadt am 11. Dezember kam dann für die frz. Regierung nicht wirklich ungelegen, zumal dieser mit bekannten Schlagwörtern wie Terrorismus, Islamismus und Weihnachtsmarkt verknüpft wurde. Das weckte Assoziationen an vorherige Dramen wie jene von „Charlie Hebdo“ 2015 , Brüssel und dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016.

Möglicherweise war das auch beabsichtigt

Statt Demonstrationen und Forderungen der Gelbwesten-Bewegung war nun wieder Terror in den Schlagzeilen. Noch mehr Polizei und Militär, weitere Einschränkungen der Bürgerrechte, die Aufforderung der Regierung an das gemeine Volk, doch bitte jetzt besser zu Hause zu bleiben. Zusammenrücken unter dem Terror statt Demonstrieren gegen soziale Ungerechtigkeiten. Rückkehr zur Ruhe und Ordnung, wie Macron zuvor auf dem EU-Gipfel noch gefordert hatte. Denn das hatte er gerade nötig.

Offensichtlich ist auch unter der französischen Bevölkerung das Mißtrauen gegenüber dem Innenministerium und ihrer Regierung gewachsen. In der öffentlichen Meinung wurde in zahlreichen Kommentaren und auch bei den „Geldwesten“ das Attentat wie ein bestelltes empfunden. In Erinnerung an die Ungereimtheiten der Attentate von Paris 2015 sowie Brüssel und Berlin 2016, deren Aufklärungarbeiten sich eigenartig ins Nirwana begeben hatten, schienen Verdächtigungen in Richtung staatliche Strukturen langsam plausibel zu werden.

Wie in vorhergegangenen Fällen ist es wieder einmal die Polizei selbst, welche die gegen sie gerichteten Verdächtigungen unterfütterte. Sie lieferte eine Geschichte, deren Wahrheitsgehalt bis dato nicht zu überprüfen war, gleichzeitig aber empfindliche Löcher aufwies, die nach altbekanntem Muster kaschiert oder konstruiert werden sollten.

Der Fall selbst gestaltete sich am 11. Dezember 2018 in der Altstadt von Straßburg wie die Tat eines durchgeknallten Verrückten. Eine unbekannte Person soll in der Nähe des auf dem Place Kléber befindlichen Weihnachtsmarktes ab etwa 20 Uhr in Seitenstraßen wie unmotiviert Passanten mit einer Faustfeuerwaffe und einem Messer angegriffen, letztlich mehrere Menschen getötet und noch mehr teilweise schwer verletzt haben.

In der Altstadt von Straßburg ist wie überall in Frankreich die Polizei und das Militär mehr als überdurchschnittlich präsent, sie sind mit absolut allen Vollmachten wie die eines Polizeistaates ausgestattet, dennoch konnte der Täter entkommen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass dieser Mann am äußeren Rand der besagten Altstadt wenig später von Soldaten angeschossen worden sein soll. Zumindestens behaupten dies die Behörden, die von zweimaligen Schusswechseln erzählen, aber es nicht erklären können, wie ein gesichteter und angeschossener Verdächtiger sich habe der Festnahme entziehen können. Zumal die Altstadt von Straßburg nur über die Brücken verlassen werden kann, also dort, wo nach einem derartigen Vorfall jeder halbintelligente Polizist samt Militär den Weg sofort versperren müsste. Da die Innenstadt von Straßburg wiederum mit Überwachungskameras üppig ausgestattet ist, wäre einer zielgerichteten Fahndung nichts mehr im Wege gestanden.

Leider hatte es nicht funktioniert. Woran es auch immer gelegen haben mag: zu wenig Kompetenz, trotz vieler Polizisten und Soldaten letztlich zu wenig oder Polizeikräfte an den Brücken, die nur ihre eigenen Leute durchgewunken haben könnten – wir wissen es nicht. Wir kennen nur die Angabe aus dem frz. Polizeipräsidium, dass sich die Spur des unbekannten Mörders verloren haben soll. Irgendwo in der Altstadt, welche dem mittelalterlichen Sicherheitsbedürfnissen zu Folge auch heute noch von Wasser umgeben ist.

Außerdem gab es nirgendwo eine Meldung, ja, nicht einmal ein Gerücht, dass der Verdächtige die Altstadt durchquert haben könnte, um eine südliche oder westliche Brücke für seine Flucht zu erreichen.

Offenkundig war es in Straßburg trotz Terroralarm zu einer „Polizeipanne“ gekommen. Dies wurde von niemanden herausgestellt, denn bevor man sich hatte in Erinnerung rufen können, wie die Altstadt sich bei eigenen Besuchen dargestellt hatte, hatte die Polizei nur drei Stunden später einen überraschenden Fahndungserfolg förmlich aus dem Hut zaubern können.

Gegen 23 Uhr, also etwa drei Stunden nach den Morden, soll der angebliche Täter bereits identifiziert worden sein. Diese Verlautbarung aus Paris fand eine Stunde später auch Eingang in österreichische Massenmedien wie den „STANDARD“. Zur selben Zeit wurde über Kanäle wie Twitter ein Foto des Verdächtigen samt vollständigen Namen – Chekatt, Chérif – unters Volk gebracht. Das es sich hierbei um Daten von der Polizei handelt, welche dieselbigen lanciert hat, sollte logisch sein.

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Es ist nicht das erste mal, einen angeblich Verdächtigen auf derartigem Wege bloßzustellen und gewissermaßen eine Vorverurteilung vorzubereiten. Wie es nur drei Stunden nach der Tat und dem Verschwinden des Täters zu der angeblichen Identifizierung des angeblichen Täters gekommen sein soll, darüber schwieg sich die Polizei aus. Das heißt, dass die Polizei eine Behauptung tätigte, welche sie vorerst nicht beweisen wollte oder konnte.

Zumindest schien dieses Mal sein Paß nirgendwo am Tatort hinterlegt („verloren“) worden zu sein, wie das bei anderen Anschlägen gerne der Fall gewesen sein soll.

Stattdessen wurde noch in selbiger Nacht eine andere Geschichte kolportiert, welche französische „Polizeiquellen“ dem Sender „France Info“ gesteckt haben sollen. Nach dieser Erzählung habe Chérif Chekatt am Morgen des 11. Dezembers wegen Mordversuchs bei einem Raubüberfall verhaftet werden soll. Doch was für eine Frechheit, der Mann sei nicht zu Hause gewesen.

Warum diese Geschichte von „Polizeiquellen“ an die Medien weitergereicht worden war, erschloß sich ohne Hintergrundinformationen nicht. Handelte es sich um eine bloße Gehässigkeit, um bestimmte Beamte in den eigenen Reihen bloßzustellen? Normalerweise beschmutzt niemand das eigene Nest. Die Motivation, eine Polizeipanne in die Öffentlichkeit zu tragen, welche zudem reichlich stümperhaft anmutete, war oberflächlich betrachtet nicht zu entdecken.

Von den Handlungen zwischen dem „Morgen“ und dem Abend wurde dagegen nichts erzählt. Offenbar schien diese Information im Gegensatz zu einer angeblich zuvor stümperhaft durchgeführten Verhaftung entbehrlich.

Mittwoch
19
Dezember 2018

Schlösser-Burgen-Ruinen im Bezirk Wr. Neustadt

 

Schlösser – Burgen – Ruinen

Das niederösterreichische Industrieviertel, Bezirk Wiener Neustadt

Rüdiger Rohde

ISBN: 978-3-99028-812-2
31 x 28 cm, 156 S., zahlr. Abb., Kt., Hardcover
€ 34,00
Neuerscheinung

https://www.bibliothekderprovinz.at/buch/7428/

Freitag
14
Dezember 2018

Begegnung – Improvisation im Duett

 

Begegnung Silvio

 

Aber vorher, am 30. November 2018, 19.30 Uhr, ein Auftritt in Wr. Neustadt, im Kunst-Atelier der Lebenshilfe, FuZo Neunkirchener Straße.

 

Begegnung Silvio 2

 

Donnerstag
29
November 2018

Schlösser-Burgen-Ruinen – im österreichischen Industrieviertel, Stadt und Bezirk Wr. Neustadt

 

Schlösser-11

 

Schlösser-12

 

 

Freitag
23
November 2018

Passt auch nicht.

 

Man möchte meinen, Bauten aus weit vergangenen Zeiten – Mittelalter, Renaissance, Barock – hätten es als sichtbare Teile eines kulturellen Erbes verdient, entsprechend präsentiert zu werden. Zum Beispiel mit der Erschaffung einer „Schauseite“. 

Wr. Neustadt hat eine andere Lösung gefunden, wie ein Besuch an der südlichen Schauseite vermittelte. 

 

Passt-auch-nicht

 

Links das Gebäude des Tennisplatzes, rechts das neue chice Hotel im 70er-Retro-Look – und in der Mitte die Beton-Baustelle vor dem Kulturerbe.

Damit sich jeder Besucher selbst ein Bild von dem Charakter der Stadt und ihrer Entscheidungsträger machen kann. Und das kann auch nicht verkehrt sein. 

 

Montag
19
November 2018
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