Bedürftig

Bedürftig. Wirklich bedürftig.

Wann ist eine Person, ein Mensch, bedürftig? Wirklich bedürftig? Heerscharen von Ärzten und anderen Psychologen, Sachverständigen, Sozialarbeitern, Anwälte und Richter haben sich daran versucht und befunden.

Und die AKM.

Die AKM, der Hüter der Musiker- und Autorenrechte, hat uns versichert, dass bei Verwendung lizenzpflichtiger Musik bei nicht kommerziellen Veranstaltungen nur aus einem einzigen Grund von der Einhebung der Tantiemen und Gebühren abgesehen werden kann.

Dabei handelt es sich um Benifizveranstaltungen, bei denen nicht nur alle Künstler auf eine Gage und auch auf Kostenzuschüsse etc. verzichten, sondern deren finanzieller Erlös – sollte es einen geben – ausschließlich bedürftigen, aber auch wirklich bedürftigen Menschen zukommen muss. Nur dann kann eine Ausnahmeregelung seitens der AKM in Kraft treten.

Bernd Bieglmaier hat sich dieser Sachlage angenommen und entdeckt, dass auch er von bedürftigen Menschen umgeben ist. Dies veranlasst ihn, eine Rubrik zu eröffnen, in welcher in loser Reihenfolge, vielleicht alle zwei Wochen, ein besonders bedürftiger Mensch vorgestellt werden soll.

 

(Foto: RÜBE).

 

Am Ende wird eine unabhängige Jury aus dem vorgestellten Kreise der Bedürftigen den „Bedürftigen des Jahres“ wählen, welchem wir, der Kulturverein BOLLWERK, eine Benefiz-Veranstaltung widmen möchten.

Bernd Bieglmaier versichert, dass er als Initiator dieser Wahl persönlich nicht daran teilnehmen darf, kann und auch will.

Obwohl… Seine Chancen wären womöglich nicht schlecht gewesen.

 

(Foto: RÜBE).

 

Wir dürfen gespannt sein!

 

 

http://www.bollwerk.co.at/2012/01/30/1-kandidatin-claudia-p/

http://www.bollwerk.co.at/2012/02/06/bedurftig-2-kandidat-herr-r/

 

 

BEDÜRFTIG – 1. Kandidatin: Claudia P.

Fast wäre es wie am Schnürchen gelaufen, das weitere Leben der Frau P., doch ein Schicksalschlag veränderte das Leben von Claudia P. augenblicklich.

Nur einen Tag vor ihrem ersten Arbeitstag in der städtischen Bücherei stürzte Frau P. mit dem Fahrrad, wobei sie hart auf das Pflaster aufschlug – mit dem Gesicht. Neben den Schmerzen trug Frau P. einen Nasenbeinbruch, eine Gehirnerschütterung und einige Prellungen davon.

Sie konnte daraufhin ihre neue Arbeit in der Stadtbücherei, auf welche sie sich so sehr gefreut hatte, nicht antreten. Dies zog eine gewisse Mißbilligung nach sich, auch Gerede, ganz zu schweigen von den finanziellen Einbussen.

Ihr Freund, Herr R., hatte anfangs noch über das neue Erscheinungsbild, welches er im Gesicht der Frau P. vorfand, schmunzeln können. Doch dann identifizierte er sie mit ihrer symethrischen Pflasterorgie auf der Nase als eine Klingonen-Frau, mit der er bereits zu Enterprise-Zeiten hatte nie etwas anfangen können. Er wandte sich ab.

Von ihm verlassen vereinsamte Frau P. zunehmend, da ihr Krankenstand auch keinen Aufenthalt außerhalb ihrer Wohnung zuließ. Ihre Tochter war zu arm, um die Reisekosten für einen Besuch aufzubringen, Freunde sprachen plötzlich von einem schlechten Karma, welches Frau P. umgeben würde. Sie kamen nicht mehr, genau so wenig wie der Werbeverteiler, der noch zuvor monatelang konsequent ihren Postkasten zugemüllt hatte. Die Wertkarte des Telefons leerte sich im Zuge der zahlreichen Telefonate um Hilfe, der Fernseher war bereits seit Jahren abgemeldet und entsorgt, das kaum vorhandene Guthaben auf der Bank infolge der Inflation zusammengeschmolzen und schließlich verschwunden.

Frau Claudia P. sah bereits das Aus vor sich, als wir sie trafen. Wir gaben Ihr Hoffnung, weil wir Ihr eine Plattform für Bedürftige versprachen und sie als eine der Kandidatinnen auswählten. Frau P. hat unsere unbedingte Aufmerksamkeit, und vielleicht wird sie es in die Endausscheidung schaffen.

Wir drücken Ihr die Daumen!

Montag
30
Januar 2012

 

Bei Herrn R. begann es bereits vor etwa 25 Jahren. Eine zerquetschte Zehe des rechten Fußes und eine klaffende Wunde unter dem linken Fuß, die nie richtig verheilte, zerstörten alle sportlichen Ambitionen. Das war noch im Ausland gewesen.

Vor 20 Jahren hielt das linke Sprunggelenk den außergewöhnlichen Belastungen nicht mehr stand, vor 15 Jahren beide Knie. Vor 10 Jahren wurde Arthrose bei den ausgeschlagenen Hüftgelenken festgestellt und vor 5 Jahren der erste Bandscheibenvorfall. Diese Vorfälle wurden seitdem nicht weniger.

Die anderswo bewährten Hausmittel wie Schokolade, Kaffee und Zigaretten besorgten den Rest. Der körperliche Zerfall kroch bei Herrn R. den Hals hinauf, ließ seine Zähne zerbröseln und die Augen trüb werden. Und dann kroch es tief in seinen Kopf hinein, in sein Hirn.

Herr R. sah nicht das Ende vor sich, dazu war er nicht mehr in der Lage. Als wir ihn trafen, machten er uns diesen Umstand ungewollt deutlich. Der Schaden im Kopf schien irreperabel.
Kein Zweifel, dieser Mann ist bedürftig, wirklich bedürftig. Und er ist ein Kandidat für den “Bedürftigen der Woche”. Mindestens.

Montag
06
Februar 2012

Bedürftig – 3. Kandidat: Herr Lang

 

Bernd Bieglmaier musste mit seinem Team gar nicht lange suchen, um außerhalb seiner Familie wieder einen Bedürftigen zu entdecken. Dieser Bedürftige befand sich nur eine Etage tiefer.
Dieser Mann bat uns, zwecks Wahrung der Anonymität seinen Vornamen nicht zu nennen. Diesen Wunsch kamen wir natürlich gerne nach.

Als wir den besagten Herrn Lang trafen, prahlte er anfänglich damit, dass er allein während seiner Musiker-Karriere 1.189 Frauen “besessen” habe.

Das war auch für uns eine beeindruckende Zahl, doch erkannten wir das Problem dahinter nicht. Nicht sofort. Wir stellten uns daher auf ein eher kurzes Gespräch ein.

Bis uns Herr Lang eröffnete, dass er diese Frauen jeweils nur einmal hatte, und zumeist noch nicht einmal richtig. Das Geständnis von Herrn Lang, dass “er” zu kurz wäre und sich ein Verhältnis zu den genannten Frauen deswegen nie fortgesetzt habe, ließ uns sehr betroffen werden.

Wir hörten ihm zu. Wir hörten ihm sehr lange zu. Aber helfen konnten wir dem Herrn Lang auch nicht.

Es gibt Frauen, die behaupten, dass es gar nicht schlimm sei, dass es auf die Länge nicht ankommen würde.

Aber das greift zu kurz. Wir wissen, dass diese Frauen lügen und wählen daher Herrn Lang zu dem Bedürftigen der Woche.

 

 

Bedürftig – 4. Kandidat: Herr Michael S.

 

Bernd Bieglmaier brauchte dieses Mal noch weniger weit zu gehen. Er sah den Kadidaten im Fernsehen. Er sah ihn in der Zeitung und in Magazinen. Er sah ihn auf Plakaten. Er hörte ihn im Radio. Er entdeckte ihn im WWW – den Herrn S.

Herr Michael S. hat derzeit das Amt des Vizekanzlers und gleichzeitig das Amt des Außenministers inne. Diese Doppelbelastung wird ihm durch ein äußerst üppiges und durch Steuergelder finanziertes Gehalt versüßt.
Zu recht, wie wir meinen, denn wir wissen, wie hart es ist, zweimal die selbe Scheiße unter das Volk zu bringen.

Das macht diesen Mann natürlich noch nicht bedürftig, denn es scheint seinem Beruf geschuldet zu sein. Oder seiner Auffassung. Den Anspruch auf Bedürftigkeit, welchem wir ihm nicht verwehren wollen, erwirbt er sich auf letztere Weise.

 

In seiner Rolle als österreichischer Vizekanzler musste Herr Michael S., Jahrgang 1959, immerhin recht alt werden, um urplötzlich zu erkennen, wie ein Defizit entsteht. Indem man mehr ausgibt als einnimmt. Das ist nicht neu, das ist jedes Jahr so, das Defizit, nicht die Erkenntnis des Herrn S.

So kann es keine Überraschung sein, dass es nicht seine eigene Erkenntnis gewesen ist, nicht gewesen sein kann, denn wer bis zum 10. Lebensjahr noch nicht darauf gekommen ist, wird normalerweise in spezielle Lerneinrichtungen transferiert, um dort möglichst schonend auf eine zukünftige gesellschaftlche Integration vorbereitet zu werden.

Aber nicht so der Herr S., der konnte mit seinen offensichtlichen Mängeln Außenminister und Vizekanzler werden. Weil es immer wieder nette Menschen gibt, die ihm diese und jene Informationen zukommen lassen. Er muss sie nicht verstehen, er muss sie sich nur merken und nachplappern, besser noch: ablesen. Diese netten Menschen kommen häufig aus Übersee, wo Herr S. so viele Freunde hat. Sie sind so nett, dass sie sogar ungebeten Informationen zukommen lassen. “Raten” nennen sie das. Das Land von Herrn S. “raten” und Herrn S. etwas raten. Natürlich vollkommen uneigennützig, ist doch klar.

Herr Michael S. nahm diesen Ball nur zu gerne auf, um öffentlich auf eine zusätzliche Zinsbelastung von etwa 3 Milliarden Euro hinzuweisen, sollte “sein” Land eine Bonitätsherabstufung durch seine US-amerikanischen “Freunde” erfahren. Leider vergaß er zu berichten, wer dieses erneute Vermögen erhalten würde – und nun auch erhält.

Herr S. konnte in seiner Funktion als Vizekanzler sogleich Vorschläge einbringen, um dieser weiteren Belastung aufgrund des vermeintlichen Rechen- und Verständnisfehlers zu entgehen. Zum Beispiel mit einer so genannten “Schuldenbremse”, einer Absichtserklärung im Verfassungsrang. Kostet nämlich nichts, was schon sehr positiv daherkommt, bewirkt dummerweise aber auch nichts. Stattdessen sah es sogar maximal dumm aus, denn auch andere waren auf eine ähnliche Idee gekommen – vor ihm.

Nun, die Schulden sollen ohnehin nicht “gebremst” werden, weil alle Länder mit ihrer beabsichtigten Schulden- und Zinspolitik das Großkapital bedienen und auch weiterhin bedienen sollen. Es soll nur noch schneller gehen, diese nicht deklarierte Umverteilung von unten nach oben. Aus irgendeinem Grund ist aber dieser Umstand nie bei Herrn S. angekommen. Stattdessen kam er freundlicherweise den Bedürfnissen einiger weniger vermeintlicher Freunde nach, deren Forderungen er gerne an die Massenmedien weiterleitete: Kürzungen von Leistungen des Staates, natürlich auch die Privatisierung von lukrativen Unternehmen, damit Freunde auch weiterhin Freunde bleiben würden, weiterer Abbau der Demokratie und gleich noch die Abgabe von Souveränitätsrechten nach Brüssel, um nicht nur deren gierigen Vermögenszugriff auf das Volkseigentum zu verbessern.

Aber man würde ja was dafür bekommen, hatte Herr S. in einem Interview gesagt. Aber wer ist das: “man”? Er, der Herr Michael S.? Seine Freunde? Irgendwen muss er ja damit gemeint haben. Alle anderen bekommen nämlich nichts. Was soll außerdem “was” sein, was man angeblich bekäme?
Stattdessen warnt der Herr S. so gerne medial. Nein, nicht etwa vor seiner eigenen Person, sondern vor den anderen, den anderen wenigen Ländern, die unter sich ausmachen würden, was in der EU geschehe. Nur ist ausgerechnet Michael S. genau der, in dessen Verantwortungsbereich dieses Faktum fällt und genau die Person in Österreich, die alles dafür tut, damit es auch so bleibt. Noch dazu ist die EU alles andere als eine demokratische Einrichtung. Bizarrerweise hat Herr S. bereits davon gehört, denn auf die Frage, wie man das Demokratie-Defizit auf EU-Ebene beheben könne, hatte er sofort eine gescheite Antwort parat: durch ganz starke Signale!
Na, dann signalisieren Sie mal ganz stark, Herr S.!

Uns blieb in der Redaktion jedenfalls die Spucke weg. Da wir nun wirklich nicht annehmen wollen, dass Herr S. als Vizekanzler in korrupter- und verräterischerweise den Interessen des Auslands und der internationalen Finanzkonzerne dient, müssen wir ihm bei den unüberbrückbaren Widerspüchen seiner hohlen Worthülsen und seines Handelns bzw. Nichthandelns den Status eines besonders dummen, inkompetenten, verantwortungslosen, schizophrenen, asozialen Bedürftigen zweifellos anerkennen.

 

 

Bedürftig – 5. Kandidat: Peter W.

In einem einschlägigen burgenländischen Tanzlokal traf Bernd Bieglmaier den wärmebedürftigen Exilwiener Peter W. Dieser zeigte sich sichtlich gezeichnet von der kalten und für ihn schlimmsten Jahreszeit.

Mit Zornesfalten, von den ständig in sich selbst hineingebrüllten Durchhalteparolen bereits so tief wie Gletscherspalten, und mit Pupillen, gerade mal so groß wie zwei Stiche einer Stecknadel, berichtete er von seinen Qualen und Zwängen der letzten Monate.

“Der Winter mants net guat mit mir. Seit November bin i oabeitslos und meine AMS-Berater hom mi scho drei moi an ihre kollegen weidagebn. Ständig vagiss i wos, wia die Suppn aufn Herd oder des Bagett im Rohr. I ko überhaupt nimma relaxen weu ma dauernd koid is. I fü mi ständig vakrompft und hob scho überhaupt ka Lust zum ausse gehen. Am liabstn tat i mei Bett glei in mein Schwedenofen einestölln.”

Peter W. klagte weiters über ständige Migräne, hervorgerufen durch die eisigen Westwinde sowie die zunehmende soziale Isolation durch Wärmeisolierung.

Wo immer er einen Holzofen entdecken würde, verriet Peter W., möchte er gleich ein Holzstück nachlegen. Innere Stimmen würden es ihm befehlen. Seine Freunde hätten sich von ihm wegen seines exzessiven Holzverbrauches bereits abgewendet, auch wenn sie ihn wegen seinem Organisationstalent früher gerühmt hatten.

Auch schäme er sich wegen seines mittlererweile üblen Körpergeruches, da er alles, was er besitzen würde, der Wärme wegen längst am Körper trage und somit gar nichts weiter zum Wechseln hätte. Bernd Bielmaier brauchte in der Tat die Angaben über die zweite Haut nicht zu überprüfen, hatte doch seine große Nase deren Richtigkeit bestätigen können.

Aber hier in der kleinen burgenländischen Kulturgemeinde zähle das alles nicht, meinte Peter W., hier wärme er sich gerne auf und könne dem Winter so richtig den Stinkefinger zeigen. Hier gäbe es zahlreich brennende Öfen und neben heißen Beats auch noch heiße Pommes und hie und da ein paar heiße Bräute.

Bernd Bieglmaier wurde warm ums Herz. Denn es ist so schön, derartig bedürftigen Menschen zu begegnen, die dennoch nicht den Mut verlieren.

Halte durch, Peter!

 

Bedürftig – 6. Kandidat: Werner F.

 

Herr F. leidet. Aber er sagt es nicht.

Zu wenig Anerkennung in schwierigen Zeiten, wo man dem Pöbel auf der Straße irgendwie erklären muss, dass es sich bei den Griechenlandhilfen um gute Geschäfte für das eigene Land und seinem Pöbel handeln würde. Oder dieser wahnwitzige Euro-Rettungsschirm, mit der absurden Erklärung, dass es sich nur Haftungen handeln würde, also gar nicht wirklich real sei. Auch ein gutes Geschäft, nicht wahr? Denn Geld ist genug da, es wird ja laufend bei der EZB gedruckt. Deswegen auch eine Fiskalunion, die einem auch die so große Verantwortung bei gleichem Gehalt abnehmen würde. Und die Inflation… tja, mathematisch scheint sich Herr F. auf dem Niveau seines Kumpels Michael S. zu bewegen. Wie war das nochmal mit Plus und Minus gewesen? Egal, hauptsache, sein Land Österreich habe in der Krise von der EU profitiert.

Lieber Werner, diese Ihre öffentliche Überzeugung nennt man dann “Plus”. Plus im Minus, genauer gesagt.

Herr F. leidet. Aber er sagt es nicht.

Zu wenig Aufmerksamkeit in schwierigen Zeiten. Wie das so ist, wenn man so auffällig unauffällig ist. Und wie das so ist, wenn man dann etwas sagen zu müssen glaubt, dabei aber unverbindlich, unkonkret und nichtssagend bleibt.

Auch sein plötzliches Null-Bekenntnis, ein “glühender Europäer” zu sein, hatte für Schmunzeln gesorgt, war er zuvor als – beispielsweise – Asiate nicht in Erscheinung getreten.

Doch man macht sich keine Freunde, wenn man ins Hauptquartier nach Berlin bestellt wird, um sich nach den dortigen Interessen zu erkundigen. Auch macht man sich keine Freunde, wenn man irgendwelche bewaffneten Terroristen als legitime Regierungsverteter anerkennt – jedenfalls keine echten Freunde.

Das macht einsam, lieber Herr F.

 

Herr F. leidet. Aber er sagt es nicht.

Zeigen möchte er es auch nicht. Herr F. musste bedauerlicherweise feststellen, dass man auf diese Weise, auf seine Weise, keine Freunde gewinnt. Aus dem Gefühl der Einsamkeit heraus sollte ein Facebook-Account Abhilfe schaffen. Denn dort würde es Freunde geben, viele neue Freunde, so die Annahme. Ganz schnell sogar. Jeder würde das schaffen.

Nur Werner F. hat es nicht geschafft.

Doch anstatt sich um das Verständnis zu bemühen, was eine Freundschaft konkret ist und wie sich dieselben entwickeln, litt Herr F. derartig, dass er sich seine neuen Freunde bestellen ließ.

Nun, in seiner Funktion als Bundeskanzler kann es sich Herr F. zumindest leisten. Knapp 85.000,- Euro aus Steuergeldern für den Start eines “Social-Media-Auftritts” gehen sich da noch aus, genau so wie die jährlichen 37.000,- Euro zur Betreung der eigenen Website, App, Twitter und eben Facebook.

Gute Freunde sollen einem auch etwas wert sein, soviel hat Werner F. jedenfalls verstanden.
Falsche Freunde allerdings nicht, weswegen wir Sie, lieber Werner F., zum Bedürftigen dieser Woche küren.

 

Bedürftig – 7. Kandidat: Klaus S.

 

Unser heutiger Kandidat für den Bedürftigen der Woche heißt Klaus S.

Der Verlust eines Auges war für ihn anfänglich nicht viel mehr gewesen als eine optische Tradition. Denn schon seine Urahnen, die seinerzeit im Verbund der Vegalienbrüder mit ihren Kanonen-Holks die Nord- und Ostsee unsicher gemacht hatten, waren traditionsbewusste Menschen gewesen. Menschen mit Weitblick.

 

Über seinen Beruf mochte sich Herr S. nicht äußern, und wir vertreten hier die Ansicht, dass es uns auch nichts angeht. Schließlich geht es hier um den Verlust des zweiten – und letzten – Auges des Herrn S. und dem daraus resultierenden Umstand, dass es ihm die sofortige Arbeitslosigkeit eingebracht hatte. Der Augenblick zählt, hatte er uns erklärt, und nicht das, was früher einmal gewesen sein könnte.

 

Und in diesem Augenblick braucht Herr Klaus S. unsere Unterstützung. Nicht in Form einer geschobenen Partie, sondern in Form von Verständnis für seine Not und die Aussicht, bei den Bedürftigen ganz vorne dabei zu sein. Denn er hat auch eine Familie. Das habe ihm seine Frau unmißverständlich nahegelegt, erklärte Herr Klaus S. Und die habe den Durchblick.

 

Da aber 90% der Bevölkerung ohnehin auf beiden Augen blind ist oder sogar vorsätzlich ihre vorhandenen Augen verschließen, wird hiermit dem Herrn S. der Status eines Bedürftigen der Woche nur ganz knapp zuerkannt. Denn auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn.

 

Bedürftig – 8. Kandidat: Arthur Z.

 

Kandidat Arthur Z.

 

Bernd Bieglmaier kannte Herrn Arthur Z. nicht, als er ihm bei einem Spaziergang mit seinem Hund im Park begegnete. Er hätte ihn wohl auch nicht beachtet, hätte nicht sein Hund, diese treue wie gutmütige Seele, wie wild bei Herrn Z. angeschlagen. Bernd Bieglmaier wurde mißtrauisch und beschloß, der Reaktion seines Hundes auf den Grund zu gehen. Er stellte Fragen.

Herr Z. erklärte umgehend, dass er bedürftig wäre, wirklich bedürftig. Bernd Bieglmaier blieb mißtrauisch und sein Hund ebenfalls, nur etwas weniger subtil. Zwar war eine gewisse Ängstlichkeit bei dem Mann auf der Parkbank zu erkennen, doch ansonsten vermochte Bernd Bieglmaier keine echten Anzeichen der Bedürftigkeit bei Herrn Z. zu entdecken. Er fragte, ob es sich bei diesem Mann um einen Simulanten handeln könnte, er fragte andersherum, ob eben diese fehlenden Anzeichen einer Bedürftigkeit nicht doch verdächtig sein würden, er fragte…

Nichts mehr, als Herr Arthur Z. unter dem Druck der vielen Fragen zusammenbrach und zugab, dass man ihm seine Seele geraubt habe. Ein Paparazzi habe ihn “erwischt”, als er aus seinem Haus gekommen war. Das grelle Blitzlicht habe ihn geblendet und abgelenkt, so dass er zuerst gar nicht bemerkt hätte, wie das Gerät ihm seine Seele genommen habe. Nun sei sie fort und auch nicht mehr zurückgekommen, berichtete Herr Z. mit Tränen in den Augen.

 

Der Hund beruhigte sich, als sich sein Herrchen, Bernd Bieglmaier, zu Herrn Z. auf die Parkbank setzte und diesen in seine Arme nahm. Als wenn er gewusst hätte, wie grauenhaft sich das anfühlen würde, so ganz ohne Seele, in seinem Fall ohne Hundeseele. Bernd Bieglmaier erzählte später in der Redaktion, dass auch er es nicht wisse und er in seiner Vorstellung an automatisierte, nach Schmierstoffe stinkende menschliche Hüllen denken würde. Er sah hier den Fall eines besonders perfiden Raubes, da nicht greifbar und kaum sichtbar und daher extrem tragisch für die Opfer.

Auch die gesamte Redaktion kam zu keinem anderen Schluß, als den Herrn Z. zum neuen Bedürftigen der Woche zu erklären, da ihm seine Seele unverschuldet geraubt worden ist. Ganz im Gegensatz zu jenen Personen, die ihre Seele freiwillig verkauft haben und tagtäglich schamlos ihre entmenschlichten Charaktere in den Massenmedien zur Schau stellen, um menschlichen Menschen nach deren Seelen und deren Leben zu trachten.

 

 

Bedürftig – 9. Kandidat: Vasile R.

 

Bernd Bieglmaier war wieder unterwegs. Nicht um irgendwelche Bedürftigen, wirklich Bedürftigen, an irgendwelchen Orten aufzulesen, sondern um ganz banal einkaufen zu gehen. In den wunderschönen Einkaufspassagen seiner kleinen Stadt. Dort, wo man sich dem Konsum frönen konnte, um die Alltagssorgen für einige Augenblicke zu vergessen und keine Gedanken außerhalb der eigenen Lokalität zuzulassen. Ganz wie gewünscht.

Bernd Bieglmaier las den Bedürftigen nicht auf, er stolperte über einen. Gleich neben der Filiale, wo man nicht Nahrung, aber Übersee-Essen kaufen konnte.

Herr Bieglmaier erkannte einen am Boden sitzenden Mann, der dort nicht hingehörte. Er passte weder zur Hausfassade noch zum Asphalt, nicht einmal farblich.

 

Dies war für Bernd Bieglmaier freilich kein Grund, in dem freundlichen Mann, der sich als Vasile R. aus R. vorstellte, einen Bedürftigen zu sehen. Auch nicht, als dieser erklärte, dass die Kleidung, die er trug, sein einziger Besitz sei. Wusste Bernd Bieglmaier doch, dass Besitzlosigkeit auch Freiheit bedeutete. In gewisser Weise jedenfalls.

Doch so einfach machte es ihm Herr R. nicht. Dieser verwies auf seine Beine, von denen er nur noch eines besaß, demnach das andere nicht mehr besaß. Herr Bieglmaier erblickte hierin nun eine stark eingeschränkte Freiheit und begann sich für das Leben von Vasile R. zu interessieren.

Er setzte sich hinzu und bot Herrn R. eine Zigarette an.

Bernd Bieglmaier erfuhr daraufhin die ganze Tragödie des Vasile R., der vor Monaten noch ein ganz normaler Mann gewesen war. Mit Versprechungen habe man ihm nach Österreich gelockt, das Versprechen nach ein wenig Wohlstand. Er habe seinen Pass abgeben müssen, um in den Fußgängerzonen verschiedener Städte arbeiten zu dürfen. Aber man sei unzufrieden gewesen über seinen zu geringen Ertrag. Erst nachdem man ihm ein Bein abgenommen habe, sei es besser für ihn gelaufen. Und für seinen Chef natürlich.

 

Da die Erträge des Chefs für die klar wahrnehmbare Bedürftigkeit des Vasile R. allerdings keine Rolle spielten, dafür aber die Not und die Konseqenzen aufgrund der Einbeinigkeit seines Gesprächspartners, kam Herr Bieglmaier nicht umhin, Hernn Vasile R. als einen Bedürftigen der Woche vorzuschlagen.

Um dessen Not zu lindern, entschloß sich Herr Bieglmaier sogar, Vasile R. jene Münzen auszuhändigen, die Passanten zwischenzeitlich auch ihm zugeworfen hatten.

 

 

Bedürftig – 10. Kandidat: Schlomo M.

 

Schlomo M. ist kein Hund. Er schaut nur aus wie einer. Schlomo M. ist ein Mensch, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Hund hat. Er ist nicht der einzige, aber er ist anders.

 

Schlomo ist kein gebürtiger Österreicher, er kam aus dem Ausland zu uns. Aus einem ausländischen Gefängnis, genauer gesagt. Er wurde dennoch in Österreich liebevoll aufgenommen.

Schlomo ist wie andere Menschen auch. Er interessiert sich für Essen und Trinken, für Zärtlichkeiten und “Liebe machen”, für Jagd, Sport und Spiel. Schlomo ist Pazifist, er rauft auch nicht, er wurde bislang gerauft.

Schlomo ist wie andere Menschen auch. Manchmal etwas faul, an viele Sachen nicht interessiert, aber dennoch gerne präsent um Aufmerksamkeit heischend. Fast immer macht er das, was man ihm sagt, wie andere Menschen auch. Und er ist auch nicht immer ganz helle im Kopf, wie andere Menschen auch.

Nicht anders ist es zu erklären, das er schneller als das Auto sein wollte. Die meisten Menschen wissen vorher, dass diese Vorhaben niemals gut ausgehen kann.

Schlomo weiß es jetzt.

 

Auch wenn es Schlomi, wie ihn seine Freunde und auch seine mehrfach Bekannten aus der Klinik nennen, wieder geschafft hat, sich in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu drängen, halten wir, die Bedürftigen-Redaktion, den Preis – Verbrennungen, Prellungen, Fleischwunden, beleidigte Augen und Ohren, Gehirnerschütterung und was noch alles – doch als etwas zu hoch für ein bischen Teilnahme.

Mit der Hoffnung, dass Schlomi nächstes Mal schlauer sein wird, wählen wir ihn hiermit zu dem aktuell Bedürftigen der Woche.

 

Bedürftig – 11. Kandidat: Franz F.

 

Fernsehen erzeugt Geschichten. Fernsehen ist Phantasie. Fernsehen bedeutet Verkauf. Fernsehen bedeutet Meinungsbildung.

Natürlich nicht die eigene, ist doch klar!

Dass Fernsehen auch Leere bedeutet, musste unser Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier sogar innerhalb seiner eigenen Vewandtschaft feststellen.

Tante Frieda F. hatte ihren Neffen Bernd aufgeregt um sofortiges Erscheinen gebeten, da mit Onkel Franz F. einiges nicht mehr zu stimmen schien. Sie mache sich große Sorgen.

Bernd Bieglmaier fand nach seiner Ankunft seinen Onkel Franz apathisch in seinem Sessel sitzend vor. Mit einem gesenkten, starren Blick. Er war nicht ansprechbar. “Er redet seit gestern nix mehr”, berichtete Tante Frieda, um darafhin zu beteuern, dass sie bereits alles versucht habe. Auch mit Schnaps und Bier. Vergeblich.

 

Was war geschehen? Diese Frage musste Bernd Bieglmaier stellen, so unangenehm sie auch sein mochte. Nichts, wie seine Tante versicherte, nichts, bis auf den Kurzschluss, welcher das TV-Gerät, den Fernseher “erledigt” hatte.

Bernd Bieglmaier hatte nun eine Spur, ein Indiz. Der Fernseher ließ sich tatsächlich nicht mehr einschalten, das Gerät war tot. Es flackerte nicht und es sprach auch nicht mehr. Er sprach also nicht mehr zu seinem Onkel Franz F., und vielleicht könnte hierin, wie Bernd Bieglmaier scharfsinnig kombinierte, die Ursache für den Totalausfall bei seinem Onkel zu finden sein. Da der Fernseher nicht mehr zu ihm sprach, hatte folglich sein Onkel nichts mehr zu reden. Weil nichts mehr da war.

Der Tante Frieda gefiel dies nicht. Sie fühlte sich unbehaglich und stellte den Begriff “Spekulation” in den Raum.

Wir von der Bedürftigen-Redaktion halfen hier gerne weiter, beseitigten unbürokratisch alle Spekulationen und spendeten einen bereits vor vielen Jahren entsorgten, aber funktionstüchtigen Fernseher. Dies verschafft zwar nicht die geringste Bildung, aber immerhin ein Bild.

Franz F. war danach wieder der Alte. Franz F. war wieder unter Kontrolle.

Bis zum nächsten Ausfall.

Franz F. ist definitiv ein Bedürftiger der Woche. Und er ist nicht allein.

 

Bedürftig – 12. Kandidat: Talib-A. N.

 

Den heutigen Kandidaten traf Bernd Bieglmaier am Bahnhof, wo er sich neue Zigaretten kaufen wollte.

An Bahnhöfen hängen gewöhnlich viele Menschen herum, doch Talib A. stach aus ihnen heraus, weil er nicht nur etwas verloren, sondern auch deplaziert wirkte.

Bernd Bieglmaier war neugierig. Er suchte das direkte Gespräch. Und er hatte recht. Talib -A. N. war nicht nur deplaziert, er war auch verzweifelt, weil das Drogengeschäft ganz schlecht für ihn lief. Es lief gar nicht.

 

 

Talib-A. N. ist ein Flüchtling aus Afghanistan. Damals, im Jahre 2000, hatte er noch zu den “Guten” gehört, da hatte ihm die pakistanische ISI eine fundierte Ausbildung ermöglicht, man hatte ihm Geld von den radikalen Saudis gegeben und er hatte unter Aufsicht seiner strategischen Partner aus Übersee für Ordnung im Land gesorgt. Zumindest so lange, bis dieser strategische Partner sich unzufrieden mit den Geschäftsbeziehungen gezeigt und unter dem Vorwand von Terrorismusbekämpfung und Frauenrechte seinen Mißmut mit Bombenteppichen und anderem Übel zum Ausdruck gebracht hatte. Talib hatte rechtzeitig das Land verlassen und um Asyl in Österreich angesucht. Dort hatte er dann 2003 über die Medien die Botschaft des Anführers aus Übersee vernommen, dass seine Glaubensbrüder vernicht worden wären. Talib-A. N. war froh gewesen, dass wenigstens er hatte entkommen können.

Talib hatte es zwar geschafft, führte aber seiner Ansicht nach das Leben eines Hundes. Er selbst durfte nichts, er musste machen, was andere ihm sagten. Und das war auch nichts. Dann hatte er Hoffnung verspürt, als urplötzlich seine Glaubensbrüder in seinem Land trotz massiver Besatzung wieder vorhanden waren. Zuerst vernichtet, dann wieder da. Und wie! Nicht nur das, es soll seinen Glaubensbrüdern sogar gelungen sein, trotz des massiven Militärapparates und totaler Luftüberwachung der Fremden das dortige Mohn- und Heroingeschäft an sich zu reißen und sogar jedes Jahr weiter auszubauen. Mit immer größeren Schlafmohnfeldern, immer größeren Heroinfabriken und einer immer besseren Infrastruktur. In jeder Zeitung war dies zu lesen gewesen.

Ein Wunder, hatte Talib-A. N. geglaubt, ein Wunder! Denn eine andere Erklärung konnte es nicht geben. Auch wenn es für Talib nicht nachvollziehbar blieb, wie seinen Glaubensbrüdern die Unsichtbarkeit gelungen sein soll, so schien er doch zu verstehen, dass eben diese seine Glaubensbrüder sich nun einem Geschäft zu widmen schienen, welches sie zuvor, bis zur Invasion durch die Fremden, allein aus religiösen Motiven strikt abgelehnt hatten. Wegen dem Geld natürlich, das sie nun benötigten, wegen dem Einkommen, wegen der Notwendigkeit, neue Glaubensbrüder auszubilden und neue Handfeuerwaffen zu kaufen, um sich den feindlichen Jagdbombern und Drohnen der Besatzer zu erwehren. Das schien logisch.

Bernd Bieglmaier hörte freundlich zu. Er verstand Talib. Aber irgendwie auch nicht, denn im Gegensatz zu Talib-A. N. gehört Bernd Bieglmaier keiner Sekte an. Irgendetwas schien innerhalb seiner Logik zu haken.

Nicht so bei Talib, da Religion nicht unbedingt etws mit Logik zu tun hat. Bei ihm machte es sich auf ganz andere Weise bemerkbar. Und das war es, was ihn zur Verzweifelung brachte: er lebte immer noch wie ein Hund, weil das Drogengeschäft nicht lief, weil sein Drogengeschäft nicht lief. Weil er von seinen Glaubensbrüdern keinen Stoff bekam, den er hätte “verticken” können.

Warum dem so war, konnte Bernd Bieglmaier nun auch nicht sagen, weil er diese Glaubensbrüder nicht kennt. Aber er schaute sich am Bahnhof um und stellte fest, dass es zwar jede Menge Dealer gab, aber niemand so ausschaute, wie Talib-A. N. Nicht nur das, Bernd Bieglmaier erfuhr – natürlich nur ganz im Vertrauen, dass der Stoff ausschließlich von europäischen Pragmatikern geliefert wurde. Und die wären alle “Weiße”, wie sogar die “Schwarzen” bestätigten.

Bernd Bieglmaier unterrichtete anschließend Talib von seinem Befund, doch wollte dieser, in der Erziehung des Glaubens groß geworden, dem keinen Glauben schenken.

Und weil Talib-A. N. auch heute noch glaubt und seiner Gefühle nach das Leben eines Hundes führt, küren wir ihn mit seiner ganzen persönlichen Tragödie zum Bedürftigen der Woche.

Auch wenn Talib-A. N. kein gebürtiger Österreicher ist – er ist auch einer von uns.

 

Bedürftig – 13. Kandidat: Erwin Z.

 

Stolz war er gewesen, als er seine zweiten Zähne bekommen hatte. Ja, damals war er noch ein Kind, wie sich Erwin Z. erinnerte.

Mit den zweiten Zähnen kamen allerdings auch die Karies, bevor er noch als Jugendlicher galt. Dafür gab es zwar eifrige Zahnärzte, doch warum diese bei kleinen Kariesstellen ganze Backenzähne aushöhlen mussten, ist Erwin Z. auch heute noch schleierhaft.

Dann, gerade zu einem Mann geworden, bekam er seine erste Krone. Wegen Pfusch verlor er allerdings bald Zahn und Krone, doch wusste der Zahnarzt Rat – eine Brücke musste her.

Das war der Anfang vom Ende, wie Erwin Z. rückblickend feststellte. Eine Notziehung und ein kleiner Unfall kosteten weitere Zähne, die im Verlauf der Dinge zu weiteren Verlusten an Kronen und Brücken führte. Und zu ausgehöhlten Zähnen natürlich.

Krone-Brücke-Nichts.

Seine zweiten Zähne waren auch die letzten gewesen. Das musste Erwin Z. uns in der Bedürftigen-Redaktion nicht erklären, denn es war durchaus ersichtlich. Das geht gar nicht, war in seinem Umfeld der allgemeine Tenor, wusste Herr Z. zu erzählen. Jedem anderen sei ein Zurücklachen im Halse stecken geblieben. Für die Dritten fehlt ihm jedoch heute das Geld, weil seine Zweiten (und die Zweieinhalben) ihm bereits das letzte Hemd gekostet haben.

Herr Z. zeigte sich zwar nicht ganz unzufrieden ob seines wieder symethrischen Mundgefühls, doch wir von der Bedürftigen-Redaktion sahen dennoch gewissen Grund zur Sorge. Wir entschlossen uns, Herrn Z. wenigstens die Chance auf eine Unterstützung zu ermöglichen und küren ihn hiermit zum Bedürftigen der Woche.

Denn auch wir Stubenhocker in der Redaktion wissen, wie schwer es manchmal ist, sich im Leben erfolgreich durchzubeißen.

 

Bedürftig – 14. Kandidat: Stefan R.

Unlängst erreichte uns ein Anruf eines besonders verzweifelten Menschen. Er stellte sich als Stefan R. vor und bat um ein dringendes Gespräch mit unserem Bedürftigen-Reporter Bernd Biegmaier. Man traf sich daraufhin unauffällig in einer unauffälligen Kneipe in einem unauffälligen Viertel.

Unauffällig schien auch das Anliegen des jungen Mannes, mit dem sich Bernd Bieglmaier konfrontiert sah. Stefan R. war jung, dunkelhäutig, knackig und gewitzt. Er hatte ein Jurastudium begonnen und trug große Ambitionen mit sich. Und doch hatte er ein Problem.

Denn vor vier Tagen war er noch hellhäutig gewesen, da hatte er noch zu den “Weißen” gehört. Aber als er vor drei Tagen des Morgens aufgestanden war und sich hatte die Zähne putzen wollen, hatte ihn ein Blick in den Spiegel erstarren lassen. Die Haut war plötzlich dunkel und er selbst zu einem “Schwarzen” geworden. Natürlich war er als Mensch, als Person immer noch derselbe, den die Menschen geschätzt, gemocht, auch geliebt hatten, doch wurde dies zum Teil aufgrund der neuen Äußerlichkeit nicht mehr erkannt.

Seine Freundin, so berichtete Stefan R., habe am Morgen lauter als er geschrien. Seine Eltern, die er daraufhin wegen der Aufklärung des Ereignisses angerufen habe, hätten ihn am Telefon nicht mehr erkannt und sich eine keine weitere Belästigung erbeten. Auf dem Weg zur Uni habe er im Bus zum ersten Mal alleine auf einem Platz gesessen. Trotzdem habe er mitanhören müssen, wie zwei alte Männer der Meinung gewesen waren, dass er doch maximal auf einen Stehplatz Anspruch hätte. Unangenehm sei auch die Erfahrung gewesen, so Stefan R. weiter, dass er am Bahnhof von zwei Polizisten aufgefordert worden war, seine Taschen umzudrehen. Sehr unsanft habe man ihn nach Drogen untersucht, obwohl er derartiges absolut ablehnte. Nachdem er auch noch vor der Uni von einem Werber wegen einer Obdachlosenzeitung angesprochen worden wäre, die er nicht kaufen, sondern zukünftig verkaufen sollte, habe es ihm gereicht. Er sei wieder nach Hause gefahren, aber nicht ohne eine weiteres Mal von anderen Polizisten durchsucht worden zu sein. Seitdem habe er bis zum heutigen Tag die Wohnung nicht mehr verlassen und er wisse nicht, was er noch tun könne.

Wir von der Bedürftigen-Redaktion wissen es auch nicht. Aber wir wissen um die Unmöglichkeit, gewisse gesellschaftliche Vorbehalte zu korrigieren. Besonders in Österreich. So können wir nur die Empfehlung aussprechen, das Jurastudium abzubrechen und Fußballer zu werden. Aber nicht in Italien natürlich. Da Herr Stefan uns gegenüber angab, dass er nicht Fußball spielen könne, bleibt somit nur eine kostspiele Rückoperation übrig, die sich seinerzeit nur der schwerreiche wie labile Michael Jackson hatte leisten können.

Mit der Wahl zum Bedürftigen der Woche hoffen wir von der Bedürftigen-Redaktion, dass Herr Stefan R. zumindest die theoretische Möglichkeit erhält, sich über diesen Wettbewerb der Bedürftigen in die Endausscheidungsrunde zu qualifizieren, um zu jenen Mitteln zu gelangen, die wenigstens den Erwerb der Bleichmittel ermöglichen. Wir wünschen Herrn R. viel Glück!

Bedürftig – 15. Kandidat: Dorothea N.

 

Bernd Bieglmaier erhielt unlängst einen Anruf von einer Frau, die sich am Telefon als Dorothea N. vorstellte. Sie war der Annahme, dass Bedürftige gesucht werden würden. Bernd Bieglmaier musste dem allerdings widersprechen, denn die Bedürftigen brauchten nicht gesucht werden. Sie fanden sich von selbst. So wie Dorothea N.

Bernd Bieglmaier verabredete sich mit der werten Dame im Park. Dort wartete er am vereinbarten Treffpunkt bei einer Parkbank allerdings vergeblich. Glaubte er. Denn dann vernahm er hinter sich auf der Parkbank einen Laut. Hallo?

Bernd Bieglmaier drehte sich um, doch war dort nichts. Er sah nichts.

Ich bin ein Nichts, sagte leise eine weibliche Stimme.

Wer? Wo? Bernd Bieglmaier war irritiert. Er musste schließlich seine Augen ganz weit aufreißen, bis er die Gestalt bemerkte. Zuerst schemenhaft, dann langsam klarer. Diese Gestalt saß auf der Parkbank. Seit einer halben Stunde schon, wie Frau Dorothea N. anmerkte.

Bernd Bieglmaier war höflich genug, um sich sofort zu entschuldigen. Macht ja nichts, ich bin ja nichts, meinte Frau N. mit schwacher Stimme. Und dann plapperte sie auch schon drauflos.


Die Leute würden sie nicht bemerken und über sie hinwegsteigen, berichtete Frau Dorothea N. Man würde sie nicht sehen und nicht hören, als wäre sie nicht vorhanden, und dies nicht nur, wenn sie nichts reden würde. Und wenn sie doch etwas sagen würde, dann wäre es angeblich nichtssagend. Nun würde sie sich auch wie ein Nichts fühlen, beteuerte Frau N., um dann – für Bernd Bieglmaier nichtsahnend – in Nullkommanichts in Tränen auszubrechen.

Das war nicht schön, befand Bernd Bieglmaier, aber warum war dem so? Bernd Bieglmaier begab sich auf Spurensuche, wenn auch kaum Spuren vorhanden waren in dem Nichts. Er versuchte es mit Fragestellungen, um dem Sachverhalt näher zu kommen.

Es waren Fragen nach Gründen der Nichtwahrnehmung, Fragen nach der Bedeutung der eigenen Worte und des eigenen Handelns. Oder auch nach Bedeutungslosigkeit derselben.

Es zeigte sich allerdings, dass Frau Dorothea N. über gewisse Mängel der Selbsteinschätzung verfügte und an Ursachenforschung wenig interessiert schien. Mitnichten, nichts von alledem sei wahr, nichts dergleichen richtig, knallte sie Bernd Bieglmaier um die Ohren. Nein, nie nicht und ganz und gar nicht, behauptete sie, weils sie nichts damit zu tun habe. Sie beschuldigte unseren Bedürftigen-Reporter daraufhin, viel Lärm um Nichts zu machen, bezeichnete sein Bemühen als Null und Nichtig, um anschließend zu erklären, dass sie weiter dazu nichts mehr zu sagen hätte, denn sie wolle sich nicht vernichten lassen.

Nichtdestotrotz zeigte sich Bernd Bieglmaier bemüht, gemäß dem Spruch: nichts ist alles, bis aber auch er die andere Hälfte dieses Spruches anerkennen musste: alles ist nichts. Und Frau Dorothea N. vereinte alles an Nichts in sich, das volle Nichts quasi, welches auch noch verteidigt wurde. Wie sich schlußendlich sogar Bernd Bieglmaier im Nichts befand, gefühlt natürlich, löste sich Frau Dorothea N. vor seinen Augen im Nichts auf.

Da ihre Bewerbung bei den Bedürftigen dennoch Gültigkeit hat, sehen wir uns von der Bedürftigen-Redaktion zur folgenden Stellungnahme veranlasst:

Liebe Frau Dorothea N.!

So geht das natürlich ganz und gar nicht. Wir wissen um den Umstand, dass es eine Kunst ist, aus Nichts etwas zu machen, so wie es depremierend sein kann, aus dem Vollen des eigenen Geistes und der Mittel heraus nur nichts zustandezubringen. Aber so einfach mir nichts Dir nichts unseren verdienten Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier in seinem Bemühen um Aufklärung stehen zu lassen, hinterlässt außer dem Nichts gar nichts weiter. Dass im größten Teil unserer Gesellschaft die Mentalität des “Nichts-hören” und “Nichts-sehen” vorherrschend ist, ergibt sich ein “Nicht-wissen” zwangsläufig, weswegen es auch nichts zu sagen geben kann – von nichtiger Polemik abgesehen.

Damit das Bisherige nicht für Nichts und wieder Nichts ist, möchten wir ihnen vorschlagen, es mal alternativ mit einem kraftvollen “Alles oder Nichts” zu versuchen, schließlich soll ja nichts unmöglich sein. Denn wie sagt man so schön: von nichts kommt nichts, nicht wahr?

Liebe Frau Dorothea N., geben Sie sich einen Ruck, denn es nützt ja nichts. (Das “Nichtsnutz” verkniffen wir uns). Sie müssen ganz dringend an sich arbeiten. Wir unterstützen Sie dabei. Und küren Sie zur Bedürftigen der Woche.

Bedürftig – 16. Kandidat: Selknam K.

 

Als wir kürzlich um 8.00 Uhr unsere Redaktionsstube öffneten, stand bereits ein Mensch vor der Tür. Er fragte uns nach Herrn Bieglmaier und wir antworteten ihm, dass dieser sich im Außendienst bei den Bedürftigen befände. Der Mann sagte uns, dass er in eben dieser Angelegenheit zu uns gekommen sei. Und so baten wir ihn ins Büro.

Kollegen fragten hinter vorgehaltener Hand, was denn das für ein Vogel sei. Oberflächlich betrachtet, sah er auch ein wenig anders aus, aber was bedeutete das schon? Er stellte sich uns als Herr Selknam K. vor.

Selknam wer?

Herr K. erklärte uns, dass er ein Nachfahre der letzten Feuerland-Indios sei. Zumindest halb, denn zuletzt hatte noch sein Vater aus Eberau, Süd-Burgenland, mitgemischt. Nun sei er Österreicher kroatischer-indianischer Herkunft.

Wir fragten ihn, was er von uns, von der Bedürftigen-Redaktion erwarte. Beistand, erwiderte Herr Selknam K., ganz viel Beistand sogar, denn er befand sich auf der Flucht vor der Polizei.

Herr K. machte uns neugierig, das wollten wir nun genauer wissen. Hatten wir es mit einem Justizopfer zu tun?

Und so erzählte uns Herr Selknam K. seine kurze Geschichte. Jahrelang habe er mitansehen müssen, wie burgenländische Siedler um seine kleine Hütte herum ihre Häuser bewohnt und die Wege benutzt hatten. Jahrelang habe er nichts gesagt. Aber seitdem ihm klargeworden war, dass er nicht nur Österreicher, sondern auch Europäer war, sei er hinausgegangen und habe auf die Siedler geschossen. Er habe auch seine Freunde dazu ermutigt, auf die Siedler zu schießen und ihnen 100,- Euro pro Kopf versprochen. Aber dann sei die Polizei erschienen und er habe flüchten müssen.

Wir in der Redaktion waren entsetzt. Nur 100,- Euro! Ist ein Menschenleben nicht mehr wert? Herr Selknam K. rechtfertigte sich mit dem Schicksal seiner Vorfahren in Feuerland, auch wenn er nun die Seiten getauscht haben wollte. Dámals waren die immigrierten Europäer in die Wälder und in die Dörfer Feuerlands gezogen, um dort alles zu erschießen, was nur irgendwie nach Indio ausgesehen hatte, nicht nur wegen mehr Räumlichkeit und Platz für Schafe, sondern vor allem wegen den ausgesetzten 1 Pfund Sterling pro Indioleiche.

Kniend, 1. von links: Die Ururururururgroßmutter von Selknam K.

Wir konnten leider nicht behaupten, dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, denn Herr Selknam K. hätte sich ja durchaus für 10,- Dollar am Tag von den Amerikanern, Israelis oder Saudis und Katarer anmieten lassen können, um Libyer, Syrer, Libanesen, Iraker, Iraner und einfach nur Afrikaner schiessen zu gehen. Aber das hatte er sich nun verbaut, denn wir mussten ihn anschließend der Polizei übergeben.

Als kleine Geste küren wir den Herrn Selknam K. dennoch – oder erst recht – wegen seiner bemitleidenswerten Amoral und Rechtsauffassung zum Bedürftigen der Woche. Und sollte er jemals aus dem Gefängnis entlassen werden, bekommt er die Chance zur Resozialisierung bei der Jahreswahl der Bedürftigen.

Bedürftig – 17. Kandidat: Michael S. (2)

 

Bernd Bieglmaier sollte uns von der Bedürftigen-Redaktion damit überraschen, dass er uns einen Bedürftigen empfahl, der bereits in den Genuß als Bedürftiger der Woche gekommen war. Zweimal, nein, das ginge nicht, war der allgemeine Tenor in der Redaktionsstube. Von Wettbewerbsverzerrung war die Rede. Es ginge doch, war aber die nachdrückliche Meinung von Bernd Bieglmaier.

Er argumentierte, dass Herr Michael S. zuvor nur in seiner Rolle als Vizekanzler zu seinem Titel gekommen, nicht aber in seiner Rolle als Außenminister. Bernd Bieglmaier legte seine Standpunkte da, und wir diskutierten mit ihm. Und diskutierten und diskutierten und diskutierten… und ließen uns von unserem Experten überzeugen. Herr Michael S. erwies sich als deratig bedürftig, dass wir schlußendlich nicht mehr umhin kamen, ihn ein weiteres Mal vorzustellen. Oder besser gesagt: vorstellen zu müssen.

In seiner Rolle als Außenminister eines angeblich “neutralen” Landes scheint Herr Michael S. mit dem Begriff “Außen” etwas falsch verstanden zu haben. Seine Instruktionen bezieht er gerne von außerhalb, vorzugsweise aus Washington und New York. Dort kann er auch zuhören. Und sollten dort seine Freunde aus der US-Administration wie bei der UNO-Vollversammlung im September 2011 keinen Dialog mit anderen Regierungsvertretern, die ihnen mißliebig sind, wünschen, so kommt er diesen Wünschen gerne nach. Wie an einer unsichtbaren Leine gezogen. Ganz ohne Halsband.

Sein Verständnis für “Neutralität” erscheint deutlich deformiert, wenn Herr Michael S. wie Mai 2012 als kleiner Botschaftsüberbringer der nicht neutralen “EU” davon schwafelte, dass der europäische Staat Bosnien “europareif” werden solle und seinem bosnischen Amtskollegen dazu riet, “rasch die Weichen in Richtung” dieser “EU”, aber auch gleichzeitig in Richtung “NATO” zu stellen, der weltweit antineutralsten und aggressivsten Militärorganisation. Also jener Organisation, welche die Schaffung des Staates Bosnien unter der Führung aus Übersee erst ermöglicht hatte – unter anderem mit massenweise eingeflogenen islamistischen Söldnern und Terroristen. Versüßt wurde bosnische Einbindung mit jährlichen 100 Millionen Euro an EU-Steuergeldern für Bosnien, deklariert als “Vor-Beitrittshilfe”. Sogar einer der politischen Gegner von Herrn S., der Ex-Zivi und nunmehrige Ex-Verteidigungsminister Norbert N., der sich während seiner Amtszeit vor allem selbst verteidigt hatte, kam nicht umhin, sein Entzücken für diese verquere Neutralitätswahrnehmung zu verkünden: “Österreich arbeitet gut mit der “NATO” zusammen.” Sein Chef, der bedürftige Werner F., sah darin sogar einen “Meilenstein”. Schön, wenn man gemeinschaftlich jemand anderem so beflissen zuarbeiten kann.

Michael S. zusammen mit seinem bedürftigen Kumpel Werner F.

In der Bedürftigen-Redaktion ist immer wieder darüber diskutiert worden, ob die Anbiederung an die aggressivsten Militärmächte vielleicht doch einer geschickten Abwehrstrategie entspringt, damit Österreich irgendwann nicht ebenfalls als “Schurkenstaat” bezeichnet werden könnte und im Zuge dessen in den Explosionswolken von “humanitären Bombardements” zu verschwinden.

Dazu könnte durchaus der Besuch der österreichischen Delegation zum NATO-Gipfel in Chicago gewertet werden, zu welcher der US-Warlord Barrack O. nachdrücklich geladen hatte. Die 18 Millionen Euro, die lustigerweise als “hohe einstellige” Summe bezeichnet wurde und wieder einmal vom Fehlen der mathematischen Grundkenntnisse zeugten, erscheinen für einen Frieden als sehr gering erkauft. Zumal dieses Geld über die Treuhandsgesellschaft “USA” der armen Bevölkerung in der kriegsverwüsteten NATO-Besatzungszone Afghanistan zugute kommen soll.

Herrn S. lässt man ab und zu auch gerne reden, was grundsätzlich wichtig ist in seiner Rolle als Außenministers. Michael S. mag das auch, das Reden. Das ist wichtig, er ist wichtig, das Gefühl von Wichtigkeit ist wichtig. Man legt Wert auf seine öffentliche Meinung, die vorher nicht öffentlich an ihm herangetragen wird. Dann kann er sich darüber auslassen, was es bedeutet, keine eigene Meinung zu haben und auf die Meinung anderer zu warten, die ohnehin bekannt ist.

Aber dann kamen uns in der Bedürftigen-Redaktion doch wieder Zweifel an den Befähigungen des Außenministers und an seiner von uns angedachten, unterstellten geheimen strategischen Ausrichtung, um die österreichischen Bevölkerung vor einer Militärintervention zu schützen.

Zwar hatte sich Herr Michael S. im Herbst 2012 noch besorgt über die Palästinenser gezeigt und ihnen väterlich geraten, doch lieber nicht für die überfällige Anerkennung eines eigenen Staates einzutreten. Aber irgendwie hatte er es dabei fertig gebracht, dabei keinen eigenen Standpunkt zu benennen, dafür aber über mögliche Folgen für diese Menschen zu quatschen, die sie, in Stich gelassen, ohnehin tagtäglich zu spüren bekommen. Wie das halt so ist, wenn man unter den “Fittichen” eines hochgerüsteten, aggressiven und rechtsgerichteten Arpartheit-Regimes, den Unantastbaren, ein elendes Dasein fristen muss.

Dennoch gefiel sich Herr Michael S. in seiner Rolle derartig gut, dass er – nach dem üblichen Zögern und der Meinungseinholung von außerhalb – nichts Negatives an dem NATO-Angriffskrieg gegen Libyen fand und schließlich die NATO-Proxy-Truppen und marodierenden Söldnerhaufen als “rechtmäßig” anerkannte. Als rechtmäßiger Staat Libyen, als Armee oder gar als rechtmäßige Terroristen?

Selbst wenn wir die Sorge des Herrn S. in seiner Rolle als Außenminister um die Handelsbeziehungen teilen würden, einerseits gegenüber den kriegstreiberischen EUlern und dem Mastermind aus Übersee, andererseits gegenüber dem neuen NATO-Protektorat Libyen nicht an Boden zu verlieren. Denn dort war es bereits vor der Ermordung des Staatschefs um die Verteilung der Beute gegangen. Doch die Zerstörung eines Landes mit mindestens 60.000 – 70.000 Toten aller Altersgruppen existierte in dieser Sorge nicht. Dieses Wahrnehmungsproblem kann nicht akzeptabel sein und bewies uns eine tiefgreifende moralische Störung. Das Gerede von Menschenrechten wirkte daher aufgesetzt, zumal seine neuen Söldnerfreunde auch nach offiziellem Kriegsende weiterhin gerne foltern und morden.

Wir wissen natürlich nicht, ob Herr S. später in seinen Memoiren erzählen wird, dass es in Libyen nie Schwarzafrikaner gab, denn heute sind sie verschwunden. Rassistisch motiviert vertrieben, in Käfige gesperrt oder gleich erschlagen.

Somit verkommt die seit Mai 2011 bestehende Mitgliedschaft Österreichs im UNO-Menschenrechtsrat zu einer nichtssagenden Staffage, bei denen die permanenten und massenhaften Verbrechen der “westlichen” UNO-Mitglieder alias NATO alias EU, die er gerne seine Freunde und Partner nennt, schlichtweg ignoriert werden. Sie existieren in der offiziellen Welt des Herrn S. nicht.

Bei seiner Rede zu dem “Internationalen Tag der Kinderrechte” am 20. November 2011 fiel ihm nur ein einziges Land ein, welches sich um diese Kinderrechte einen Dreck zu kümmern scheint: der Iran. Womit sich Herr S. natürlich ganz auf Linie seiner Freunde und Mentoren aus Übersee befindet, die sich allein in den vergangenen 20 Jahren als Kindermörder uneinholbar an die Spitze dieser verabscheuungswürdigen Skala gebombt und geschossen haben und derzeit, seit bereits 2 Jahren, mal wieder einen neuen, nun aber mehr oder minder verdeckten Krieg in Syrien am Laufen haben.

Als Österreich im Mai 2011 für drei Jahre in den “Menschenrechtsrat” der UN gewählt wurde, hatte Herr S. in seiner Rolle als Außenminister noch getönt: „Die weltweite Förderung der Menschenrechte ist seit vielen Jahren ein Kernanliegen der österreichischen Außenpolitik. Unsere Mitgliedschaft in diesem bedeutenden Gremium, wollen wir nutzen, um konkrete Schritte zur Verbesserung der menschenrechtlichen Situation weltweit zu setzen.“

Es sollten auch Schwerpunkte gesetzt werden: Schutz religiöser, ethnischer und sprachlicher Minderheiten. Schutz der Journalisten. Rechte der Kinder. Schutz von behinderten Menschen.

Wir aus der Bedürftigen-Redaktion beschränkten unsere Bedürftigkeits-Analyse vor allem auf den Schauplatz Syrien und verglichen Worte mit dem Handeln.

Dass sich der Staat Syrien gerade einer ausländischen Intervention erwehren muss, wird von Herrn Michael S. nicht bemerkt. Dass seine “Partner” aus Übersee, seine Freunde aus der “NATO” und seine “Bekannten” aus den Golf-Dikaturen Massen an Söldnern ausbilden, ausrüsten und in das Land Syrien pumpen, um mit Mord und Terror die dortige Regierung im Tausch mit einer Marionette zu Fall zu bringen, wird ebenfalls nicht erkannt. Oder ignoriert. Oder verschwiegen.

Während er dem einen Golf-Intervenisten, dem radikalsten Regime in diesem Raum, einen Palais in Wien “für den Dialog” schenkt, verurteilt er die syrische Regierung, die gegen diese immer besser ausgerüsteten Mörderbanden aus Saudi-Arabien, Katar, Jordanien, Libanon, Ägypten, Libyen, Tunesien, Israel, Tschetschenien, Afghanistan, Pakistan, Türkei, aber auch Syrien usw. vorzugehen versucht, sieht Al-Kaida-Truppen als Freiheitskämpfer an und Faschisten als Demokraten. Weitere Sanktionen gegen den syrischen Staat, welcher nur die Bevölkerung trifft, hält er für angemessen. Zwar fordert er Verhandlungen ein, übersieht aber, dass die imperialen Killer nicht verhandeln wollen und deponiert bei dieser Gelegenheit die gar nicht neutrale Ansicht nach einen Regierungswechsel, wie es vom Übersee-Imperium zufällig seit Jahren angekündigt und beabsichtigt worden ist. Ungeachtet dessen natürlich, dass die große Mehrheit der Syrer stärker als zuvor hinter ihrer Regierung steht und demokratische Wahlen bevorstehen.

Mit Hilfe der Definition von “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” aus den Nürnberger Prozessen mussten wir aus der Bedürftigen-Redaktion feststellen, dass der Schutz der religiösen, ethischen und sprachlichen Minderheiten (einschließlich der christlichen Minderheit) in Syrien außerhalb der Maßnahmen der syrischen Regierung nicht existent ist. Sie werden von den Terroristen und Faschisten ebenso ermordert wie behinderte Menschen. Die ermordeten syrischen Journalisten scheinen in der Statistik nicht auf. Terroristen ermorden Kinder, während sie andere zu Kindersoldaten “umerziehen”.

Dass Herr Michael S. in seiner Rolle als Außenminister über keine eigene zumindest öffentliche Meinung verfügt, sondern nur jene der anderen widergibt, ist hinlänglich bekannt. Aber es hatte bei uns in der Bedürftigen-Redaktion doch noch für Verwunderung gesorgt, dass Herr S, nicht nur seine “Partner und Freunde” den verbrecherichen Rücken stärkt, sondern er offenbar Al Kaida “irgendwie” ganz gut findet, welche nun in Syrien mit der mörderischen und zerstörerischen Drecksarbeit im Interesse seiner Geldgeber beschäftigt ist.

Herr S., war das nicht einmal ganz anders gewesen? Erinnern sie sich noch daran, was Sie von Ihrem großen Partner 2001 erzählt bekommen haben?

Allein die Vorstellung, derartig viel Speichel der Militärmächte zu lecken, hat uns in der Bedürftigen-Redaktion kotzen lassen.

Aber da wir nun wirklich nicht annehmen wollen, dass Herr S. in seiner Rolle als “christlicher” Außenminister und Doktor der Rechtswissenschaften verräterisch den Interessen des Auslandes dient und als Helfer und Helfershelfer ein Komplize der Kriegstreiber und Kriegsverbrecher ist, müssen wir ihm bei den unüberbrückbaren Widersprüchen seiner Worte und seines Handelns bzw. Nichthandelns den Status eines besonders bedürftigen, weil sozial armen, inkompetenten, opportunen, feigen und offenbar unter Dauer-Demenz leidenden Menschen zweifellos anerkennen.

Diese Art von Bedürftigkeit mit dem aufgezeigten soziologischen und moralischen Tiefpunkt ist uns nicht genehm, das geben wir offen zu. Es war uns sogar richtig unangenehm, eine derartige Person erneut als einen Bedürftigen der Woche vorstellen zu müssen. Auch wenn er sich bei uns nicht persönlich gemeldet hat, aufgedrängt hat er sich allemal.

Wir möchten uns dafür entschuldigen, vor allem gegenüber all den anderen Bedürftigen, aber es blieb uns keine andere Wahl.

Bedürftig – 18. Kandidat: Gerald K.

 

 

Unserem Bedürftigen-Reporter blieb beim Frühstück das Mohnhörnchen im Hals stecken, als er es las. So viel freiwilliges Entgegenkommen hatte er von Herrn Gerald K. nicht erwartet.

Gerald K. mochte eine Rolle spielen und hat auch eine erhalten: jene des Verteidigungsministers unseres Landes Österreich. Gleichzeitig hat er sich auch für die Rolle des Bedürftigen beworben, anders konnte es Bernd Bieglmaier nicht deuten.

Hat dieser Mann doch tatsächlich in seiner Verteidigungsminister-Rolle den US-Amerikanern angeboten, mit Soldaten aus der ABC-Abwehr und ggf. vom Jagdkommando in Syrien auszuhelfen, um syrische Kampfstoffe zu “bergen”.

Herr K. hat sich dabei in der Rolle des Österreichers gesehen oder vielmehr ausgegeben, doch leider dabei versäumt, Rücksprache mit der Bevölkerung und der übrigen Regierung zu halten – von seiner SPÖ-Partei abgesehen, was noch nicht deutlich ist.

Und nun hat der Herr Gerald K., durch und durch unfähig, die Rolle des Verteidigungsministers wahrzunehmen oder gar nur zu spielen, die Rolle des Vollidioten. Das war nicht klug, Herr K.

Denn das Land Österreich, dem er angeblich dienen würde, deklariert sich immer noch als neutral, so schwer es auch fallen mag und so wenig es häufig einzuhalten ist. In diesem Land gibt es auch etwas, das sich “Parlament” nennt und dessen Funktion dem Herrn K. offensichtlich unbekannt ist. Auch dies schaut alles andere als klug und gebildet aus.

Wenn es überhaupt irgendeine Organisation gibt, welche über die Legitimität verfügt, derartige Einsätze überhaupt nur zu planen, dann ist es die UNO. Irgendetwas Grundsätzliches scheint Herr K. demnach nicht verstanden zu haben, wer hier wer ist. Allerdings wandte er sich speichelleckerisch mit seinem Angebot genau an jene Militärmacht, welche seit über zwei Jahren mit unglaublichen Mengen an Proxy-Truppen Krieg gegen Syrien führt und alles unternimmt, um auch endlich unverdeckt das Land zerstören und die nicht kooperierende Bevölkerung vernichten zu können.

Auch wir in der Bedürftigen-Redaktion sahen diese Anbiederung an eine größenwahnsinnige neofaschistische Militärmacht, für die der Kriegszustand gegen alles, was ihnen nicht passt, einen lukrativen Permanentzustand bedeutet, als sehr bedenklich an. Herr Gerald K. scheint in unseren Augen seiner Rolle als Verteidigungsminister moralisch und ethisch nicht gewachsen zu sein. Juristisch übrigens ebenfalls nicht. Seine Rolle als Feigling, wie bei Speichelleckern gewöhnlich zu beobachten, kam Herr G. allerdings gewssenhaft nach. Denn er machte sein schäbiges Angebot von dem Sieg der Faschisten in Syrien abhängig. Damit nach diesem Sieg, so Herr G. nun auch in der Rolle des Heuchlers, die syrischen Chemiewaffen nicht in die Hände der faschistoiden Al-Kaida-Truppen, Wahabiten und sonstigen radikalen Todesschwadronen in die Hände fallen würden.

Und da war sie wieder: die Rolle des Vollidioten. Denn diese Typen werden von seinen neofaschistischen Herren aus Übersee, also jene die in ihren vergangenen Kriegen auch Chemie- und Uranwaffen massenhaft eingesetzt haben, rekrutiert, bezahlt, ausgebildet und bewaffnet. Ja, und das alles im Namen des Friedens. Was sonst?

Kein Zweifel: Der unkluge oder nur vermeintlich unkluge Gerald K. ist der aktuelle Bedürftige der Woche, sogar mit Potential auf mehr. Uns wäre eine Entmündigung allerdings lieber. Dann könnte er sich auch ungestraft die verbotenen Armbinden über die Ärmel ziehen.

Bedürftig – 19. Kandidat: Pater Johann G.

Bernd Bieglmaier war wieder unterwegs. Dieses Mal auf einem Kulturausflug ins beschauliche Stift Heiligenkreis inmitten des Wienerwaldes. Das Interesse an Gotik, Renaissance und Barock trieb ihn an diese altehrwürdige Stätte des Glaubens, aber auch des Wissens. Und wegen Weihnachten natürlich.

Um so überraschter zeigte sich Bernd Bieglmaier, dass er auch hier inmitten des Wohlstandes auf Bedürftige traf. Mit einen von ihnen kam er ins Gespräch, mit dem Pater Johannes G.

Pater Johann G., kurz nach dem Frühstück.

Bernd Bieglmaier wollte es natürlich genauer wissen, wusste er doch von dem Umstand, dass der Wohlstand des Stiftes Heiligenkreis um rund 613.000,- Euro aus der Agrarförderungkasse vermehrt worden war.

Um so überraschter zeigte er sich, dass Pater Johannes G. nur von 130.000,- Euro Kenntnis zu haben schien, ohne welche wiederum seinen Worten nach der landwirtschaftliche Betrieb nicht aufrechtzuerhalten wäre.

Bernd Bieglmaier war schockiert über diese Armut, denn wer hätte gedacht, dass die Regel: je größer der Grundbesitz, desto größer die Subventionen, bei einer kirchlichen Einrichtung sich in das Gegenteil verkehrte: je größer der Besitz, desto ärmer. Und zwar derartig arm, dass es neben den landwirtschaftlichen Betrieben auch nicht durch die Einnahmen aus den Mietshäusern, Forstwirtschaftungen, Verpachtungen und den Tourismus aufgefangen werden konnte. Ganz zu schweigen von den Steuergeldern.

Unser Bedürftigen-Reporter begann nun Mißwirtschaft zu wittern, anders schien es nicht erklärbar. Bernd Bieglmaier besaß nichts von alledem und kam mit seinem mickrigen Reporter-Gehalt dennoch knapp über die Runden.

Er dachte noch darüber nach, als ihm Pater Johannes G. etwas davon erzählte, dass seine Orgnisation noch viel mehr Geld für Denkmalschutz ausgeben würde, was ja schließlich der Allgemeinheit und dem Tourismus zugute kommen würde. Bernd Bieglmaier horchte auf und fasste nach seiner Eintrittskarte in der Hosentasche. Sie war noch da. Seine Freundin flüsterte ihm unterdessen zu, dass sie zukünftig ja versuchen könnten, eine Förderung für ihre Mietwohnung zu beantragen, wegen der Allgemeinheit, zu der sie sich ebenfalls zählte.

Diese Idee hatte etwas für sich. Bernd Bieglmaier war kurz etwas unkonzentriert, während der Pater um die Berücksichtigung ihrer Leistungen warb und einen größeren Zusammenhang herzustellen versuchte. Auch die siebeneinhalb Arbeitsplätze auf 1.200 ha Landwirtschaft könnten sich sehen lassen, keine Frage. Und dann noch die viele Arbeit auf den Besitzungen!

Erst beim Thema Integration wurde Bernd Bieglmaier wieder hellhörig. Denn der Pater hatte in seiner Güte eine rumänische Putzfrau aufgenommen, auch wenn sie gar nicht richtig putzen könne, wie der Pater verriet. Aber wo solle sie denn hin und was solle sie denn sonst machen, die Arme, so Pater Johannes G. zu unserem Bedürftigen-Reporter. Das wollte Herr Bieglmaier nun nicht mehr genau wissen.

Nachdem uns Bernd Bieglmaier in der Bedürftigen Redaktion berichtet hatte, dass wir nicht ansatzweise wüssten, wie viel Arbeit die Bewirtschaftung von so viel Besitz machen würde, erklärten sich in unserer Redaktion alle Anwesenden, einschließlich unserer Reinigungsfachkraft, dazu bereit, dem armen Pater für die Überlassung von je 10 ha einen Teil der Arbeit abzunehmen.

Aber das wollte Pater Johannes G. dann auch wieder nicht. Er wollte die viele Arbeit nicht teilen. So ein Guter!

Da überdurchschnittliche Gutmütigkeit in der Welt, in welcher wir alle leben, über früh oder lang immer bestraft werden wird, küren wir den Pater Johannes G. bereits voraussschauend zum aktuellen Bedürftigen der Woche.

Bedürftig – 20. Kandidat: Gernot S.

Früher war Gernot S. in einem großen staatlichen Telekommunikationskonzern beschäftigt. Als so genannter Controlling-Chef hatte er allerdings entgegen seinem Arbeitsvertrag auch noch andere Dinge kontrolliert. Als Mitglied einer im Telekomminikationskonzern organisierten Bande von Dieben und Betrügern hatte er sehr genau auf seinen Anteil der Beute kontrolliert. Bis die Sache außer Kontrolle geraten war.

Danach hatte ihm die Justiz den Vorschlag gemacht, seine Bandenmitglieder zu verraten und dafür im Zuge einer Kronzeugenregelung (viel) zu glimpflich davonzukommen. Gernot S. hatte natürlich eingewilligt, denn Gangster-Ehre ist nur etwas für das Kino aus den 50ern.

Gefängnis blieb ihm erspart und somit auch diese für ihn notwendige Erfahrung. Damit es nicht zu schäbig ausschaute, bekam er dafür läppische 120 Stunden Sozialdienst aufgebrummt. Abzuleisten in einem Integrationshaus für behinderte Menschen.

Das hat sogar in den Medien für Aufsehen gesorgt. Ein tägliche Schmierblatt für 1,10 Euro widmete Gernot S. gleich eine dreiviertel Seite einschließlich einer kleinen Fotostrecke. Gernot S. beim Waschen eines Fahrzeuges, Gernot S. am Griller, Gernot S. beim Verkauf von Tickets, hier wegen der Kasse freilich nur unter Aufsicht. Nur Gernot S. beim Kloputzen blieb den Schmierblatt-Konsumenten erspart.

Dieses Foto haben wir exclusiv erhalten.

Das muss für Gernot S. sehr hart gewesen sein. Auch wenn er mit falschem Stolz verkündete, im Integrationshaus widerliches “Mädchen für alles zu sein”. Er behauptete sogar, sich angeblich für nichts zu Schade zu sein. Nun, das war Herr S. zuvor auch nicht gewesen.

Für das Schmierblatt verstieg sich Gernot S. gar noch zu der Aussage, dass er dem Integrationshaus auch in Zukunft helfen möchte, also nach diesen läppischen 120 Stunden Aushilfs-Sozialdienst. Es würde dort ein unglaublicher Idealismus herrschen, wird Herr S. zitiert, wie er ihn selten erlebt habe. Und das gehöre unterstützt.

Für einen Moment wurde uns in der Bedürftigen-Redaktion warm ums Herz. Ein Krimineller, der Idealismus nach seiner idealismusfreien Umgebung im Telekomminikationskonzern wiederentdeckt hatte, ein Krimineller, der endlich einmal in seinem Leben etwas nützliches zu tun gedachte, es wenigstens ankündigte. Rührig. Eine rührende Darstellung von urplötzlich entstandenem Sozialinteresse.

Er kann es sogar auch, indem er das beiseite geschaffte gestohlene und zusammenkorrumpierte Geld flugs dem Integrationshaus spenden könnte. Die haben es nämlich bitter nötig, weil zu geringe Mittel, zu wenig Geld oder auch “zu spät gezahlte Rechnungen” durch die “öffentliche Hand”.

Hiermit kennt sich Gernot S. aus, er hat seine Hand auch lange genug aufgehalten, um das öffentliche Geld in seine Hosentaschen zu schaufeln. Es ist geradezu grotesk, dass der Herr S. seine Aushilfs-Sozialstunden in einer Einrichtung ableisten durfte, welche er zuvor indirekt bestohlen hatte. Und wir hoffen auch, dass nach seinem Abgang nichts in der Kasse gefehlt hat.

Seine Huldigung in einem täglichen erscheinenden Schmierblatt, weil Herr S. ein guter Krimineller zu sein scheint, bedürfte eines weiteren Auswahlverfahrens, zu welchem sich der Chefredakteur oder dessen Geldgeber gerne bewerben dürfen.

Aber dem Gernot S. als ganz kleines Lichtchen im Korruptionsuniversum gebührt unser grenzenloses Mitleid, weswegen wir ihm mit der Wahl zum Bedürftigen der Woche gerne entgegengekommen.

Bedürftig – 21. Kandidatin: Patricia O.

Frau Patricia O. ist eine potentielle Miss. Sie kommt aus einem in der Ebene gelegenen Dorf mit sauberen Häusern sowie einer kleinen Kirche und einer BILLA-Filiale in der Mitte, um die unmittelbarsten Bedürfnisse der überschaubaren Bevölkerung zu befriedigen.

 

 

Miss Patricia O. hat sich dazu bereit erklärt, an einer kleinen regionalen Miss-Wahl teilzunehmen, in der es um Dauergrinsen, Badeanzüge, alte schmierige Typen und ein wenig Handgeld geht, der für die Anzahlung eines neuen Flatscreen-Fernsehers reichen würde. Die Voraussetzung für die Teilnahme wurde bewusst niedrig gehalten. Die äußerliche Darstellung eines bestimmten Geschmacks gilt als ausreichend, schließlich sind die Veranstalter bestrebt, mehrere Teilnehmer für Werbezwecke auszunutzen.

Miss Patricia O. erfüllt diese Bedingung zweifellos, ohne sich großartig anstrengen zu müssen. Sie hat es nicht nötig, eine Rolle zu spielen, denn sie ist authentisch. Es hat auch gereicht, um in eine kleine regionale Zeitung zu kommen, in eines jener Blättchen, die gewöhnlich Nichtigkeiten mit Nichts zu füllen bemüht sind.

 

 

Und weil dem so ist, durfte sich Patricia O. als Miss-Kandidatin sogar zu ihrer eigenen Person äußern. Damit das blanke Foto im Blatt einen Namen und ein wenig Charakter erhält. Allerdings sprach Frau O. nicht von sich, sondern von ihrer stolz hergezeigten Umhängetasche der Marke “Claudette”.

Diese Tasche, ihre Tasche, sie sei ihr ein und alles.

Ohne sie wäre sie nichts.

Da wir es genau so sehen, küren wir Frau O. zur Bedürfigen der Woche.

 

PS:

Sollten Sie ebenfalls eine Designertasche der Marke Claudette für nur 300,- Euro erwerben wollen, so schicken sie einfach eine kurze Mail an die Redaktion.

Bedürftigen gewähren wir einen Preisnachlass von 10%. Selbstverständlich nur gegen Vorkasse.

Denken Sie daran: Ihre Tasche – Ihre Persönlichkeit.

 

Bedürftig – 22. Kandidat: Sebastian K.

Nein, wir in der Bedürftigen-Redaktion wundern uns nicht mehr. Ausgerechnet der, haben wir uns gesagt. Wir haben sogar gelacht, als der Bedüftige Michael S. seine Rolle als Außenminister mit der Rolle des Finanzministers gewechselt hatte, obwohl er bisher nicht den Nachweis hatte erbringen können, den mathematischen Grundkenntnissen gewachsen zu sein.

Die Rolle des Außenministers hat nun ein Jungspund mit Namen Sebastian K. übernommen. Ob nur kurzfristig, wird sich noch zeigen.

Unser Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier hat ihn innerhalb der hiesigen gleichgeschalteten Mainstreampresse sofort ausfindig machen können. Unser Mann hat einfach den Riecher für Bedürftige, für wirklich Bedürftige.

 

Dieser Sebastian K. hatte sich in seinem jungenhaften Elan sofort an die Arbeit gemacht und den Medienkonsumenten unter anderem verdeutlicht, wie sehr ihm der undemokratische, korrupte, erpresserische Wirtschaftsmoloch EU am Herzen liege. Herr K. ist in kürzester Zeit sogar derartig in seiner Rolle aufgegangen, dass er nicht nur entsprechende Phrasen, sondern – um es kurz und bündig zu formulieren – sogar die Kopien der Phrasen seines Vorgängers der abhängigen Journaille in den Rachen zu werfen sich befähigt gezeigt hat.

 

Sebastian K. (Quelle: Bild).

 

Natürlich sind die Phrasen und die offizielle Meinung abgestimmt mit der Regierungsspitze, in welcher wir ebenfalls Bedürftige vorfanden, die wiederum sehr darum bemüht sind, sich nach anderen zu richten. Doch scheinen sie über das größere diplomatische Geschick zu verfügen, denn sie halten sich bedeckt und schieben ihren Außenminister vor, als fremdgesteuerten Außendarstellungshandlanger. Unerheblich bleibt es allemal, egal welche Null in einer Reihe von Nullen nach vorne geschoben wird, es bleibt eine Null.

Herr K. hatte die Gelegenheit ergriffen, um ein wenig herumzureisen. Um sich bei anderen Handlangern bekannt zu machen oder um sich zu blamieren, je nach Sichtweise. Die Reise führten ihn schließlich nicht nur in den rechtsgerichten Arpartheitsstaat Israel, sondern auch in den durch den “Westen” seit 1979 bekämpften und seit dieser Zeit dennoch souveränen Staates Iran. Erstaunlich genug, oberflächlich betrachtet. Allerdings hatte Herr K. dort nichts anderes zu tun, als sich als dummdreister Großkotzhandlanger nach dem Stand der Menschenrechte und den angeblichen Verstößen gegen dieselben zu erkundigen. Natürlich nur nach den iranischen Menschenrechten, ist ja klar. Das iranische Recht kann die Todesstrafe verhängen, was Herr K. nicht gut findet – und wir auch nicht.

Dennoch stieß es uns in der Bedürftigen-Redaktion sauer auf, dass Herr K. in seiner Rolle als Menschenrechtler und Moralapostel nicht mit weiteren Regierungen anderer Länder sprach, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft worden ist oder gar hier und da ein bischen Krieg mit Mord und Totschlag führen. Ganz zu schweigen von den Freunden aus Übersee, die tagtäglich unzählige Menschen ganz ohne Gerichtsbeschluß weltweit töten und töten lassen.

Das Potenzial einer naiven und fremdgesteuerten Marionette kam aber erst mit den hässlichen Vorfällen in der Ukraine richtig zur Entfaltung, wie unser Reporter Bernd Bieglmaier scharf beobachtet hatte.

Gegenüber Redakteuren des PROFIL hatte sich Sebastian K. zuerst noch ahnungslos gegeben.

“Die EU hat zu Recht nicht weggesehen und von Anfang an versucht zu vermitteln, um eine friedliche Lösung herbeizuführen”, hat er gesagt. Und dabei vollkommen unterschlagen, dass es sich bei der EU um einen der Anstifter der Eskalation handelt. Er fand es auch richtig, dass sich die EU eingemischt hat, um “proeuropäische Kräfte” zu unterstützen, um gleichzeitig die Schuld der Gewalt unbewiesenermaßen der ukrainischen Regierung zuzuschieben.

 

(Quelle: Österreichisches Aussenministerium).

K. & K. – K. (links) wird finanziert durch die österreichischen, K. (rechts) durch die deutschen und US-amerikanischen Steuerzahler.

 

Herr K. hat sich nicht entblödet, die Meinung anderer als seine eigene auszugeben und sich als aalglatter, verlogener Widerkäuer bei dieser Gelegenheit hinter einem einheitlichen Vorgehen der EU zu verstecken.

Vorher hatte sich Herr K. noch für wichtig genug gehalten, um gegenüber Medien zu behaupten, dass er das öffentliche Interesse an seiner Person als einen Vorteil für Österreich sehe: “Ich will die Aufmerksamkeit nutzen, so dass Österreich in internationalen Medien mehr präsent ist.”

Grandios, denn das ist ihm gelungen. Wer sich über die offizielle wie vermeintliche Neutralität seines Landes hinwegsetzt und einen faschistischen und gewaltätigen Umsturz in einem anderen Land gutheißt, kann sich der Aufmerksamkeit gewiß sein.

Denn es gibt auch Leben außerhalb der EU und der NATO und der ihnen angehängten Medienhuren. Manchmal gerät es nur in Vergessenheit – aber nicht bei allen.

Da nützt es auch nichts mehr, den Flachhirnen in den Bevölkerung mit den Worten etwas Sand in die Augen zu streuen, dass die Ukraine doch bitte etwas souveräner zwischen den Handelszonen im Westen und Osten agieren könne. Herr K. nannte auch gleich die Organisation, die das entscheiden sollte: die EU.

Ein Perspektivpapier des Außenamtes von Anfang April straft dem Gequatsche ohnehin Lügen. Nach Nennung einiger realer wie irrealer Überlegungen wurde auch die Vorbedingung dafür genannt:

Die Regierung in Kiew müsse wieder die volle Kontrolle über das Staatsgebiet haben – also auch inklusive der nun an Russland angeschlossenen Krim. Dies aber scheint derzeit wohl ausgeschlossen, so das Blatt KURIER.

Kurz gesagt bedeutet dies auch ohne direkte Erklärung die Gutheißung des gewalttätigen Sturzes einer demokratischen Regierung (,so korrupt sie auch gewesen sein mag) und die Anerkennung einer durch faschistischen Mächte geputschten Junta aus örtlichen Nationalisten, Verbrechern und Mördern.

 

(Quelle: ap /andrew kravchenko).

(K. mit dem Faschisten J., der sich den Titel “Premier” als Regierer seiner vom Westen installierten Nazi-Junta gegeben hat. J. wird laut seiner eigenen Homepage ausschießlich durch US- und NATO- Organisationen finanziert).

 

Obwohl die unselige und verbrecherische oder auch nur feige Richtlinie der österreichischen Regierung angezeigt wurde, bereite die Person Sebastian K. unserem Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier einiges Kopfzerbrechen. Weil dieser junge Mann in seiner neuen Rolle als Außenminister der gewalttätigen Nazi-Junta in Kiew angeboten hatte, sie bei der Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen und Morde zu unterstützen. Ausgerechnet die Täter! Sogar unsere Reinigungskraft fragte uns, ob der Herr K. doch nicht nur dumm wie Brot wäre. Aber es noch nicht bemerkt hätte, wie unser Reporter hinzugefügt hat. Denn das Hilfsangebot für Korruptionsbekämpfung wäre ja ebenfalls dummdreist gewesen, ausgerechnet er, ausgerechnet als Österreicher. Und dann noch die angeblichen Beratungsgespräche über “Neutralität”. Für Bernd Bieglmaier sah das alles nicht nach einem Kurzschluß aus.

Ja, es war nicht zu fassen. Dass Herr K. allerdings auch noch unsere Steuergelder für die Stützung der Nazi-Junta nach Kiew transferieren möchte, ging sogar uns zu weit.

 

(Quelle: Österreichisches Aussenministerium).

K. mit P., der sich Dank der USA und anderer “westlicher” Länder heute vor allem selbst finanziert: als milliardenschwerer Oligarch und Konzernchef, als Waffenproduzent und Medien-Mogul wie auch als ehemaliger Zentralbanker, ehemaliger Minister und ehemaliger Chef des Sicherheitsrates. Er ist der Kandidat der USA, nicht der Ukrainer.

 

Wir wissen nicht, um wessen Geistes flaches Kind es sich bei dem Herrn Sebastian K. handelt, womöglich sogar unterirdisch. Wir wissen auch nicht, ob es sich bei Herrn K. nur um eine gut bezahlte Marionette und einfältiger Handlanger der Faschisten handelt oder doch um einen glitschigen Soziopathen oder gar karrieregeilen Pychopathen. Oder sollte ihm gar niemand erzählt haben, was das ist: Faschismus?

Auch dummes Brot würde eines Tages schimmeln, meinte unsere Reinigungsfachkraft. Unglücklicherweise hatte sie nur einen Eimer zur Hand, als wir uns nach dieser Geschichte geschlossen übergeben mussten.

Soetwas bleibt haften, davon waren wir alle in der Bedürftigen-Redaktion überzeugt. Nicht nur in den Ritzen des Dielenbodens, sondern auch bei Herrn K. Wir konnten uns kaum vorstellen, dass sich Herr K. die braune Soße wie viele seiner Landsleute nach 1945 einfach so abwaschen könnte.

Unsere Reinigungsfachkraft war hier weniger optimistisch. Kotze stinkt, wusste sie, aber auch, dass Aale unglaublich fettig und ölig sind.

Sie ist eine kluge Frau. Und sie trug unsere Entscheidung mit, diesen Sebastian K. am weit ausgestrecktem Arm als Bedürftigen der Woche zu küren. Ebenfalls mit der Option auf ein Mehr. Vielleicht in Berlin. Vielleicht auch in Washington.

 

 

Bedürftig – 23. Kandidat: Christian W.

 

Es war purer Zufall. Unser Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier hatte nach seinen anstrengenden Weihnachtstagen und dem exessiven Silvesterumtrunk nur mal eben einen ganzen Berg von überflüssigen Verpackungen zu dem Mülleimern bringen wollen, als er genau dort ihn gefunden hatte. Ihn, ausgerechnet ihn.

Christian W. hieß er, ein vom himmlischen Vater bestellter Weihnachtsmann, verantwortlich für die Kleinstadt Baden südlich von Wien. Aber da war nichts von einem großen Schlitten zu sehen, von einem großen Jutesack, von edlen Rentieren oder einer kitschigen Schnee- und Sterneaura. Christian W., der örtliche Weihnachtsmann, lag im Müll.

 

Bernd Bieglmaier war froh, dass er nicht – wie sonst – seine Kinder dazu verdonnert hatte, den Müll nach draußen zu bringen. Sie hätten ein für allemal ihre kindlichen Illusionen über den einzig wahren Weihnachtsmann, den gütigen Opa mit Rauschebart, verloren.

Auch Christian W., der örtliche Weihnachtsmann, war nicht glücklich über das Erlebte. Ausgeplündert von der Gier, ausgesogen von Konsumzombies, verhauen von den Entäuschten, als sein Sack leer gewesen war, entsorgt von dem aufgeputschten Verbraucher-Mob.

Bernd Bieglmaier war sofort deutlich, dass er mit Christian W. einen Bedürftigen vor sich hatte. Christian W. stand stellvertretend für alle anderen gebeutelten Weihnachtsmänner, welche jedes Jahr am 24. Dezember ihre zugeteilten Bezirke bearbeiteten und beschenkten und, wo immer sie waren, die gleichen Erfahrungen machten. Christian W. hatte es satt, er hatte es sogar richtig satt und fragte, ob er sich das nächstes Jahr nochmal geben solle.

Es lag nun an Bernd Biegmaier als Bedürftigen-Reporter, dem ausgemusterten Weihnachtsmann eine Bescherung zu unterbreiten und ihm die Wahl zum Bedürftigen der Woche in Aussicht zu stellen. Allerdings bat er ihn auch, doch bitte die Müllkippe zu verlassen, bevor er von seinen Kindern gesehen werden könnte.

 

Wir in der Bedürftigen-Redaktion sahen ebenfalls keinen Grund, Herrn Christian W., den örtlichen Weihnachtsmann, das von Herrn Biegelmaier formulierte Angebot zu verwehren. Denn auch der Weihnachtsmann ist nur ein Mensch. Wir haben es im TV gesehen, den Weihnachtsmann als Polizisten (unvergessen: Gene Hackmann in der Polizistenrolle als “Popey” Doyle in “French Connection”), oder als Einbrecher (im Weihnachtskostüm) in einem französischen Krimi. Und nicht zu vergessen das billige wie nicht jugendfreie Filmchen “Der fickenden Weihnachtsmann”, zu haben für nur 4,75 Euro als Download.

Ja, auch Weihnachtsmänner haben Gefühle. Dem wollen, dem können wir uns nicht verschließen.

Lieber Herr Christian W., lieber Weihnachtsmann, Sie sind dabei!

 

Bedürftig: 24. Kandidat: Manuel P.

 

Bernd Bieglmaier konnte ihn nicht übersehen. Denn er war sehr hochgewachsen und überragte die… äh… eher spärliche Menge um ihn herum. Noch dazu hielt er ein Schild in seinen Händen, auf welchem stand: “Stoppt die Kriege in Syrien, Ukraine, Jemen…!”

Die eher spärliche Shopping-Menge schien ihn allerdings nicht zu bemerken, sie strömte zaghaft links und rechts an ihm vorbei.

Manuel P. und Passanten, die sich aus seiner Sicht mehr rechts als links von ihm vorbeibewegen.

Unser Bedürftigen-Reporter fand diese Beobachtung bemerkenswert genug, um den Hünen anzusprechen. Dieser stellte sich als Manuel P. vor, Friedensaktivist.

Bernd Bieglmaier fragte ihn nicht, ob er davon leben könne, sondern wies auf das Schild mit den vielen kleinen aufgeklebten Schildern, auf welchen jeweil ein anderer Name stand.

Manuel P. erklärte, dass er dieses Schild seit vielen Jahren verwenden würde. Er bräuchte nur immer je nach Lage das jeweilige Land auszutauschen oder hinzuzukleben, meinte er. Mit Afghanistan habe er begonnen, weswegen er die vielen anderen Kriege zuvor nicht auf der Tafel stehen hatte. “Yemen” habe er erst kürzlich angebracht.

Bernd Bieglmaier lobte Herrn P. für dessen ökonomisches Geschick, nur was er hier in der Einkaufsstraße und noch dazu in der Provinz damit bezwecken wollte, war unserem Bedürftigen-Reporter etwas undeutlich. Herr P. habe ja nicht einmal etwas zu verkaufen, wie Bernd Bieglmaier anmerkte.

Er würde auch nichts verkaufen, so Manuel P. verständnislos, er würde nur verschenken. Neben Aufmerksamkeit und Dialog wären das Dinge wie Moral, Anstand, Gewissen, sogar soetwas abstraktes wie Rechtstaatlichkeit.

Unser Bedürftigen-Reporter machte Herrn P. auf den Umstand aufmerksam, dass niemand etwas nehmen würde, wenn es nur verschenkt wird. Das wolle dann niemand haben. Es müsse etwas kosten, denn die Leute wären es gewohnt, sich dann den ärgsten Scheiß zu kaufen. Kaufen! Es könne auch billig sein, aber nie umsonst oder geschenkt.

Bernd Bieglmaier musste es ja wissen, war er der Werbebranche als Konsument nie abhold gewesen. Daher hatte er sogleich einen Vorschlag parat, auch wenn es sich etwas kostspielig darstellte: den Leuten Geld geben, um sie zum Zuhören zu veranlassen, vielleicht sogar zu sinnvoller Aktivität. Herr Bieglmaier wusste, dass sogar Moral käuflich sein konnte. Alles andere hielt er aber für aussichtslos.

Manuel P. wollte es nicht wahrhaben. Obwohl jeder Tag seines Tuns ihm nichts anderes aufzeigte.

Manuel P.: erfolglos auch an dieser Stelle.

Für Bernd Bieglmaier wurde deutlich, dass es sich bei dem Herrn P. um einen weltfremden wie bedürftigen Menschen handelte. Nicht weil er arm und krank war, dazu war er seelisch zu gesund und moralisch zu integer sowie seine Umgebung zu degeneriert, sondern weil er unglaublich einsam war. Unserem Bedürftigen-Reporter schauderte es bei der Vorstellung, als einzig Lebender unter Toten hausen zu müssen.

Wir in der Bedürftigen-Redaktion sehen es ähnlich. Dass Herr P. seine Zeit verschwendete, war natürlich allein seine Sache. Bedürftig wurde er für uns durch seine starre Verbohrtheit, seine penetrante Ignoranz, allein mit seiner Anwesenheit und einem Schild etwas bewirken zu wollen, wo es nichts mehr zu bewirken gab.

Vielleicht werden wir ihn, Herrn Manuel P., die nächsten Jahre weiterhin in der Einkaufstraße stehen sehen, mit neuen Namen auf dem Schild. Aus Regierungskreisen wurde uns bereits zugetragen, dass derartige Absichten bestehen.

 

 

http://www.bollwerk.co.at/2016/01/31/bedueftig-26-kandidatin-yasmin-m/

http://www.bollwerk.co.at/2016/11/22/beduerftig-27-kandidatin-fabienne-k/

 

 

 

 

Comments are closed.