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Polizeimedienapparat 1.

 

„Operation Pilnacek“ – so titelte Chefredakteur Florian Klenk seinen Artikel, welcher am 14. Januar im FALTER erschien. Auf insgesamt fünf Seiten sollte den Lesern vor dem Beginn des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ein Überblick über den Fall Pilnacek verschafft werden. Inhaltlich wurde hier vor allem ein Gegenentwurf zu dem Buch von Peter Pilz sowie dessen Online-Beiträgen auf „ZackZack“ in den Informationsraum gestellt.

Die Überschrift „Ertrunken im Seichten“ belustigt ein wenig, der Hinweis, dass Florian Klenk die „Rekonstruktion“ vorgenommen habe, dagegen nicht. Hier ist bestenfalls von einem Rekonstruktionsversuch zu sprechen, denn eine „Rekonstruktion“ setzt eine möglichst vollständige Informationslage voraus, welche schlichtweg nicht existiert.

Das Ergebnis, sein Ergebnis, wird von Klenk vorangestellt.

„Um seinen Ertrinkungstod ranken sich die wildesten Theorien. Einer seriösen Überprüfung halten sie nicht stand.“

Bei dem „seriösen Überprüfer“ handelt es sich freilich um Klenk selbst, der nicht dafür bekannt ist, außerhalb des Meinungskorridors etablierter Herrschaftsstrukturen zu schwimmen.

„Der Fall erzählt so einiges über ein Land, das an Verschwörungen glaubt, weil polizeiliche Schlamperei als Erklärung dann doch zu banal ist.“

Hierbei handelt es sich um eine Meinung, welcher es an Substanz mangelt. Es ist mehr eine stimmungsvolle Rhetorik, dass pauschalisierend „ein Land“ an „Verschwörungen“ glauben würde, als wären dieselben Verschwörungen keine Realität. Dazu ist es irrelevant, wer was glaubt, denn es geht im Fall Pilnacek und im U-Ausschuss um die Feststellung der Fakten.

Klenk erzählt im Artikel seine Sicht der Dinge. Das ist grundsätzlich eine gute Sache, weil er innerhalb dessen einen brauchbaren Kontrapunkt zu dem liefert, was Pilz erzählt, welchem auch Fehler unterlaufen und der manchmal zu überheblich und zu selbstgefällig agiert.

Der Autor folgt weitgehend der Sicht der Polizei, der er eine routinierte Polizeiarbeit bescheinigt, wenn auch keine „übermäßig intensive“, wie bei einem prominenten Todesfall erwartet. Er berichtet von der Bergung der Leiche und davon, dass die Polizistin Barbara S., die Leiterin der Polizeiinspektion Mautern, „rund 150-200 Meter flussaufwärts“ die (vermutete) „Einstiegsstelle“ entdeckt, in einem „schlammig-sandigen Uferbereich“. Dem folgen das Auffinden von Fußspuren, passende Abdrücke bezüglich Größe und Profil der NIKE-Schuhe von Pilnacek und gleichzeitig keine weiteren Spuren. Auch die leere Zigarettenschachtel der Marke „Camel Blue“ wird erwähnt, ebenso wie die Polizei-Inspektorin Barbara S., welche zuerst Zigarettenstummeln gesehen und sich dann falsch erinnert haben will.

Den Polizeiangaben nach habe es keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben, weder an der Leiche noch am Fundort. Eine großflächige Suche nach Blutspuren bei dem von Steinen umrandeten Abwasserrohr blieb ohne Ergebnis. Der Gerichtsmediziner stellte im Blut der Leiche, dessen Hände auf Abwehrspuren untersucht wurden, Alkohol fest, aber keine Drogen. Klenk berichtet, dass von der Leiche vor der Bergung, von dem Gelände, von Fußspuren, von der Zigarettenschachtel und der gerichtsmedizinischen Obduktion Fotos existieren würden. Anschließend erklärt er, warum die Ermittler früh von einem Suizid ausgegangen wären. Klenk schränkt richtig ein, dass einige wichtige Beweise nicht ausgewertet wurden. Er erwähnt schließlich auch die Unfall-These, nach welcher Pilnacek betrunken beim Abwasserrohr gestürzt und schließlich bewusstlos im Wasser ertrunken sein könnte.

(Allerdings gab es vor Ort weder Spuren eines Sturzgeschehens noch die Möglichkeit, dort an der Böschung zu ertrinken).

Die Themen zu Peter Pilz und die Verwicklungen um Karin Wurm und Anna P. mit deren unterschiedlichen Aussagen sollen hier außen vor gelassen werden, weil sie zum Fall Pilnacek nichts beizutragen haben. Anders verhält es sich mit dem Smart-Phone/Handy von Pilnacek, welches von der Polizei als mögliches Beweismittel nicht nur ignoriert, sondern bereits am Auffindetag Pilnaceks beiseite geschafft wurde. Klenk versucht in dem Artikel die rechtliche Situation darzustellen, welche wiederum auf eine schnell artikulierte Suizid-These fußte, wie u. a. vom Leiter der Mordkommission, Stefan P., voreilig herbeigeredet. Klenk stellte die richtige Überlegung an, was gewesen wäre, hätte die Obduktion beispielsweise eine Vergiftung Pilnaceks ergeben.

Klenk nennt die rechtliche Antwort als „komplex“, doch geht es nicht darum, denn es betrifft einzig Handlungen, die als strafbar bewertet werden oder eben nicht. Tatsache bleibt der Umstand, dass die Polizei noch am Auffindetag das Handy von Pilnacek als mutmaßlich wichtigstes Beweisstück aus den „Ermittlungen“ herausgenommen und entfernt hatte. Dazu war die schnell kommunizierte Suizid-These zwingend erforderlich gewesen. Belegt wird dies durch den Umstand, dass weder der Verbleib von Pilnacek nach 1 Uhr und ein weiteres Geschehen (in der Nacht zum 20. Okt. 2023) überprüft/ermittelt, noch das Ergebnis der Obduktion abgewartet wurde.

Dies ist seitens der Polizei nicht mit einer stümperhaften Fahrlässigkeit zu erklären. Denn es handelte sich bei Pilnacek um eine ehemals mächtige Person aus dem Justizapparat, ggf. ein Geheimnisträger, wichtig genug, dass die Meldung seines Todes sofort bis in die höchsten Polizeispitzen transportiert wurde. Das Ableben von Pilnacek musste zudem ein öffentliches Interesse hervorrufen, und selbst wenn dieser Mann durch Suizid oder einem Unfall ums Leben gekommen sein sollte, so hätte sein Handy als Beweisstück für eben diese These dienen können. Dass hier die Auswertung des Handys verhindert werden sollte, belegt zudem der Umstand, dass bei Selbstmördern – und ja, uns ist in diesen Fällen das Vorgehen der Kripo bekannt – immer die Handy begutachtet werden, weil grundsätzlich überprüft wird, ob nicht doch ein Fremdverschulden (oder auch Bedrohungen) vorliegen könnte. Es geht hierbei um Verdachtsaspekte oder um den Ausschluss derselben. Zumindest bei lebensmüden „Normalos“. Nur bei Pilnacek soll darauf verzichtet worden sein.

Unglaubwürdiger geht es kaum noch. Wir sehen hier eine vorsätzliche Beweismittelvernichtung durch die Polizei, welche natürlich einen Grund haben muss. Diese muss vielleicht mit den direkten Todesumständen Pilnaceks nichts zu tun haben, vielleicht jedenfalls, aber die Vernichtung von kompromittierenden Materialien könnte ebenfalls ein Motiv dargestellt haben.

Mit diesem Aspekt im Kopf kommt der Beobachtung des Auffindesortes natürlich eine besondere Bedeutung zu. Die durch die Polizei bereits nach erstem Augenschein verbreitete These, dass es sich um einen Suizid Pilnaceks gehandelt haben soll, fußt sprichwörtlich einzig und allein auf die „wahrgenommenen“ Fußspuren gerade ins Wasser hinein.

Betrunken soll er gewesen sein, der Spiegel-Trinker Pilnacek, gestürzt soll er sein, verletzt soll er sich haben, vorne und hinten, und nicht zu vergessen der Kopf, auch verletzt. Das einzige, was noch funktioniert haben soll, so jedenfalls die Polizei und die unterstützende Staatsanwaltschaft, müssen Suizid-Absicht und die taumelnd geraden Schritte ins Wasser hinein gewesen sein.

Gut, wir wissen aber nicht, ob unter diesen Umständen Pilnacek seine Schuhe selbst getragen hatte und nicht eine andere, unbekannte Person, um einen Suizid vorzutäuschen. Das muss in Erwägung gezogen werden. So erscheint in diesem Zusammenhang eine abgelegte, leere Zigarettenschachtel genau bei dieser Spur eher wie eine Markierung für Beamte, um diese zu „finden“. Das Fehlen von Zigarettenkippen deutet darauf, dass der starke Raucher Pilnacek an dieser Stelle nicht geraucht hatte, weil er möglicherweise zuvor nicht dort gewesen war.

Oder mag Pilnacek dort seine leere Zigarettenschachtel abgelegt haben, damit sie bei seiner Selbstertränkung nicht nass wird?.

 

Mittwoch
21
Januar 2026
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