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EU-Förderungen

 

EU-Förderungen.

Die Kulturvernetzung Niederösterreich hatte für den 14. Juni 2012 zu einem Seminar zum Thema „EU-Förderungen für Kultur vor dem Ende der Förderperiode (2007-2013) optimal nützen“ nach Bad Fischau geladen.

Nach der herzlichen Begrüßung durch Frau Windbüchler (Kulturvernetzung) und der thematischen Einleitung („EU-Förderungen für Kultur“) durch Frau Amann von „inforelais“ (http://www.inforelais.org/index.php/DE) gliederte sich der Seminarabend in fünf spezielle Bereiche auf.

Den Anfang machte Rainer Praschak vom MICA-EU-Projektmanagement unter dem Titel „EU-Programm KULTUR „Tipps für lokale AntragstellerInnen zur Antragsfrist Oktober 2012.“

Davon abgesehen, dass bei der dafür nötigen Vorlaufzeit allein für die Antragstellung für Förderungen ab dem 14. Juni eine Frist bis Oktober 2012 kaum noch erreicht werden konnte, geriet der Beitrag zu einem PR-Desaster des Herrn Praschak.

Weder erfuhren die Zuhörer, was es mit „MICA“ auf sich hatte (http://www.mica.at) noch von Zusammenhängen von irgendwelchen undefinierten Projekten, notwendigen Partnern, notwendigen Eigenmitteln und sonstwas. Musik als solche über Dritte als „international“ erklären zu müssen, ershien mir etwas abwegig. Allerdings kamen Musik, Musiker und Kultur in dem Beitrag ohnehin nicht vor.

Auf meine abschließende Feststellung, dass ich mit dem Beitrag habe nichts anfangen können und meiner Frage, wozu das alles nützlich sein sollte, bekam ich vor allem Hilflosigkeit erwidert.

Einzelne Brocken kristallisierten sich dann aber doch noch heraus. Bei den nicht definierten möglichen Projekten war es in erster Linie um die Vernetzung der Kultur gegangen. Und natürlich um einen entsprechenden Verwaltungsapparat, dessen Exitenzberechtigung mir bis zum Schluß schleierhaft bleiben sollte. Möglicherweise EU-Mittel für den puren Selbsterhalt.

Um einzelne Musiker oder Bands war es ohnehin nicht gegangen, entfernt vielleicht um die Vermarktung der Musik, auch wenn sogar dieser Umstand nicht erwähnt wurde. Von Lokalität konnte ebenfalls keine Rede sein, da jene ominösen Projekte eher auf große Veranstalter von Festivals abzielten, die in der Lage sein würden, entsprechende Geldmittel zu bewegen und die es sich leisten können, allein für den sehr komplizierten und langwierigen Antrag einen Mitarbeiter für einen administrativen Monat abzustellen.

Fazit: dieser Vortrag war eine Katastrophe, der Herr Praschak überfordert, die Inhalte unverständlich, das Anliegen überflüssig.

 

Der zweite Beitrag, „Jugend in Aktion – Einstieg in EU-Förderung mit regionalen Jugendkulturinitiativen“, war dagegen sehr nützlich – sofern man natürlich in diese Gruppe fällt. Herr Krenn von der Biondek-Bühne in Baden hob sich mit seinem Begleiter wohltuend von dem vorherigen Beitrag ab und zeigte auf, dass es tatsächlich Fördermittel für die Produktion von Kultur gibt, die sogar Sinn macht.

 

Kultur ist natürlich vielfältig. Kultur kann hübsch und bunt sein. Kultur – oder meinetwegen „Kunst“ – kann auch kritisch sein. Und wenn wir noch nicht vollkommen degeneriert sind: sollte es auch sein. Nicht nur, aber auch.

Dass dies bei einer EU-Förderung nicht unbedingt erwünscht ist, vor allem wenn es die EU selbst betrifft, wurde bei dem dritten Beitrag, „EU-Programm Europa für Bürgerinnen und Bürger (2007-2013): Antragsbedingungen und -fristen 2012″, vorgetragen durch Frau Lang vom BMUKK (http://www.bmukk.gv.at), und auch bei dem anschließenden schwachen und ablenkenden Dialog deutlich genug.

Auch Förderprogramme müssen verkauft werden. Große Organisationen holen sich gemeinhin dafür Spezialisten, welche die entsprechenden Inhalte konstruieren und mit Slogans unterlegen. Dazu gehören dann auch sinnentleerte Konstrukte wie „Europa für Bürgerinnen und Bürger“. Dem Antragsteller wird zudem suggeriert, ein Teil einer „aktiven europäischen Bürgerschaft“ zu sein. Das klingt ja auch logisch. Welcher Teil hier allerdings als „aktiv“ bezeichnet wird, wird in den Förderbedingungen deutlich.

Um in den Genuß einer natürlich nur möglichen Förderung zu kommen, sollen durch den Antragsteller verschiedene EU-Ziele aufgegriffen und verarbeitet werden. Bürger und EU-Werte; demokratisches Leben; Einbindung der BürgerInnen und Überlegungen zur EU zu ihren politischen Werten und Zielen; Befähigung der BürgerInnen, am demokratischen Leben der EU mitzuwirken; Förderung der Bürgerbeteiligung durch Freiwilligenarbeit; interkultureller Dialog sollen hier als eine Auswahl an Schlagworten genannt sein. Als Ziele der EU und folglich der Projektarbeit werden zum Beispiel „Europa den Bürgern näher bringen, europäische Werte und Errungenschaften fördern und die Erinnerung an die Vergangenheit Europas aufrecht halten“ oder auch „Zusammenwachsen eines demokratischen und weltoffenen Europas“ angeführt.

Es wurde klar gesagt, dass ohne diese gewünschten Ziele ein positiver Bescheid für einen Förderantrag nicht zu erwarten sei. Auf meine Anfrage, inwieweit denn eine kritische Auseinandersetzung mit einem EU-Thema eine Aussicht auf einen positiven Förderbescheid habe, beeilte man sich irritirt zu sagen, dass dies natürlich möglich sei. Um naiv hinzuzufügen, „wenn“ dem so wäre. Ein kritischer Aspekt der EU war allerdings weder bei dem Vortrag noch bei den schriftlichen Informationsmaterialien vorgesehen.

 

Bedauerlicheweise ist es ausgerechnet die EU, die nicht für demokratisches Agieren steht. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Seit dem Bestehen der EU sind die entdemokratisierenden Maßnahmen – einschließlich der bislang vergeblichen Versuche – bis zum heutigen Tag genau zu verfolgen. Und da ist noch gar nicht die Rede von der Korruption und Betrug, der Etablierung von nicht gewählten Einheitsparteien, dem Raub des öffentlichen Eigentums, der gigantischen Umverteilung von unten nach oben, Erpressung und Einmischung in innere Angelegenheiten (siehe Griechenland, Irland, Ukraine uvm.) und der desaströsen, der globalen Elite unterworfenen Außenpolitik die Rede.

Die Aussage, dass die EU für eine Weltoffenheit stehe, ist außerhalb der eigenen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen als Hohn zu bezeichen. Von Werten zu sprechen, die es zu vermitteln gebe, ist in Anbetracht der Kooperation mit der imperialistischen und verbrecherischen Politik der USA an Heuchelei nicht mehr zu überbieten. Jeder vermag sich daran zu erinnern, dass die penetrante Erwähnung von „Werten“ oder auch „westlichen Werten“ häufig genug im Kontext mit der Zerschlagung unliebsamer Staaten, NATO-Kriegen (viele EU-Staaten sind in dieser Verbrecherorganisation als Mitglied geführt), Bombenterror und Massaker vor allem an Zivilisten begleitet worden ist – und noch immer wird.

 

Kurzum: die als Kulturförderung deklarierten Mittel sind nichts anderes als kaschierte Werbemittel der EU zur Aufrechterhaltung eines nötigen wie möglichst positiven Erscheinungsbildes ihrer selbst – und nichts anderes.

Wessen Geld man nimmt, dessen Hand man nicht beißt. Und das wird auch so verlangt. Meinungen und Rechercheergebnisse der Intelligenz haben hier genau so wenig Platz wie eine konstruktiv-kritische Kultur und ein sachliches Demokratieverständnis, um welches die EU angeblich bemüht ist.

 

Bei den beiden weiteren Beiträgen handelt es sich zum einen um die „Grenzenlose Regionalentwicklung – Förderung von grenzüberschreitenden Projekten“, dessen Inhalt sich im Titel wiederfindet, vorgetragen durch Frau Trojer vom Regionalverband Industrieviertel, sowie „Lebenslanges Lernen – Freiwilligenprojekte 50plus“, vorgetragen von Frau Eglitis vom Verein Grenzenlos – Interkultureller Austausch“. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine nette Idee, ähnlich einem Schüleraustausch für Spätberufende. Nun, es kann niemals zu spät sein.

 

Zum Abschluß möchte ich mich entschuldigen, dass ich auf die beiden letzten Beiträge nicht mehr genau eingegangen bin, aber der Text ist bereits zu lang geworden. Hier erbitte ich mir Eigeninitiative von den Interessierten.

 

Als entgültiges Fazit möchte ich feststellen, dass ich das Bemühen um Kultur-Seminare durch Frau Windbüchler von der Kulturvernetzung Niederösterreich sehr wertschätze und mich hier auf diesem Wege nochmal bedanken möchte. Auch wenn die Inhalte und Befunde aufgrund zweier sehr negativer Beiträge insgesamt sehr durchwachsen gewesen sind. Doch sollten diese den anwesenden Gästen die Augen geöffnet haben, und wenn nicht, so bleibt mir nur noch die Bitte: schickt nicht diese Leute zu einem Kulturaustausch!

 

Montag
18
Juni 2012
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