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Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,2)

 

Eine Filmkritik wird es an dieser Stelle nicht geben, weil „3096“ neben einer weiteren Verbreitung von „Wahrheit“ ein rein kommerzielles Produkt ist. Aufgepeppt mit etwas krudem Sex, was nicht glücklich scheint, aber eben dem Kommerz geschuldet zu sein scheint. Mehr ist es nicht, weswegen ich ihn mir auch nicht anschauen werde.

Dieser Film ist nur insofern interessant, weil er den kommerziellen Höhepunkt einer Tragödie darstellt. Die Tragödie der Natascha Ka., der es allerdings gelungen ist, ihre persönliche Tragödie erfolgreich zu vermarkten.

Dagegen ist meiner Ansicht nach grundsätzlich nichts einzuwenden und es geht mich auch nichts an. Ja, wenn nicht diese Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte von Frau Ka. bestünden und wenn nicht dieser Fall im öffentlichen Interesse stehen würde. Und ich bin ein Teil dieser Öffentlichkeit, zumindest von jener, die tatsächlich Interessen hat. Mit dem Kauf einer Kinokarte dürfte ich sogar ohnehin an dieser Geschichte teilhaben.

 

Über diesen Fall ist in den Medien viel berichtet und geredet worden, es war ein Fall, bei dem von Anfang an die Meinungen hin und her wogten, ein Fall, der in der Bevölkerung eine Reaktion hervorrief, wie kaum zuvor. Und es war ein Fall, in welcher große Teile der Bevölkerung Mißtrauen gegenüber dieser Geschichte geäußert haben, sei es konkret und begründet oder auch nur intuitiv. Wie ebenfalls kaum zuvor.

Rational schien es jedenfalls kaum erklärlich.

Natascha Ka., die als Zehnjährige am 2. März 1998 auf dem Schulweg entführt worden war, tauchte am 23. August 2006 im niederösterreichischen Straßhof überraschend wieder auf, nachdem ihr – den eigenen Angaben nach – die Flucht gelungen sein soll. Die nunmehr 18jährige und nunmehr volljährige junge Frau trat entgegen ähnlich gelagerten Fällen an die Öffentlichkeit, gab Interwies, ließ sich in Talkshows einladen, moderierte eine eigene Sendung, schrieb ein Buch und verhielt sich grundsätzlich nicht wie das Opfer einer jahrelangen Gefangennahme in einem 4qm-kleinen Kellerloch, abgeschnitten von Sozialkontakten und überhaupt von allem, was Jugendlichen normalerweise für ihren Entwicklungsprozess benötigen. Von Radio, Video und einigen Büchern sowie etwas Privatunterricht durch den Entführer abgesehen. Kurzum, Frau K. machte nicht den Eindruck, als wenn sie während der Zeit ihres Verschwindens großartig etwas versäumt hätte. Sie begab sich in die Öffentlichkeit, wo sich die Medien nur zu gerne auf sie und ihre Geschichte stürzten. Bereits 2006 gab Frau K. gegenüber dem „STERN“ an, das Haus ihres Entführers kaufen zu wollen, welches sie 2008 tatsächlich erwarb. 2009 folgte auch noch der BMW des mutmaßlichen Verbrechers.

 

 

 

 


 

 

 

 

Diese Umstände verstörten, es passte nicht, da stimmte „irgendetwas“ nicht. Da sagte schon die eigene Intuition, es war und ist das Gefühl vieler, auch ganz ohne Kenntnis einiger Widersprüchlichkeiten in der von Frau Natascha Ka. selbst erzählten Geschichte.

Auf die soll hier aber gar nicht weiter eingegangen werden, zumal eine eigene Beurteilung gar nicht möglich ist. Dazu zählen auch die nicht wahrgenommenen Fluchtmöglichkeiten der Natascha Ka., worüber ich mir kein Urteil anmaße. Es war die Geschichte der Natascha Ka. mit einigen veränderlichen Details und Merkwürdigkeiten. Punkt. Der Widerpart dieser Geschichte, Wolfgang Priklopil, der Entführer, konnte wegen seines vorzeitigen Ablebens nicht mehr befragt werden. Und so bleibt die Darstellung dieser Geschichte natürlich recht einseitig, was besonders das vorherige Verhältnis dieser beiden Personen zueinander betrifft.

 

Interessant ist hier, wie die Behörden mit diesem Fall umgingen. Besonders nach dem Auftauchen von Natascha K. im August 2006.

Die Polizei ermittelte nach der Entführung 1998 und hatte hierbei das Glück, in der damals 12jährigen Schülerin Ischtar A. eine Zeugin zu besitzen, welche die Entführung ganz genau beobachtet hatte. Ischtar A. war in der Lage, den Entführer, den weißen Kastenwagen und den Entführungsvorgang zu beschreiben. Sie gab aber auch an, dass in diesem Kastenwagen, in welchen Natascha K. gezerrt wurde, ein weiterer Mann hinter dem Lenkrad gesessen habe. Dies habe sie genau gesehen, auch wenn sie das Gesicht des Mannes nicht erkannt hatte.

Im Zuge der Ermittlungen 1998 wurden daraufhin von der Polizei rund 1.000 weiße Kastenwagen überprüft, darunter auch jener von Wolfgang Priklopil am 4. April. In seinem Kastenwagen, einem Mercedes 100 D, konnte nur etwas Bauschutt, aber kein Hinweis auf das entführte Mädchen entdeckt werden.

Am 14. April machte ein Polizeihundeführer das Wiener Sicherheitsbüro auf Priklopil als einen möglichen Verdächtigen aufmerksam, doch wurde dieser Hinweis nicht weiter verfolgt, da man Priklopil bereits ausreichend überprüft zu haben glaubte. Obwohl dieser für die Tatzeit kein Alibi vorweisen konnte. Von der logischen Möglichkeit, der jungen Zeugin Ischtar A. Fotos von den Fahrzeughaltern vorzulegen, und hier besonders von Priklopil, ist nichts bekannt. Es wurde schwerwiegenderweise unterlassen.

Während diese Spur bzw. Hinweis demnach fahrlässigerweise nicht zu Ende verfolgt wurde, führten alle weiteren Befragungen, Überprüfungen und Ermittlungen zu keinem Erfolg. Das Mädchen Natascha K. blieb verschwunden.

 

 

Donnerstag
07
März 2013
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