Bedürftig. Wirklich bedürftig.

Bedürftig – 14. Kandidat: Stefan R.

 

Unlängst erreichte uns ein Anruf eines besonders verzweifelten Menschen. Er stellte sich als Stefan R. vor und bat um ein dringendes Gespräch mit unserem Bedürftigen-Reporter Bernd Biegmaier. Man traf sich daraufhin unauffällig in einer unauffälligen Kneipe in einem unauffälligen Viertel.

Unauffällig schien auch das Anliegen des jungen Mannes, mit dem sich Bernd Bieglmaier konfrontiert sah. Stefan R. war jung, dunkelhäutig, knackig und gewitzt. Er hatte ein Jurastudium begonnen und trug große Ambitionen mit sich. Und doch hatte er ein Problem.

Denn vor vier Tagen war er noch hellhäutig gewesen, da hatte er noch zu den „Weißen“ gehört. Aber als er vor drei Tagen des Morgens aufgestanden war und sich hatte die Zähne putzen wollen, hatte ihn ein Blick in den Spiegel erstarren lassen. Die Haut war plötzlich dunkel und er selbst zu einem „Schwarzen“ geworden. Natürlich war er als Mensch, als Person immer noch derselbe, den die Menschen geschätzt, gemocht, auch geliebt hatten, doch wurde dies zum Teil aufgrund der neuen Äußerlichkeit nicht mehr erkannt.

Seine Freundin, so berichtete Stefan R., habe am Morgen lauter als er geschrien. Seine Eltern, die er daraufhin wegen der Aufklärung des Ereignisses angerufen habe, hätten ihn am Telefon nicht mehr erkannt und sich eine keine weitere Belästigung erbeten. Auf dem Weg zur Uni habe er im Bus zum ersten Mal alleine auf einem Platz gesessen. Trotzdem habe er mitanhören müssen, wie zwei alte Männer der Meinung gewesen waren, dass er doch maximal auf einen Stehplatz Anspruch hätte. Unangenehm sei auch die Erfahrung gewesen, so Stefan R. weiter, dass er am Bahnhof von zwei Polizisten aufgefordert worden war, seine Taschen umzudrehen. Sehr unsanft habe man ihn nach Drogen untersucht, obwohl er derartiges absolut ablehnte. Nachdem er auch noch vor der Uni von einem Werber wegen einer Obdachlosenzeitung angesprochen worden wäre, die er nicht kaufen, sondern zukünftig verkaufen sollte, habe es ihm gereicht. Er sei wieder nach Hause gefahren, aber nicht ohne eine weiteres Mal von anderen Polizisten durchsucht worden zu sein. Seitdem habe er bis zum heutigen Tag die Wohnung nicht mehr verlassen und er wisse nicht, was er noch tun könne.

Wir von der Bedürftigen-Redaktion wissen es auch nicht. Aber wir wissen um die Unmöglichkeit, gewisse gesellschaftliche Vorbehalte zu korrigieren. Besonders in Österreich. So können wir nur die Empfehlung aussprechen, das Jurastudium abzubrechen und Fußballer zu werden. Aber nicht in Italien natürlich. Da Herr Stefan uns gegenüber angab, dass er nicht Fußball spielen könne, bleibt somit nur eine kostspiele Rückoperation übrig, die sich seinerzeit nur der schwerreiche wie labile Michael Jackson hatte leisten können.

Mit der Wahl zum Bedürftigen der Woche hoffen wir von der Bedürftigen-Redaktion, dass Herr Stefan R. zumindest die theoretische Möglichkeit erhält, sich über diesen Wettbewerb der Bedürftigen in die Endausscheidungsrunde zu qualifizieren, um zu jenen Mitteln zu gelangen, die wenigstens den Erwerb der Bleichmittel ermöglichen. Wir wünschen Herrn R. viel Glück!


Mittwoch
03
April 2013
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