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Karl Flanner – Ein kleiner Nachruf

 

Karl Flanner verstarb am vergangenen Sonntag, 2. Juni 2013, im Stadtheim von Wr. Neustadt. Nachdem er im Vorjahr den Verlust seiner Frau Hermine und seines Bruders zu beklagen hatte, traf es nun ihn selbst.

 

Sein Tod ist definitiv ein Verlust. Aber sehen wir es positiv, denn es ist erstaunlich genug, dass er als Antifaschist während der NS-Zeit trotz Gefängnis bei der damaligen Gestapo in Wr. Neustadt, Kerker in Graz-Karlau und dem Häftlingsdasein in den Kzs Dachau und Buchenwald mit all den erlebten mörderischen Entbehrungen und Ängsten, die für uns kaum oder gar nicht vorstellbar sind, 93 Jahre alt hatte werden können.

 

Diese Zeit hatte er genutzt. Mit seiner unermüdlichen Energie und Leidenschaft hat er Nationalsozialismus und Faschismus angeklagt, hat seine Erfahrungen und Erlebnisse publiziert, hat diese auch persönlich an Schulen und an alle anderen Interessierten weiterzugeben versucht, hat das Industrieviertelmuseum und die dortige Bibliothek aufgebaut und gemäß seiner Überzeugung alles ihm Mögliche getan, um der (heute kaum noch existenten) Arbeiterschaft ein unterstützendes Denkmal zu setzen.

 

Man musste nicht immer einer Meinung mit ihm sein, aber Karl Flanner verdient jeden Respekt für sein äußerst bemerkenswertes Rückgrat und seine Standfestigkeit, für die konsequente Umsetzung seiner Intention und Berufung, für seinen Streit und die Auseinandersetzung für eine so ungemein wichtige und gerechte „Sache“.

 

Denn seine Vergangenheit ist nicht nur Geschichte. Sie ist auch Gegenwart, unsere Gegenwart, wenn auch (wie immer) maskiert und politisch vollkommen ignoriert. Was ist eine (lächerliche) Stadtwappennadel aus den Händen politischer Opportunisten wert, die anderen politischen Opportunisten eine Ausstellung widmen, ohne diese doch bitte etwas näher zu hinterfragen. Was sind die Worte regionalpolitischer Entscheidungsträger wert, die davon schwadronieren, dass „in einer zeitzeugenlosen Zeit der Kampf gegen Faschismus und Gewaltbereitschaft ein oberstes Gebot der demokratischen Politik“ sei, die aktive Umsetzung dieses Gebots aber ansonsten nirgends bei ihnen zu beobachten ist. Karl Flanner hat gemacht und getan, wo andere nur Worthülsen anzubieten hatten und haben.

 

Karl Flanner ist nun leider verstorben, aber der heutige Neofaschismus als verlängerter Arm des Großkapitals ist es nicht. Im Gegenteil, er wächst. Er fordert tagtäglich seine Opfer, weniger (aber auch) in der ihn gebärenden so genannten „westlichen Wertegemeinschaft“ (eine verlogene Eigendeklaration), dafür um so mehr in vielen anderen bedauernswerten Ländern, welche in das kapitalistische System hineingeputscht und gebombt werden. Faschismus ist nicht irgendetwas, was man nicht sehen und nicht greifen kann, was anonym ist. Die Täter und ihre krakenhaften Strukturen einschließlich ihrer zahlreichen medialen Schreibtischtäter können erkannt und benannt werden, so wie es Karl Flanner in seiner Zeit konnte. Aber genau das geschieht hier nicht.

 

Ruhe in Frieden, Karl, aber wir anderen sollten endlich etwas unternehmen.

 

Das Begräbnis findet am 13. Juni um 14.30 Uhr in Wr. Neustadt statt.

 

 

 

Sonntag
09
Juni 2013
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