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Guter Mord und guter Totschlag 4/1.

„Krieg mit Iran: Preise für Rohöl und Erdgas steigen um bis zu 50 Prozent“, so titelte der KURIER einen Tag später, am 3. März 2026. Dies war eine schlichte, sachliche Information ohne Bewertung.

Der Text von Steiner-Gashi auf Seite 2 beinhaltete als „Leitartikel“ ihre Meinung (und/oder jene des ihr übergeordneten Personals). Die Autorin ging der Frage nach, ob Trump den Krieg bis zum Ende durchgedacht haben könnte, allerdings ging es ihr dabei nicht um irgendwelche strafrechtlichen Konsequenzen für die begangenen Verbrechen. Sie sorgte sich eher darum, dass der Vorwand der Aggressoren – den angeblichen Bau einer Atombombe des Irans zu verhindern – auch mit gewaltigen Luftschlägen allein vielleicht nicht zu erreichen wäre. Immerhin erkannte sie richtig, dass das „Regime“, sollte es überleben, sich an den Aufbau einer Nuklearwaffe „klammern“ würde. Weiters beschwerte sich die Autorin darüber, dass Trump die Verantwortung nun an das iranische Volk abgeben würde, weil er dieses zum Sturz der Regierung aufgefordert hatte. „Damit macht es sich Trump zu leicht“, meinte sie, um anschließend vor einer großen Eskalation in der ganzen Golf-Region zu warnen. Hierbei richtete sie allerdings ihr Augenmerk auf den Iran, der bekanntlich angegriffen wird, und nicht auf die Angreifer. Der Iran würde nun die einzelnen Golfstaaten angreifen, wobei Steiner-Gashi zwar deren Namen aufzählte, aber bei dieser Gelegenheit unterschlug, dass diese eine ganze Reihe von US-Basen, von denen die Angriffe ausgehen, beherbergen.

https://kurier.at/meinung/leitartikel/iran-krieg-usa-israel-angriff-trump/403136862

(Bezahlschranke).

Konrad Kramar widmete sich in „Gehversuche in Sachen Weltpolitik“ europäischen Regierungschefs, welche zu einer „Weltpolitik“ nicht in der Lage wären und sich möglicherweise auch gar nicht dafür interessieren. Immerhin, es wird der deutsche Bundeskanzler Merz, gelernter Jurist, recht schonungslos dargestellt. Als ein Mann, der (in) Washington nichts zu sagen hat und auch mit einem Rechtsstandpunkt nichts anzufangen weiß: „Das internationale Recht habe in einer Zeit, die vom Spiel großer Mächte bestimmt werde, ohnehin keine große Bedeutung“, so wird er von Kramer zitiert. Dieses armselige Gewäsch wurde sogar von Kramar an den Pranger gestellt, hatte derselbe Merz zuvor mit das selbige Völkerrecht in Sachen Grönland (gegenüber den USA) angemahnt gehabt.

https://kurier.at/politik/ausland/iran-eu-usa-israel-von-der-leyen-macron-starmer-merz/403136814

(Bezahlschranke).

Vom KURIER ungewohnt, wurden die Regierungen von Deutschland, Frankreich und England als US-Lakaien dargestellt, war doch deren Standpunkt zu dem Krieg jener, dass der Iran seine Verteidigung einzustellen habe und gleichzeitig Angreifer nicht zu existieren schienen. Während Spanien als einziger Staat in der EU den Überfall der USA und Israels verurteilte, bekam Österreich wieder einmal eine desolate Rolle zugewiesen. Die Außenministerin Meinl-Reisinger durfte ihre Armseligkeit zum wiederholten Male der Öffentlichkeit präsentieren: „So bezeichnete Außenministerin Beate Meinl-Reisinger die Angriffe im ORF als „Bruch des Völkerrechts“, wollte aber dieser Tatsache nicht allzu viel Bedeutung beimessen“, so der KURIER.

Auch von der EU hatte Kramer nichts positives zu berichten. Keine konstruktiven Handlungen, eine anmaßende EU-Präsidentin, welche von Kallas als „Diktatorin“ bezeichnet worden sein soll, leeres Gequatsche.

Weniger interessant war der Beitrag von Anna-Maria Bauer, „Starmer zwischen US-Bündnis und Irak-Trauma“, welche den Blick nach London warf und unter anderem das „Herumgeeier“ des britischen Premiers darstellte. Bei welcher Gelegenheit an die 179 umgekommenen britischen Soldaten gedacht wurde, die beim Überfall auf den Irak 2003 ums Leben gekommen waren. An hunderttausende tote Iraker und millionenfache irakische Traumata wurde hier leider nicht gedacht.

Bei Caroline Ferstl schien festzustehen, dass die Regierungs-Kleriker des Irans dem Untergang geweiht sind: „Die Mullahs wollen nicht alleine untergehen“. Hier wurden den iranischen Verlautbarungen, dass sie (nur) US-Stützpunkte in den Golf-Staaten angreifen würden, entgegengetreten. Beurteilen kann dies allerdings außerhalb des Geschehens niemand, da keine Seite aus verschiedenen Gründen korrekte Angaben abliefert. Davon abgesehen, regelt das Völkerrecht in der UN-Resolution 3314 diese Situation eindeutig. Wenn ein Staat einem anderen Staat erlaubt, von seinem Territorium aus (völkerrechtswidrige) Angriffe durchzuführen, ist dieser Teil der Aggression. Bei der KURIER-Redakteurin schien sich diese Tatsache noch nicht herumgesprochen zu haben, welche in ihrem Artikel auch nicht erwähnt, dass die Golf-Autokratien mit den USA verbündet sind. Es heißt in dem Text nur, dass die Golf-Staaten keinen Krieg wollen – „selbst auf die Gefahr hin, in den Augen des Iran und der Welt als Verbündete Israels und der USA wahrgenommen zu werden“.

So etwas nennt man Augenwischerei, da dieses Bündnis besteht, wenn auch nicht mit dem Staat Israel. Dieser gehört wiederum untrennbar zu den USA, womit sich der logische Zusammenhang ergibt. Gegen den Staat Syrien haben sie alle gemeinsam und einträchtig operiert, was noch nicht lange zurückliegt.

https://kurier.at/politik/ausland/krieg-iran-israel-usa-golf-staaten-vae-bahrain-saudi-arabien/403136714

(Bezahlschranke).

Ferstl leistete sich eine weitere Verwässerung mit der Erzählung, dass Saudi-Arabien und der Iran um eine Führungsrolle in der muslimischen Welt ringen würden. Sie behauptete in diesem Kontext, dass das „Mullah-Regime jahrelang Stellvertreterkriege geführt“ habe. So im Jemen, in Syrien und im „Irak-Iran-Krieg“. Offenbar sollte die Autorin ein vermeintliches Aggressionspotential des Iran ins Schaufenster stellen.

Entscheidend sind hier die wesentliche Weglassungen, so dass aus ihrem Geschreibsel eine handfeste Desinformation wurde. Von einem Stellvertreterkrieg kann im Jemen keine Rede sein, da die Ansarallah-Bewegung („Houthis“) kein Proxy des Iran ist, der Umfang eines „Zuschubs“ des Irans unbekannt ist und Saudi-Arabien der Angreifer war – mit der Unterstützung durch die USA. Das iranische Engagement in Syrien zur Stützung der Regierung war legal und defensiv. Die Angreifer waren die USA, ihre Verbündeten aus NATO und EU, die Golf-Diktaturen sowie Israel. Und auch hinsichtlich dem Irak-Iran-Krieges gab es keinen Stellvertreter-Krieg, da der Iran direkt durch den Irak angegriffen wurde, welcher wiederum als Proxy westlicher Mächte, den USA und den Golf-Diktataturen wie Saudi-Arabien diente. Mit anderen Worten, Ferstl betrieb Propaganda für die Aggressoren.

J. Arends und E. Kröpfl traten im KURIER mit einem „Interview“ auf. Sie wunderten sich, dass es „für einen Zerfall des Regimes“ keine Anzeichen geben würde. Florian Schwarz von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wusste die Antwort: die iranische Führung und das Militär hätten sich vorbereitet. „Schließlich war absehbar, dass ein Militärschlag der USA und Israels bevorsteht – und wer dessen Ziel sein könnte“.

Weil hinsichtlich der Mörderbanden aus den USA und Israel die Phase nach dem Militärschlag immer auch die Phase vor dem Militärschlag ist, möchte man unken. Homayoun Alizadeh, im Artikel als „ehemaliger leitender Funktionär des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte“ vorgestellt, äußert sich hier nicht zu Menschenrechten, sondern fragt sich, wann dem Iran die Raketen ausgehen könnten und spekulierte über Zukunftsszenarien. „Ich befürchte, dass wir einen langen Bürgerkrieg erleben werden“, war eine davon und gleichzeitig der Titel – eine Fehleinschätzung. (Der pensionierte Alizadeh war vor allem ein Beamter des österr. Innenministeriums).

Freitag
10
April 2026
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