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Andreas Baumkircher

 

Gestern, Sonntag, den 29. April 2012, wurde auf der schönen Burg Schlaining im Burgenland die Sonderausstellung „RITTER BAUMKIRCHER – LEBEN UND STERBEN IM 15. JAHRHUNDERT“ eröffnet.

Das Leben wie das Sterben bezieht sich hierbei nicht nur, aber vor allem auf die Person Andreas Baumkircher selbst, der, um 1420 als Sohn eines habsburgischen Burghauptmanns im damaligen „Wippach“ (heute in Slowenien) geboren, ab (wahrscheinlich) 1439 seine rittermäßige Ausbildung im damaligen „Neustadt“ (heute Wr. Neustadt), am Hof des damaligen Landesfürsten Herzog Friedrich V. (nachmalig ab 1440 als König Friedrich IV,und ab 1452 als Kaiser Friedrich III.) absolvierte bzw. beendete.

 

Er gehörte dort zu jenen Rittern, die, als „Hofleute“ bezeichnet, am Hofe des Landesfürsten herumlümmelten und, wenn es nötig war, die Interessen ihres Oberhaupts mit dem Schwert in der Hand wahrnahmen.

Gelegenheit dazu bekam Baumkircher im Verlauf seines Lebens, an deren Ende er den Status eines Freiherren und Baron innehatte, reichlich. Durch das Schwert kam er 1471 auch um.

(Foto aus dem Baumkircher-Clip)


Weiteres soll hier weder von Baumkircher noch von der damaligen gewalttätigen Zeit verraten werden. Denn diese Sonderausstellung berichtet sehr ausführlich über sein Leben wie über sein Sterben und ist nicht nur für historisch Spezialisierte unbedingt empfehlenswert.

Auch wenn diese am Ende in der Erkenntnis mündet, dass es schon immer um die selben Dinge gegangen war. Geld war schon immer ein Thema gewesen. Diese Erkenntnis allerdings lässt dem Betrachter auch das Heute durchsichtiger erscheinen und günstigenfalls widerstandsfähiger gegenüber der medialen Dauerberieselung werden. Ja, genau jene Dauerberieselung, in welcher suggeriert werden möchte, dass es heutzutage in den Kriegen und Besatzungen angeblich um „Religion“, „Demokratie“ oder gar „Menschenrechte“ ginge und nicht etwa um Vormachtsstellungen, Bodenschätze, Ausbeutung und dem schnöden Geld.

Eine Kritik gibt es zur Ausstellung dennoch, welche die grundsätzliche Empfehlung allerdings nicht beeinträchtigen soll. Der behandelte Stoff um Baumkircher und seiner Zeit im 15. Jahrhundert wird sehr textlastig präsentiert. Wer sich konkret und ausreichend informieren möchte, ist hierbei bestens bedient. Die Masse der Besucher am Eröffnungstag zeigte sich damit aber leider überfordert.

(Foto aus dem Baumkircher-Clip)

 

Im Verhältnis zu den (teilweise bebilderten) Texttafeln kommt der visuelle Teil in Form von verschiedenen Exponaten, Repliken, Funddarstellungen und kleinen, sehr sehenswerten „Specials“ wie der Schaukasten zum Thema „Die Belagerung der Burg Haßbach“ leider zu kurz. Dies mag aber auch der insgesamt zu kleinen Ausstellungsfläche geschuldet sein.

Die Erfahrung zeigt, dass grundsätzlich der Großteil der Ausstellungsbesucher derart große Informationsblöcke (wenn überhaupt) nur verarbeiten kann, wenn diese immer wieder von visuellen Strecken unterbrochen werden. Und dies bestenfalls in einer bestimmten Reihenfolge.

So hätte, nur als Beispiel, eine Pavese außerhalb einer Vitrine eine bessere und verständlichere Plattform bekommen, wenn man diese zusammen mit der Figur eines Armbrustschützen in Verwendung gezeigt hätte. Neben kleinen, aber feinen und ins rechte Licht gerückten Szenarios wären auch Dioramen von bestimmten Ereignissen ein Gewinn gewesen, ganz zu schweigen von Modellen der baulichen Entwicklung von Burg und Stadt Schlaining. Auch bleibt es ein Geheimnis, warum für die Besucher der eigens für diese Ausstellung hergestellte Baumkircher-Clip als Einstimmung nicht gezeigt wurde.

Die atmosphärische Komponente, welche neugierige Besucher in ihren Bann ziehen würden, wurde leider nicht berückichtigt.

Keine Frage, die Baumkircher-Ausstellung hätte mehr Raum verdient gehabt. Viel mehr Raum!


Montag
30
April 2012
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