Die oben genannte Printausgabe des KURIER vom 1. März 2026 hatte mit „Der Nahe Osten brennt“ getitelt. Immerhin wurde in der Unterzeile erwähnt, wer den dortigen Krieg vom Zaune gebrochen hat:
„USA und Israel eröffnen den Krieg.“
Die Formulierung deutet schon daraufhin, dass für die Autoren Krieg nicht gleich Krieg zu sein scheint. Während für Russland die Bezeichnung „Angriffskrieg“ erfunden wurde, um eine besondere Aggressivität der „Russen“ hervorzuheben, wurde hier der Krieg dagegen nur „eröffnet“. Wobei angemerkt werden muss, dass die USA bereits seit dem Umsturz 1979 einen Wirtschaftskrieg gegen den Iran führen. Ganz abgesehen von dem durch den damaligen Irak als US-Stellvertreter USA gegen den Iran geführten heißen Krieg (1980-1988) und auch ganz abgesehen von dem erst im Vorjahr gemeinsam mit Israel durchgeführten Überfall und Bombardements. Und auch ganz abgesehen von den durch diese beiden Staaten initiierten Attentate, Terroranschläge etc.
Schwamm drüber. Der KURIER hat am 1. März neben dem als „Leitartikel“ titulierten Dreck mehrere Artikel aufgeboten. Von Walter Friedl stammt der Artikel „Waffengang gegen den Iran stürzt die Region ins Chaos“. Der von ihm verharmloste „Waffengang“ (statt „Angriffskrieg“) beinhaltet Luftangriffe der USA und Israels, wie aus den Unterzeilen hervorgeht, während das „Mullah-Regime“ sich nicht verteidigt, sondern „zurückschlage“. Der Ton bestimmt die Musik.
https://heute-nachrichten.eu/politik/waffengang-gegen-den-iran-stuerzt-die-region-ins-chaos/
Friedl vermied in seinem Text jegliche Bewertung und somit auch eine völkerrechtliche. Wichtiger war ihm die Nennung der Operationsnamen seitens der Verbrecher. Oder die Wiedergabe der öffentlich geäußerten (vorgeschobenen) Begründungen für die im Iran durchgeführten Zerstörungen und Massenmorde. Wichtig waren ihm auch die durch iranische Abwehrmaßnahmen verursachten Schäden in arabischen Anrainer-Staaten am Golf, welche US-Militärbasen beherbergen. Hinsichtlich dem angegriffenen Iran ignorierte Friedl dagegen das Ergebnis der Bombardements, er fokussierte sich auf Warteschlangen vor den Tankstellen und Stauungen auf den Straßen: „… alle wollten nur weg“, so Friedl. Doch warum?
„Laut iranischen Angaben wurde im Süden des Landes eine Mädchenschule getroffen. Dabei sollen Dutzende Kinder ums Leben gekommen sein.“
165 Kinder sollen letztlich nach offiziellen (iranischen) Berichten umgekommen sein, außerdem noch Lehrer und Eltern. Friedl hinterfragte dieses einzelne Massaker nicht und wechselte sofort zum „Regime“, welches „antiamerikanische und antiisraelische Demos“ organisieren würde. Was hier durchaus nachvollziehbar erscheint, wurde durch Friedl reichlich geschmacklos durch die Erwähnung von „Exiliraner(n) in europäischen Städten“ quasi neutralisiert, welche die Angriffe feiern würden.
Diese „Exiliraner“ standen wiederum im Kontrast zu den „Machthabern“ in Teheran, von denen unterdessen eine Reihe bereits ermordet wurden. Denn Letztere riefen die „Weltgemeinschaft“ zu Maßnahmen auf, um die Gewalteskalation zu beenden. Also das, was von den USA und Israel ausdrücklich nicht gewünscht wurde. Friedl ließ immerhin den Aggressor Trump zu Wort kommen, der eine Schuldzuweisung an den Iran formulierte und weitere Gewalt in Aussicht stellte und auch Angehörige der sog. Revolutionsgarden mit dem Tod bedrohte, sollten diese nicht sofort kapitulieren.
Zuletzt war es Friedl noch wichtig, den Sohn des von den USA und England gesteuerten, früheren iranischen Schahs, Reza Pahlavi, unterzubringen. Dieser Diktatoren-Sohn wurde zuletzt häufiger von westlichen Massenmedien ins Spiel gebracht, um einen Kandidaten als möglichen neuen Regierungschef für den Iran zu präsentieren. Natürlich nicht als Kandidat der Iraner, sondern als Kandidat der USA, logisch.
Evelyn Peternel, im KURIER in den vergangenen Jahren zuständig für antirussische Meinungsbildung, durfte auf dem Golf-Schauplatz mit dem Artikel „Trumps neuer Krieg – und die große Frage nach dem Warum“ mitmischen. In ihrem als „Analyse“ titulierten Text vermochte sie ihre selbst gestellte Frage allerdings kaum zu beantworten, weil ihr dafür weder Horizont noch Phantasie zur Verfügung stehen. Weswegen sie nur dem US-Präsidenten Trump zuhören kann – und der habe noch keine schlüssige Begründung geboten. Bekanntlich sagt Trump mal dies, mal das. Nix ist fix, was Peternel überfordert haben dürfte.
Und doch zeigte sie ein gewisses Verständnis für den Überfall auf den Iran und damit für das damit zusammenhängende gigantische Verbrechen. Dessen „Regime“ wäre angeblich eines der „repressivsten der Welt“, behauptet die Redakteurin. Sagt auch Washington. Peternel nennt allerdings keine weiteren der „repressivsten“ Regime, die einen Vergleich hätten zulassen können. Noch vor den Regimen in Washington, Tel Aviv, Riad oder gar Damaskus, wo bekanntlich vor rund einem Jahr ein Al-Kaida-Regime etabliert wurde? Die Gedankenwelt bleibt unter den hellen Haaren im Dunkeln.
Um die Boshaftigkeit der iranischen Regierung herauszuheben, führte Peternel die im Westen gestreute massenmediale Behauptung an, dass „Tausende“ gestorben wären, als sie sich gegen die Mullahs erhoben hätten. Und nicht zu vergessen die zahlreichen Gefangenen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Für Peternel offenbar grausamer als ein permanenter Bombenhagel der Menschenfreunde. Und ja, nicht zu vergessen das iranische Nuklearprogramm und „die Bombe“. Die freilich nicht existiert, was aber der Hetze keinen Abbruch tut.
Peternel zählte auf, wie der regionale Einfluss des Iran sich in den vergangenen Jahren Stück für Stück verringert habe, freilich mittels Krieg durch die USA, Israel und allen ihren Verbündeten. Doch ist es ihr ein Rätsel, warum es in dem ganzen Geschehen geht. Sie fürchtet, dass das „Pulverfass Nahost“ angezündet werden könnte, nennt aber nicht die Täter, also jene, welche permanent die Lunten anzünden. Dies ist nicht der Iran.
Nachdem Peternal gezeigt hat, dass in einer „Analyse“ nicht eine selbige vorhanden sein muss, gab es einen weiteren Artikel von ihr, wobei es sich um ein Interview mit dem ehemaligen Militär und jetzigen „Militäranalysten“ Walter Feichtinger handelte. „Rechne mit langem, intensiven Kriegsszenario“, so die Überschrift, in welcher mit dieser Meinung bereits alles gesagt wurde.
Ein weiterer Beitrag kam von Norbert Jessen aus Tel Aviv. Er war zuständig für einige emotionale Momente aus dem Verbrecher-Staat Israel. Hier ein Alarm, dort eine Beschädigung an einem Haus, hier der Zivilschutz, dort die Empfehlungen der verbrecherischen Regierung. Vermengt mit dem Gerede des Massenmörders und Genozid-Experten Netanjahu, dem örtlichen Mafia-Paten mit dem Hang zu extremer Gewalt. Alles nicht neu, alles bekannt.
Anita Staudacher war anschließend mit dem Artikel „Iran sperrt für Welthandel essenzielle Straße von Hormus“ mit den Folgen des Krieges beschäftigt, welche fatal sein müssen. Der kleinere Artikel „14.000 Österreicher in der Region, Außenamt richtet Krisenstab ein“ widmete sich der Reaktion aus Österreich. „Anlass zur allergrößten Sorge“, so wurde Bundeskanzler Christan Stocker zitiert. Das ist auf dem politischen Parkett eine der beliebtesten Floskeln für duckmäuserische Tatenlosigkeit. Als „oberste Priorität“ hatte er den Schutz von Zivilisten ausgemacht. Doch welche? Denn jene im Iran und im Libanon und auch Gaza werden bekanntlich gerade ungeschützt bombardiert. Nun ja, ernst gemeint war es offenbar ohnehin nicht, wies Stocker – ganz auf Linie der USA und Israel – darauf hin, dass der Iran nie in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe.
Was wollte Bundeskanzler Stocker damit sagen? Dass es in Ordnung sei, vorher einen Staat zu zerschlagen, das Land zu zerbomben, quasi präventiv? Und warum sollen jene Staaten, welche den Iran bedrohen, über Atomwaffen verfügen dürfen? Mit dieser transatlantisch justierten Einstellung konnte die Meldung der aktuellen Außenministerin Meinl-Reisinger, den Standort Wien für Verhandlungen anzubieten, als besonders lächerliche Idee markiert werden. Meinl-Reisinger lieferte sogleich ein entsprechendes Selbstbildnis, faselte etwas davon, dass die Menschen im Iran „Freiheit“ verdienen würden und dass die dortige Bevölkerung vom „Regime“ unterdrückt werden würde. Da war sie wieder, diese Besorgnis, so selektiv angewendet wie beim großen Imperator aus Übersee, wo „Besorgnis“ nur bei deklarierten Feinden geäußert wurde und wird. Also jenen Staaten, welche sich dem US-Diktat nicht unterordnen möchten.
Zuletzt war noch Konrad Kramer mit dem Artikel „Keine Kritik an Trump, Warnung an Iran: Europa bezieht klar Stellung“ am Thema. Falsch war hier schon die Behauptung, dass „Europa“ zu irgendetwas Stellung beziehen würde. Es geht hier allein um das Gebilde „EU“ als Organisation. Die europäische Bevölkerung ist übrigens in ihrer großen Mehrheit gegen Kriege und Gewalt. Die transatlantisch gesteuerten, korrupten Regierungen sehen es freilich anders. Es ist bezeichnend, dass diese ihren Teil an den Verbrechen beitragen, diese mittragen und sich zudem wie Kolonialherren erdreisten, von dem überfallenen Opfer eine Einstellung des Widerstands zu fordern.
Ja, das ist alles richtig eklig. Und doch ist es wichtig, die Regierungen der EU-Staaten in ihrer Selbstdarstellung zu beobachten und in ihrer abgrundtiefen Verkommenheit zu erfassen.


