Author Archives: Ruediger

Eine österreichische Terrorlösung 3

 

 

Zum Schluß soll hier noch ein anderes Beispiel aus dem genannten Artikel aufzeigen, für wie blöd die Leser verkauft werden sollen.

 

Zitat aus dem KURIER vom 7. September 2013:

 

Die Gründe für den steigenden Syrien-Trend, so ein BVT-Beamter, seien mehrschichtig. Zum einen vernetze sich die europäische Salafisten-Gemeinde immer besser. Und es sei leichter, unerkannt via Türkei nach Syrien zu gelangen. Wer aber in ein Terrorcamp nach Afghanistan will, laufe Gefahr, von den Geheimdiensten erkannt zu werden.

 

Ein schönes Beispiel für Suggestion. Es wird der vorsätzliche Eindruck vermittelt, als würden Terroristenanwärter vor allem gerne Terrorist werden, gleichgültig wo. Da es aber derzeit einfacher sei, nach Syrien als beispielsweise nach Afghanistan zu gelangen, würde halt Syrien das Ziel sein.

 

Dieser Eindruck ist, von den Aktivitäten einzelne minderbemittelter Individuen abgesehen, falsch. Diese Terroristen haben sehr wohl ein räumlich gebundenes Motiv, und sie haben auch Auftraggeber.

 

Afghanistan ist nicht Syrien. In Afghanistan könnte der Kampf gegen die westlichen Besatzungstruppen und ihrer Kollaborateure ein Motiv bilden. Der Schauplatz Syrien dagegen ist genau entgegengesetzt gelagert, denn hier führen aggressive westliche Industriestaaten und ihre Handlanger aus der GCC (Saudi-Arabien, Katar) einen verdeckten Krieg gegen diesen Staat Syrien mit Hilfe einer ganzen Terroristenarmee.

 

Insofern ist jene Passage aus dem Zitat, dass es einfacher sei, über die Türkei nach Syrien zu gelangen, sogar richtig. Denn die Türkei als östlichstes NATO-Land führt ebenfalls den verdeckten Krieg gegen Syrien. Die dort, und nicht nur dort, von westlichen Geheimdiensten und Militärs eingerichteten betriebenen Terrorcamps bilden diese Terroristenanwärter aus, bewaffenen sie und schicken sie über die offene türkische Grenze nach Syrien.

 

Hier sind die gefährlichen Terroristen demnach die „guten“ Terroristen, weil sie durch die westlichen Kriegstreiber instrumentalisiert wurden, um einen unliebsamen, souveränen Staat zu Fall zu bringen. Nach einer seit Jahrzehnten praktizierten Methode.

 

Allerdings funktioniert es dieses Mal nicht so gut. Trotz einem unglaublich hohen personellen Aufwand an Terroristen, trotz unglaublichen Mordorgien, Raub, Zerstörung, Bombenattentaten und Vergewaltigungen ist es ihnen nicht gelungen, den Staat Syrien zu Fall zu bringen, weil die Regierung über einen großen Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, welcher sich in Anbetracht des mörderischen Gesindels auch noch vergrößert hatte.

 

Es ist erschreckend, hier mitansehen zu müssen, über welches ungeheures Terroristen-Reservoir die USA, NATO, Israel, Saudi-Arabien und Katar verfügen.

 

Seit etwa einem Jahr sind auch vermehrt tschetschenische Terroristen in Syrien festgestellt worden, die sich in den Nusra-Brigaden und ISIS organisiert haben, die sich nach eigenem Bekunden und durch äußere Kennzeichnung der „Al Kaida“ zugehörig fühlen, also den ganz bösen Menschen, die ja angeblich durch die USA in ihrem „Krieg gegen den Terror“ verfolgt werden, wundersamerweise aber in Syrien, wie zuvor in Libyen, Bosnien usw. unterstützt werden. Sie waren und sind nichts weiter als das gesteuerte mörderische Werkzeug des skrupellosen Packs im Westen zur Durchsetzung ihrer Interessen.

 

(Fehlerhaftes) Russisch in Daraya: “Heute Syrien, morgen Russland!”

 

 

Tschetschenische Terroristen sind nicht neu. Die entstanden nach dem Zerfall der UdSSR aus einer seperatistischen Bestrebung heraus, Tscheschenien aus dem damaligen postsowjetischen Staatenbund zu lösen. Die USA hatten wiederum versucht, möglichst viele Staaten aus dem ehemaligen Ostblock unter ihre Kontrolle zu bringen, sei es mit angezettelten und organisierten Revolutionen, Erpressung und Teilhabe oder eben mit mehr oder minder verdeckter Gewalt.

 

Womit in Tschetschenien und auch in Dagestan schließlich als Handlanger der USA die Diktatur von Saudi-Arabien zum Zuge kam, die einerseits Terroristen aus ihrem eigenen Fundus ins Land schleuste und andererseits die Seperatisten-Bewegung übernahm. Kennzeichen ist hier die faschischstische religiöse Gesinnung des Wahhabismus, der saudischen Staats-Relegion.

 

Da der Verschleiß der vom Westen gesteuerten Terroristen sich in Syrien gravierender erwiesen hatte als erwartet, hatten die Saudis als die größten Terrorfinanzierer damit begonnen, Verbände ihrer terroristischen Söldner aus Tschetschenien nach Syrien zu verlegen.

 

Und um auf Österreich zurückzukommen: offenbar sind unter den Asylanten aus Tschetschenien auch eine Reihe von ehemaligen Söldnern in die Alpenrepublik gelangt, möglicherweise haben sie sich schlichtweg abgesetzt, um einer Verfolgung zu entgehen.

 

Wer erinnert sich noch an den Tscheschenen Umar Israilov, welcher am 13. Januar 2009 von tschetschenischen Landsleuten in Wien-Floridsdorf erschossen wurde? Ungeachtet seiner überlieferten, aber gleichfalls unglaubwürdigen wie lückenhaften Selbstdarstellung wurde auf einen Aspekt nie eingegangen. Dieser Mann war zwar gebürtiger Tschetschene gewesen, aber auch Wahhabite. Ein sicheres Zeichen, dass er auf der Lohnliste der Saudis gestanden war – als Söldner und als Terrorist.

 

Möglicherweise wurde der Asylantrag dieses Mannes von den österreichischen Behörden nicht richtig überprüft. Nur: wer soll das glauben?

 

Samstag
14
Dezember 2013

Eine österreichische Terrorlösung 2.

 

 

Auch dieses „Interview“ mit Innenministerin Mikl-Leitner hätte Possenqualität.

Die Dame würde angeblich mit „Terrorgefahr“konfrontiert werden, ist aber gleichzeitig dafür verantwortlich, das von ihren Behörden festgestellte Terroristen nicht belangt werden.

Bei diesen identifizierten Personen soll es sich angeblich um „tickende Zeitbomben“ handeln, also um terroristische Anwärter, obwohl diese es doch gerade erst praktiziert haben sollen, freilich im Ausland.

Das erinnert zudem sehr an die Beschwörung des Kriegsverbrechers George W. Bush, welcher seinerzeit die Terrorhysterie noch mit tausenden angeblichen „Schläfern“ hatte steigern wollen. Als Bestandteil zur Rechtfertigung der eigenen Kriege, Schaffung des Polizeistaates und gleichzeitiger Entrechtung der eigenen Bevölkerung.

 

Mikl-Leitner übernimmt auch hier die Behauptung, dass es sich bei diesen Terroristen oder auch nur potentiellen Terroristen um „einsame Wölfe“ handeln solle. Hiermit soll die Schwierigkeit suggeriert werden, diese Personen ausfindig zu machen, um die staatlichen Überwachungsmaßnahmen zu verkaufen.

Groteskerweise widerspricht sie damit dem BVT-Bericht. Denn dieser stellt nicht nur eine immer bessere Vernetzung der Salafisten-Szene fest, sondern hält auch fest, dass ihnen diese Personen durchaus bekannt sind. Ganz abgesehen davon, dass in dem bislang bekannten Terrorismus (auch) in Europa merkwürdigerweise fast immer Geheimdienste involviert waren.

 

Immerhin ist Mikl-Leitner ehrlich genug, um in diesem Interview anzugeben, um was es ihr tatsächlich geht: um das „rechtzeitig“ geschnürte „Antiterrorpaket“.

 

Zitat:

„Wie gehen die Behörden mit dieser Bedrohung um?
Wir haben zur richtigen Zeit das Antiterrorpaket geschnürt. Das hilft uns jetzt, die Bevölkerung zu schützen, weil wir damit nun gegen radikalisierte Einzelpersonen vorgehen können. Ohne das Antiterrorpaket hätten die Behörden gegenüber diesen Extremisten keine Handhabe gehabt.“

 

Damit erschöpft es sich allerdings, denn alles andere ist eine deutlich wahrnehmbare verlogene Scheiße.

Denn es geht nicht um den Schutz, sondern um die Kontrolle der Bevölkerung. Vor den oben genannten Terroristen wird sie auch nicht beschützt werden, wenn diese vom Innenministerium gleichzeitig protegiert werden. Die Behauptung, dass es sich bei diesen Männern um angebliche Einzelpersonen handeln würde, widerlegt der BVT-Bericht selbst. Es wird nur versucht, die dahinter befindliche Organisationsstruktur zu verschleiern. Und das aus gutem Grund.

 

Abgerundet wird das ganze noch mit dem obigen letzten Satz im Zitat, was an Dummdreistigkeit kaum noch zu überbieten ist. Denn wir erinnern uns an den vorherigen Text: die Terroristen werden nur beobachtet, aber nicht belangt. Verhaftet wurden in den letzten Jahren nur einige Spinner, dies aber unter medialem Getöse.

 

Es versteht sich von selbst, dass dieser in mehrfacher Hinsicht desaströse Artikel weder vom Autor noch von dem Propagandablatt „Kurier“ auch nur ansatzweise hinterfragt wird. Dafür werden sie auch nicht bezahlt.

 

Mittwoch
11
Dezember 2013

Eine österreichische Terrorlösung.

 

In Sachen „Unkultur“ und dem Verblödungsauftrag durch die gleichgeschalteten Massenmedien soll hier auf einen besonders dreisten und dummen Artikel hingewiesen werden, erschienen am 7. September 2013 im Propaganda-Blättchen „KURIER“.

 

http://kurier.at/chronik/oesterreich/terrorverdacht-gegen-rueckkehrer/25.812.895

 

Dieser Artikel unter dem Aufmacher „Terrorverdacht gegen Rückkehrer“, bezog sich auf einen Jahresbericht des (österreichischen) „Verfassungsschutzes“ (BVT).

 

Hierin wurde von dieser Behörde bekannt gegeben, dass die Zahl jener „Österreicher“, die sich in Syrien zum Kämpfen befinden würden, von 18 Personen des Vorjahres auf 50 erhöht habe. Bei diesen „Österreichern“ soll es sich um „radikalisierte Islamisten“ handeln, von denen einige wieder nach Österreich zurückgekehrt sein sollen. Diese Rückkehrer wurden nun laut dem BVT als „höchstrangiges Risiko“ eingestuft.

 

Der „Kurier“ weiß zudem zu berichten, dass „quer durch Europa“ Salafisten bei muslimischen Migranten und Konvertiten für einen Syrien-Einsatz werben, von denen die meisten dann aber nicht bei der „klassichen syrischen Opposition“ ankommen würden. Was immer hier auch unter „klassisch“ gemeint sein und was das überhaupt sein könnte, es wird nicht genannt. Die meisten dieser freiwilligen Kämpfer sollen sich stattdessen, so der „Kurier“ weiter, bei den Al-Kaida-Truppen wiederfinden, die bei dieser Gelegenheit nun auch beim Namen genannt werden: „Mordbrigaden“. Das war in der Vergangenheit auch nicht immer so.

 

Anschließend erfährt der Leser, dass es sich bei diesen angeworbenen Kämpfern zumeist gar nicht um Österreicher handelt, sondern um Asylanten aus Tschetschenien.

 

Was gedenkt das BVT nun zu unternehmen? Zitat aus dem Artkel:

 

„Der Verfassungsschutz hat derzeit neun Syrien-Rückkehrer im Visier, die es nun ständig zu überwachen gilt.“

Das ist alles.

 

Wie soll man sich das vorstellen? 3 Schichten pro Tag und somit 27 Beamte täglich für die Überwachung oder die kostenkünstigere Variante mit der Einbettung in ein bestehendes V-Mann- und Spitzel-Milieu? Von uns finanziert übrigens.

 

Offensichtlich ist hier aber etwas ganz anderes: 9 als „Österreicher“ bezeichnete Personen, die zumeist keine Österreicher sind, können offenbar illegal in ein fremdes Land ausreisen, dort morden, rauben, zerstören und vergewaltigen, um anschließend straffrei wieder nach Österreich einzureisen.

 

Wie ist das zu deuten? Hat sich unsere Rechtsordnung unbemerkt und am Parlament vorbei verändert und entmoralisiert? Dürfen wir neuerdings auch rauben und morden, wenn es sich doch nur außerhalb des Landes abspielt?

 

Um welche Personen es sich bei den genannten Kämpfern handelt, ist dem BVT wie auch dem Innenministerium vollkommen klar: es sind Terroristen, die terroristische Handlungen begannen haben. Weswegen sie vom BVT logischerweise als brandgefährlich eingestuft werden.

 

Aus dieser Tatsache und ihrem eigenen Eingeständnis nach kommen die Behörden nicht mehr heraus. Trotz ihrer eigenen Erkenntnisse schreiten Polizei und Justiz nicht ein. Ja, es ist nicht einmal die Rede davon, den ausländischen Terroristen ihren Asylstatus anzufechten. Nichts.

 

Somit haben wir es hier mit der Entrechtung einer Bevölkerungsgruppe zu tun, die sich in diesem Fall im Ausland befindet: die syrische Bevölkerung. Eingefasst in einen mehr und mittlerweile minder verdeckt geführten Krieg ausländischer und teilweise faschistoider Mächte gegen den Staat Syrien.

 

Das „riecht“ nach hochkrimineller Komplizenschaft der österreichischen Behörden, die sich innerhalb eines vermeintlich neutralen Landes als Handlanger ausländischer Kriegstreiber hervortun. Es wurde bislang keine Strafverfolgung gegen diese Terroristen eingeleitet, es wurde und wird nicht nach deren Geldgebern und Auftraggebern gefahndet, stattdessen wird ihnen Unterschlupf geboten und ihre Anwesenheit gleichzeitig dazu benutzt, um den Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ zu rechtfertgen.

Das ist pervers, aber alles andere als ein Einzelfall.

 

Zitat:

 

„Nach ihrer Rückkehr stellen diese Menschen laut einem Verfassungsschutzbericht ein „schwer kalkulierbares Risiko“ dar. Zum einen bestehe die Gefahr, dass sie ihr erworbenes Wissen zur Durchführung eines Anschlags im Inland nutzen, etwa nach dem Beispiel des Franzosen Mohamed Merah oder der sogenannten „Sauerland-Gruppe“ in Deutschland. Gleichzeitig besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Rückkehrer logistische Unterstützungsleistungen übernehmen und weitere Extremisten rekrutieren.“

Genau darum geht es offensichtlich nicht. Die hier angeführten Beispiele belegen dies sogar.

 

Angeblich allein und zudem ohne Motiv für die ihm zur Last gelegten Morde wurde Merah ohne Not durch den Kopfschuss eines Scharfschützen erschossen. Die weiteren auf ihn abgegebenen 20 Schüssen sollten offenbar sicherstellen, dass er zu keiner Aussage mehr fähig sein würde. Zum Beispiel für den Umstand, dass er zuvor V-Mann des französischen Geheimdienstes gewesen war.

 

Merah zu einem Zeitpunkt, als er nicht die geringste Ahnung hatte.

 

Und die so genannte „Sauerland-Gruppe“ in Deutschland wurde, möglicherweise auf Veranlassung durch US-Dienste, vom dortigen Verfassungsschutz selbst zusammengestellt, um dann mit einer haarsträubenden wie dummdreisten Geschichte als Possenalibi für neu erlassene und vermeintliche „Antiterrorgesetze“ in Deutschland herzuhalten.

 

Die Mitglieder der dämlichen „Sauerlandgruppe“, zusammen mit Kollegen.

 

Das alles steht in der Zeitung, aber kaum jemand begreift es. Auch die österreichischen Behörden setzen auf die Dummheit ihrer Bürger. Und es funktioniert! Immer wieder.

 

 

Dienstag
10
Dezember 2013

Prämierte Pressefotos

 

 

Im „Westlicht“ in Wien ist im Oktober eine Ausstellung zu Ende gegangen, welche die Pressefotos des Jahres 2012/13 zum Inhalt hatte.

 

Natürlich gehörten auch Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten dazu. Aber wieder einmal gelangten Propaganda-Fotos unter das vermeintlich beste Bildmaterial, welche einerseits Tätergruppen darstellten, ohne die als solche zu benennen, und auf der anderen Seite eine Täter-Opfer-Umkehr vornahmen.

 

Dazu gehört das Folgende, hier nur im Ausschnitt gezeigte Foto von Fabio Bucciarelli, der für die Nachrichtenagentur AFP arbeitet.

 

(Ausschnitt)


Der mit einem Scharfschützengewehr abgebildete Mann wird wahlweise als „syrischer Kämpfer“ und als „Kämpfer der FSA“ bezeichnet.

Beides ist falsch. Die Binde um den Kopf weist ihn als einen Kämpfer einer fundamentalistischen Terrorgruppe, Al-Nusra, Al-Kaida usw. aus. Diese wiederum bestehen aus ausländischen Söldnern, die von den USA, Saudia-Arabien, Katar, Türkei, Israel, Frankreich, England usw. angeworben, ausgebildet, ausgerüstet und bezahlt worden sind.

Das wird auch Bucciarelli wissen, schließlich zog er für eine Weile mit den Terroristen durch Aleppo (oder sonstwo). Als Zeuge und auch als Helfershelfer. Er hat dort noch andere Fotos „geschossen“.

 

„Bucciarelli zeigte sich angesichts der Preisverleihung erfreut darüber, dass „die Menschen mehr Bilder aus Syrien zu sehen bekommen“. Zugleich erinnerte der 32-Jährige daran, „dass einige Journalisten bei dem Versuch ums Leben gekommen sind, Nachrichten aus Syrien zu liefern““.

Diese Heuchelei ist zum Erbrechen. Weder ist er derjenige, welcher Nachrichten liefert, noch ist er derjenige, der bei dieser Gelegenheit seine syrischen, iranischen und russischen Kollegen gedenkt, die von jenen Terroristen, die er während ihrer Verbrechen begleitete, ermordet wurden.

 

Für die AFP arbeitet unter anderem auch der US-Fotograf Javier Anzano, der ebenfalls ein wildromantisches Foto von Terroristen in den Wettbewerb geschickt hatte und sich platzieren konnte.

 

 

(Ausschnitt)

 

 

In der Sparte „Nachrichten“ konnte sich der unter anderem für die US-Agentur AP tätige Fotograf Rodrigo Abd den ersten Platz sichern. Es zeigt das Gesicht einer verletzten Frau, die aus Syrien sein soll.

 

 

 

(Ausschnitt)


 

Das ist nun keine Nachricht, die wurde erst mit der Botschaft hinzugefügt, dass es sich bei der gezeigten Frau um eine Überlebende handele, die durch Bomben- oder Granattreffer zuvor ihre Familie verloren haben soll. Der Schuldige wurde entgegen den sonstigen Gepflogenheiten auch gleich genannt: nicht etwa die ausländischen Terroristen oder die Syrische Arabische Armee, sondern Assad war das gewesen, wer sonst? Gegen das eigene Volk und so, ganz auf NATO-Linie propagiert.

 

Es ist bedauerlich, dass auch das Westlicht im Rahmen der Pressefotos wieder einmal der Manipulation auf dem Leim ging und das Dargestellte nicht hinterfragt. So als würde Barrack Obama seit dem Titel „Friedensnobelpreisträger“ nichts mit Krieg, Terrorismus, Massenmorde und Drohnenattentate zu haben. Vielleicht werden wir in Zukunft im Zuge der allgemeinen westlichen Geschichtsrevision erfahren, dass Russland 1941 Schuld an der faschistischen Invasion hatte. Weil sie sich tatsächlich verteidigt und es ohnehin darauf angelegt hatten, überfallen zu werden.

 

Genau das geschieht die ganze Zeit in Syrien. Und wieder ist es eine vom Ausland gesteuerte faschistische Invasion, welche das ganze Land zerstört.

 

Mittwoch
13
November 2013

Das Klo von Wr. Neustadt

 

Jetzt also doch! Wr. Neustadt bekommt eine eigene Toilette.

 

 

Was dies mit Kultur zu tun hat?

 

In ästhetischer Hinsicht durchaus. Denn hier kann unterschieden werden: ist ein homogenes, historisches Stadtbild erwünscht, welches auch für Besucher ansprechend sein möchte, oder eher ein visuell häßliches Vorstadt-Szenario im Ostzonen-Look der 70er.

 

Besonders für das letztere Stadtbild wurde in den letzten Jahrzehnten viel getan. Alte, teilweise historische Substanz, die den Bombenkrieg überlebt hatte, wurde abgerissen, aber nicht homogen ersetzt. Die Grazer Straße, bereits vor den Kriegen von besonders weitsichtig kurzsichtigen Stadtregierungen als Durchzugsstraße einer kleinen Altstadt konstruiert, erhielt ihren DDR-Charakter. Das häßliche neue Rathaus konnte sich dort auf diese Weise problemlos eingliedern. Das Hochhaus des Krankenhauses gehörte schon früher zu den baulich antiästhetischen und fehlplatzierten Entgleisungen, das neuere Parkdeck hat die bis dahin nur noch geahnte städtische Schauseite an dieser Ecke entgültig vernichtet. Auf der Südseite der Stadt wurde durch den Abriß des alten Brauhauses und den Neubau der Leiner-Bauten ebenfalls bauliche Verbrechen veranstaltet, ein Stück weiter auch durch den Bau des EVN-Gebäudes.

 

Nach wie vor existiert der Plan, auch den Stadtpark mit dem Bau eines neuen Hotels zu versauen sowie beim Szokol-Park den letzten Rest eines dort vielleicht noch vorhandenen leidlichen Stadtbildes zu zerstören. Das Projekt „Noch eine Tiefgarage“ hat aber nichts mit dem Vorhaben einer angeblichen „Belebung“ zu tun, die auf der anderen Seite ohnehin systemathisch untergraben wird. Es handelt sich hierbei um ein reines Spekulationsobjekt für eine bestimmte Interessensgruppe auf Kosten der Steuerzahler.

 

So kann durchaus der Eindruck entstehen, dass der Bombenkrieg 1943/44 gar nicht notwendig gewesen wäre, um das Stadtbild von Wr. Neustadt zu zerstören. Denn das besorgen die jeweiligen Stadtregierungen Stück für Stück selbst.

 

Und nun das Klo auf dem Hauptplatz. In Anbetracht der anderen künstlich beigebrachten Schäden mag dies lächerlich klingen, denn der Umfang der geplanten öffentlichen Toilette ist recht gering, bietet nur zwei Sitzplätze und mehrere Stehplätze. Und das für kolportierte „nur“ 166.000,- Euro. Erst einmal, natürlich.

 

Die Idee, dieses WC neben einem zentralen Punkt des Hauptplatzes, der Mariensäule, errichten zu lassen, ist wie die nicht gezogene Option: unterirdisch. Dass dieser Standort nun wirklich schlecht gewählt ist, müssen die Entscheidungsträger allerdings geahnt haben. Deswegen haben sie sich auch eine verspiegelte Anlage andrehen lassen, in der Meinung oder wenigstens in der Hoffnung, dass diese Verspiegelung das Klo quasi unsichtbar machen würde.

 

Leider wird das nicht funktionieren, denn auch ein verspiegelter Glasbau wird sichtbar bleiben. Und erst recht an einem Platz, wo er fremder nicht sein kann. Die Entscheidungsträger versuchen dies nun ihrer Bevölkerung als „Integration“ zu verkaufen. Wie das funktioniert? Es wird behauptet, dass diese öffentliche Toilette mit der häßlichen Bushaltestelle nebenan eine integrierte Einheiten bilden wird. Und tatsächlich, gemäß der eigenen Vorstellungskraft zufolge, scheint diese Behauptung durchaus stimmig zu sein.

 

Weil dies alles allerdings Unkultur bedeutet, hat es logischerweise wieder mit Kultur zu tun. Es ist traurig, dass die Stadt wieder nicht in der Lage war, eine bessere und ansprechende Lösung zu finden, für die es durchaus Überlegungen gegeben hat.

 

 

 

Donnerstag
19
September 2013

Bedürftig – 18. Kandidat: Gerald K.

 

 

Unserem Bedürftigen-Reporter blieb beim Frühstück das Mohnhörnchen im Hals stecken, als er es las. So viel freiwilliges Entgegenkommen hatte er von Herrn Gerald K. nicht erwartet.

 

Gerald K. mochte eine Rolle spielen und hat auch eine erhalten: jene des Verteidigungsministers unseres Landes Österreich. Gleichzeitig hat er sich auch für die Rolle des Bedürftigen beworben, anders konnte es Bernd Bieglmaier nicht deuten.

 

Hat dieser Mann doch tatsächlich in seiner Verteidigungsminister-Rolle den US-Amerikanern angeboten, mit Soldaten aus der ABC-Abwehr und ggf. vom Jagdkommando in Syrien auszuhelfen, um syrische Kampfstoffe zu „bergen“.

 

 

Herr K. hat sich dabei in der Rolle des Österreichers gesehen oder vielmehr ausgegeben, doch leider dabei versäumt, Rücksprache mit der Bevölkerung und der übrigen Regierung zu halten – von seiner SPÖ-Partei abgesehen, was noch nicht deutlich ist.

 

Und nun hat der Herr Gerald K., durch und durch unfähig, die Rolle des Verteidigungsministers wahrzunehmen oder gar nur zu spielen, die Rolle des Vollidioten. Das war nicht klug, Herr K.

Denn das Land Österreich, dem er angeblich dienen würde, deklariert sich immer noch als neutral, so schwer es auch fallen mag und so wenig es häufig einzuhalten ist. In diesem Land gibt es auch etwas, das sich „Parlament“ nennt und dessen Funktion dem Herrn K. offensichtlich unbekannt ist. Auch dies schaut alles andere als klug und gebildet aus.

 

Wenn es überhaupt irgendeine Organisation gibt, welche über die Legitimität verfügt, derartige Einsätze überhaupt nur zu planen, dann ist es die UNO. Irgendetwas Grundsätzliches scheint Herr K. demnach nicht verstanden zu haben, wer hier wer ist. Allerdings wandte er sich speichelleckerisch mit seinem Angebot genau an jene Militärmacht, welche seit über zwei Jahren mit unglaublichen Mengen an Proxy-Truppen Krieg gegen Syrien führt und alles unternimmt, um auch endlich unverdeckt das Land zerstören und die nicht kooperierende Bevölkerung vernichten zu können.

 

Auch wir in der Bedürftigen-Redaktion sahen diese Anbiederung an eine größenwahnsinnige neofaschistische Militärmacht, für die der Kriegszustand gegen alles, was ihnen nicht passt, einen lukrativen Permanentzustand bedeutet, als sehr bedenklich an. Herr Gerald K. scheint in unseren Augen seiner Rolle als Verteidigungsminister moralisch und ethisch nicht gewachsen zu sein. Juristisch übrigens ebenfalls nicht. Seine Rolle als Feigling, wie bei Speichelleckern gewöhnlich zu beobachten, kam Herr G. allerdings gewssenhaft nach. Denn er machte sein schäbiges Angebot von dem Sieg der Faschisten in Syrien abhängig. Damit nach diesem Sieg, so Herr G. nun auch in der Rolle des Heuchlers, die syrischen Chemiewaffen nicht in die Hände der faschistoiden Al-Kaida-Truppen, Wahabiten und sonstigen radikalen Todesschwadronen in die Hände fallen würden.

 

Und da war sie wieder: die Rolle des Vollidioten. Denn diese Typen werden von seinen neofaschistischen Herren aus Übersee, also jene die in ihren vergangenen Kriegen auch Chemie- und Uranwaffen massenhaft eingesetzt haben, rekrutiert, bezahlt, ausgebildet und bewaffnet. Ja, und das alles im Namen des Friedens. Was sonst?

 

Kein Zweifel: Der unkluge oder nur vermeintlich unkluge Gerald K. ist der aktuelle Bedürftige der Woche, sogar mit Potential auf mehr. Uns wäre eine Entmündigung allerdings lieber. Dann könnte er sich auch ungestraft die verbotenen Armbinden über die Ärmel ziehen.

 

 

 

Dienstag
10
September 2013

Via Dolorosa

 

Via Dolorosa (2012).

Eine Ausstellung von Deborah Sengl. 23.-29. September 2013, St. Peter an der Sperr, Wr. Neustadt.

 

 

Über diese Ausstellung von Sengl, welche mit der gestrigen Vernissage in St. Peter an der Sperr in Wr. Neustadt begann und immerhin bis zum 29. September 2013 daselbst zu besichtigen möglich ist, wurde bereits in einigen Medien im Vorfeld berichtet. Optischer Aufhänger war hier zweifellos das auf ein Kreuz genageltes Huhn, welches die Plakate und die Einladungen zierte.


 

http://www.deborahsengl.com/

 

Damit war auch werbewirksam für Aufregung gesorgt. „Katholisches.info“, eine Webseite für Anhänger der radikalen Pius-Bruderschaft, empörte sich über die „Blasphemie“, was auch von anderen Sekten-Seiten übernommen wurde und einigen Lesern der Massenmedien dazu ermutigte, sich ebenfalls zu empören. Gerne auch ungesehen.

 

Deborah Sengl verfasste auf der Einladung einen kleinen Text, damit sich der Kulturkonsument orientieren konnte.

 

„Ausgangspunkt der Arbeit „Via Dolorosa“ sind die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu Christi. In dieser Serie sehen wir jedoch nicht den Sohn Gottes, sondern ein Huhn als Märtyrer leiden.

 

Was auf den ersten Blick blasphemisch wirken mag, ist keine Kritik am christlichen Glauben, sondern thematisiert das Tierleid in der Nahrungsmittelproduktion unserer Zeit.

 

So unvermeidlich die Lebensmittelindustrie heute ist, um eine stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, so umstritten sind die Methoden und deren Auswirkungen. Das Leid der tierischen Märtyrer erlöst uns Bewohner der westlichen Industrienationen vom Hunger – und den damit verbundenen Unruhen. Doch je satter die Menschen werden, desto stärker scheinen ihre Seelen zu hungern.“

 

Nach Sengl liegt ihrer Arbeit also ein löbliches Engagement zugrunde, freilich unter Verwendung einer „christlichen“ Symbolik.

 

Was aber war gestern abend zu sehen?

Gemessen an der künstlichen Aufregung von der fundamentalistischen Seite her war die Vernissage eher mäßig besucht, aber zu einem erheblichen Teil von der regionalen Künstler-Szene. Trotz des regionalen Fernsehens und trotz des Bürgermeisters von Wr. Neustadt war es unterm Strich eine etwas entäuschende Ausbeute für den Veranstalter.

 

Der „Leidensweg Jesu“ in der wohlbekannten Bilderabfolge wurde von Sengl nicht neu erfunden. Einzig das menschliche Gesicht des „Märtyrers“ wurde durch einen Hühnerkopf ersetzt. Spannend war es ebenfalls nicht, weil bereits woanders ähnliches gesehen. Da war das gekreuzigte Huhn in der Apsis zumindest visuell ansprechender.

 

Nach dieser wenig originellen Darstellung drängte sich eine offensichtliche Problematik förmlich auf. Ohne den kleinen Einführungstext auf der Einladung wäre man vor den Bildern gestanden und hätte Schwierigkeiten gehabt, eine Überleitung zur Fleischindustrie zu finden. Diese Überleitung fehlte ansonsten vollkommen, wie ich persönlich ohnehin den Eindruck bekam, hier vor etwas Unfertigem zu stehen. Banal ausgedrückt: ich male einen grünen Stuhl rot an und behaupte noch nicht einmal, dass hier von der Verblödung durch das Fernsehen die Rede ist. Oder die Rede sein kann. Oder auch nicht.

 

Bedauerlicherweise setzte Sengl diesen inkonsequenten Weg fort, indem sie neben der Bildabfolge und dem gekreuzigten Huhn ein zweites Sujet beigab, welches über einen ähnlichen Nicht-Aussagewert verfügte. Dabei handelte es sich um genau drei Objekte, die inhaltlich zusammengehörten, aber keinen Zusammenhang zu dem Huhn herstellen konnten. Hier war der Wolf im Schafspelz das Thema. Ein sehr schönes Thema, wie ich finde. Nur beschränkte sich dies auf ein Bild, wo ein Kardinal mit Schafskopf vor dem Sarg des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. kniet, es beschränkte sich auf das sehr schöne Modell eines Schafes mit Wolfsschnauze und es beschränkte sich auf eine sehr auffällige Skulptur von einer Person mit Wolfsschafskopf in Papstkleidung, welche mit der Zunge den Boden küsst. Hier scheint eine Anspielung auf das bekannte Ritual von Johannes Paul II. vorzuliegen. Ich persönlich vermisste hier den CIA-Geldkoffer für die polnische antikommunistische Organisation Solidarno??.

 

Was dieses Sujet, welches eher als wenig definierte Kritik an der Geschichte der katholischen Kirche interpretiert werden könnte, mit dem Leid der Tiere in der Lebensmittelindustrie zu tun hat, blieb vollkommen schleierhaft. Neben dieser formalen Stümperei einer Ausstellungsgestaltung wirkte nun, nach der Begutachtung, auch die Behauptung, keine Kritik an den christlichen Glauben äußern zu wollen, als offenbar notwendig für Sengl. Möglicherweise will sie dies auch nicht, möglicherweise spielte sie grundsätzlich auf die Bauernfängerei an, auf das Konzerngebaren der Kirche, die darauf angewiesen ist, möglichst viele Schafe unter ihre Fittiche zu bekommen. Nur: was Sengl will, das erfährt der Betrachter nicht.

 

Unterm Strich bleibt mir das Fazit, dass ich eine inhaltlich und formal desaströse Ausstellung besucht habe. Entäuschend. Sollte dem eine gute Idee zugrunde gelegen sein, so war sie nicht mehr sichtbar. Alle vermeintliche Aufregung für die Katz. Oder für das Huhn. Es blieb das Gefühl, dass hier eine kleine Kirchenprovokation vorlag, aber auch nur, um ein Gesprächsthema zu bilden. Über die Ausstellung, über die Person Sengl. Marketing.

 

Dass es sich vor allem um eine besonders peinliche Marketing-Variaton handelt, wurde nach der Begrüßung durch den neuen Kulturamtsleiter Michael Wilcek überdeutlich. Da sprach nämlich ein Vertreter der katholischen Kirche, P. Walter Ludwig, der Prior vom Neukloster. Ludwig las wie ein Politker irgendein universelles Wischi-Waschi-Manuscript ab und hatte dabei keine Mühe, das vermeintliche Anliegen von Deborah Sengl innerhalb einer Minute abzustreifen. Er bekam alle Zeit, anschließend das Publikum mit einer unendlichen Aneinanderreihung von leeren Phrasen zu ermüden und letztlich die Ausstellung zu konterkarieren. Wer anschließend erwartet hatte, dass jemand anders eine notwendige Gegenrede halten würde, um das vorherige Gewäsch auch als ein hohles Gewäsch zu entlarven, sah sich getäuscht. Es blieb unwidersprochen stehen.

 

Aber das beste ist: Sengl hatte den Vertreter der katholischen Kirche eingeladen und dessen Einheitstext sprichwörtlich abgesegnet. Sie hatte sich sogar gefreut, als der Prior ihr vermeintliches Anliegen und das möglicherweise unausgesprochene Anliegen in die Bedeutungslosigkeit verbannt hatte. Sie hat sich gefreut. Gelacht hat sie über die selbstgewollte Demontage ihrer Person. Das war ein Schauspiel, das man so schnell nicht wiedererleben wird. Ernst zu nehmen ist diese Frau nicht. Aber es war eine gute Verarschungszeremonie.

 

Bedauerlicherweise gibt es aber Menschen, welche die Ausstellung – unkommentiert wie sie ist – tatsächlich ernst nehmen. Am heutigen Tag taumelten offensichtliche Sektenanhänger in den Ausstellungsraum, um sich darin flüchtig umzusehen und anschließend die Ausstellungsaufsicht auf primitive Weise zu beschimpfen. In ihrer Einfältigkeit glaubten sie, Glauben ist ja ihre Stärke, dass es sich hierbei um die „Künstlerin“ handeln würde. Aus Schafen wurden Wölfe, nur die Einfältigkeit bleibt gleich.

 

Freitag
23
August 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 1,4)

 

 

Der im vorherigen Teil behandelte 3. Zwischenbericht der SOKO Ka. endete mit einem Kapitel, welches sich mit der Auffindsituation des Hauses von Priklopil nach der Flucht der Natascha Ka. beschäftigte.

Dieser ist derartig interessant, so dass er hier in ganzer Länge wiedergegeben sein soll.

 

Aus den Dokumentationen in den Tatortmappen seien nunmehr wesentliche Erkenntnisse erlangt worden. Der Tresor habe sich außerhalb der vorgesehenen Öffnung mit der Tresortürseite am Boden liegend befunden. Eine Schmuckkassette mit 10 Golddukaten, 2 Anstecknadeln sowie einem Anhänger und einem Ring sei am Boden vor der Ausnehmung gelegen. Die Holzkommode habe sich unmittelbar vor der Betonausnehmung im vorderen Bereich der Montagegrube befunden, wobei diverse Sparbücher und Schmuckstücke sowie Schlüssel darauf abgelegt gewesen seien. Die Erhebungen dazu hätten erbracht, dass diese Auffindungssituation nicht von den ersteinschreitenden Polizeibeamten bzw. der Cobra verursacht worden sei. Der Cobrabeamte KI Paul W. habe angegeben, dass die von innen verschließbare und von außen mit einem Mechanismus zu öffnende und zum ersten Raum bzw. zum Verlies führende Türe offen gestanden habe. Demnach müsse sie mit dem dafür vorgesehenen Mechanismus (Ratsche sei angesteckt gewesen) entriegelt worden sein. Die Auffindungssituation lasse die Aussage zu, dass sie offensichtlich in einer Panik- oder Verzweiflungssituation verursacht worden sei. Weiters sei ein festgestellter Widerspruch zwischen der Auffindungssituation des Mercedes Sprinter des Wolfgang Priklopil und den festgehaltenen Angaben des S. und der Christine B. laut Amtsvermerk vom 24.8.06 abgeklärt worden. Nunmehr stehe aufgrund der Aktenlage fest, dass Wolfgang Priklopil, nachdem Natascha Ka. während der Reinigung des Mercedes Busses, der zu dieser Zeit auf der rückwärtigen Seite des Grundstückes gestanden sei, und während des von Wolfgang Priklopil mit Beginn um 12.56 Uhr zum Anschluss 0676/xxxxxxx für 98 Sekunden geführten Passivgespräches, geflüchtet sei, Natascha Ka. mit dem weißen Mercedes Sprinter gesucht und unter anderem Johann K. nach einem Mädchen mit blondem Haar und rotem Kleid gefragt habe. Dann sei er zum rückwärtigen Teil seines Grundstückes zurückgekehrt, habe den Mercedes Bus laut Auffindungssituation abgestellt, vom Bus die Wechselkennzeichen genommen und auf dem in der straßenseitig der Hxxxxxxxstraße gelegenen Garage abgestellten BMWi wieder angebracht. Vor der Flucht mit dem BMW aus der Garage, wie von Stefan B. wahrgenommen, müsse Wolfgang Priklopil seinen am Körper getragenen Schmuck am Wohnzimmertisch abgelegt und in der Garage die Holzabdeckung zur Montagegrube entfernt und zum Verlies gelangt sein, wo von ihm die beschriebene Auffindungssituation verursacht worden sein müsse. Kurz nach dem Wegfahren des Wolfgang Priklopil mit seinem BMW sei Stefan B. von zivilen Beamten nach Wolfgang Priklopil befragt worden. Wiederum kurz nachdem die Beamten wieder weggefahren seien, sei Wolfgang Priklopil nach den Angaben des Stefan B. mit seinem BMW 850i zurückgekommen, von Stefan B. darauf hingewiesen worden, dass ihn die Kripo suche, wobei Wolfgang Priklopil dabei völlig gehetzt und fertig gewirkt habe und Ringe unter den Augen gehabt habe. Schon aus den Angaben des Stefan B. sei der Verdacht begründet, dass Wolfgang Priklopil nach der Flucht von Natascha Ka. gegen 13 Uhr in eine Panik- und Verzweiflungssituation geraten sei, sich in die Montagegrube begeben und die dortige Auffindungssituation verursacht habe. Dazu sei zu klären: Welche Gegenstände entnahm Wolfgang Priklopil dem Tresor? Wo befindet sich der Schmuck der Waltraud Priklopil, der ihren Angaben zufolge im Tresor verwahrt worden sei, dort aber nicht aufgefunden worden sei? Aus welchem Grund war es für Wolfgang Priklopil so wichtig, vor seiner Flucht noch ins Verlies zu gelangen? Anzunehmen sei, dass er etwas im Verlies Verwahrtes an sich gebracht habe, um dieses noch zu beseitigen, wobei bekanntlich bei Durchsuchung des BMW 850i keine bedenklichen Gegenstände vorgefunden worden seien. Vermutlich bei Ein- oder Aussteigen in das Verlies müsse sich Wolfgang P. am Kopf verletzt haben, nachdem Mathilde H. bei ihm eine frische Beule festgestellt habe. Aufzuklären sei auch, warum Wolfgang Priklopil vor seiner Flucht seine Schmuckstücke auf dem Wohnzimmertisch abgelegt habe. Dies lasse darauf schließen, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Leben abgeschlossen habe. Wenn Wolfgang Priklopil vor seiner Flucht aus dem Tresor und dem Verlies etwas mitgenommen habe, könne er dies nur Ing. Ernst H. übergeben haben. Die Videoauswertung des Donauzentrums habe ergeben, dass Wolfgang Priklopil außer einem Schlüsseltäschchen keine Gegenstände mit sich geführt habe. Ob Wolfgang Priklopil nach dem Telefonat beim Infocenter des DZ in Richtung Ausgang oder zu seinem BMW gegangen sei, sei nicht geklärt.

 

In diesem Bericht entdecken wir einige Widersprüche und seitens der SOKO auch einige Ungenauigkeiten.

Den Beamten der SOKO war offensichtlich die Auffindsituation selbst „spanisch“ vorgekommen, so dass sie sich bei den damals eingesetzten Beamten erkundigen mussten. Der Versuch der Rekonstruktion der letzten Ereignisse auf dem Grundstück von Priklopil gelingt kaum.

 

Priklopil, der sonstige Pedant und gleichzeitig Choleriker, soll im Keller panisch etwas gesucht und daher das dort vorgefundene Chaos angerichtet haben. Wenn man etwas sucht, weiß man ja nicht mehr genau, wo man es abgelegt hat. Der herausgerissene Tresor zeugt von einem Gewaltausbruch, vielleicht aus Verzweifelung. Es ist weder bekannt, was Priklopil gesucht haben könnte und ob er es überhaupt gefunden hatte.

 

Es scheint aber etwas zu fehlen: der Schmuck der Mutter. Das heißt aber nichts, denn vielleicht hat es diesen – wenn überhaupt – bereits vorher an diesem Platz nicht mehr gegeben. Priklopil soll sich trotz seiner Panik und letztlich auch unter Zeitdruck die Zeit genommen haben, um seinen Körperschmuck im Wohnzimmer zu hinterlegen. Der Rückschluss der SOKO, dass Priklopil zu diesem Zeitpunkt mit dem Leben abgeschlossen habe, ist reine Spekulation. Denn erst einmal flieht er, lässt aber sein Telefon und seine Geldbörse (im weißen Kastenwagen) und anderes liegen.

 

Die Ursache für die bei Priklopil beobachtete Beule am Kopf wird ebenfalls nur mutmaßt.

 

Da nicht bekannt ist, ob Priklopil das unbekannte Gesuchte mitgenommen habe, ist unter der Voraussetzung, dass er dieses gefunden und mitgenommen hatte, der SOKO-Rückschluss logisch, dass dieses nur noch seinem Freund Ernst H. ausgehändigt worden sein könnte. Denn in Priklopils BMW hatte man nichts von Belang gefunden.

 

Nur ist dieser Rückschluss nicht zwingend, weil er die Möglichkeit außen vor lässt, dass Priklopil dieses „Etwas“ vor dem Treffen mit Ernst H. bereits entsorgt haben könnte. Oder er hatte es noch bei sich, es aber nie dem Ernst H. ausgehändigt und erst anschließend, vor seinem Tod, vernichtet oder „verloren“.

Die erwähnte Überwachungskamera im Donauzentrum hatte tatsächlich nichts an Habe bei Prikopil bemerkt, vom Schlüsselbund abgesehen. Das heißt aber nicht, dass er etwas in den Hosentaschen gesteckt haben könnte, beispielsweise Datenträger. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit des Kofferraums seines BMW.

 

Außerdem bleibt immer noch die Möglichkeit, dass Priklopil das Gesuchte nicht gefunden hatte. Das wiederum würde bedeuten, dass es sich nach seiner Flucht noch in seinem Haus befunden hätte und heute in Besitz von anderen Personen sein sollte – oder von diesen bereits vernichtet. In diesem Fall bestünde freilich von dieser Seite ein Interesse der Verschwiegenheit, was die durch die Staatsanwaltschaft aufgestellte Einzeltäter-Theorie obsolet machen würde.

 

Es existieren dazu leider keine weiteren Informationen. Einzig die mysteriösen und gesperrten drei Mini DV-Bänder lassen in diesem Zusammenhang einen weiteren Verdacht zu.

 

Dieser dritte Zwischenbericht der SOKO birgt allerdings noch zwei Überraschungen, die nicht sofort auffallen, weil unter dem Eindruck einer Tatsache eher beiläufig erzählt.

 

Hierbei handelt es sich zum einen um das so genannte „Verließ“ und die schwere Tresortür davor. Es wird geschildert, dass diese Tür durch einen Mechanismus von außen zu öffnen, allerdings von innen (!) verschließbar wäre.

Dieser Beschreibung nach handelte es sich bei dem „Verließ“ eher um ein Versteck oder besser: um einen so genannten „Panic-Room“.

Es handelte sich somit um einen Sachverhalt, der sich zumindest nicht mit der ganzen offiziellen Geschichte veträgt.

 

Zum anderen wurden zwei zivile Polizeibeamte erwähnt, die sich beim Nachbarn Stefan B. nach Wolfgang Priklopil erkundigt hätten.

 

Die Polizei war am 23. August 2006 um 13.04 Uhr über den Notruf von Frau Inge P. verständigt worden, in deren Garten sich Natascha Ka. mit der Bitte um Hilfe befunden hatte. Zwei Revierinspektoren aus Deutsch-Wagram hatten sich danach mit einem Streifenwagen auf den Weg nach Strasshof gemacht. Die Wegstrecke bedeutet einen Katzensprung, sie werden also rasch vor Ort gewesen sein.

 

In dieser Zeit muss Priklopil zuerst mit seinem Lieferwagen die junge Frau, dann im Haus nach etwas Unbekannten gesucht haben, um anschließend die Kennzeichen zu wechseln und mit seinem BMW fortzufahren.

 

Wir wissen nicht genau, wann diese Polizisten bei Inge P. und Natascha Ka. eingetroffen waren und wie viel Zeit Priklopil überhaupt zur Verfügung stand. Aber es erstaunt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt zwei Kriminalbeamte (laut dem Protokoll bei Peter P.) in Strasshof eintrafen, als sich die Polizisten vom Revier Deutsch-Wagram noch bei Inge P. befanden, um sich von Natascha Ka. informieren zu lassen.

Wer hatte die beiden Kriminalbeamten informiert und woher waren sie so schnell erschienen?

 

Bei den beiden Kripobeamten muss es sich um jene gehandelt haben, die sich bei den Nachbarn Stefan B. nach Priklopil erkundigt hatten. Das macht nur Sinn, wenn sie zuvor beim Haus in der Heinegasse gewesen waren, Priklopil dort aber nicht angetroffen hatten. Die uniformierten Polizisten dürften zu diesem Zeitpunkt Natascha Ka. zum Revier Deutsch-Wagram gefahren haben.

 

Wieviel Zeit mochte nun vergangen sein?

 

Für Verwunderung sorgt die Information, dass die beiden Kriminalbeamten mit unbekanntem Ziel anschließend fortfuhren und nicht als Objektsicherung vor Ort verblieben – wenigstens so lange, bis weitere Polizisten zur Ablösung erscheinen konnten. Eine Fahndung lässt sich auch telefonisch veranlassen.

Das bedeutet, dass der hier angenommene Tatort, das Haus von Priklopil, ohne Aufsicht gelassen wurde. Wie lange, das entzieht sich noch unserer Kenntnis, ist aber nicht unerheblich für die Spurenlage innerhalb des Gebäudes.

 

Wäre die Polizei vor Ort geblieben, wäre ihnen zudem Priklopil direkt in die Arme gelaufen, was abermals „verpfuscht“ wurde. Priklopil kam tatsächlich wieder zurück und wurde von seinem Nachbarn Stefan B. darüber informiert, dass die Kriminalpolizei nach ihm suchen würde.

 

Es ist nicht bekannt, warum Priklopil zu seinem Haus zurückgekommen war. Hatte er gehofft, dass Natascha Ka. sich wieder beruhigt und zurückgekehrt war? Hatte er deswegen nochmal nachschauen müssen?

Priklopil scheint sein Haus nun nicht mehr betreten zu haben. Nach der Information durch den Nachbarn soll er mit seinem Wagen wieder fortgefahren sein. Nun erst hatte er seine Flucht angetreten.


Freitag
09
August 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 1,3)

 

 

Ein dritter so genannter Anlassbericht folgte bereits am 19. Mai 2009 (ON 7), in welchem von der SOKO Ka. der Staatsanwaltschaft über die weiteren, aber unergiebigen Hinweise berichtet wurde.

Es wurde außerdem mitgeteilt, dass sich „die kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit in einer entscheidenden Endphase befinde, so dass es nunmehr zwingend erforderlich sei, Einsicht in die bislang unter Verschluss gehaltenen Niederschriften der Natascha Ka. zu nehmen, um bestehende Verdachtsindikationen auf vollständiger Basis abschließend beurteilen zu können. Der operativen Sonderkommission des BKA möge daher die Möglichkeit geboten werden, die Verschlussobjekte unter Rahmenbedingungen einzusehen, die der Befürchtung von den Opferinteressen abträglichen Indiskretionen jede Grundlage nehmen. Es werde eine Einsichtnahme durch Oberst Kröll und CI Kurt L. in der 22. Kalenderwoche vorgeschlagen und um Rückäußerung gebeten.“

 

 

Der dritte Zwischenbericht (ON 8) wurde von der SOKO am 14. Juli 2009 erstellt und zwei Tage später dem Staatsanwalt Hans-Peter Kro. ausgehändigt. Hierin wurde mitgeteilt, dass bislang 101 Personen befragt wurden, und gleichzeitig angekündigt, dass die wichtigsten bzw. mysteriösesten von ihnen nochmal zum bisherigen Erkenntnisstand befragt werden sollten.

 

In diesem Bericht wurden zudem eine Reihe von Befragungen dargestellt. So die Befragung des Zeugen Manfred S., der Ernst H. mehrfach vor dessen Grundstück in Mistelbach gesehen habe, wobei einmal oder zweimal zwei weitere Personen im Fahrzeug gesessen wären, darunter ein Mädchen. S. war aber leider nicht mehr in der Lage, diese Personen zu beschreiben.

Andere Befragungen nach Hinweisen stellten sich als nicht relevant, unergiebig oder auch als falsch heraus, so dass hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll.

 

Befragt wurden aber auch Medienvertreter nach den Inhalten ihrer Artikel und natürlich nach der jeweiligen Quelle. Dazu gehörte auch Hans H., der „Chefreporter“ eines Magazins.

„Dieser gab zu seinem Artikel vom 26.1.2008 mit Überschrift „Das dunkle Geheimnis der Mutter“ an, dass ihm Dragomir D. über die Begegnung mit dem Mädchen vor der Halle erzählt habe, wobei Dragomir D. angegeben habe, Ing. Ernst H. habe die Frage nach dem Mädchen dahin beantwortet, dass es sich um eine Bekannte gehandelt habe. Außerdem habe er Ing. Ernst H. angerufen und ihn konkret befragt, ob Wolfgang Priklopil die Brigitta S. gekannt habe bzw. ob er selbst Brigitta S. kenne, wobei Ing. Ernst H. sinngemäß geantwortet habe, dass sich Wolfgang Priklopil mit so einer xxxxxxxxxx niemals eingelassen hätte, Wolfgang Priklopil vielmehr auf ganz junge Mädchen gestanden sei.“

Und:

Zu seinem Artikel 18/08 mit der Überschrift „Jetzt spricht die Mutter des Entführers“ gab Hans H. an, dass Waltraud Priklopil von sich aus vorgebracht habe, dass sie von „Ernstl“ (Ing. Ernst H.) erfahren habe, dass Natascha Ka., wenn sie mit Wolfgang Priklopil gestritten habe, öfters vom Haus Strasshof weggelaufen, abends aber wieder reumütig ins Haus zurückgekehrt sei. Aufgrund dieser Angaben sei mit CI Johann F. zu seinem Amtsvermerk vom 14.5.2009 über das Gespräch mit Waltraud Priklopil Rücksprache gehalten worden, worauf CI Johann F. erklärt habe, Waltraud habe bestätigt, ein Interview gegeben zu haben, habe aber entschieden in Abrede gestellt, die in Rede stehenden Angaben gegenüber Hans H. gemacht zu haben.

Zu dem von ihm verfassten Artikel 26/08 mit der Überschrift „Der Kronzeuge im Kreuzverhör“ gab Hans H. an, dass Dragomir D. ihm erzählt habe, dass er von Ing. Ernst H. erfahren habe, dass sich Wolfgang Priklopil und Brigitta S. gekannt hätten. Er habe dann Ing. Ernst H. mit den Angaben des Dragomir D. und mit den Angaben der Waltraud Priklopil konfrontiert. Ing. Ernst H. habe erwähnt, dass Natascha ihren Eltern nicht vertrauen würde und er ihre einzige Bezugsperson sei. Im Zusammenhang mit der Befragung des Ing. Ernst H. habe er von Mag. Margit W. eine SMS mit dem Wortlaut „Bitte berücksichtigen sie, dass es um das Leben eines unschuldigen Menschen geht. Dank. M.Wxxxxxxxxxxx.“ erhalten.“

 

 

Befragt wurde auch Oswald H., Journalist einer „Gratis“-Zeitung.

„Oswald H. sei am 23.6.2009 zu weiteren vertraulichen Informationen befragt worden, wonach Oswald H gegenüber Ludwig Ko. behauptet habe, dass es „Erotische Darstellungen der Natascha Ka.“ gäbe. Oswald H. habe angegeben, dass er von einem Informanten des BKA erfahren habe, dass es ein Foto der Natascha Ka. gäbe, wo sie in eindeutig sexistischer Haltung, an einer Eisenkette festgebunden, gemeinsam mit zwei weiteren Männern zu sehen sei. Weiters sei auf diesem Lichtbild ein Knie zu sehen, das offenbar vom Fotografen stamme. Oswald H. sei angewiesen worden, keine Halbwahrheiten zu verbreiten. Am Folgetag habe sich Oswald H. gemeldet und erzählt, mit seinem Informanten beim BKA gesprochen zu haben, der Folgendes erzählt habe: Mitte September 2006 habe es wöchentlich zumindest 3 Besprechungen im Seminarraum A des BKA gegeben. Im Zuge einer dieser Besprechungen sei von der Darstellung einer jungen Frau mit blonden Haaren, die eine extrem starke Ähnlichkeit mit Natascha Ka. aufgewiesen habe sowie zwei unbekannten Männern gesprochen worden. Diese Darstellung der jungen Frau sowie der beiden unbekannten Männer und eines ersichtlichen Knies (insgesamt 4 Personen) sei bei der Hausdurchsuchung in Strasshof auf einem Datenträger gefunden worden und in der Folge bei der Auswertung gesichtet worden. Ausschließlicher Inhalt der Besprechung sei gewesen, ob es technisch möglich sei, die Bildqualität zu verbessern und ob dies von Spezialisten des BKA vorgenommen werden könne. Das Lichtbild sei nicht vorgezeigt worden. Teilnehmer der Besprechungen seien laut Informant Mag. Erich Z., Dr. Andrea R., K., zu 99 % CI Johann F., Gerhard L., Helmut G., Prof. Dr. Max F. oder Dr. B. sowie seitens der Justiz Untersuchungsrichter Mag. Christian G. oder StA Mag. Hans-Peter Kro. gewesen. Nach Angaben des Informanten haben Prof. Dr. Max F. und CI Johann F. respektive dessen Mitarbeiter diese Darstellung mit Sicherheit auch visuell gesehen und sei diese Darstellung (als Lichtbild oder Datenträger) den Justizbehörden übergeben worden. MR Mag. Erich Z. sei am 25.6.2009 von diesen Angaben des Journalisten Oswald H. in Kenntnis gesetzt worden, worauf er angegeben habe, sich an eine derartige Besprechung nicht erinnern zu können, CI Johann F. wolle dazu befragt werden, nachdem behauptet werde, dass dieser das Bild auch gesehen habe.Die Befragung des CI Johann F. vom 25.6.2009 habe ergeben, dass er sich weder an ein solches Bild, noch an eine derartige Besprechung erinnern könne. Konkret habe er angegeben, dass die drei im Haus Strasshof vorgefundenen und sichergestellten Datenträger (Mini DV-Kassetten zur Kamera Canon MV 5 gehörig) von ihm und AI K. im Beisein des Untersuchungsrichters Mag. Christian G. gesichtet worden seien und dabei mit Sicherheit kein Bild, wie von Oswald H. behauptet, festgestellt worden sei. Aufgrund dieser Erkenntnisse sei die Aussage zulässig, dass der vom Journalisten bezeichnete Informant aus dem BKA entweder aus Mutmaßungen und kursierenden Gerüchten falsche Schlüsse gezogen habe oder dass dieser Informant nicht existiere. Nach Konfrontation mit diesen Ergebnissen habe Oswald H. angegeben, dass es klar sei, dass die Beamten nicht gegen ihre eigenen Vorgesetzten ermitteln würden. Es werde ersucht, den gegenständlichen und durch Oswald H. bekannt gewordenen Sachverhalt strafrechtlich zu beurteilen.“

 

 

Dieser Abschnitt ist vom hohen Interesse. Wir wissen nicht, ob dieser Informant beim BKA tatsächlich existiert, und wenn doch, über das konkrete Zustandekommen seiner Angaben gegenüber Oswald H.

Dennoch lässt sich etwas festhalten: die Informationen sind detailliert, einerseits was die bei der Sichtung anwesenden Personen betrifft, andererseits über das Bildmaterial selbst.

Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass die SOKO keinen Einblick auf diese drei Bänder hatte und sich somit gar nicht selbst über den Inhalt überzeugen konnte. Deswegen scheint es grotesk, dass hier die Ermittlung über einen Zeitungsredakteur eingeschlagen wird, der seine Quelle – ob echt oder fingiert – natürlich niemals preisgeben würde. Die genannten Schlussfolgerungen über den möglichen Informanten sind somit höchst spekulativ.

Stattdessen sollte die Frage erlaubt sein, warum diese drei Bänder gesperrt worden sind.

Wenn das Geschilderte angeblich nicht zu sehen sein soll, was ist stattdessen zu sehen?

Denn eines ist klar: sollte auf jenen Bändern tatsächlich das zu sehen sein, wie durch Oswald H. kolportiert, gebe es nicht nur einen echten Beweis für eine Mehrtäterschaft, einer dieser Täter wäre sogar visuell archiviert.

Und würde wiederum das der Fall sein…

 

 

Sonntag
28
Juli 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 1,2)

 

Am 23. Oktober 2008 gab das Justizministerium bekannt, dass der Fall Ka. von der Staatsanwaltschaft und vom Bundeskriminalamt neu aufgerollt werden würde. Es sollte der zentralen Frage nach möglichen Mitwissern oder gar Mittätern nachgegangen werden. Die neue Justizministerin Maria B. erklärte, dass sie sicher stellen wolle, dass es keine weiteren Opfer gab und geben wird. Frau B. erklärte allerdings auch, dass nicht alles noch einmal überprüft, sondern stattdessen gezielt vorgegangen werden solle.

 

Zu diesem Zweck wurde zusammen mit dem Innenministerium eine neue Sonderkommission gebildet, wobei darauf geachtet wurde, dass diese aus neuem und bislang nicht im Fall involvierten Personal bestand. Operativer Leiter dieser neuen Soko Ka. wurde der Polizeioberst Franz Kröll vom LKA Steiermark.

 

 

Dieser Schritt der Behörden wurde auch von dem damaligen Entführungsopfer Natascha Ka. als positiv aufgenommen.

„Ich finde es gut, dass sich die Behörden dazu entschieden haben, mehr Licht in meinen Entführungsfall zu bringen. Es darf nicht sein, dass mögliche weitere Täter, von denen ich keine Kenntnis habe, ungestraft bleiben.“

Allerdings stand auch eine mögliche Klage auf Entschädigung im Raum, sollten die neuen Ermittlungen zum Nachweis vorheriger gravierender Ermittlungsfehler führen. Für den Anwalt von Ka., Gerald G, war dies noch nicht „abgehakt“.

Wie wir wissen, hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zwei schwere Ermittlungsfehler nachgewiesen werden können. (Keine erkennungsdienstlichen Fotos der Fahrzeughalter für die einzige Entführungszeugin sowie der ignorierte Hinweis durch den Polizeihundeführer).

Redakteure einiger Medien begrüßten ebenfalls das Vorhaben einer Neuermittlung. Einer von ihnen erinnerte sich an einige Umstände:

„Vieles an den Ermittlungen erscheint unfassbar. Bei der Durchsuchung im Hause Priklopil fanden Beamte so genannte Mini-DV-Bänder. Sie mussten ungeprüft und versiegelt dem Untersuchungsrichter überstellt werden. Einige Beweismittel aus dem Haus in Strasshof bei Wien – darunter Videobänder, Notizzettel und Kleidung – wurden Frau Kampusch ausgehändigt. Ein erstes erkennungsdienstliches Foto Natascha Ka’s, aufgenommen direkt nach ihrer Befreiung, wurde auf Weisung, des damaligen Soko-Chefs vernichtet. Offenbar waren die Ermittler Soko (in wohl berechtigter) Sorge, dieses Foto könne aus einer undichten Stelle Zeitungen zugespielt werden. Soweit waren die Zustände in der Polizei: Niemand traute niemandem.“

Es mag so gewesen sein, dass niemand niemandem traute. Es kann aber auch so gewesen sein, dass nur eine Gruppe innerhalb der Staatsanwaltschaft und der Polizei den restlichen Beamten nicht traute und das Medienargument trotz desaströser Medienarbeit nur vorgeschoben war. Die oben genannte kleine Aufzählung des hier zitierten Redakteurs beinhaltete auch nur eine Auswahl bestimmter Vorkommnisse.

Anfang Dezember 2008 wurde über die Medien bekannt, dass die neue SOKO nun Ermittlungen bezüglich Kinderpornographie aufgenommen habe. Der Chef des BKA, Franz L., erklärte, dass es Hinweise gebe, die auf einen Kinderpornoring hindeuten könnten.

Gleichzeitig wurde die Evaluierungskommission von der neuen Innenministerin Maria F. mit einer neuerlichen Evaluierung beauftragt (12. Dezember 2008).

Somit ging der Fall Ka. in eine neue Runde.

Die neu gebildete SOKO machte sich an die Arbeit und verfasste am 4. Februar 2009 einen ersten Zwischenbericht für die Staatsanwaltschaft Wien. Hierin wurde mitgeteilt, dass eine Reihe von Befragungen und Erhebungen im Umfeld der Familie Ka. keine neue Erkenntnisse zugelassen hatte. Zudem habe sich die Geschichte mit einem Wiener Sado-Maso-Club, wo Priklopil angeblich verkehrt haben soll, als falsch herausgestellt. Sogar ein Apothekenbesuch im Januar/Februar 2006 von Priklopil gemeinsam mit Ka. in Strasshof konnte nur „angenommen“ werden.

Unter die Lupe genommen wurde auch Ernst H., der ehemalige Freund von Priklopil, dieses Mal aber offenbar ein wenig gründlicher. In seinem Telefon hatte sich unter der Bezeichnung „be kind slow“ die Telefonnummer eines gewissen Peter B., einem pensionierten Bundesheeroffizier, befunden. Die Bedeutung dieses Pseudonyms konnte aber bislang nicht geklärt werden. (Zu diesem später noch mehr).

Nicht uninteressant war die Auskunft von Herrn Sch., dessen Familie mit den Eltern Priklopils bekannt gewesen war, dass Wolfgang Priklopil ihm zwischen 1993 und 1995 bei einem Besuch in dessen Haus den im Keller eingebauten Tresor gezeigt habe, vor dem ein Kasten gestanden habe. Sch. hatte außerdem Gegenstände auf den Tatortvideo wiedererkannt.

Befragt wurde außerdem unter anderem ein Josef. B., dessen Telefonnummern sich im Speicher von Priklopils Mobiltelefon befunden hatten. Allerdings habe dieser Proklopil nicht gekannt, dafür aber Ernst H. Ursache soll hier ein zuvor getätigter „Handytausch“ zwischen Priklopil und Ernst H. gewesen sein. Laut der Aussage von Ernst H.

 

Mit einem 1. Anlassbericht vom 9. Februar 2009 „übermittelte das BKA der Staatsanwaltschaft Wien Auszüge aus den Zeitschriften „Österreich“ und „die aktuelle“ vom 7.2.2009, worin berichtet wurde, dass Natascha Ka. das Tathaus um Euro 100.000.- von Waltraud Priklopil gekauft habe, im Kaufvertrag ein Passus enthalten sei, wonach sich auf der Liegenschaft noch Werkzeuge und Geräte sowie Restmaterialien aus dem Eigentum des Ing. Ernst H. befänden, das dieser in Absprache mit der Käuferin abholen könne, und Waltraud Priklopil bei dem Kaufabschluss von der Schwester des Ing. Ernst H., der sie am 2.10.2006 eine Vollmacht erteilt habe, vertreten worden sei. Hieraus wurde der Schluss gezogen, dass Ing. Ernst H. mit Wolfgang Priklopil gemeinsam das Verlies gebaut und Natascha Ka. gekannt habe, zu der er engen Kontakt pflege (ON4 des Aktes 54 Ehv 79/10x LGSt Wien).“

 

Dieser Schluß wurde demnach als ein Indiz gewertet, doch handelte es sich um ein schwaches Indiz. Der SOKO kam es in diesem Zusammenhang augenscheinlich merkwürdig vor, dass es zwischen dem Entführungsopfer Natascha Ka. und Ernst H. ein enges Verhältnis gab.

 

Mit dem zweiten Zwischenbericht vom 17. April 2009 (ON5) berichtete das BKA der Staatsanwaltschaft Wien, „dass auch die weiteren umfangreichen Erkundigungen bisher keinen Ermittlungsansatz zur Erhärtung des Anfangsverdachtes in Richtung § 207a StGB gegen die Beschuldigten erbracht hätten.“

Der Staatsanwaltschaft wurde allerdings noch übermittelt, dass mit Dragomir D. ein Zeuge ausfindig gemacht wurde, der wahrscheinlich schon einige Zeit vor Juli 2005, genauer: Mai 2003 oder Mai 2004, Wolfgang Priklopil, Natascha Ka. und Ernst H. bei der Veranstaltungshalle des Letzteren gesehen habe. Dragomir D. will hier Ernst H. gefragt haben, wer das Mädchen sei. Er habe von Ernst H. als Antwort erhalten, dass es sich bei dem Mädchen um eine Verwandte von ihm oder einer Tochter aus erster Ehe handeln würde.

Diese Aussage stand natürlich im Widerspruch zu jener des Ernst H., der Natascha Ka. im Beisein von Priklopil erst im Juni 2006 das erste Mal gesehen haben will.

 

Am 13. Mai 2009 folgte ein zweiter Anlassbericht (ON6), in welchem besonders auf den Zeugen Andreas Sch. eingegangen wurde. Dieser ist ein Nachbar des Anwesens von Ernst H. in Mistelbach. Davon abgesehen, dass Andreas Sch. mit Ernst H. aus baupolizeilichen Gründen im Streit lag und er ihn ohnehin nicht mochte, behauptete er, dass H. mit der Entführung der Ka. etwas zu tun habe. Sch. sagte aus, dass er im Mai 2006 Wolfgang Priklopil und Natascha Ka. beim Aussteigen aus dem weißen Kastenwagen und bei ihrem Gang zum Areal des Ing. Ernst H. beobachtet habe.“ Allerdings war es bereits etwas dämmrig gewesen, das Mädchen habe er genau gesehen, währed er den Fahrer des Kastenwagens weniger gut gesehen habe. Den weißen Kastenwagen habe er als jenen des Typs Mercedes erkannt, wie es später von der Polizei bekannt gegeben worden sei. „Andreas Sch. war der Meinung, dass Wolfgang Priklopil und Natascha Ka. mit den von ihm beobachteten Personen ident seien, die zum Haus des Ernst H. gegangen wären. Er habe diese Personen und das Fahrzeug nur dieses eine Mal gesehen.“

Und:

„Zur Wahrnehmung des Andreas Scho. führte das BKA aus, dass diese Wahrnehmung Andreas Scho. vor dem 17.5.2006 gemacht worden sein müsse, da das Tatfahrzeug, das Andreas Scho. wiedererkannt habe, am 17.5.2006 abgemeldet worden sei.“

 

Es folgte eine Schlußfolgerung durch die SOKO:

„Aufgrund der Angaben des Dragomir D. und des Andreas Scho. bestehe nunmehr der konkrete Verdacht, dass die Angaben des Ing. Ernst H. vom 24.8.2006, wonach er Natascha K. und Wolfgang P. nur einmal gesehen habe, unrichtig seien, er Natascha K. vielmehr schon weit länger gekannt habe, als er vorgegeben habe. Damit aber stehe Ing. Ernst H. im Verdacht, dass er Natascha K. zumindest seit Mai 2004 nicht nur gekannt, sondern durch verschiedene bereits bekannte Umstände auch davon Kenntnis gehabt habe, dass diese von Wolfgang P. am 2.3.1998 entführt worden war und es unterlassen habe, die Strafverfolgungsbehörde im Sinne des § 286 StGB in Kenntnis zu setzen.“

 

 

Dieser Anlassbericht lieferte allerdings noch eine ganz andere Information. Es drehte sich hierbei um einen Artikel des Schundblattes „Österreich“ vom 8. Mai 2009. In diesem Artikel wurde von dem Auffinden zweier DVDs im Haus von Priklopil berichtet, auf denen hunderte von Fotos von einer jungen Frau gespeichert sein sollen, teilweise nackt und in Handschellen, die wie Natascha Ka. aussehe.

 

Und weiter:

In diesem Zusammenhang wurde angemerkt, dass sich Journalisten scheinbar über Dritte Zugang zu dem, dem Untersuchungsausschuss zur Verfügung gestandenen Akt verschafft haben dürften, zumal die vorliegenden handschriftlichen Aufzeichnungen mit den im Akt vorhandenen Dokumenten Übereinstimmung aufweisen würden. Die Information stamme vom Chefredakteur der Heute-Zeitung Oswald H., der seinen Informanten nicht preisgegeben habe.“

 

Das bedeutete, dass jene Materialien, welche den einschlägigen „Gratis“-Zeitungen zugespielt worden waren, tatsächlich authentisch gewesen sind.

 

 

Samstag
13
Juli 2013

Bedürftig – 17. Kandidat: Michael S. (2)

 

Bernd Bieglmaier sollte uns von der Bedürftigen-Redaktion damit überraschen, dass er uns einen Bedürftigen empfahl, der bereits in den Genuß als Bedürftiger der Woche gekommen war. Zweimal, nein, das ginge nicht, war der allgemeine Tenor in der Redaktionsstube. Von Wettbewerbsverzerrung war die Rede. Es ginge doch, war aber die nachdrückliche Meinung von Bernd Bieglmaier.

 

Er argumentierte, dass Herr Michael S. zuvor nur in seiner Rolle als Vizekanzler zu seinem Titel gekommen, nicht aber in seiner Rolle als Außenminister. Bernd Bieglmaier legte seine Standpunkte da, und wir diskutierten mit ihm. Und diskutierten und diskutierten und diskutierten… und ließen uns von unserem Experten überzeugen. Herr Michael S. erwies sich als deratig bedürftig, dass wir schlußendlich nicht mehr umhin kamen, ihn ein weiteres Mal vorzustellen. Oder besser gesagt: vorstellen zu müssen.

 

In seiner Rolle als Außenminister eines angeblich „neutralen“ Landes scheint Herr Michael S. mit dem Begriff „Außen“ etwas falsch verstanden zu haben. Seine Instruktionen bezieht er gerne von außerhalb, vorzugsweise aus Washington und New York. Dort kann er auch zuhören. Und sollten dort seine Freunde aus der US-Administration wie bei der UNO-Vollversammlung im September 2011 keinen Dialog mit anderen Regierungsvertretern, die ihnen mißliebig sind, wünschen, so kommt er diesen Wünschen gerne nach. Wie an einer unsichtbaren Leine gezogen. Ganz ohne Halsband.

 

Sein Verständnis für „Neutralität“ erscheint deutlich deformiert, wenn Herr Michael S. wie Mai 2012 als kleiner Botschaftsüberbringer der nicht neutralen „EU“ davon schwafelte, dass der europäische Staat Bosnien „europareif“ werden solle und seinem bosnischen Amtskollegen dazu riet, „rasch die Weichen in Richtung“ dieser „EU“, aber auch gleichzeitig in Richtung „NATO“ zu stellen, der weltweit antineutralsten und aggressivsten Militärorganisation. Also jener Organisation, welche die Schaffung des Staates Bosnien unter der Führung aus Übersee erst ermöglicht hatte – unter anderem mit massenweise eingeflogenen islamistischen Söldnern und Terroristen. Versüßt wurde bosnische Einbindung mit jährlichen 100 Millionen Euro an EU-Steuergeldern für Bosnien, deklariert als „Vor-Beitrittshilfe“. Sogar einer der politischen Gegner von Herrn S., der Ex-Zivi und nunmehrige Ex-Verteidigungsminister Norbert N., der sich während seiner Amtszeit vor allem selbst verteidigt hatte, kam nicht umhin, sein Entzücken für diese verquere Neutralitätswahrnehmung zu verkünden: „Österreich arbeitet gut mit der „NATO“ zusammen.“ Sein Chef, der bedürftige Werner F., sah darin sogar einen „Meilenstein“. Schön, wenn man gemeinschaftlich jemand anderem so beflissen zuarbeiten kann.

 

Michael S. zusammen mit seinem bedürftigen Kumpel Werner F.

 

In der Bedürftigen-Redaktion ist immer wieder darüber diskutiert worden, ob die Anbiederung an die aggressivsten Militärmächte vielleicht doch einer geschickten Abwehrstrategie entspringt, damit Österreich irgendwann nicht ebenfalls als „Schurkenstaat“ bezeichnet werden könnte und im Zuge dessen in den Explosionswolken von „humanitären Bombardements“ zu verschwinden.

 

Dazu könnte durchaus der Besuch der österreichischen Delegation zum NATO-Gipfel in Chicago gewertet werden, zu welcher der US-Warlord Barrack O. nachdrücklich geladen hatte. Die 18 Millionen Euro, die lustigerweise als „hohe einstellige“ Summe bezeichnet wurde und wieder einmal vom Fehlen der mathematischen Grundkenntnisse zeugten, erscheinen für einen Frieden als sehr gering erkauft. Zumal dieses Geld über die Treuhandsgesellschaft „USA“ der armen Bevölkerung in der kriegsverwüsteten NATO-Besatzungszone Afghanistan zugute kommen soll.

 

Herrn S. lässt man ab und zu auch gerne reden, was grundsätzlich wichtig ist in seiner Rolle als Außenministers. Michael S. mag das auch, das Reden. Das ist wichtig, er ist wichtig, das Gefühl von Wichtigkeit ist wichtig. Man legt Wert auf seine öffentliche Meinung, die vorher nicht öffentlich an ihm herangetragen wird. Dann kann er sich darüber auslassen, was es bedeutet, keine eigene Meinung zu haben und auf die Meinung anderer zu warten, die ohnehin bekannt ist.

 

Aber dann kamen uns in der Bedürftigen-Redaktion doch wieder Zweifel an den Befähigungen des Außenministers und an seiner von uns angedachten, unterstellten geheimen strategischen Ausrichtung, um die österreichischen Bevölkerung vor einer Militärintervention zu schützen.

 

 

Zwar hatte sich Herr Michael S. im Herbst 2012 noch besorgt über die Palästinenser gezeigt und ihnen väterlich geraten, doch lieber nicht für die überfällige Anerkennung eines eigenen Staates einzutreten. Aber irgendwie hatte er es dabei fertig gebracht, dabei keinen eigenen Standpunkt zu benennen, dafür aber über mögliche Folgen für diese Menschen zu quatschen, die sie, in Stich gelassen, ohnehin tagtäglich zu spüren bekommen. Wie das halt so ist, wenn man unter den „Fittichen“ eines hochgerüsteten, aggressiven und rechtsgerichteten Arpartheit-Regimes, den Unantastbaren, ein elendes Dasein fristen muss.

 

Dennoch gefiel sich Herr Michael S. in seiner Rolle derartig gut, dass er – nach dem üblichen Zögern und der Meinungseinholung von außerhalb – nichts Negatives an dem NATO-Angriffskrieg gegen Libyen fand und schließlich die NATO-Proxy-Truppen und marodierenden Söldnerhaufen als „rechtmäßig“ anerkannte. Als rechtmäßiger Staat Libyen, als Armee oder gar als rechtmäßige Terroristen?

 

Selbst wenn wir die Sorge des Herrn S. in seiner Rolle als Außenminister um die Handelsbeziehungen teilen würden, einerseits gegenüber den kriegstreiberischen EUlern und dem Mastermind aus Übersee, andererseits gegenüber dem neuen NATO-Protektorat Libyen nicht an Boden zu verlieren. Denn dort war es bereits vor der Ermordung des Staatschefs um die Verteilung der Beute gegangen. Doch die Zerstörung eines Landes mit mindestens 60.000 – 70.000 Toten aller Altersgruppen existierte in dieser Sorge nicht. Dieses Wahrnehmungsproblem kann nicht akzeptabel sein und bewies uns eine tiefgreifende moralische Störung. Das Gerede von Menschenrechten wirkte daher aufgesetzt, zumal seine neuen Söldnerfreunde auch nach offiziellem Kriegsende weiterhin gerne foltern und morden.

 

Wir wissen natürlich nicht, ob Herr S. später in seinen Memoiren erzählen wird, dass es in Libyen nie Schwarzafrikaner gab, denn heute sind sie verschwunden. Rassistisch motiviert vertrieben, in Käfige gesperrt oder gleich erschlagen.

 

Somit verkommt die seit Mai 2011 bestehende Mitgliedschaft Österreichs im UNO-Menschenrechtsrat zu einer nichtssagenden Staffage, bei denen die permanenten und massenhaften Verbrechen der „westlichen“ UNO-Mitglieder alias NATO alias EU, die er gerne seine Freunde und Partner nennt, schlichtweg ignoriert werden. Sie existieren in der offiziellen Welt des Herrn S. nicht.

Bei seiner Rede zu dem „Internationalen Tag der Kinderrechte“ am 20. November 2011 fiel ihm nur ein einziges Land ein, welches sich um diese Kinderrechte einen Dreck zu kümmern scheint: der Iran. Womit sich Herr S. natürlich ganz auf Linie seiner Freunde und Mentoren aus Übersee befindet, die sich allein in den vergangenen 20 Jahren als Kindermörder uneinholbar an die Spitze dieser verabscheuungswürdigen Skala gebombt und geschossen haben und derzeit, seit bereits 2 Jahren, mal wieder einen neuen, nun aber mehr oder minder verdeckten Krieg in Syrien am Laufen haben.

 

Als Österreich im Mai 2011 für drei Jahre in den „Menschenrechtsrat“ der UN gewählt wurde, hatte Herr S. in seiner Rolle als Außenminister noch getönt: „Die weltweite Förderung der Menschenrechte ist seit vielen Jahren ein Kernanliegen der österreichischen Außenpolitik. Unsere Mitgliedschaft in diesem bedeutenden Gremium, wollen wir nutzen, um konkrete Schritte zur Verbesserung der menschenrechtlichen Situation weltweit zu setzen.“

Es sollten auch Schwerpunkte gesetzt werden: Schutz religiöser, ethnischer und sprachlicher Minderheiten. Schutz der Journalisten. Rechte der Kinder. Schutz von behinderten Menschen.

 

Wir aus der Bedürftigen-Redaktion beschränkten unsere Bedürftigkeits-Analyse vor allem auf den Schauplatz Syrien und verglichen Worte mit dem Handeln.

 

Dass sich der Staat Syrien gerade einer ausländischen Intervention erwehren muss, wird von Herrn Michael S. nicht bemerkt. Dass seine „Partner“ aus Übersee, seine Freunde aus der „NATO“ und seine „Bekannten“ aus den Golf-Dikaturen Massen an Söldnern ausbilden, ausrüsten und in das Land Syrien pumpen, um mit Mord und Terror die dortige Regierung im Tausch mit einer Marionette zu Fall zu bringen, wird ebenfalls nicht erkannt. Oder ignoriert. Oder verschwiegen.

Während er dem einen Golf-Intervenisten, dem radikalsten Regime in diesem Raum, einen Palais in Wien „für den Dialog“ schenkt, verurteilt er die syrische Regierung, die gegen diese immer besser ausgerüsteten Mörderbanden aus Saudi-Arabien, Katar, Jordanien, Libanon, Ägypten, Libyen, Tunesien, Israel, Tschetschenien, Afghanistan, Pakistan, Türkei, aber auch Syrien usw. vorzugehen versucht, sieht Al-Kaida-Truppen als Freiheitskämpfer an und Faschisten als Demokraten. Weitere Sanktionen gegen den syrischen Staat, welcher nur die Bevölkerung trifft, hält er für angemessen. Zwar fordert er Verhandlungen ein, übersieht aber, dass die imperialen Killer nicht verhandeln wollen und deponiert bei dieser Gelegenheit die gar nicht neutrale Ansicht nach einen Regierungswechsel, wie es vom Übersee-Imperium zufällig seit Jahren angekündigt und beabsichtigt worden ist. Ungeachtet dessen natürlich, dass die große Mehrheit der Syrer stärker als zuvor hinter ihrer Regierung steht und demokratische Wahlen bevorstehen.

 

Mit Hilfe der Definition von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ aus den Nürnberger Prozessen mussten wir aus der Bedürftigen-Redaktion feststellen, dass der Schutz der religiösen, ethischen und sprachlichen Minderheiten (einschließlich der christlichen Minderheit) in Syrien außerhalb der Maßnahmen der syrischen Regierung nicht existent ist. Sie werden von den Terroristen und Faschisten ebenso ermordert wie behinderte Menschen. Die ermordeten syrischen Journalisten scheinen in der Statistik nicht auf. Terroristen ermorden Kinder, während sie andere zu Kindersoldaten „umerziehen“.

 

 

Dass Herr Michael S. in seiner Rolle als Außenminister über keine eigene zumindest öffentliche Meinung verfügt, sondern nur jene der anderen widergibt, ist hinlänglich bekannt. Aber es hatte bei uns in der Bedürftigen-Redaktion doch noch für Verwunderung gesorgt, dass Herr S, nicht nur seine „Partner und Freunde“ den verbrecherichen Rücken stärkt, sondern er offenbar Al Kaida „irgendwie“ ganz gut findet, welche nun in Syrien mit der mörderischen und zerstörerischen Drecksarbeit im Interesse seiner Geldgeber beschäftigt ist.

Herr S., war das nicht einmal ganz anders gewesen? Erinnern sie sich noch daran, was Sie von Ihrem großen Partner 2001 erzählt bekommen haben?

 

Allein die Vorstellung, derartig viel Speichel der Militärmächte zu lecken, hat uns in der Bedürftigen-Redaktion kotzen lassen.

 

Aber da wir nun wirklich nicht annehmen wollen, dass Herr S. in seiner Rolle als „christlicher“ Außenminister und Doktor der Rechtswissenschaften verräterisch den Interessen des Auslandes dient und als Helfer und Helfershelfer ein Komplize der Kriegstreiber und Kriegsverbrecher ist, müssen wir ihm bei den unüberbrückbaren Widersprüchen seiner Worte und seines Handelns bzw. Nichthandelns den Status eines besonders bedürftigen, weil sozial armen, inkompetenten, opportunen, feigen und offenbar unter Dauer-Demenz leidenden Menschen zweifellos anerkennen.

 

Diese Art von Bedürftigkeit mit dem aufgezeigten soziologischen und moralischen Tiefpunkt ist uns nicht genehm, das geben wir offen zu. Es war uns sogar richtig unangenehm, eine derartige Person erneut als einen Bedürftigen der Woche vorstellen zu müssen. Auch wenn er sich bei uns nicht persönlich gemeldet hat, aufgedrängt hat er sich allemal.

Wir möchten uns dafür entschuldigen, vor allem gegenüber all den anderen Bedürftigen, aber es blieb uns keine andere Wahl.

 

 

Sonntag
30
Juni 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 1,1)

 

Während die Evaluierungskommission sowie der parlamentarische Unterausschuss mit ihrer Arbeit beschäftigt waren, klagte der pensionierte Familienrichter und Politiker Martin W. auf Wiederaufnahme seines im Vorjahr verlorenen Verfahrens gegen die Mutter von Natascha Ka. Martin W. vertrat die These, dass Brigitta S. in die Entführung ihrer Tochter verwickelt gewesen sein könnte. Sein Anwalt ließ ausrichten, dass W. von neun Personen die Zeugenaussagen aufbieten wolle, die seine These stützen würden. Darunter Nachbarn und der damalige Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, welcher aussagte, dass Natascha Ka. damals bei ihren Eltern sehr unglücklich gewesen sei und zudem möglichen sexuellen Mißbrauch in den Raum stellte. Außerdem wollte W. den deutschen Staatsbürger Thomas V. präsentieren, welcher seinerseits behauptete, Kenntnis über eine „Pädophilen-Szene“ und einen Sex-Film zu haben, der angeblich auch Aufnahmen von Natascha Ka. beinhalten würde.

 

Unterstützung bekam W., der auch Natascha Ka. vor das Gericht als Zeugin laden wollte, von Ludwig Ko., dem Vater von Natacha Ka., und dem Detektiv Walter P. Sie wollten auch erreichen, dass die ganze Akte in diesem Verfahren geöffnet werden würde.

 

Martin W.

 

Zuvor hatten ein deutsches Magazin und das österreichische PROFIL Artikel über die Widersprüche in den Aussagen von Brigitta S. und auch der Mutter von Priklopil gebracht. Letztere will Natascha Ka. nur ein-, zweimal kurz im Haus ihres Sohnes gesehen und diese für eine Putzfrau gehalten haben. Die beiden Magazine zitierten allerdings Aussagen von Nachbarn, die beobachtet hatten, dass Priklopil mit dem Mädchen seine Mutter besucht hatte. Zudem wurde noch ein „Freund“ von Ernst H. angeführt, der behauptete, H. hätte ihm gegenüber gesagt, dass Priklopil und Brigitta S. sich gekannt hätten.

 

Offenbar waren beiden Magazine von Martin W. und Walter P. mit Material versorgt worden, um die angestrebte Wiederaufnahme des Verfahrens zu forcieren.

 

Brigitta S. wiederum klagte beim Landgericht für Zivilrechtssachen Graz abermals Martin W. auf Unterlassung, doch kam es im Mai 2008 zu Aussagen von einer Bekannten der S., die etwas Belastendes gegen S. an sich hatten. Beweise konnten aber nicht beigebracht werden.

 

Brigitta S.

 

Der letzte Verhandlungstag erfolgte erst im September 2008. Vor dem Bezirksgericht im steierischen Gleisdorf wurde auch der damalige Freund und Geschäftspartner von Priklopil befragt. Ein sehr unsicher wirkender Ernst H. sagte mit einer großen Sonnenbrille im Gesicht das aus, was er bereits zuvor ausgesagt hatte, wobei er Priklopil konsequent nur als „Bekannten“ bezeichnete. Danach attackierte H. draußen im Gang in einen Fotografen, woraufhin er von Ludwig Ko., der annahm, dass H. etwas mit dem Fall zu tun habe, gestoßen wurde. H. wiederum simulierte ein größeres Ereignis, bevor er sich entfernte.

 

Desweiteren wurde ein Nachbar von Brigitta S. in den Zeugenstand gerufen, der zuvor behauptet hatte, dass Priklopil bei ihr ein- und ausgegangen sei. Vor Gericht bestritt er diese Behauptung, während sich ein anderer Zeuge an diese Aussagen sehr wohl erinnern konnte. Ergebnis: null.

 

Zuletzt wurde der pensionierte ehemalige Leiter des Wiener Sicherheitsbüros befragt. Max Edelbacher bedauerte die Ermittlungspanne 1998 und die „falsche Bewertung“ der Hinweise. Wirklich Konkretes konnte er aber auch nicht hervorbringen. Seine Aussage, dass sich während der Ermittlungen Ludwig Ko. immer wieder nach seiner Tochter erkundigt habe, Brigitta S. dagegen bei ihm nie, warf ein schlechtes Licht auf die Letztere, mehr aber auch nicht.

 

Max E.

 

Schlußendlich erlitt Brigitta S. in ihrer Außendarstellung als mehr minder liebe Mutter erheblichen Schaden, aber sie gewann das Verfahrenen auf Unterlassung gegen Martin W., weil sich dessen Zeugen als unglaubwürdig, widersprüchlich oder nichtssagend entpuppt hatten. Eine Tatbeteiligung von Brigitta S. konnte nirgends auch nur ansatzweise nachgewiesen werden.

Verurteilt wurde danach allerdings noch Ludwig Ko. wegen dem tätlichen Angriff gegenüber Ernst H., welcher wiederum wegen seiner Tätlichkeit nicht belangt wurde.

 

Ludwig Ko.

 

Am 18. September wurde der parlamentarische Untersuchungsausschuss aufgelöst. Dies ging allerdings einher mit der Auflösung der Bundesregierung unter Gusenbauer/Molterer.

Zu dieser Zeit scheiterte in Österreich die Regierung Gusenbauer/Molterer.

 

Und doch nahm diese unselige Geschichte einen weiteren Fortgang.

 

Es einmal war die Information ein gefundenes Fressen für die Medien und ihre Leser, dass das Haus von Priklopil in den Besitz von Natascha Ka. übergegangen war. Außerdem hatte Ernst H. in einem Interview bekannt gegeben, dass er mit Ka. telefonieren würde. Sie habe ihn eines Tages – im Jahre 2006 – angerufen, erzählte er.

 

Über den Inhalt dieser Telefonate ist nichts bekannt. Aber es waren zahlreiche und lange Telefonate zwischen der damals abgeschirmten Natascha Ka. und dem ihr angeblich praktisch unbekannten Ernst H. gewesen. Dies sorgte allgemein für Unverständnis, da war das Legen von roten Rosen auf das Grab von Priklopil durch Natascha Ka. nur noch eine Randnotiz.

 

 

Freitag
14
Juni 2013

Karl Flanner – Ein kleiner Nachruf

 

Karl Flanner verstarb am vergangenen Sonntag, 2. Juni 2013, im Stadtheim von Wr. Neustadt. Nachdem er im Vorjahr den Verlust seiner Frau Hermine und seines Bruders zu beklagen hatte, traf es nun ihn selbst.

 

Sein Tod ist definitiv ein Verlust. Aber sehen wir es positiv, denn es ist erstaunlich genug, dass er als Antifaschist während der NS-Zeit trotz Gefängnis bei der damaligen Gestapo in Wr. Neustadt, Kerker in Graz-Karlau und dem Häftlingsdasein in den Kzs Dachau und Buchenwald mit all den erlebten mörderischen Entbehrungen und Ängsten, die für uns kaum oder gar nicht vorstellbar sind, 93 Jahre alt hatte werden können.

 

Diese Zeit hatte er genutzt. Mit seiner unermüdlichen Energie und Leidenschaft hat er Nationalsozialismus und Faschismus angeklagt, hat seine Erfahrungen und Erlebnisse publiziert, hat diese auch persönlich an Schulen und an alle anderen Interessierten weiterzugeben versucht, hat das Industrieviertelmuseum und die dortige Bibliothek aufgebaut und gemäß seiner Überzeugung alles ihm Mögliche getan, um der (heute kaum noch existenten) Arbeiterschaft ein unterstützendes Denkmal zu setzen.

 

Man musste nicht immer einer Meinung mit ihm sein, aber Karl Flanner verdient jeden Respekt für sein äußerst bemerkenswertes Rückgrat und seine Standfestigkeit, für die konsequente Umsetzung seiner Intention und Berufung, für seinen Streit und die Auseinandersetzung für eine so ungemein wichtige und gerechte „Sache“.

 

Denn seine Vergangenheit ist nicht nur Geschichte. Sie ist auch Gegenwart, unsere Gegenwart, wenn auch (wie immer) maskiert und politisch vollkommen ignoriert. Was ist eine (lächerliche) Stadtwappennadel aus den Händen politischer Opportunisten wert, die anderen politischen Opportunisten eine Ausstellung widmen, ohne diese doch bitte etwas näher zu hinterfragen. Was sind die Worte regionalpolitischer Entscheidungsträger wert, die davon schwadronieren, dass „in einer zeitzeugenlosen Zeit der Kampf gegen Faschismus und Gewaltbereitschaft ein oberstes Gebot der demokratischen Politik“ sei, die aktive Umsetzung dieses Gebots aber ansonsten nirgends bei ihnen zu beobachten ist. Karl Flanner hat gemacht und getan, wo andere nur Worthülsen anzubieten hatten und haben.

 

Karl Flanner ist nun leider verstorben, aber der heutige Neofaschismus als verlängerter Arm des Großkapitals ist es nicht. Im Gegenteil, er wächst. Er fordert tagtäglich seine Opfer, weniger (aber auch) in der ihn gebärenden so genannten „westlichen Wertegemeinschaft“ (eine verlogene Eigendeklaration), dafür um so mehr in vielen anderen bedauernswerten Ländern, welche in das kapitalistische System hineingeputscht und gebombt werden. Faschismus ist nicht irgendetwas, was man nicht sehen und nicht greifen kann, was anonym ist. Die Täter und ihre krakenhaften Strukturen einschließlich ihrer zahlreichen medialen Schreibtischtäter können erkannt und benannt werden, so wie es Karl Flanner in seiner Zeit konnte. Aber genau das geschieht hier nicht.

 

Ruhe in Frieden, Karl, aber wir anderen sollten endlich etwas unternehmen.

 

Das Begräbnis findet am 13. Juni um 14.30 Uhr in Wr. Neustadt statt.

 

 

 

Sonntag
09
Juni 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 1,0)

 

Weiter mit jenen Teil der Vernehmungsprotokolle der Natascha Ka., die Peter P. von den Grünen auf seiner Homepage veröffentlicht hat.

 

3. September 2006

Die fünfte Einvernahme beginnt um 9.10 Uhr. Nach wie vor interessieren sich die SOKO-Beamten vor allem für die Beziehung zwischen Täter und Opfer. Sie wollen wissen, wie groß Ka.s Angst vor Priklopil war – und ob diese Angst das Haupthindernis für eine Flucht bei den Gelegenheiten, bei denen sie gemeinsam das Haus verließen, waren.

Ka. gibt einleitend eine Erklärung ab:

Ich möchte zur gestrigen Niederschrift sowohl zur geschilderten Situation am Hochkar als auch bei der Verkehrskontrolle ergänzend angeben: Ich habe nie gewusst, was er macht, ob er mich zerfleischt oder andere verletzt. Ich stand unter permanentem Druck von ihm.

Frage: War diese Angst begründet dadurch dass Wolfgang Priklopil eine Waffe (Schusswaffe, Messer etc.) bei sich hatte?

Antwort: Nein. Er hatte nie eine Waffe bei sich, er war aber unberechenbar, ich hatte zum Beispiel Angst, dass er mich würgen könnte. Er hatte mich ja auch mit dem Umbringen mehrmals bedroht. Ich konnte mir keine fehlgeschlagenen Fluchtversuche leisten, ich hatte Angst, dass er mich für immer unten einsperrt oder noch schlechter behandelt. (8)

Wieder verzichten die SOKO-Beamten auf Fragen zu möglichen Mittätern. Die Vernehmung wird um 10.50 beendet. Und wieder halten die Beamten im Einsatzprotokoll fest: „keine neuen Erkenntnisse“ (9)

 

Bei der sechsten Befragung am 7. September 2006 wollten die Beamten wissen, ob Natascha Ka. (auch) im Ausland gewesen sei (nein) und mit welchen Fahrzeugen sie mit Wolfgang Priklopil unterwegs gewesen sei (roter BMW, der alte und der neue Bus).

 

 

15. September 2006

Bei der siebenten und letzten Vernehmung fragen die SOKO-Beamten nach einigen Namen.

Frage: Im Mobiltelefon von Wolfgang Priklopil ist im Letztrufnummernspeicher ein gewisser H. Ernst (11) gespeichert. Die Telefonnummer ist jedoch auf eine H. Hedwig angemeldet.

Antwort: Der Name Ernst H. sagt mir nichts.

Frage: Es gibt eine Eintragung von Wolfgang Priklopil, wo Schifahren mit Christian – 16.3.2005 – eingetragen ist.

Antwort: Es muss nicht sein, dass er mit Christian Schifahren gegangen ist. Er hat von einem Christian gesprochen, aber den Nachnamen weiß ich nicht. Ich habe außer dem Priklopil, dem H. und den Nachbarn keine anderen Personen gesehen.

Frage: Auf einem im Haus sichergestellten Videoband ist Wolfgang Priklopil mit einer zweiten Person beim Schifahren zu sehen. Ein Vergleich mit vorliegenden Bildern ergab eine Übereinstimmung mit Rudolf H.. Sind Ihnen diese Aufnahmen bekannt und war eventuell noch jemand dabei?

Antwort: Das Video ist mir bekannt, er wollte damit zeigen, wie es in dieser Gegend mit dem Schifahren aussieht. Er dürfte nur mit Rudolf H. Schifahren gewesen sein. (12)

Dann wechseln die Beamten das Thema und fragen

• zu Priklopils Versuchen, sämtliche Spuren von Ka. im Verlies zu vermeiden
• zu Priklopils Mutter
• zur Einrichtung des Verlieses
• zu Geschenken
• und zu Zeitungsausschnitten, die Kampusch privat sammelte.

Gegen Ende der letzten Vernehmung fragen die Beamten zum ersten Mal nach einem Motiv.

Frage: Was sagte er Ihnen zum Motiv der Entführung bzw. wie er sich das Leben mit Ihnen weiter vorstellte?

Antwort: Zum Motiv hat er je nach Stimmung gesagt, dass ich ihm gehöre und dass er schon immer eine Familie haben wollte. Er hätte mir auch eine neue Identität besorgt.

Um 13.15 ist die siebente und letzte Vernehmung nach zwei Stunden zu Ende. Im Laufe der Vernehmungen haben die Beamten einiges erfahren:

1. Während der Entführung hat es Kontakt zu einer dritten Person gegeben.
2. Der Keller war nicht als Gefängnis vorbereitet.
3. Der Täter suchte mit seinem Opfer fünf Adressen nicht nur in Wien-Donaustadt sondern auch in den Bezirken 15, 16 und 17 auf.

Stillfriedplatz, Bergsteiggasse, Hollergasse, Stralehnergasse, Rugierstrasse – die Beamten fragen bis zum Schluss nicht nach. Ka. war zumindest in den Wohnungen in der Hollergasse, in der Bergsteiggasse und in der Stralehnergasse. In welchem Haus mit welcher Hausnummer, in welcher Wohnung waren sie? Was haben Ka. und Priklopil dort getan? Wann waren sie dort? Wem gehören die Wohnungen? Hatte Priklopil Schlüssel oder wurde ihnen geöffnet? Wie vermied Priklopil, dass Ka. bei den Ausflügen Spuren hinterließ? Und: Warum ging Priklopil, der schon bei Ka.s Besuchen im Haus nur wenige Meter vom Verlies entfernt Angst vor dem Hinterlassen von Spuren hatte, das Risiko von Wohnungsbesuchen auf der anderen Seite von Wien ein?

21. September 2006

„Auf Befragung gebe ich an, dass das Verfahren gegen Wolfgang Priklopil am 21.9.2006 infolge Todes des Tatverdächtigen von mir beendet wurde.“(1) Staatsanwalt Kronawetter schließt den Akt. Die Ermittlungen gegen Wolfgang Priklopil sind beendet. Aber ein zweites Verfahren ist unter derselben Gerichtszahl noch offen: das Verfahren gegen unbekannte Täter.
22. September 2006

„Im Einvernehmen mit dem behördlichen Leiter der SOKO Ka., Mag. OR Erich Z., wird die Anzeige mit heutigem Tage an die Staatsanwaltschaft Wien und an das Landesgericht für Strafsachen Wien abgefertigt.“(2)

Die SOKO hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und berichtet der Staatsanwaltschaft. Schon der Beginn der „Darstellung der Tat“ erweckt einen irreführenden Eindruck:

„Wolfgang Priklopil zerrte Natascha Ka. in seinen gegenüber der `Hundewiese´ abgestellten und auf ihn polizeilich zugelassenen Kombinationskraftwagen der Marke Mercedes Benz 100 D-L, weiß lackiert (Originalkennzeichen W 13150L) auf welchem bisher unbekannte manipulierte Kennzeichen montiert waren. Er nötigte sie durch gefährliche Drohungen zur Unterlassung ihrer Gegenwehr. Unmittelbar danach verbrachte Wolfgang Priklopil mit seinem Fahrzeug Natascha Ka., die er in eine Decke einhüllte und hinter dem Fahrersitz auf den Boden legte, vom Entführungsort zu seinem Anwesen nach Straßhof/Nordbahn, Heinestraße 60. In diesem Einfamilienhaus sperrte Wolfgang Priklopil das von ihm entführte Mädchen in einen vorbereiteten Raum („Verließ“), welches [er] bereits Jahre zuvor von ihm unter seiner Garage neben der Montagegrube angelegt hatte.“ (3)

Dieser erste Teil der Darstellung steht in klaren Widerspruch zur Ka.s Aussage. In ihrer ersten Einvernahme hat Ka. berichtet, dass

• sie „stundenlang“ durch dicht besiedeltes Gebiet im Zentrum des 22. Bezirks gefahren wurde;
• der Entführer für sein Opfer weder Toilettesachen noch Matratze und Polster vorbereitet hatte;
• das Verlies Anfang März nicht geheizt war und ein alter Ölradiator provisorisch aufgestellt werden musste;
• Ka. in ihrer ersten Einvernahme zumindest zweimal auf weitere Täter hingewiesen hatte.

Dann beschreiben die Beamten die Zeit der Gefangenschaft:

„Ab ca. Herbst 1998 durfte Natascha Ka. unter ständiger Aufsicht durch Wolfgang Priklopil in unregelmäßigen Abständen ihr „Verließ“ verlassen und im Haus Arbeiten verrichten sowie ihre Körperreinigung durchführen. Dabei war das Haus stets durch verschiedene elektronische Vorrichtungen gesichert…“ (4)

Die Ausflüge, die regelmäßigen gemeinsamen Einkäufe und die gemeinsame Arbeit in den vier Wohnungen lassen die Beamten unerwähnt. Alles, was das Bild von der Gefangenen, die dem Einzeltäter bei der ersten Gelegenheit entflieht, stört, kommt in der „Darstellung der Tat“ nicht vor.

Erst am Ende der Anzeige fassen die Beamten die Erstaussage von Ka. und die Aussagen der Augenzeugen zusammen. In die „Darstellung der Tat“ gehen die Hinweise nicht ein.

Die dargestellten Spuren führen zum toten Einzeltäter. Die anderen Spuren werden nicht weiter verfolgt. Weitere Täter oder Mitwisser sind politisch nicht erwünscht. Damit ist der Fall für die SOKO Ka. erledigt.

 

15. November 2006

Staatsanwalt Kronawetter stellt auch das Verfahren gegen „unbekannte Täter“ ein (14). Trotz der Hinweise auf Mitwisser und einen zweiten Täter hat es keinen einzigen Ermittlungsschritt in diese Richtung gegeben. Die Politische Abteilung der Staatsanwaltschaft funktioniert wie gewohnt. Sie will nur wissen, was sie wissen soll. Der Akt „Ka.“ ist damit geschlossen.

 

Soweit die vom Nationalratsabgeordneten Peter P. veröffentlichten Auszüge sowie dessen (gekürzte) Kommentare dazu.

 

Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Nachdem später noch weitere „Merkwürdigkeiten“, „Nachlässigkeiten“, „Pannen“ usw. öffentlich wurden, sollte Peter P. öffentlich fragen, ob wir hier in Österreich die schlechteste Polizei der Welt hätten.

 

Darüber ließe sich diskutieren. Allerdings gab es in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart eine Reihe von anderen Fällen, wo die Polizeiarbeit als auffällig schlampig und inkompetent dagestanden ist. Und schließlich Teile eines ganz anderen Hintergrunds sichtbar wurden. Wo ist also der Unterschied zwischen Inkompetenz, Fahrlässigkeit, wo der Unterschied zum Vorsatz?

Es lohnt sich ein weiterer Blick. Wie immer.

 

 

Dienstag
04
Juni 2013

Bedürftig – 16. Kandidat: Selknam K.

 

Als wir kürzlich um 8.00 Uhr unsere Redaktionsstube öffneten, stand bereits ein Mensch vor der Tür. Er fragte uns nach Herrn Bieglmaier und wir antworteten ihm, dass dieser sich im Außendienst bei den Bedürftigen befände. Der Mann sagte uns, dass er in eben dieser Angelegenheit zu uns gekommen sei. Und so baten wir ihn ins Büro.

 

Kollegen fragten hinter vorgehaltener Hand, was denn das für ein Vogel sei. Oberflächlich betrachtet, sah er auch ein wenig anders aus, aber was bedeutete das schon? Er stellte sich uns als Herr Selknam K. vor.

Selknam wer?

 

 

Herr K. erklärte uns, dass er ein Nachfahre der letzten Feuerland-Indios sei. Zumindest halb, denn zuletzt hatte noch sein Vater aus Eberau, Süd-Burgenland, mitgemischt. Nun sei er Österreicher kroatischer-indianischer Herkunft.

 

Wir fragten ihn, was er von uns, von der Bedürftigen-Redaktion erwarte. Beistand, erwiderte Herr Selknam K., ganz viel Beistand sogar, denn er befand sich auf der Flucht vor der Polizei.

 

Herr K. machte uns neugierig, das wollten wir nun genauer wissen. Hatten wir es mit einem Justizopfer zu tun?

 

Und so erzählte uns Herr Selknam K. seine kurze Geschichte. Jahrelang habe er mitansehen müssen, wie burgenländische Siedler um seine kleine Hütte herum ihre Häuser bewohnt und die Wege benutzt hatten. Jahrelang habe er nichts gesagt. Aber seitdem ihm klargeworden war, dass er nicht nur Österreicher, sondern auch Europäer war, sei er hinausgegangen und habe auf die Siedler geschossen. Er habe auch seine Freunde dazu ermutigt, auf die Siedler zu schießen und ihnen 100,- Euro pro Kopf versprochen. Aber dann sei die Polizei erschienen und er habe flüchten müssen.

 

Wir in der Redaktion waren entsetzt. Nur 100,- Euro! Ist ein Menschenleben nicht mehr wert? Herr Selknam K. rechtfertigte sich mit dem Schicksal seiner Vorfahren in Feuerland, auch wenn er nun die Seiten getauscht haben wollte. Dámals waren die immigrierten Europäer in die Wälder und in die Dörfer Feuerlands gezogen, um dort alles zu erschießen, was nur irgendwie nach Indio ausgesehen hatte, nicht nur wegen mehr Räumlichkeit und Platz für Schafe, sondern vor allem wegen den ausgesetzten 1 Pfund Sterling pro Indioleiche.

 

Kniend, 1. von links: Die Ururururururgroßmutter von Selknam K.

 

Wir konnten leider nicht behaupten, dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, denn Herr Selknam K. hätte sich ja durchaus für 10,- Dollar am Tag von den Amerikanern, Israelis oder Saudis und Katarer anmieten lassen können, um Libyer, Syrer, Libanesen, Iraker, Iraner und einfach nur Afrikaner schiessen zu gehen. Aber das hatte er sich nun verbaut, denn wir mussten ihn anschließend der Polizei übergeben.

 

Als kleine Geste küren wir den Herrn Selknam K. dennoch – oder erst recht – wegen seiner bemitleidenswerten Amoral und Rechtsauffassung zum Bedürftigen der Woche. Und sollte er jemals aus dem Gefängnis entlassen werden, bekommt er die Chance zur Resozialisierung bei der Jahreswahl der Bedürftigen.

 

Donnerstag
30
Mai 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,9)

 

 

Der parlamentarische Untersuchungsausschusses hatte in dieser Zeit die selben ihm zur Verfügung stehenden Materialien bearbeitet und Befragungen durchgeführt. Der Befund war in etwa gleich, wurde allerdings anders bewertet.

Beonders Peter P. von den Grünen zeigte sich über die Ansicht der Evaluierungskommission empört, dass es keine parteipolitische Einflussnahme gegeben habe. Anhand von Materialien sollte er auf seiner Homepage aufzeigen, warum er das anders sah.

Was den Fall selbst betraf, so strich P. die Aussage der Entführungszeuging Ischtar A. sowie die in den ersten Vernehmungen gemachten Aussagen von Natascha Ka. heraus, was ganz eindeutig auf Mittäter oder zumindest Mitwisser hindeutete.

 

Peter P.


Peter P. veröffentlichte auf seiner Homepage Teile der ansonsten gesperrten Vernehmungsprotokolle mit Natascha Ka. Hier konnte jeder Interessierte sich selbst davon überzeugen, dass die Ermittlungsbeamten der SOKO Burgenland sich offenbar für die Möglichkeit weiterer Täter/Mitwisser nicht interessierten. Keine gezielten Fragen in diese Richtung, keine Fragen in Richtung Ernst H. und die Mutter von Priklopil, warum sie die im Haus herumliegenden Kleidungsstücke, Schuhe, Barbiehaus usw. nicht gesehen haben (wollen), keine Frage zur Wohnung in der Wiener Hollergasse, die Priklopil hatte vermieten wollen. Mit der Aussage der einzigen Entführungszeugin Ischtar A. wird Natascha Ka. nicht behelligt. Technische Details des Kellers (Versteck/“Verlies) und die Suche nach einem internen Informationsleck schienen wichtiger.

 

Bei der vierten Vernehmung der Natascha Ka. am 2. September 2006 kam es dann zu interessanten Informationen.

Hier der Auszug des Protokolls (Quelle: Homepage von Peter P.):

 

Frage: Ist Ihnen eine weitere Wohnung im 22. Bezirk bekannt?

Offensichtlich wollen sie wissen, in welchen Wohnungen sich Kampusch vor ihrer Entführung aufgehalten hat. Kampusch antwortet:

„Mir sind Adressen am Stillfriedplatz, in der Bergsteiggasse, Hollergasse, Strahlenergasse und Rugiergasse bekannt.“

Die SOKO-Beamten kommen nicht auf die Idee, dass sie von Kampusch gerade auf Wohnungen, die sie gemeinsam mit Priklopil aufgesucht hat, hingewiesen worden sind. Sie fragen nicht nach und wechseln das Thema.

Frage: Wissen Sie, ob Wolfgang Priklopil außer den vorhandenen Rechnungen, Kalendern usw. weitere persönliche Aufzeichnungen, etwa in Tagebuchform, hat?

Antwort: Ich weiß, dass er keine hat. Ich habe ihn danach gefragt, aber er hat gesagt, dass ihm Eintragungen in den Kalender reichen, um sein Leben zu dokumentieren.

Dann wird die Einvernahme unterbrochen. Nach der Pause wollen die Polizisten wissen, wo Kampusch mit ihrem Entführer war: „Wie Sie bereits in einem Vorgespräch erwähnt haben, mussten Sie mit Wolfgang Priklopil bei verschiedenen Anlässen das Haus verlassen. Wo waren Sie?“

Kampusch beginnt wieder mit den Wohnungen: „Ich war in Wien in der Hollergasse, Bergsteiggasse, Strahlenergasse.“ Dann schildert sie das Zusammentreffen mit den Polizisten und wird noch genauer: „Im Februar oder März dieses Jahres gegen 10:00 Uhr, in den Tagen bevor wir das Fenster in der Hollergasse eingebaut haben, wurden wir auf der Fahrt in der Breitenleerstraße, dort wo die Baustelle ist, von einem Verkehrspolizisten angehalten[…]“

Es gibt keinen Zweifel: Kampusch erzählt, wie sie gemeinsam mit ihrem Entführer eine Wohnung renoviert hat. Aber die Beamten haben keine weiteren Fragen. Sie protokollieren und vermerken: „Ende der Vernehmung: 11:05 Uhr“.

Der Stillfriedplatz befindet sich in Ottakring, dem 16. Wiener Bezirk. Die Bergsteiggasse liegt in Hernals, dem 17. Bezirk. In Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Bezirk, liegt die Hollergasse. Die „Strahlenergasse“ heißt Stralehnergasse und befindet sich in der Donaustadt, im 22. Bezirk. Die „Rugiergasse“ findet sich als Rugierstrasse ebenfalls in Kampuschs Heimatbezirk Donaustadt.

Wenn die SOKO-Beamten nach den Hausnummern fragen und ins Grundbuch schauen, werden sie feststellen: Die Häuser und die Wohnungen gehören zwei Personen: Wolfgang Priklopil und Ernst H. Aber die Beamten fragen nicht nach. Sie stehen vor einem wertvollen Hinweis. Aber sie sehen ihn nicht.

Ein anderes Dokument zeigt, dass der Hinweis längst nicht mehr zu übersehen ist. Schon am Abend der gelungenen Flucht, am 23. August 2006, hat Untersuchungsrichter Michael Tolstiuk eine Hausdurchsuchung angeordnet: „In der Strafsache gegen Priklopil […] ergeht an die Beamten des LKA Burgenland der Befehl, die von Wolfgang Priklopil verwendeten Räumlichkeiten in

– 1220 Wien, Rugierstraße 30/7/2
– 2231 Strasshof/Nordbahn, Heinestraße 60
– 1160 Wien, Stillfriedgasse 6/3

zu durchsuchen…“ (2)

Der Richter beschreibt seinen Verdacht: Priklopil „steht im Verdacht, im März 1998 die damals zehnjährige Natascha Kampusch entführt und bis zum 23.8.2006 an einer der oben angeführten Räumlichkeiten gefangen gehalten zu haben.“ (3)

Zehn Tage später sitzen die Beamten des LKA-Burgenland vor Kampusch und vergessen, sie zu den Wohnungen zu befragen.

Erst in ihren Einvernahmen im Jahr 2009 wird Kampusch von den Kriminalpolizisten weiter befragt. Sie gibt an, was sie ihrem Anwalt schon im Jahr 2006 erzählt hat: Natascha Kampusch hat gemeinsam mit Priklopil die Wohnungen des Priklopil-Freundes Ernst H. renoviert. Kampusch hat für Priklopil und H. gearbeitet.

In der Tagesmeldung im Einsatzprotokoll vermerken die Beamten: „keine neuen Erkenntnisse“ . (4)

Aber immer wieder stoßen die SOKO-Beamten auf die Wohnungen. In Priklopils Haus in der Heinestraße 60 finden die Beamten zwei Kaufverträge:

• Kaufvertrag vom 6.7.2001 über die Wohnung „1160 Wien, Stillfriedplatz 6/Top 3″ lautend auf Wolfgang Priklopil
• Kaufvertrag vom 13.12.2005 über die Wohnung „1150 Wien, Hollergasse 47/13″ lautend auf Wolfgang Priklopil.

Prikopil hat gemeinsam mit H. die Firma „RESAN Bauges.m.b.H.“ besessen. Seit der Gründung am 16.11.1994 hielt Priklopil 24 Prozent der Anteile. Die restlichen 76 Prozent hielt H. Seit dem 25. März 1999 war Priklopil bei der Firma Resan beschäftigt.

Am 28. August 2006 beschreibt Rudolf H. in seiner Einvernahme die gemeinsamen Hausprojekte von Ernst H. und Priklopil:

Frage: Wissen Sie, welche Wohnobjekte Wolfgang PRIKLOPIL in den letzten 15 Jahren erworben bzw. angemietet hatte?

Antwort: Ich weiss, dass er mit Ernst H. einmal in der Eduard-Süß-Gasse in Wien einen Dachausbau durchgeführt hat. Danach haben sie in der Bergsteiggasse in Wien 17 ein Haus angekauft, diesen saniert und dann Wohnungen teilweise vermietet und verkauft. Mir ist auch bekannt, dass er am Stilfriedplatz eine Eigentumswohnung gekauft, saniert und dann vermietet hat. Auch hat Wolfgang gemeinsam mit Ernst H. in der Stralehnergasse Wien 22 ein altes Haus gekauft. Dieses wollten sie anfänglich renovieren. Bis jetzt ist dies aber nicht geschehen. Angeblich wollten sie es wieder verkaufen. In letzter Zeit kaufte Wolfgang auch in der Nähe der Stadthalle eine kleine Wohnung. Diese wollte er ebenfalls sanieren und vermieten. (5)

Ernst H. nennt weitere Details:

Frage: Wie Sie bereits bei der ersten Einvernahme angaben, haben Sie gemeinsam mit Wolfgang PRIKLOPIL in den letzten Jahren auch mit Immobilien gehandelt. Um welche Projekte ging es dabei konkret? Welche Häuser oder Wohnungen gehören Wolfgang PRIKLOPIL, zu welchen Objekten hätte er heute noch einen Zugang?

Antwort: Seit Anfang der 90er Jahre haben Wolfgang und ich alte Häuser und Wohnungen angekauft, diese in Eigenregie saniert und danach weiterverkauft.

Ich kann mich an folgende Objekte erinnern:

Anfang 1990: Dachgeschoßausbau in 1150 Wien, Eduard Süß Gasse 1/Top 30: Die Wohnung wurde nach Fertigstellung etwa 1993 verkauft. Wolfgang hatte keinen Zugang mehr.

1994: Bergsteiggasse 54, Wien 17: Althaussanierung und Dachgeschossausbau, Sicher hat Wolfgang für die öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten noch die Schlüssel (d.h. Haupteingang, Kellerabgang und Einfahrtsgittertor).

Ca 1996: Stralehnergasse 4, 1220 Wien: Das Objekt – ein äußerst baufälliges einstöckiges Haus – ist mein alleiniges Eigentum. Wolfgang besitzt jedoch einen Haustorschlüssel zu diesem Gebäude. Mit der Sanierung wurde noch nicht begonnen. Er werde das Haus wahrscheinlich wieder verkaufen.

Ca 2001: Stillfriedplatz 1, Tür 3, 1160 Wien: Ankauf und Sanierung einer Eigentumswohnung, ca 23m2. Die Wohnung ist seit ca. 4 Jahre an eine Frau S. vermietet. Das Projekt haben wir gemeinsam gemacht. Im Grundbuch ist aber Wolfgang Priklopil als Alleineigentümer eingetragen. Vermutlich dürfte er von diesem Objekt noch den Haustorschlüssel haben. Für die Wohnung selbst hat er mit Sicherheit keinen Schlüssel. Ein Kellerabteil ist für diese Wohnung keines vorhanden.

Ende 2005: Hollergasse 47/13, 1150 Wien: Alleiniger Ankauf und Sanierung einer Eigentumswohnung, ca.11m2 groß, durch Wolfgang PRIKLOPIL. Die Wohnung wurde erst unlängst fertig gestellt und wurde – wie bereits eingangs erwähnt – bereits zur Vermietung inseriert. Haustor- und Wohnungsschlüssel müsste Wolfgang haben. Auch müsste er einen Schlüssel zum dazugehörenden Kellerabteil besitzen. Alleineigentümer ist Wolfgang PRIKLOPIL. (6)

Am 27. September 2006 weist Ernst H. die SOKO-Beamten ein weiteres Mal auf Priklopil und die Firma Resan hin.

Frage: Wie ist Priklopil noch an der Bergsteiggasse beteiligt? Wie viel hat er bei der Firma RESAN monatlich verdient, welche Gegenleistungen hat er dafür erbracht?

Antwort: In der Bergsteiggasse ist Wolfgang nicht mehr beteiligt. Angemeldet war Wolfgang bei der Firma RESAN mit Euro 100 und bei der Hausverwaltung in der Bergsteiggasse mit Euro 160 als Hausbesorger. (7)

Schon am 2. September hat Natascha Kampusch bei ihrer Einvernahme angegeben: „Ich war in Wien in der Hollergasse, Bergsteiggasse, Strahlenergasse.“ Die nächsten Fragen liegen auf der Hand: Was hat Kampusch in der Bergsteiggasse getan? Wie oft war sie dort? Und: Hat Ernst H. gewusst, dass Kampusch für ihn in der Bergsteiggasse und in anderen Wohnungen arbeitet? Aber auch hier verzichten die Beamten auf jede Nachfrage.

(Fortsetzung folgt)

Montag
27
Mai 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,8)

 

 

Die Evaluierungskommission unter die Leitung von Univ.-Dr. Dr. Ludwig A. wühlte sich durch die vorhandenen Akten und legte am 24. Februar und am 9. Mai 2008 zwei Zwischenberichte vor. Ludwig A. sah es allerdings als prolematisch an, dass ein ganzer Teil der Vernehmungsprotokolle gesperrt waren und die Kommission die Akten von der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungsrichters nicht erhalten hatte. Das gleiche galt übrigens auch für den palamentarischen Untersuchungsausschuss.

Ludwig A.


Den Abschlußbericht der Evaluierung legte die Kommission am 9. Juni 2008 vor. In dieser war die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass es lediglich zu einer unvollständigen Aufarbeitung gekommen ist und nicht alle kriminaltaktischen und kriminalpolizeilichen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden“. Neben diversen Mängeln auf kommunikativer Ebene und bei der Medienarbeit wurde unter anderem festgestellt, dass die Ermittlungen „um und rund um Wolfgang Priklopil“ erheblich durch Personen erschwert wurde, welche eine Art „Schutzschirm“ um das Opfer Natascha Ka. gebildet hätten – mit Vorgaben, Einschränkungen und Restriktionen. Und womit die Führungsspitze der Polizei und die Vertreter der Justiz offenbar überfordert gewesen wären.

Angemerkt wurde bei dieser Gelegenheit ein erstaunlicher Umstand:

„Hochkarätige Rechtsexperten aus dem Bereich des Medienrechtes ließen sich bereits

wenige Tage nach dem Auftauchen der Natascha Ka. von ihr vertraglich

bevollmächtigen (ein Umstand, der bei einem derart nachhaltig traumatisierten

Tatopfer jedenfalls verwunderlich ist).“

Und:

„Das Zusammentreffen“ zuvor genannter diverser widriger „Umstände, gepaart mit zum Teil bemerkenswert anlehnungsgeneigten und verunsichert agierenden Führungskräften,

führte schlussendlich zu einer Situation, in der teilweise geliehene Autorität bzw. Angst, persönliche Befindlichkeiten sowie die Frage nach „einem Schuldigen“ vordergründiger erschienen, als die fachlich saubere Aufarbeitung der eigentlichen Fragestellung:

Was ist in den Wochen vor dem Verschwinden von Natascha Ka. bzw. in all den Jahren danach eigentlich wirklich passiert und wer hat dabei welche Rolle gespielt?“

 

Die Kommission ging dieser eigenen Frage allerdings nicht nach. Sie stellte fest, dass zumindest die Ermittlungen im Familien- und Bekanntenkreis des Opfers umfassend geführt worden sind, wenn es auch nicht möglich gewesen war, „einen Verdacht gegen eine bestimmte Person herauszuarbeiten.“

 

Gemeint war hier offenbar ein konkreter Verdacht mit entsprechenden Indizien, denn mit Ernst H. hatte es sehr wohl einen sogar naheliegenden Verdächtigen gegeben. Inwieweit in diese Richtung tatsächlich ermittelt wurde, war eine ganze andere Frage, auf welche die Kommission allerdings nicht einging.

 

In Sachen Mehrtäter/Mitwisser merkte die Evaluierungskommission aber an, dass von Anfang an mit der Aussage der Zeugin Ischtar A. ein Hinweis in Richtung Mehrtäterschaft vorgelegen habe. „Auch die in der Strafanzeige vom 22. September 2006 enthaltenen Angaben von Natascha Ka. über das Verhalten des Wolfgang PRIKLOPIL während des

Aufenthaltes in einem Waldstück bei Strasshof, vor der Anfahrt zum Wohnhaus in der Heinestraße 60, wiesen in diese Richtung.“

 

Zu der „Polizeipanne“ notierte die Kommission „Mängel“ bei der ersten Überprüfung von Priklopil und dessen Fahrzeug durch zwei Polizisten vor Ort. Diese hätten nur das Fahrzeug überprüft und gleichzeitig nicht einmal von der Personenbeschreibung der einzigen Entführungszeugin Kenntnis gehabt. Da Priklopil damals kein Alibi vorweisen konnte, hatte somit seine Täterschaft nicht ausgeschlossen werden können. Andere Fahrzeughalter wären sogar gründlicher überprüft worden als Priklopil.

 

Der zweite Hinweis auf einen möglichen Täter, der vom Hundeführer Rev.Insp. P. stammte, wurde von der Kommission als ein überprüfungswerter „und nicht umfassend abgearbeiteter“ Hinweis gewertet, die bloße Nachfrage am Gendarmerieposten und das Ablegen des Aktenvermerks aber nur als „nicht sachgerecht“ bezeichnet. Die Kommission nannte hier als mögliche Ursachen die Unterbesetzung des Ermittlerteams, das Fehlen eines Informationsmanagements, der wenig systemathische Umgang mit Überprüfungsergebnissen und dem Fehlen eines „Vier-Augen-Prinzips“.

 

Die Kommission stellte demnach durchaus „Ermittlungsfehler“ fest und bezeichnete den Hinweis des Polizeihundeführers P. als eine „nicht adäquat behandelte Mitteilung“, reduzierte diesen aber erstaunlicherweise als einen Hinweis „vom Hörensagen“. Denn, und das merkte der Endbericht eben nicht an, es hatte sich hierbei um die fatalen „Ermittlungsfehler“ gehandelt. Stattdessen behauptete die Kommission, dass „eine im Verlies versteckte Person auch im Fall einer Hausdurchsuchung mit Einsatz eines Diensthundes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gefunden“ worden wäre.

 

Diese Behauptung ist allerdings nicht mehr als eine Behauptung – und Unsinn. Eine Beurteilung der Situation in Priklopils Haus in Strasshof im Jahre 1998 konnte 2008 nicht seriös erfolgen und ebensowenig die Qualität der Suchhunde beurteilt werden. Eher ist das Gegenteil der Fall, weil der Keller unter der Garage natürlich mit einer Luftzufuhr ausgestattet war. Mit dieser Behauptung durch die Evaluierungskommission wurde stattdessen der Umstand kaschiert, dass es nie zu einem Einsatz von Suchhunden gekommen war.

 

Die Polizeiführung, Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter hatten bereits am 25. August 2006 vereinbart bzw. angeordnet, dass alle am Tatort in Strasshof vorgefundenen schriftlichen Aufzeichnungen und auch Videos von Natascha Ka. zu versiegeln und dem Untersuchungsrichter G. zu überbringen waren. „Die Vernehmungsprotokolle mit Natascha Ka. wurden ab diesem Zeitpunkt „vereinbarungs- bzw. auftragsgemäß“ (so ein Besprechungsprotokoll) ausschließlich im Original angefertigt und unverzüglich dem Untersuchungsrichter vorgelegt.“

Begründet wurde dies mit dem Opferschutz wie auch mit der Absicht, die unerlaubte Weitergabe von Informationen und Inhalten zu verhindern. Die Polizei behielt keine Kopien auf Papier oder in Dateiform zurück.

Diese Maßnahme wurde von der Evaluierungskommission als „nicht zulässig“ bezeichnet. Selbstredend konnte dies kaum förderlich für die polizeilichen Ermittlungen gewesen sein.

 

Die Kommission hatte bekanntlich auch nicht die in einem Gerichtstresor verwahrten Niederschriften mit den Aussagen von Natascha Ka. erhalten, ebensowenig wie eine Reihe von Beweismitteln, die bereits ausgefolgt waren. Dies war auch ein weiterer Kritikpunkt.

„Unter derartig gravierenden Rahmenbedingungen war es zwar kinderpsychologisch nahe liegend und schlüssig, die Tatermittlungen ab dem Wiederauftauchen der Natascha Ka. im Sinn der umgehend wirksamen Einflussnahmen von Experten so fortzusetzen, dass der inzwischen zur jungen Frau herangewachsenen Tatbetroffenen höchstmöglicher Schutz ihrer Intimsphäre gewährt wird. Was sich allerdings nach Lage des Falles als nicht nachvollziehbar darstellt, ist, dass eine Reihe von Gegenständen, die im Wohnhaus (samt ‚Verlies’) des (infolge Selbstmords nicht mehr greifbaren) bekannten Täters sichergestellt worden waren, in Befolgung der ersichtlich von der Opferbegleitung ausgegangenen Impulse an das Tatopfer ausgefolgt wurden, ohne zuvor ihren objektiven und von einer zusätzlichen seelischen Opferbelastung weitestgehend unabhängigen Beweiswert (insbesondere durch Anfertigungvon Kopien) zu sichern. Im Einzelnen handelte es sich dabei um Videokassetten, ein Tagebuch, Bekleidung, beschriebene Zettel und diverses anderes persönliches Eigentum der Natascha Ka., dessen Beschaffenheit bzw. Inhalt nunmehr größtenteils ebenso wenig verifizierbar ist, wie die zeitlichen und sonstigen Modalitäten der Einbringung in das so genannte ‚Verlies’. Ein derartiger Umgang mit relevantem Beweismaterial ist bei einer eigenständigen Wahrnehmung der entsprechenden Ermittlungsverantwortung (in Richtung auch zumindest eines weiteren Tatkomplizen) mit einem umfassenden Verständnis sämtlicher Aspekte wirksamen Opferschutzes schwer in Einklang zu bringen.“

 

Warum war dem so? Das Kritisieren von den aufgezeigten Vorgängen war das eine, die Eruierung der Ursache eine andere. Um die ging es aber nicht. Denn insgesamt kam Ludwig A. als Vorsitzender der Evaluierungskommission zwar zu dem Schluss, dass da einiges bei der Polizeiarbeit schief gegangen war und anderes nicht mehr – mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln – zu rekonstruieren sei, es aber zu keiner Vertuschung gekommen sei.

„Die Anregung von Dr. H zu einer Evaluierung der Polizeiarbeit in der Sache Ka. ist von der Ressortleitung nie ausdrücklich abgelehnt worden; es ging ausschließlich um die Wahl des Zeitpunktes sowie um das durchführende Organ. Es lag ein konkreter Vorschlag dahingehend vor, die Evaluierung der Sicherheitsakademie zu übertragen; dieser Vorschlag ist vom Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit ausdrücklich gebilligt worden. Es besteht kein Grund für die Annahme, dass in rechtswidriger Weise Fehler bei der Polizeiarbeit unterdrückt werden sollten.

Ebenso wenig besteht Grund für die Annahme, dass ein „Hinausschieben“ der Evaluierung auf Wunsch der damaligen Ressortchefin im Hinblick auf die Wahlen zum Nationalrat im Oktober 2006 stattgefunden habe. Zwar hat Dr. H im Rahmen seiner Darstellung vor der Evaluierungskommission den damaligen Brigadier T. die Äußerung in den Mund gelegt, „die Chefin wolle keinen Skandal vor den Wahlen“. Ob die damalige Bundesministerin für Inneres eine solche Äußerung wirklich gemacht hat, wird sich heute mit Sicherheit nicht mehr feststellen lassen.

Weder in dem einen noch in dem anderen Fall handelt es sich aber um eine „Vertuschung“, weil es ausschließlich um den Zeitpunkt der Evaluierung und nicht um deren Stattfinden als solches gegangen ist.“

 

Die Kommission sah auch das Überlassen der Vernehmungsprotokolle an Staatsanwaltschaft und Untersuchungsrichter ohne Zurückbehaltung von Kopien bei der Polizei zwar als kritikwürdig an, erkannte hier aber keine „rechtswidrige Vertuschung“. Begründet wurde dies allerdings mit dem merkwürdigen Argument, dass Staatsanwalt und Untersuchungsrichter informiert gewesen wären.

 

 

Auch bei dem nicht weiter bearbeiteten Hinweis des Polizei-Hundeführers erkannte die Evaluierungskommission keinen Akt der Vertuschung oder eine politische Einflussnahme. Nur in einem Fall „(Besuch von zwei Ermittlungsbeamten beim Hundeführer RevInsp. P samt divergierender Aussagen über den entsprechenden Auftrag) könnte eine solche Annahme nicht ausgeschlossen sein. Ein parteipolitisches Motiv ist auch in diesem Fall nicht zu erkennen.“

 

 

Der Bericht endet mit den Kapiteln „Bewertung“ und „Empfehlungen“. Die „Bewertung“ endet mit folgendem Fazit:

„Die Kommission gewann den Eindruck, dass die sachdienlichen Ermittlungsansätze im vorliegenden Fall bisher nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Dazu wurde in Anknüpfung an den Evaluierungsauftrag des Bundesministers für Inneres unmittelbarer Kontakt zur Oberstaatsanwaltschaft Wien hergestellt.“

 

Die Veröffentlichung des Abschlussberichtes rief in den Medien wie zuvor eine Reaktion hervor. Ermittlungsfehler der Polizei waren nun offiziell, auch Umstände, die auf Mittäter oder Mitwisser hinwiesen, und andere Merkwürdigkeiten in dem Fall. Obwohl der Bericht insgesamt doch sehr wohlwollend formuliert worden war, forcierte er das Mißtrauen in der Öffentlichkeit erneut.

Diese Öffentlichkeit wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der am 30. April 2008 getroffenen Vereinbarung zwischen der Evaluierungskommission und der „SOKO Ka.“ zugunsten weiterer Ermittlungen. Denn der Staatsanwalt Hans-Peter Kr., welcher bereits 2006 den Fall als abgeschlossen erklärt hatte, ignorierte Vereinbarung und Befunde. Er berichtete am 11. Juli 2008 an das Innenministerium, dass angeblich keine weiteren Ermittlungen nötig wären.


Dienstag
21
Mai 2013

Zwickl – Gausch / Ein Kommentar

 

Die ÖVP wartete kürzlich mit einem „Eklat“, einem „Skandal“ auf, einer wunderschönen kleinkarierte Geschichte, die auch im Sommerloch überflüssig gewesen wäre.

 

Über das städtische Jugendreferat, Megafon und SUB wurde das Jugendforum vorerst als Pilotprojekt iniiiert. Angesprochen werden sollten ausdrücklich „Jugendliche“ im Alter von 15 bis immerhin 25 Jahren.

 

Der dort am 7. Mai erschienenen Frau Annegret Zwickl, 29 Jahre alt oder jung, wurde durch den Veranstalter, dem Jugenbeauftragten Christoph Gausch, die Teilnahme an der Veranstaltung verwehrt. Wegen ihrem (zu hohen) Alter.

 

Die Empörung folgte regional-medial prompt. Aus Betroffenheit und verletzter Eitelkeit wurde öffentlich ob dieser Zurückweisung geweint, aber auch ein politisches Motiv unterstellt. Frau Zwickl verstieg sich sogar in der Vermutung, dass die Veranstalter „etwas zu verbergen“ hätten oder gar – mit ihrer öffentlichen Veranstaltung und ihrer permanenten Öffentlichkeitsarbeit – die Öffentlichkeit „fürchten“ würden. Auch die Feststellung, dass Christoph Gausch ebenfalls älter als 25 Jahre ist, war ein Griff ins Nichts, denn Gausch war und ist der Veranstalter. Nicht Zwickl.

 

Mit derartigen Aussagen hätte Frau Zwickl durchaus an der Veranstaltung teilnehmen können, ihr tatsächliches Alter wäre gemäß ihrer eigenen Einstufung sicherlich nurmehr sekundär von Interesse gewesen. Denn wer kennt eigentlich die Frau Zwickl? Wer ist das?

 

Frau Zwickl ist als ÖVP-Gemeinderätin bei der Stadt registriert, ihr Anliegen soll die Jugend sein. Das macht nichts. Da aber auch derartiges „Getöse“ parteipolitisch konstruiert wird, köterten und bellten die Parteifreunde gleich mit. Aus Solidarität natürlich. Die Forderung allerdings, deswegen gleich die Planstelle des Jugendbeauftragten ersatzlos zu streichen, zeugt von einer bestimmten Geisteshaltung: Kommunikation? Nein, Danke. Gute Jugendarbeit? Uninteressant. Aktive Auseinandersetzungen, Geist und Kultur? Was ist das? Luxus? Und wie ist das mit dem Arbeitsauftrag. Habe ich diese Leute schon gesehen?

Christoph Gausch

 

Man kann Christoph Gausch mögen oder nicht, aber er leistet meiner Ansicht nach eine nachweislich gute Arbeit, was allerdings wahrscheinlich nur möglich, weil es eben nicht nur ein „Arbeitsauftrag“ ist, sondern für ihn eine Berufung. Das ist etwas, was den meisten anderen vollkommen abgeht – der Sinn. Die Frage, wer hier in der Stadt überflüssig ist, sollten die Forderer der ersatzlosen Streichung vielleicht auf sich selbst reflektieren. Die Antwort wird überraschend klar ausfallen.

 

Wie wichtig vernünftige Jugendarbeit ist, zeigt in diesem Fall die städtische Politriege aller dort befindlichen Parteien. Seien wir doch ehrlich: möchten Sie, werte Leser, so werden wie die dort?

 

Bleibt nur die Frage: was sollte der Mist?

 

Hier der Link zum Artikel in der NÖN:

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/wiener-neustadt/aktuell/Zwickl-gegen-Gausch;art2575,461895

 

Nachtrag:

Megafon bzw. Christoph Gausch und Stefan Kumnig haben eine Stellungsnahme zu diesem Theater veröffentlicht, die doch sehr erhellend ist.

Hier der Link:

http://megafon-wn.at/megafon-stellungnahme-zum-non-kw20-artikel-zwickl-gegen-gausch/

Interessant zu lesen, wenn da jemand, mit einem „politischen“ Jugendanliegen deklariert, selbsteinladend auf einer Jugendveranstaltung erscheint und noch angibt, (nur) in Vertretung des politischen Chefs dort zu sein, von dem derlei (tatsächliche) Ambitionen (Jugend und Kultur) gänzlich unbekannt sind.

Aber was soll’s, die NÖN ist ja nicht unabhängig, das wissen wir alle.

 

 

Donnerstag
16
Mai 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,7)

 

Der Direktor des BKA, Herwig H., wurde nach internen Querelen am 3. Februar 2008, von seinem Amt abberufen. H. ging anschließend an die die Presse und nannte als Grund für diese Ablösung, dass er sich nicht korrumpieren ließe. Seine Vorwürfe richteten sich gegen die politische Einflußnahme durch das Innenministerium in den Fällen der BAWAG-Affäre und eben auch in dem Fall Ka., wo beim Letzteren die Aufarbeitung der Ermittlungsfehler abgewürgt worden wären.

Herwig H.


Herwig H. wurde Anfang November 2008 suspendiert, nachdem er in einem Interiew angegeben habe, dass das BKA zu einer Außenstelle der ÖVP verkommen sei und man ihm gedroht habe, weiter gegen ihn vorzugehen, sollte er nicht seinen Mund halten.

 

Innenminister Günther P. setzte am 10. Februar 2008 eine Evaluierungskommission unter der Leitung des Juristen und Ex-Verfassungsgerichtshof-Präsidenten Ludwig A. ein. Hier ging es aber weniger um das Neuaufrollen des Falles Ka., als um „Erkenntnisse über strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten sowie den Bedarf an der Entwicklung neuer kriminalistischer Methoden, Techniken etc. zu gewinnen.“

 

Ludwig A.

 

Am 3. März 2008 wurde zudem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss gebildet, welche das mögliche polizeiliche Versagen und vor allem die politische Vertuschung untersuchen sollte. Nach Peter P., Parlamentsabgeordneter der Grünen, war der Arbeitsuftrag des Untersuchungsausschusses folgender:

 

  1. Aufklärung, ob es bei den kriminalpolizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen im Fall Ka. zu schweren Fehlern gekommen ist;

  2. Aufklärung, ob vor der Nationalratswahl 2006 vom Kabinett der Bundesministerin für Inneres (KBM) dem damaligen Direktor des BKA die Weisung erteilt wurde, die Vernehmung eines Zeugen im Zusammenhang mit dem Fall Ka. vor den Wahlen zu unterlassen;

  3. Aufklärung, ob im weiteren die Evaluierung der kriminalpolizeilichen Ermittlungen im Fall Ka. verhindert und schwere Fehler bei den Ermittlungen vertuscht oder gar nicht untersucht wurden.“

 

 

Mitte April 2008 druckten zwei sogenannte „Gratis“-Blätter, von denen das eine allerdings das andere als Quelle nannte, eine ganze Reihe von Details aus den polizeilichen Vernehmungsakten ab, die bis dahin nie veröffentlicht worden waren. Diese skandalöse Weitergabe von Informationen wurde zum Fall für die Staatsanwaltschaft, ÖVP und SPÖ beschuldigten sich gegenseitig, für das „Leck“ verantwortlich zu sein. Die Materialien hatten dem Innen- und dem Justizministerium sowie der Evaluierungskommission und Untersuchungsausschuss zur Verfügung gestanden. Den beiden letzteren allerdings nur eingeschränkt, weil ihnen die Ermittlungsakten zumindest teilweise gesperrt waren.

Dies ging allerdings genau so unter wie die fragwürdige Qualität der beiden Blätter, die zumindest keinen Hehl daraus machen, mangels Journalismus und Ethik zum Zeitungsdreck zu gehören.

Der Medienkonsument erfuhr anschließend auch über weitere Medien, was da alles kolportiert wurde. Dazu gehörten die ersten Aussagen von Natascha Ka. gegenüber einer Polizistin („Kann keine Namen nennen“ auf die Frage nach Mittätern), gegenüber dem ersten Arzt („Wie lange lässt sich eine Schwangerschaft nachweisen?“), wobei hier der Personenschutz verletzt wurde. (Die Polizei soll allerdings dieser Frage nach einem möglichen Kind vergeblich – nachgegangen sein).

Das Gratis-Blatt berichtete auch von Datenträgern mit Bildern von Natascha Ka, die im Haus von Priklopil gefunden worden sein sollen, doch wäre eine Auswertung auf Anweisung „von oben“ abgebrochen worden. Auch sollen die aufgefundenen persönlichen Gegenstände des Entführungsopfers ohne Auswertung versiegelt worden sein.

Ansonsten wurde vor allem Klatsch geboten. Proklopil habe in der Wiener S/M-Szene verkehrt, es wurden Vorlieben des Entführers angegeben, auch, dass das Opfer Natascha Ka. habe angeblich mitmachen müssen. Für die Befriedigung niedrigster Sensationslust wurde dazu noch ein angeblicher „Zeuge“ angeführt, der seine Frau im Jahre 2001 an Priklopil „vermietet“ haben soll, die anschließend verängstigt und übel zugerichtet zurückgekommen sei.

 

Nachprüfbar war das alles nicht, zumindest nicht für die Leserschaft. Aber es verstärkte in der Bevölkerung das Mißtrauen gegenüber der Polizei und der Justiz, auch wenn in diesem Fall nichts Greifbares abgedruckt worden war, was diesen Kriminalfall aufklären könnte.

Einzig Ludwig A., der Leiter der Evaluierungskommission, bestätigte wenige Tage später öffentlich, dass es diese Aussage von Natascha Ka. gegenüber einer Polizistin, sie könne keine Namen nennen, tatsächlich gegeben habe. Und das war es, was die Einzeltäter-Theorie der Behörden nicht unterstützte. Das fasste der Medienkonsument auch so auf.

Von Natascha Ka. kam wiederum die öffentliche Stellungnahme, dass es keinen Hinweis auf Mittäter gebe und Priklopil auch „laut Psychogramm der Ermittlungsbehörden ein Einzeltäter“ gewesen sei.

Für den Untersuchungsausschuss mag dies etwas „schräg“ geklungen haben, denn nach den vorliegenden Ausschnitten der ersten Vernehmungsprotokolle mit Natascha Ka. war sie es selbst gewesen, welche 2006 Hinweise (indirekt, aber massiv) auf Mittäter oder zumindest Mitwisser geliefert hatte. Und das war definitiv nicht anders zu verstehen. Da konnte es eher um die Frage gehen, welche Erklärung nun die richtige war und warum es überhaupt eine falsche gab.

Während der Anwalt von Natascha Ka., Gerald G., rechtliche Schritte erhob und Klage gegen dieses „Gratis“-Blatt einreichte, unter anderem wegen Urheberrechtsverletzung bei den Fotos, während in der Bevölkerung über den Fall wieder spekuliert wurde, brachte ein Magazin einen Bericht über Natascha Ka. mit hübscher Bilderstrecke, um die Leserschaft zu informieren, wie es ihr so ging. Zufällig arbeitete Gerald G., der Anwalt, auch für dieses Magazin.

Gerald G.


Und das war der Punkt. Natascha Ka. und ihr Team aus Medienberatern, Psychologen und Anwälten hielten das Thema selbst am Kochen, mit Sendungen, Interviews und Artikeln, taten aber brüskiert, wenn auch andere Medienvertreter ihren Anteil vom „Kuchen“ zu sichern versuchten – dann freilich mit nicht abgesprochenen und genehmigten Materialien und „Informationen“.

Als dann auch noch die Nachricht an die Öffentlichkeit gelangte, dass Natascha Ka. das Haus von Priklopil erworben hatte, sah es um die „Öffentliche Meinung“ nicht mehr gut aus.


Montag
13
Mai 2013

Bedürftig – 15. Kandidat: Dorothea N.

 

Bernd Bieglmaier erhielt unlängst einen Anruf von einer Frau, die sich am Telefon als Dorothea N. vorstellte. Sie war der Annahme, dass Bedürftige gesucht werden würden. Bernd Bieglmaier musste dem allerdings widersprechen, denn die Bedürftigen brauchten nicht gesucht werden. Sie fanden sich von selbst. So wie Dorothea N.

 

Bernd Bieglmaier verabredete sich mit der werten Dame im Park. Dort wartete er am vereinbarten Treffpunkt bei einer Parkbank allerdings vergeblich. Glaubte er. Denn dann vernahm er hinter sich auf der Parkbank einen Laut. Hallo?

Bernd Bieglmaier drehte sich um, doch war dort nichts. Er sah nichts.

 

 

Ich bin ein Nichts, sagte leise eine weibliche Stimme.

Wer? Wo? Bernd Bieglmaier war irritiert. Er musste schließlich seine Augen ganz weit aufreißen, bis er die Gestalt bemerkte. Zuerst schemenhaft, dann langsam klarer. Diese Gestalt saß auf der Parkbank. Seit einer halben Stunde schon, wie Frau Dorothea N. anmerkte.

 

Bernd Bieglmaier war höflich genug, um sich sofort zu entschuldigen. Macht ja nichts, ich bin ja nichts, meinte Frau N. mit schwacher Stimme. Und dann plapperte sie auch schon drauflos.

 


Die Leute würden sie nicht bemerken und über sie hinwegsteigen, berichtete Frau Dorothea N. Man würde sie nicht sehen und nicht hören, als wäre sie nicht vorhanden, und dies nicht nur, wenn sie nichts reden würde. Und wenn sie doch etwas sagen würde, dann wäre es angeblich nichtssagend. Nun würde sie sich auch wie ein Nichts fühlen, beteuerte Frau N., um dann – für Bernd Bieglmaier nichtsahnend – in Nullkommanichts in Tränen auszubrechen.

 

Das war nicht schön, befand Bernd Bieglmaier, aber warum war dem so? Bernd Bieglmaier begab sich auf Spurensuche, wenn auch kaum Spuren vorhanden waren in dem Nichts. Er versuchte es mit Fragestellungen, um dem Sachverhalt näher zu kommen.

Es waren Fragen nach Gründen der Nichtwahrnehmung, Fragen nach der Bedeutung der eigenen Worte und des eigenen Handelns. Oder auch nach Bedeutungslosigkeit derselben.

 

Es zeigte sich allerdings, dass Frau Dorothea N. über gewisse Mängel der Selbsteinschätzung verfügte und an Ursachenforschung wenig interessiert schien. Mitnichten, nichts von alledem sei wahr, nichts dergleichen richtig, knallte sie Bernd Bieglmaier um die Ohren. Nein, nie nicht und ganz und gar nicht, behauptete sie, weils sie nichts damit zu tun habe. Sie beschuldigte unseren Bedürftigen-Reporter daraufhin, viel Lärm um Nichts zu machen, bezeichnete sein Bemühen als Null und Nichtig, um anschließend zu erklären, dass sie weiter dazu nichts mehr zu sagen hätte, denn sie wolle sich nicht vernichten lassen.

 

Nichtdestotrotz zeigte sich Bernd Bieglmaier bemüht, gemäß dem Spruch: nichts ist alles, bis aber auch er die andere Hälfte dieses Spruches anerkennen musste: alles ist nichts. Und Frau Dorothea N. vereinte alles an Nichts in sich, das volle Nichts quasi, welches auch noch verteidigt wurde. Wie sich schlußendlich sogar Bernd Bieglmaier im Nichts befand, gefühlt natürlich, löste sich Frau Dorothea N. vor seinen Augen im Nichts auf.

 

Da ihre Bewerbung bei den Bedürftigen dennoch Gültigkeit hat, sehen wir uns von der Bedürftigen-Redaktion zur folgenden Stellungnahme veranlasst:

 

Liebe Frau Dorothea N.!

So geht das natürlich ganz und gar nicht. Wir wissen um den Umstand, dass es eine Kunst ist, aus Nichts etwas zu machen, so wie es depremierend sein kann, aus dem Vollen des eigenen Geistes und der Mittel heraus nur nichts zustandezubringen. Aber so einfach mir nichts Dir nichts unseren verdienten Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier in seinem Bemühen um Aufklärung stehen zu lassen, hinterlässt außer dem Nichts gar nichts weiter. Dass im größten Teil unserer Gesellschaft die Mentalität des „Nichts-hören“ und „Nichts-sehen“ vorherrschend ist, ergibt sich ein „Nicht-wissen“ zwangsläufig, weswegen es auch nichts zu sagen geben kann – von nichtiger Polemik abgesehen.

Damit das Bisherige nicht für Nichts und wieder Nichts ist, möchten wir ihnen vorschlagen, es mal alternativ mit einem kraftvollen „Alles oder Nichts“ zu versuchen, schließlich soll ja nichts unmöglich sein. Denn wie sagt man so schön: von nichts kommt nichts, nicht wahr?

Liebe Frau Dorothea N., geben Sie sich einen Ruck, denn es nützt ja nichts. (Das „Nichtsnutz“ verkniffen wir uns). Sie müssen ganz dringend an sich arbeiten. Wir unterstützen Sie dabei. Und küren Sie zur Bedürftigen der Woche.

 

 

 

Sonntag
05
Mai 2013
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