Am 2. März 2026 titelte der KURIER groß auf der Titelseite: „Hoffen auf Freiheit.“ Während im angegriffenen Iran im Bombenhagel der USA und Israel viele Menschen starben. Das Morden war dem Blatt allerdings keine Meldung wert, es fokussierte sich auf einige Exil-Iraner, welche den Tod des iranischen Ayatollahs Ali Khamenei feierten. Dieser war mit einigen Familienmitgliedern ermordet worden. In der Unterzeile wurden auch Tote in Israel erwähnt sowie „erste gefallene US-Soldaten“. Tote Iraner außer Khamenei: Fehlanzeige.
Der KURIER stellte somit seine moralische Verkommenheit bestens zur Schau. Geradezu obszön wurden die Opfer – ermordet, verstümmelt, traumatisiert – schlichtweg aus einer Erzählung herausgenommen. Stattdessen wurde der relativ abstrakte Begriff „Freiheit“ ins Schaufenster gestellt, der keine Rolle spielt und in seiner Bedeutung auch von niemandem gewollt ist. Es ist Erzählung der aggressiven Kolonisatoren, bei denen während ihrer „Landnahme“ die indigenen Völker zwar ausgerottet wurden, aber nicht wirklich existiert haben. Selbst Israel verfügt über eine derartige Geschichte von einem Land, welches sie angeblich leer vorgefunden hätten.
Auf Seite 3 bekam Evelyn Peternel die ganzseitige Gelegenheit, um etwas über den Iran zu erzählen. Aufhänger war hier der Bombentod des Ayatollahs Khamenei: „Der Staat war nicht nur er“.
(Bezahlschranke).
Der Umstand, dass dieser Mann ermordet wurde, wurde im gesamten Text nicht als Mord bezeichnet. Wie bereits seit Jahren in den Massenmedien üblich, werden vom „Wertewesten“ durchgeführte Morde in „Tötungen“ umbenannt, eine Sprachregelung, welche offenbar begangene Kapitalverbrechen in so etwas wie eine neutrale Zone des Informationsraumes überführen soll. Damit dies funktioniert, wird die Aufmerksamkeit von den Tätern und Mördern weggelenkt und stattdessen das ermordete Opfer an den Pranger gestellt. Das war bei Peternel nicht anders, welche bereits in der Unterzeile von einem „brutalen Machtgefüge“ im Iran sprach. Eine auf der Seite angeführte „Chronologie“, unter Auslassung von Hintergründen ohnehin äußerst oberflächlich, erwähnte nicht den Überfall Israels und der USA im Vorjahr (2025).
Der Text von Peternel widmete sich dem Verstorbenen und seiner Rolle im religiösen wie politischen Iran, ohne in der Oberflächlichkeit die Zusammenhänge darzulegen. Der heutige Iran entstand schließlich nicht aus dem Nichts, sondern war eine Folge der „westlichen“ Kolonialpolitik (Besetzung des neutralen Persien im 1. Weltkrieg und Ausbeutung der Rohstoffe durch die Briten, der durch die Briten und die USA initiierte Putsch von 1453, deren Einsetzung eines Autokraten („Monarch“, Schah), der Revolution von 1979, wobei in Zuge dessen die Westmächte die Bildung einer Theokratie unterstützten, aus Furcht, der Iran könne „kommunistisch“ werden, dann der durch die Westmächte angezettelte Krieg (1980-88) über ihren Proxy Irak, als der Iran auf seine neue Souveränität beharrte. Bei dieser Gelegenheit wurden auch zehntausende Kurden mit aus dem Westen gelieferten Kampfgasen ermordet). Die nachfolgenden und äußerst feindseligen Bestrebungen der Westmächte, einschl. Israels, den Iran auf alle erdenklichen Arten Schaden zuzufügen, hatte natürlich in diesem Staat auch innenpolitische Konsequenzen gehabt und eine entsprechende Herrschaftsstruktur verfestigt. Auch das aktuelle Geschehen zeigt deutlich auf, wer hier wen bedroht oder zum wiederholten Male mit Krieg überzieht.
Peternal verstieg sich in ihrem Text darauf, die Legitimität der iranischen Regierung in Frage zu stellen. Natürlich ist diese legitim, aber die Angreifer versuchen dies medial anders darzustellen. Peternel als deren Sprachrohr im KURIER verkaufen den Krieg als angeblich „irgendwie“ legitimes Mittel, weil ein angeblich nicht legitimes „Regime“ beseitigt werden müsse. Um hier eine Argumentationsbasis für die Angreifer zu schaffen, führte auch Peternel die Unruhen im Iran Ende 2025/Anfang 2026 an, ohne freilich zu erwähnen, dass es sich um eine innenpolitische Situation handelte, in welcher ausländische und von eigenen Interessen gesteuerte Mächte nicht einzugreifen haben, genau dies aber geschieht. .
Peternel führte stattdessen nur an, dass angeblich bis zu 30.000 Menschen ums Leben gekommen wären, was zumindest im dem Iran feindlich eingestellten „Wertewesten“ kolportiert wird. Wer diese Zahl geschätzt haben soll, wird von Peternel nicht genannt. Ihre ausgesprochene ungeheuerliche Opferzahl wurde auch nicht untersucht oder durch Quellen verifiziert. Gleichfalls unterschlug sie die Operationen der innerhalb des Iran tätigen Terrorgruppen, welche vor allem durch Israel (Mossad), den USA (CIA) und England (MI6) gesteuert und finanziert werden. Es existieren zahlreiche Belege und Aufnahmen von Attentaten, Scharschützen auf Dächern, die wahllos in Menschenmengen und auf Polizeikräfte schossen und verheerende Massenpanik.
Das Anrichten von Massakern war schon immer eine Spezialität, um gewünschte Regierungsstürze in die Wege zu leiten. Und darum geht es, nur nicht bei Peternel, welche in ihrem Text nur darum bemüht war, ihren Konsumenten ein falsches Bild vorzugaukeln. Diesen sollte unter anderem suggeriert werden, dass ein großer Teil der iranischen Bevölkerung einen Regierungswechsel oder gar Umsturz mittragen würde. Dem ist allerdings nicht so.
Walter Friedl war der Peternel folgende Autor, er machte sich Gedanken um die Zukunft des Iran: „Irans ungewisse Zukunft: Sechs Szenarien.“ Überflüssig, weil sinnlose „Gedanken“. Johanna Arends schrieb über die anscheinend unerwartete Eskalation, welche nun auch auf die regionalen Golf-Scheichtümer übergriff: „Iranische Rundumschläge gehen weiter, erste tote US-Soldaten“. Arends hatte zwar nichts zur Situation im Iran zu berichten, erwähnte aber immerhin die gezielten Ermordungen iranischer Regierungsmitglieder und Militärs. Ansonsten waren ihr umgekommene US-Soldaten anscheinend wichtiger als das Massensterben im Iran. Außerdem unterschlug sie hinsichtlich iranischer „Vergeltungsmaßnahmen“ in Richtung der Golf-Staaten den Umstand, dass diese sämtlich US-Basen beherbergen. Eine kleine, aber entscheidende Unterschlagung, um den Iran so etwas wie blindwütige „Rundumschläge“ zu unterstellen.
Nach diesen Propagandaartikeln, welche absolut nichts mit „Journalismus“ zu tun haben, wurde mit dem pathetischen „Wir kämpfen nicht mehr alleine“ die emotionale Schiene gefahren. Die Autorinnen Anna Strobl und Laila Docekal widmeten sich einer Versammlung von Exil-Iranern (und einheimischen Sympathisanten) in Wien. Während im bombardierten Iran um die 90 Millionen Menschen leben, kann der Fokus auch mal auf die winzige Randgruppe in Wien gerichtet und bei ihren Feierlichkeiten über den Tod des iranischen Ayatollahs beobachtet werden. Freudentränen, Begeisterung, Jubel bei der „iranischen Community“, ach, wie rührend und doch pervers angesichts des zerstörerischen und mörderischen Geschehens am Golf. Danke, Trump, Danke Netanjahu! Freiheit und Demokratie! Also genau das, was die Verbrecher aus den USA und aus Israel garantiert nicht herbeibomben wollen. Transparente mit Bildern der vertriebenen Ex-Diktatorenfamilie wurden gezeigt und der Diktatoren-Sohn als Heilsbringer ausgerufen. Anhänger der Monarchie und der Autokratie möchten „Demokratie“. Für die Autorinnen alles kein Widerspruch.

