Author Archives: Ruediger

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,7)

 

Der Direktor des BKA, Herwig H., wurde nach internen Querelen am 3. Februar 2008, von seinem Amt abberufen. H. ging anschließend an die die Presse und nannte als Grund für diese Ablösung, dass er sich nicht korrumpieren ließe. Seine Vorwürfe richteten sich gegen die politische Einflußnahme durch das Innenministerium in den Fällen der BAWAG-Affäre und eben auch in dem Fall Ka., wo beim Letzteren die Aufarbeitung der Ermittlungsfehler abgewürgt worden wären.

Herwig H.


Herwig H. wurde Anfang November 2008 suspendiert, nachdem er in einem Interiew angegeben habe, dass das BKA zu einer Außenstelle der ÖVP verkommen sei und man ihm gedroht habe, weiter gegen ihn vorzugehen, sollte er nicht seinen Mund halten.

 

Innenminister Günther P. setzte am 10. Februar 2008 eine Evaluierungskommission unter der Leitung des Juristen und Ex-Verfassungsgerichtshof-Präsidenten Ludwig A. ein. Hier ging es aber weniger um das Neuaufrollen des Falles Ka., als um „Erkenntnisse über strukturelle Verbesserungsmöglichkeiten sowie den Bedarf an der Entwicklung neuer kriminalistischer Methoden, Techniken etc. zu gewinnen.“

 

Ludwig A.

 

Am 3. März 2008 wurde zudem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss gebildet, welche das mögliche polizeiliche Versagen und vor allem die politische Vertuschung untersuchen sollte. Nach Peter P., Parlamentsabgeordneter der Grünen, war der Arbeitsuftrag des Untersuchungsausschusses folgender:

 

  1. Aufklärung, ob es bei den kriminalpolizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen im Fall Ka. zu schweren Fehlern gekommen ist;

  2. Aufklärung, ob vor der Nationalratswahl 2006 vom Kabinett der Bundesministerin für Inneres (KBM) dem damaligen Direktor des BKA die Weisung erteilt wurde, die Vernehmung eines Zeugen im Zusammenhang mit dem Fall Ka. vor den Wahlen zu unterlassen;

  3. Aufklärung, ob im weiteren die Evaluierung der kriminalpolizeilichen Ermittlungen im Fall Ka. verhindert und schwere Fehler bei den Ermittlungen vertuscht oder gar nicht untersucht wurden.“

 

 

Mitte April 2008 druckten zwei sogenannte „Gratis“-Blätter, von denen das eine allerdings das andere als Quelle nannte, eine ganze Reihe von Details aus den polizeilichen Vernehmungsakten ab, die bis dahin nie veröffentlicht worden waren. Diese skandalöse Weitergabe von Informationen wurde zum Fall für die Staatsanwaltschaft, ÖVP und SPÖ beschuldigten sich gegenseitig, für das „Leck“ verantwortlich zu sein. Die Materialien hatten dem Innen- und dem Justizministerium sowie der Evaluierungskommission und Untersuchungsausschuss zur Verfügung gestanden. Den beiden letzteren allerdings nur eingeschränkt, weil ihnen die Ermittlungsakten zumindest teilweise gesperrt waren.

Dies ging allerdings genau so unter wie die fragwürdige Qualität der beiden Blätter, die zumindest keinen Hehl daraus machen, mangels Journalismus und Ethik zum Zeitungsdreck zu gehören.

Der Medienkonsument erfuhr anschließend auch über weitere Medien, was da alles kolportiert wurde. Dazu gehörten die ersten Aussagen von Natascha Ka. gegenüber einer Polizistin („Kann keine Namen nennen“ auf die Frage nach Mittätern), gegenüber dem ersten Arzt („Wie lange lässt sich eine Schwangerschaft nachweisen?“), wobei hier der Personenschutz verletzt wurde. (Die Polizei soll allerdings dieser Frage nach einem möglichen Kind vergeblich – nachgegangen sein).

Das Gratis-Blatt berichtete auch von Datenträgern mit Bildern von Natascha Ka, die im Haus von Priklopil gefunden worden sein sollen, doch wäre eine Auswertung auf Anweisung „von oben“ abgebrochen worden. Auch sollen die aufgefundenen persönlichen Gegenstände des Entführungsopfers ohne Auswertung versiegelt worden sein.

Ansonsten wurde vor allem Klatsch geboten. Proklopil habe in der Wiener S/M-Szene verkehrt, es wurden Vorlieben des Entführers angegeben, auch, dass das Opfer Natascha Ka. habe angeblich mitmachen müssen. Für die Befriedigung niedrigster Sensationslust wurde dazu noch ein angeblicher „Zeuge“ angeführt, der seine Frau im Jahre 2001 an Priklopil „vermietet“ haben soll, die anschließend verängstigt und übel zugerichtet zurückgekommen sei.

 

Nachprüfbar war das alles nicht, zumindest nicht für die Leserschaft. Aber es verstärkte in der Bevölkerung das Mißtrauen gegenüber der Polizei und der Justiz, auch wenn in diesem Fall nichts Greifbares abgedruckt worden war, was diesen Kriminalfall aufklären könnte.

Einzig Ludwig A., der Leiter der Evaluierungskommission, bestätigte wenige Tage später öffentlich, dass es diese Aussage von Natascha Ka. gegenüber einer Polizistin, sie könne keine Namen nennen, tatsächlich gegeben habe. Und das war es, was die Einzeltäter-Theorie der Behörden nicht unterstützte. Das fasste der Medienkonsument auch so auf.

Von Natascha Ka. kam wiederum die öffentliche Stellungnahme, dass es keinen Hinweis auf Mittäter gebe und Priklopil auch „laut Psychogramm der Ermittlungsbehörden ein Einzeltäter“ gewesen sei.

Für den Untersuchungsausschuss mag dies etwas „schräg“ geklungen haben, denn nach den vorliegenden Ausschnitten der ersten Vernehmungsprotokolle mit Natascha Ka. war sie es selbst gewesen, welche 2006 Hinweise (indirekt, aber massiv) auf Mittäter oder zumindest Mitwisser geliefert hatte. Und das war definitiv nicht anders zu verstehen. Da konnte es eher um die Frage gehen, welche Erklärung nun die richtige war und warum es überhaupt eine falsche gab.

Während der Anwalt von Natascha Ka., Gerald G., rechtliche Schritte erhob und Klage gegen dieses „Gratis“-Blatt einreichte, unter anderem wegen Urheberrechtsverletzung bei den Fotos, während in der Bevölkerung über den Fall wieder spekuliert wurde, brachte ein Magazin einen Bericht über Natascha Ka. mit hübscher Bilderstrecke, um die Leserschaft zu informieren, wie es ihr so ging. Zufällig arbeitete Gerald G., der Anwalt, auch für dieses Magazin.

Gerald G.


Und das war der Punkt. Natascha Ka. und ihr Team aus Medienberatern, Psychologen und Anwälten hielten das Thema selbst am Kochen, mit Sendungen, Interviews und Artikeln, taten aber brüskiert, wenn auch andere Medienvertreter ihren Anteil vom „Kuchen“ zu sichern versuchten – dann freilich mit nicht abgesprochenen und genehmigten Materialien und „Informationen“.

Als dann auch noch die Nachricht an die Öffentlichkeit gelangte, dass Natascha Ka. das Haus von Priklopil erworben hatte, sah es um die „Öffentliche Meinung“ nicht mehr gut aus.


Montag
13
Mai 2013

Bedürftig – 15. Kandidat: Dorothea N.

 

Bernd Bieglmaier erhielt unlängst einen Anruf von einer Frau, die sich am Telefon als Dorothea N. vorstellte. Sie war der Annahme, dass Bedürftige gesucht werden würden. Bernd Bieglmaier musste dem allerdings widersprechen, denn die Bedürftigen brauchten nicht gesucht werden. Sie fanden sich von selbst. So wie Dorothea N.

 

Bernd Bieglmaier verabredete sich mit der werten Dame im Park. Dort wartete er am vereinbarten Treffpunkt bei einer Parkbank allerdings vergeblich. Glaubte er. Denn dann vernahm er hinter sich auf der Parkbank einen Laut. Hallo?

Bernd Bieglmaier drehte sich um, doch war dort nichts. Er sah nichts.

 

 

Ich bin ein Nichts, sagte leise eine weibliche Stimme.

Wer? Wo? Bernd Bieglmaier war irritiert. Er musste schließlich seine Augen ganz weit aufreißen, bis er die Gestalt bemerkte. Zuerst schemenhaft, dann langsam klarer. Diese Gestalt saß auf der Parkbank. Seit einer halben Stunde schon, wie Frau Dorothea N. anmerkte.

 

Bernd Bieglmaier war höflich genug, um sich sofort zu entschuldigen. Macht ja nichts, ich bin ja nichts, meinte Frau N. mit schwacher Stimme. Und dann plapperte sie auch schon drauflos.

 


Die Leute würden sie nicht bemerken und über sie hinwegsteigen, berichtete Frau Dorothea N. Man würde sie nicht sehen und nicht hören, als wäre sie nicht vorhanden, und dies nicht nur, wenn sie nichts reden würde. Und wenn sie doch etwas sagen würde, dann wäre es angeblich nichtssagend. Nun würde sie sich auch wie ein Nichts fühlen, beteuerte Frau N., um dann – für Bernd Bieglmaier nichtsahnend – in Nullkommanichts in Tränen auszubrechen.

 

Das war nicht schön, befand Bernd Bieglmaier, aber warum war dem so? Bernd Bieglmaier begab sich auf Spurensuche, wenn auch kaum Spuren vorhanden waren in dem Nichts. Er versuchte es mit Fragestellungen, um dem Sachverhalt näher zu kommen.

Es waren Fragen nach Gründen der Nichtwahrnehmung, Fragen nach der Bedeutung der eigenen Worte und des eigenen Handelns. Oder auch nach Bedeutungslosigkeit derselben.

 

Es zeigte sich allerdings, dass Frau Dorothea N. über gewisse Mängel der Selbsteinschätzung verfügte und an Ursachenforschung wenig interessiert schien. Mitnichten, nichts von alledem sei wahr, nichts dergleichen richtig, knallte sie Bernd Bieglmaier um die Ohren. Nein, nie nicht und ganz und gar nicht, behauptete sie, weils sie nichts damit zu tun habe. Sie beschuldigte unseren Bedürftigen-Reporter daraufhin, viel Lärm um Nichts zu machen, bezeichnete sein Bemühen als Null und Nichtig, um anschließend zu erklären, dass sie weiter dazu nichts mehr zu sagen hätte, denn sie wolle sich nicht vernichten lassen.

 

Nichtdestotrotz zeigte sich Bernd Bieglmaier bemüht, gemäß dem Spruch: nichts ist alles, bis aber auch er die andere Hälfte dieses Spruches anerkennen musste: alles ist nichts. Und Frau Dorothea N. vereinte alles an Nichts in sich, das volle Nichts quasi, welches auch noch verteidigt wurde. Wie sich schlußendlich sogar Bernd Bieglmaier im Nichts befand, gefühlt natürlich, löste sich Frau Dorothea N. vor seinen Augen im Nichts auf.

 

Da ihre Bewerbung bei den Bedürftigen dennoch Gültigkeit hat, sehen wir uns von der Bedürftigen-Redaktion zur folgenden Stellungnahme veranlasst:

 

Liebe Frau Dorothea N.!

So geht das natürlich ganz und gar nicht. Wir wissen um den Umstand, dass es eine Kunst ist, aus Nichts etwas zu machen, so wie es depremierend sein kann, aus dem Vollen des eigenen Geistes und der Mittel heraus nur nichts zustandezubringen. Aber so einfach mir nichts Dir nichts unseren verdienten Bedürftigen-Reporter Bernd Bieglmaier in seinem Bemühen um Aufklärung stehen zu lassen, hinterlässt außer dem Nichts gar nichts weiter. Dass im größten Teil unserer Gesellschaft die Mentalität des „Nichts-hören“ und „Nichts-sehen“ vorherrschend ist, ergibt sich ein „Nicht-wissen“ zwangsläufig, weswegen es auch nichts zu sagen geben kann – von nichtiger Polemik abgesehen.

Damit das Bisherige nicht für Nichts und wieder Nichts ist, möchten wir ihnen vorschlagen, es mal alternativ mit einem kraftvollen „Alles oder Nichts“ zu versuchen, schließlich soll ja nichts unmöglich sein. Denn wie sagt man so schön: von nichts kommt nichts, nicht wahr?

Liebe Frau Dorothea N., geben Sie sich einen Ruck, denn es nützt ja nichts. (Das „Nichtsnutz“ verkniffen wir uns). Sie müssen ganz dringend an sich arbeiten. Wir unterstützen Sie dabei. Und küren Sie zur Bedürftigen der Woche.

 

 

 

Sonntag
05
Mai 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,6)

 

 

Das Innenministerium hatte zwar den Fall Ka. über die von ihr angewiesene Staatsanwaltschaft abschließen lassen, doch blieb das Thema in den Medien präsent. Dies hatte mehrere Ursachen.

 

Bereits im Jahr der Entführung, 1998, hatte sich der Detektiv Walter P. um den Vermisstenfall bemüht und seine Ergebnisse 2004 sogar in einem Buch pupliziert. Nach dem Auftauchen von Natascha Ka. brachte er (zusammen mit Ludwig K.) im Oktober 2006 eine Pressemitteilung heraus, in welcher er darlegte, wie schlecht und fahrlässig das Wiener Sicherheitsbüro wie auch die Soko Burgenland seinerzeit „ermittelt“ hatte. Alibi-Handlungen und zwingende Schritte, die unterlassen worden waren, hätten Priklopil als Entführer sofort identifizieren können. Es wäre mglich gewesen, das entführte Kind, Natascha Ka., bereits nach wenigen Wochen zu befreien.

 

Walter P.

 

Der Detektiv Walter P. hatte damit voll ins „Schwarze“ getroffen. Er lag auch richtig damit, dass das Umfeld von Ka. wie von Priklopil nicht eingehend untersucht worden war. P. stellte außerdem fragend dar, wie die Entführung durch einen vermeintlichen Einzeltäter alleine bewältigt worden sein soll. Nur mit einer Drohnung, nachdem er das Mädchen in das Fahrzeug gesetzt hatte?

 

Etwas heikel wurde es allerdings mit seiner Annahme, dass sich Mitwisser oder gar Mittäter im Umfeld der Mutter, Brigitta S., befunden haben könnten. P. verdächtigte Frau S. und fand Zeugen, die eine Bekanntschaft zwischen Frau S. und Priklopil nahelegen könnten.

 

In diese Kerbe schlug auch Martin W., Familienrichter aus Fürstenfeld, der sich gleichfalls in diesem Fall engagiert und nachgeforscht hatte. Er beschuldigte die Mutter von Natascha Ka. der Mittäterschaft oder Mitwisserschaft. Doch ließen sich aus vermeintlichen Indizien keine Beweise konstruieren, wobei ihm auch Pendelgänger bei der Suche nicht zu helfen vermochten.

 

Brigitta S. hatte immer angegeben, Wolfgang Priklopil nie gesehen zu haben. Eine Zeugin gab allerdings an, Priklopil einmal in ihrem Geschäft gesehen zu haben. Und ein Nachbar von ihr behauptete, dass Priklopil mehrmals bei ihr ein und aus gegangen wäre. Diese Aussage wurde von dem Zeugen vor Gericht allerdings widerrufen, doch konnte sich jemand anders sehr wohl an diese Aussage erinnern.

 

Aber auch der ehemalige Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Max E., hatte sich gewundert, dass Ludwig K. sich um die Aufklärung des Falles engagiert habe, die Mutter dagegen sich – seiner Erinnerung nach – nie erkundigt habe. Genährt wurde dieser Verdacht auch von dem Umstand, dass sich Natascha K. damals, an jenem 2. März 1998, zum ersten Male alleine, d.h. ohne Begleitung der Mutter, auf dem Weg zur Schule befunden hatte. Dies auch noch zu einer unplanmäßig verspäteten Zeit. Und es dann prompt zu dieser Entführung kam.

 

Die Familienverhältisse innerhalb der Familie Ka. wurden ebenfalls mehrmals thematisiert. Der Mutter, Brigitta S., wurde ein loser Umgang mit anderen Männern unterstellt, dem Vater, Ludwig Ko., wiederum zu loser Umgang mit Alkohol. Und von deren Tochter Natascha Ka. wussten Zeugen zu berichten, dass sie mit langen Striemen auf dem Rücken und von Ohrfeigen geröteten Wangen gesehen worden wäre.

Tatsächlich suchte Natascha Ka. nach ihrem Auftauchen wochenlang nicht den Kontakt zu ihren Eltern. Mit ihrer Mutter sollte sie dann nur telefonieren.

Die Eltern besaßen keine rechtliche Handhabe mehr über ihre Tochter, weil diese mittlerweile mit 18 Jahren volljährig geworden war.

 

Ludwig Ko.

 

Am 29. November 2006, also nur zwei Wochen nach der offiziellen Einstellung der Ermittlungen, erhob nun auch der seit August 2006 pensionierte Max E., der oben bereits erwähnte ehemalige Chef des Wiener Sicherheitsbüros öffentlich schwere Vorwürfe gegenüber den Eltern der Natascha Ka. Den Vater bezeichnete er als Alkoholiker und die Mutter als eine Frau mit mehreren Männerbekanntschaften. Dies war von E. ein unverschämtes Verhalten, welches aber mit einer neuen Information kaschiert wurde. Die Kripo hatte nämlich damals im Zuge ihrer Ermittlungen Familienfotos entdeckt, wo auf zwei Bildern eine so gut wie nackte zehnjährige Natascha Ka. mit Stiefeln und Reitgerte oder nackt mit einer Pelzstola entdeckt. Einige dieser Fotos wären von der Schwester von Brigitta S. gemacht worden, aus Jux, wie versichert worden sei. Die Polizei habe diese „Baby-Doll“-Posen aber als nicht normal eingestuft und einen sexuellen Mißbrauch innerhalb der Familie vermutet. Allerdings konnte nie der Nachweis für diese Vermutung ermittelt werden.

 

Max E.

 

Die Motivation von Max E., über die Medien Anschuldigungen auszusprechen, ohne Beweise in den Händen zu halten, bleibt mysteriös. Hier kann die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver gehandelt haben mag, denn es war sein Büro gewesen, welches 1998 so unglaublich geschlampt hatte.

 

Die Mutter von Natascha Ka, Brigitta S., brachte 2007 ein Buch heraus, in welchem sie mehr schlecht als recht über ihre Zeit zu berichten mühte. Auch der pensionierte Familienrichter Martin W. Legte ein kleines Büchlein auf, in welchem er u.a. Darlegte, warum er nicht nur von wenigstens zwei Tätern ausging, sondern auch die Mutter von Natascha Ka. als Beteiligte in dem Entführungsfall ansah.


Brigitta S.


Er wurde später von Brigitta S. im November 2008 ein zweites Mal (nach einem ersten Verfahren im Jahre 2000) erfolgreich auf Unterlassung geklagt und verlor dieses Verfahren auch in zweiter Instanz 2009.

 

 

Eine andere Ursache, warum dieses Thema und somit dieser Fall in den Medien präsent blieb, war in der Person Natascha Ka. selbst begründet, die sich mit Interviews und öffentlichen Auftritten ins Gedächtnis der Medienkonsumenten verankerte.

 

Als Medienkonsument stand und steht man den Geschehnissen und den unter das Volk gebrachte Informationen und Desinfornationen ohnehin außen vor. Nichts genaues weiß man nicht.

 

Was aber in weiten Teilen der österreichischen Bevölkerung aufstieß, war die Außendarstellung der jungen Frau Ka. Sie hatte ihre Geschichte und sie erzählte von dieser. So weit, so gut. Für die Wahrnehmung des Publikums blieb es allerdings auch nur eine Geschichte, weil Natascha Ka. zwar die Erzählerin war, ansonsten aber nichts darauf hindeutete, dass es auch so, wie berichtet, gewesen sein könnte. Weder sah die junge Dame danach aus, als wenn sie inmitten ihrer Wachstumsphase im Alter von 10 Jahren in ein Kellerloch gesteckt worden wäre – für ganze 8 Jahre, noch sprach sie entsprechend. Somit blieb ein ganzer Teil der Gaubwürdigkeit auf der Strecke, obwohl es damals tatsächlich zu einer Entführung gekommen war. Dies war zumindest der Anfang ihrer Geschichte gewesen, aber das Ende vertrug sich damit nicht.

 

Entsprechend erwartungsfroh wurden durch die Medien kolportierte Informationen aufgenommen, die eine andere Seite dieser Geschichte andeuteten. Seien es nun ein Skiausflug mit dem Entführer, sei es eine Sichtung in dessen Garten durch die Nachbarn, sei es eine gemeinsame Fahrt zum Freund von Priklopil gewesen. Dies wiederum führte zu Spekulationen, inwieweit sich im Verlauf der Jahre zwischen Priklopil und seinem Opfer ein Vertrauensverhältnis entwickelt hatte. Es stellten sich auch Fragen wie jene nach der medizinischen Versorgung des Mädchens. War Natascha Ka. nie beim Zahnarzt gewesen? Viele Fragen blieben offen.

 

 

Freitag
26
April 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,5)

 

 

Wolfgang Priklopil wurde eingeäschert und beerdigt. Dies erledigte nicht seine Mutter, sondern die Schwester von Ernst H., die Frau Margit W. Priklopil wurde auch nicht bei seinem Vater bestattet, zu dem er bis zu dessen Tode ein gutes Verhältnis hatte, sondern neben dem Familiengrab von Margit W. „Aus Menschlichkeit“, wie Frau W. etwas später gegenüber der Polizei erwiderte. Und weil Priklopil schließlich der beste Freund ihres Bruders Ernst gewesen sei, der dies freilich zuvor anders dargestellt hatte.

Die Schwester von Ernst H. wurde erst am 27. September 2006 von der Polizei einvernommen. Sie erklärte, dass sie Priklopil kaum gekannt habe. Sie wusste nur zu berichten, dass Priklopil einmal eine (ihre) Wohnung über ihren Bruder Ernst H. renoviert habe und dass sie diesen Mann seit dem Kennenlernen nur noch ein einziges Mal gesehen hätte. Der Kontakt habe immer nur über ihren Bruder stattgefunden, zumal sie nie eine Telefonnummer von Priklopil besessen habe.

Margit W. hatte sich allerdings nicht nur um toten Entführerfreund gekümmert, sondern auch um dessen Geschäfte. Dafür hatte sie sich eine Vollmacht von der Mutter von Priklopil, Waltraud, ausstellen lassen. Im Zuge dessen wanderten dann zwei Priklopil-Eigentumswohnungen in den Besitz von Ernst H. über – für einen Spottpreis. Gezahlt wurde dieser allerdings nicht, sondern nur gegenverrechnet, weil Priklopil angeblich Schulden bei H. gehabt haben soll. Irgendeinen Nachweis dafür gab es aber nicht.

Nach und nach konnte die Polizei herausfinden, dass die Beziehungen zwischen der Familie Priklopil und jener von Ernst H. enger gewesen waren, als zuvor vom Letzteren dargestellt. Dazu gehörten nicht nur gemeinsame Ski-Urlaube. Zeugen sollen in etwa ausgesagt haben, dass man „sich den einen nicht ohne den anderen vorstellen“ könne.

Das Beziehungsgeflecht untereinander und hier besonders die Rolle von Margit W. wurde aber nicht genauer untersucht. Gegen Ernst H. wurde zwar als Verdächtiger ermittelt, aber auch nicht richtig, wie später noch deutlich werden sollte. Folglich fanden sich auch keine Anhaltspunkte, welche den Anfangsverdacht untermauert hätten.

 

Die Staatsanwaltschaft hatte die Weisung, die Ermittlungen einzustellen und den Fall Ka. als aufgeklärt zu den Akten zu legen. Demzufolge wurden die Hinweise nach möglichen Mitwissern (durch Ka. selbst) und auch nicht der Widerspruch zwischen Natascha Ka. und der Zeugin Ischtar A. weiter verfolgt. Die sieben Einvernahmeprotokolle von Ka. durch die Soko Burgenland wurden gesperrt. Ebenso wenig wurde der Frage nachgegangen, wie sich die Beziehung zwischen Priklopil und Natascha Ka. tatsächlich entwickelt hatte.

Fakt ist, dass Natascha Ka. von Wolfgang Priklopil entführt wurde, der von der zuverlässigen Zeugin Ischtar A. identifiziert werden konnte. Die genauen Umstände der Entführung sind ebenso ungeklärt wie die nachfolgenden Ereignisse. Ungeklärt und nicht bewiesen. Es wurde ja nicht einmal vor Gericht festgestellt, dass sich überhaupt eine Entführung ereignet hatte.


Der Staatsanwalt Hans-Peter Kr. stellte die Ermittlungen offiziell am 15. November 2006 ein und somit auch jene gegen „unbekannte Mittäter“. Auf der Pressekonferenz beim Bundeskriminalamt wurde erklärt, dass es sich bei Wolfgang Priklopil um einen Einzeltäter gehandelt habe, da sich Hinweise auf Komplizen nicht bestätigt hätten.


Von links: Staatsanwalt Hans-Peter Kr., Gerneralmajor Gerhard L. und Psychiater Max F. während der Pressekonferenz beim BKA.

 

 

Während Natascha Ka. abgeschirmt und von einem psychologischen Team um den Kinderpsychater Prof. Dr. Max H. F. betreut wurde, andererseits auch erste Interviews gegeben hatte, hatten die Massenmedien noch einige Nachrichten über das gebracht, was man über Priklopil und Natascha K. erfahren haben will. Da wurden Erkenntnisse über Priklopils Besuche im Rotlichtmilieu und Verbindungen zu einer S/M-Szene kolportiert, aber auch gleichzeitig wüst spekuliert.

Hier wurde behauptet, dort wurde bestritten und überall geredet.

Noch im September 2006 kam die Meldung in den Medien heraus, dass Priklopil mit Natascha Ka. im vorherigen Winter zum Skifahren am Hochkar gewesen war. Deren Anwälte bemühten sich darum, dass Entführungsopfer vor einer Bloßstellung zu beschützen. Es habe keine Fluchtmöglichkeit gegeben, erklärte der Anwalt L. Priklopil habe gedroht, jeden umzubringen, denen sie sich Natascha Ka. anvertrauen würde. Außerdem habe sie bei einem Toilettengang das Pech gehabt, dass eine andere anwesende Frau kein Deutsch verstanden habe. Der Anwalt L. erklärte gegenüber Medienvertretern:

„Wenn man sich selber mal eine Sekunde in die Lage hineinversetzt, dann versteht man, dass ein Ausflug eines Anfängers auf den Skiern, nicht wirklich geeignet ist, um die einzige Fluchtmöglichkeit seines Lebens zu beginnen.“

Diese Stellungnahme war absolut nachvollziehbar. Wer konnte sich schon in die Lage von Natascha Ka. hineinversetzen? Wer konnte hier sich ein Urteil anmaßen?

Zu einem Problem wurde es erst später, als sich die Geschichte der Natascha Ka. zu sehr auf das „Verlies“ konzentrierte, aber auf der anderen Seite Lebensumstände bekannt wurden, welche diese Reduzierung nicht mehr zuließen. Somit wurde es eine tragische Frage der Glaubwürdigkeit, einerseits von einer einzigen Fluchtgelegenheit zu reden, andererseits später mit einem Dutzend derer konfrontiert zu werden.

 

Mittwoch
17
April 2013

Bedürftig – 14. Kandidat: Stefan R.

 

Unlängst erreichte uns ein Anruf eines besonders verzweifelten Menschen. Er stellte sich als Stefan R. vor und bat um ein dringendes Gespräch mit unserem Bedürftigen-Reporter Bernd Biegmaier. Man traf sich daraufhin unauffällig in einer unauffälligen Kneipe in einem unauffälligen Viertel.

Unauffällig schien auch das Anliegen des jungen Mannes, mit dem sich Bernd Bieglmaier konfrontiert sah. Stefan R. war jung, dunkelhäutig, knackig und gewitzt. Er hatte ein Jurastudium begonnen und trug große Ambitionen mit sich. Und doch hatte er ein Problem.

Denn vor vier Tagen war er noch hellhäutig gewesen, da hatte er noch zu den „Weißen“ gehört. Aber als er vor drei Tagen des Morgens aufgestanden war und sich hatte die Zähne putzen wollen, hatte ihn ein Blick in den Spiegel erstarren lassen. Die Haut war plötzlich dunkel und er selbst zu einem „Schwarzen“ geworden. Natürlich war er als Mensch, als Person immer noch derselbe, den die Menschen geschätzt, gemocht, auch geliebt hatten, doch wurde dies zum Teil aufgrund der neuen Äußerlichkeit nicht mehr erkannt.

Seine Freundin, so berichtete Stefan R., habe am Morgen lauter als er geschrien. Seine Eltern, die er daraufhin wegen der Aufklärung des Ereignisses angerufen habe, hätten ihn am Telefon nicht mehr erkannt und sich eine keine weitere Belästigung erbeten. Auf dem Weg zur Uni habe er im Bus zum ersten Mal alleine auf einem Platz gesessen. Trotzdem habe er mitanhören müssen, wie zwei alte Männer der Meinung gewesen waren, dass er doch maximal auf einen Stehplatz Anspruch hätte. Unangenehm sei auch die Erfahrung gewesen, so Stefan R. weiter, dass er am Bahnhof von zwei Polizisten aufgefordert worden war, seine Taschen umzudrehen. Sehr unsanft habe man ihn nach Drogen untersucht, obwohl er derartiges absolut ablehnte. Nachdem er auch noch vor der Uni von einem Werber wegen einer Obdachlosenzeitung angesprochen worden wäre, die er nicht kaufen, sondern zukünftig verkaufen sollte, habe es ihm gereicht. Er sei wieder nach Hause gefahren, aber nicht ohne eine weiteres Mal von anderen Polizisten durchsucht worden zu sein. Seitdem habe er bis zum heutigen Tag die Wohnung nicht mehr verlassen und er wisse nicht, was er noch tun könne.

Wir von der Bedürftigen-Redaktion wissen es auch nicht. Aber wir wissen um die Unmöglichkeit, gewisse gesellschaftliche Vorbehalte zu korrigieren. Besonders in Österreich. So können wir nur die Empfehlung aussprechen, das Jurastudium abzubrechen und Fußballer zu werden. Aber nicht in Italien natürlich. Da Herr Stefan uns gegenüber angab, dass er nicht Fußball spielen könne, bleibt somit nur eine kostspiele Rückoperation übrig, die sich seinerzeit nur der schwerreiche wie labile Michael Jackson hatte leisten können.

Mit der Wahl zum Bedürftigen der Woche hoffen wir von der Bedürftigen-Redaktion, dass Herr Stefan R. zumindest die theoretische Möglichkeit erhält, sich über diesen Wettbewerb der Bedürftigen in die Endausscheidungsrunde zu qualifizieren, um zu jenen Mitteln zu gelangen, die wenigstens den Erwerb der Bleichmittel ermöglichen. Wir wünschen Herrn R. viel Glück!


Mittwoch
03
April 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,4)

 

Während das ÖVP-Kabinett über das Innenministerium eingriff, um die Ermittlungspannen von 1998 unter den Teppich zu kehren und den Fall als „gelöst“ hinzustellen, ermittelte vorerst die Kriminalpolizei weiter. Wobei es wiederum zu schweren „Pannen“ kam, wie allerdings erst später öffentlich wurde.

Zumindest einer Mitwisserschaft verdächtigt war der Freund und Geschäftspartner von Priklopil, Ernst H. Dieser Mann war der einzige Freund von Priklopil gewesen, auch wenn dieser es auf eine Art von Bekanntschaft und Geschäftspartnerschaft zu reduzieren versuchte. Allerdings fand die Polizei heraus, dass es sehr wohl eine Reihe von privaten Berührungspunkten gegeben hatte. Sie hatten sich außerdem bereits seit der Jugendzeit gekannt und auch Geschäftsbeziehungen unterhalten. Priklopil hatte für H. gearbeitet und war auch Teilhaber von dessen Immobilienfirma gewesen. Sie hatten Wohnungen preiswert aufgekauft, renoviert und anschließend wieder für einen besseren Preis verkauft. Ernst H. war also nicht irgendjemand für Priklopil gewesen, sondern der einzig feststellbare Freund.

Nach der Flucht von Natascha Ka. hatte Priklopil ihn angerufen. Woraufhin er sich auch sofort auf den Weg gemacht hatte, um ihn zu treffen.

Für die Polizei stellte sich somit die Frage, inwieweit Ernst H. von der Entführung zumindest gewusst haben könnte, wenn er nicht sogar als Mittäter in Frage hätte kommen können. Denn sollte es Mittäter oder Mitwisser gegeben haben, wonach es ja Hinweise gab, wäre es logisch gewesen, wenn Priklopil nach dem Entgleiten der Situation eben diese informiert hätte.

Jetzt war Ernst H. auch noch der Mann, der die letzten Stunden mit Priklopil verbracht haben soll, er war der letzte, der ihn lebend gesehen hatte. Diese Geschichte und wie es sich angeblich abgespielt haben soll, beruhte wiederum nur einzig und allein auf der Aussage von Ernst H. Glaubwürdig war diese nicht. Allein schon wegen der langen Zeit der trauten Zweisamkeit. Hatte man etwa angeregt über eine Kette von Mega-Bauprojekten diskutiert?

Proklopil, möglicherweise in Panik und laut Überwachungskamera im Donauzentrum wenigstens nervs, dürfte andere Probleme empfunden haben, als stundenlang über – in dieser Situation – Belangloses zu reden. Von der Sinnhaftigkeit ganz zu schweigen, wenn er sich danach ohnehin hatte umbringen wollen.

So liegt der Verdacht nahe, dass dieses lange Gespräch mit Ernst H. eher der letzte Auslöser für Prilopil gewesen sein könnte, Selbstmord zu begehen.

Wenn es einer war.

 

Niemand außer Ernst H. weiß, worüber tatsächlich gesprochen wurde und was überhaupt in dieser Zeit geschah, da es keine Zeugen gibt. Fest steht nur, dass Priklopil später tot auf den Gleisen gefunden wurde. Übrigens noch immer ohne Geld und Telefon. Würde man der Aussage von H. glauben schenken, dass Proklopil gegen 20.00 Uhr aus seinem Wagen gestiegen sei, stellt sich zudem die Frage, wie der Entführer die weiteren 50 Minuten bis zu seinem Tod verbracht haben soll.

 

Nachbarn von Priklopil war Ernst H. durchaus bekannt, wie die Polizei ermittelte.

Zitat:

Wolfgang hat mir einmal erzählt, dass er bei einem Ernst H. als ´Mädchen für alles´ arbeiten würde… Mir hat er auch gesagt, dass er gemeinsam mit diesem Herrn H. alte Wohnungen und Häuser ankauft, diese renoviert und mit Gewinn weiterverkauft. Ein Haus, dieses befindet sich in Wien 17 in der Bergsteiggasse, habe ich etwa vor 4 bis 5 Jahren selbst gesehen.“

Die Nachbarn hatten auch unwissentlich Natascha Ka. gesehen, wenn auch erst im Juli 2006.

Zitat:

Dies war glaublich erst vorige Woche. Damals habe ich Wolfgang Vormittag die Tageszeitung gegeben. Die junge Frau stand neben ihm im Vorgarten. Gesprochen habe ich mit ihr nicht. Meinem Gatten hat Wolfgang einige Tage zuvor erzählt, dass diese Frau bei Ernst H. angestellt wäre und gelegentlich bei ihm im Haus aushilft. Mein Gatte hat sie aber auch zum ersten Mal im Juli 2006 gesehen.“

 

Zu einem unglaublichen Vorfall kam es dann, als nur einen Tag nach der Flucht von Frau Ka. und dem Tod ihres Entführers dessen Freund Ernst H. das Haus von Priklopil aufsuchte, wo gerade die Spurensicherung der Polizei ihrer Arbeit nachging. Ungeachtet dessen räumte H. mit einer bemerkenswerten Dreistigkeit eine Reihe von Gegenständen ein, wobei er behauptete, er handele sich um von ihm Geliehenes und dass er eine Vollmacht der Mutter von Priklopil dafür habe. Diese konnte es auf Anfrage durch Beamte zwar nicht bestätigen, doch spielt das keine Rolle. Die Polizei ließ ihn unglaublicherweise gewähren und mit nicht mehr nachprüfbaren Objekten davonfahren. Davon abgesehen, dass Ernst H. nun sogar live „unverfänglich“ eigene Spuren hinterlassen haben musste, konnten womöglich Beweise beiseite geschafft worden sein. Der Tatort musste jedenfalls als nachträglich manipuliert angesehen werden.

Danach fand die Polizei keinen tauglichen Computer mehr, nur ein altes Commodore-Gerät, während gleichzeitig entdeckt wurde, dass für Wolfgang Priklopil zwei IP-Nummern (zwei Internet-Anschlüsse) existierten.

Erst am 4. Oktober 2006 berichtete der Stern, dass die Polizei das Haus von Ernst H. durchsucht und mehrere Computer und Zubehör beschlagnahmt habe. Darunter soll sich auch ein Laptop befunden haben, von dem vermutet wurde, dass er Priklopil gehört haben könnte. Der Stern berichtete weiter, dass viele Dateien auf der Festplatte verschlüsselt seien und offenbar größere Datenmengen gelöscht worden wäre. Es würde versucht werden, diese zu rekonstruieren.

Gehört hat man nie wieder etwas davon.

 

Unterdessen hatte Ernst H. am 30. August 2006 eine eigene Pressekonferenz abgehalten. Während seine Schwester Margit W. als Pressesprecherin dort moderierte, las H. dort ausschließlich aus einem vorgefertigten Schriftstück vor, in welchem er über einige bestimmte Begebenheiten im Zusammenhang mit Priklopil berichtete. Er erzählte von mehreren Aufenthalten in Priklopils Haus, auch von Spengler-Arbeiten, wo ihm aber die Anwesenheit einer weiteren Person nicht aufgefallen sei. Gesehen habe er Natascha Ka. im Juli (2006) aber doch noch, ohne angeblich von ihrer Identität zu wissen. Priklopil habe sich einmal einen Anhänger von ihm ausborgen wollen und sei in Begleitung der jungen Frau erschienen. „Die junge Frau wirkte fröhlich, glücklich“, sagte Ernst H. den Reportern. Priklopil habe sie als eine Bekannte vorgestellt.

In Hinblick auf die offizielle Geschichte der Ereignisse mag es geradezu erstaunlich sein, dass Priklopil demnach ganz offen mit Natascha Ka. unterwegs gewesen sein soll. Und das nicht nur irgendwo, sondern bei seinem alten Bekannten, den guten Geschäftsfreund. Der zwar nach eigenem Bekunden erstaunt gewesen sein soll, aber nie das Mädchen zu einem Thema gemacht haben will. Auch erstaunlich. Bemerkenswert außerdem der von H. kolportierte Aspekt, dass Natascha Ka. nicht den Eindruck eines Entführungsopfers vermittelt hatte.

Mit dieser Aussage unterstützte H. durchaus die Wahrnehmung zahlloser Medienkonsumenten.

 

 

 

Donnerstag
28
März 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,3)

 

Am 23. August 2006 tauchte Natascha K. in Straßhof bei Wien auf, wo sie Nachbarn aufsuchte, welche die Polizei verständigten. Priklopil soll Ka. unterdessen zuerst gesucht, dann aber die Flucht ergriffen haben. Die Polizei leitete die Fahndung ein und fand Priklopil aber erst am Abend tot auf den Gleisen der Wiener S-Bahn im 2. Bezirk zwischen den Stationen Wien Nord und Traisengasse in Richtung Gänserndorf.

Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass Priklopil ins Donauzentrum im 22. Bezirk gefahren war und dort sein Fahrzeug abgestellt hatte. Von hier hatte er vom dortigen Informationsstand aus (inmitten der Öffentlichkeit und unter den Linsen der Überwachungskameras) drei Telefonate geführt, von denen aber nur ein Gespräch bekannt ist. Priklopil hatte seinen Freund und Geschäftspartner Ernst H. angerufen und ihn unter dem Vorwand eines Notfalles gebeten, ihn von dort abzuholen. Er habe weder Geld noch Telefon.

Bei seiner ersten Einvernahme am 24. August 2006 erzählte Ernst H., wie er Priklopil vom Donauzentrum abgeholt habe und anschließend mit ihm stundenlang durch die Gegend gefahren sei. Priklopil habe ihm die Geschichte mit seiner angeblichen Flucht vor einer Polizeikontrolle im angetrunkenen Zustand erzählt, aber kein Wort über die Entführung und von Natascha Ka. rund sechs Stunden wären sie umhergefahren, wären einige Male an bestimmten Plätzen stehen geblieben und hätten geredet. Ansonsten aber nur über geschäftliche Belange. Danach, nach diesen besagten rund sechs Stunden, habe sich Priklopil in der Nähe des Praters, Dresdener Straße, absetzen lassen.

Etwas darauf war Wolfgang Priklopil tot.

 

Die Polizei begann also, ihre systemathischen Befragungen und Untersuchungen durchzuführen. In der Polizeispitze wurde allerdings schnell deutlich, dass der Behörde 1998 schwere Ermittlungsfehler unterlaufen waren. Priklopil war bereits bekannt gewesen, auch war man dem Hinweis des Polizeihundeführers nicht nachgegangen, ja, man hatte diesen nicht einmal einvernommen. Obwohl dieser von den gewissen Neigungen von Priklopil erzählt hatte. Durch die Tatzeugin Ischtar A. hatte sogar das Tatfahrzeug gefunden werden können. Der Chef des BKA, Herwig Haidinger, welcher den Grund für diese grobe Panne intern ermitteln wollte, wurde ausgebootet.

Auf der Pressekonferenz am 25. August 2006 erklärte der neben der damaligen Innenministerin Prokop sitzende Chef der Soko-Burgenland, Generalmajor Koch, dass Wolfgang Priklopil damals ein Alibi besessen habe. Das war gelogen, und Koch wusste es auch. Ganz abgesehen davon, dass es dummes Zeug ist, denn dann muss das Alibi keines gewesen sein oder Priklopil nicht der Entführer.

Wolfgang Priklopil war aber tatsächlich der Entführer, weil die Aussage von Natascha Ka. von der damaligen Zeugin Ischtar A. bestätigt wurde. Sie erkannte den Entführer Priklopil anhand von Fotos eindeutig wieder.

Die Polizeispitze bekam aus dem Innenministerium die Anweisung, die Panne zu vertuschen. 2006 war Wahljahr, man stand kurz vor der Nationalratswahl, und die ÖVP wollte sich unter den Augen der geifernden Medien offenbsichtlich keinen Skandal in ihrem Ressort erlauben.

Der Polizei-Hundeführer P. bekam am 29. August 2006 Besuch von zwei Beamten, aber nicht, um ihn endlich wegen seinem damaligen Hinweis über Priklopil und auch dessen kolportierten Neigungen zu befragen, sondern um ihn auf Anweisung zu verdeutlichen, dass er den Mund halten solle.

Blieb noch die Entführungszeugin Ischtar A., die einen zweiten Mann hinter dem Lenkrad des Entführungsfahrzeuges gesehen haben will. Sie wurde abermals und gleich mehrmals erneut befragt, doch gar nicht, um vielleicht noch weitere Einzelheiten der Entführung in Erfahrung zu bringen, sondern vielmehr, so scheint es, um die junge Zeugin zu verunsichern und sie von der Aussage über einen zweiten Täter abzubringen. Allerdings blieb die Zeugin bei ihrer Aussage.

 

Es stellt sich die Frage, ob sich die Zeugin Ischtar A. bei ihrer damaligen Beobachtung, die sich ansonsten als zuverlässig erwiesen hatte, geirrt oder gar eingebildet haben könnte. Bis zum heutigen Tag hält die Zeugin an ihrer Beobachtung fest. Sie hatte nach Priklopils Tod anhand von Fotos diesen Mann auch als jenen Entführer identifiziert, der 1998 das Mädchen in das Fahrzeug gezogen hatte.

Diese Zeugenaussage steht natürlich in einem zentralen Punkt der Aussage des Entführungsopfers Natascha Ka. entgegen, die aussagte, dass ihr Entführer alleine gewesen sei. Frau Ka. sagte auch später noch, dass es keine weiteren Täter gegeben und sie keine weiteren Personen „wahrgenommen“ habe.

Und doch war es Frau Ka. selbst gewesen, die bei ersten Befragungen und auch später in ihrem Buch Hinweise auf mindestens einen Mittäter oder wenigstens Mitwisser gegeben hatte.

Nach ihrem Auftauchen bzw. ihrer Flucht am 23. August 2006 in Straßhof wurde Frau Ka. von einer Polizistin gefragt, ob es mehrere Täter gab. „Ich kann keine Namen nennen“, habe Natascha Ka. laut Protokoll geantwortet.

Bei ihrer offiziellen und protokollierten Einvernahme durch die Kriminalpolizei berichtete Frau Ka., dass während der Fahrt unmittelbar nach der Entführung Priklopil auf einen Anruf auf sein Autotelefon gewartet hätte. Der allerdings nicht kam. Außerdem sei Priklopil mit ihr nicht gleich nach Straßhof gefahren, sondern zuerst durch die Gegend, wobei er noch angemerkt haben soll, dass sie, Natascha Ka., bald an andere übergeben werden würde. In einem Wald habe Priklopil dann gehalten, sei ausgestiegen und nervös im Kreis herumgelaufen, so, als würde er angestrengt nachdenken. Dann habe er gesagt, dass „die anderen nicht mehr kämen und er sie woanders hinbringen müsse“. Nun erst wären sie zu seinem Haus nach Straßhof gefahren.

Zudem gab es von Frau Ka. folgende Äußerung:

„Irgendwie kann ich mich dunkel erinnern, dass damals von einer dritten Person die Rede war, der erst meine Schultasche durchsehen müsse, ob ich ein Handy öder Ähnliches – wie z. B. Verteidigungsmittel – dabei hätte.“

 

Aus diesen Aussagen geht hervor, dass es einen anderen Hintergrund und einen anderen Plan gegeben haben muss. Priklopil war nicht darauf eingestellt gewesen, Natascha Ka. bei sich unterzubringen. Das Versteck unter seiner Garage, wofür es auch immer ursprünglich angelegt worden war, war nicht fertiggestellt bzw. für eine Unterkunft bereit. Es hatte an allem gefehlt. Priklopil musste erst noch eine Matratze aus Wien holen, außerdem Lebensmittel und Toilettenartikel. Außerdem schaffte er noch laut Frau Ka. einen alten Ölradiator in den winzigen Raum, weil es sonst zu kalt gewesen wäre. Dazu kam noch das Problem mit der Entlüftung.

Priklopil hatte hier offensichtlich improvisieren müssen, während die Entführung selbst offenbar geplant gewesen war. Die Polizei fand die bei der Entführung verwendeten Kfz-Kennzeichen, die gefälscht waren. Aber danach muss es, den Angaben der Frau Ka. folgend, aufgrund eines nicht geplanten Verhaltens anderer Person ganz anders gekommen sein.

An dieser Stelle darf man sich fragen, warum nach dem Scheitern des ursprünglichen Planes Priklopil das Mädchen nicht wieder nahe dem Entführungsortes abgesetzt hatte. Natürlich in der Hoffnung, in weiterer Folge von der Polizei nicht ermittelt zu werden. Weil er sich nun entschlossen hatte, sie bei sich zu behalten? Weil man sich kannte und sie ihn dann verraten hätte? Welche Gründe könnte es noch gegeben haben?

Auf jeden Fall musste sich anhand dieser Aussagen ein zwingender Ermittlungsansatz nach Mitwissern oder gar weiteren Tätern ergeben.

 

Montag
18
März 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,2)

 

Eine Filmkritik wird es an dieser Stelle nicht geben, weil „3096“ neben einer weiteren Verbreitung von „Wahrheit“ ein rein kommerzielles Produkt ist. Aufgepeppt mit etwas krudem Sex, was nicht glücklich scheint, aber eben dem Kommerz geschuldet zu sein scheint. Mehr ist es nicht, weswegen ich ihn mir auch nicht anschauen werde.

Dieser Film ist nur insofern interessant, weil er den kommerziellen Höhepunkt einer Tragödie darstellt. Die Tragödie der Natascha Ka., der es allerdings gelungen ist, ihre persönliche Tragödie erfolgreich zu vermarkten.

Dagegen ist meiner Ansicht nach grundsätzlich nichts einzuwenden und es geht mich auch nichts an. Ja, wenn nicht diese Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte von Frau Ka. bestünden und wenn nicht dieser Fall im öffentlichen Interesse stehen würde. Und ich bin ein Teil dieser Öffentlichkeit, zumindest von jener, die tatsächlich Interessen hat. Mit dem Kauf einer Kinokarte dürfte ich sogar ohnehin an dieser Geschichte teilhaben.

 

Über diesen Fall ist in den Medien viel berichtet und geredet worden, es war ein Fall, bei dem von Anfang an die Meinungen hin und her wogten, ein Fall, der in der Bevölkerung eine Reaktion hervorrief, wie kaum zuvor. Und es war ein Fall, in welcher große Teile der Bevölkerung Mißtrauen gegenüber dieser Geschichte geäußert haben, sei es konkret und begründet oder auch nur intuitiv. Wie ebenfalls kaum zuvor.

Rational schien es jedenfalls kaum erklärlich.

Natascha Ka., die als Zehnjährige am 2. März 1998 auf dem Schulweg entführt worden war, tauchte am 23. August 2006 im niederösterreichischen Straßhof überraschend wieder auf, nachdem ihr – den eigenen Angaben nach – die Flucht gelungen sein soll. Die nunmehr 18jährige und nunmehr volljährige junge Frau trat entgegen ähnlich gelagerten Fällen an die Öffentlichkeit, gab Interwies, ließ sich in Talkshows einladen, moderierte eine eigene Sendung, schrieb ein Buch und verhielt sich grundsätzlich nicht wie das Opfer einer jahrelangen Gefangennahme in einem 4qm-kleinen Kellerloch, abgeschnitten von Sozialkontakten und überhaupt von allem, was Jugendlichen normalerweise für ihren Entwicklungsprozess benötigen. Von Radio, Video und einigen Büchern sowie etwas Privatunterricht durch den Entführer abgesehen. Kurzum, Frau K. machte nicht den Eindruck, als wenn sie während der Zeit ihres Verschwindens großartig etwas versäumt hätte. Sie begab sich in die Öffentlichkeit, wo sich die Medien nur zu gerne auf sie und ihre Geschichte stürzten. Bereits 2006 gab Frau K. gegenüber dem „STERN“ an, das Haus ihres Entführers kaufen zu wollen, welches sie 2008 tatsächlich erwarb. 2009 folgte auch noch der BMW des mutmaßlichen Verbrechers.

 

 

 

 


 

 

 

 

Diese Umstände verstörten, es passte nicht, da stimmte „irgendetwas“ nicht. Da sagte schon die eigene Intuition, es war und ist das Gefühl vieler, auch ganz ohne Kenntnis einiger Widersprüchlichkeiten in der von Frau Natascha Ka. selbst erzählten Geschichte.

Auf die soll hier aber gar nicht weiter eingegangen werden, zumal eine eigene Beurteilung gar nicht möglich ist. Dazu zählen auch die nicht wahrgenommenen Fluchtmöglichkeiten der Natascha Ka., worüber ich mir kein Urteil anmaße. Es war die Geschichte der Natascha Ka. mit einigen veränderlichen Details und Merkwürdigkeiten. Punkt. Der Widerpart dieser Geschichte, Wolfgang Priklopil, der Entführer, konnte wegen seines vorzeitigen Ablebens nicht mehr befragt werden. Und so bleibt die Darstellung dieser Geschichte natürlich recht einseitig, was besonders das vorherige Verhältnis dieser beiden Personen zueinander betrifft.

 

Interessant ist hier, wie die Behörden mit diesem Fall umgingen. Besonders nach dem Auftauchen von Natascha K. im August 2006.

Die Polizei ermittelte nach der Entführung 1998 und hatte hierbei das Glück, in der damals 12jährigen Schülerin Ischtar A. eine Zeugin zu besitzen, welche die Entführung ganz genau beobachtet hatte. Ischtar A. war in der Lage, den Entführer, den weißen Kastenwagen und den Entführungsvorgang zu beschreiben. Sie gab aber auch an, dass in diesem Kastenwagen, in welchen Natascha K. gezerrt wurde, ein weiterer Mann hinter dem Lenkrad gesessen habe. Dies habe sie genau gesehen, auch wenn sie das Gesicht des Mannes nicht erkannt hatte.

Im Zuge der Ermittlungen 1998 wurden daraufhin von der Polizei rund 1.000 weiße Kastenwagen überprüft, darunter auch jener von Wolfgang Priklopil am 4. April. In seinem Kastenwagen, einem Mercedes 100 D, konnte nur etwas Bauschutt, aber kein Hinweis auf das entführte Mädchen entdeckt werden.

Am 14. April machte ein Polizeihundeführer das Wiener Sicherheitsbüro auf Priklopil als einen möglichen Verdächtigen aufmerksam, doch wurde dieser Hinweis nicht weiter verfolgt, da man Priklopil bereits ausreichend überprüft zu haben glaubte. Obwohl dieser für die Tatzeit kein Alibi vorweisen konnte. Von der logischen Möglichkeit, der jungen Zeugin Ischtar A. Fotos von den Fahrzeughaltern vorzulegen, und hier besonders von Priklopil, ist nichts bekannt. Es wurde schwerwiegenderweise unterlassen.

Während diese Spur bzw. Hinweis demnach fahrlässigerweise nicht zu Ende verfolgt wurde, führten alle weiteren Befragungen, Überprüfungen und Ermittlungen zu keinem Erfolg. Das Mädchen Natascha K. blieb verschwunden.

 

 

Donnerstag
07
März 2013

Keine Filmkritik: 3096 (Teil 0,1)

 

Am vergangenen Montag, vor genau einer Woche, hatte nun der Film „3096“ (Regie: Sherry Hormann) in Wien seine Premiere erlebt. Frau Natascha Ka., auf deren gleichnamigen Buch der Film beruht, war persönlich anwesend gewesen.

Der Start dieses Filmes am Donnerstag wurde im deutschsprachigen Raum als Medienereignis gefeiert, aber dies ist schließlich ihr Geschäft. Deren Artikel fassten zumeist mit wenigen Sätzen den Inhalt des Streifens zusammen, um diesen allerdings mit einer vermeintlichen Wahrheit gleichzustellen. Der Film als Wahrheit in einer freilich in sich sehr reduzierten Form. Vergessen schien der Umstand, dass sich über die Jahre in einer breiten österreichischen Bevölkerungsschicht ein Glaubwürdigkeitsproblem an dieser Geschichte gebildet hatte. Vergessen und vielleicht auch einfach nur ignoriert. Dabei ist das Mißtrauen in der benannten Bevölkerung (natürlich nicht alle) erstaunlich genug, wenn man bedenkt, was sich die Medienkonsumenten gewöhnlich tagtäglich andrehen lassen.

 

Nur einen Tag später, am vergangenen Dienstag, gab es gleich eine neue mediale Schlagzeile zu diesem Thema. Der Vater von Natascha Ka., Ludwig Ko., war ebenfalls an Öffentlichkeit gegangen, um wiederum seine Wahrheit unter das Volk zu bringen, welche sich aber gravierend gegenüber der Filminhaltswahrheit unterscheidet. Denn Ludwig Ko. hält die Geschichte von den „3096“ Tagen im Verlies für einen Mythos, weswegen auch er ein Buch geschrieben hat, welches nächstens erscheinen soll. Dieser Zeitpunkt ist zweifellos gut gewählt, um eine etwas größere Aufmerksamkeit zu erhalten.

Nun, erzählen kann man allerhand. Jeder kann das. Seine Wahrnehmung der Dinge oder bestimmter Ereignisse. Oder eine rein fiktive Geschichte. Oder eine Wahrnehmung mit fiktiven Elementen oder auch eine fiktive Geschichte mit realen Wahrnehmungen.

Und es gibt Ursachen für eine Erzählung: erzählen für das Gefühl der eigenen Erleichterung, das Erzählen innerhalb einer Polizeibefragung, aus einem Gefühl des Unverständnisses heraus, zur Abschüttlung von lästigen Reportern, aus purer Unterhaltung oder auch nur eine Erzählung im kommerziellen Sinne.

Der Zuhörer bzw. der Zuschauer wiederum kann dieser Geschichte glauben schenken oder eben auch nicht. Aber eines ist klar: er weiß es nicht. Da es sich im Fall von Natascha Ka. um einen tragischen Kriminalfall handelt, ist es somit Aufgabe der Ermittlungsbehörden, sich diese Klarheit zu verschaffen. Und es ist anschließend die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, anhand dieser gewonnenen Ermittlungsergebnisse ein Verfahren gegen den oder die Täter zu eröffnen.

Bedauerlicherweise hat es aber in diesem Fall einige Probleme damit gegeben.

 

Montag
04
März 2013

Filmkritik: Zero Dark Thirty

 

Dieser Film von Kathryn Bigelow ist technisch und handwerklich nicht überragend, aber gut gemacht. Leider erschöpft es sich hiermit auch schon.

Zero Dark Thirty erzählt von einer CIA-Agentin, welche sich geradezu in ihre Aufgabe hineinsteigert, den Aufenthaltsort des vermeintlichen Terroristen Osama in Laden zu ermitteln und diesen zur Strecke zu bringen. Man kann auch sagen: ermorden zu lassen. Genau in dieser Ermordung soll der Film erst ganz zum Schluß seinen Höhepunkt und auch das leere Ende finden.

Das NATO-Kampfblatt „SPIEGEL“ bezeichnete „Zero Dark Thirty“ als einen „Actionfilm mit politischem Anspruch“. Wie so oft ist aber das genaue Gegenteil der Fall. Bigelow’s mit freundlicher Unterstützung der CIA hergestellter Film lässt sich getrost in die Kategorie „Üble Propagandafilme“ ablegen.

 

Schon die anfängliche Behauptung, dass die Geschichte auf tatsächlichen Ereignissen basiere, ist bereits gelogen. Gleiches gilt für die 9/11 – Osama Bin Laden – Krieg gegen den Terror- Aghanistan – Irak – Etc. – Begründungskette. Womit sich dieses Machwerk allein bereits einen Platz in der Mülltonne verdient hätte.

Das vordergründige Thema in „Zero Dark Thirty“ ist die Folterung von Gefangenen und die Aussage, dass es zwar nicht sehr schön sei und es auch für die Folterer und deren Auftraggeber manchmal anstrengend sei, aber letztlich doch notwendig, um ganz wichtige Informationen zu erhalten. Auch wenn sie letztlich doch nicht viel wert sind.

Dies läuft freilich, abseits der eigenen Moralvorstellungen, nicht nur den Menschenrechten und allen Konventionen zuwider, es ist sogar widerlegt, weil diese gequälten Menschen schlußendlich alles gestehen werden. Dies ist seit der katholischen Inquisition bekannt. Eine Erkenntnis, die sich immerhin gegen Filmende zu einer Leere der Protagonistin entwickelt.

Der im Film gefolterte Mann mit dem Namen „Ammar“, welcher schließlich den Namen des Film-Kuriers eines Film-Bin-Ladens nennt, ist an die Person Khalid Sheik Mohammed angelehnt, der im US-Folterlager Guantanamo einsitzen soll. Bei ihm soll es sich um den angeblichen, weil bedauerlicherweise unbewiesenen Chefplaner der Anschläge in New York 2001 gehandelt haben.

Ja, genau, jene medienwirksame Anschlagskette, an der merkwürdigerweise kein Aufklärungsinteresse von seiten der US-Administration bestand und bis heute auch nicht besteht.

Khalid Sheik Mohammed wurde bereits 2002 als tot gemeldet, 2003 aber gefasst. Er oder ein anderer oder auch nur ein Schauspieler soll seitdem in Guantanamo einsitzen, was allerdings keine wirklich große Rolle spielt.

Was die Filmgeschichte anbelangt, so kann die dort aufgestellte Behauptung von der Zweckmäßigkeit von Folterung auch in diesem Fall nicht bewiesen werden, da die CIA den eigenen Angaben nach die angeblichen Verhörprotokolle des angeblichen Khalid Sheik Mohammed genauso angeblich vernichtet habe.

Da hatte doch tatsächlich mal jemand nachgefragt.

Mehrere US-Senatoren legten nach der Vorführung von „Zero Dark Thirty“ in den USA Beschwerde im Senat ein, weil diese Folter-Geständnis-Kurier-Story nachweislich eine Erfindung sei.

 

Eine Erfindung ist aber noch etwas ganz anderes. Weniger plakativ, sondern eher hinterhältig, wird in diesem Film vor allem eine ganz bestimmte Botschaft an und in die Kino-Konsumenten transportiert: Wie es wirklich war. Oder vielmehr: wie es nun wirklich gewesen sein soll in seiner derzeit letzten Version. Von denen gab es ja bereits mehrere, die sich allerdings alle als nicht sonderlich tauglich erwiesen haben. Also die wirkliche Wirklichkeit in der hier nun visuellen Version abseits der anderen variablen Wirklichkeiten. Damit auch jeder Schwachkopf es sich endlich merkt, wie Bin Laden wirklich umgekommen ist. Und ganz wichtig: wann. Und vor allem: warum!

Immer und immer wieder.

Damit der unselbständige, vollgefressene Schwachkopf im Kino diese und die ganze Geschichte glaubt. Und später sicherlich vor dem Fernseher, der täglich noch ganz andere Wirklichkeiten auszustrahlen in der Lage ist.

Was mag von der angestellten Filmemacherin Bigelow als nächstes kommen? Ein Szenario wie zum Beispiel „Operation Barbarossa – Wie die Gestapo in Berlin dem Bolschewismus auf die Schliche kam“ scheint derzeit trotz aller Ähnlichkeit politisch heikel. „Rot und tot unter Palmen – Das Scheitern der großen kubanischen Invasion an den Küsten Floridas“ würde sich hier als Alternative anbieten.

Die Medienfront ist die erste Front des Krieges.


Donnerstag
28
Februar 2013

Bedürftig – 13. Kandidat: Erwin Z.

 

Stolz war er gewesen, als er seine zweiten Zähne bekommen hatte. Ja, damals war er noch ein Kind, wie sich Erwin Z. erinnerte.

Mit den zweiten Zähnen kamen allerdings auch die Karies, bevor er noch als Jugendlicher galt. Dafür gab es zwar eifrige Zahnärzte, doch warum diese bei kleinen Kariesstellen ganze Backenzähne aushöhlen mussten, ist Erwin Z. auch heute noch schleierhaft.

Dann, gerade zu einem Mann geworden, bekam er seine erste Krone. Wegen Pfusch verlor er allerdings bald Zahn und Krone, doch wusste der Zahnarzt Rat – eine Brücke musste her.

Das war der Anfang vom Ende, wie Erwin Z. rückblickend feststellte. Eine Notziehung und ein kleiner Unfall kosteten weitere Zähne, die im Verlauf der Dinge zu weiteren Verlusten an Kronen und Brücken führte. Und zu ausgehöhlten Zähnen natürlich.

Krone-Brücke-Nichts.

Seine zweiten Zähne waren auch die letzten gewesen. Das musste Erwin Z. uns in der Bedürftigen-Redaktion nicht erklären, denn es war durchaus ersichtlich. Das geht gar nicht, war in seinem Umfeld der allgemeine Tenor, wusste Herr Z. zu erzählen. Jedem anderen sei ein Zurücklachen im Halse stecken geblieben. Für die Dritten fehlt ihm jedoch heute das Geld, weil seine Zweiten (und die Zweieinhalben) ihm bereits das letzte Hemd gekostet haben.

Herr Z. zeigte sich zwar nicht ganz unzufrieden ob seines wieder symethrischen Mundgefühls, doch wir von der Bedürftigen-Redaktion sahen dennoch gewissen Grund zur Sorge. Wir entschlossen uns, Herrn Z. wenigstens die Chance auf eine Unterstützung zu ermöglichen und küren ihn hiermit zum Bedürftigen der Woche.

Denn auch wir Stubenhocker in der Redaktion wissen, wie schwer es manchmal ist, sich im Leben erfolgreich durchzubeißen.

 

Montag
25
Februar 2013

Bedürftig – 12. Kandidat: Talib-A. N.

 

Den heutigen Kandidaten traf Bernd Bieglmaier am Bahnhof, wo er sich neue Zigaretten kaufen wollte.

An Bahnhöfen hängen gewöhnlich viele Menschen herum, doch Talib A. stach aus ihnen heraus, weil er nicht nur etwas verloren, sondern auch deplaziert wirkte.

Bernd Bieglmaier war neugierig. Er suchte das direkte Gespräch. Und er hatte recht. Talib -A. N. war nicht nur deplaziert, er war auch verzweifelt, weil das Drogengeschäft ganz schlecht für ihn lief. Es lief gar nicht.



Talib-A. N. ist ein Flüchtling aus Afghanistan. Damals, im Jahre 2000, hatte er noch zu den „Guten“ gehört, da hatte ihm die pakistanische ISI eine fundierte Ausbildung ermöglicht, man hatte ihm Geld von den radikalen Saudis gegeben und er hatte unter Aufsicht seiner strategischen Partner aus Übersee für Ordnung im Land gesorgt. Zumindest so lange, bis dieser strategische Partner sich unzufrieden mit den Geschäftsbeziehungen gezeigt und unter dem Vorwand von Terrorismusbekämpfung und Frauenrechte seinen Mißmut mit Bombenteppichen und anderem Übel zum Ausdruck gebracht hatte. Talib hatte rechtzeitig das Land verlassen und um Asyl in Österreich angesucht. Dort hatte er dann 2003 über die Medien die Botschaft des Anführers aus Übersee vernommen, dass seine Glaubensbrüder vernicht worden wären. Talib-A. N. war froh gewesen, dass wenigstens er hatte entkommen können.

Talib hatte es zwar geschafft, führte aber seiner Ansicht nach das Leben eines Hundes. Er selbst durfte nichts, er musste machen, was andere ihm sagten. Und das war auch nichts. Dann hatte er Hoffnung verspürt, als urplötzlich seine Glaubensbrüder in seinem Land trotz massiver Besatzung wieder vorhanden waren. Zuerst vernichtet, dann wieder da. Und wie! Nicht nur das, es soll seinen Glaubensbrüdern sogar gelungen sein, trotz des massiven Militärapparates und totaler Luftüberwachung der Fremden das dortige Mohn- und Heroingeschäft an sich zu reißen und sogar jedes Jahr weiter auszubauen. Mit immer größeren Schlafmohnfeldern, immer größeren Heroinfabriken und einer immer besseren Infrastruktur. In jeder Zeitung war dies zu lesen gewesen.

Ein Wunder, hatte Talib-A. N. geglaubt, ein Wunder! Denn eine andere Erklärung konnte es nicht geben. Auch wenn es für Talib nicht nachvollziehbar blieb, wie seinen Glaubensbrüdern die Unsichtbarkeit gelungen sein soll, so schien er doch zu verstehen, dass eben diese seine Glaubensbrüder sich nun einem Geschäft zu widmen schienen, welches sie zuvor, bis zur Invasion durch die Fremden, allein aus religiösen Motiven strikt abgelehnt hatten. Wegen dem Geld natürlich, das sie nun benötigten, wegen dem Einkommen, wegen der Notwendigkeit, neue Glaubensbrüder auszubilden und neue Handfeuerwaffen zu kaufen, um sich den feindlichen Jagdbombern und Drohnen der Besatzer zu erwehren. Das schien logisch.

Bernd Bieglmaier hörte freundlich zu. Er verstand Talib. Aber irgendwie auch nicht, denn im Gegensatz zu Talib-A. N. gehört Bernd Bieglmaier keiner Sekte an. Irgendetwas schien innerhalb seiner Logik zu haken.

Nicht so bei Talib, da Religion nicht unbedingt etws mit Logik zu tun hat. Bei ihm machte es sich auf ganz andere Weise bemerkbar. Und das war es, was ihn zur Verzweifelung brachte: er lebte immer noch wie ein Hund, weil das Drogengeschäft nicht lief, weil sein Drogengeschäft nicht lief. Weil er von seinen Glaubensbrüdern keinen Stoff bekam, den er hätte „verticken“ können.

Warum dem so war, konnte Bernd Bieglmaier nun auch nicht sagen, weil er diese Glaubensbrüder nicht kennt. Aber er schaute sich am Bahnhof um und stellte fest, dass es zwar jede Menge Dealer gab, aber niemand so ausschaute, wie Talib-A. N. Nicht nur das, Bernd Bieglmaier erfuhr – natürlich nur ganz im Vertrauen, dass der Stoff ausschließlich von europäischen Pragmatikern geliefert wurde. Und die wären alle „Weiße“, wie sogar die „Schwarzen“ bestätigten.

Bernd Bieglmaier unterrichtete anschließend Talib von seinem Befund, doch wollte dieser, in der Erziehung des Glaubens groß geworden, dem keinen Glauben schenken.

Und weil Talib-A. N. auch heute noch glaubt und seiner Gefühle nach das Leben eines Hundes führt, küren wir ihn mit seiner ganzen persönlichen Tragödie zum Bedürftigen der Woche.

Auch wenn Talib-A. N. kein gebürtiger Österreicher ist – er ist auch einer von uns.

 

Sonntag
03
Februar 2013

Wehrpflicht bleibt

 

Rund 60% der österreichischen Bevölkerung, die es zu den Befragungsurnen geschafft hatte, zogen die Beibehaltung der Wehrpflicht vor.

Für die Bundes-SPÖ, die sich verzweifelt darum bemüht, einen Unterschied zur ÖVP herauszuformulieren und sich eher aus taktischen Gründen für das Berufsheer ausgesprochen zu haben scheint, kommt das Ergebnis einer Niederlage gleich. Die in Kampagnen kommunizierten dümmlichen wie am Thema vorbeigehenden Argumentationen für ein Berufsheer – umsonst. Kanzler Werner Faymann inmitten einer Gruppe von ungebildeten Schülern, die Schilder mit Phrasen anderer halten – vergeblich.

Und die Grünen? Zum Vergessen, einzig die Frauenquote wurde nach der SORA-Analyse erfüllt. Tanja Windbüchler-Souschil hatte bereits vor einiger Zeit zu diesem Thema in einem Interview davon geredet, den Zwangsdienst abzuschaffen, gleichzeitig aber auch behauptet, dass die EU angeblich eine Friedensunion wäre. Ungefähr so, wie Österreich neutral sei. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Zum Glück wurden sie kaum gehört, aber das soll nicht bedeuten, dass die anderen Parteien nur einen Deut besser wären. Sie sind nur gleich.

Gestern, nach dem eindeutigen Wahlergebnis, wurde sofort darüber debattiert, ob der Verteidigungsminister Norbert Darabos zurücktreten würde oder sogar müsse. Das will er nicht, wie mitgeteilt wurde. Und das ist auch gut so, denn ein neuer Hampelmann auf diesem Posten würde ausschließlich bedeuten, dass ein weiterer ehemaliger Staatsminister eine fette Pension kassiert.

Herr Darabos ist ohnehin persönlich ein Vertreter von Sparmaßnahmen und vielleicht gelingt es ihm, sich eines Tages tatsächlich noch zu profilieren. Indem er eine neue bindende Volksbefragung initiert: Wehrpflicht oder die Abschaffung des Bundesheeres, verbunden mit einem „sozialen Jahr“ für jederman.

 

Dienstag
22
Januar 2013

Volksbefragung zur Wehrpflicht – Ein Kommentar.

 

Übermorgen, am Sonntag (20. Jänner 2013), werden die Österreicher zu den Volksbefragungsurnen gebeten, um sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht oder für die Schaffung einer Berufsarmee auszusprechen.

ÖVP und FPÖ plädieren für die Wehrpflicht, während ausgerechnet die Grünen sich für ein Berufsheer entschieden haben. Dieses vermeintlich auf den Kopf gestellte Bild wiederum scheint die SPÖ derartig verwirrt zu haben, dass sie sich für das eine und das andere entschieden haben. Glaubwürdig ist allerdings keine Partei, und somit ist all das Geschwafel ohnehin überflüssig.

Eine dritte Wahlmöglichkeit gibt es bedauerlicherweise nicht, obwohl diese meiner Ansicht nach die beste wäre und nebenbei auch die kostengünstigste: die Auflösung des Bundesheeres. Doch steht diese Idee erst gar nicht zur Disposition.

Denn welche reale Bedrohung existiert für das Land Österreich überhaupt noch? Der Weltbolschewismus kam nie, stattdessen aber die Russen 1945. Und später erwies sich die Furcht vor dem Kommunismus auch als unbegründet. Die Sowjetunion zerbrach 1989 und mit ihm das Militärbündnis „Warschauer Pakt“. Sogar der letzte Rest an Sozialismus wurde entfernt, als Jugoslawien als Staat zerstört wurde. Eine erneute Fusion mit Deutschland zu Großdeutschland muss derzeit auch nicht befürchtet werden.

Wer führt überhaupt noch Krieg in Europa? Nun, eine Reihe von europäischen Staaten führten und führen Krieg, allerdings, von der Zerschlagung Jugoslawiens und dem Angriffskrieg gegen Serbien abgesehen, außerhalb von Europa. Kein Grund zur Beunruhigung, da der Staat Österreich diesen kriegsführenden Staaten freundschaftlich gesinnt ist.

Diese Staaten, diese Freunde, sind in dem westlichen und US-dominierten Militärbündnis NATO organisiert, der weltweit größten militärischen Verbrecher- und Terrororganisation. Wer derartige Staaten seine Freunde nennt, sollte also keine Furcht vor Invasoren haben, die ohnehin nie kommen werden und auch nicht können. Jedenfalls nicht von außerhalb. Unter dem Anschein, die vermeintliche Neutralität zu wahren, trat Österreich dieser Organisation auch nie bei, so dass es eher pragmatisch erscheinen mag, dieses gewalttätige Militärbündnis als einen „starker Partner“ zu bezeichnen – und sich somit ein wenig anzulehnen.

Allerdings ist der Staat Österreich in der EU organisiert, von denen die meisten Länder wiederum der NATO angehören. Der Beitritt zur EU war dann doch das definitive und sichtbare Ende jeglicher Neutralität. Von der voranschreitenden Entdemokratisierung und der militärischen Aufrüstung abgesehen, unterstützt die EU die aggressive „Politik“ der NATO und des Großkapitals, um wirtschaftliche Interessen im Ausland brutal durchzusetzen.

Und an diesem Punkt stört eine Armee mit Wehrpflichtigen. Hier ist das Berufsheer gefordert. Nicht etwa, um die Heimat zu verteidigen, sondern um die Interessen der Wirtschaftselite mit der Waffe in der Hand in zumeist fremden Gebieten zu wahren oder zu okkupieren. Natürlich getarnt als „Friedenseinsätze“, so wie seit den Neunzigern die Doktrin der „humanitären Bombardements“ den Eingang in den militärischen – und medialen – Sprachgebrauch gefunden hat. Und vollzogen wurde. Unter Aufsicht von korrupten und entmachteten Parlamenten. Also gar nicht. Und dies auch noch in einer Zeit, wo Terroristen haufenweise ausgerechnet immer dort auftauchen, wo zufällig ein Interesse besteht. Da bot sich der Krieg gegen den Terror geradezu an.

Unter diesen Umständen ist der nächste Schritt bei einem Berufsheer nicht mehr weit. Die USA haben es bereits drastisch vollzogen, Deutschland ist noch nicht ganz durch mit einem legalen Einsatz von Heeresverbänden im Inneren. Ein Blick über die Grenze nach Deutschland verschafft Klarheit. Dort macht man es vor. Wann macht man es nach? Die Beobachtung der NATO-Aktivitäten sowie die außen- und innenpolitischen Handlungen der EU (und auch Österreich) zeigen eindeutig auf, wohin der Weg führt.

Die Österreicher stimmen somit bei der Volksbefragung weniger über Wehrpflicht und Berufsheer, Katastrophenschutz und soziale Dienste etc. ab, als vielmehr über die Frage, inwieweit ein militärisches Instrument geschaffen werden wird, welches in Zukunft Aufträge bekommt, die uns erschrecken lassen.

 

Freitag
18
Januar 2013

Die Oslo-Bombe

 

Vor rund einem Jahr hatte sich die „Installation des Versagens“ mit dem Breivik-Fall beschäftigt.

Der norwegische Fernseh-Sender NRK hat nun eine Dokumentation zum Breivik-Fall produziert oder zumindest angekündigt und vorab ein Video veröffentlicht, in welchem einige Sequenzen aus Oslo vom Anschlagstag gezeigt werden. In Deutschland berichtet der FOCUS darüber.

Hier der Link zum FOCUS:

http://www.focus.de/politik/videos/ueberwachungsbilder-aus-oslo-neue-videos-zeigen-breivik-bei-seinem-anschlag_vid_34498.html

Nichtssagend.

Diese Videomaterialien stammen von der Polizei, weswegen es nicht überrascht, dass das Gezeigte nichtssagend ist. Die Person, welche sich von dem Lieferwagen entfernt, wird zwar als Breivik bezeichnet, zu identifizieren ist der Mann aber nicht im geringsten. Es kann jeder gewesen sein.

In jener Situation, wo der Mann den Lieferwagen verlassen haben könnte, wird plötzlich wie unmotiviert ein nichtssagendes Standbild aus dem Inneren eines Gebäude gezeigt. Der Verfasser dieses Videos hat mit diesem Einschub den konkreten Zusammenhang zwischen Fahrzeug und Person verborgen, sich aber dafür Mühe gegeben, den statischen Aufnahmen der Kameras mit Zoomfunktion und kleinen Schwenks eine dramaturgische Note zu verpassen – freilich ohne jeglichen Inhalt und Grund.

Ähnlich verhält es sich mit der netten Darstellung einer Explosionswirkung aus mehreren Blickwinkeln. Die Explosion selbst, die Ursache, wird allerdings nicht gezeigt und somit auch nicht der vermeintliche Zusammenhang zwischen Lieferwagen und Bombe. Theoretisch könnten die Bilder vom Lieferwagen auch an einem anderen Tag aufgezeichnet worden sein – wir wissen es nicht.

Vielsagend.

Oft genug ist es weitaus aufschlußreicher zu erkennen, was n i c h t gezeigt wird. Dazu gehört zweifellos jener Screenshot einer Überwachungskamera (publiziert von der Zeitung Verdens Gang, Quelle: norwegische Polizeibehörde), auf welcher dieser uniformierte Mann einen Polizeihelm trägt, der seine Identifizierung nicht ermöglicht, aber Breivik darstellen soll. Noch dazu mit einer Pistole in der Hand.

Also extrem unauffällig im überwachten Regierungsviertel eines NATO-Landes. Die perfekte Tarnung. Zumindest für die norwegischen Behörden.

Sagen sie. Also die, denen am Anschlagstag nicht nur einige grobe „Pannen“unterlaufen sein sollen, sondern die es sogar geschafft haben, keine einzige auszulassen, um dem Massaker auf der Insel Utöya einen zeitlichen Rahmen zuzubilligen. Ungewollt natürlich. Es gilt ja die Unschuldsvermutung.

Wer sich die Mühe macht, diese kleine Videozusammenstellung der norwegischen Polizei ein zweites Mal anzuschauen, dem wird auffallen, dass eine Überwachungskamera-Sequenz aus der Reihe fällt. Weil es sich hierbei um keine Überwachungskamera handelt.

Es ist jene Sequenz, die zuerst auf soetwas wie ein Vordach zeigte und dann manuell (!), von einem Stativ aus, nach einem großen Schwenk auf das Heck des Lieferwagens ausgerichtet wurde.

Es ist eine entlarvende Sequenz, weil der Filmer logischerweise ein Vorwissen besessen haben muss. Quelle, da Besitzer des Bandes: die Polizei. Breivik kann es nicht gewesen sein, weil dieser sich gerade unkenntlich entfernt haben soll. Quelle: auch die Polizei.

Breivik, der Einzeltäter, so die Polizei, mag sich möglicherweise heute noch freuen, dass es ihm gelungen ist, die Polizei derartig zu verwirren, dass deren sofort eingeleitete Nichtfahndung und Nichtreaktion ihm den Weg zur Insel erst ermöglicht hatte.

Wir können nur hoffen, dass auch der Einzeltäter Breivik keine Vorahnung über diese Umstände besessen hatte. Zumindest hat er es überlebt, und im Fernsehen war er auch. Dem Filmer, der seine kleine Kamera aus dem Regierungsgebäude heraus auf den Lieferwagen gerichtet hatte, dürfte es wegen der Nähe zur Bombe möglicherweise trotz seiner Vorahnung schlechter ergangen sein.

Obwohl mir persönlich der Vorahnung beschleicht, dass dieser sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht oder doch den Vortag zum Filmen vorgezogen haben könnte. Eben wegen dieser Vorahnung.

 

Ergänzung:

So schnell kann es manchmal gehen: gestern war noch „alles“ da gewesen, heute sind bereits zwei Sequenzen gekürzt. Die Zoomeinstellungen wurden entfernt.

 


Mittwoch
28
November 2012

Plakat 3. Banale

Hier nun das Plakat für die 3. Banale.

Sonntag
16
September 2012

Kritik am Kinosommertraum 2012

 

Der Sommerkinotraum ist wieder zu Ende und wir alle hoffen, dass es im kommenden Jahr mit dieser Veranstaltung weiter gehen wird.

Immerhin handelt es sich hierbei auch um eine Plattform für städtische Kulturschaffende, welche unter Umständen die Möglichkeit finden, im Vorfilmbereich ihre filmischen Werke einem etwas größeren Publikum vorstellen zu können.

Die NÖN vom 20. August 2012 publizierte auch Kritik am Programm und vor allem am Kurzfilms „Subtext der Leidenschaft“ von Christoph Wanna, welche mit der Nennung von Lidwina Unger von der „SLÖ“ personifiziert wurde.

Zitat:

„Einen Film mit so vielen obzönen Ausdrücken und Szenen darf man am Freitagabend nicht als Vorfilm zeigen. Da wird unsere Jugend verdorben.“

Wir wissen nicht, ob dies die einzige Sorge der Frau Unger ist. Wir erfahren – zumindest in diesem Artikel – nicht, was ihrer Ansicht nach gezeigt werden sollte und was sie persönlich schätzt. Ja, wir wissen nicht einmal, welche „Jugend“ sie eigentlich meint, die kurz vor 21.00 Uhr verdorben werden könnte.

In der Tat beinhaltet der Kurzfilm von Christoph Wanna in dem Abschnitt „Die Mitte“ eine Anhäufung vulgärer Kommunikation und einer angedeuteten sexuellen Handlung, welcher sich aus gestalterischen Gründen entsprechend von dem Abschnitt „Der Anfang“ abzuheben versucht. Erfolgreich übrigens.

Leider wird in dieser Kritik der Frau Unger nicht bedacht, woher sich diese Art der Kommunikation und vulgäres Gebaren überhaupt speist: von den Erwachsenen.

Zu dieser einfachen Erkenntnis reicht es bedauerlicherweise nicht. Die Frage nach der Ursache wird nicht gestellt, es wird überhaupt keine Frage gestellt, es wird keine Auseinandersetzung zugelassen, nein: nach dem Willen der Frau Ungar soll es einfach nur verboten werden. Besser kann man die eigene soziale Kompetenz nicht darstellen, ob mit oder ohne Liste.

Aber wer weiß, vielleicht ist es doch alles ganz anders. Vielleicht hat Frau Ungar aufgrund der Sorge um die „Jugend“ bereits bei „You Tube“ Beschwerde eingereicht, weil dieser Kanal die eigenen Bestimmungen laufend verletzt und ununterbrochen Videos der Terroristen in Syrien hochladen lässt, wo sich die „Jugend“ ungehemmt an den grauenhaften Folterungen, Verstümmelungen und Morden der vom „Westen“ unterstützen Terroristen ergötzen kann.

Jedenfalls hoffen wir nicht, dass dieses Faktum der Frau Ungar zu banal erscheint.

Mit freundlichen Grüßen von BOLLWERK, dem Veranstalter des Kurzfilmfestival-Reihe „Banale“.

Rüdiger Rohde


Donnerstag
23
August 2012

Bedürftig – 8. Kandidat: Arthur Z.

 

Kandidat Arthur Z.

 

Bernd Bieglmaier kannte Herrn Arthur Z. nicht, als er ihm bei einem Spaziergang mit seinem Hund im Park begegnete. Er hätte ihn wohl auch nicht beachtet, hätte nicht sein Hund, diese treue wie gutmütige Seele, wie wild bei Herrn Z. angeschlagen. Bernd Bieglmaier wurde mißtrauisch und beschloß, der Reaktion seines Hundes auf den Grund zu gehen. Er stellte Fragen.

Herr Z. erklärte umgehend, dass er bedürftig wäre, wirklich bedürftig. Bernd Bieglmaier blieb mißtrauisch und sein Hund ebenfalls, nur etwas weniger subtil. Zwar war eine gewisse Ängstlichkeit bei dem Mann auf der Parkbank zu erkennen, doch ansonsten vermochte Bernd Bieglmaier keine echten Anzeichen der Bedürftigkeit bei Herrn Z. zu entdecken. Er fragte, ob es sich bei diesem Mann um einen Simulanten handeln könnte, er fragte andersherum, ob eben diese fehlenden Anzeichen einer Bedürftigkeit nicht doch verdächtig sein würden, er fragte…

Nichts mehr, als Herr Arthur Z. unter dem Druck der vielen Fragen zusammenbrach und zugab, dass man ihm seine Seele geraubt habe. Ein Paparazzi habe ihn „erwischt“, als er aus seinem Haus gekommen war. Das grelle Blitzlicht habe ihn geblendet und abgelenkt, so dass er zuerst gar nicht bemerkt hätte, wie das Gerät ihm seine Seele genommen habe. Nun sei sie fort und auch nicht mehr zurückgekommen, berichtete Herr Z. mit Tränen in den Augen.

 

Der Hund beruhigte sich, als sich sein Herrchen, Bernd Bieglmaier, zu Herrn Z. auf die Parkbank setzte und diesen in seine Arme nahm. Als wenn er gewusst hätte, wie grauenhaft sich das anfühlen würde, so ganz ohne Seele, in seinem Fall ohne Hundeseele. Bernd Bieglmaier erzählte später in der Redaktion, dass auch er es nicht wisse und er in seiner Vorstellung an automatisierte, nach Schmierstoffe stinkende menschliche Hüllen denken würde. Er sah hier den Fall eines besonders perfiden Raubes, da nicht greifbar und kaum sichtbar und daher extrem tragisch für die Opfer.

Auch die gesamte Redaktion kam zu keinem anderen Schluß, als den Herrn Z. zum neuen Bedürftigen der Woche zu erklären, da ihm seine Seele unverschuldet geraubt worden ist. Ganz im Gegensatz zu jenen Personen, die ihre Seele freiwillig verkauft haben und tagtäglich schamlos ihre entmenschlichten Charaktere in den Massenmedien zur Schau stellen, um menschlichen Menschen nach deren Seelen und deren Leben zu trachten.


 

 

 

Donnerstag
16
August 2012

Café Wenninger

Das urige Café Wenninger schloss leider seine Pforten am Morgen des 1. Juli 2012.

Max Reger kam nicht umhin, seine Trauer öffentlich zu machen (NÖN, 2. Juli 2012), nicht nur wegen der einmaligen Lokalität in dieser Stadt, sondern auch wegen dem weiteren Verlust von Kultur.

Hier sein  Brief an Gerhard Schneider :

 

Ich bin besorgt!

Ich bin besorgt, daß wieder eine- ich möchte sagen-Wr. Neustädter Institution, die über viele Jahre für das kulturelle und intellektuelle Leben in dieser Stadt einen Raum gegeben hat, verloren geht.

Es wird nicht viele Wr. Neustädter in meinem Alter geben, die nicht besondere Erinnerungen an dieses Kaffee in sich tragen. An seinen alten, manchmal etwas schrulligen Besitzer und Namensgeber Wenninger,- den Ober Kirner, der noch als Piccolo im vornehmsten Kaffee Wr. Neustadt, dem „Lehn“, das sich an der Stelle des heutigen Hypobrunnens befand, gelernt hatte und welcher täglich im Smoking auf dem Fahrrad zur Arbeit kam und noch etwas von der Ruhe und Atmosphäre einer vergangenen Welt herübergerettet hatte. Da war der Herr Franz, der als ambitionierter Hutträger nicht umhin konnte, sich mit huttragenden Gästen fachspezifisch auszutauschen.

Axel Corti schätzte den besonderen, etwas abgetragenen Charme dieses Kaffees und drehte zwei Szenen seiner Filme in diesem Lokal. Von den Tantiemen konnte sich der Cafetier neue Bespannungen für seine Sitzmöbel leisten, welcher Umstand Vorsichtsmaßnahmen vor dem Platznehmen bedeutend reduzierte.

Sicher, die Zeiten ändern sich und Vergangenes muss Neuem Platz machen. Aber wo ist das Neue, das die letzten Beispiele kultureller Tradition ersetzt? Leben wir nicht in einer Kultur, die Ihr Selbstverständnis in hohem Maß aus der Geschichte bezieht?

In den Jahren, in denen ich in Wr. Neustadt lebte sind viele der wenigen noch erhaltenen Dokumente unserer Vergangenheit verschwunden, oder wurden durch Unwissenheit oder Leichtfertigkeit in Ihrem Bestand oder in Teilen davon geschädigt oder unkenntlich gemacht.

Raritäten, wie eine noch erhaltene manieristische Grotte, die sich noch dazu in unmittelbarer Umgebung des Kaffes Wenninger befindet, ist kaum bekannt und in das Leben der Stadt nicht eingebunden.

Der alte Sinnzusammenhang der Alleeachse zwischen dem Eingang zur Aula der (auch bereits abgerissenen) gründerzeitlichen Realschule zum Aufgang der Aula des Gerichtes, ist durch einen modernen schachtelförmigen Supermarkt gestört. Der Sinnzusammenhang von Regelvermittlung und Regelsicherung oder einfacher Lehre und Recht ist zerstört.

Nicht, daß sich nicht alles im Wandel befindet, aber wo sind die einfühlsamen Bauten, die auch als Architektur Sinn stiften? Das neue Rathaus?- eine Anmaßung auf diesem Platz! Das neue Hallenbad? -auch städtebaulich ins Abseits gestellt! Das Gebäude der E-Wirtschaft?-dort stand das letzte vollkommen erhaltene Gründerzeitensemble dieses Straßenzuges! (auch gleich neben dem Kaffee Wenninger). Ich habe in einer Ablichtung der alten Baubestimmungen für die Kernzone der Stadt nachgeblättert und dort gelesen, daß historische Häuser dieser Zone nicht abgerissen werden dürfen, und insbesondere Glasfassaden nicht zu genehmigen sind! Wie gibt es das?

Ich habe mich, da ich auch als Selbstständiger in dieser Stadt lebe hier weit hinausgewagt. Die alte Frage zwischen der persönlichen Freiheit zu handeln und Interessen der Gemeinschaft stehen immer zur Diskussion.

Beispiele in vielen Städten zeigen aber, daß der Erhalt besonderer Belege der Geschichte auch wirtschaftlich positiv wirksam sind. Die Messing-Pflastersteine in Wr. Neustadt zeigen im Übrigen, daß in manchen Bereichen dieser Zusammenhang von Ort und Geschichte doch wahrgenommen wird.

Für das „Wenninger“ habe ich vernommen, daß es durchaus schon Bemühungen um eine Rettung mit wirtschaftlich interessanten Angeboten gibt. Auch das AMS hätte doch sicher einen weiter definierten Auftrag, der durchaus mit der Auslöschung in Wiederspruch stehen könnte. Vielleicht könnte sogar durch das AMS mit der Schaffung eines eigenen Betriebes etwas auf besondere Weise vereint werden.

Es geht hier nicht nur um das Schließen eines Betriebes, es geht um die grundsätzliche Frage, wie wir als Bürger unser Zusammenleben verstehen und – eben auch in einer sich wandelnden Welt- verändern wollen. Wir brauchen Plätze des Austausches, die noch nicht durch „Musiksmog“(Harnoncourt)mit Flachbrettschirmen konzentrierten geistigen oder geselligen Austausch torpedieren.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass – wie Brück das so pointiert angemerkt hat, – wir uns nicht auf Grund unserer Geschichte interpretieren, sondern die Geschichte schon unsere Interpretation ist!

Das „Wenninger“ wirft hier wichtige Fragen aktuell auf.

Wir sollten uns noch die natürlichen Garne erhalten, aus denen sich immer wieder neue Stoffe weben lassen.

Max

Und Gerhard Schneider alias „Gerard“:

 

25.6.2012

Lieber Max,

deinen Nachruf, der eigentlich ein Aufruf ist, finde ich durchaus  stimmig  und

gut formuliert. Vieles triffst Du auf den Punkt und führst  historische Schmankerl

an, die bereits meiner Generation sehr exotisch anmuten.

Zu den verlorenen Ensembles könnte man auch das alte Bräuhaus  zählen,

wofür es auch Interessenten gegeben hätte, politisch aber mit  der kulturellen

Nutzung der nahen Kasematten argumentierte, was ob der hohen

Renovierungskosten naheliegenderweise auch wieder eingeschlafen ist…

 

Das Kreisgericht als Blick- und Zielpunkt der Stadtparkallee ist klar,

bis zum Bau der Brücke über die Bahn war der Weg noch durchgängig. Es

war nebenbei erwähnt mein Heimweg von der Volksschule. Den

Zusammenhang mit der Realschule habe ich natürlich nicht mehr geahnt,

ist aber städte-baulich ein recht interessanter Aspekt! Den Supermarkt

als Zielpunkt (heißt auch so!!) finde ich heutigentags  eh passender.

Das konsumieren hat dem  ‚sich bilden‘ ohnehin den Rang abgelaufen!

 

Nochmals zum Wenninger: Auch Wolfgang Murnberger (Komm Süßer Tod,

Silentium etc) sowie auch regionale Filmschaffende haben das Cafe als

Drehort verwendet. Der Corti-Sager vom einzigen Altwiener Kaffeehaus

außerhalb Wiens ist sowieso legendär.

 

Meine Erinnerungen und Bezüge zum Wenninger sind z.T. andere (z.B. als

Treffpunkt der Neustädter Szene in den 80ern und frühen 90ern),

mischen sich aber gut zum historischen Gesamtbild. Wenn ich von meiner

Mutter höre, dass sie in den 70ern das C.W. häufig frequentierte, oder

wie zuletzt im Einhorn DI Rosmann ähnliches äußerte, dann kann man

schon ziemlich gut den generationen-überspannenden Bogen ermessen, den

diese Institution ausmachte und zurecht wehmütig stimmen.

 

Bestehende Traditionen aufgreifen und etwas Neues draus machen  -erweitern

– von einer anderen Seite betrachten/ interpretieren etc.

Das wäre eigentlich ein angemessener Umgang mit historisch Gewachsenem,

aber das ist – bis auf wenige Ausnahmen – unserer Zeit komplett fremd.

 

In diesem Sinne wäre es wirklich spannend zu sehen, welche Adaptionen

Roman Schärf vornehmen würde und was er beließe! Ich denke mir,

möglicherweise wäre etwas Spannendes dabei herausgekommen.

 

Aber warum sollte in einer Phase politischer Unkultur gerade so etwas

wie das Wenninger erhalten bleiben?

 

Herzliche Grüße

Gerard Schneider

 

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Max und Gerhard für die Bereitstellung ihrer Briefe!

Schauen wir uns an, wie mit Hilfe einer externen Beratung auch die obere Neunkirchener Straße zu einer grandiosen Erlebniswelt umgestaltet werden wird, wie seitens der Stadt angedeutet wurde. Mit einem neuen chicen Büropalast, mit der Polizei, mit dem EVN-Gebäude und bald auch mit einer noch größeren AMS-Struktur.

Frohes Shopping!

 


Freitag
20
Juli 2012

www.antikrieg.com

Hier ein Artikel, bei dem ich nicht umhin kam, diesen auf diese Seite zu stellen.

Mit Kultur hat dieser Artikel durchaus zu tun, genauer gesagt: mit der Unkultur der politisch Verantwortlichen und deren Handlanger aus der Verblödungsmaschinerie „Massenmedien“.

Demzufolge schreibt Paul Craig Roberts indirekt auch über uns, den Kindern der Massenmedien.

 

Können die Amerikaner der Täuschung entkommen?

Paul Craig Roberts

 

Heute ist heißer-Luft-Tag. Am 4. Juli wird im ganzen Land heiße Luft abgelassen, wenn Würdenträger Predigten halten über unsere „Freiheit und Demokratie“ und „unsere tapferen Soldaten“ loben, die unsere Freiheit verteidigen, indem „sie die dort töten, ehe sie zu uns kommen.“

Keine einzige dieser Ansprachen wird ein wahres Wort enthalten. Kein Redner wird den Tod der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika beklagen oder seine Zuhörer auffordern, dieses einzige Dokument wiederherzustellen, das ihre Freiheit schützt. Kein Redner wird sagen, dass im 21. Jahrhundert das Bush/Obama-Regime mit den Komplizen Justizministerium, Bundesgerichte, Kongress, Medienhuren, Rechtsfakultäten, Anwaltsvereinigungen und einer unbekümmerten Öffentlichkeit die Verfassung im Namen des „Kriegs gegen den Terror“ umgebracht haben.

Wie in Zeiten des Mittelalters können amerikanische Bürger in Kerker geworfen werden und verschwunden bleiben. Keine Beweise oder Anklagen müssen einem Gericht vorgelegt werden. Kein Verfahren ist erforderlich, und keine Verurteilung.

Wie in Diktaturen können Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika aufgrund des Ermessens des Despoten im Oval Office hingerichtet werden, der dort sitzt und Listen von Leuten aufstellt, die umgebacht werden müssen.

Demonstranten, die ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit ausüben, werden von bewaffneter Polizei angegriffen, geschlagen, getasert, mit Tränengas und Pfefferspray gequält und eingesperrt.

Whistleblower, die die Verbrechen der Regierung öffentlich bekannt machen, werden verfolgt ungeachtet der Verfassung, die sie beschützt.

Der Soldat der Vereinigten Staaten von Amerika Bradley Manning, der angeblich die Dokumente an WikiLeaks weiterleitete, welche Kriegsverbrechen der Vereinigten Staaten von Amerika enthüllten, unter ihnen das Video von Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika in einem Kampfhubschrauber, die sich eine Hetz daraus machen, Zivilisten abzuknallen, die auf der Straße gehen, als spielten sie ein Videospiel, wurde verhaftet und unter foltermäßigen Bedingungen eingesperrt, während die Regierung versucht, eine Anklage gegen ihn zu erfinden.

Gemäß dem Militärgesetz der Vereinigten Staaten von Amerika sind Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika verpflichtet, Kriegsverbrechen bekanntzugeben. Wie auch immer, das Gesetz in den Büchern schützte Bradley Manning in keiner Weise, und konservative Republikaner, die ich kenne, schäumen, dass Manning hingerichtet werden soll, weil er die Wahrheit bekannt gemacht hat. Die Wahrheit, was ist schon die Wahrheit im Vergleich zu der „Einzigartigkeit des großen amerikanischen Volkes“? Amerika hat einen Freibrief, mit den nicht Einzigartigen zu tun, was immer es wünscht. Manning verdient den Tod, so sagen sie, weil er Partei für die Unterdrückten ergriffen hat und nicht für die amerikanischen Unterdrücker.

Nachdem die schwedische Staatsanwaltschaft den Fall gegen Julian Assange von WikiLeaks eingestellt hat mit der Begründung, die Beschuldigungen wegen Vergewaltigung entbehrten der Grundlage, verlangte ein anderer Staatsanwalt, auf Drängen der Vereinigten Staaten von Amerika, wie viele glauben, dass Assange vom Vereinigten Königreich ausgeliefert werden müsse, um ihn zu vernehmen. Normalerweise findet eine Auslieferung nur in Fällen statt, wo eine Anklage wegen eines Verbrechens erhoben und ein Haftbefehl ausgestellt worden ist, was bei Assange fast sicher nicht der Fall ist. Wenn allerdings Washington Assange haben will, dann wird Washington natürlich sicherstellen, dass jedes Gesetz gebrochen oder gebeugt wird, bis sie ihn haben. Die schwedische Marionette wird den Willen des einzigartigen Landes erfüllen und für seinen Dienst gut bezahlt werden.

Die Wohnungen von Friedensaktivisten in einigen Bundesstaaten wurden vom FBI überfallen, Computer und persönliche Aufzeichnungen wurden beschlagnahmt und eine Grand Jury wurde einberufen, um sie anzuklagen wegen Unterstützung von Terrorismus aufgrund ihrer Proteste gegen Washingtons illegale Kriege, Kriege, die Kriegsverbrechen gemäß dem Nürnberger Standard sind, der von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika selbst eingeführt worden ist.

Nichts davon wird in den patriotischen Reden am 4. Juli erwähnt werden. Die berauschten Massen werden sich in Fahnen hüllen und heimgehen im vollen Gefühl einer Überheblichkeit, welche auf minderwertigere Fremde wie Moslems, Araber, Chinesen und die Franzosen mit Geringschätzung hinunterschaut.

Und kein Würdenträger wird erwähnen, dass diejenigen, „die wir dort töten“ in erster Linie Frauen, Kinder, alte Menschen und Helfer sind. Die Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika scheinen sich auf weiche Ziele wie Hochzeiten, Begräbnisse, fussballspielende Kinder, Bauernhäuser und Schulen zu spezialisieren.

Vor kurzem reduzierte Washington das Ausmaß des „Kollateralschadens“ dadurch, dass es jeden umgebrachten Mann im militärfähigen Alter zum Talibankämpfer oder Terroristen erklärt. Offensichtlich hat Washington keine Möglichkeit herauszufinden, ob sie das tatsächlich waren oder nicht, aber diese Erklärung Washingtons wird als grünes Licht für die Ermordung von männlichen Afghanen im Militäralter betrachtet.

Zur Zeit betreibt Washington Kriege oder Okkupationen oder verstößt gegen die Souveränität von Ländern mit Drohnen und/oder Soldaten in sieben muslimischen Ländern und bewaffnet Rebellen in Syrien. Alles das wird gemacht ohne die von der Verfassung geforderte Ermächtigung durch den Kongress, in dem angeblich die Vertreter des Volkes sitzen. Wie lustig!

Kurz gesagt, im Amerika von „Freiheit und Demokratie” haben die Menschen keine Stimme und keine Rechte und keine Vertreter.

Über diesen Mangel an Demokratie und Freiheit wird man von den Rednern am 4. Juli nichts hören.

Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der Abbau der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Missachtung der Gesetze im Inland und auf internationaler Ebene, die das Amerika des 21. Jahrhunderts kennzeichnen, sind Ergebnisse des 11. Septembers 2001.

Washingtons Darstellung des 9/11 ist die wüsteste Verschwörungstheorie, die die Menschheit kennt. So absurd ist das, was Washington uns vorsetzt: Ein paar Saudiaraber ohne jegliche Unterstützung durch eine Regierung oder einen Geheimdienst tricksten nicht nur CIA und FBI aus, sondern alle 16 Geheimdienste der Vereinigten Staaten von Amerika, sogar die Behörden für Verteidigungsgeheimdienste und nationale Sicherheit, zusammen mit den Geheimdiensten aller Washingtoner NATO-HiWis und Israels Mossad, der jede radikale muslimische Gruppe infiltriert hat. Diese bescheidenen Saudis ohne bekannte Qualifikation oder Macht überlisteten zu gleicher Zeit auch den Nationalen Sicherheitsrat, NORAD, das Pentagon, die Luftverkehrsüberwachung, und brachten zustande, dass die Flughafensicherheitsbehörden vier Mal in einer Stunde am gleichen Morgen versagten.

Anders gesagt, jeder Teil von Amerikas Verteidigung versagte zum selben Zeitpunkt.

Denken Sie eine Minute darüber nach. Wenn so etwas tatsächlich stattgefunden hätte, hätten der Präsident, Vizepräsident, Kongress und die Medien zu erfahren verlangt, wie es zu so einem totalen Versagen jedes Teilbereichs der nationalen Verteidigungsbereitschaft kommen konnte. Eine Untersuchung wäre sofort in die Wege geleitet worden, nicht erst nach mehr als einem Jahr auf Druck von Familien von 9/11-Opfern, die sich nicht mit Geld kaufen ließen. Ein derartiges umfassendes und totales Versagen jedes Aspektes der Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika würde bedeuten, dass die Amerikaner keine Minute lang sicher waren in der 40-jährigen verfahrenen Situation mit der Sowjetunion. Zu jedem Zeitpunkt hätten die Sowjets die Vereinigten Staaten von Amerika völlig vernichten können und wir hätten niemals herausbekommen, was uns getroffen hat.

In einer wirklichen Untersuchung wären die 9/11-Beweise nicht illegal vernichtet worden, und die Untersuchung wäre von Fachleuten durchgeführt worden, nicht von Regierungsbehörden mit Vertuschungsauftrag und Parteisoldaten. Der NIST-Bericht (Nationales Institut für Technologie) ist ein erbärmlicher Unsinn. Er erklärt gar nichts. Es handelt sich bei ihm um eine zusammengebastelte Computersimulation eines Nicht-Ereignisses. Der Mitvorsitzende und der Rechtsberater der 9/11-Kommission schrieben später Bücher, in denen sie feststellten, dass der Kommission Informationen vorenthalten wurden, dass das Militär die Kommission belog, und dass die Kommission „so angelegt wurde, um zu scheitern.“ Nicht einmal diese erstaunlichen Zugeständnisse der Leiter der 9/11-Kommission hatten Auswirkungen auf den Kongress, die Medienhuren oder die Öffentlichkeit. Alle Köpfe steckten im Sand. Bitte lasst uns zartbesaiteten Schwächlinge mit den Tatsachen in Ruhe, was immer ihr auch macht!

Mehr als hundert Feuerwehrmänner, Polizisten, Rettungshelfer und Hausmeister berichten, sie hätten Reihen von Explosionen in den zwei WTC-Türmen gehört und gespürt, einschließlich starker unterirdischer Explosionen vor dem Einsturz der Gebäude.

Angesehene Wissenschafter, Herausgeber von vielen in Fachkreisen verbreiteten wissenschaftlichen Zeitschriften, berichten über Funde von Nanothermit im Staub der Türme, das sie auf seine Explosivkraft und hitzeproduzierende Eigenschaft hin überprüften und gaben die eindeutigen Ergebnisse bekannt.

1.700 Architekten und Ingenieure bezeugten in einer Petition an den Kongress, dass die drei Gebäude des World Trade Centers nicht durch Feuer und Flugzeuge zum Einsturz gebracht worden sind und forderten eine tatsächlich wissenschaftliche Untersuchung der Ursache der Zerstörung der Gebäude.

Wir stehen also vor der paradoxen Situation, dass wissenschaftliche Meinung auf der Grundlage einer sorgfältigen Überprüfung der übriggebliebenen Beweise von den Ignoranten und Unbedarften als „Verschwörungstheorie” hingestellt worden ist, während Washingtons absurde Verschwörungstheorie als Wahrheit über das Ereignis feststeht.

Architekten und Ingenieure für Wahrheit über 9/11 unter dem Vorsitz des Hochhausarchitekten Richard Gage trieben den endgültigen Nagel in den Sarg von Washingtons zusammengebastelter Verschwörungstheorie mit dem neuen Film: „9/11: Explosive Evidence – Experts Speak Out“ (Explosive Beweise – Experten sprechen – auch in deutscher Version im Internet zu finden), und sie sagen es in der Tat.

Eine Reihe von Abbruchexperten und Fachleuten für Planung, Ausführung und Konstruktion von Hochhäusern mit Stahlstruktur liefern die wissenschaftlichen, architektonischen und technischen Begründungen, nach denen die drei WTC-Gebäude nur mit der Hilfe von Sprengstoffen einstürzten, die so platziert und gesteuert waren, dass sie die mächtige tragende Struktur zerstörten und zum plötzlichen Zusammenbruch der Gebäude führten. Nachdem die Gebäude gemäß den bekannten und erprobten Grundsätzen geplant und errichtet worden waren, welche absolut einen rapiden Einsturz verhindern, konnten Feuer und struktureller Schaden, den zwei der drei Wolkenkratzer durch Flugzeuge erlitten hatten, unmöglich die plötzliche Auflösung der drei Gebäude verursacht haben.

Ich sah den Film in Atlanta am 2. Juli. Atlanta war eine der 32 Städte, in denen die Premiere des Films lief. Der Film wurde gezeigt im Kino an der Euclid Avenue, dem ehemaligen Euclid-Theater, zu dem wir als Kinder mit unseren Fahrrädern fuhren, um Tarzan zu bewundern, wenn er mit Riesenreptilien kämpfte und auf Elefanten ritt, böse schwarze Stammesleute oder böse weiße Jäger besiegte, oder um Randolph Scott zu sehen, wie er mit seinem Colt Gerechtigkeit in eine von Ganoven beherrschte Stadt brachte, oder um tapfere amerikanische Soldaten zu sehen, die Europa von den Nazis befreiten. Es kam uns nie in den Sinn, dass wir Bewohner des „Landes der Freien“ von einem Gestapo-Polizeistaat bedroht werden könnten.

Amerikas Abgleiten in einen Gestapo-Polizeistaat könnte vielleicht abgefangen werden, wenn die Amerikaner in Hinblick auf die Wissenschaft nicht so ignorant wären oder auch nur in der Lage wären zu begreifen, dass das, was sie mit ihren eigenen Augen sehen, wenn sie die Videos über den Zusammenbruch der Twin Towers betrachten, eine Sprengung der Gebäude ist und nicht ein Einsturz aufgrund eines Strukturschadens. Die Zerstörung von Gebäude 7 bietet das totale und komplette Bild eines kontrollierten Abbruchs.

Am Ende des starken Films erklären Psychologen, warum der Mehrheit einer Bevölkerung die geistige und emotionale Kraft fehlt, sich höchst beunruhigenden Fakten zu stellen. Eine Regierung, die ihre Bevölkerung so ausspioniert, wie Washington das macht, kennt offensichtlich die Verfassung ihrer Bevölkerung und sieht nichts als Schwäche und Angst, die manipuliert werden kann.

Was kann denn noch beunruhigender sein als die wahrscheinliche Tatsache, dass 9/11 eine inszenierte Aktion war, um den Neokonservativen ihr „neues Pearl Harbor” zu verschaffen, um Washingtons Hegemonialkriege in den Mittleren Osten und von dort gegen den Iran und die Atommächte Russland und China zu tragen, welche mit Militärbasen der Vereinigten Staaten umstellt werden, wie es beim Iran der Fall war.

Was wir erleben ist eine Neuauflage der Französischen Revolution, dieses Mal auf einer weltweiten Ebene. Napoleon, der Erbe der Französischen Revolution, eroberte Europa mehrere Male, um die Neue Ordnung in Frankreich auf ganz Europa auszuweiten. Die Französische Revolution war der erste Anspruch auf eine neue Weltordnung, aber damals war die Welt Europa.

Washingtons „Befreiungskriege” sind Kriege, die um die Vorherrschaft auf der Welt und um massive Profite für den Militär/Sicherheitskomplex geführt werden. Die Kombination von Macht und Geld, welche die Motive für Washingtons ausgeheckte Kriege bildet, bleibt verborgen, eingewickelt in die Fahne, patriotische Gefühlsregungen und die Angst vor dunkelhäutigen dämonisierten Moslems.

Können die Architekten und Ingenieure für Wahrheit über 9/11 sich durchsetzen und die Amerikaner aus der künstlichen Realität befreien, die erfunden wurde von den Lügnern der Regierung und korrupten Medienhuren, oder sind die Amerikaner verdammt, in der Matrix zu enden, die für sie geschaffen worden ist?

Vielleicht besteht die Hoffnung darin, dass die Wirtschaft unter den Möchtegern-Führern zusammenbricht, und dass die Menschen, die nicht für Prinzipien und ihre Freiheit kämpfen, für ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen werden.

erschienen am 4. Juli 2012 auf > Paul Craig Roberts Website
Archiv > Artikel von Paul Craig Roberts auf antikrieg.com
Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen!

 

Freitag
06
Juli 2012

In der Stadt tut sich ‚was!

 

In der Stadt tut sich ‚was.

Die zeitliche Ausweitung des kostenpflichtigen Parken in der Innenstadt hatte sich als Flop erwiesen. Auswärtige Gäste hatten es unter diesem Aspekt häufig vorgezogen, nicht länger in der Stadt zu verbleiben als nötig. So das Fazit der Stadt und des Unternehmervereins.

Nun soll diese Regelung wieder rückgängig gemacht, allerdings im Gegenzug die Parkgebühr auf 0,60 Euro je halber Stunde erhöht werden.

Wir sind skeptisch, ob diese Null-Rechnung aufgehen mag. Es könnten abends verlorene Gäste zurückgewonnen werden, doch möglicherweise könnte es sich um jene handeln, die nun tagsüber nicht mehr kommen.

 

Der Zusammenhang mit einer Innenstadtbelebung erschließt sich allerdings nicht. Da die Stadt angeblich bemüht sein soll, Maßnahmen für die Innenstadtbelebung zu finden, scheint die Frage gerechtfertigt, ob hier nicht kontraproduktiv den vermeintlichen Bemühungen entgegengewirkt wird. Mit dem weiteren Ausbau des Fischaparks wird diese Umverlagerung und Abwanderung von Gästen und Bewohnern definitiv weiterhin forciert.

Dieser Fischapark befindet sich zwar am Stadtrand, doch da es sich bei Wr. Neustadt um eine kleine Stadt handelt, ist dieses Einkaufzentrum alles andere als weit entfernt. Es befindet sich quasi nebenan. So ist es als shizophren zu bezeichnen, einerseits den Fischpark und gleichzeitig eine Kauflandschaft in der (gebührenpflichtigen) Innenstadt errichten zu wollen, andererseits genau diese mit mit dem Aufblasen des Fischparks zu boykottieren.

 

Beides kann man so nicht haben, jedenfalls nicht nebeneinander. Dies scheint nicht in die Köpfe der Stadtregierung zu gehen, weswegen eine Lösung für die Innenstadt auch nicht in Sicht ist. Weil sie nicht in den Sinn kommt. Weil es nicht verstanden wird, dass das eine logischerweise anders sein muss als das andere, um bestehen zu können. Weil in diesen Köpfen „Belebung“ abstrakt mit Kauf und Konsum gleichgestellt wird. Und dies auch noch vollkommen losgelöst von dem Umstand, dass sich gerade die Zeiten ändern.

Eine kostspielige politische Psydoumfrage versuchte soetwas wie einen Wohlfühleffekt zu erzielen, nach dem Motto: hey, wir fragen auch Sie und Dich. Nur: wonach? Eine kostspielige Beratungsagentur wurde bereits vor einiger Zeit laut Zeitungsmeldungen angeheuert, um den strukturellen Problemen auf den Grund zu gehen, insbesondere die Fußgängerzone Neunkirchener Straße betreffend. Von der haben wir nie wieder etwas gehört, nur die kolportierten Kosten von 20.000,- Euro sind im Gedächtnis geblieben. Dabei ist ja grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, teure Spezialisten von außerhalb anzuheuern, wenn man innerhalb des eigenen Beamten- und Angestelltenheeres zu keiner vernünftigen und kreativen Idee kommen kann.

Neunkirchner Straße von Süden.

 

Nachbarn aus der Neunkirchener-Straße und Umgebung gaben jedenfalls gratis und unbürokratisch schnell zur Auskunft, dass die Mieten dort viel zu hoch wären, und die Kosten und Abgaben überhaupt. Auch auf das wenig originelle Umfeld wurde hingewiesen, trotz der millionenteuren Sanierung der dortigen Fußgängerzone. Ganz abgesehen von den Parkgebühren, welche die Gäste permanent auf die Uhr schauen ließen. Filialen von Ketten und Konzernen würden sich noch eher die Mieten leisten können, doch würden diese natürlich klugerweise nebenan im – von der Stadt protegierten – Fischapark ansiedeln und auch locker mit dem Fahrrad zu erreichen sein.

 

Ist nun Schizophrenie heilbar? Das wissen wir nicht, halten es aber für vorteilhaft, wenn man dieses Faktum wenigstens anerkennt. Da wurde über ein 100.000,- Euro-Klo gequatscht, gleichzeitig aber der etablierte „Kinosommertraum“ abgewürgt und mit ihm logischerweise das ansonsten in Scharen einströmende Publikum. Zum Glück nur fast, wie wir heute wissen. Zumindest für dieses Jahr ist diese Veranstaltung gerettet worden, aber die Außendarstellung der Stadt war ein PR-Desaster.

Sollte Schizophenie in Wr. Neustadt doch nicht heilbar sein, sollte dem Unvermeintlichen auf anderem Wege begegnet, das bestehende innerstädtische Vakuum durch andere Inhalte gefüllt und gefördert werden. Originelle Kleinanbieter sind zwar mangels finanzieller Masse chancenlos, doch für den Gastronomiebetrieb sieht es dagegen recht gut aus. Würde man diesen zudem mit Inhalten koppeln, mit einem Kulturbetrieb, welcher in der Lage sein würde, immer wieder neue Reize und Neugierde zu schaffen, könnte nicht nur die Besucherzahl steigen, sondern diese auch gehalten werden. Nachhaltigkeit ist hier ein Schlüsselwort. In Verbindung mit Geist und Anspruch.

Das geht offenbar aber nur, wenn man diesen selbst besitzt.

 

In der Singergasse entsteht immerhin ein Kulturzentrum, das ist eine positive Nachricht. Freilich handelt es sich hier um eine aufwendige Privatinitiative, wird aber erfreulicherweise von der Stadt mit gefördert.

Städtische Liegenschaften werden dagegen weiterhin verscherbelt. Eine Reihe davon standen jahrelang leer und wurde nicht einmal befristet nutzbar gemacht, trotz laufender Kosten und Leasingverträgen. Das Gebäude des sog. „Alten Dorotheums“ sowie das ehemalige Gesundtheitsamt nebenan werden nun an Uhl verkauft (oder gegen ein weniger interessantes Areal „getauscht“ oder sonstwas). Zuvor war es nicht einmal möglich gewesen, für drei Tage eine Drehgenehmigung innerhalb des Gebäudes für einen innerstädtischen No-Budget-Film zu bekommen, der – natürlich – in der Stadt auch nur auf Veranstaltungen gezeigt werden kann, die einer Privatinitiative entspringen.

Die Stadtregierung hat für derartige Unternehmungen keinen Sinn und kein Interesse. Kultur ist eben doch noch ein Fremdwort und höchstens in Verbindung mit Volksfestveranstaltungen und diversen Saufständen akzeptabel. Geist ist hier nicht gefragt, Geist wird auch nicht gezeigt. Dass Kultur auch hergestellt muss, scheint man auch noch nicht begriffen zu haben. Stattdessen setzt auch hier in Zeiten des Sparens der städtische Kauftrieb ein: lieber teuer von außerhalb irgendetwas einkaufen als die eigenen städtischen Künstler mit nur 10% der Mittel zu unterstützen.

 

„Noch mehr Parkplätze für eine tote Stadt?“ war ein spontanes Zitat einer besorgten Bürgerin, als sie von dem angestrebten Verkauf des kleinen Szokoll-Parks durch die Stadt erfahren hatte.

Den Bürgern wird dies als eine grandiose Idee verkauft. Sicherlich, das Szokoll-Denkmal wurde erst 2009 mit großem Tam-Tam und erheblichen Kosten eingeweiht, sicherlich, ein Baum und das Denkmal werden (irgendwo) stehen bleiben, auch die Trafik an der Spitze des Areals, aber was ist gegen das Verschwinden einer weiteren Grünfläche einzuwenden, wenn dafür eine Tiefgarage mit rund 200 Stellplätzen ausgegraben werden könnte. Und was ist schon gegen das Kalkül einzuwenden, dass neben der bestehenden Theater-Tiefgarage und den beiden schlecht belegten Parkhäusern in der Ungargasse und in der Grazer-Straße das gehfaule Kaufvolk sich selbst auch aus nördlicher Richtung direkt in die Neunkirchener-Straße transportieren könnte! Um diese endlich zu beleben!

Der größenwahnsinnige Aspekt ist in Anbetracht der kleinen Stadt (8 Minuten zu Fuß an der Nord-Südachse, 6 Min. Ost-West-Achse) nicht von der Hand zu weisen. Nicht vergessen sollte man auch, dass auch diese Autostellplätze natürlich kostenpflichtig sein werden. Und an der Neunkirchener-Straße selbst ändert sich auf diese Weise ohnehin nichts.

Ja, gut, sie wird natürlich hässlicher werden und sich aus demselben Grund auf der anderen Seite in das ehemalige Ostblock-Design der Grazer-Straße einfügen. So, wie die Stadt nun auch ein Hotel in den Stadtpark setzen möchte, gleich neben dem baulichen Verbrechen „Leiner“. Nicht für das Stadtbild, sondern für das andere Stadtbild.

 

Bereits 2010 hatte die Stadt das Vorhaben eruiert, den Szokoll-Park an städtische Großgrundbesitzer zu veräußern, um an Geld zu kommen. Daher bleibt auch hier nicht der Verdacht aus, dass mit dem Verkauf des Parks und der auch überirdischen Bebauung ganz andere profitieren mögen, die mit der Neunkirchener-Straße nur etwas aus Bau- und Vermietersicht zu tun haben könnten. Und sonst nichts.

Deswegen wird dann gerne über die Nichtzeitung NÖN die doch sehr vage Hoffnung verbreitet, dass zum Beispiel die Errichtung eines Bürogebäudes für einen neuen Impuls der Neunkirchener-Straße sorgen könnte. Ein Bürogebäude!

Das ist ein totes Gebäude.

Es zeigt sich auch hier, dass man unter der „Innenstadtbelebung“ vor allem den Antransport von Menschen versteht, die nichts anderes im Sinn haben sollen, als ein stumpfsinniges kaufen, kaufen, kaufen. Und konsumieren. Am besten irgendeinen sinnlosen Scheißdreck. Dieser ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, dort immerhin zu finden.

Im KRONE-Konkurrenzblatt „KURIER“ war am 22. Juni 2012 ein Artikel über Wr. Neustadt zu finden, welcher mit der Schlagzeile „Neues Konzept zur Belebung der City“ Hoffnungen erwecken sollte.

In dem Artikel war zu lesen, dass es nun die Stadtmarketing-Beratungsagentur „CIMA“ richten solle. Mit frischem Wind und einem Kozept. Von der Abgabe der Verantwortung an den „Willen“ (nicht „Können“) der Unternehmer und dem „Schicksal“, welches es in die eigene Hand zu nehmen gilt, wurde auch gleich berichtet. Und das für lumpige 40.000,- Euro, von denen die Stadt 24.000,- Euro übernehmen würde.

Für diese 40.000,- Euro gab es bereits eine theoretische Vorschußleistung: die Idee eines unerwechselbaren Gesichts für die Einkaufsstraße, die Idee eines „kulinarischen Schwerpunktes“ und nicht zuletzt auch die Idee von „bunten Sitzmöbeln“, die zum Verweilen einladen sollen.

Und natürlich zum Einkaufen, ist doch logisch! Am besten gleich mit den bunten Stühlen.

 

Dienstag
26
Juni 2012

EU-Förderungen

 

EU-Förderungen.

Die Kulturvernetzung Niederösterreich hatte für den 14. Juni 2012 zu einem Seminar zum Thema „EU-Förderungen für Kultur vor dem Ende der Förderperiode (2007-2013) optimal nützen“ nach Bad Fischau geladen.

Nach der herzlichen Begrüßung durch Frau Windbüchler (Kulturvernetzung) und der thematischen Einleitung („EU-Förderungen für Kultur“) durch Frau Amann von „inforelais“ (http://www.inforelais.org/index.php/DE) gliederte sich der Seminarabend in fünf spezielle Bereiche auf.

Den Anfang machte Rainer Praschak vom MICA-EU-Projektmanagement unter dem Titel „EU-Programm KULTUR „Tipps für lokale AntragstellerInnen zur Antragsfrist Oktober 2012.“

Davon abgesehen, dass bei der dafür nötigen Vorlaufzeit allein für die Antragstellung für Förderungen ab dem 14. Juni eine Frist bis Oktober 2012 kaum noch erreicht werden konnte, geriet der Beitrag zu einem PR-Desaster des Herrn Praschak.

Weder erfuhren die Zuhörer, was es mit „MICA“ auf sich hatte (http://www.mica.at) noch von Zusammenhängen von irgendwelchen undefinierten Projekten, notwendigen Partnern, notwendigen Eigenmitteln und sonstwas. Musik als solche über Dritte als „international“ erklären zu müssen, ershien mir etwas abwegig. Allerdings kamen Musik, Musiker und Kultur in dem Beitrag ohnehin nicht vor.

Auf meine abschließende Feststellung, dass ich mit dem Beitrag habe nichts anfangen können und meiner Frage, wozu das alles nützlich sein sollte, bekam ich vor allem Hilflosigkeit erwidert.

Einzelne Brocken kristallisierten sich dann aber doch noch heraus. Bei den nicht definierten möglichen Projekten war es in erster Linie um die Vernetzung der Kultur gegangen. Und natürlich um einen entsprechenden Verwaltungsapparat, dessen Exitenzberechtigung mir bis zum Schluß schleierhaft bleiben sollte. Möglicherweise EU-Mittel für den puren Selbsterhalt.

Um einzelne Musiker oder Bands war es ohnehin nicht gegangen, entfernt vielleicht um die Vermarktung der Musik, auch wenn sogar dieser Umstand nicht erwähnt wurde. Von Lokalität konnte ebenfalls keine Rede sein, da jene ominösen Projekte eher auf große Veranstalter von Festivals abzielten, die in der Lage sein würden, entsprechende Geldmittel zu bewegen und die es sich leisten können, allein für den sehr komplizierten und langwierigen Antrag einen Mitarbeiter für einen administrativen Monat abzustellen.

Fazit: dieser Vortrag war eine Katastrophe, der Herr Praschak überfordert, die Inhalte unverständlich, das Anliegen überflüssig.

 

Der zweite Beitrag, „Jugend in Aktion – Einstieg in EU-Förderung mit regionalen Jugendkulturinitiativen“, war dagegen sehr nützlich – sofern man natürlich in diese Gruppe fällt. Herr Krenn von der Biondek-Bühne in Baden hob sich mit seinem Begleiter wohltuend von dem vorherigen Beitrag ab und zeigte auf, dass es tatsächlich Fördermittel für die Produktion von Kultur gibt, die sogar Sinn macht.

 

Kultur ist natürlich vielfältig. Kultur kann hübsch und bunt sein. Kultur – oder meinetwegen „Kunst“ – kann auch kritisch sein. Und wenn wir noch nicht vollkommen degeneriert sind: sollte es auch sein. Nicht nur, aber auch.

Dass dies bei einer EU-Förderung nicht unbedingt erwünscht ist, vor allem wenn es die EU selbst betrifft, wurde bei dem dritten Beitrag, „EU-Programm Europa für Bürgerinnen und Bürger (2007-2013): Antragsbedingungen und -fristen 2012″, vorgetragen durch Frau Lang vom BMUKK (http://www.bmukk.gv.at), und auch bei dem anschließenden schwachen und ablenkenden Dialog deutlich genug.

Auch Förderprogramme müssen verkauft werden. Große Organisationen holen sich gemeinhin dafür Spezialisten, welche die entsprechenden Inhalte konstruieren und mit Slogans unterlegen. Dazu gehören dann auch sinnentleerte Konstrukte wie „Europa für Bürgerinnen und Bürger“. Dem Antragsteller wird zudem suggeriert, ein Teil einer „aktiven europäischen Bürgerschaft“ zu sein. Das klingt ja auch logisch. Welcher Teil hier allerdings als „aktiv“ bezeichnet wird, wird in den Förderbedingungen deutlich.

Um in den Genuß einer natürlich nur möglichen Förderung zu kommen, sollen durch den Antragsteller verschiedene EU-Ziele aufgegriffen und verarbeitet werden. Bürger und EU-Werte; demokratisches Leben; Einbindung der BürgerInnen und Überlegungen zur EU zu ihren politischen Werten und Zielen; Befähigung der BürgerInnen, am demokratischen Leben der EU mitzuwirken; Förderung der Bürgerbeteiligung durch Freiwilligenarbeit; interkultureller Dialog sollen hier als eine Auswahl an Schlagworten genannt sein. Als Ziele der EU und folglich der Projektarbeit werden zum Beispiel „Europa den Bürgern näher bringen, europäische Werte und Errungenschaften fördern und die Erinnerung an die Vergangenheit Europas aufrecht halten“ oder auch „Zusammenwachsen eines demokratischen und weltoffenen Europas“ angeführt.

Es wurde klar gesagt, dass ohne diese gewünschten Ziele ein positiver Bescheid für einen Förderantrag nicht zu erwarten sei. Auf meine Anfrage, inwieweit denn eine kritische Auseinandersetzung mit einem EU-Thema eine Aussicht auf einen positiven Förderbescheid habe, beeilte man sich irritirt zu sagen, dass dies natürlich möglich sei. Um naiv hinzuzufügen, „wenn“ dem so wäre. Ein kritischer Aspekt der EU war allerdings weder bei dem Vortrag noch bei den schriftlichen Informationsmaterialien vorgesehen.

 

Bedauerlicheweise ist es ausgerechnet die EU, die nicht für demokratisches Agieren steht. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Seit dem Bestehen der EU sind die entdemokratisierenden Maßnahmen – einschließlich der bislang vergeblichen Versuche – bis zum heutigen Tag genau zu verfolgen. Und da ist noch gar nicht die Rede von der Korruption und Betrug, der Etablierung von nicht gewählten Einheitsparteien, dem Raub des öffentlichen Eigentums, der gigantischen Umverteilung von unten nach oben, Erpressung und Einmischung in innere Angelegenheiten (siehe Griechenland, Irland, Ukraine uvm.) und der desaströsen, der globalen Elite unterworfenen Außenpolitik die Rede.

Die Aussage, dass die EU für eine Weltoffenheit stehe, ist außerhalb der eigenen wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen als Hohn zu bezeichen. Von Werten zu sprechen, die es zu vermitteln gebe, ist in Anbetracht der Kooperation mit der imperialistischen und verbrecherischen Politik der USA an Heuchelei nicht mehr zu überbieten. Jeder vermag sich daran zu erinnern, dass die penetrante Erwähnung von „Werten“ oder auch „westlichen Werten“ häufig genug im Kontext mit der Zerschlagung unliebsamer Staaten, NATO-Kriegen (viele EU-Staaten sind in dieser Verbrecherorganisation als Mitglied geführt), Bombenterror und Massaker vor allem an Zivilisten begleitet worden ist – und noch immer wird.

 

Kurzum: die als Kulturförderung deklarierten Mittel sind nichts anderes als kaschierte Werbemittel der EU zur Aufrechterhaltung eines nötigen wie möglichst positiven Erscheinungsbildes ihrer selbst – und nichts anderes.

Wessen Geld man nimmt, dessen Hand man nicht beißt. Und das wird auch so verlangt. Meinungen und Rechercheergebnisse der Intelligenz haben hier genau so wenig Platz wie eine konstruktiv-kritische Kultur und ein sachliches Demokratieverständnis, um welches die EU angeblich bemüht ist.

 

Bei den beiden weiteren Beiträgen handelt es sich zum einen um die „Grenzenlose Regionalentwicklung – Förderung von grenzüberschreitenden Projekten“, dessen Inhalt sich im Titel wiederfindet, vorgetragen durch Frau Trojer vom Regionalverband Industrieviertel, sowie „Lebenslanges Lernen – Freiwilligenprojekte 50plus“, vorgetragen von Frau Eglitis vom Verein Grenzenlos – Interkultureller Austausch“. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine nette Idee, ähnlich einem Schüleraustausch für Spätberufende. Nun, es kann niemals zu spät sein.

 

Zum Abschluß möchte ich mich entschuldigen, dass ich auf die beiden letzten Beiträge nicht mehr genau eingegangen bin, aber der Text ist bereits zu lang geworden. Hier erbitte ich mir Eigeninitiative von den Interessierten.

 

Als entgültiges Fazit möchte ich feststellen, dass ich das Bemühen um Kultur-Seminare durch Frau Windbüchler von der Kulturvernetzung Niederösterreich sehr wertschätze und mich hier auf diesem Wege nochmal bedanken möchte. Auch wenn die Inhalte und Befunde aufgrund zweier sehr negativer Beiträge insgesamt sehr durchwachsen gewesen sind. Doch sollten diese den anwesenden Gästen die Augen geöffnet haben, und wenn nicht, so bleibt mir nur noch die Bitte: schickt nicht diese Leute zu einem Kulturaustausch!

 

Montag
18
Juni 2012
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